Ausgabe 
6.3.1905 Erstes Blatt
 
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Metzger m ei st ern

Herr Skalizky beabsichtigt, im Pensionsbaus für Sommergäste in der freien Natur seine Gesund-

Samstag mittag der Fuhrknccht

und mehrere Werk- Schube. Leder usw. Posten Schäfte, der

mit vielen wertvollen Maschinen intakt der Schaden sebr groß, da das Bureau statten ausgebrannt sind; viel Werkzeug, sind vernichtet worden, auch ein großer erst gestern angekommen war. (0. ß.)

Frankfurt, 4. März. Von den

Pfeiffer und Genossen ist den städtischen Bebörden folgende Eingabe zugcgangen:Der Mitteldeutsche Viebbändler-Verein bat beschlossen, daß seine Mit­glieder bei Me'.dung einer Konventionalstrafe verpflichtet sind, Schlachtvieh nur unter Ausschluß der Haftung für gesetzliche Fehler (Hauptmängeln zu verkaufen. In diesem Beschluß er­blickt die in den Saal der Wirtschaft zum Storch einberufene öffentliche Versannnlung Frankfurter Metzgermeister eine Ge- fäbrdung des Gemeinwohls. Sie ist der Ueberzcugung. daß durch die Ausführung jenes Beschlusses dem Bestreben, krankes Vieh auf den hiesigen Markt zu bringen, Vorschub geleistet wird, und beauftragt ihren in der Versammlung gewählten Vorstand, bestehend aus den Herren Jean Borzner, Hugo Heß, Julius Schwämmlein, Wilh. Pfeiffer und Georg Faß­bauer, den Magistrat biesiger Stadtgemeinde als Eigen­tümerin des Schlacht- und Viehbofs sowie die Stadtverordneten- versanunlung zu ersuchen, den Mitgliedern deS Mitteldeutschen Viebbändlervereins den Eintrieb von Vieh, zwecks Verkauf an die hiesigen Metzger, nur dann zu gestatten, wenn jener

Beschluß aufgehoben wird."

Kleine M i t t e i1 n r» n e n ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Bad-Naucheim wurde bag Hotel de l'Europe, Frau C. Meisingev Wwe. gehörig, an Ib'te Bankfirma Kahn u. Eo. in Frankfurt a. M. für 4^0 000 Mk. verkauft. Mit einer Schußwunde in der Brust wurde in Frankfurt der 25jährige Otto Schmidt aus der Gegend von Marburg, in der Gärtnerei am Großen Hasenvfad besinnungslos aufgefundcn und in seine Wohn- img gebracht. Es liegt ein Selbstnrordversuch vor. Dte- Stadtverordnetenversammlung in Offenbach faßte mit großer Mehrheit entgegen der Stimme des Oberbürger­meisters Dr. Brinck den Beschluß, ab 1. April das Oktroi, aus Schweine, »Schweinefleisch und Wurst>' waren aufzuheben. Der 'Ausfall im Budget soll durch Erhöhung der Umlagen hereingebracht werden. Dom- probst Malzt von Worms, der wegen Sittlichkeitsver-, gehen seit 10 Tagen in M ainzin Untersuchungshaft war, ist gegen Stellung von 10000 Mk. Kaution aus der .Haft entlassen worden. In letzter Stunde bat sich in Mainz noch ein Komitee gebildet, das mit Hilfe der! vereinigten Garden die bereits abgesagte Kappenfahrt mit humoristischen Gruppen am Fastnachts-Montag nachmittags halb 3 Uhr zur ^kusfühuurg bringen wird. IN der Strohs stoff-Fabrik Rhein-Dürkheim explodierte ein Sodat-t ofcn. Ein Mbeiter wurde durch das herumfliegende Gestein verschüttet und erlitt so schwere Brandwunden, daß er als­bald starb.

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Alis AtarN und La»d.

Gießen, den 6. März 1905.

