Ausgabe 
7.9.1905 Erstes Blatt
 
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Judenviertel an und tötete eine Anzahl Juden. Diele Häuser wurden beschädigt und viele Wohnungen ausgeplün­dert. Die Polizei begünstigte die Vernichtungsarbeit deS Mob.

Telegramme aus Baku berichten, daß die Kämpfe zwischen Armeniern und Tataren fortdauern. Das Militär hat zwar Verstärkungen aus Tiflis ermatten, aber die Truppen sind nicht imstande, die Ruhe wieder herzu- stellen. Mehrere Londoner Firmen, welche in Baku Ver­treter haben, erhielten die Mitteilung, daß die Lage sich von Tag zu Tag verschlimmere und Handel und Verkehr stockten. Die gesamte Naphtaindustrie Bakus ist in Ge­fahr. 300 Bohrtürme sind ausgebrannt. Die Ver­luste beziffern sich auf viele Millionen Rubel.

Nach Meldungen aus Eli'abethpol überfielen Ta­taren die Häuser der dort wohnenden Armenier, ermor­deten zahlreiche Personen und plünderten sie aus. Die Polizei verhält sich auch dort passiv.

In der Ortschaft Ginntet ist ein ernster Konflikt zwischen Bauern u n b Großgrundbesitzern aus- ,gebrochen. Bisher wurden 11 Personen getötet oder verwundet.

Der frühere Posener Arbcitersekretär Kaz- przak, 1901 sozialdemokratischer Reichstagskandidat, war in Warschau wegenrevolutionärer Umtriebe" verhaftet worden. Hierbei erschoß er vier Geheimpolizisten. Das Ge­richt verurteilte ihn darauf zum Tode mit dem Strang. Das Urteil ist bereits vollstreckt.

Allen diesen greulichen Nachrichten zum Trotz tragt Herr Trepow seinen alten Optimismus zur Schau. In einem neuerlichen Interview erklärte er, daß die innere politische Lage Rußlands sich wesentlich gebessert habe! Er sei der Ansicht, daß die günstige Wirkung des Friedensschlusses fraglos auf allen Gebieten des öffent­lichen Lebens rasch eintreten werde. Für die Regierung fei es zwar zurzeitunmöglich, sämtliche Wünsche der verschiedenen Bevölkerungsschichten so­fort zu erfüllen und alle Gegensätze auszugleichen, sie habe aber die ernste Absicht, alles zu tun, um das angestrebte Ziel zu erreichen! Er ist ja nun der rechte Mann dazu... .

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Großfürst Michael Nikolajewitsch wurde zum Ehrenpräsidenten des Reichsrates, Graf Solski zum Präsidenten des Reichsrates er­nannt.

Englische Hstseetage.

Flensburg, 6. Sept.

Das Festmahl, das die Stadt Flensburg zu Ehren der Offiziere der hier cingetroffenen englischen Tor­pedobootsflottille gestern veranstaltete, nahm einen stimmungsvollen Verlauf. Die englischen Gäste wurden in >zwölf Galawagen vom Hasen durch die mit englischen und deutschen Flaggen reichgeschmücktc Stadt nach der Harmonie gebracht, wo Oberbürgernreister Tr. Todsen sie begrüßte. -Bei der Tafel brachte Dr. Todsen den Toast auf die beider­seitigen Herrscher aus.

Die Beziehungen zu England, so führte Todsen u. a. aus, find gerade in diesem Teile unseres deutschen Vaterlandes von -der ältesten und bedeutsamsten Art. Hier hatte einst der Stamm der Angeln seinen Sitz, von denen ebenso wie unsere Nachbar- landschast Angeln dos große England noch heute seinen Namen hat. Das Blut der Angeln und Sachsen rollt in unseren Adern, wie in denen der Engländer. Todsen schloß:Daß die fr eun d- schaftlichen Beziehungen zu England immerdar erhalten bleiben, daß unser ganzes deutsches Volk und das englische sich immer nähertreten mögen in gegenseitiger Anerkennung und Rücksichtnahme, in gegenseitigem Verständnis und Vertrauen, das ist der aufrichtige Wunsch, mit dem wir Sie, Herr Admiral, und Ihre Offiziere willkommen heißen!"

