Ausgabe 
8.6.1905 Drittes Blatt
 
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in kaum vollendetem 90. Lebensjahr.

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Giessen (Bahnhofstr. 48), den 8. Juni 1905.

Die Beerdigung findet Samstag, den 10. Juni, nachmittags 5 Uhr von der Kapelle des alten Friedhofes aus statt.

Im Samen säer trauernden Geschwister

Emma Winheim.

Statt jeder besonderen Anzeige.

Heute früh 6 Uhr verschied sanft nach langem Leiden, unsere liebe, gute Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Urgrossmutter und Tante

Frau Landrichter Winheim Wwe., geh. Prinz

war. Sie hatten nicht einmal klar" zum Gefecht gemacht. Die Geschützmannschaften waren nicht auf ihrem Posten. Der Angriff der Japaner kam so p lötzlich, daß die Russen aus Mangel an Vorbereitungen Fehler begingen, die nicht wieder gut zu machen waren.

Tokio, 8. Juni. Als er Seesieg der Japaner den in Fusan internierten russischen Gefangenen mitgeteilt wurde, erklärten viele, zumeist ' -'ölen, daß sie es vorziehen würden^ statt nach dem Schluß des Krieges nach Rußland zurückzukehren, sich in Sachalin oder Wladiwostok, das sie in dem Besitz der Japaner alauben, naturalisieren zu lassen.

Schweden und Norwegen.

Christiania, 8. Juni.Dcfizbladet" schreibt: Der neue Ltand der Dinge wird von einens Ende des Landes bis zum andern mit würdiger Ruhe und Zufriedenheit auf- aenvmmen. Ueberall versteht man den Ernst der Lage, aber man führt sich sicker in der Ueberzeugung von der Gerechtigkeit der Sache und der einzigstehenden nationalen Eintracht. Wenn Schweden von einer Revolution spricht, so solle cs zwei Dinge bedenken: Zum ersten, daß Norwegen nach seinen: Volksrecht unstreitbar das Recht gehabt hat, wie es geschehen ist, zu handeln. Die Reichsakte war ein Vertrag: sein Zweck war, eine Union einen Schutz für den gemeinschaftlichen Thron zu errichten. Aber sw war soweit davon entfernt ein Schutz zu werde::, daß es sich am 27. Mai zeigte, daß die schwedische Königsmacht völlig die norwegische unterdrückte und sie ganz außer Spiel setzte. Hiermit war die Reichsakte von einer Seite gebrochen und dadurch selbstverständlich die

andere von ihren vertragsmäßigen Verpflichtungen! gelöst. Zum zweiten sollten die Schweden ihre Aufmerksamkeit darauf Achten, daß der Storckhing seinen Beschluß einstimmig gefaßt hat; sogar Männer, welche ursprünglich andere Wege vorgezogen hatten, haben sich angeschlossen. Mle Beamte haben sich loyal vor der neuen Ordnung gebeugt. Das Land hat somit geordnete und völlig gesetzliche Verhältnisse.

Stockholm, 8. Juni. Viele Tausende von Einwohnern Stockholms brachten heute abend dem K önige vor dem Schlosse Rosendal eine Huldigung dar. Als der König und die Königin, die Prinzen, sowie die Prinzessin Jngeborg auf dem Balkon erschienen, wurde die Nationalhymne angcstimmt. Der König wurde mit einer kurzen Ansprache begrübt, auf die er mit lauter, vor Erregung zitternder Stimme erwiderte. Er sprach seinen Tank aus für die Liebe, die ihm gezeigt werde, und schloß mit einem .Hoch auf das alte, ruhmreiche, loyale, gute und ihm teure Vaterland, worauf brausende, .Hurrarufe ertönten. Der König brachte ferner ein Hoch auf seinen Enkel, den Prinzen Gustav Adolf, aus. das mit lebhaften Hochrufen aus­genommen wurde. Nach der Absingung patriotischer Lieder folgte ein Vorbeimarsch der Menge, der eine Stunde dauerte, wobei der König von neuem mit Begeisterung begrüßt wurde. Svenska Telcgram Byran. Die politische Krisis hat in keiner Hinsicht das Aussehen Stockholms geändert. Alles geht seinen gewöhnlichen, ruhigen Gang. Die große Masse ist ziemlich ^leichgiltig gegenüber der Auflösung der Union, da die Länge des Friedens bewirkte, daß man nur verhältnismäßig wenig den Wert der Vereinigung schätzt, da diese viele Unannehm­lichkeiten mit sich führte. Dies bewirkte bei der Mehrzahl der Schweden, daß sie der Union wirklich müde wurden. Nur die Minderheit mit lebhafterem politischem Interesse ist auf- | gebracht über die Trennung und sieht der Zukunft mit Unruhe

