Ausgabe 
8.5.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

lEcntar, nkachlvoNeS WoNen, bezwingeub^s $*üibcEn. UnBTTfarc$ Auskommen läfth so es ihm gebest, das Veben-

der

in

Und sie k'lmpscn nicht für sich, nicht für sich! Mein, sondern * für nr nür n'(Yrrrmpi np fttii ter rrfs prhfp- ßk'fchnh-Fp-

sächliche beiseite zu schieben, die entscheidenden Züge im knappsten Bride KrchaNr'menzndrängen. Mt dieser Eigenschaft! tritt der Spaziergang dem Lied von der Glocke zur Seite: in wenigen markigen Strichen zeichtten sie das Werden der Kultnr, den Gang des menschlichen Schicksals. IN zwei

Indessen schritt sein Geist gewaltig fort Ins 'Ewige des Wahren, Guten, Schöner^ Und hinter ihm im wesenlosen Scheine Liegt, was uns alle bändigt, das Gemeine.

IN solchen Tagen wird uns der lichter wieder lebendig, im Vorwort zur Braut gekämpft hat gegen den ge­meinen Begriff des Natürlichen, der alle Poesie und Kunst geradezu aufhebe und vernichte; der Dichter, der mit grimmiger Ironie die Bühne Jfflands und Schröders ge­geißelt hat, der zuletzt seinen Zorn in den Worten sammcnfaßt: also eure Natur, die erbärmliche, trifft man auf Ciiiren Bühnen, die große war nicht, nicht die unend­liche an?

seinen eigenen Worten sargen:

Schlank und leicht, wie -aus dem Nichts gdspruwgen,.

Steht das Bild vor dem' entzückten Mich

-Alle Zweifel, alle Kämpfe schweigen

In des Sieges hoher Sicherheit,

'Ausgestoßen hat es jeden Zeugen!

Menschlicher Bedürftigkeit. - ----- "

Und der Dichter gleicht dem Sinnbild, iN'dem sich ihm das Leben zuw Ideal verklärt, jenem Herakles,. der- in ewigem Gefechte ging des Lebens schwere Bahn,

Bis sein Lauf vollendet ist,

Bis der Gott, des Irdischen entkleidet, Flammend sich vom Menschen scheidet Und des 'Aekhers leichte Lüste trinkt.

Mer an uns ist es, ihn nicht entschweben!' M lassen ... die Wolken, ihn diesmal festzuhalten, bfl er uns Yun wieder erstanden ist, daß wir kühnlich M be­

haupten mögen: er ist unser!

Worte faßt der Dichter das Wesen der Nevolution als den Widerschein von Rousseaus Forderimg, der die Kultur ver­nichten will, um zur Natur zu gelangen:aufsteht mit des Verbrechens Wut und des Elends die Menschheit, und in der'Asche der Stadt sucht die verlorne Natur." Aufdie kürzeste Formel wird am Ende des Fiesko der Sinn des Ganzen gebracht durch das hoffnungslose Wort des Verrinn: ich gehe zum Andreas. Und am Schluß des Wallenstein steht jenes Wort voll tragischer Ironie, das Urteil über den, der äußerlich Sieger geblieben: dem Fürsten Piccolomini. So ist Schiller der geborene Dichter des Epigramms. Hier begegnet sich die Wucht der Gedankenverdichtung mit jener andern Neigung des Dichters, der allem Unklaren abhold, den das hellste Licht nicht blendet. Schiller arbeitet nicht mit Halbsarben, mit zarten Uebergangstönen; er stellt die Gegensätze ungebrochen neben einander: So setzt er Franz Moor gegen Karl, die Jugend Melchthals gegen den greisen Attinghauscn. So fetzt er Stimmung gegen Stimmung: in den Verschw-örungslärm des Fiesko klingt hinein das groteske Lachen des Mohren; Geßlers Tod ist umrahmt vom Hochzeitszug des Meiers von Mörlischachen und dem 'Grabgesang der barmherzigen Brüder. Aufs schärfste spitzt sich der Gedanke zu, wenn in seiner Svntrittsrede zu Jena der Brotgelehrte itnb der Mann der Wissenschaft im Bilde nebeneinander treten*; in Ideal und Leben wechselt der Blick von Strophe zu Strophe; hier die Wirklichkeit, dort das Reich der Schatten, der Ideen.

