WußLand in Sturm und Drang.
An der Berliner Börse war am Dienstag wieder da§ dumme Gerücht verbreitet, daß Zar Nikolaus in Zarskoje Selo ermordet worden sei. Auf eine Anfrage auS Berlin erklärt die Pctersb. Telegraphen-Agentur, daß diese Gerüchte völlig aus der Luft gegriffen sind.
Wie verlautet, ist die Trepow'sche Diktatur über ganz Rußland in der Weise ausgedehnt worden, daß überall Generalgouverneure eingesetzt werden, die Trepoiv unmittelbar unterstehen.
In Riga wurde am 6. d. M. ein B o in b e n - D e p o t mit 50 Stück Dynamitbomben entdeckt. Der Verfertiger der Bomben, der Arbeiter Lepin, wurde verhaftet. Gr ist Vorsitzender der Kampfesorganisation der revolutionären Partei in Riga. Außer Lepin wurden noch zahlreiche Anhänger der revolutionären Organisation verhaftet. Viele Arbeiter leisteten bei der Verhaftung bewaffneten Widerstand, wobei mehrere Schutzleute und Polizeileutnants erheblich verwundet wurden. Auch viele Revolver, Dolche und Gewehre wurden dort gefunden.
Von dem bekannten, auch bei uns in Gießen geschätzten Bühnenkünstler C. W. Büller wird geschrieben: Ich konnne soeben von einem längeren Gastspiele aus Riga zurück. Ich traf am 18. Mai in Riga ein. Die Bevölkerung war in großer Aufregung. Am Abend vorher war zwischen die Besucher des WÜrmannschen Parkes eine Bombe geworfen worden, wobei zahlreiche Menschen getötet und verwundet wurden. Einige Tage darauf wurden in der Fabrik Phönix 3 5 Bomben gesunden und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Trotz alledem war das Theater stets voll. Am 29. Mai liefen Gerüchte durch die Stadt, daß die russische Flotte geschlagen sei. Wie erstaunt war ich, als ich erfuhr, daß das Theater ausverkauft sei. Es wurde „Charleys Tante" gegeben und man hätte nach der Stinnnung im Publikum eher annehmen sollen, daß die Ruffen einen entscheidenden Sieg errungen hätten! Für russische Verhältniffc bedeutet dieser Vorgang immerhin ein bezeichnendes Zeugnis für die augenblickliche Volksstimmung.
Ausland.
Kopenhagen, 6. Juni. Die ,.Nationaltibende" meldet <ni3 Chriftianra: Hier herrscht die bestimmte Auffassung, daß die Auflösung derllnion jetzt eine unumgängliche Notwendigkeit sei. Diese kann nicht geschehen, ohne daß die jetzige norwegische Königsmacht beseitigt oder suspendiert wird. Vor Ende dieser Woche wird das Storthing Beschlüsse gefaßt haben, welch? bei ihrem Inkrafttreten tatsächlich die Absetzung des Königs bedeuten. Die Norweger behaupten, daß der König teils durch seine ohne Gegenzeichnung in Stockholm vorgenommene Sanktionsverwcigerung, teils durch seine Abwesenheit von dem Reiche, welche die Ursache dafür sei, daß er keinen Versuch gemacht habe, eine Regierung zu bilden, selbst seine Rechte und Pflichten als König Norwegens suspendiert habe. Das Storthing wird gemäß dem Paragraphen 13 der Verfassung eine verantwortliche Regierung eln- setzen, welche in 9lbwesenb,eit und Derhinderimg des Königs im Namen des Königs die Regierung ffthrcn soll.
London, 6. Juni. Der „Standard" . erfährt, daß die Regierung sich bestimmt weigere, eine internationale Konferenz zur Besprechung der Reformfrage in Marokko zu unterstützen, da kein Beweis vorliege, daß eine solche Konferenz von den Signatarmächten der Madrider Konvention mit Ausnahme Deutschlands und möglicherweise Oesterreich-Ungarns gewünscht werde.
