Ausgabe 
2.6.1905 Erstes Blatt
 
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Lande weiter kämpfen, nur keinen Kleinmut, kein Nach- geben, keinen Frieden!

Kapitän Klado, der bekanntlich wegen seiner freimütigen Kritik der russischen Flotte und eines in der Tonart verfehlten, an den Großfürsten Alexis gerichteten Briefes aus der Lifte der Offiziere gestrichen wurde, schreibt in derNowoje Wremja^:Wir alle erwarteten und wünschten ein Wunder. Nun hat die rauhe Wirklichkeit alle Berechnungen zerschlagen. Unsere Niederlage ist größer, als man bisher annimmt.

Klado war der einzige Russe, der diese Niederlage prophezeit hatte.

Japans Bedingungen.

Mehrere englische Blätter wollen erfahren haben, Japan werde folgende Bedingungen für einen eventuellen Friedens­schluß machen: Kriegsentschädigung 2 Milliarden Mark, Schleifung der Festungswerke von Wladi­wostok, dessen Hasen in einen Handelshafen umgewandelt werden soll; Verpflichtung seitens Rußlands, während einer noch sestzulegenden Periode keine Kriegsschiffe nach chinefi- schen oder japanischen Gewässern zu entsenden; die Ab­tretung Sachalins, Port Arthurs und der Liao- jang-Halbinsel, Abtretung eines großen Teils der mandschurischen Eisenbahn und endlich Anerkennung des japanischen Protektorats über Korea seitens Rußland.

Japan macht nette KriegsbesteHnngen.

New-Dork, 31. Mai. (W. B.) Mit amerikanischen Firmen sind'Geschäftsa bschlüsse in der Höhe von 5 Millionen Dollars erfolgt, nach denen mit größter Beschleunigung elektrische Ausrüstungsgegenstände, Maschinen, Werkzeuge und sonstiger Bedarf für die japani­schen Regierungs-Arsenale verschifft werden sollen.

nach Chalons. Strenge Maßnahmen zur Aufrechterhal­tung der Ordnung waren getroffen. König Alfons wohnte mit Loubet, dem Kriegsminister Berteaux, den Präsidenten des Senats und der Deputiertenkammer u. a. im Lager von Chalons kavalleristiscken und artilleristischen Uebungen bei. Um 4 Uhr nachmittags wurde die Rückfahrt nach Paris angetreten.

Die Antwort des Königs Alfons auf eine Ansprache Loubets beim vorgestrigen Diner im Elysee ist insofern be­merkenswert, als der König die Fr eun dsch a ft b e i d er Nationen hervorhob und erklärte, der großartige Em­pfang sei eine Kundgebung für das volle Einverständnis beider Mächte. Zu dem Diner waren 200 Einladungen ergangen.

Petit Parisien" teilt mit, König Alfons werde wahr­scheinlich der letzte Monarch sein, den Loubet in seiner Eigenschaft als Präsident empfangen hat. Der Präsident hat den unerschütterlichen Entschluß, eine Erneuerung seines Mandats zur Präsidentenwahl abzulehnen.

Deutsches Aesch.

Berlin, 1. Juni. Aus Anlaß der Parade (siehe Heer und Flotte") fand gestern im Königl. Opern Hause eine Festvorstellung statt, der der Kaiser, die kaiserlichen Prinzen, die Kronprinzessin von Griechenland, Prinzessin Arisugawa und der Fürst von Montenegro beiwohnten.

Gestern abend fand im Königl. Schlosse Tafel statt, wobei der Kaiser zwischen der Kronprinzessin von Griechen­land rechts und der japanischen Prinzessin Aristigawa links saß.

_ Der Fürst von Montenegro hat dem Kaiser das Großkreuz des Tschernagorischen Ünabhängigkeitsordens, der Kaiser dem Fürsten den Schwarzen Adlerorden verliehen.