Und nicht zuletzt zeigt die Sprache des Dichters der­artige Neigung: auch hier fetzt er gerne schwarz neben weiß, kalt neben heiß, greift er nach dem vollsten SlNsdruch der gewichtigsten Bezeichnung. Wohl hat man seine Rede rhetorisch gescholten. Mer was da an unser Ohr dringt, das sind nicht die KunstMckchen, die die alte Schulregel gelehrt hat, nicht tönendes Erz ohne Seele. Das ist der Sttom natürlicher Beredffamkeit, geschwellt von hoch ge­steigertem Empfinden. In solcher Verfassung braucht der Dichter nur hrneinzwgreifen in die unerschöpften Reichtümer, die die Sprache selbst ihm darbietet. Wenn der Dichter sich nicht genug tun kann in der Bewältigung des Gedankens, wenn er ihn zwei- und dreimal wendet, wenn er nach­schiebt und verstärkt; wenn es etwa in der Jungfrau heißt: Ich sehe dich in Jugendfülle prangen, dein Lenz ist da, es ist die Zett der Hoffnung, entfaltet ist die Blume deines Leibes^, wenn also der Dichter spricht, so tut er nur, was das Recht ist ursprünglicher Merffchenrede, die nicht erkältet wird von der Blässe des Gedankens. Und doch! eilt SchiUers Rede rasch beflügelt dahin in kurzen knappen Sätzen, die nur selten zur verwickelterer Fügung zusammen- treten; in sich selber einfach gegliedert, um wenige starke Mittelpuntte geordnet. Weit bedächttger und ruhiger fließen Goethes Sätze, beladen mit einer Fülle von gewichtigen Be­stimmungen. 'Auch' mit dieser Art des SatzbauS steht Schiller fest curf dem Boden einfache natürlicher Sprechweise. Mer eines ist sein eigenstes Geheimnis. Wohl bebagt auch der Naturmensch sich am kräftigsten Ausdruck, und der Schiller der Jugenddramen kann karcm ein Ende finden im Häufen von derbsten Kraftworten. Mer fett dem Don Carlos sind die Kerls, die Buhen, das Gesindel verschwunden, ist es stumm geworden von Scheußlichkeit rmd Schändlichkeit. Mer ein anderes ist an die Stelle getreten: die Neigung zu Worten, die stark leuchtende Bildet auslösen, die für sich Mein geeignet sind, Mimmung zu erzeugen. Da wogt es von Worten des Funkelns und Flammens, es glüht und blüt, freudig, köstlich^ golden, seltsam, wundersam, unbe­greiflich. In Bild und Gleichnis leuchtet der Himmel, das Firmament, bie Sonne und die ewigen Sterne, Komet und Meteor, das Lichtgewölk und die Morgendämmerung^ Schnee und Maier:tag; es zuckt der Mitz rmd wettert der Donner, es braust der Sttom, das unendliche Meer, es schimmert Kristall und Rubin, Rvsenflor und der Lilie Kelch; ihr Wesen treiben Tiger und 'Mler, Wolf und Phönix; es walten Gott und Göttin, Engel und Dämon, die hohen Lichtgestalten des klassischen Altertums.

fällt das ist nicht hohles' Pathos, sondern der Ausdruck hochgespannter Erregung, aufwärts dringender Begeister­ung. Begeisterung, das rst die Grundstimmung seiner er­habenen Seele. Nur das kann er poettsch gestalten, was ihn selber begeistert. Ein einziges Mal in der Huldigung der Mnste hat er^s über sich vermocht, seine Dichtung in den Dienst äußerer Gelegenheit zu stellen; er empört sich über Pindar, den Sänger der Olympiasiege, daß er sein Genie weggeworsen habe. Und hier stoßen wir auf den letzten Grund seiner ungeheuren Wirkung: Art der Begeisterung! entzündet sich! wieder Begeisterung.