** I» I» K. K. H. H. der Großherzog und die Großherzogin befinden sich nach den jüngsten aus Moskau eingelaufenen Nachrichten in erwünschtem Wohlsein. Die hohen Herrschaften bewohnen das kaiserliche Palais im Be­zirke des Kreml, in welches nunmehr auch Ihre Kaiserliche Hoheit die Großfürstin Sergius übergesiedelt ist. Das Aus­sehen der Stadt zeigt, wie die Nachrichten versichern, die ge­wöhnliche Physiognomie.

** Personalien. den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft

verriMcvtss.

Mannheim, 4. März. Dem 22 Jahre alten Dienst­mädchen SusannaSenges aus Hemstadt ist heute wäh­rend die Dienstherrin, die verwitwete Privatiere Hirsch, in der Synagoge weilte, in dem Salon der Wohnung von einem noch Unbekannten der Schädel e i n g e s ch l a g e n worden. Drei junge Burschen sind als der Tat verdächtig verhaftet worden. Da nichts geraubt ist, scheint es sich um eine Liebesaffäre zu handeln.

* Vergiftung einer amerikanischen Mil-» lrar darin. Eine der reichsten Frauen der Welt Mirs.! Jane Leland Stanford aus San Francisco, Witwe des Eisenbahn- und Minenmagnaten Senator Stanford, ist nach Meldungen Newyorker Blätter im Monala-Hotel in Hono- lulu vergiftet worden. Vor ihrer Abreise aus Son Fran­cisco, Mitte Januar, war schon ein Versuch gemacht wor­den, sie mit Mineralwasser, das Strychnin enthielt, zu ver­giften, ein Brechmittel rettete sie damals. Bei ihrem jetzigen Aufenthalt in Honolulu nahm sie etwas Natron, das sie aus Francisco mitgebracht hatte, und starb bald darauf an Vergiftungserscheinungen. Der Täter und der Grund! des Verbrechens sind unbekannt. Die Verstorbene schenkte bei ihren Lebzeiten 120 Millionen Mark an die von ihrem Gatten gegründete Stanford-Universität, die jetzt das ge­samte Vermögen erbt. Nach den neuesten Nachrichten aus! Honolulu wurde in dem Natron genug Strychnin ge­sunden, um 600 Menschen zu töten. Der Verdacht richtet sich, aus ihre chinesische Dienerschaft, die in ihrem Palais irtl San Francisco verhaftet wurde.

* Ein Bergsturz vom Fiedcoberg in Südtirol zerstörte die Straße Riva-Gampi. Auch im Fumotale ver­sperrte ein starker Bergsturz den Taleingang. Ju vielen anderen Teilen Südtirols, wo jetzt der Föhn weht, sindl zahlreiche! Lawinen und Felsstürze, weil der neun

an den früheren Inhaber Herrn Rath, verkauft, bayerischen Hochgebirge ein einzurichten und hofft, dort heit wieder zu stärken.

** Unfall. Als am

er bewußtlos zur Erde fiel und nach der Klinik gefahren werden mußte. Die Verletzung soll nicht lebensgefähr­lich sein.

» Uebler Unfug. In der Nacht vom 3. auf den 4. ds. Mts. wurde ein Student dabei betroffen, als er eine Fensterscheibe an einem Wohn Hause in der Kaplansgasse entzweiwarf. Am Samstag wurde von einem Stu­denten aus einem Wagen heraus beim Durchfahren der Alice- straße mit einer Champagnerflasche ein Fenster entzwei- geworfen.

* Unfug aus Schönheitsrücksichten. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag waren wieder, wie dies fast jede Nacht geschieht, mehrere junge Leute mit dem, wenn auch nicht ganz unverdienstvollen, so doch unberechtigten Abbruch der sog. Kracheburg beschäftigt. Einer der Abbruchsmeister wurde erwischt und muß sich demnächst wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung verantworten.

