Ausgabe 
8.4.1905 Erstes Blatt
 
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Samstag 8. April 1903

153. Jahrgang

Erstes Blatt.

ein Haftbefehl erlassen. Tie Einführung von Mitgliedern in die Verschwörung geschah durch höhere Offiziere. Ein Abgeordneter, der enge Beziehungen zu dem Prinzen Viktor Napoleon hat und der ein großes Vermögen besitzt, ioU? die Gelder zur 'Ausführung des' Komplotts geliefert haben, \

Ueber die Art der Ausführung des Staats streichkom-, plotts wird weiter bekundet: Der Elvseepalast wird von einer Kompagnie Infanterie bewacht, die alle 24 Stunden abgelöst wird Die Verschwörer hatten zur Ausführung des Planes den Tag gewählt, an welchem einer der am Kom- plott beteiligten Offiziere die Wache haben sollte. Die^ 500 Mann Verschwörer sollten dann mit aufgepflanztem Bajonett in den Elyseepalast einmarschieren, um die dienst­habende Kompagnie abzulösen, und zwar eine Stunde früher, als sonst üblich. Während dieser Stunde sollte dann die Verhaftung Loubets und der Staatsstreich ausge- sührt werden.

Tamburini erklärt, die bei ihm gefundenen Uniformen! seien für die Elfenbeinküste bestimmt, wo ein Herr de Fer- rieres und ein Hauptmann Landkonzessionen besäßen, und. wo man eine Schutztrrrppe bilden wollte. Auf dem Kolonial- ministerium weiß man nichts von solchen Konzessionen.

Nr. 84

Orietlei ilgttch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger Verden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien- llflller viermal in der Woche betgelegl.

Rotationsdruck u. 93er- Lag der Brü h l'schen Nnwers.-Buch-u. Stern- bruderet. 8t Lange.

Redaktion, Expedition und Trucferet:

Schulftraße 7.

tlbrefle für Devescherr: Anzeiger Gieße».

HkrrriprechanichlußNr 51.

Kaiser Wilhelms Zileerfahrt.

Die Tafel an Bord derHohenzollern", von der gestern berichtet wurde, war für 40 Gedecke hergerichtet und wunderbar mit Blumen geschmückt. Der Kaiser er­zählte die interessantesten Episoden seiner bisherigen Reise und äußerte sich besonders befriedigt über seinen Aufenthalt in Marokko. Dann kam das Gespräch auf Kriegsschiffe, und der Kaiser sprach den Wunsch aus, den neuen PanzerRegina Margherita" zu sehen. Während der Tafel spielte die Musik derHohenzollern" italienische Weisen. Darauf besuchten die Monarchen den PanzerRegina Margherita", wo der Lademechanismus der vier großkalibrigen Geschütze in den Panzertürmen den Kaiser besonders interessierte.

Der neapolitanische Galaabend, von dem auch schon gestern die Rede war, bot ein glänzendes Bild. In den Logen, die sich im Teatro San Earlo sechs Stock hoch einander erheben, waren alle neapolitanischen Herzoginnen, Fürstinnen, Gräfinnen, Marcheiinnen im Glanze ihrer Schön­heit und ihres überreichen Vrillantenschmucks erschienen. Wenige Minuten nach 10 Uhr erschienen die Monarchen und Prinz Adalbert in der Hofloge. Die deutsche National­hymne ertönte, beinahe übertönt von den Jubelrufen und dem Händeklatschen des Publikums. Der Kaiser sah ernst aus. In der Pause vor dem dritten Mt wurden die Maje­stäten von neuem stürmisch akNamiert. Der letzte Akt des Roland von Berlin" mit einem glänzenden Ballet leicht­geschürzter Dameu bildete den Glanzpunkt des Abends. Den Schluß des Galaabends bildete die OperExcelsior", die mit deutschen und italienischen Kosttimen und Fahnen das deutsch-italienische Bündnis als Beschützerin des Weltfrie­dens zum Ausdruck brachte. Kurz vor Mitternacht verließen die Monarchen unter Evvivarusen des Publikums das Theater.

