Ausgabe 
6.3.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 55

Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Montag 8. März 11)05

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Amts- und Anzeigeblütt für den Kreis Gietzen

monatlich 75 Pt, viertel- jährlich Mk. 2.20; durch i

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger "

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Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gietzener Familien« -lütter vrermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der B r ü h l'schen Untvers-Buch-u. Stein- btudctet 9L Lange. Redaktion, Ervedtttoa und Druckerei:

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Zc 'envreis: .ok-'uZZP^ autzwärtS *0 Ä'I.

Verantwortlich den poltt. und tajeid, Seil; P. Wtttko: für Stadt und Land" und Gerichtssaal"'. August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.'

Die Seutige Kummer umfaßt 1V Seiten.

Die Schlacht bei Mukden.

Petersburg, 5. März. 4:iePetersb. Tebegr.-Ag." veröffentlicht nachfolgende Depesche aus Mukden vom 4. März, 6 Uhr morgens: Gestern setzten die Japaner den Sturm auf unsere Stellungen westlich von Mulden fori. Im Zentrum fand bis zum Abend nur ein Artilleriegefecht statt. Dann stürmten die Japaner Sachepu, gelangten! bis zu den Drahthindernissen, wurden aber zurück ge­schlagen. Unfern linken Flügel bei Kandalifan stürmte Sie japanische Garde. Heute früh um 4 Uhr wurde ihr zehnter Sturm abgeschlagen. Die Japaner er­litten ü b er allj sta rte V erlu ste. Heute tobt ein Ar­tilleriegefecht auf dem rechten Flügel.

Petersburg, 5. März. DiePetersb. Telegr.-Ag." meldet weiter; Um 7 Uhr morgens begann der Kampf von neuem auf den Stellungen bet Mukden gegen bie Division des Generals Nvgii. Unsere Artilleriesalven waren weit stärker als gestern. Auf unseren Stellungen am Schahv ist keine Veränderung eingetreten. Auf der linken Flanke rmternahmen die Japaner bei Tage keinen Angriff. 'Der letzte Angriffs der dreizehnte am Kutulin- paß, wurde mm 8 Uhr morgens zürückgeschlagen. Der Putilowhügel wurde den ganzen Tag von Be­lagerungsgeschützen beschossen. Rechts von der Eisenbahn griffen die Japaner Liantschaupu an, das unsere Vor­posten nach hartnäckigem Kampfe verließen.

Petersburg, 5. März. DiePetersb. Telegr.-Ag." meldet aus Mukden unterm 5. März: Seit dem frühen Morgen dauert der Mtilleriekampf westlich vonj Mtukoen an. Die Linie der japanischen Vorposten dehnt sich bis 9 Kilometer von' Mukden parallel zur Eisenbahn aus. Die japanischen Geschjosse explodieren etwa 4 Kilometer von den Kaisergräbern entfernt. Vorzugsweise werden die ausge­dehnten chinesischen Dörfer beschossen, welche fast den ein­zigen Stützpunkt in dieser ungedeckten Ebene bilden. Den ganzen Tag wetteifern unsere Feldbatterien energijA mit den japanischen' und überschütten einander mit Schrapnells. Zeitweise ist der ganze Horizont infolge der explodierten Schrapnells von Rauchwolken bedeckt. 'Das Wetter ist klar.

