Preßfreiheit;pmrjd cingeführt und die Zensur ab- geschafft. Die Rechte und Pflichten der Studenten werden neu geregelt. Die Eröffnung von Volksschulen in jedem Dorfe ist obligatorisch. Die Kosten für den allgemeinen unterricht werden auf alle Klassen verteilt. Die Grundsteuern werden reformiert und der Grundertuerb der Bauern erleich tert. Die direkten und indirekten Steuern und-S ö Ile werden herabgesetzt; Arbeite rschutzgesche zur Versicherung gegen Unfall, Krankheit und Mter werden ein- geführt. Die Juden erhalten Freizügigkeit und ein erweitertes Recht, ihre Kinder in die höheren Schulen zu schicken. Die Rechte der Juden, FinILnbcr, Polen, Armenier usw. werden gesetzlich festgelegt. Die. administrativ VerbQnn'ten erhalten die Erlaubnis zur Rückkehr. Die absolute Freiheit des Gewissens wird cingeführt und die freie Religionsübung für alle Konfessionen garantiert.
'Alle diese Meldungen sind mit Fragezeichen zu versehen, zumal sie sämtlich aus französischer Quelle stammen.
'Der Gouverneur von Estland, Bellegarde, wurde Kum Chef der Ob erpreßverwaltung ernannt.
Die Anarchie im Reiche.
Im Fabrikbczirke Orechow an der Moskau-Nowgoroder Äahn sind 40 000 Arbeiter in den Streik getreten. Bei einem Zusammenstoß mit dem Militär wurden 21 Arbeiter getötet.
In W i a t k a furchten sich die Eltern der Schüler wegen der bedrohlichen HMimg einzelner Elemente der Bevölkerung, ihre Kinder auf die Straße zu lassen. Am 28. Februar hatte ein betrunkener Offizier einen Schüler auspeitschcn lassen und ihn dann selbst mißhandelt, bis er starb.
In A i elo stock (Gouv. Groduo, unweit der ostpr. Grenze) stellten die Arbeiter zahlreiche Forderungen wirtschaftlicher Natur auf. Am Montag wurde auf der Straße rin Bäcker getötet, weil er fidj. geweigert hatte, sich den 'Ausständigen anzuschließen. Der Unterricht in der Realschule, auf dem Gymnasium und in der Mädchenschule steht unter militärischer -Bewachung. In der Stadt herrscht Schrecken. Jsprawnik, der C h e"s des Polizeibezirks, wurde ermordet.
In Datum wurden am 5. März 13 Personen getötet bezw. verwundet.
In der großen polnischen Industriestadt Lodz steht man Noch noch immer im Zeichen des Streiks. Dieser Tage legten, wie wir gestern bereits kurz meldeten, die Arbeiter der Fabrik von I. K. Posnanski, die über 6000 Mann beschäftigt, die Arbeit nieder. Sie sammelten sich im Fabrikhofe und auf einem Erddamm, der zwei Teiche von einander trennt, und wollten ihre Wünsche vorbringen. Da wurden die Tore weit geöffnet, und ein telephonisch herbeigerufener Trupp Kosaken stürmte heran und fing an, auf die Menge einzuhauen. Es entstand eine Panik unter den Arbeitern, über hundert Mann stürzten in die Teiche und bildeten einen Menschenklumpen in dem gestauten sumpfigen Wasser; viele wurden niedergeritten. Im ganzen sind 16 Personen ertrunken und 4 durch Hiebe getötet. Dieser neuerliche Gewaltakt rief eine ungeheuere Erregung unter den Arbeitern hervor, die sich in einem Bombenattentat Luft machte. Die Bombe wurde gegen das Haus des erwähnten Fabrikanten geworfen, zerstörte aber nur den Hausflur und tötete den Portier, der förmlich in Stücke zerrissen wurde. Unter der Bevölkerung herrscht große Besorgnis, da man einen neuerlichen Ausbruch des Streiks und der Unruhen befürchtet.