Schillers Gedächtnisfeier steht unter eignen Sternen. Unlang ist's her, da ist int Pendelgpng der Geistesgeschichte ein Geschlecht gekommen, das weit von Schiller abrückte, das rücksichtslose Wahrheit arrf ferne Fahnen schrieb: Hin­weg mit dem hochttabenden Gerede, mit der mattherzigen Schönfärberei; nur aufschreiben, was Du gesehen hast. Diese Bewegung hat die Grenzen der Kunst hinaus geschoben, hat das Können unendlich gesteigert. 'Aber sie hat wenig ge­fragt, ob das Kunstwerk erfreue, ob es die Herzen ergebe. Merkwürdig schnell ist die Hochflut verlausen. Der Dichter der Weber hat das Hannele und die versunkene Glocke geschaffen. Die 'Armeleutekunst stillt nicht mehr die Säle unserer Kunsthallen. Der Pendel will wieder zurück­schwingen. In solchen Tagen feiern wir den Männ, dem Wilhetm von Humboldt es bezeugt hat, vom Erwachen bis zum Abend fei er fo gewesen, daß er alles Gewöhnliche wie im Staube unter sich ließ; dem der große Freund es wachgerufen hat:

So hat er selber seine Personen auf hohen Sockel ge­stellt, losgelöst von den Bedingungen des gemeinen Daseins, mitunter sogar in einer Weise, die uns heute nicht mehr zulässig bedünken will. Seine Gestalten bewegen sich auf der Menschheit Höhn: sie spielen um Szepter und Kronen, sie ringen mit dem großen gigantischen Schicksal, welches oen Menschen erhebt, wenn es den Menschen zermalmt.

darin sind Leben und Dichtung nur eins. Fast tut matt Schüler unrecht, wenn Mau den 'großen Menschen hinter seinen Werken sucht. IN der Dichtung selber bekundet sich Me die Eigenart, die auch! dem Menschen gehört. Wohl darf man von ihm mit dem Dichter rühmen: er war zw- $£$) ein Sänger und ein Held.

Heil ihm, daß solche Heldenkraft, solcher Mut sein Äff gewesen. Denn das Leben hat ihn: nicht gelächelt. Oft .genug hat schwere Sorge auf ihm gelastet, hat ernach "Ruhe und Freiheit geschmachtet". Vttle Stunden hat es in seinem Dasein gegeben, da er kämpfen mußte nach seinem eigenen Wort, umden Zufällen der Krankheit einige hettere und freie Stunde»: abzugewinnen"; mehr« aW einmal Heck es sich gewendet, als ob der Tod ihn anttete. Und doch hat er dabeivon der Heiterkeit des Gemüts, der Kraft seines Entschlusses nichts verloren". Ja einmal weiß er zu sagen, daß ein schreckhafter Mfall ihm innerlich sehr aut getan:ich habe dabei mehr als einmal dem Tod ins Gesicht gesehen, imb mein Mut ist dadurch gestärkt worden. Mein Geist war heiter, und alles Leiden, was ich iitt diesem Moment fühlte, war der Anblick rmd Gedanke -an meine gute Lotte."

Rastlos angespannt ist er gewesen, unt den Plänen, Me er umfaßt hat, gewachsen zu bleiben: die Freunde Mnnen über die rmbegreifliche Tätigkeit; zwöff, ja dreizehn Stunden ist er, lesend oder schreibend, täglich an der Arbeit. Und nie eifriger als in feinen kranker? Tagen: seine Ge- fundheit, meint er, erlaube ihm nicht, Entwürfe, deren Gollend-ung ihm am Herzen lieast, auf die lauge Bank M verschieben. Und daran mag sich schadlos halten, wer es als unersetzlichen Verlust beklagt, daß der Tod ihm so früh in den Arm gefallen. Wer weiß, ob der Dichter so unablässig, so alle Kräfte zusammenfassend, geschaffen hätte,, wenn es ihm so gut geworden wcire wie Goethe. Er selbst dezerrgt es: ^hätte ich meine gesunden Tage so genutzt als ich meine kranken benutze, fo möchte ich etwas iveiter ge­kommen fein." ^Denn ich aber physffch tvohl bin, so bin ich gewöhnlich moralisch desto mrißigettü Mer dennoch, ob et gleich sich kein «Ansruhen gönnt, ob er gleich das'Drängen des Schicksals fühlt, so hat er doch nicht hastig gearbeitet, hat er sich keine Mühe geschenkt. Selbst nicht bei der Frohmrrbeit seines Uebersetzens: er hilft nach, wo die Vor­lage ermattet, aus eigenem gibt er dem Dichter wieder, was bei der Ueberttagung rrnvermeidlich^ verloren geht. Was er den fremden Kindern nicht versagt, das wttd den eigenen im vollsten Maße zuteil, nach fernem eigenen Wort:

Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet, Rauscht der Wahrheit ttefversteckter Born, Nur des Meißels Schlag erweichet Sich des Marmors sprödes Korn.