Kaiser Wilhelm ließ dem Minister Tittoni sein Porträt mit einer Widmung überreichen. Der König, machte dem Grafen Eulenburg ein Geschenk.

Wie weiter aus Neapel gemeldet wird, begab sich der Kaiser /mt Freitag nach dem Frühstück an Bord derHertha", um Manöver vorzunehmen. Nachher empfing er eine Ab­ordnung der deutschen Kolonie in Neapel. Am Nachmittag ging der Kaiser an Land und unternahm einen Ausflug im Automobil, welches ibm der König, der wieder nach Rom zurückgekehrt ist, zur Verfügung gestellt hatte. Die Fahrt ging bei herrlichem Wetter über Posilizzo, dann weiter das Ufer entlang. Der Vesuv, die Küsttn-Jnseln und die schneebedeckten Berge Eampaniens lagen in voller Klarheit da. Die Fahrt ging bis Puzzuoli und Bajae, dann weiter bis Kap Misenum. An einer malerischen Uferstelle des Mare Morto wurde Tee genommen. Die Bevölkerung brachte allenthalben bent Kaiser herzliche Ovationen dar.

Tie gestern von uns gemeldeten Trinksprüche des deutschen Kaisers und des italienischen Königs werden na­türlich von der gesamten Presse des In- und Auslandes viel kommentiert. So bemerkt dasBerk. TagebL":

Beide Trinksprüche zeigten die völllgeUebereinfti mm- ung der beiden Herrscher in der Bewertung des Drei­bundes als der festesten Garantie des europäischen Friedens. Die Redewendung des Kaisers, daß ihm der Besuch eine will­kommene Gelegenheit zum Meinungsaustausch mit König Viktor Emanuel gegeben habe, wird zweifellos und wohl kaum mit Unrecht mit der schwebenden marokkanischen Frage in Zu­sammenhang gebracht werden.

Die französische Presse heuchelt natürlich größte .Gleichgiltigkeit. Der PariserMatin" berichtet z. B. aus Neapel:

Trotz der geringen Bedeutung der zwischen dem deutschen Kaiser und König Viktor Emanuel ausgetauschten Trink- sprüche ist hervorzuheben, daß beide Monarchen in ihren Toasten den Frieden erwähnt haben. Der König stützte denselben aus die Freundschaft, der deutsche Kaiser aber auf den Dreibund. In Pariser amtlichen Kreisen werde erklärt, daß der Besuch des deutschen Kaisers ein einfacher Höflich kei'tsakt sei. Durch den Besuch des Kaisers in Tanger sei die Herzlichkeit seines Empfanges in Italien herabgedrückt worden, da man dort in Anbetracht der guten Beziehungen zu Frankreich keineswegs wünsche, auf dieser Seite Mißstimmung hervorzurufen. Die marokkanische Frage sei in Italien immer mit großem In­teresse verfolgt worden imb zwar wegen der zwischen der tripoli- tanischen und marokkanischen Angelegenheit bestehenden innigen Beziehungen. Durch die Anwesenheit Kaiser Wilhelms in Tanger sei jedenfalls auch der Ton in den Trinksprüchen etwas Lerabgestimmt worden.

Die römischen Blätter enthalten sich allerdings zumeist jeden Kommentars über die Neapeler Trinksprüche. Es scheint dies vielleicht doch auf den Wunsch des italie­nischen Preßkomitces zurückzuführen zu sein, nach dem marokkanischen Zwischenfall dem Kaiserbesuch in Neapel keinen bedeutenden Wert beizulegen. Nur derPopolo Romano" macht eine Ausnahme. Er schreibt:

Jedes unserer Worte der Huldigung und Ehrerbietung gegen großen Monarchen der befreundeten, deutschen Nation wäre überflüssig, denn aus der innigen Begrüßung und dem herz­lichen Trinksprüche unseres Königs sprechen die Gefühle des ganzen italienischen Volkes, welches auch bei Gelegenheit dieses hoch­willkommenen Besuches den heißesten Wünschen für die kaiserliche Familie Ausdruck gibt und die Bande aufrichtigster Freundschaft für das deutsche Volk aufs neue be­festigt.

Der Krieg.