Admiral Winsloe dankte für den warmen Will­komm, woriiber er und seine Offiziere sehr erfreut seien, und dessen sie sich immer dankbar erinnern würden. Der Admiral schloß mit dem Wunsche für weiteres Gedeihen der Handelsstadt Flensburg.

Heute morgen um 5 Uhr ging die englische Torpedo- bootsflottille nach Kopenhagen ab.

Deutsches ReSiH.

Potsdam, 6. Sept. Da§ Kaiserpaar ist heute abend 10 Uhr 50 Min. von Wildparkstation nach Hom­burg v. d. H. abgereist. Das Kronprinzenpaar und Prinz Eitel Friedrich waren abends 10 Uhr 16 Min. mittels Sonderzuges von hier nach Homburg v. d. H. abgereist.

Berlin, 6. Sept. Der Kaiser konferierte heute im Auswärtigen Amte mit dem Staatssekretär Frhr. v. Richt­hofen und Härte dann den Vortrag des Chefs des Militär- kabinets, Grafen Hülsen-Häseler.

Wie dieBert. Ztg." von besonderer Seite hört, ^ammt das von derNordd. Allg. Ztg." gebrachte DeS- avouö des Martinschen Buches über die russi­schen Finanzen, das angeblich zu einem Disziplinarver­fahren gegen den Autor geführt hat, nicht etwa von dem unmittelbaren Vorgesetzten Martins aus dem statistischen Amt oder aus dem Reichsamt des Innern, sondern ist vom Reichskanzler persönlich verfaßt.

Die südafrikanische Totenliste

wächst von Tag zu Tage. Heute meldet ein Telegramm aus Windhuk: Reiter Josef Fiebig, auf einer Patrouille südlich Kosos gefallen, Reiter Johannes Behm, durch einen Un­glücksfall vom Zug überfahren und sofort gestorben, Reiter Gustav Schulz, an Herzschwäche nach Typ hus ge­storben.

Ausland.

Madrid, 6. Sept. Die Barcelonaer Presse veröffent­licht heftige Artikel wegen der Vernachlässigung des staatlichen Sicherheitsdienstes. Die Kaufmann­schaft will eine eigene Polizei schassen und eine große Protestkundgebung veranstalten. Die Regierung befahl den Be­hörden, an dem heutigen Leichenbegängnis der Opfer teilzunehmen. Die Bcmülmngen der Polizei, die Schuldigen ausfindig zu machen, waren bisher fruchtlos.

Barcelona, 6. Sept. Es herrscht Panik. Zahlreiche Fremden verlassen die Stadt. Die ZeitungLa Lucha" ist in­folge eines Artikels, in welchem sic das Attentat zu recht- fertigen versucht, beschlagnahmt worden.

Budapest, 7. Sept. Die sozialdemokratische Partei hat bereits den für den 15. September vor dem Parlament ge­planten Massenaufzug polizeilich angcmeldet. Der Aufmarsch soll in 6 Kolonnen zu 10 000 Mann erfolgen. Aus der Umgebung Und der Provinz sind aus etwa 30 Ortschaften Anmeldungen wegen Teilnahme an dem Aunnarsch eingelangt. Die Arbeit wird am 15. September wahrscheinlich in allen Betrieben ruhen. Por dem Parlament sollen Reden gehalten und eine Abordnung

mft bee Forderung des allg. Wahlrechtes zum Präsident des Abgeordnetenhauses entsendet worden.

Konstantinopel, 6. Sept. Am 29. August tötete in Vince, Bezirk Kumanowa, Wilajet Uesküb, eine mohamme­danische Bande neun Christen und verwundete drei. Am 29. August femb in Morkovce, zwei Stunden von Uesküb entfernt, ein Kampf mit einer bulgarischen Bande statt, wobei ein Gendarm, ein Komitadschi und eine bulgarische Frau getötet wurden. Die Bande flüchtete. Während des Kampfes ließ der Truppenkommandant die Häuser mit Petroleum begießen und zehn Häuser wurden verbrannt. Auch fanden Plünderungen unb Mißhandlungen statt. Der Schaden wird auf 3500 Pfund geschätzt.

Aur Jleischleuerung.