Rastlos ist er bedacK, den Kreis feinet Begabung nach allen Setten auszuschreiten, neue 'Aufgaben zu ergreifen, neue Maße, neue Töne zu versuchen, seine Kraft zu stählen an dem- Großen, das vor ihm geschaffen worden. Und so ift*S mehr als ein göttlicher Zufall, werrn sein Werk in so kunstvoller Fügung sich^ auf&atrt 'Mn Humboldt hat er geschrieben:Es ist mir unmöglich, etwas unvollkommen zu laffen, solange ich es noch bester machen kann". Mit rücksichtÄoser Schärfe halt er selber feine Räuber öffent­lich beurteilt. Stets aufs neue ergeht an Wrner die Mahn­ung, daß er ihm offen die Meinung sage:sei so streng gegen mich, wie gegen deinen Feind". Urrd zu einer Zeit, wo Goethe nocheine sonderbare Mischung von Haß und Stiefre" in ihm erweckt, wo er in die Worte ausbricht: schiefer Mensch, dieser Goethe ist mir einmal im Wege", da ,totn er Goethe mit Lauschern umgeben, um von ihm die Wahrhett über sich selber zu hören.

DZenn er so begehrt, das Urteil andrer für sich nutzbar tzu machen, so fließt das nicht aus einem Gefühl der Schwäche. In ihm ist nichts vmr moderner Zerristenhett, von Verzagtheit, von Verzweifeln an der eigenen Kraft. Mag jeder Schritt auf neuer Bahn ihm neue Schwierig­keiten auf tun, dennoch weiß er, daß das Werk gelingen- wttd. Wohl bekemtt er: Goethe hat weit mehr Genie als ich und dabei wett Mehr Reichtum an Kenntnissen, eine sichere Sinnlichkeit; Unter dem Eindruck der Mignon-Lieder entringt sich ihm halb scherzhaft der Seufzer: gegen Goethe bin und bleib' ich ein poetischer Lurnp. UM fo lebhafter, so meldet er Korner, überzeugt er sich dennoch von der Realität und Stärke des eignen Talents. Und er hat ge- konnt, was Wenige vermochten; sein Wollen ist selbst da mächttg gewesen, wo nur Raum scheint für das Reich des Unbewußten. Er hat rttcht gewartet;, bis die Stimmung da war. Den Geist, der nicht zu ihm kam, er hat ihn zu suchen gewußt; er hat es vermocht, seinen Geist geschickt zu machenzum Empfangen und Bildcm". Er hat es ver­mocht, sich selbst, den Idealisten, auf die Objektivität zu stimmen, ohne die der Wallenstein niemals hätte ge­lingen können. Und mit seltsamer Gewalt hat er seine Einbildungskraft gemeistert. Was er für den Teil aus Geschichte und Naturbeschreibung, aus Bi'chem und Karten als gelehrten Kram erarbeitet, das hat sie zum Leben er­wecken müssen in einer Trerre der örtlicken Färbung, mit einer Wahrheit in der Schilderung, der Volksart, daß chn heute die Schweizer feiern wie einen der Helden aus dem eigenen Volke. MMmerlich genug ist seine Kenntnis des Griechischen gewesen, und doch hat sich ihm das Mtertnw .erschlossen, ihm, der die Iphigenie übersetzt und dabei Die Vorlage erraten, ja erst selber sich schaffe»: muß.

Für so untieugfunten Willen kann es keine Unklarheit

Meisters, der nicht am Einen Kketneit hastet, der das ein­zelne unter dem Schein des Ewigen bettachtet.