— Unterhaus. Cremer richtet an Balfour,die Anfrage, /ob zwischen Frankreich und England noch irgend welche Streitfragen schweben und ob er mit Rücksicht auf die in Frankreich vorhandene Strömung zu Gunsten der Einschränkung der Flottenrüstungen und unter Berücksichtigung des Umstandes, daß die russische Flotte zerstört sei, beabsichtige, mit der französischen Reaierung in Verhandlungen, hinsichtlich der Möglichkeit einer Verständigung bezüglich der Einschränkung der Flottenrüstungen einzutreten. Balfour erwidert:. Zwischen Frankreich und England schweben keinerlei 'S t re itfra gen die geeignet wären, eine Störung der zwischen beiden Mächten bestehenden einträchtigen Beziehungen zu verursachen. Unsere Flottenrüstungen sind der wesentliche und unbedingt notwendige Teil der Landesverteidigung. Ich glaube deshalb, daß es eher Sache der anderen Länder, deren Flotten nicht einen wesentlichen Teil ihrer Landesverteidigung bilden, als unsere Sache ist, Verhandlungen hierüber zu besinnen.
Belgrad, 6. Juni. Heilte nachmittag kam es am Theater- Platz zu T ä t l i ch k e i t e n zwischen dem früherenMini ster- präsideNten Pas chits ch lind dem jetzigen Jnftiz- mi ni ft er Nikolitsch. Angeblich versetzte Nikolitsch dem Paschitsch einen S t o ck h i e b über den Kopf, worauf sie handgemein wurden. Ter Anlan soll eine das Familienleben Nikolitsch' berührende, höchst verletzende Notiz, im 'Organ der Altradikalen sein. Da Nikolitsch keine Satisfaktion erhielt, machte rr für diesen Ausfall Pasckntsch als Parteichef verantwortlich.
Uolitische Tagesschau.
Sozialdemokratie und Patriotismus.
In einer sozialistischen Wochenschrift veröffentlicht der tzlbg. Dr. David „Sozialdemokratische Briefe über Vaterlandsliebe". Diese Briefe sind — wenigstens hat der Ver- faffer ihnen diese Form gegeben — gerichtet an einen Freund, der in vielen Punkten mit der Sozialdemokratie einverstanden ist, dagegen in nationalen Fragen ganz anders denkt. David versteht es, in seinen Ausführungen schwierige und bedeutungs- volle Probleme in klarer und fesselnder Form zu erörtern. Einer Völkerverbrüderung und Völkecknischung, wie sie sich die Kosinopoliten am Ausgang des 18. Jahrhunderts dachten, steht er ganz fern.
„Was ist natürlicher," so schreibt er, „als daß die dllrch physische, sprachliche und kulturelle Lebensgemeinschaft eng verbundenen Glieder eines Volkes über ihre gerneinsamen Interessen anderen Völkern gegenüber untereinander einig sind? Und was ist zur Sicherstellung der nationalen Freiheit und Selbständigkeit notwendiger als ein gesundes, nationales Solidaritätsgesühl? Nur wer der Meinung ist, die natioilaleil Genleinschaften seien überlebte Gebilde, die keine feinere Existenzberechtigung mehr hätten, kann einem Verfall des nationalen Zusammengehörigkeitsgefühls gleich- giltig qegenüberstehen."
Das Vaterland ist für David „nicht der Boden, sondern das Menschenmaterial, das daraus lebt, der durch geschichtliche Lebensgemeinschaft ein Ganzes gewordene Teil der Menschheit, dem wir selbst durch Herkunft und Sprache angehören." Die Liebe zu den Menschen, die unser Volk bilden, sei, so führt er weiter aus, kein unmittelbares Gefühl, sondern müsse als Pflichtgefühl in das Gewissen geschoben werden. Demgemäß sei der wesentliche Inhalt des vaterländischen Pflichtbegriffes die Ausgabe: nach besten Kräften das Wohl nicht einer bevorzugten Minderheit oder einzelner hochgestellten Persönlichkeiten, sondern des deutschen Volkes
in seiner Gesamtheit zu fördern. Die Sorge für die Entfaltung der physischen und geistigen Potenzen eines Volkes sei deshalb eine nationale Pflicht ersten Ranges. Von diesem Standpunkt aus polemisiert David gegen die verschiedenen Arten des „Pseudo-Patriotismus", gegen den „Hurrapatriotismus", der nur bei Festen zur Geltung komme, gegen den „Säbel- und Kanonenpatriotis- mu8", dessen Vertreter die „Herren vom Kriegshandwerke" seien, gegen den ,,Personenpatriotismus" derer, die Karriere machen wollen, und gegen den „Geldsack- patri otismus^ der Armeelieferanten. Diesen Abarten des Patriotismus stellt David den „Patriotismus der Volksmündigkeit, der sozialen Gerechtigkeit und der nationalen Kultur" gegenüber.