Berlin, 6. Sept. Die Versammlung deutscher Fleischermeister, die von Berlin einberufen worden ist, um sich mit der herrschenden Fleischteuerung zu beschäftigen und gegen diese Protest zu erheben, wurde am Mittwoch in den Konkordia-Sälen eröffnet. Dem Aufruf, den 19 Berufs­vereine aus Berlin und Umgebung erlaßen hatten, waren die Angehörigen de§ Fleischergewerbes aus allen Teilen Deutschlands in großer Zahl gefolgt. Die Konkordia-Säle, die 2500 Personen zu fassen vermögen, waren vor Beginn der Verhandlungen bereits gefüllt. Als besonders bezeichnend wurde von den Berufsgenoffenschaften betrachtet, daß die­jenigen Städte, in denen das Fleischergewerbe durch seine industrielle Betätigung, wie in Braunschweig und Gotha, hervortritt, besonders stark vertreten waren.

Der erste Hauptredner zu dem einzigen Gegenstände der TagesordnungVieh- und Fleischteuerung" war der zweite Verbands-Vorsitzende der deutschen Fleischermeister, Wiegand-Nord Hausen. Er verwahrte die Fleischer da­gegen, daß sie leichtsinnig eine Oeffnung dec Grenzen ver­langen. Fern liege es ihnen, zu fordern, daß die zur Er­haltung des deutschen Viehbestandes notwendigen hygienischen Maßregeln beseitigt würden. Nach weiteren statistischen Dar­legungen, in denen er nachzuweisen suchte, daß Herr v. P o d- bielski und seine Räte mit ihren Angaben nur die große Masse irreführten, rief er der Regierung zu, sie möge die Fleischnot lindern, nicht nur im Interesse der Schlächter, der Wurstindustrie, sondern der gesamten Bevölkerung. In der Diskussion wurden meist scharfe Töne angeschlagen. Ahlert-Berlin führte aus: Tausend Tiere wogen früher so viel wie jetzt 1300, denen man die Fleischnot am eigenen Körper ansieht. (Große Heiterkeit.) Mühpetz-Hamburg: Es heißt immer, das Ausland sei verseucht; im Gegenteil, wir sind verseucht. Unser Rindvieh ist krank, und wie soll ein krankes Stück Vieh ein gesundes erzeugen? (Zustimmung.) Nitter-Rohrbeck: Wir bitten die Negierung jetzt nicht mehr, jetzt fordern wir. (Stürmischer Beifall.) Wir sind treue Staatsbürger, aber wenn alle Stricke reißen, wird auch da§ Handwerk wissen, was es zu tun hat. (Stürmischer Beifall.) Marx-Frankfurt a. M., Vorsitzender des Fleischerverbandes, konstatiert, daß auch der Verbands-Vorstand die Not an­erkenne.

Nachdem noch eine Reihe weiterer Redner im gleichen Sinne gesprochen haben, nahm der freisinnige LandtagSabg. Cassel das Wort: Herr v. Podbielski hat gesagt, die Stadt Berlin solle Schweine züchten. Ich kann das nicht ernst nehmen (Heiterkeit, Zuruf), aber er sollte sich in so ernster Lage nicht mit Späßchen zu helfen suchen. (Lebhafter Bei­fall.) Kein Unbefangener glaubt mehr, daß die Seuchen­maßregeln nur hygienischen Zwecken dienen; sie sollen die Preise hochhalten im Jntereffe der Agrarier, darum sind sie ein Pflänzchen Rührmichnichtan. (Lebhafter Beifall.) Ich will keine Parteipolitik treiben, aber wenn Sie etwas er­reichen wollen, muffen Sie bei den Wahlen richtig vorgehen. (Stürmischer Beifall.) Verschiedene Redner sprachen ihr SBefremben aus, daß die Berliner Fleischer- Innung nicht vertreten sei (Zuruf: die üben sich im Reiten für Einzugsfeiern! Heiterkeit). Zum Schluß wurde einftinnnig folgende Erklärung beschlossen:

Mehrere tausend Fleischermeister aus allen Teilen des Reiches erklären, daß nach ihrer genauen Kenntnis des Viehbestandes im Reiche, sowie nach den Zahlen des Auftriebes und der Schlachtungen auf den Vieh- und Schlachthöfen ein großer Mangel an Schlachtvieh und namentlich an Schweinen besteht. Sie halten es für eine nationale Pflicht, daß die Grenze geöffnet und damit der Fleischnot ein Ende bereitet werde.