__ Der Bundesrat stimmte den Gesetzentwürfen betr.

Kaiser Wilhelm.

Wie dieRh.-W. Ztg." mitteilt, hat Kaiser Wilhelm an den Zaren aus Anlaß der neuen Niederlage der Russen ein Telegramm gerichtet, in dem er seiner Trauer Aus­druck gibt.

Flach ein Attentat gegen dcn König von Spanien in ^aris.

Gestern in frühester Morgenstunde erhielten wir folgendes Telegramm, das wir alsbald durch Aushang bekannt gaben:

Paris, 1. Juni. Als der junge Spanierkonig gegen 12'/? Uhr nachts von der Oper heimfuhr, wurde aus der Menge in der Richtung deS'nigl. Wagens eine mit Nägeln ge. [ab en e Bombe geschlendert, die mit lautem Knall explodirte. Ein Schuhmann, eine Frau und mehrere Pferde der den Königs- toaaen eskortierenden Kürassiere wurden leicht verletzt, zwei In- bimotten verhaftet.

Die weiteren Trrifcr Berichte lauten:

Seit drei W"ck>u wußte die Pouzeipräsertur, d- fünf Individuen ein Attentat gegen König planten: drei Spanier und cin Engländer wnrden am 2^. Mai feftgeuommen; dem fünfen gelang es, zn enck^mmm. Die vipr verhafteter: Anarckiß'en Peden unter ix*y Wrfiage her Mitschuld an dem Attentat: b'r fünfte, der den Behörden wohl bekannt ist, gilt als der eigentliche Täter. ,

Die französische Polizei war bereits vor. einiger Zelt von Madrid verständigt worden, daß der spanische Anarchist Avila über Davila sich nach Paris begeben und mehrere Bomben mstgei-ommen l ck>e. Dieser Anarchist wurde, kürzlich in Paris verhaftet und in seiner Wohnung alle von ihm mit­gebrachten Bomben bis auf eine vorgefunden. Man glaubt, daß diese zur Ausführung des Anschlags gebient hat.

lieber die Art, wie der Anschlag verübt wurde, liegen ver- /chiedene Darstellungen vor. Nach einem Bericht durchbrach der uebeltäter den Polizeikordon, durch welchen die Menge auf dem Bürgersteig zurückgehalten wurde, und schleuderte die Bombe, welche knapp hinter den rückwärtigen Nädern des Wagens zu Boden fiel, und explodierte. Nach anderen Berichten wurde die Bombe mitten aus der Menge von einem Burschen geschleudert, welchem ein auf dem Vorsprunge eines Arkadenpfeilers stehend'r Komplize beim Heraunahen des Wagen- -uges ein Zeichen gegeben hatte.

Ein Polizist, der durch ein Pferd umgeworsen wurde, brach ein Bein. Die Schuld der beiden Verhafteten ließ sich noch nicht feststellen. Eine als Zeugin vernommene Frau sagt aus, sie habe gesehen, wie drei Personen, die Bombe im Portal des Louvre angezündet, und einer sie dann in der Richtung nach dem königlichen Wagen geworfen hat. Nach anderer Dar­stellung soll die Bombe von einem benachbarten Hause aus ge­schleudert word?n sein, wo noch Nachforschungen ongestellt werden. Der eine der beiden Verhafteten war wie ein Arbeiter gekleidet: sein Name ist unbekannt: er hat eine Verletzung am rechten Auge, man weiß aber nicht, ob sie von der Explosion herrührt oder ob sie ihm von her Volksmenge bei gebracht wurde. Er verweigert die Aussage. Anscheinend ist er einige zwanzig Jahre alt. Die aufgefundenen Vombenstückc sind dem Direktor d^s städtischen -Laboratoriums zugesandt worden, der sie zusanimensetzte.