Ein Krakauer Blatt berichtet aus Warschau: Der Terrorismus des Militärs, insbesondere der Kosaken ist unbeschreiblich. Bei der geringsten Ansammlung macht das Militär von bei- Waffe Gebrauch. Infolgedessen werden täglich eine große Anzahl Zivilisten getötet oder verwundet. Trotz aller Dementi dauert der Po-lizeistreik in vollem Umfange fort.
Offiziell wird bekannt gegeben, daß der erkrankte greise Gouverneur von Warschau, General Tschertkow, durch den Hetmann Maximowitsch ersetzt wird.
Gapon.
Der „Daily Erpreß" veröffentlicht ein ausführliches Interview mit Gapon in Genf. Gapon reifte von dort nach Paris. Er erklärte: Freunde retteten ihn bei dem Blutvergießen am 22. Januar in eine Seitenstraße. Er entkam in Verkleidung in eine Grenzstadt und von dort mit falschem Paß nach Berlin, Zürich und Genf. Gapon gedenkt, die europäischen Hauptstädte zu besuchen und für die russische revolutionäre Bewegung Propaganda zu machen.
Fm preußischen Avgeordnetenhause
Geriet man am Montag den Etat der Eisenbahnverwal- Luug. Die Generaldebatte beschäftigte sich zunächst mit der Frage der Betriebs Mittelgemeinschaft. Minister v. Budde erklärte, es sei eine mögliäiit weitgeyende Betriebssicherheit, eine ausreichende intb flotte Zugfolge notwendig. Ebenso gehörten dazu Tarifsätze, die der Weiterentwicklung des Erwerbslebens in angemessener^ Weise Rechnung trügen. Es sei der Regierung gelungen, die Unfälle im wesentlichen auf die Hälfte herabzumin- dern. Zwei große Krisen hatte die Etsmbahnverwaltung im vorigen Jahre zu bestehen, erstens die große Dürre im vergangenen Sommer, wodurw ittfofac Stilllegens der Schiffahrt tthöhte Ansprüche an die Eisenbahiwerwaltung gestellt wurden. Tie zweite Krisis lag in dem Streik der Bergarbeiter, cne sich auf den Eisenbahnverkehr in den verschiedensten Richtungen bemerkbar wuchte. Er hielt es für seine Pflicht, Kohlen der Industrie zu überlasseil, damit nickt noch mehr Arbeiter brotlos würden. Später mußte der Bedarf mit ausländischen Kohlen gedeckt rverden. Der Kohlenftreik wird an Mehrkosten für Kohlen etwa eine Million Mari verursachen. Für die schweren Waldbrande im letzten Sommer werde man voraussickülich ^-4 Millionen zu zahlen haben. Ten Schiffern, die unterwegs jftit den Fahrzeugen liegen bleiben mußten, seien billige Eisenbahntarife gewährt worden. Tiefer Tarif bringe für die Staatskasse einen Ausfall von rund einer Million Mark. Weiter geht derr Minister auf Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der Eisenbahnangeslellten ein, insbesondere auf die Stelleri vermehr- unqen. Redner bekennt, daß die Beanrten und Arbeiter eine außerordentliche Pflichterfüllung bewiesen haben, und er hoffe, daß das Band zwischen ihmm und der Verwaltung immer fester wird, sodaß fern Raum für störende Elemente vorhanden sei. Dir voraussiMsichen Dcehrüberschüsse des JabrcS 1904 würden 2 7 Millionen Mark betragen. Ter Streik int RnhrrÄsier habe im Januar einen Ausfall von 7 Millionen Mar? arbrrE. Tiefer werbe aber voraussichtlich durch Mehreinnahmen St Februar und März ausgeglichen werden. Tie Regierung lasse auch die großen Fragen nicht aus dem Auge. ES hätten Nsit anderen Staaten über tue Umleitungen von Güterzügen Verhandlungen stattgefunden. Er beschäftige sich auch mit der Frage der Personentarifreform, weil er der Meinung sei, daß das fstzia? System veraltet, fehlerhaft, ungerecht und eine Qual für bto Publikum und die Verwaltung ist. Er bitte das Haus,
stets daran zu denken, daß die Eisenbahnverwältnng auf dein Standpunkte stehe: Rast' ich, so rost' ich! (Beifall.)
