Ausgabe 
7.6.1905 Zweites Blatt
 
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Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Jnf.-Leib-RgtS. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 der Abschied be­willigt.

Auf dem Bräunsteinbergwerk Fernie fand gestern die landespolizeiliche Abnahme der elektrischen Bahn statt, die zur Beförderung des Manganerzes nach der Bahn­strecke Gießen-Gelnhausen erbaut worden ist. Der Abnahme wohnten die Regierungsvertretung und die Bergwerksverwal­tung bei. Die elektrische Bahn hat eine Länge von etwa einem Kilometer und führt 600 m durch einen Tunnel. An der Ausladestelle an der Strecke Gießen-Gelnhausen wird noch eine große Erz-Trockenanlage errichtet. Die Bctriebs- eröffnung der elektrischen Bahn soll am 1. Juli erfolgen, gleichzeitig wird die seit 30 Jahren bestehende Drahtseilbahn, die nach der Main-Weserbahn führt, ihren Betrieb einstellen und später abgebrochen.

** Besitzwechsel. Das Anwesen der verw. Frau Dkichert, Goethestraße 31, ging für 34 500 Mk. in den Besitz des Metzgermeisters Jakob Braun über.

** Brieftaubenklub Gießen. Ain vergangenen Sonn­tag hielt der hiesige Briestaubenklub ein Preisfttcgen von Wittenberg ab. (60 Kilometer Luftlinie.) Die Tauben wurden Samstag früh dorthin gesandt und am Sonntag morgen 9.30 Uhr vormittags in Freiheit gesem. Die ersten Tauben trafen gegen 3 Uhr nachm. in ibrcn Schlägen ein. Folgende Preise wurden vergeben: 1. Preis, Rosenbaum. 2., 4. und 9. Preis Renting. 3. 6. und 10. Preis Schlitt. 5. Preis Henkel, 7. und 8. Preis Hecker. Die Leistungen der Tauben war gut, da did Tierchen mit Gewittercrscheinungen sehr -u kämpfen hatten. Am Montag früh waren fast alle Tauben zurück.

"Oesfentliche Arbeitsvermittlung der Nhein- und Maingegend. Das Protokoll über die 6. Verbands­versammlung der öffentlichen Arbeitsvermittlungsstellen der Rhein- und Maingegend liegt nun gedruckt vor. Die Ver­handlungen fanden bekanntlich am 22. Oktober 1904 in Gießen statt, und wir haben eingehend darüber berichtet.

"Allgemeiner Staatseisenbahnverein. Am 1. und 4. Juni ds. Js. veranstaltete der Verein, wie mein uns schreibt, seinen diesjährigen Sommerausflug, dessen Ziel Marburg war. Ebenso wie in früheren Jahren hatte die königl. Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M. an jedem der beiden Tage zwei Sonderzüge unentgeltlich zur Verfügung gestellt, welche zwischen 12 und 1 Uhr nachmittags die Vereinsmitglieder nebst Familienangehörigen unserer Nachbar­stadt zuführten. Im ganzen beteiligten sich über 4000 Per­sonen an der Fahrt. In Marburg versammelten sich die Festteilnehmer in den Räumen des Museumsgartcns und verbrachten dort den Nachmittag in gemütlichem Zusammen­sein bei Konzert und Tanz. Unter Vorantritt der Musik wurde kurz nach 7 Uhr abends wieder nach dem Bahnhof marschiert und die Rückreise angetreten. Die Ankunft in Gießen sand kurz vor 9 Uhr statt. Einstinunig gaben die Festteilnehmer dem Gefühl der Befriedigung über den so schön verlaufenen Tag Ausdruck.

Das Personalverzeichnis der Großher­zog l. Techn. Hochschule zu Darmstadt für das Sommersemester 1905 ist uns heute zugegangen. Es ist bei H. Meuzlaw im Druck erschienen und für 20 Psg. zu beziehen.