München, 6. Sept. Der Stadtmagistrat beschloß, wegen der Fleischteuerung einen Antrag an die Regierung auf Oeffnung sämtlicher Grenzen zu richten. Für die Dauer des Notstandes sollen Zollvergünstigungen, eventuell sogar völlige Aufhebung der Zölle gefordert werden.

Leipzig, 6. Sept. Der Stadtrat beschloß, das dringende Ersuchen an die Regierung um sofortige Maßregeln gegen d ie Fleischnot zu richten.

Vom Manöver des 18. Armeekorps.

Gieße«, 7. Sept.

Die Divisionsnranöver haben am gestrigen Mittwöch bei der 21. Division, am Dienstag bei der 25. hessischen Division ihren Mschluß gesunden. Die 25. Division hatte am Samstag im Beisein des kommandierenden Generals, v. Eichhorn ein großes Gefecht um Hennetal; dabei war die 50. Brigade ver­stärkt durch das Regiment 116. Das Gefecht dauerte bis 5 Uhr nachmittags. Am Montag fand das Gefecht bereits früh um 4 Uhr um Wehen, Neuhof, Wingsbach seinen Abschluß; die Unteroffizierschule Biebrich war der 50. Brigade (117 und 118) zugeteilt. Das Gefecht schloß schon um 81/4 Uhr, und nun begannen weite Märsche in die Quartiere östlich von Wiesbaden und in Wiesbaden. Dienstag ging die ganze Division unter dem Befehl des Divisions-Kommandeurs gegen einen markierten Feind, den die 116 er (Gießen) stellten. Diese nahmen unter dem Befehl des Obersten v. Lindenau aut einer Anhöhe zwischen Dieden­bergen und Wallau Aufstellung, ihnen waren zugeteilt die 6 er Dragoner (Mainz) und 61 er Artillerie. Diese hatte eine sehr günstige Position am Galgenberg. Ms Kriegslage wurde an- genommen, daß eine feindliche Armee bei Mainz über den Rhein ginge, welche aufgehalten werden sollte. Um 9 Uhr rückten die Regimenter 115, 117, 118, 168 gegen den markierten Feind, es entspann sich ein heftiges Gefecht, an dem sich die Artillerie lebhaft beteiligte, während die Kavallerie nicht in Tätigkeit trat. Um V2I Uhr war das Gefecht beendet. Armee­inspekteur v. L i n d e q u i st und Oknerat v. Eichhorn wohnten bei. 65eftem, Mittwoch, hatte die 25. Division Marschtag. Tie 21. preußische Division hatte erst gestern ihr Schlußgefecht, das sich in ähnlicher Weise wie bei der 25. Division abspielte und zwar auf dem Gelände östlich Vilbel, zwischen Main und Nidder. Den markierten Feind bildete das Regiment Nr. 80, die 6 er Ulanen und die 27 er Artillerie. Aus der Anhöhe zwischen Vilbel, Kilianstädten und Hochstadt .stand der markierte Feind

am Walde, Große und Kleine Lohe genannt. Die Regiment«, 81. 87, 88 und 166 kamen aus der Richtung Bergen, Frank­furt, Bischofsheim, geführt von Generalleutnant v. Kettler. Um 11 Uhr war das Gefecht beendet. Eine große Zahl Zuschauer hatte sich aus der Umgegend, namentlich aus Frankfurt, Offen­bach, Vilbel eingefunden. Der Division war cs trotz mehrenr Sturmangriffe nicht gelungen, die Anhöhe einzunehmen. Prin­zessin Friedrich Karl von Hessen und General v Eich­horn wohnten dem Gefecht bei. Während der letzten Manöver­tage Hatter: auch die Pioniere mehrere Uebungen im Brückenbau am Main und an der Nidda. £>eute ist nun der große Ruhetag vor der Kaiserparade. Er gilt der Erholung von den seitherigen Anstrengungen und soll den Soldaten neue Straft zu den bevorstehenden Strapazen geben, die die Kriegsmärschc mitbringen. Doch Korporal und Korporalschast sehen solchen Ruhetagen vor Paraden und Besichtigungen stets mit gemischten Gefühlen entgegen, denn da hei^t es: Putzen, Flicken, Nähen und Appell folgt auf Appell.