Abg. v. Pappen be im (kons.) begrüßt die Betricbsmittel- gcmeinschaft in wirtschaftlichem Interesse imb erklärt, daß seine Partei erwarte, daß die übrigen Eisenbahtwerwaltnugen vollständig selbständig bleiben und die Betnebsmittelgemeinschaft nicht der Vorläufer einer Reichseisenbahn sein solle. (Beifall rechts.)
Abg. Macco (nl.) hofft, daß von der Betriebsmittelgemein- schaft nickst nur di e süddeutsch en Staaten, sondern auch Preußen Vorteile haben werde. An eine Reichseisenbahn sei bet dieser Gemeinschaft nicht zu denken.
Abg. Ocser/Hosp. d. frs. Vpt.) erklärt sich mit der vom Minister inaugurierten Betnebsmittelgemeinschaft einverstanden.
Abg. Schmieding (Str.) erklärt, daß seine Freunde der Betriebsmittelgemcinsckast sympathisch gegenüberstehen.,
Mg. Gamp (fik.) gibt zu, daß die Betriebsmittelgemctn- schaft Vereinfachung und Ersparnisse bringen wird. Redner bittet dann die Regierung, die, BetNebsmittelgcmeinschaft nicht auf so ungünstiger Basis abzuschließen, auf der der Vertrag mit Hessen beschlossen sei. Tie vierte Wagenklasse müsse beibehalten werden.
Minister v. Budde erklärt, der Zweck der Betriebsmittel- gcmeinschaft ist der. eine bessere Freizügigkeit der Betriebsmittel herbeizusühreu, soweit fotöe zweckmäßig und wirtschaftlich erscheint. Ter Minister legt dar, daß durch den Wegfall der Revisionen bei Uebergangsstationcn und durch eine einheitliche Konstruktion der Wagen große Ersparnisse erzielt werden können. Wenn die preußische Verwaltung engherzig wäre, so würde sie der Bctriebsnnttelgemcinschaft nicht so freundlich gegenüberstehen. Was die politische Frage betrifft, so treten die ersten Anregungen in felyr vertraulicher Form an mich heran. Er habe es sich zur Richtschnur gemacht, die Anregung hierzu selbst nicht zu geben. Isichtig ist, was der Vorredner sagte, daß die anderen deutschen Staaten größeren Nutzen haben ioürden. Tie Betriebsmittelgemeinschaft ist aber auch der beste Schutz gegen die Ncickseisenbahn, denn durch die Vetrlebsmittclgemeinfchaft werden die staatlichen Eisenbahnen auftecht erhalten.
Es folgt die Beratung der Einnahmen: hierzu liegt zunächst ein Antrag der Abgg. Tr. W i e. m e r (frs. Vp.)-G o l d - schmidt (fts. Vp.) vor, die Staatsregierung zu ersuchen, eine Reform des Eis en bahn Personentarifs baldmöglichst dahin in die Wege zu leiten, daß unter Aufhebung der Rückfahrkarten für die einfache Fahrt auf die Hälfte der Preise der jetzigen Rückfahrkarten festgesetzt werde. Abg. Gamp (fk.) stellt dazu einen Abäuderungsantrag, nach welchem für Schnellzüge entsprechende Zuschläge eingesiihrt werden sollen.
2lbg. v. Quast (kons.) erklärt sich namens seiner Freunde mit einer Vereinfachung des Fahickortenwesens einverstanden.
Abg. Frhr. v. Zedlitz (fk.) hält eine Reform der Personcn- tniife int Sinne einer VercinfaäMng für notwendig, allerdings müßte sie sich zum Ziele setzen, daß eine wesentliche Verringerung der Einnahmen damit nicht verbunden sein soll. Redner befürwortet einen von ihm gestellten Antrag, die Staatsregierung zu ersuchen, den Ausbau des Staatsbahnnetzes kräftiger als bisher zu fördern.
Abg. Wallenborn (Ztr.) gibt seiner Zustimmung zu den Aeußerungen des Ministers Ausdruck.