entgegen. Hierzu komtnt die Furcht, daß Norwegen eine wärtige Politik befolgt, welche Unsicherheit für Schweden mit! sich bringen kann, wozu gro^e Ausgaben kommen! können, da es> vielleicht notwendig wird, die Weftgrenze Schwedens zu! befestigen. Es herrscht einige Unruhe darüber, wie daS Ausland sich verhalten wird. Der gröüte Teil empfindet tiefes Mitleid mit dem betagten Monarchen, der an seinem Lebensabend solchen Prüfungen ausgesetzt wird. Dieses Gefühl findet in,vielen! Huldiguugstelegrammcu an den König Ausdruck. Wie sich die Krisis entwickeln wird, ifl unmöglich zu sagen. Soviel läßt sich jedoch sagen, daß Schweden nicht Gewalt gebrauchen und daß kaum ein Schwede wünschen wird, daß die Union selbü inj nur gemäßigter Form aufrechterhalten wird. Der Reichstag wird entscheiden, wie Schweden sich gegenüber dem norwegischen! Reichstag und der norwegischen Revolution verhalten soll.

Wien, 9. Juni. DieN. Fr. Pr." fragte bei Björn son an, wie er über den Beschluß des norwegischen Storthings und über die Lldresse an den König denke. Bjöimson telegraphierte aus Lillehemmer: ,,Die Adresse an den König ist der Ausdruck des ganzen norwegischen Volkes, die Auflösung der Union ein Segen für den ganzen Norden."

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Bekanntmachung.

Die unterm 18. April l. Js. angeordnete Sperre der Rordanlage, zwischen Neustadt und Steinstraße, wird hier­mit aufgehoben.

Gießen, den 9. Juni 1905.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Herberg.

Bekanntmachung.

Nachdem die Rotlaufseuche unter den Schweinen des Georg Bich le r (Hardthof) erloschen ist, wird die unterm 20. Mai l. I. angeordnete Gehöftsperre hiermit aufgehoben.

Gießen, den 8. Juni 1905.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Her berg.__

Bekanntmachung.

Betreff: Die Verteilung der Zinsen der Kanzler Antomo Wolffen von Todtenwart'schen Stiftung (Junigeld).

Die Verteilung der Zinsen aus der Wolf von Todtenwart'schen Stiftung findet stiftunasqemäß Samstag den 10. Juni, morgens um 5 Uhr, in der Stadtkirche statt.

Gießen, den 7. Jun: 1905. B/e

Die Armen-Deputatwn der Stadt G:eßen.

C u r s ch m a n n. _______________

Bekanntmachung.

Hiermit mache ich bekannt, daß mein Vertreter, Herr Albach aus Braunfels, während meiner Krankheit berechtigt ist, Gelder für die Fürstliche Kasse in Empfang zu nehmen und darüber vollgültig zu quittieren. D9/c

Hungen, den 8. Juni 1905.

Fürstliches Rentamt. W:egmeyer.

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Achtung!

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Arbeitsvergebung

Die am alten Schulhause zu Steinberg nötig werdenden Arbeiten sollen im Wege des schriftlichen Angebots vergeben werden und zwar:

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Schreinerarbeiten 136 99

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Offerten wollen bis Diens­tag den 13. Juni, Nach­mittags 2V2 Uhr, auf Großh. Bürgermeisterei Watzenborn ab­gegeben werden, woselbst a:rch der Voranschlag eingesehen werden kann.

Gießen, 7. Juni 1905.

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Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem plötzlichen Hinscheiden unseres unvergeßlichen Gatten, Vaters, Sohnes, Schwiegersohnes, Bruders und Schwagers, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Schlosser sagen wir innigen Dank.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: 03888 Auguste Brühl, geb. Hitzel.