Die Bombe kam auf der ftantc des Bürgersteiges zur Explo­sion und verwundete den auf dieser Seite reitenden .Haupt­mann Schneider. Man bemerkte bei der Erplusson eine gelbe Flamme, wie sie ein grünes Pulver von siH gibt. Die Bombe war aus Gußeisen gefertigt. Das Pferd des Hauptmanns Schnei­der wurde so schwer verwundet, daß es auf der Stelle getötet werden mußte. Hauptmann Grauier, der auf der anderen Seite ritt, wurde leichter verwundet. Der König und Loubet blieben glücklicherweise unverletzt. Der König erkundigte sich beim Hauptmann Schneider sofort nach seinem Befinden. Der­selbe antwortete, trotzdem er von Blut überströmt war, daß er keine Schmerzen habe. Ter König zeigte nicht die ge­ringste Aufregung. Als er an der Statue der Jungfrau von Orleans vorüberfuhr, erhob er sich im Wagen und grüßte militärisch, wobei ihm Die Menge lebhafte Ovationen darbrachte. Der König telephonierte dann sofort an seine Mutter, um sie -u beruhigen.

Die Feuerwehr suchte mit Fackeln die Erploflonsstelle ab, um die Stücke der Bombe zusammenzusuchen. Es ergab sich, daß sie mit Nägeln, anderen Eiscnstücken und Glassplitt^m gefüllt gewesen war. Ein Verdächtiger rmrtr von dw Menge beinahe gelyncht und mußte von der Polizei befreit werden.

Der Richter L e y d e t wurde mit d r U n t e r s u ch u n g der Angelegenheit der beiden verhafteten Personen beauftragt, die eine wurde sreigelassen, die andere ins Gefängnis gesetzt: als belastend gegen sie lag nur vor, daß sie sich offen zu anarchisti­schen Lehren bekannte. Die Untersuchung ergab, daß die Bombe nicht aus dem Fenster eines Hauses geworfen worden war. Die Zahl der Verwundeten wird jetzt auf 15 angegeben, her­unter befindet sich ein mexikanischer Deputierter namens Fer­nando Nubio, der eine Verätzung am Schenkel erhalten hat: er besand sich im Augenblick des Anschlages an einem Fenster des Hotels du Louvre. ,

3n der Rue des Pvramides, einer Seitenstraße der Rue de Rivoli wurde gleichfalls eine Bombe gefunden.

Nachdem der König in das Palais am Quai d'Orsay zurückgelehrt war, unterhielt er sich uoch in heiterer Stimmung mit seinem G folge. Gestern morgen wohnte der Könia der Messe in der Kirche St. Clotilde bei und fuhr um" 8V2 Uhr mit Loubet und dem Kriegsminister

Aenderungen be§ GerichSverfassungsgesetzes und der Zivil­prozeßordnung zu. Ebenso fanden die Gesetzentwürfe für Elsaß-Lothringen über das öffentliche Vereins- und Versamm- liingsrecht und über die Synodalordnung für die reformierte Kirche in den Reichtzlanden Annahme.

Das Abgeordnetenhaus hat den Gesetzentwurf betreffend die Kosten der Prüfung überwachungsbedürftiger Anlagen nach den Beschlüssen des Herrenhauses erledigt und bei dem Gesetz über die Verwaltung gemeinschaftlicher Jagd­bezirke die Herrenbaussaffung wiederum unigeändert, sodaß der Entwurf nochmals an das Herrenhaus zurückgehen muß. Dann wurden noch Petitionen erledigt.

Hamburg, 31. Mai. Heute mittag ging der Truppentransport dampf erEduard Woermann" mit 35 Offizieren, 4 Unteroffizieren mit Portepee und 523 Mann sowie 360 Pferden nach Deutsch-Südwestafrika ab. Generalmajor v. Versen verabschiedete sich von den Truppen mit einer Ansprache, die mit einem Hoch auf den Kaiser chloß, worauf Major Traager ebenfalls mit einer mit einem Kaiserhoch endenden Rede antwortete. Die Musikkapelle be§ RegimentsHamburg" spielte bie Nationalhymne. Die Ko­lonne bc§ roten Kreuzes verteilte Liebesgaben beS Senats. Mit ben Klängen bet MusikDeutschlanb, Deutschlanb über alles" verließ ber Dampfer unter Kunbgebungen bes Pu­blikums ben Hafen.