Verschwenderffch hat er jene Spruchweisheit ausgestreut, mit der wir unsere Blöße decken:denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, rmd die Gewohnheit nennt er seine Amme; es wächst der Mensch mit feinen größeru Zwecken; der Siege göttlichster ist das Vergeben; Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen." Un­ablässig denkt er hohe, herzstählende Gedanken, Gedanken von Gott und Tugend,von schönerMenschlichkeitzvonderErziehungi zur Schönheit und in der Schönheit zur Wahrheit und Sittlich­keit. Mer ein Gedanke vor allem War es, der in ihm gearbeitet hat vom ersten bis zum letzten Hauchs der sein ganzes Sein durchttänkt, den Mnstler wie den Denker: das ist der Gedanke der Freiheit. Diese starke und adlige Natur, sie er­trägt kein äußeres Gesetz, und so preist er Kant mtt hohem Ton:es ist getvitz von einem sterblichen Menschen kein größeres Wort noch gesprochen worden als dieses Kanffche, was zugleich der Inhalt seiner ganzen Philosophie ist: be­stimme dich aus dir selbst." Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, nnb würd' er in Ketten geboren, fo ertönt es ans des Dichters Munde. Der Schöpfer hat, so bedüntt es Posa, sogar der Ucbel grauenvolles Heer toben lassen in der Welt,der Freiheit entzückende Erscheinung nicht zu stören". So ist den»: die Schönheit nichts anderes als die Freiheit in der Erscheinung; die Schönheit der poetischen Darste'llung ist freie Selbsthandlung der Natur in den Fesseln der Sprache, und der böchste Genuß, den die Kunst dem Menschen verschafft, das ist Die Freiheit des Gemüts in dem lebendigen Sp:el aller seiner Kräfte. Gedankenfteiheit heischt der Malteser; den freien Denker hat Schiller im Äuge, wenn er den großen Friedrich zum Helden eines Epos machen will. In tyrannos: unter diesem Leitwort hat er die Räuber in die Welt geschickt; flammenden Tyrannenhaß atmen die Dramen seiner Jugend; nein, eine Grerrze hat Tyrannen­macht, hallt es wider noch im Tell. Mer es gibt verschiedene Freiheit: Freiheit ruft die Vernunft, Freiheit die wilde Begierde. Und ein anderes ist die Freihett, wie Karl Moor sie versteht, ein anderes die Freihett, für die die Schweizer kämpfen. Dort die Leidenschaft ohne Mäß und Zucht, hier die geh'altene Kraft, die nut dem Schwert in der Hand sich zu mäßigen weiß. Und hat auch jeden Einzelnen die Tyrannei geschlagen, doch findet die Mahnung Gehör: be­zähme jeder die gerechte Wut, und spare für das Ganze seine Rache.

Mit dieser Hingdbe an die Mkgemernhett hat Schillert Freiheitswolleu sich! bedeutsam gewandelt und bestimmt. Ter Tyranuenstürmer, der Weltbürger wird zum Verkünder der Vaterlandsliebe. Der Dichter selbst hatte gesprochen in den Worten des Pvsa: ich liebe die Menfchhett, und in Monarchien darf ich niemand lieben als müh selbst; ep hatte gesprochen in der Frage des Maltefers: dem Vater- lande? Wo ist das? Jch> weiß von keinem Baterlande. Und noch 1789 lautete sein Bekenntnis^ das vaterländische Interesse ist überhaupt nur für unreife Nationen wichtig, für die Jugend der Welt. Es ist ein armseliges kleinliches! Ideal, für eine Nation zu schreiben; einem philosophischen! Geiste ist diese Grenze durchaus unerträglich. Dieser kann! bei einer so wandelbare::, zufälligerr und willkürlichen Form der Menschheit, bei einem Fragment (und was ist die wichtigste Natton anders?) nicht stille stehn. Aber bald geht ihm die Erkenntnis auf, daß schon die Sprache dem Schriftsteller nationale Gebundenheit verleiht. Da er 1793 eine Reise nach Schwaben unternimmt, da wird er, fast mtt Erstaunen, gewahr, daß die Liebe zum Vaterlande sehr lebhaft in ihm geworden. Da er nun wieder zur Dichtung zurückkehrt, findet er begeisterte Worte für die Zeit, da im Anstteg der Kulturnäher gerückt ist der Mensch an den Menscher:; tausend Hände belebt ein Geist, hoch schlaget in tausend Brüsten, von einem Gefühl glühend, ein ein­ziges Herz, schlägt für das Vaterland nnd glüht für der Ahnen Gesetze". Nun preist er die heilige Ordnung, die segensreiche, die das teuerste der Bunde wob, den Trieb zum Baterlande. Nun ersteht in Jvharma die Prophetin, die in schwärmerischem Auffchaun zu ihrem König die Fuhne trägt für dieses Land des Ruhms, dus schönste, das die ewige Sonne sieht, das Gott liebt wie den Apfel seines Auges; sie will nicht dulden, daß es die Feffeln trage eines frernben Volkes : wus ist unschuldig, heilig, rnenschttch gut, wenn es der Kampf nicht ist fitt's Vaterland? Und zuletzt am Ausgang seines Schaffetts steht das Vermächtnis Atting- Hausens: an''s Vaterland, an-'s teure, schließ dich an, das halte fest mtt deinen: gauKen Herzen.