** Die hessische Handwerkerkammer in Darm­stadt hielt dort am 5. d. M. ihre 9. Sitzung. Den ein­gehenden Bericht über die sehr umfangreiche und vielseitige Tätigkeit des Vorstandes gab Syndikus Engelbach. Die Regelung des Lehrlingswesens verursachte wohl die meiste Arbeit. Gesellenprüfungen haben im Jahre 1904 insgesamt 1547 stattgefunden, in den Meisterprüfungen haben 135 Prüflinge bestanden. Besondere Verhandlungen, so erwähnte u. a. der Bericht, wurden wegen der Konkurenz der Kons um vereine eingeleitet. Als Ergebnis wurde das Vorhandensein einer fühlbaren Konkurenz für die Gewerbe­treibenden der Lebensmittel sowie der Bekleidungsbranche fest­gestellt, dagegen lasse sich kaum schließen, daß eine Konkurenz für das selbständige Handwerk besteht. Eine ständige wieder­kehrende Erscheinung aus den verschiedensten Bezirken sind die Klagen über Arbeitsvergebungen an General­unternehmer. Hierbei sind die genauesten Angaben über das Material nötig. Eingaben gingen hierüber u. a. ein vom Bezirksverband Gießen wegen der Arbeiten von Doppelwohnhäusern auf dem Bahnhof Gießen. Der Bczirks- verband Gießen hatte an die Kammer eine Eingabe ge­richtet, welche die Forderung enthält, daß durch die Großh. Hochbauämter vorzugsweise nur diejenigen Handwerker in die Listen der Unternehmer von Unterhaltungsarbeiten rn den Staatsgebäuden ausgenommen werden, welche berechtigt sind, den Meistertitel zu führen. Die Eingabe wurde befürwortend vorgelegt und hatte den Erfolg, daß bie oberste Baubehörde Veranlassung genommen hat, bei den Großh. Hochbauämtern festzustellen, ob eine Aenderung der lragl. Bestimmungen in vorstehendem Sinn anzustreben ist. Weitere Schritte geschahen u. a. wegen der Einführung einer neuen Bäckereiverordnung in den Städten Mainz, Gießen, Friedberg und Nauheim. Ueber die Jahresrechnung für 1904 '.rstattetPetri-Gießen Bericht. Die Gesamt-Einnahmen

betragen Mk. 45 025.30. Die Ausgaben Mk. 42 793.73,. sodaß ein Ueberschuß von Mk. 2 231.57 verbleibt. Die Rechnung wird gutgeheißen. Die Feststellung des HauShaltungs- plans für das Etatsjahr 1906 ergiebt in Einnahmen und Ausgaben 27 000 Mk. Nachdem inzwischen um 1 Uhr die 12 Vertreter der Gehilfen eingetreten sind, welche den gesetzl. Bestimmungen gemäß an dem nachfolgenden Punkt der Tagesordnung mitzuberaten berechtigt sind, wird in die Beratung neuer Vorschriften zuL Regelung deS Lehrlings­wesens eingetreten und beschlossen: 1. die Dauer der Lehr­zeit im Lithographengewerbe beträgt 4 Jahre (seither 3 I.). 2. Zu den bisherigen Vorschriften über die zulässige Zahl der Lehrlinge in Maurerbetrieben mit 02 Gesellen 2 Lehrlinge, 7 Gesellen 3 Lehrlinge rc. re., auf je weitere 10 Gesellen 1 Lehrling mehr, Höchstzahl 15 Lehrlinge. 3. Die Dauer der Lehrzeit bei Bildhauern, Graveuren, Steindruckern, Xylographen beträgt 4 Jahre. 4. In Druckereien ohne Ge­hilfen dürfen im Höchstfälle 1 Setzer- und 1 Druckerlehrling oder 2 Setzer oder 2 Druckerlehrlinge beschäftigt werden.

w. Bad-Nauheim, 7. Juni. Die Einweihung der neuerbauten katholischen Kirche findet Donnerstag, den 8. Juni d. Js. durch Bischof Kirstein Mainz statt. Der Bischof trifft schon heute nachmittag 5.52 Uhr von Gießen kommend hier ein. Nach der Begrüßung durch den Kirchcnvorstand begibt er sich nach der Reinhardskirche, wo er an die versammelten Andächtigen eine Ansprache halten wird. Am Donnerstag früh 1/2 7 Uhr werden vom Turm der Kirche Choräle geblasen. In der Rheinhardskirche ist kurz nach 7 Uhr bischöfliche Messe. Die Zeremonien der Einweihung beginnen pünktlich um 8 Uhr.

ke. Alsfeld, 5. Juni. Hier sind heute morgen sämt­liche Bauarbeiter in den Aus stand getreten.

fc. Höchst a. M., 8. Juni. Hier wurde heute morgen der unter dem Verdacht, den Raubmord bei Biebrich begangen zu haben, steckbrieflich verfolgte Fabrikarbeiter Eduard Hilarius Müller fest genommen.