Interessant sind auch die Ausführungen über die Stellung der Sozialdemokratie gegenüber der Möglichkeit von kriegerischen Verwicklungen. David nimmt für seine Partei durchaus in Anspruch und beweist es aus Acußerungen verschiedener Führer der Partei, daß auch die Sozialdemokraten bereit sind, wie alle anderen Bürger für das Vaterland die Waffen zu ergreifen. Der Krieg ist ihm freilich „ein kulturzerstörcnder und gemütsverrohender Massenmord". Die Erziehung zum „kriegerischen Heroismus" hält David nicht für notwendig. „Der körperlich und geistig gesunde, in sozialem Pflichtgefühl erzogene Mann wird im Krieg sein Leben mit derselben Entschlossenheit einsetzen, wie er e§ bei einem Brandunglück, einer Wassersnot usw. zu tun versteht."
Unstreitig enthalten Davids Erörterungen viel Beherzigenswertes sowohl für die Anhänger der bürgerlichen Parteien, deren Patriotismus nicht immer rein idealer Art ist, als auch für die Sozialdcnwkratcn, die es doch sehr daran fehlen lassen, ihre vaterländische Gesinnung zum Ausdruck zu bringen, vielmehr, wie es u. a. der Prozeß über die Kretsch- man-Briefe bewiesen hat, ihre Freude daran zu haben cheincn, die eigene Nation herabzusetzen und verächtlich zu nachen.
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Ein VerlobunMeriilht.
Die Vermählung des deutschen Kronprinzen scheint auf die Phantasie einiger englischer Journale befruchtend gewirkt zu haben. Besäßen diese Blättter nicht nachweisbar gute Beziehungen zum Londoner Hofe, so würden wir es nicht für notwendig erachten, folgende jetzt von ihnen verbreitete Mitteilung zu erwähnen. Sie behaupten nämlich, die Verlobung d e s P r i n z e n E i t e l - F r i e d r i ch v o n P r e u ß e n, des zweiten Sohnes Kaiser Wilhelms II., mit der Prinzessin Viktoria Enge nie von Battenberg sei eine beschlossene Sache. Die Prinzessin ist das^zweite Kind und die einzige Tochter jenes Prinzen Heinrich von Battenberg (Sohnes des Prinzen Alexander von Hessen, eines Onkels des Großherzogs, aus dessen morganatischer Ehe mit der polnischen Gräfin Julie Hauke, und jüngeren Bruders des Fürsten Alexander von Bulgarien), der 1885 den preußischen Heeresdienst verließ, um die Prinzessin Beatrice von Großbritannien und Irland zu heiraten, die jüngste Tochter der Königin Viktoria und deren sorgsame Pflegerin bis an ihr Lebensende. Prinz Heinrich von Battenberg starb am 20. Januar 1896 in Indien. Seine Witwe bewohnt den alten Kensington-Palast in London und hat hier erst vor wenigen Wochen, am Beginn der diesjährigen Saison, ihre Tochter in die große Welt eingeführt. Diese steht — sie wurde am 24. Oktober 1887 in Balmoral Castle, dem schottischen Schlosse ihrer königlichen Großmutter, geboren — zur Zeit in ihrem 18. Lebensjahre unb ist eine hübsche, anmutige Erscheinung. Im Familienkreise „Ena" genannt, erhielt sie ihren Rufnamen Eugenie von der Exkaiserin Eugenie von Frankreich, die ihrer Mutter stets außerordentlich zugetan war und einst zwischen der Prinzessin Beatrice und ihrem Sohne Louis eine Heirat geplant haben soll, deren Zustandekommen des letzteren tragisches Ende im Zululande verhinderte. Prinzessin Ena hielt sich noch am Ausgang dieses Winters bei der greisen Witwe Napoleons III. an der Riviera auf und es heißt, daß diese sie testamentarisch zu ihrer Erbin eingesetzt habe.
Ein wunderliches Spiel des Schicksals wäre es jedenfalls, wenn auf solche Art die Hinterlassenschaft des Kaisers Napoleons III. an den Urenkel seines Besiegers gelangte. Indessen ist, wie wir mitteilen können, in den interessierten Kreisen Berlins nichts von dieser Meldung bekannt . und uns will sie schon deshalb nicht besonders wahrscheinlich vorkommen, weil die Familie Battenberg, obwohl, die Königin Viktoria den Prinzen Heinrich zur „Königlichen Hoheit" und seine Kinder zu „Hoheiten" erhob, nach den Begriffen des deutschen Fürstenrechtes nur dem niederen Adel zuzuzählen ist, also sogar noch im Range unter den mediasierten Geschlechtern fürstlichen und gräflichen Standes, wie den Hohenlohe, Stolberg, Schönborn 2C., steht.
