Ausgabe 
7.3.1905 Erstes Blatt
 
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. . . . fortgahrcn Fielen 1 Also nur los, ihr neckischen, munteren, ihr alten, aber ewig jungen FastnachLsgeister! Ver­scheucht allen Griesgram, kehrt das Unterste zu oberst in dieser pudelnärrischen Welt und bringt keinen allzuschweren Aschermittwochskater!

cv- Bad-Nauheim, 6. März. An Stelle der höheren Töchterschule, welche seither hier als Privatanstalt bestand, wird, wie schon mitgeteilt wurde, mit Beginn des neuen Schuljahres eine öffentliche höhere Töchterschule er­richtet werden, welche die Klaffen vom 9.16. Lebensjahr umfassen soll. In einer Abteilung der untersten Klaffe werden Knaben zum Uebertritt in die Realschule vorbereitet. An Gehältern werden annähernd 12 000 Mk. aufgewendet, welche, soweit nicht das mäßige Schulgeld und der Staatszuschuß hinreichen, ans der Stadtkoffe zu decken sind.

Dermijcbto«

^Mannheim, 6. März. Unter dem dringenden Ver­pacht, das Dienstmädchen Seng^es ermordet M haben, wsnrbe ein Schreiner Namens Becker in Haft ge­nommen. Becker, der verheiratet und Vater von zwei Kin­dern ist, soll den Mord ans Rache verübt haben, weil die Senges ein Liebesverhältnis des Becker mit einem andern Mädchen zu hintertreiben suchte. Becker kann sein Mibit nicht nachweisen. 'Auf dem Speicher seiner Wohnung wurde sein frisch gewalschener, noch nasser Ärbeitsanzug gefunden. Becker hat schon wegen Mordversuchs eine Zuchthausstrafe verbüßt. Becker lebte mit seiner Familie schlecht. Von seinem Verdienste gab er seiner Frau nur wenig. Von Be­deutung sind ferner die Aussagen von Straßenkehrern. Sie' hörten am Samstag vormittag einen Schrei, und sahen bald darauf einen Mann mit weißer Schürze aus dem Hause kommen. Ein Zeuge hat sich gefunden, der bestimmt erklärt, oaß er Becker am kritischen Morgen in der Nähe des Tatortes gesehen habe. Heute begab sich eine Gerichts- kommission wiederholt in die Wohnung der Frau Witwe Hirsch, bei der die Senges bedienstet war. Dort wurden alle mit Blut befleckten Gegenstände u. a. eine Leiste der Tür, an welcher sich der Mörder die Hände ab geputzt hatentfernt, um chemisch geprüft zu werden. Zu diesem Behufe und zur Untersuchung der auf dem Speicher der Becker scheu Wohnung gefundenen Kleidungsstücke ist Gerichts­chemiker Dr. Jeserich aus Berlin telephonisch berufen worden. Experimente mit Braunschweiger Bluthunden sind zur vollständigen Zufriedenheit ausgefallen. Außer dem Becker wurden im Hofe des Amtsgefängnisses noch meh­rere Häftlinge aufgestellt. Zu verschiedenen Malen wurden die Stellungen gewechselt und trotzdem der Ver­dächtige einmal von einem anderen Manne verdeckt wurde, reagierte einer der Hunde, umkreiste ihn und sprang an ihm hinauf. Dies wiederholte sich vier- bis fünfmal. 'Am Tatorte, wohin die Hunde zuerst geführt wur­den, erfolgte das Loslassen derselben vom 3. Stock aus. Sn wenigen Minuten waren die Hunde im zweiten Stock, wo die Tat erfolgte. ^Becker leugnet hartnäckig die Täter­schaft.

* Kleine Tageschronik. In Freiburg i. B. ist an dem Handelsmann Fesenmaper ein Raubmord verübt wor­den. In Newyork wurde ein gemeingefährlicher Schwindler, 't>er feit Jahren als Professor Koch, mit dem er einige Aehnlichkeit besitzt, Mittel zur Heilung der Schwind­sucht annonciert, verhaftet.

KircktiKe KackriGteu.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Mittwoch den 8. März, abends 6 Uhr:

1. Passions-Andacht.

___________ T-mrror P. S cft l o i i c r.

Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Eisenwerke Lollar. Tie Gesellschaft verteilt 8 Proz. (wie im Vorjahr). Der Reingewinn beträgt 7 8 4 617 M k. (301 992). Für das laufende Jahr sei die Gesellschaft mit Auf­trägen reichlich versehen. Ueber die Fusion mit der Buderus, über welche die Generalversammlung beschließen soll, wird berichtet, der Anstoß sei von der Mitteilung einiger Großaktionäre von Lollar ausgegangen, wonach Buderus Spezifikationen in seiner Gießerei-Abteilung aufnehmen nwlle, die für BuderiS sehr un­angenehme Konkurrenz und große Unbeauemlichkeiten hinsichtlich der Arbeiterfrage gebildet hätten. Gemeinsame Sitzungen beider Verwaltungen Kitten festgestellt, daß die Fusion unter allen Um­ständen im wohlverstandenen Interesse der beiden Werke liege. Bekanntlich sollen Lollar-Aktien- Zug um Zug gegen neue Buderus- Aktien eingetauscht werden und dazu eine Barauszahlung von 250 Mark per Stück erhalten.