(fc.) Wiesbaden, 5. Juni. Die Sektion der der Biebrich gefundenen Leiche hat ergeben, daß es sich zweifellos um einen Raubmord handelt. Als der Tat dringend verdächtig wird der um 19. Juni 1876 als Sohn eines Lehrers in Dittlofsroda, B.-A. Hammelburg (Unterstanstn) geborene Fabrikarbeiter Eduard Hilarius Müller steckbrieflich verfolgt. Er arbeitete bis -um 2. Juni,, also bis zum Tage der Auffindung der Aroatenlerche, in Biebrich und ist dann plötzlich.verschwunden. Die Staats- anwaltschast hat 500 Mark Belohnung auf die Ergreifung des Mörders ausgesetzt.

* K l e i n e T a g e s ch r o n i k. Durch den Sturm, der Natal Mittwoch Nacht heimsuchte, und durch den Einsturz des Wasserreservoirs in Pinetown sind 5 0 0I n d i a n er u n d 5 0 E u- ropäer um gekommen. In Wien bat der Goldarbeiter Karl Zoehrer seine in der Landesirrenanstalt befindliche, an Paralyse kranke Gattin Mathilde während eines Besuches im Einzelzimmer mit Blausäure vergiftet uub sich dann selbst in derselben Weise getötet. Zoehrer hatte sich die Trennung von seiner Gattin sehr zu Herzen genommen. Wie die B r a u n s ch w e i g e r N. N. melden, hat der Husar der 3. Schwadron des dortigen Regiments Schippe seine Braut in einer Spargelbude in dem benachbarten Torfe Lamme an einer Kette aufgeknüpft und sich dann mit einem Strick erhängt. Ferner meldet dasselbe Blatt aus Helm­stadt: Ter Lehrer an der landwirtschaftlichen Hochschule Dr. Barth experimentirte in seinem Laboratorium so unglücklich mit Chlor, daß er sich durch einaeatmete Dämpfe eine Vergiftung zuzog, der er erlegen ist. Auf einem Wegübergange der Sekundärvahn- strecke S a g a n - Fr e y st a d t wurde ein mit einem Fahrgaste, namens Rase aus Neusals besetzter Einspänner von einen: Per­sonenzuge überfahren. Rase wurde getötet, der Kutscher Göldner schwer veeletzt. Am 4. d. M. wurde in Waadtland (Schweiz) ein zehnjähriges Mädchen von einem A n t o m o b i l w a g e n getötet, der unsinnig daherraste. Vor zwei Tagen ist im Freiburgischen in gleicher Weise ein angesehener Mann überfahren und getötet worden. Diese Fälle rufen beträchtliche Erregung hervor. In Berlin bat sich eine Familientragödie im Hanse Koloniestr. 27 abgespielt. Dort versuchte die 35jährige Fr au El is e B ilke ihre drei Kinder zu vergiften und tötete sich dann selbst durch Gilt. Zwei der Kinder liegen schwerkrank danieder., Der Grund zur Tat dürfte in ehelichen Zerwürfnissen zu suchen sein.

Kande: und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 6. Juni 1905.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

Privat-Diskont 2/8 Prozent.

u.

Tendenz

in voller

Ge-

Oest. Kredit . Deutsche Ban? Darmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau

Anfangs- . 208.40 . 237.40 . 140.75 . 242.50 . 243.30 : Matt.

terei die sonst unerklärliche rühmlose Uebergabe der ganzen Flotte an die Japaner veranlaßt haben. Deshalb vertritt auch die Kriegsparter den Standpunkt, daß der Krieg auf jeden Fall fortgesetzt wird, selbst wenn gar keine Aussicht auf Erfolg vorhanden sein sollte. Die Soldaten sollen nicht mehr in ihre Dörfer zurückkehren, um die Landbevölkerung aufzu-

Schlußkurse.