Petersburg, 7. April. (Petertzb. Tel.-Ag.) Em Telegramm des Generals Charkoewitsch vom General­stab meldet beute: Gestern zwangen unsere Jäger ja­panische Kavallerie, sich von Erdaheze nach Tsuluchu zurückzuziehen. Eine unserer Abteilungen, die am 'Worten des 4. April Tsintsatua erreichte, zwang den Feinds

Uaiitische Tagesschau.

Die französische Verschwörer-Angelegenheit nimmt, obwohl sie anfangs etwas operettenhaft anmutete, ernsteren Charakter an und scheint sich als m i l i t ä r i s ch e s Komplott zu entpuppen. Kabinettschef Rouvier erklärte in den Wandelgängen der Kammer, die Angelegenheit sei sehr ernst, doch hätten bis jetzt nur einige Beteiligte er­mittelt werden können. Es heißt, General Negrier sowie der Abg. Guyot de Villeneuve seien schwer kom­promittiert.

Ter mit der Untersuchung betraute Richter Chenebenort hat vier Offiziere, darunter den Hauptmann Metivier vom 7 Kolonialregiment, welche der Hauptmann Tamburini für sein Komplott anzuwerben versucht haben soll, als Zeugen vorgeladen. Es heißt, daß eine Anzahl Offiziere- seiner Nachbargarnison von Paris die Pläne Tamburmis gekannt habe. Die Polizei hat auch Nachforschungen in betreff einer vor kurzem begründeten bona- partistischen ZeitschriftLes Anna les Francaises" eingelettet, welche aufreizende Aufrufe an die Armee ver­öffentlichte und ihren Lesern Gras-Gewehre und Revolver zu billigen Preisen als Prämie anbot. Die Gründer dieses Blattes sind ganz unbekannte Leute. Die Gras-Gewehre konnten bisher nicht ausgefunden werden. Die Polizei hat nur ermittelt, daß sie zuletzt von Nanterres nach Lcvallois bei Paris transportiert worden sind. Ehenebenoit hat der Polizei mehrere Mandate für Haussuchungen zugehen lassen.

Ein Verdächtiger Namens Hansen hat sich, kurz vordem er verhaftet werden sollte, geflüchtet und ist nach Hamburg abgereist Hansen hatte in Paris ein Bureau eröffnet, als Vertreter einer Firma Meinhart aus Stockholm. Er empfing viele Leute, und nach Aussage der Pförtnerin meist sehr aristokratisch aussehende Persönlichkeiten. Viele erkundigten sich bei der Pförtnerin, ob man Hansen Geldbeträge auoer- ttauen könne. Hansen ist ein Verwandter des Direk- 's der Gejellschast für koloniale Studien Bunan und b ? sind Freunde bcy Hauptmanns Tamburini. Gegen Bunan ist

Zrnß'twd in Sturm und Prang.

Die Persönlichkeit des Mörders des Großfürsten Sergius ist jetzt fest gestellt worden. Er heißt Kalojew und ist der S oh n ein es Polizeiinspektors in Warschau. Er war Student an der Petersburger Universität und rourbe im Jahre 1899 wegen Beteiligung an politischen Wühlereien relegiert. Seine Persönlichkeit wurde in den Kreuzverhören, die im Zusammenhang mit der Verhaftung von 12 an dem Anschlag gegen das Leben des Zaren am 30. März verhafteten Personen erfolgten, festgestellt. Einer der Verhafteten, Namens Sawinkow, war ein Studiengenosse Kalajews.

Das Pariser BlattGoutier Europöen" ist in der Lage, einen Verfassungs-Entwurf zu veröffentlichen, welcher von den hervorragendsten Personen der russischen Versassungs- partei ausgearbeitet worden ist. Artikel 1 lautet:

Tie oberste Gewalt des Reiches wird vom Zaren unter Mithilfe der Nationalversammlung aus­geübt. Letztere wird aus einer Kammer und einem großen Rat der Semstwo gebildet. Ter große Rat der Semstwos wird aus Mitgliedern der Provinzial-Semstwos und den Gemeinderäten der Städte mit mehr als 125 000 Einwohnern gewählt. Die Mit­glieder der Kammer werden gewählt durch allgemeines gleiches und geheimes Stimm recht. Die M i n i st e r iverben vom Zaren ernannt tlnd sind vor der Nationalversammlung verantwortlich. Redefreiheit wird allen russischen Untertanen garantiert.