Neruche Meüuittqkii.

Paris, 7. März. DasJournal" veröffentlicht nach­stehende Depesche seines Spezialkorrespondenten aus Mulden vom 6. ds. Mts., 8 Uhr morgens: Gestern abend ließ sich die Lage der Kriegführenden folgendermaßen znsammenfaffen: Die hartnäckigen Angriffe der Japaner auf die Befestigungen im Zentrum, welche seit vier Tagen andanerten, wurden zurück- geschlagen. Der russische Unke Flügel hat Terrain zurück­gewonnen, dagegen bedroht der japanische linke Flügel die rechte russische Flanke in nordwestlicher Richtüng Der Kampf ist heftig. Die Verluste der Japaner übersteigen jetzt schon 40 000 Mann. Im Zentrum hat General Linewitsch heute morgen 13 aufeinander folgende Angriffe siegreich zurück geschlagen. Ein zweites Telegramm aus Mulden vom 6. d. M., 4 Uhr nachmittags, meldet: Zwischen der aus Elitetruppen zusammengesetzten Armee des Generals Nogi und dem russischen Heere unter General Baron Kaulbars kam es gestern zu einem ungeheuren Zweikampf. Die Schlacht spielte sich ctwa 9 Km. nordwestlich von Mukdeu längs der Straße von Hsinminding auf einer unermeßlichen Ebene ab. Tie in dieser Gegend sehr zahlreichen Dörfer, die untereinander durch Schanzgräben verbunden waren, glichen Zitadellen, die ein wütendes Geschützfeuer unterhielten. Es kam auch zu furcht­baren Gefechten mit der blanken Waffe. Die sibi­rischen Kompagnien entrissen den japanischen Truppen mehrere Dörfer, wo diese eine Anzahl Mitrailleusen zurückließen, und nahmen schließlich die etwa 14 Km. von Mulden gelegene Ortschaft Tashitschiao ein, welche den Schlüssel zu der japanischen Stellung in dieser Gegend bildet. Die strategische Lage ist dort unverändert und infolge der ungeheuren Ausdehnung des Schlachtfeldes ziem­lich unklar. Jedenfalls wird diese Schlacht entscheidend sein.

Mukden, 6. März. (Petersb. Tclegr.-Ag.) Das heutige Artilleriegefecht bei Mukden dauerte bis Sonnenunter­gang an. Am heftigsten war das Gefchützseuer bei dem Dorfe J-ansuntun, das in Brand geschossen wurde. Tagsüber fanden

Angriffe nur hier statt, anderwärts gab es nur NrtiWerlegefeSA^ Fast alle Verwundungen rühren von Schrapnells her. Tie heutige Schlacht ist wahrscheinlich bloß eine Vorbereitung durch das Geschützfeuer. Tie Nachtangriffe gegen das Zentrum imi> die linke Flanke wurden zurückgeschlagen. Vor dem Kutulinpasse blieben 2 0 0 0 Leichen von Japanern liegen.

Tokio, 6. März. (Nachmittags. Reuter.) Nach einem vom Hauvtguartier eingegangenen Bericht von gestern heißt e§,. daß die Russen in der Richtung auf Schingtsching andauernd hartnäckigen Widerstand auf verschiedenen Verteidigungslinien leisten. In der Richtung aus den Schaho griff eine japanische Abteilung die nördliche Anhöhe bet Vinnnivao. das vier Mellen: östlich von Waitseschan fliegt, an. Die bei Hussupaoizu stehenden Japaner nahmen eine Schanze auf einer Anhöhe nordöstlich vom Torfe. Oeftlich von der Eisenbahn besetzten die Japaner ami Sonntag um 8 Uhr Lintschiangtun, drei Meilen südöstlich von Wanpaoschan, drängten einen Teil der Russen zum Zentrum des, Torfes zurück und halten das Dorf jetzt ein geschlossen. Westlich von der Eisenbahn nahmen die japanischen Streitkräfte am Sonn­tag Hantschanpao und das in der Nähe liegende Siaostapao und setzen gegenwärtig ifrren Vormarsch fort. Tie Eisenbahn-- station Sutschiatun steht in Flammen. Sutschiatun. ist der Aus-^ gangsvunkt der Eisenbahn, welrne die Russen in westlicher Richtung, nach Suhupao hin erbauten.