208.00

236.87

140.75

242.00

213.10

Zur Börsenlage. Die Börse verharrt . ..

schäftslosigkeit, obwohl die Politik recht viel zu denken gibt, so ist eine bestimmte Richtung nach der einen oder anderen Seite nicht ins Geschäft zu bringen. Hauptsächlich wird die neuerdings wieder aufgetauchte Marokkofrage besprochen, dazu kommt die Ungewißheit über dre Lage in Rußland: diese erregt wahre Angstzustände, wurde doch wieder gemeldet, daß auf den Zaren ein Attentat ausg-eübt worden sei. Die Mannschaft des Nebvgatowschen Geschwaders soll wirllich durch Meu-

wiegeln. Man dürfe keine neuen Tvuppctt auf den RhctegS* schauplatz entsenden, müssen die dortigen aber beschäftigen. Wenn dies Programm das der Regierung ist, so kann sie bald darauf rechnen, daß sie von keiner Ban kiersgruppe Europas und Amerikas mehr einen Posten Geld erhält. Weiter ver­stimmte die Unklarheit der Marokko frage die Börse, die ebenfalls wieder mehr in den Vordergrund getreten ist. Man! kalkulierte: Der deutsche Reichskanzler wird Fürst, der französische Minister des Aeußern Delcasse sicht sich in die Notwendigkeit versetzt, sein Amt nieder zu legen. Dies alles sind Zeichen, btc der B-'ttse jedenfalls zu denken geben.

Eauitable. Ueber die Verhältnisse bet d-'r Eguitable tn Ncwvork liegt noch bie folgende Meldung vor: Hvde bleibt im Präsidium der Lebensversicherungsgesellschaft, Eguitablc, doch hat ibm die letzte Dircktionsst'hung vorgeschrieben, er müsse seine Eguitableaktien teilweise verkaufen, um nicht mehr den Besitz der größeren Hälfte die Kontrolle auszuübeu. Auch wurde Hvde nabegelegt, binnen einem Vierteljahr die Kontrolle über­haupt aufzugcbeu. Harrimann, Frick und Bliß sind vom Direk­torium zurückgetreten, weil der Untersuchungsbericht unterdrückt wurde. Der Schlußsatz k-muzcichuct die ganze Lage.

Märkte.

Der erste Gai sm ar kt zuLangsdorfamo. Juni, verbunden mit Ankörung für das Oberhessische Herdbuch durch den'Beauftragten der Tierzuchtinspektion für die Provinz Ober­hessen Kreisziegenzuchtvernns-Direktor Nöding von Gießen, nahm einen sehr günstigen und dre Erwartung übertreffenden Verlauf. Es waren ausgetrieben: ca. 80 Stück ältere Böcke, Gaisen und Lämmer. Bei den zahlreich erfolgten Kaufabschlüssen wurden Preise bis zu 70 Mark erzielt, vierteljährige Bocklämmer 25 bis 50 Mark, dreiwöchentliche Bocklämmer bis 18 Mark, frisch­melkende Ziegen 35 bis 50 Mark. An vierteljährigen Bock- lämmern war Ueberfluß da, während eine sehr lebhafte Nacht­frage nach frischmelkenden Gassen aus Mangel an Aufttieb und Sicherung in fester Hand nicht befriedigt werden konnte. Der Markt hat, wie man uns schreibt, gezeigt, daß bte Zucht der reinrassigen Saaner Ziegen tn der nördlichen Wetterau in einem lebhaften Aufschwung sick befindet. Zu bellagen ist nur, daß die Mehrzahl der vermögenden Bauern, unter gänzlich>er Ver­kennung ihrer eigenen Interessen, dieserKuh des armen Mannes", , die aber wohl befähigt wäre, zurKuh des reichen Mannes" sich auszuwachsen und ihm gar maneberlet Nutzen zu bringen, cs unter ihrer Würde erachten, die Zucht der rein­rassigen Saaner Ziegen in größerem Maßstabe zu betreiben. Aber man wird in Langsdorf nicht aufhören, durch allerhand Ver­anstaltungen, Festlichkeiten und Märkte die öffentliche Aufmerk­samkeit auf die dem Volkswohlstand so sehr förderliche Ziegen­zucht hinzulenken und wird dem Gaisfest vom .Jahre 1903, dem Gaismarkt vom Jahre 1905 . int Jahre 1906 in den T>gen des Juni oder Juli eine größere Veranstaltung folgen lassen, umfassend ein Gaisfest mit Festzng, Musik und Tanz, einen Gaismarkt mit Verlosung, Ankörung und Preisverteilung: wir machen jetzt schon daraut aufmerksam. Auch derSchwei­ne m a r k t, der mit dem Gaismarkt verbunden war, brachte ein schwunghaftes Geschäft Aufgetrieben waren 200 bis 300 Schweine, meist Ferkel. Es kosteten siebenwöchenlliche 55 bis 60 Mark, ältere bis 70 Mark Bevorzugt waren gegenüber den Händlerferkeln, die von den Bauern selbst gezogenen. Letztere wurden ohne Rest ausverkauft. Auch die Händler, die in sehr großer Anzahl angefahren waren, hatten vorzügliche Ware zum Markte gebracht. ,