Ausland.

Christiania, 31. Mai. Die Abreise der nor­wegischen Staatsratsabteilung aus Stock­holm ist mit Genehmigung des Königs erfolgt. Die Be­hauptung. daß die Abreise den Abbruch der diplomatischen Verbindung bedeuten solle, ist aus der Luft gegriffen. Der Aufenthalt der Abteilung Hierselbst wird nur ein zeit­weiliger sein. (Dennoch scheint die völlige Lostrenn­ung Norwegens von Schweden und die Proklamierung einerRepublik Norwegen" bevorzustehen. D. Red.)

London, 31. Mai. Im Oberhause erklärte Landsdowne, er glaube, daß die Grundlagen für den Abschluß eines dentsch-englischen Handelsvertrags vorhanden seien.

Fez, 31. Mai. Die zunehmende Häufigkeit der Fälle, daß Kuriere angehalten und beraubt werden, macht ben Verkehr unsicher. Vor zwei Tagen würbe ein Kurier, ber an ben auf ber Reise hierher befindlichen britischen Ge­sandten Lowther abgeschickt worden war, aufgehalten. Die Depeschen, bie er bei sich führte, würben ihm abgenommen unb vernichtet.

Graf Tattenbach und die der Sondergesandtschaft ungeteilten Offiziere wurden vom Sultan in Privat- Audienz empfangen. Der Sultan unterhielt sich fast eine Stunde auf das liebenswürdigste mit ben Herren, bie sämt­lich bie Begabung unb das rege Interesse des jungen Herr­schers für alle Fragen rühmen.

Tanger, 1.Juni. Der Sultan teilte dem französischen Gesandten Ren6 be Taillanbier mit, baß er bie Vor­schläge Frankreichs nicht annehmen könne. El Torres wirb bies ben Mächten in einem amtlichen Runb- schreiben mitteilcn. Hier verlautet, ber Sultan wünsche, baß irgenbwelehe Reformen nur mit Zustimmung ber Mächte eingeiührt werben, unb bie Mächte um ihre Ansicht bezüglich der Abhaltung einer Konferenz über biefen Gegenstand zu befragen.

Newyork, 31. Mai. Präsident Roosevelt sagte gelegentlich der Entbüllung des Denkmals für die bei der Katastrophe des DampfersGeneral Slocunt" Umqekommenen in Brooklm, bie neuesten asiatischen Ereignisse lehrten, baß eine starke, noch so kostspielige Flotte bie billigste Garantie für bic Wohlfahrt bes Volkes sei.

and in Sturm und Drang

Auf ben Polizeipristaw von Riga, Jaretzki, wurde in der Nacht cin Attentat verübt. Als Jaretzki baS Polizeigebäube verließ, explobierte vor seinen Füßen eine Sprengbombe kleineren Kalibers, beten Splitter ihn an Kopf unb Händen schwer verletzten. Von dem Täter fehlt jebe Spur.

In Lodz fand vor dem Spital cin großer Arbeitcr- tumult statt. Die Arbeiter verlangten bie Herausgabe ber Leiche eines Genossen. Das Militär gab Feuer, woburch acht Personen verwunbet würben. Der Ausstanb nimmt an Umfang zu. In ber Stabt herrscht Fleijchnot.

Aus Stadt und Kund.

Gießen, 2. Juni 1905.