So hat der Dichter dem urtgestümeu Bewegungsdrang des EinzMvesens selber die Schranke gefetzt, so ehrt er die alten Ordnungen, die ewigen Rechte, die ant Hammel droben hangen, unzerbrechliche wie die Sterne selbst. Und, das ist kein äußres Mfinden, kein notgedruttgenes Rechnen mit dem, was einmal besteht. 'Aus innerster Natur hermM! erwächst diese Läuterung seines Freiheitsbegriffs, früh art­gebeutet, gereift nnb befestigt im Ringen mit Kant. Vor biefem, vor dem Mamr des kategorischen' Jnrpevcrttvs, gilt nur bas als wahre Pflichter füNurrg', Was' iw Ueberwindung ber Neigung geschieht. Das dünkt Schwer eine Härte,btei alle Grazien zurückschireckt". Sein ganzes künstlerisches! Wesen lehnt sich auf gegen eine Lehre, die beständigest Widerstreit verlangt zwischen Pflicht und Neigung, einen Kamps, der immer sich erneuen must Denn, so heißt es! in'Anmut und Wurde": ber bloß niederge'wvrfene Feind- kann wieder aufftehen, nur der versöhnte ist Wahrhaft überwamden. So ist ihttk die Aufgabe eine andere geworden:, sein Ideal die schöne Seele, in der sich! d-öe Pflicht MM Gegenstand der Neigung gewandelt hat, die mit freiem Entschluß das Gesetz ergreift:

Nehmt die "Gottheit auf in euren Willen, 5 Uno sie steigt von ihrem Welteitthron. Des Gesetzes strenge Fessel bindet x Nur den Sklavensinn, der es verschtträhtt A Mit des Menschen Widerstand verschwindet 'Auch des Gottes! Majestät.

So hat der Dichter an sich gearbeitet, so hat er ge-, kämpft. 'Mer von seinem Werke dürfen! wir zuletzt mit;

geben im Aufbau der Dichtflwg, in den Gestalten, die er bildet. Bei Goethe mochte man streiten, ob wtt im Tasso zu einem versöhnlichen Ansgang geführt sind oder dicht vor der Schwelle tragischen Unheils entlassen werden. Die ^Heilung des Orest hat verschiedenster Deutung Raum ge­geben. Denn leicht mag es dem ttaumhaften Schaffen des Dichters begegnen, daß ihn Bilder umspielen, daß Ge­danken mitschwingen, die nicht alle den Weg zum Worte finden. Schillers unerbittliches Denken hat solche Unklar­heit nicht geduldet; die Schulweisheit hat wenig zu raten gehabt bei der Sttenge, mit der er seine Handlung führt. Und Schiller zeichnet fehte Schwächlinge vom Schlage Weis- lingens oder Elavigos: ganz, scharfkantig sind seine Ge­stalten, wie es Scheffels Freiherr von dem Menschen ver­langt. So hat es tiefen Grund, wenn gerade der Menschen­feind nur Enttvurf geblieben ist. Freilich Wallensteins Händen entgleitet die freie Eittscheidung seines Geschicks'/ aber das ist gerade die Gestalt, der der Dichter am wenigsten von seinem Eignen geben durfte, wollte er nicht sich e»:tziehen der Leitung der geschichtliche»: Tatsachen. Auch Schillers Frauen erhärten den allgenwinen Satz. Weibliche Zartheit, Lieblichkeit und Hingebung, sie sind ihm minder geglückt als hoheitsvolle und leidenschafttiche Gestalten. Schiller.' sMer hat es von sich bezeugt in jener Kritik der Räuber: der Geist des Dichters scheint sich überhaupt mehr zum Heroischen und Starken zu neigen. Er ist gli'!cklich in vollen saturierten Empfindungen, gut in jedem höchsten Grade der Leidenschaft, aber in keinem Mittelweg zu gebrauchen."

)tb wie der Dichter nichts Schin^ ' .Yes, ..!chts Un-'für große allgemeine Guter, als ' echte Geschöpfe ihres