Petersburg, 6. März. Generaladjutant Kur o - Palkin telegraphiert am 4. März: An der Front west­lich von Mukden ist die Nacht ruhig verlaufen. Gestern begegnete eine russische Abteilung auf der Straße von Muk­den nach IHsinmintun, 5 Werft nordwestlich von Taschi- tschao, einer von Westen anmarschierenden feindlichen Ab­teilung; unsere Abteilung ließ sich auf ein Gefecht mit dem Gegner ein. Von der rechten Flanke unserer Armeen sind keine Berichte eingegangen. Seit heute früh ist Geschütz- feuer aus der Richtung von Suchudsiapu vernehmbar. Vor unserer mittleren Stellung ist es ruhig. Nur gegen die bei Sachepu stehende Abteilung führten die Japaner abends, einen Aügriff aus, wobei sie bis an die Draht­hindernisse unserer Befestigungen herankrochen und Hand­granaten warfen. Sie wurde:: bald durch unser Geschütz- feuer zurückgeschlagen, ohne daß es ihnen gelungen war, die Drahtzäune zu beschädigen. Auf unserer rechten Flanke hat die japanische Garde gestern abend und nachts die heftigen Angriffe gegen unsere Stellung bei Kando- lissan fortgesetzt; oer letzte Angriff, der zehnte, wurde um 4 Uhr früh zurückig es ch lag en. In unseren Schan­zen sind Leichen von Japanern aufgehäuft. Die Angriffe gegen den Kutulin-Paß stellte der Gegner gestern nachmittag ein; jedoch wurden für den Abend erneute An­griffe erwartet. Bei den Detachements auf der linken Flanke der russischen Armee hörte gestern abend das Ge­fecht auf, wobei gegenüber den Stellungen von Kudiapu ein Rückzug der japanischen Truppen bemerkt wurde. Unter den gestern Verwundeten befanden sich Generalmajor Schatiloff und Oberstleutnant Gur ko. Hcjute wurde die Vorhut des unsere rechte Flanke umgehenden Gegners zwischen der Hsinrnintun§traße und, dem Hunho, etwa 8 Werst von der Station Mukden, be­merkt. Bei Tagesanbruch des 4. März nahmen die Japaner Suchudsziapu ein, rückten aber nickt weiter vor. Nach, einem hestrgen Kampfe nahmen die Japaner Lan- schanpu. Ihr Anrücken gegen unsere Stellung bei Sa­chepu, das morgens um 5 Uhr begann, wurde aufgehalten. Der Gegner tmrrde durch die Salven der Vorhut zurück- geworfen. Den Putilowhügel griffen die Japaner gestern abend um 11 und nachts um 1 Uhr an: sie wurden aber jedesmal zurückgeschlagen. Gegen unsere Stellungen im Kandolisanbezirk wiederholte der Gegner die Anariffe bis gegen den Morgen. Um 8 Uhr morgens wurde der Feind mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Der letzte Angriff war der dreizehnte. Tagsüber wurden die Angriffe "ein­gestellt. Gegen den Kutulinpaß unternähmen gestern um 2 Uhr nachts die Gegner zwei Angriffe, die beide zurück- geschlagen wurden. Auf unserer äußersten linken Flanke vergingen die Nacht und die folgenden Tage verhältnis­mäßig ruhig. Der bei Kudiadzu befindliche Truppenteil führte in der Nacht einen partiellen Vormarsch aus.

Eine Privatmeldung, die mit Vorsicht aufzu- aehmen ist, lautet:

Petersburg, 4. März. Gestern war ein historisch denk­würdiger, aber auch surchtbarerTag für Rußland. 11ml 7 Uhr abends traf eine chiffrierte Depesche Kuropatkins ein, daß 260 000 Japaner den russischen Flügel durch­brochen und von der übrigen Armee ab schnitt en. Um 10 Uhr abends kam eine -weite Depesche Kuropatkins, welch" lautet: Tie Japaner in ar schier en auf Mukden. Meine Lage ist ä u ß e r st g e f ä h t (i ch". Im Laufe der Nacht trafen weitere Nachrichten ein, deren Inhalt noch unbekannt ist. Heute wird M Regierungskveistn angenommen, daß Kurovatkin Völlig

geschlagen, seine Armee zersprengt sei, ja daß event die Bahn nördlich von Mukden abgeschnitten ist.

Petersburg, 5. März. Eine vom Stadthaupt, geführte Mordnung des Stadtrats überreichte General Stössel eine Adresse.

Irkutsk, 5. März. In den Tungusentundren hinter Turn- chansk ist unter den Renntieren eine Seuche ausgebrochen, welcher 20000 Tiere zum Opfer fielen. Mehrere Tungu-sen, die das Fleisch der erkranktm Renntiere genossen, starben.

Friede in Sicht?