Abg. Goldschmidt (frs. Vp.) führt ans, seine Partei fteue sich, daß es gelungen sei, die Eisenbahnunfälle erheblich zu verringern, und hofft, daß in dieser Beziehung noch wettere Fortschritte gemacht werden. Weiter tritt Redner fik Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit ein und befürwortet den freisinnigen Antrag.
AMssche TagegsmlM.
Heber die Organisation der katholischen Studentenkorporationen Teutschlands
schreibt die „Natlib. Korr.":
Zentrumsblätter bringen folgende Nachricht: Seit mehreren Semestern haben in Freiburg i. B. die katholischen Studentenkorporationen in einem Ausschuß enger sich zus ammenges chlossen. Man ging von dem gewiß berechtigten Grundsätze aus, daß die katho- lisAen Korporationen mit ihren gleichen Grundsätzen und Interessen enge zusammen gehören, und daß Aeußerlich- ckeiteu sie nicht trennen dürfen. Der Freiburger 'Ausschuß wendet sich nun an alle katholischen Korporationen und fordert sie aus, in gleicher Weise an den einzelnen Universitäten sich KUsammenzu schließ en. Er weist besonders darauf hin, daß zwar schon von vornherein der Wert eines solchen Zusammenschlusses zur Forderung gemeinsamer Bestrebungen der katholischen Korporationen im allgemeinen einleuchtend sei, daß aber die gegenwärtige Bewegung gegen die katholischen Stu- dentenkorporationcn die Nolwendiakeit eines Zusammenschlusses zur Evidenz bewiesen habe. Weiterhin schlägt der Freiburger Ausschuß vor, die au den einzelnen Universitäten konstituierten Ausschüsse sollten alsdann in einem Zentralausschuß miteinander in Verbindung treten. Daß diese Organisation der katholischen Studentenschaft mit einem Zentralausschuß nur dazu geeignet ist, bett leider eingerissenen konfessionellen Zwiespalt unserer gesanrten deutschen Studentenschaft §u vergrößern, der sich immer schwieriger überbrücken läßt, wird wohl auch von Zentrumsseite kaum abgestritten werden können. Ohne Zweifel luirb diese festgeschlossene Organisation der katholischen Studentenschaft neue Erregung unter den übrigen Kommilitonen Hervorrufen und den Frieden auf allen Universitäten- Untergrabe n.
Deutsches Nerch.
-Berlin, 6. März. Der Kaiser folgte einer Ein- (dbitng zum Diner bei Generaloberst Graf von Schliessen. Vorher fand bei der Kaiserin ein kleines Konzert statt (Prof. Joachim und das Trio Chaigneau, drei französische Damen, musizierten). Heute sprach der Kaiser beim Reichskanzler vor und hörte den Vortrag des Chefs des Zioilkabinetts. 9(nt Abend nahm der Kaiser an einem Diner bei dem sächsischen Gesandten Grafen Hohenthal teil.
Essen, 6. März. Zur DUlderung der Notlage zahlte die Zeche Mont Cenis jedem Bergniann 15 Mk., jedem Kind 3 Mk., zusammen 40 000 Mk.
parlamentarisches.
Berlin, 6. März. Die beiden fr eisinnigen Parteien haben den Antrag cingebracht, der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß baldigst der Verkattf von Heilmittel, deren Zusammcnsetztmg ge h eini gehalten wird (sogenannte Geh ei m m ittcl) und die Ankündigung derselben durch die Presse einheitlich für bas Deutsche Reich auf bem Wege der Gesetzgebung geregelt werde.
Kolouialpost.
Die „Köln. Zig." erfahrt, baß für Sübweftafrika nicht nur ein weiterer Nachtrags-Etat für 1904, son- bern auch eine Ergänzui g zu bem Etat für 1905 eingebracht werden müsse. Wie das Blatt weiter erfährt, wirb die erstere rund 2 6 ^/z Millionen, der zweite (Ergänzung für 1905) nahezu 34 Millionen Mark betragen. — Beim Reichstage find eine Denkschrift über Errichtung einer deutsch - ost -
afrikanischen Bank, sowie eine Denkschrift über die in den südafrikanischen Schutzgebieten tätig gewesenen Land- und Mi nen -Ges e llschäften eitigegangen.______________
Schwurgericht.
thi. Gießen, 7. März.