Der Gouverneur von Petrikau gibt bekannt, daß nach nenerbing§ eingegangenen Nachrichten Bauern und Tage­löhner auf dem Lande durch Unbekannte gezwungen werden, die Arbeit einzustellen und Lohnerhöhungen zu fordern. Von denselben Personen wurde den Bauern der Nat erteilt, die Rechte der Grundbesitzer und der Negierung zu verletzen. Die lokalen Behörden, sagt der Gouverneur weiter, werden die erforderlichen Maßnahmen gegen Eigen­tumsverletzungen ergreifen. Ich bin vom Generalgouverneur ermächtigt worden, der Bevölkerung des Gouvernements be­kannt zu geben, daß Personen, die der Inbesitznahme von Grundstücken der Gutsbesitzer, der Erregung von Ruhestörungen oder des Widerstandes gegen die Verwaltungsbehörden von der Polizei oder dem Militär für schuldig befunden werden, vor einem Kriegsgericht standrechtlich abgeurteilt, werden.

Aus Verkhnic Dnieprovsk wird unterm 7. ds. berichtete Auf den Gütern des Fürsten Kotschubey hat sich unter der ländlichen Bevölkerung eine Bewegung geltend gemacht, die auch auf die benachbarten Dörfer übergegriffen hat. Dott drohen die sehr erregten Bauern die Ländereien auf* zuteilen. Die Grundbesitzer und die Behörden des Dorfes Ternakh sind zusammengetreten. Im Zentrum des Bezirks wurden Kosaken zusammengezogen.

Wie ein galizisches Blatt ausWarschau meldet, werden dort fortgesetzt Hausstichungen und Leibes-Visitationen bei verschiedenen Personen vorgenommen. DerNaprzed" ver­öffentlicht ein Communiquä der p o l n i s ch e n s o z i a l i st i s ch e n Partei, in dem es erklärt, daß es beschlossen habe, fämt^ liche Polizeibeamte, welche sich gegen Demonstranten sowie gegen Streikende vergangen haben, zur Verantwortung zu ziehen. Im Auftrage dieses Komitees sei auch Oberst. Nolcken in einen Hinterhalt gelockt und bestraft­worden. Das Komitee beklagt, daß dem Attentat auch Un­schuldige zum Opfer gefallen seien, erklärt jedoch, daß diese Personen als am Altar der Freiheit gefallen zu betrachten, sind. Das Komitee spricht seine Anerkennung den verhafteten- Attentätern aus und erklärt, daß es ununterbrochen bei seiner terroristischen Methode bleiben und dieselbe fortsetzen werde.

In der Warschatier Zitadelle wurden in den letzten Tagen 40 sozialistische Agitatoren standrechtlich cr- sch osse n.

der Präsident mit, daß vierJnterpellationen über Marokko eingegangen sind. D e l c a s s e verlas eine kurze Erklärung, in der es heißt:

Seit langer Zeit gibt bie Regierung von der Tribüne des Parlaments Aufklärungen über ihre Politik in Marokko. Dce bekannten Abkommen konnten keinerlei Ueberraschung Hervor­rufen. Alle Welt konnte darin eine Politik erblicken, die keinerlei Befürchtungen erwecken durfte. In dieser Politik ist keine Aenderung ein getreten, die geeignet wäre, Befürcht­ungen zu rechtsettigen. Bei unseren Verhandlungen mit Ma­rokko haben wir nur das Bestreben, ihm Ratschläge zu erteilen und deren Nutzen nachzuweisen. Wir geben Marokko diese Auf­klärungen als Freunde, wie es Leuten zukommt, die keinerlei Interesse daran haben, überstürzte Lösungen zu suchen. Wir werden damit fottfahren, mit dem Verttauen von Leuten, die nieman­den zu schaden suchen iind die bereit sind, in Erörter­ungen über jedes M i ß v e r ft ä n dn i s einzutreten, das etwa Vorkommen könnte. Das sind die Aufklarungep, die sich nach der Lage der Sache geben und denen ich heute nichts hinzu­fügen kann."