Die Wanderer", G. N.-G., hielten am Samstag abend im Neuen Saalbau ihr hiesiges Winterfest ab. Nach den ersten Musikstücken eröffnete ein wohlgelungener, von 5 Mitgliedern des Vereins ausgeführter Reigen die Dar­bietungen des Abends. Sodann wechselten in bunter Reihen­folge Gesangsstücke, komische Vorträge und Violin-Soli. Die Mitglieder des Gießener Männergesangvereins trugen wesent­lich zur Verschönerung des Abends bei. Einige Kouplets, von Mitgliedern des Vereins vorgetragen, fanden den Bei­fall der Zuhörer. Namentlich rief HerrSchnakenvertilgungs­kommissar Meerrettig" mit seinen derb-humoristischen Aus­führungen Heiterkeit hervor. Den Glanzpunkt des Abends bildete der von den 8 Mitgliedern ausgeführte Kostümreigen. Nach Ablauf des Programms folgte der übliche Ball. Auch der Gau 9 von Frankfurt hatte seine Vertreter ent­sandt. Am gestrigen Sonntag fand noch ein hübscher Aus­flug nach dem Windhof statt, wobei noch einige Stunden getanzt wurde.

* Lahntal.Sängerbund. Bei dem am Sonntag hier imSchipkapaß" stattgehabten Sängertag des Lahntal- Sängerbundes wurde nach der Erstattung des Geschäftsberichts der Gesangverein Kirchhain bei Marburg in den Bund aufgenommen. Sodann erfolgte die Verleihung von Diplomen für'25jährige aktive Mitgliedschaft an drei Bundesmitglieder; es sind dies die Herren Karl Schneider und Aug. Stuhl vorn Liederkranz Weilburg und Gustav Richard vom Ge- l sangverein Grünberg. Bei dem im Jahre 1906 in Gießen

eilenden Feuerwehr gelang es, eine weitere Ausdehnung des Feuers zu verhüten, sodaß die nördliche Hälfte des Hauses blieb. Trotzdem ist

abzuhaltenden Bundesfest sollen folgende Gesamtchörc zum' Vortrag kommen: 1) Hymne von Herzog Ernst, 2) das deutsche Lied von Gernhardt (beide Chöre mit Orchester- begleitung), 3) Weihe des Gesanges von Mozart (mit Rück- sicht auf den 150. Geburtstag des Meisters), 4) Das Schiffer­lied von Eckhart und 5) Der Soldat, von Fr. Silcher.

§ Gedern, 4. März. In der Hofmann'chen Woll­spinnerei wurde dem Arbeiter Lorenz Becker ein Arm bis zum Ellenbogen von einer Maschine abgerissen. Nach 91 n=* legen eines Notverbandes wurde der Schwerverletzte in die Gießener Klinik verbracht.

§ 93 o m unteren Vogelsberge, 4. März. Seit einer Reihe von Jahren war der Schneefall nicht so be­deutend als in diesem Jahr. Auf mehreren Kreisstraßen muß die Fahrbahn stets aufgeschippt werden, so daß nach und nach förmliche Schneehohlwege, wie z. B. bei Herchenhain, entstehen. In diesem höchst geleaenen Dorfe haben sich stockwerkhohe Schneemassen aufgetürmt. Das Pfarrhaiis ist von zwei mächtigen Schneewällen umgeben. Fremde Ski- fahrer kommen fast jeden Sonntag in unsere Berge.

fc. Weilburg, 5. März. Im Ahäuser Wäldchen ent­stand gestern ein Waldbrand, der so schnell um sich griff, daß er die ganze Schonung zum größten Teil vernichtete. Mit Mühe gelang es, Herr des Brandes zu werden und weiteres Umsichgreifen des Feuers zu verhüten. Ein 13- jähriger Schüler ist verdächtig, den Waldbrand verursacht zu haben.