Gestern vornnttag eröffnete Landgerichtsrat Koch als Vor-i sitzender das diesmalige Schwurgericht. Verbandelt »ourde gegen die 64jährige, bisher unbestrafte Arbeiterin Witwe Anna Marie Faitz von Ilbeshausen toegeit Me ineids. Tie Anllage vertritt^Gerichtsasiessor Tr. Hetzel, während Rechtsanwalt Rosen-^ berg die Verteidigung führt. T>er Tatbestand der Anklage ist nach! der Beweisaufnahme folgender. Tie Angeklagte, welche vor 22 Jahren ihren Mann verloren hat, versuchte vor mehreren Jahren bei ihren verheirateten TöckEern Unterkunft zu finden. Sie verfügte damals über 2000 Mk. bares Geld, konnte sich aber mit den Schwiegersöhnen nickt vertragen und zog später nach Gießen und von dort in ihren Geburtsori 'nach Ilbeshausen. Mit ihrent Sck)wiegersohn Seng in Rödelheim, dem sie 1500 Mk. geliehen hatte, führte die Angeklagte errv'n Prozeß wegen Rückzahlung des Geldes,^ wodurch sie dieses auch erhielt. Tarauf strengte der Schwieger-' lohn gegen die Faitz einen Prozeß wegen 100 Mk. an, welche er für ihr gewährte Kost und Logis forderte. Tie Angeklagte wurde zur Zahlung des Betrages verurteilt und deswegen ohne Erfolg gepfändet, worauf sie vor das Amtsgericht Herbstein zur Leistur g des Osfenbarungseides geladen wurde. Am 3. November v. I. beschwor nun die Faitz, daß ein von ihr dem Gericht vorgelegtes Verzeichnis von Gegenständen ihr ganzes Vermögen ausmachte; hierbei verschwieg die Angeklagte, und zwar, wie sie vor den Geschworenen ausdrücklich zugestand, daß der Forstwart Keßler in Reinhardshain von rhr Wertpapiere in Höhe von 1200 Mk. zur Aufbewahrung im Besitz hatte. Tie Angeklagte will diese 1200 Mk. bei dieser Gelegenheit nicht angegeben haben, damit der Schwiegersohn nicht zu seinem Gelde komme. Staatsanwalt und Verteidiger waren sich nach Lage des Falles einig, daß die Geschworenen gegen die Angeklagte ein Schuldig wegen wissentlicher Verletzung der Eidespflich-t aussvrechen müßten. Demgemäß fautetc der Wahrspruch. T>er Gerichtshof erkannte auf eine Zuchthaus st rase von l1/? Jahren. Ehrverlust auf die Toner von fünf Jahren und dauernde Eidesunfähigkeit. Ter Staatsanwalt h^tte eine Zuchthausstrafe von 2 Jabren beantragt.
Aus Stadt und AanÄ.
Gießen, 7. März 1905.
I. I. K. K. H. H. der' Groß Herzog und die Gr oß h erzog in werden, wie bie, „Darmst. Ztg." meldet, heute, am 7. März, abendZ von Moskau nach Zarskoi- Sselo abreisen.
** Lehrer-Personalien. Uebcriragen wurde am 1. März d. Js. dem Schulamtsaspiranten Schaff aus Hörgenau, im Kreise Lauterbach, die Lehrerstelle an der Geineindeschule zu Herchenhain, der Lehrerin Grebner zu Ober-Mörlen, im Kreise Friedberg, eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Gau-Algesheim, dem Schullehrer Hofmann zu Herbstein, eine Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Wald-Michelbach, im Kreise Heppenheim, dem Schullehrer Kaiser zu Weiher eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Büdesheim.
"PersonalnachrichtenderOber-Postdirektion Darmstadt. Versetzt wurden die Postassistenten Belzig von Butzboch nach Erfurt, Jost von Lollar und Kühl von Schlitz nach Köln. •— Etatsmäßig angestellt wurde als Postassistent der Postanwärter Trabert in Hungen. — Angenommen wurden zu Telegraphengehilfinnen: Anna Como und Kath. Jung in Bingen, Bertha Schäferin Alsfeld und Wilhelniine Götz in Worms.