Auszeichnungen. S. K. H. ber Großherzog haben bem Gräflich Solms-Röbelheimschcn Förster Stein- brenn er zu Forsthaus Beinharbs bas Allgemeine Ehren­zeichen mit ber InschriftFür treue Dienste" verliehen. Dem Oberbürgermeister Dr. Gaßner in Mainz würbe vom Kaiser ber rote Ablcrorben 2. Klasse unb bem Bauinspektor Wilenz in Mainz ber rote Ablcrorben 4. Klasse verliehen unb zwar anläßlich bes Vertragsabschlusses ber Auflassung ber Norbwcstfront in Mainz. Dem zum Ehrenbürger ber Stabt Mainz ernannten bisherigen Beigeorbneten Geh. Kom­merzienrat Ne in ach würbe vom Großherzog bas Ehrenkreuz bes Verbicnstorbens Philipp bes Großmütigen verliehen.

Sitzung bes Provinzial-Ausschusses. AIS erster Gegenstanb ber Tagesorbnung beschäftigte ben Pro­vinzialausschuß bas Gesuch bes Philipp Kreiling XL zu Wieseck um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. Der Gesuchsteller beabsichtigt in seinem neuerbauten Hause an der Gießenerstraße Gastwirtschaft zu treiben. Der Ge- meinberat hatte bas bcz. Gesuch einstimmig befürwortet. Der Kreisausschuß bes Kreises Gießen versagte jeboch bem Gesuch mangels Nachweises eines Bebürfnisscs seine Genehmigung. Ter gegen bicse Entschcibung eingelegte Rekurs blieb erfolg­los, ba ber Provinzialausschuß in seiner heutigen Sitzung sich bem Kreisausschuß-Urteil gnschloß. Hierouf würbe über bie Bureaukosten bes Bürgermeisters zu Okarben verhanbelt. Das Großh. Kreisamt Friedberg hatte der Ge­meinde Okarben mit Rücksicht ans ben Arbeitsumfang ber Bürgermeistcrcigeschäste usw. bie Erhöhung bet Bureaukosten- üergütung bc§ Bürgermeisters um 200 Mk. angesonnen. Da ber ©emeinberat sich weigerte, biesern Ansinnen zu entsprechen, verurteilte ber Kreisausschuß bc§ Kreises Friebberg, ber in erster Instanz rcchtzusprechen hatte, bie Gemeinbe Okarben zur Zahlung bes erhöhten Betrags. Der Gemeinderat ver- olgte hiergegen Rekurs an ben Provinzial-Ausschuß. Dieser verhanbelte heute in ber Sache, setzte jeboch bie Entschcibung zur Anstellung weiter erforberlicher Ermittelungen aus. In nichtöffentlicher Sitzung würben fobann bie Voranschläge bet Provinzialkasse unb bet Ptovinzialanstalten beraten.

** Am gestrigen HimmelfahrtStag war aus der Stadt Gießen in bie nahe unb weitere Umgebung eine wahre Auswanbernng erfolgt. Nach allen Richtungen hin würbe bie Eisenbahn benutzt. Jin schönen Lahntal, in Wetzlar, Braunfels unb Weilburg traf man, besonbers wo man sich 0 recht nach Bequemlichkeit nieberlassen konnte, eine große Menge Gießener. Tie stubentischen Korporationen waren in erster Linie bemerkbar. Ein Spaß, ben sich ein Gießener Stubent in Braunfels mit ber sogenannten Ernstbahn leistete, inbem er neben bem in voller Fahrt befinblichen Zug het- lies unb sich an ihm festhielt, hätte für ben Wettläufer bei­nahe sehr üble Folgen gehabt. Er strauchelte, stürzte zu Boben unb würbe ein Stück auf bet staubigen Landstraße geschleift. Glücklicherweise hat er, neben beschmutzten Kleidern unb ber Zwangslage, seinen Weg allein unb zu Fuß fortzu­setzen, keinen ernsten Schaben erlitten. Die Eisenbahn hat im allgemeinen ben cmßetotbentlichen Verkehr fehr gut be­wältigt. Der hiesige Männer-Turnverein unb ber Eisenbahn- vetem hatte Marburg und dessen Umgegend besucht, der Turnverein hatte einen Turngang nach dem HohenrodSkopf veranstaltet.