Offenbach, 4. März. Großfeuer brach heute früh */., 5 Uhr in der Schuhfabrik von Hartmann, Noll u. C o. aus, die in dem dreistöckigen seitlichen Hofgebäude des Hauses Domstraße 75 gelegen ist. Der schnell herbei-

Horn zu Lengfeld und der Wagenwürter in der Hesi.- Preuß. Eisenbahngemeinschaft Frickel zu Frankfurt a. M. Dem Portier in der Heff.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft, Blüml er zu Babenhausen wurde aus Anlaß seines Aus­scheidens aus dem Staatseisenbahndienst das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift .Für treue Dienste" ver­liehen.

** Aus dem Bureau des St adt tb e a ters. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß am nächsten Mitt­woch ausnahmsweise eine Abonnementvorstellung stattfinden muß, und zwar ist die 15. Dienstags-Aufführung auf diesen Tag verlegt worden. Zur Aufführung gelangt Kadelburgs Familientag", der bei der Premiöre einen so schönen Erfolg errungen hat. Mittwoch nachmittag wird für die Kleinen nochmalsMax und Moritz" wiederholt.

Die Orts- u n d Polizeidiener der Provinz .Oberhessen batten gestern nachmittag im Saale des Lenzschen Felsenkellers hier eine Versammlung, die sehr stark besticht war; der Saal war bis auf den letztem Platz ge­füllt. Der Zweck der Versammlung war, zu beraten, wie am besten eine Aufbesserung der Gehälter der Orts- und Polizeidiener erstrebt werden könne. Die Landtagsabgeordneten Köhler und Leun waren anwesend. Nachdem unter dem Borsitz des Polizeidieners M a y e r von Lich die Versammlung eröffnet worden war, referierte Abgeordneter Köhler über bo§ Resultat der bereits von verschiedenen Seiten in der Sache an die Negierung eingegangenen Gesuche. Diese hätten erreicht, daß die Negierung demnächst ein Gesetz zur Vor­lage bringen werde, wodurch die Gehälter aller Gemeinde­beamten geregelt werden sollen. Bis jetzt sei dies nicht ge­schehen, und es sei deshalb Sache der beteiligten Beamten, insbesondere aber der Polizeidiener, mit Nachdruck dies Gesetz zu fordern. Er empfahl die Gründung eines Orts- und | Polizeid'enervereins und einheitliches Vorgehen. Abgeordnete Leun stimmte dem Vorredner zu, empfahl aber, alsbald eine Eingabe an die Regierung zu machen und einen Staats­zuschuß für die Polizeidiener zu fordern. Da in den Städten mit militärisch organisierter Schutzmannschaft der Staat 10 Prozent der Poliznkosten trägt, so sollten diese 10 Prozent auch für die übrigen Gemeinden gefordert werden und den Polizeidienern direkt zukommen für diejenigen Arbeiten, welche sie für den Staat leisten, ohne bis jetzt auch mir das Ge­ringste dafür zu beziehen. Abg. Leun glaubt, daß diese Förderung, die für das ganze Land etwa 50 000 Mk. be­trage, genehmigt werde bis das Gemeindebeamtengesetz zu Stande gekommen sein wird. Auch empfahl Abg. Leun den Orts- uitb Polizeidienern, dafür Sorge zu tragen, daß sie in der höchsten Klasse der Jnvalidenkasse Aufnahme finden und daß auch ihre Familienangehörigen sich versichern. Er verweist sie insbesondere auf die zulässige Selbstversicherung. Sodann wurde ein Vereinsstatut kurz beraten und einstimmig angenommen, in dem zur Deckung der Kosten 50 Pfennig jährlicher Beitrag festgesetzt wurde. Alle anwesenden Orts­und Polizeidiener traten alsbald dem Verein bei. Wir wünschen dem Verein guten Erfolg, da die Forderungen der Orts- und Polizeidiener mir zu berechtigt sind. Die Gehälter dieser Leute sind so gering, daß sie sämtlich auf einen an­deren Erwerb angewiesen sind und der Polizeidienst mir als Nebenerwerb zu betrachten ist. Für die öffentliche Sicherheit in den Landorten dürste schon etwas geschehen.