** Prüfungen. Die im Dezember v, Js. in Darmstadt stattgchabte Prüfung der Gerichtsschreiber- Aspiranten haben sämtliche hiesigen Kandidaten bestanden; es sind die Herren: Karl Schäfer, Otto Ranft, Karl Kling, Otto Dietrich, Wilhelm Stetter und Otto Koch. — Die Gerichtsvollzieher-Prüfung haben bestanden bie Herren Feldwebel Morri und Birkenfeld.
y* Theater-Verein. In den beiden, zum Benefiz der Direktion des Stadttheaters stattfindenden Zugabe-Vorstellungen werben zwei neue Schauspiele zur Aufführung kommen, bie in biesem Winter über einen großen Teil ber deutschen Bühnen gegangen sind: „Marie Friebhammer" von Heinrich Lilienfein, und „Maskerade^ von Ludwig Fulda. Als Maria gastiert am Dienstag den 14. d. M. Frt. Lilly Donecker vom Großh. Hoftheater in Mannheim, für „Maskerade" ist Herr Regisseur Hacker vorn Darmstädter Hoftheater als Gast gewonnen. Die Bestimnmng des Ausführungstags von „Maskerade" erfolgt in Kürze.
** Aus bem Bureau des Stadttheater tz. Am Freitag gelangt als Benefiz für unfern beliebter^ jugendlichen Helden und Liebhaber Herrn Reinhold Lütt- j oha nn Richard Voß' effektvolles Schauspiel „Wehe den Besiegten", das für Gießen Novität bildet, zv.r ersten Aufführung. Es dürfte das Theaterpublikum allgemein interessieren, daß es gelungen ist, Herrn Lüttjohann, der für nächstes Jklhr bereits an ein größeres Theater verpflichtet war, durch besondere Konzessionen zur gütlichen Lösung dieses Vertrages zu bewegen, so daß das talentvolle und beliebte Mitglied unserer Bühne noch nächstes Jahr er- halten bleibt.
_ ** Da s Cafe Ska 1 itz kh ist, wie man uns mitteilt, uecy nicht in anderen Besitz üb er gegangen, ein Kauf ist noch' nicht abgeschlossen worden. §clt Skalitzky wird lt. Inserat bvu heute nachmittag 4 Uhr an wie im vorigen Jahre inj seinem Cafs ein karnevalistisches Konzert veranstalten.
" Fastnacht! Heute ift der Haupttag der volkstüm- l ich en Faschingszeit. Die anschließende Nacht leitet über zur Fastenzeit. Der Philologe Wackcrnagel denkt an das altdeutsche Wort Fastnacht. Danach lüge bem Ganzen das JMc(n, b. h. lustiges, ausgelassenes Treiben, zu Grunde. Vielleicht ist das die richtige Auffassung, umsomehr, als das Zaftnachtsvergnügen sicherlich auf altheidnische Wurzeln zurückgeht. Die fröhlichen Umzüge zu Ehren irgendwelcher Früh- Ungsgottheiten spielen hier mit. Doch um die Entstehung ber Fastnacht kümmert sich ein fideles Völkchen nicht. Schmausereien und drastische Vergnügungen, besonders mit allerlei Mummenschanz, werden nun eben, namentlich von unserer Studentenschaft, feit altersher in§ Werk gesetzt und mancher originelle Brauch kommt da vor und alle Fastnachtsnarren können sich darauf berufen, baß ihnen sogar einmal eine theologische Fakultät eine regelrechte Verteibigung in den Mund gelegt hat: Wir feiern ba§ Rarrenfest nicht im Ernst, sondern bloS im Scherz, damit die Narrheit, bie uns angeboren scheint» dadurch wenigstens einmal im Jahre ausschäume; wir sind alle übelgebundene Fässer, bie vom Wein ber Weisheit zerplatzen würden, wenn wir ihn durch fortwährende Andacht