DelcaMs Rücktritt.
Bei Beginn der gestrigen Sitzung des französischen Ministerrats gab Minister Delcassß eine ausführliche Darlegung der von ihm in der letzten Zeit befolgten auswärtigen Politik. Er stellte fest, daß die bereits in früheren Sitzungen des Ministerrats bekundeten Meinungsverschiedenheiten sich verschärft hätten und daß er einmütig seine Kollegen gegen sich habe. Er sei daher der Ansicht, daß er unter diesen Umständen sein Portefeuille nicht weiter behalten könne, und gebe seine Demission, welche angenommen wurde. Rouvier wird die Leitung des Ministeriums des Auswärtigen übernehmen.
Der „Gaulois" sagt: Der Minister, der Frankreich in eine so schwierige Lage gebracht hat, mußte verschwinden. Es ist möglich, daß man sich in Deutschland darüber freuen wird, aber der Rücktritt Delcassös wird Frankreich wahrscheinlich e r n st e r e und gransamere Demütig- ungen ersparen.
Jaures und Archdeacon, welche in der Kammer die Regierung über die marokkanische Angelegenheit interpellieren wollten, zogen ihre Interpellation infolge der Demission Delcassßs zurück.
Eine der Folgen des Ministerwechsels wird fein, daß Frankreich nunmehr auch in der russisch-japanischen Friedensangelegenheit mitzusprechen versuchen kann, da Japans Beschwerden vornehmlich gegen Delcasfts Hinterhältigkeit gerichtet waren. Rouvier dürfte nach T-i einen neuen Mann
enden. AuS verschiedenen Aeußerungen Rouviers geht hert vor, daß man Deutschland bestimmte Vorschläge zh machen beabsichtigt.
Aus Stadt uud Zand.
Gießen, 7. Juni 1905.
Hudde
itzt heute, trotzdem im Laufe des gestrigen Nachmittags geradezu erdrückendes Belastungsmaterial für seine Mordtech zu tage gefördert wurde, noch immer ruhig und regungslos auf seinem Platze. Sein Genosse Walter scheint seinen Aufenthalt im Gerichtssaale als eine sehr willkommene Abwechslung in dem Einerlei des Zuchtyauslebens zu betrachten, denn in der kurzen Frühstückspause, die um V2I2 Uhr eintrat, lachte er verschiedene Male laut vor sich hin. Hudde wurde gestern eigentlich schon überführt. Verschiedene Zeugen von Heldenbergen und Umgegend bekundeten näm- lich unter ihrem Eide mit größter Bestimmtheit, Hudde als den feingekleideten jungen Mann mit dem Stöckchen in der Hand wiederzuerkennen, den sie am Nachmittag und am Llbend der grausigen Tat in der Nähe des Heldenberger Pfarrhauses gesehen haben, Hudde leugnete, es gewesen zu fein. Er will bekanntlich erst gegen abend mit „Willy" nach Heldenbergen gekommen sein. Das Märchen ist also bereits vollkommen widerlegt. Von Interesse wärest gestern abend noch die Aussagen des Gendarmen, der Haushälterin des Pfarrers Thöbes und des Amtsrichters, die am frühen Morgen nach der Tat zuerst das Sterbezimmer betreten haben. Besonoers der Amtsrichter erzählte mit bewegten Worten, daß er in seinem Leben schon titel Schreckliches habe sehen müssen, daß ihm aber ein so entsetzlicher, auf die Nerven fallender Anblick wie das Zimmer des Pfarrers Thöbes noch nie begegnet sei. Für die Ueberführ- ung Huddes war von Wichtigkeit die Feststellung, daß das Mordmesser nach Metzgerart mit den Fingern abgewischt worden war, sodaß aus der Bettvorlage ein talergroßer Blutfleck sich erklärte. — Wie sollte der angebliche Willy, auch Metzger gewesen fein? Hudde gab bekanntlich an, Willy habe ihm erzählt, er sei Arbeiter. Der Amtsrichter erzählte ferner, daß er den Eindruck gehabt habe, es könne nur e i n Täter in Betracht kommen, da die Stellung der Möbel offenbar daraus hinzeigten. Heute vormittag wurden Zeugen gehört, die Hudde nach der Heldenberger Tat gesehen und gesprochen haben. Ein Kutscher, welchen Hudde zu gemeinslhaftlichen Diebstählen verführt hat, gab an, daß Hudde vor einem der Einbrüche in ein Pfarrhaus ihm eine Zange überreicht habe mit der Anweisung, wenn „jemand was wolle, ihn niederzuschlagen". Wiederum eine für die Persönlichkeit Huddes bezeichnende Aussage. Die Darlegungen des Gerichtschemikers Dr. Poppe stehen zurzeit noch bevor.