Das ganze 18. Armeekorps ist gestern um die Orte Homburg, Friedrichsdorf, Friedberg, Vilbel, Offenbach, Frankfurt, Heddern­heim mit dem Zentrum am Paradeplatz konzentriert worden, und die Gegend wimmelt von Soldaten aller Waffengattungen. In Homburg trafen gestern wieder mehrere Züge ein mit kaiser­lichen Equipagen, Gepäck, Pferden, Dienern und Offizieren, ferner sind eine starke Abteilung von Feldgendarmen und gegen 200 Geheimpolizisten gestern abend von Berlin angekommen.

Der Paradeplatz ist etwa 20 Minuten lang und 15 Minuten breit, das große Viereck ist durch Drahtzaun eingefaßt, ant besten gelangt man über BonameS oder Holzhausen nach dem Paradeplatz, die Eingänge sind sämtlich'von Nieder-Eschbach aus. Von Bonames ist eine Omnibusverbindung eingerichtet. Auf bet Dveikaiserpappel, die von der Parade 1883 und 1897 bekannt ist, winkt von weitem eine hessische Flagge, die den Besuchern als Wegweiser dienen kann. Unter der Mitte der Tribüne ist ein kaiserliches Postamt eingerichtet, von dem Telephon- und Tele­graphenleitungen nach Homburg führen. Auf dem K'aiserweg ist nahe der Sttaße Ober-Erlenbach ein Pavillon errichtet, bis dorthin fährt der Kaiser von Homdurg per Automobil, dann steigt er zu Pferd. Die Tribünen sind mit Fahnen und Guir- landen schön geschmückt.1 Viele Krieg erverein e aus Oberhessen werden Freitag früh über Gießen, Butzbach. Fried­berg nach Bonames, bezw. Holzhausen fahren. Die Krieger« t>ereine aus der Umgegend Gießen bis zum Streife Alsfeld, treffen teilweise schon Donnerstag abend in Gießen ein und erhalten in der Zeughauskaserne Freiquartier. Der Extra­zug geht in Gießen um 3.50 Uhr morgens ab nach Bonames.

Keröst-McrderrrarkL zu Küßen.

Gießen, 7. Sept.

Zum -gestrigen Herbstpferdemarkt waren zirka 300 Pferde und Foh len ausgetrieben worden. Das präch­tige Wetter hatte schon am frühen Morgen viel Käufer und sonstige Interessenten auf den Platz gelockt. Der Handel ging sehr flott, namentlich war der Antrieb von den Pferdezüchtern sehr groß, und das hierbei vorgeführte Material war, wat später auch dec Vorsitzende des hessischen Pfcrdezuchtvereins, Müller vom Neuhof, in seiner Rede anführte, außerordentlich gut. Um 8V2 Uhr begann bereits die Prämiiecung^, und von 10 Uhr an ent­wickelte sich auf dem Platz beim Konzert der Feuerwehr­kapelle ein fröhliches Treiben der Macktbesucher und em eifriges Galoppieren von Pferden aller Art. Die Restau­ration machte gleichfalls gute Geschäfte. Um 12 Uhr mittags begann die Vorführung der im Pcivatbesitz befindlichen Reit- und Wagenpferde unter dem Reiter und int Geschirr, wobei zahlreiche Zuschauer sich eingefunden hatten. Lohn­kutscher Juncker erhielt für das Vorfahren zweier mit sehr schönen Pferden bespannten Coupses einen Ehrenpreis. Hoflohnkutscher Huhn führte außer Konkurrenz ein jwxcä. Coup6 mit Gummirädern vor; sein Sohn erhielt für ein Selbstkutschierphaeton einen Preis., Um 12h» Uhr wurden sämtliche prämiierten Pferde vorgeführt. Die Prämiier-- u n g hatte folgendes Ergebnis:

i. Abteilung, Reitpferde:

Gg. Konrad Strasheim, Griedel, 2. Preis.

II. Abteilung, Wagenschläge (paarweise):

S. Michel, Gießen, 2. Preis, Gebt. Leopold, Nidda, ehrende Anerkennung und 40 Mk.

in tu Abteilung Schwere Arbeitsschläge (paarweise):

Simon Kaufmann, Nieder-Weisel, 1., S. Michel, Gießen, 2^ Ang. Frensdorf, Gießen, 3. Preis.