Paris, 6. März. Ter militärische Mitarbeiter des »,Temvs^> beurteilt die Situation der Armee Kuropatkins wie folgt: Ter, Ausgang der zweiten Schlacht am Schaho ist nicht mehr zweifele haft und wird derartig sein, daß man an ein baldiges Ende; des Krieges glauben rann. Tie Größe der russischen Mißerfolge steht in richtigem Verhältnis zu der russischen- Passivität, ^ie der Gegner kühn auszunutzen verstanden hat.. Der ganze Umgehungsplan war tatsächlich nur auf diese Tatenlosigkeit basiert, die sich'im Verlauf dos Krieges gezeigt hat.

Osterode, 7. März. Das Grabgewölbe in bei* Johanniskirchen und Familiengrnfte wurden in der Nacht erbrochen, von den darin befindlichen SLrgeüu die Deckel abgehoben und die Leichen vermutliche nachSchnmck- fachen untersucht. Die Täter sind rmbekannt.

Petersburg, 7. März. Das Reskript des Zcwew an den Minister des Innern hat doch eine stärkere Wirkungj ausgeübt, als man vermutet hakte, da dadurch die Ar­beiter in zwei große Gruppen gespalten wur^ den. Die Zahl der Ausständigen ist bedeutend zurückge--' gangen. Die russisch-nationale Propaganda gewinnt ans 'Ausdehnung. Unter den Arbeitswelligen hört man die, Polen und Juden für den Ausstand verantwortlich machens.

Telephonischer Kursbericht.

372% Reiohsanleihe . . 102.25 8% do. . . . 91.15 .17,0/0 Koneola . . . . 102.20 30/0 do. ..... 91.25 372% Hessen .... 100.74 8% % Oberhessen . . . 99.70 4% Oesterr. Goldrente . . 102.75 47s % Oesterr. Silberrento 101.30 4% Unerar. Goldrente . . 100.45 4% Italien. Rente , . . 105.50 4%-6 Portugieser . . . 68.20 30/ Portugiesen. .... 68.60 1% C. Türken ..... Türkenlose......136.00

4°/q Griech. Monopol.-Anl. 52.00 4ll,% äussere Argentiner.

.anktnrt a. H., 7. März.

3% Mexikaner .... 36.20 4%% Chinesen .... 95.50 Electric. Sohuckert ... 142 50 Nordd. Lloyd . . . » 117.20

Kreditaktien ..... 214 10 Diskonto-Kommandit. . . 191.80 Darmstädter Bank . , . 143.50 Dresdener Bank .... 158.90 Berliner Handelsges. . . 163 50 Oesterr. Staatsbahn . . . 141 50 Lombarden ..... 17.60 Gotthard bahn ..... 191.50 Lanrahütte . ..... 259.60 Bochum ....... 245.50) Harpener......210.50!

Staatsschatzscheine . . . ;: befestigt.

Konkursverfahren.

Ueber den Nachlaß des Friedrich Pfarrer zweiten zu Villingen, wird heute am 2. März 1905, nachmittags 5 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da der Nachlaß des Friedrich Pfarrer zweiten über­schuldet ist.

Der Rechner Heinrich Kon­rad Göbel zu Laubach wird zum Konkursverwalter ernannt.

Konkursforderungen sind bis zum 25. März 1905 bei dem Gerichte anzumelden.

Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, so­wie über die Bestellung eines Gläubigerausschuffes und ein­tretenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung be­zeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Freitag, den 7. April 1905, vor­mittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt.

Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schul­dig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auf­erlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forder­ungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedig­ung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zürn 20. März 1905 Anzeige zu madfcn. D7

Großherzoglichcs Amtsgericht.

Mittwoch den 8. März l. Js.

nachmittags 2 Uhr

-erden im Biekerschen Saale versteigert: 1 Sofa, 1 Glasschrank, Kleiderschränke, 1 ov. Tisch 1 ov. Spiegel, 2 Plüschsessel, 1 Pianino, 18 Par Herrenschnürstiefel, 1 Granatarmband, 1 Armband mit Kettchen, 16 Säulenwaagen, 1 Metalldrehbank, 2 geschn. Eichen­stämme u. a. m. 1241

Geißler, Gerick^olläieher.

Versteigerung.

Dienstag, 14. März l. Js., nachm. 3 Uhr, sollen im städtischen Pfandlokal, Seltersweg Nr. 11, dabier die wegen rückständiger Gemeinde - Steuer 4. Ziel, Holz- und Pachtgeld, Gas- «nd Waffer- geld, Elektr. Stromgeld, isrl. Gem.-St. 3. Ziel gepfändete Gegenstände (Möbel aller Ar0 versteigert werden. 1233

Gemmecker, Pfandmeister.

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