** Die Pläne für uns er en Theaterneubau, die z. Zt. im Sitzungssaal der Stadtverordneten öffentlich ausgestellt sind, finden lebhaftes Interesse. Zunächst ist man in der Lage, über die Fronten und das Aeußere zu urteilen. Zweifellos ist, was diese Gesichtspunkte anlangft der Dülserffche Entwurf der künstlerisch wertvollste. Bei ihm kann man von originellen Gedanken reden, was man von den anderen Projekten kaum sagen kann. Der hohe Aufbau des eigentlichen Theaterraumes, der über die Fayade und die Eintrittshalle hinausragt, wird dem Betrachter des fertigen Baues, der ihn von der Straße aus ansieht, den Anblick der Front keineswegs beeinträchtigen. Nach dem Schaubild könnte man auf den ersten Blick solche Befürchtungen hegen. Was die zweckmäßige Einrichtung des Innern anlangt, so bedarf es eines eingehenden Studiums besonders der eingereichten Erläulerungsberichte. Es erscheint verständlich, daß die erwählte Kommission hierbei das Beste der eingereichten Projekte benützen will. Daß man, was die äußere Ansicht des Theaters anlangt, den Dülfer- schen Plan zugrunde legen wird, darf man wohl wünschen und hoffen.
** Hess. Denkmalschutz. Gemäß den Vorschriften des hessischen Denkmalschutzgesetzes wurden zu Mitgliedern des Denkmalrechtes bestellt 1. I. Haller, ordentlicher Professor an der philosophischen Fakultät der Universität Gießen, 2. Dr. B. Müller, Denkmalspfleger für die Altertümer und Assistent der Kunst- und Historischen Sammlung des Museums zu Darmstadt, 3. Dr. E. Anthes, Professor am neuen Gymnasium zu Darmstadt.
• * Selbstm ord. Gestern mittag erschoß sich in seiner Wohnung der Glasermeister B. hier. Er war in Zahlungsschwierigkeiten geraten unb gepfändet worben. Während der Gerichtsvollzieher die Pfänder abholte, schloß sich B. in seine Schlafstube ein unb brachte sich mit einem Revolver einen Schuß in bie rechte Schläfe bei. Der Tob trat sofort ein.
* * Blitzschlag. Gestern nachmittag um */,2 Uhr schlug ein Blitz in bie Zigarrenfabrik von Bruno Büttner in ber Frankfurterstraße unb zertrümmerte sämtliche Sicherungen ber elektrischen Leitungen. Auch das Telephon würbe beschäbigt.
§ Burkharbs, 5. Juni. Heute ereignete sich hierein Unglücksfall. Die Ehefrau bes Weißöinbers Ruhl führte eine Kuh auf bie Weibe an einem Seile, bas sie um bie eine Hanb gewickelt hatte. Infolge ber schwülen Witterung quälten bie Fliegen bas Tier sehr, sobaß es durchging. Die Frau konnte bas Seil nicht loslösen unb würbe geschleift; dabei erhielt sie schlimme Verletzungen, welche den sofortigen Tob herbeiführten. Schrecklich zugerichtet fanb man den entseelten Leichnam. Außer dem Gatten trauern noch 6 Kinder an ber Bahre ber so jäh aus diesem Leben geschiebenen Mutter.
Offenbach, 6. Juni. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern nachmittag 4 Uhr in der Glockengasse. Die Frau eines Kutschers goß, um das Feuer im Ösen anzufachen, Petroleum hinein. Natürlich explodierte die Kanne, und die Frau stand im nächsten Augenblick über und über in Flammen. Laut Hilfe schreiend, lief sie auf die Straße, wo ein hinzueilender Mann die Flammen erstickte, nicht ohne sich selbst dabei erhebliche Wunden zuzuziehen. Die sehr schwer verletzte Frau wie ihr Netter wurden ins Krankenhaus gebracht. (O. Ztg.)
[] Marburg, 6. Juni. Die schweren Gewitter, welche gestern abend über das obere Lahngebiet zogen, haben mehr oder weniger Schaden angerichtet. Außer in Bellnhausen bei Fronhausen, wo der Pfeffer'sche Gutshof eingeäschert wurde und auch Vieh in den Flammen umkam, werden Brände aus Oberwalaern, Dämshausen, Hesselbach