Professor Wilhelm Trübner, bem Vorzüge lichen Maler unb Direktor bet Akabenne der Künste in Karls­ruhe, ist bie Großh. Hess, golbene Verbienstrnebcnlle für Kunst unb Wissenschaft verliehen worben.

3um Schneiberstreik. Die Lage zwischen Arbeit» gebern unb Gehilfen hat sich noch nicht vecanbert. Der Vor­sitzende beS hiesigen ArbeitgeberverbanbeS, Schneiberrneister Hanbrich, unb ber zweite Schriftführer beS VerbanbeS, Hr. Schuster von ber Firma H. Schuster u. Co., sind nach dreitägigem Aufenthalt in München, wo sie dem Zentral- oorftanb über die Gießener Streitsache persönlich ausführlichen Bericht erstattet haben, heute nacht wieder hierher zurück- gekehrt. Es sind jetzt lediglich Machtfragen, die von Seiten ber Arbeitnebiner im ganzen Reich hervorgekehrt werden. ES bandelt sich, so teilt man uns mit, überhaupt nicht mehr um Lohnerhöhungen, sondern um bad Verlangen der Ge­hilfen nach Abschaffung der Heimarbeit und Ein­führung des Stundenlohnes anstatt der Stück­arbeit. Ferner ist bie Forderung ber Gehilfen aufgetreten, baß bet Arbeiternachweis nur butch sie allein ge­schehen solle, woburch sie natürlich nur organisierte Gesellen in Positionen unterbringen unb Arbeitswillige, die ihrer Organisation nicht angehören, davon ausschließen würden. Die Arbeitgeber erklären, baß sie auf diese Forderungen keinesfalls eingehen könnten, deren Gewährung nur den Ruin des Schncibergewerbes herbeisühren würbe.

Turnverein Gießen. Der für gestrigen Himmel­fahrtstag vorgesehene Turngang bes Turnvereins Gießen ver­lief, so schreibt man uns, in schönster, echt turnerischer Weise. Von Laubach aus würbe unter zahlreicher Begleitung bet Turner von Hungen, Laubach unb Lich ber Matsch nach bem wunberschön gelegenen HohenrodSkopf unternommen, wo bie Ausflügler von ben von allen Seiten hetbeigeeilten Turnern bet Nachbarvetcine begrüßt würben. Inzwischen waren auch bie von Schotten unb Mücke über Ultichsiein nach bem Obcrwalb gekommenen Gießener auf bem Plateau ein* getroffen unb e§ entspann sich cin munteres Treiben, ba§ leibet zu früh abgebrochen werben mußte. Auf bem Rück­weg nach Schotten würbe noch bas Lchtetheirn, sowie der Altenbutgskopf besucht unb bann ging cs unter bet Führung ber ebenfalls zahlreich erschienenen Turnschwestern unb Turnet von Schotten beten herrlichem Heimatstäbtchen zu, wo man bis zum Abgang bes Zuges sich aufs belle unterhielt.

R.-B. Darm stabt, 2. Juni. (Eigener Draht- bericht.) II. KK. HH. ber Großhetzog und bie Groß­herzogin begaben sich heute nachmittag um 1.24 Uhr mittels Sonbctzuges zu ben Vetmählungsfeietlich- feiten nach Berlin, wo bie Ankunft um 1/,11 Uhr abends erfolgte. In ber Begleitung bet hohen Herrschaften befinben sich bic Hailshosmeisterin Freiin v. Graney unb bie Hofbame Frei in v. Notsmann, sowie Gencralabjutant Generalmajor 0. Wachter, Flügelabjutant Rittmeister Krämer unb Ober* feutimnt ftrbr. v. Masscnbach. Es siebt jekt feft daß das