Hamburg, 4. März. Die Rückgängigmachung desVerkaufsderDampferderHamburg-Ami- rika-Linie an Rußland hängt anscheinend mit Frie- densverhandlungen zusammen, die im Gange sein sollen. Es ist offenbar, daß die Hamburg-Amerika-Linie bei dieser Wendung der Transaktion ihren Vorteil davon trägt. 'Die schon angemusterten Mannschaften erkalten Ab­stoppgelder. Gerüchtweise verlautet freilich, daß oie Schiffe vorläufig noch Mr Verfügung der russischen Regierung bleiben. Auch auf derPhoenicia", die in ein Werkstatt­schiff tmmgebaut werden sollte, wurde diese Arbeit eilt» gestellt.

Außwrrd in Sturm und Drang.

Da? letzte kaiserliche Manifest an den Minister des Innern, in dem diesem die Bildung einer Konferenz zur Einberufung einer Volksvertretung über­tragen wird, wird auf sehr ungünstige Nachrichten aus der Mandschurei zurückgesührt. Jndeß kürzeren auch andere Deutungen, von denen m unserer heutigen ,Polit. Wochenschau^ die Rede ist.

Die Lage m Polen

lieber Unruhen in der Fabrik Posnansky in Lodz werden unterm 4. ds. Mts. folgende Einzelheiten gemeldet: Arbeiter, welche vor den Kosaken flohen, sielen in einen Teich, wobei 24 Frauen ertranken. Vier Arbeiter wurden getötet. Heute mittag kollidierte in dem bei dem Fabrikkomptoir gelegenen Bierausschank eine Dynamit- bombe. Der Besitzer wurde getötet und die Schank- wirtschasi zerstört. Drei Det'ektivs wurden ermordet. Die Polizei fand in der Portierloge der Fabrik Posnansky noch zwei Sprengbomben, Revolver und viele kompromittirende Briefe. Man vermutet, daß der Portier selbst es war, der die Explosion verursachte.

Die Anarchie im KMkasus.

Ein Kaufmann in Bau, der die Schreckensszenen der vergangenen Woche alle miterlebt hat, schreibt der ^Neuen Fr. Pr.^, es seien die Greuel von Kischinew weit übertroffen, es sei so schrecklich, so haarsträubend grausam, daß es jeder Beschreibung spotte. Mehr als 1000 Mensch en sind hingemetzelt worden: erschossen, erstochen, lebendi'g verbrannt, auf die grausamste Weise verstümmelt, die Augen ausgestochen darunter Greisen, Frauen und Kindern! Ganze Familien sind im Feuer umgekommen, so im Hause des Balerbek Lajajeff mehr als 40. Die, welche sich herausretten wollten, stürzten in die Mesier und Dolche der Belagerer, und alles geschah unter den Augen des Gou­verneurs Fürsten Nakaschidso, der Polizei, mehrerer tausend Kosaken und des Saljanschen-Regiments. Die Tartaren, die alle gut bewaffnet waren, griffen in allen Teilen der Stadt dte Armenier an. Die Kosaken mischten sich nur dann in den Streit, wenn die Armenier die Oberhand bekamen, und nur um Geld retteten die Soldaten einzelnereiche Armenier. Mancher omie Armenier lief den Soldaten in die Hände, um den Tataren zu entkommen, und wurde so miß­handelt, daß er aus Verzweiflung zu den Tataren zurücklief und hin und her flog wie ein Spielball, bis ihn Bewußt­losigkeit und Tod erlösten.

In Eriwan fanden am 5. ds. Mts. Zusammenstößen zwischen Muhamedanern und Armeniern statt, wobei einige Personen getötet wurden.

Are feierlich Kinfükrunff des Mräsidenten Woosevelt

in die zweite Amtsperiode wurde am 4. d. M. zu Washing­ton mit dem üblichen Zeremoniell begangen. Nachdem' Failbanks in sein Amt als Vizepräsident des Senates eingesiihrt war, begab sick die ganze Versammlung auf die große Rampe vor dem Kapiwl, wo dem Präsidenten in Gegenwart einer großen M-enschenmenge der Eid abgenommen wurde.