Die Regierung schlägt Vertagung der Interpella­tionen vor. Iaures (Soz.) erklärt sich mit der Vertagung einverstanden. Er rechnet aber darauf, daß der Minister die Aufklärungen, die er verspracht bald geben wird. Guvot de Villeneuve (nat.) ist ebenfalls mit der Vertagung ein­verstanden, die hierauf beschlossen wird.

Delcasse li-'ß dnrch seine Diplomaten ein D a r l e h n s - G e- schäft von 20 Millionen Francs zwischen französischen Banken und der Regierrmg von Marokko vermitteln,^ wohl in der Erwartung, dadurch den Ankergrund zu schaffen für em Protektorat Frankreichs über Marokko, zum mindesten und zu­nächst für einen Stützpunkt zugunsten des Anspruchs auf Vor­zugsstellung des französischen Handels im Sultanat. Welche Gegenverpslichtung die marokkanische Regierung eingegangen ist, entzieht sich der öffentlichen KennMis. Soviel aber ist gewiß, daß Deutschland, da es keine politiscl>en Absichten in Marokko ver­folgt, über denrollenden Franc", und was darum und dran hängt, zur Tagesordnung übergehen kann, auch keine Veranlaffung hat, seine Doppelkronen in die marokkanischen Regierungskassen rollen zu lassen, um den Franc^aus dem Felde zu schlagen.

In Rußland kam man bei Erwägung der Reise Wilhelms II. nach Marokko aus den Gedanken eines f r a n k o- russisch-englischen Bündnissesgegen die immer größer werdenden Prätensionen Deutschlands". Das offiziöseNowoje Wremja" spricht sich dagegen für ei n B Ün dnis m it De uts ch- land aus:

Ein Heber ein ko mm en zwischen Rußland und England, sagt die Zeitung, kann nur für Frankreich prosttabel sein, Rußland kann es weder im muselmännischen Osten, noch 'in Mittelasien nützen. Man darf nicht vergessen, daß neben dem fernen Osten für Rußland die Lage im nahen Osten am wichtigsten ist, wo letzt der Einfluß Englands dem Einflüsse Deutschlands gegenüber stark nachgelassen hat. Also wäre es für Rußland ratsamer, dort durch ein Uebereinkommen mit Deutschland und nicht mjt England zum Ziele zu gelangen zu suchen. Auch kann das leichter und schneller bewerkstelligt werden, als andere Kombinationen.

Der Kaiser hat gestern abend Neapel verlassen und sich nach Messina begeben, wo er zwei Tage zu verweilen gedenkt. Von dort geht die Reise nach Eorfu und von hier nach Taormina. Der griechische Minister des Aeußern begibt sich nach Eorfu, um beim Empfang des Kaiserpaares dort anwesend zu sein. Zwei Panzerschiffe werden zur Begrüß­ung des Kaisers ebenfalls nach Eorfu abgehen. Der Kaiser wird zwei Tage in Eorfu verbleiben.

In Konstantinopel verlautet, Kaiser Wilhelm habe bei seinem Besuche in Tanger dem Onkel des Sultans von Marokko den dringenden Rat erteilt, kirchliche Rivalitäten mit der Türkei aufzugeben und eine panislamitische Vereinigung mit Konstantinopel anzustreben.

DieNordd. Allg Ztg." hat keine Veranlassung mehr, denTemps" zurechtzuweisen. Es klingt jetzt anders aus den Spalten der französ. Regienmgsvresse. Der^emps nut seinen herausfordernden Entstellungen ist in der Versenkung verschwunden. König Eduard tauschte mit dem Präsidenten Loubet unverbindliche Höflichkeiten lakls, Delcassä ließ er aber links siegen. Der Mi­nister hatte viel auf diese Karte gesetzt, aber in der Diplomatie h)ar König Eduard oem Diplomaten über.

/ An der französischen Kammer teilte am Freitag

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