bekannte Göttinger Staatsrechtslehrer Proseffor von Var hieraus folgende Antwort:

AengAiche Gtanütrr werben geneigt sein, die Frage zu be­jahen. Aber- absolutes Zurrlähalten der freie? Memungsaußer- una üfar 7<rtcit imt> Pcrhältmsic, ine unser- >>ntcrcss^

nicht berührcn ist keineswegs allgemein empsebbmswert. An v m "bildet sich die öffentliche Moral, und ohne freie Meinungsäußerung muß sie notwendigerweise verkümmere Man soll über alles und ie^des aburtellen: aber es gibt Dinge, über die man sich eine Meinung bilden kann und soll, undüber hie man sich unter Umständen auch xu. äußerrI hat. w^nn nmn den Anspruch erbeben will, nicht em.absoluter Egoist

vielmehr- an d-er Kultur der Memcbhert nut zuarbeit em Die Grenze frier zu ziehen, ist Sack^ des Taktes, defien Hand- babuna dem einzelnen überladen bleiben mutz.

Sv sind also Kundgebungen über Verhalt Nisse

Auslandes keineswegs allgemein zu ve r da m- L.V und sie sind cs umso-weniger, als rufrttgcrtocifc von Sn Regierungen das Prinzip der Mchtinterventron in innere Angelegenheiten eines anderen Staats, lelbft m der Form eines sreunds^stlichen Rates, in unserer Zeit fast ausnalstnslos befolgt wird. Zollte man jene Kundgebungen, die gewiß nicht allzu Mufia ^folgen da man gewöhnlich im eigenen Lande genug zu beachten und zu erwägen hat -.völlig ausschlleßen, so wurden Sanierungen und Völker unpartemche Urteile über ihr Verhalten Regierungen und Völlker unparteiische Urteile über tfrr Verhalten nicht erfahren zu ihrem eigenen Nachteil.

Eine Vermehrung der Einnahmen des Reiches aus der Tab.iksteuer

ist in der von Herrn von Stengel für den Herbst cmge- kündigtengroßen" Reichsfinanzreformvorlage nicht in Aussicht genommen. So wird übereinstimmend in offiziösen Blättern versichert. Dagegen soll nach der Münchener All- gem. Ztg. ein neues Biersteuergesetz für das ganze Reich geplant fein. Auch dieser Behauptung steht entgegen eine Erklärung, die ein deutscher Unterhändler bei den Handelsvertragsverhandlungen gemacht hat und die nach einer der Deutschen Tabakzeitung von parlamentarischer Seite zugegangenen Information folgenden Wortlaut gehabt haben soll:

Wir denken heute weder an eine neue Belastung des Tabaks noch aii eine B r a u st e u e r n o v e l l e, wir haben, wie die Oesterreicher einen ^lrtikel 14, im Notfälle, wenn alle Stricke reißen Matrikularumlagen".

Was ist also Wahrheit?

Lehrverträge in der Zigarrenindustne.

Ende vorigen Jahres hat die Badische Fabrikinspektion eine Bekanntmachung erlaffen des Inhalts, daß die in vielen Zigarrenfabriken üblichen Lehrverträge den Bestimmungen der Gewerbeordnung nicht entsprächen und insoweit rechtsiingültig seien, daß aber, abgesehen hiervon, auch in dem Wesen der Zigarrenindustrie eine Grundlage für den Abschluß von Lehr­verträgen überhaupt nicht dagegen sei. Die Handelskammer zu Heidelberg nahm Veranlassung, sich ein Rechtsgut- achten über den Sachverhalt einzuholen und sich demnächst mit der Fabrikinspektion in Verbindung zu setzen. Das Er­gebnis war eine von der Handelskammer einberufene Ver­sammlung, an der die Vertreter der Zigarrenindustrie und eine größere Anzahl von Zigarrenarbeitern sowie der Vor­stand der Fabrikinspektion teilnahmen. Die Fabrikanten akzeptierten den von den Arbeitervertretern gemachten Vor­schlag, wonach mit Wickelmachern ein Arbeitsvertrag von längerer Tauer überhaupt nicht, mit Sortierern ein solcher von zwei Jahren abzuschließen sei. Hinsichtlich der Arbeits­verträge mit jungen Zigarrenmachern (Rollern), entspann sich eine längere Debatte. Der Vorschlag der Handelskammer ging dahin, mit diesen einen Arbeitsvertrag von zweijähriger Dauer abzuschließen und während der Vertragsdauer eine gegenseitige zwölfwöchige Kündigung vorzubehalten. Der Vorschlag der Arbeiter ging auf einen Arbeitsvertrag von halbjähriger Tauer. Durch Entgegenkommen von beiden Seiten wurde die Dauer des Arbeitsvertrages für Roller aus ein Jahr festgesetzt.