Illb. Abteil ungLeichteArbeitSschläge (paar weise):

S. Michel, Gießen, 1., Ang. Frensdorf, Gießen, 2., A. Bing, Lich, 3. Preis.

IVa. Schwere Arbeitsschläge, einzeln:

S. Kaufmann, Nieder-Weisel, 1. und 3., A. Frensdorf, Gießen, 4. Preis.

IVb. Leichte Arbeitsschläge, einzeln:

Isidor Strauß, Ober-Mockstadt, 1., Aug. Frensdorf, Gießen, L, A. Bing, Lich, 3., Isidor Meier, Ober-Mockstadt, 4. Preis.

Va. Arbeitsschläge, einzeln:

Jak. Klippel, Nieder-Weisel, 1., Hch. Großhans IL, Gießen, 2., Konr. Krausgrill, Nieder-Weisel, 3. Preis, Hans Konr. Werner, Fauerbach, Anerkennung und 10 Mk.

Vb. Arbeitsschläge, paarw eise:

Gg. Ronr. Strasheim, Griedel, 1., Wenzel Haffer III., Nieder- Weisel, 2., Ph. Müller, Oberhörgern, 3. Preis, Daniel Schäfer H., Holzheim, Anerkennung und 10 Mk.

Via. Dreijährige Fohlen, Wagenschläge:

W. Göbel, Pohlgöns, 1., Hch. Ludw. Dreut, Griedel, 2., Ph. Rock, Hattenrod, 3. Preis, Konr. Weitz IV., Dorf Gill, Anerkennung und 10 Mk.

VIb. Dreijährige Fohlen, Arbeitsschläge:

Friedt. Fenchel, Griedel, 2 Karl Hofmann, Wetterfeld, 3., Hch. Schmidt, Münch-Leusel, 4. Preis.

Vila. Zweijährige Fohlen:

Wilh. Faber, Kirchgöns, 1., Heinr. Wagner, Allendorf an bet Lumda, 2., Ph. Rock, Hattenrod, 3., R. Esau, Großen-Buseck, 4. Preis, Karl Geisel, Reibertenrod, Anerkennung und 10 Mk.

Vllb. Zweijährige Fohlen:

Joh. Faber X., Lechgestern, 1., PH. Schwan, Gießen, 2., Gg. Bert, Londorf, 3. und 4. Preis.

vnia. Zuchtstu 1 en mit Fohlen:

Herrn. W. Strasheim, Griedel, 1., Hch. Will). Müller, Griedel, 2.v K. Dieges II., Fauerbach a. d. H., 3., Hch. Bender, Hofgut Griedel, 4., Friedr. Fenchel, Griedel, 5., Julius Philippi, Wohnbach, 6. Preis, Phil. Schwan, Gießen, Anerkennung und 10 Mk.

Vlllb. Zuchtstuten m i t Fohlen:

Joh. Aug. Heinz, Nieder-Weisel, 1., Moritz Bender, Hosgut bei Griedel, 2., Jak. Klippel, Nieder-Weisel, 3., Ludw. Keßler V., Großen-Linden, 4., Wenzel Haffer HI., Nieder-Weisel, 5., Hans Konr. Werner III., Jaiierbach, 6. Preis, Christoph Hauser IV., Nieder-Weisel, Anerkennung und 10 Mk^ Jak. Fay IV., Langsdorf Anerkennung und 10 Mk., Peter Richter, Nieder-Weisel, Anerkennung und 10 Mk.

Um IV2 Uhr nachmittags fand die übliche Mittags­tafel imPrinzen Karl" statt.

Aus gttnDi und Land.

Gießen, 7. September 1905.

** S. K. H. der G r 0 ß h e r z 0 g traf, wie uns aus Friedberg gemeldet wird, gestern nachmittag per Auto­mobil über Frankfurt in Friedberg ein, um von seinem dortigen Schlosse aus an den Kaisertagen in Homburg und dec Kaiserparade teilzunehmen. Die Stadt Friedberg ist reich beflaggt, auf der Kaiserstraße und namentlich in der