99.

Tendenz: fest.

4% Oesterr. Goldrente . . 102.15 4*/g% Oesterr. Silberrente . 101.25

101.35

90.40

101.50

90.30

99.65

106.40

66.95

67.25

88.35

137.10

54.90

. 267.- . 242.25

. 213 40 . 100.50

<W/o 3"/y 8</,% 6% 872% 87,%

. 67.45 . 96.55 . 135.70 . 124.- . 208 66 . 187.70 . 140.80 . 154 80 . 168 75 . 142.90

. 18.77

3% Mexikaner , . 4</8% Chinesen . Electric. Sohuckort Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . .

Diskonto-Kommandil Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelspes Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . . Laurahütte . . Bochum . . . Harpener . . .

Staatschatzscheine .

Roichsanleihe do.

Konsole . do. . .

Hessen Oberhessen

4% Ungar. Goldrente . . 4° Italien. Rente , . . 4% Portugieser I . . < 3% Portugiesen. HI . . 1% Unif. Türken . . . Türkenlose......

4% Grleoh. Monopol.-Anl. 47a% äussere Argentiner

Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 5. Juni 1905.

Kursbericht.

Frankfurt a. M., 6. Juni. Offizielle Schlnsskurse.

Höchste Schlachtviehpreise in F r a n k f u r t a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 7173 Mk.

7, Kg. Schlachtgew. 8790 Pf.

7, 6970

7, Kg. 70-80 Pfg.

7, , 70-74 , 7» 66-76

Getreidepreise in Mannh eim

Brotpreise in Gießen

Weizen 100 Kg. 18,70 Mk.

Roggen 100 16,35-00.00 Mk.

Weißbrot 2 Kg. 52 Pfg.

Schwarzbrot 2 Kg. 48 Psg.

usverkauf!

Wegen Verlegung meines Geschäftes von Neustadt 19 nach Marktplatz 11 verkaufe ich sämtliche Waren bestehend in

Ohren-, Gold- und Silberwaren

zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 2963

1 Iwclier M Wmcher.

Eine Rettung in letzter Stunde. Wenn man, wie ich, leden Tag im publizistischen Dienst seinen Mann stehen muß, so ommt rnan in sehr ttwzer Zeit zur Erkenntnis, daß die Nerven bei dieser Arbeit die Hauptkosten des Verfahrens tragen, und damit rückt der Aimenblick in greifbare Nähe, wo der Hausarzt nach einem väterlichen Serrnon und unter Androhung ewiger Strafen zu dem Schlußsatz kornmt:Ja, mein Lieber, die Zigarre inüssen Sie nun lassen". Damit wäre dem liebsten Genüsse, dem selbst der ernsteste Geistesarbeiter mitten in seinem Schaffen fröhnen darf, dein gerade er so manche Anregung und Freude verdaiikt, das Todeslcrteil ge­sprochen, roeuu inan eben in Gehorsam den Geboteii Aeskulaps wirklich folgte. Aber wenn schon der tugeiidhafte Sokrates in Schulden bei Aeskulepios stand, so ist es uns Kleinen in der Tugend und Weisheit nicht zu verdenken, wenn auch wir unser Konto ilicht allznängstlich bei ihm begleichen: man sündigt weiter. Aber nicht mehr lange, ohne selbst Cave zu rufen. Mit jenem verdächtigen Zucken ui den Augenlidern und dem feinen Singen in den Ohren beginnt es, mit schlaflosen Nächten endigt es, und endlich kommt der Tag, da Man die Zigarre, deren das flammende Streichholz bereits harrt, wieder in die Krste legt mit tiefem Seufzer. Aber sie fehlt einem an allen Ecken und Enden. Ein passender Anfang zu einem politischen Leit­artikel, die Ueberschrift 31t einem Feuilleton sie wollen sich nicht finden; vergebens sinnt inan: es fehlt die blaue Wolke, die man vor dem großen Werke behaglich über den Schreibtisch wallen sah, in deren Duft gute und böse Gedanken herbeischwebten. Und man verwünscht den Augenblrck, da man in Tertia das süße Gift kennen