deutsches Reich.

Berlin, 5. März. T-er Kaiser begab, sich gestern nach Potsdam, .um dort ben Offiziersreitb^sich'tignngen der Ka­vallerieregimenter beizuwvfrnen. _

Ter deutsche Reichskommissar für die Weltausitellung in St. Louis Tr. Lewald hatte dem deutsch-amerikanischen Pvlititer Edward L. Preetorius, Herausgeber derWest­lich e n P o st" in St. Louis mitgeteilt, daß ihm der Kaper den Roten Adlerorden verliehen habe. Preetorius hat den Orden mit der Erklärung abgelehnt, daß er zwar die Ehre zu schätzen wisse, aber als grundsatztreuer Republikaner fernen Orden annehmen könne. . . . ,

Der Entwurf eine-: Novelle zum R e i chs vieh- s euch e n g e s e tz ist, wie die Regierungen in der Petitionskom­mission des Reichstages erklären ließen, fertig ausgearbeitet, lieber seinen Inhalt besteht unter den zunächst beteiligten Stetten bis auf einige wenige Punkte, über die noch Verhandlungen schweben, Uebereinstimmung. Ter Entwurf wird demnächst dem Bundesrat und dem Reichstage vorgeleat werden. Ties dürste sof^n nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten spätestens bei Beginn der nächstjährigen Tagung geschehen. ~ Tie Bekämpf­ung der Maul- und Klauenseuche findet im Entwun sorgsamste Beachtung. Infolge dieser Auskunft ging die Kommffsion über die auf Abänderung des Viehseuchengefetzes von 18801884 gerichteten Petitionen zur Tagesordnung über.

Ein jüdischerFrauenbund soll demnächst ins Leben treten. Er bezweckt den Zusammenschluß aller jüdischen Frauen­vereine und der die Interessen von Frauen und Kindern ver­tretenden Organisationen zu gemeinsamer sozialer Hilfstätigkeit.

Köln, 4. März. Zwischen dem Arbeitgeberschutz­verband der Tischlermeister und Holzindustriellen und dem Arbeitgeberbund des Baugewerbes ist eine Ver­einigung geschlossen worden, um bei Aus ständen einheit- l i ch vorzugehen und sich gegenseitig zu unterstützen. Man will weiter erstreben, daß sich die versckfiedenen anderen Gewerbe gleich­falls anschtteßen und alsdann einen Vorstand erwählen, der sich aus den verschiedenen Handwerksgruppen zusammensetzt. Ter Zu- sammenschlns'. ist hauptsächlich bedingt durch die auf Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit hinauslaufenden Forderungen der versch'et>'n^''n Kölns.

* Befitzwechsel.-v Der Inhaber des Wiener Cafe Skalitzky hat fein Unternehmen aus Gesundheitsrücksichten ~ ' des Hippodroms in Frankfurt,

einer hiesigen Firma beim Anhalten in der Neustadt die Zug­kette des einen Pferdes aushängen wollte, schlug das Tier aus und traf den Knecht so unglücklich an den Kopf, daß