Roosevelt verlas sodann eine an das gesamte amerikanische Volk gerichtete Adresse, in welcher er ausführte, kein Volk der Erde hätte mehr Grund zur Dankbarkeit gegen Gott, als das amerikanische, da es vor allen in die Lage versetzt war, seiner Wohlfahrt und seinem Glücke leben zu können. Amerika habe es nickt nötig gehabt, für seine Existenz gegen eine fremde Rasse zu kämpfen, aber dock habe das Leben Kraft und Anstrengungen, ohire die die Mannestugenden dahinsckwinden, h-'rausgefordert. D-er Erfolg, den das amerikanisch^ Volk in der Vergangenheit hatte und voraussichtlich auch in Zuftmst haben werde, 'sollte kein Gefühl eitlen Ruhmes erwecken, sondern das der Verantwortlichkeit und der Entschlossenheit, zu zeigen, daß unter einer freien Regierung ein mächtiges Volk am besten gedeihen kann. In der Botschaft heißt es dann weiter: ,

Wir sind eine große Natron geworden und muffen uns be­nehmen, wie es einem Volke mit so großen Verpftichttmgen geziemt. Gegen alle anderen Natiionen, große wie kleine, muß unsere Haltung die einer herzlichen und aufrichtigen Freundschaft sein. Während wir stets darauf bedacht sind, an derer: fein' Unrecht zuzufügen, müssen wir nicht weniger darauf bestehen, daß uns selbst kein llnrocht geschieht. Wir nrünfck>en der: Frieden der Gerechtigkeit und wir wünschen ihn, weil wir es für richtig halten. Keme schwache Nation, die mann­

haft und gerecht handelt, würde jemals' Gruckd haben, uns zu fürchten. Keine starke Mackt würde jemals fähige sein, uns sich auszusuchen als Gegenstand eines siechen Angriffes. Wichtiger! noch als unsere Beziehungen zu den übrigen Mächten sind unsere! Beziehungen unter uns selbst. T-ie Bedingungen, die zu unserer wunderbaren materiellen Wohlfahrt beigetragew haben, haben aber auch die Sorge mit sich gebracht, die int* trennbar ist von der Anhäufung großer Reichtümer in J»-i dustriezentren. Wir haben daher eine große VerantwvrMchLeiL! uns selbst, der heutigen Welt inrd den kommenden Geschlechterw. gegenüber. Wir brauchen die Zukunft nicht zu fürchtens dürfen uns aber den Ernst der unserer harrenden Probleme; nickt verhehlen. Dazu müfsen wir die Eigenschaften v r a k t i s ch e r: Klugheit, des Mutes, der Kühnheit und der Ans-i dauer zeigen und vor allem Ergebenheit für die erhabenem Ideale, die die Gründer mrd Erhalter unserer Republik groß' machten.

Leider ging dieser mnerikanifche Feiertag nicht ohne einen, schweren Unglücksfall vorüber. In Clifton bei TittsbuiF stießen zwei Son erzügde derPittsburg and Fortwayne» Bahn", welche vierhundert Passagiere zur Jnaugurationsseier nach Washington bringen sollten, aufeinander. Vierzehn Schlaf» tragen wurden zertrümmert und fingen Feuer. Viele Men-i schen tvurden nnter den Trümmern bei lebendigem Leib« vor den Augen der Zuschauer geröstet, welche trotz fast über-, menfchlicker Anstrengungen die schweren Trümmerstücke von den' Verunglückten nickt entfernen konnten. Die Totenzahl beträgt zwischen zwölf und dreißig. Zwanzig Personen sind schwer verletzt.. Tie Ursache des Unglücks ist die Fahrsäffigkeit des Personals des? ersten Zuaes, welches die Anbringung der Gefahrsigna'te versäumte,, als der Zug wegen eines heißgewordenen Achsenlagers ftillstehw mußte.

In Washington waren mehrere hunderttausend Besucher tut* getroffen. Tie Hotelbesitzer nahmen Niesenpreise. Tie GouldZ, Vanderbilts und sonstige Millionärs-Familien zahlten 1500 Dolll oder mehr für ihre drei oder vier Hotelzimmer. Bei der auguration wurde das größte militärische Geprängej entfaltet, welches jemals in der Birndesbauvtstadt zu sehen war^

UaMische Tagesschau.