gelernt hat, um sich nun wieder mit blutendem Herzen seiner zu entwöhnen. Aber ein hülfreicher Kollege nahte mir in solcher Stunde: eineNikotinfreie" bot mir seine gefüllte Tasche.

Der Tabak ist sorgfältig ausgelaugt, ohne eine Spur von jenen fürchterlichen Giften, die sonst in den Blättern enthalten sind. Probiere'" Ich tat's mit dem Hunger eines Verschmachtenden aber ich legte sehr bald den glimmenden Stengel bei Seite. Das war abscheulich lieber tausend Giste einsaugen nach alter Weise, als diesen faden, erbärmlichen Geschmack ohne alle Würze, ohne Aroma. Ich vermute, daß der Ersinder dieser Ausgelaugten einen Gaumen von Sohlleder und einen ewigen Stockschnupfen gehabt hat. Durch die Strohqarbe, die ich auf den Rat meines Kollegen angebrannt, waren alle die lieben Erinnerungen an die edelsten Kubanerimwn, die Blüte Bahias und die aromatischen Jahrgänge Mexikos in stinkende Nebel getaucht, mein besserer Mensch beleidigt.

Ich hielt mir deshalb noch einmal vor, daß in jeder Zigarre, die mich in prangender Schöne locken könne, Vyridiilbascn, Schwefel­wasserstoff, Ammoniak, Blausäure und andere Greuel auf mich lauerten, um mir den Garaus zu tünchen, hob in Gedanken die Schwurhand und verschloß die Zigarrenkiste. Wenn aber an meinem Tische ein blaues Wölkchen aufging, so schloß ich die Augen in Jammer und Weh.

So kam ich vor Jahresfrist nach Bremen, saß mit ehrsamcrt Menschen im Ratskeller, trank von ihrenr Wein und lehnte alles gute Kraut, das man mir dazu bot, mit aller Festigkeit ab. Der Mensch muß nur fonfequent seinl Aber ein Vielersahrener langte eine Zigarre hervor, bot mir Feuer und verschwor sich hoch und

teuer, daß in diesem Kraut meine sichere Rettung vor grauer Melancholie enthalten sei: es war die Wendt'sche Patent-Zigarre. Mit sichtlichem Misittaneit nahm ich die neueNikotinfreie", auf eine zweite Enttäuschung gefaßt aber mein Antlitz hellte sich auf, die Zigarre schmeckte, sie hatte Aroma, ich rauchte an jenem Tage eilt halbes Dutzend und habe sehr gut im Schutze des Rolands geschlafen. , ,

Seither bin ich vor der trostlosen Abstinenz bewahrt, fröhlich zünde ich zum guten Werke meine Zigarre an und lasse des Tabaks Düfte wiederum fröhlich steigen wie einst.

Ich bin nicht Chemiker oder Mediziner, aber ich glaube eS darum doch dem Professor Dr. von Lagerheim und Sanitätsrat Dr. Fürst, daß die nach dem Professor Gerold'schen und Proseffor Thoms'schcn Verfahren von den Wendt'schen Zigarrenfabriken A.-G. in Bremen hergestellten Zigarren für die Gesundheit des Rauchers absolut unschädlich seien ich habe an mir die Probe gemacht, daß sie aber einen wirklichen Genuß und die guten Tabaksorten in vollkommener Fornt unb ohne Beeinträchtigung von Geschmack und Aroma bieten, dafür bin ich ein Zeuge, der in jahrelanger Hebung sich einige Kompetenz erworben hat. In bem Augenblicke, da ich diese Zeilen schreibe, greife ich zu einer frischen Wendt'schen Zigarre, und hoffe, daß gleich mir noch viele ^etwffen im Unglück an diesem hygienischen Genußmittel ihre Freude ynden, taten anscheinend schon die letzte Zigarre gewickelt war. hv /.

Grotz-Lichterfel-e. Dr. Alfred Funke.