Die Hochzeit dis Kronprinzen, deren Termin nach den letzten Dispositionen für Mitte Mar, festgesetzt war, wird nnnmehr erst im ersten Drittel des I u wr stattfinden.

Nachträglich wird bekannt, daß in der amerikanischen Preffe Gerüchte verbreitet worden sind, die von einem Zer­würfnisse erzählten, das in Florenz zwischen dem Kron* orinzen und seiner Braut stattgefunden habe und so ernster Natur gewesen fei, baß dieGefahr einer Aufhebung der Verlobung" bestände. Der Berliner Vertreter der Affoz. Preffe" hat über den Ursprung dieses Geredes folgen­den Bericht an die anglo-amerikanische Presse auf Grund des angeblichen Berichtes eines Vertrauten des Kronprinzen! Wilhelm gesandt: Als der Kronprinz zuerst den Wunsch, der Herzogin Ceeilie irgendwo im Süden einen Besuch zu machen,, äußerte, stellte Kaiser Wilhelm die Bedingung, daß die^ Herzogin sich in der Begleitung ihrer Mlltter befinden müßte. Die Großherzogin-Mutter Anastasia war ungehalten, weil der Kaiser nicht gestattete, daß die Zusammenkunft in Cannes stattsinden sollte, sich aber schließlich mit Florenz einverstanden erklärt hatte. Als nun der Tag der Abreise kam, verschab sie diese und ließ die Herzogin Ceeilie allein abreffen, mit dem Versprechen, daß sie selbst in einigen Tagen folgen würde. Angesichts der unangenehmen Situation, die daS Fernbleiben der Mutter seiner Braut und die Verzögerung ihrer Ankunft herbeiführen mußten, ersuchte der Kronprinz den Kaiser um Rat. Der Kaiser depeschierte: ^Schicke Ceeilie ihrer Mutter, Du kommst sofort zurück". Obwohl der Zwischenfall selbstverständlich zwischen den beiden Familien eine gewisse Spannung hervorgerufen hat, erhält der Korrespondent derAffoz. Presse" von der höchsten Autorität die Versicherung, daß die Verlobung nicht aufgehoben sei. Die Herrscherfamilie von Mecklenburg-Schwerin befinde sich offenbar in hochgradiger Erregung über die Angelegenheit. Die Herzogin Alexandrine (ältere und mit dem Prinzen Christian von Dänemark verrnählte Schwester! der Herzogin Ceeilie) sei am 18. Februar plötzlich in Berlin eingetroffen und habe beim Kaffer eine Privatemdienz von einer Stunde Dauer gehabt, worauf sie wieder die Heimreff^ antrat.

Nach derPreuß. Korr." hat anch dieeinzig ständige Stelle" in Potsdam die Meldung der arnerikanffchen Presse fürErfindung" undmüßiges Geschwätz" erklärt und zum Beweis des Gegenteils u. a. angeführt, daß der Kaiser die Plätte zur Ausschmückung Potsdams anläßlich des Einzuges der Neuvermählten genehmigt hätte, ferner, daß alle Vorbereitungen zur Hochzeit ihren ununterbrochenen Fort­gang nehmen. *

Die akademische Freiheit.

Ein Argument, auf das die preuß. Regierung bei ihrem Vorgehen gegen die Studentenschaft sich stützen konnte, war der Hinweis auf die bedenklichen Konsequenzen, die Ein­mischungen in die Verhältnisse anderer Staaten hervorzurufen geeignet sind, noch dazti, wenn sie nicht als Kundgebungen vereinzelter Personen, sondern, wie es geplant war, als. Demonstration der gesamten detlffchen Studentenschaft in drei Erseheimmg treten sollten. Es ist nicht zu verkennen, daßj sehr wohl prinzipiell die Frage aufgeworfen werden kam::. Soll mein derartige Kundgebungen deshalb, weil sie np vielen Fällen verkehrt oder tmangemeffen sein können, vom Standpunkte der politischen Moral oder Klugheit allgemein verwerfen? In der neuesten Nlmnner der Nation gibt bei