Erstes Blatt
155, Jahrgang
FreitagS. Juni 1905
Gchalpratze 1.
tttrefle für Depeichen: Anzeiger (Stetzen.
ffkentprechantchluhNr 61.
Ve^antwo^U'ch ji*t den poltt und U,e« u teil P. Wtttlo: für .Stadt und Land" und .GettchtSfaal^. August Goetz- für den An* netaenteil: HanS Beck^
GietzenerAmeiaer
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
monatliches KU oiertel» jährlich Mk. 8.20: durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 66 durch die Post Mk. 2.—viertel* jührl. auSschl. Bestellg. Annahme van Lnzel'E in die Ix «rm-tr.iet -8 DO ^niltiql J
Nr. 1L8
außer SonntagL.
Gießener Anzeiger werden ,m Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Stetzener Hamtlien« RLNer viermal In der Woche beigelegL
Rotationsdruck tt Der* ing der Brü h l schien Unweich-Buch-n. Bietrw druckeret. S_ Bonge.
Ale ö-uttge Dummer umfaßt IO Seiten.
Ate Miedersage der Mussen,
toiios weitere Aerich'e.
Heute liegen die weiteren Berichte Togos, deS genialen /«panischen Seehelden, vor. Wir können sie leider wegen unseres beschränkten Raumes nur auszugsweise mitteilen.
3l1e dem 5. und 6. Bericht, die am Nachmittag des SO. Mai in Tokio eintrafen, heißt eS u. a.:
Der japanische Torp"doboots-erstörer Sadzanami nahm gegen Abend des 27. Mai südlich von der Insel Urleung den russischen Torpedobootszerstörer Bjedowy, aus welchem sich Admiral Rosch- djcftweuSki, schwer verwundet, und 80 Russen, einschließlich der Offiziere vom Stab des Flaggschiffes Kn'äs Ssuworow, das am 27. Mai gesunken war, befanden und sämtlich zu Gefangenen gemacht wurden.
Nach den verschiedenen bisher uns zugegangenen Berichten und nach den Angaben von Gefangenen ist das N e s u l t a t der Schlacht vom 27. bis zum 28. Mai folgendes: Knjäs Ssuwo, row, Imperator Alerander III., Borodino, Dmitri Donskoi, Admiral Nachimow, Wladimir Monomach, Shemtschug, Mmiral Usckzakow, ein Hilfskreuzer und zwei Torpcdobootszerstörer gesunken, und, Imperator Nikolai I., Orel, General-Admiral Apraxin, Admiral Ssenjawin und der Torpedobootsz-rrstörer Viedowy genommen. Nack Berichten von Gefangenen ist die Osljaba ungefähr um 3 Uhr nachmittags am 27. Mai gesunken: ferner ist der Nawar'N aesunken und Almas am 27. Mai iu aefcchtsunsähsgem Zustande gesehen werden. (Von dem Almas wurde bekanntlich bisher berichtet daß er in Wladiwostok als einziger geretteter russischer Kreuzer eingctrosfen fei. D. Red.)
Tie vollen Einzelheiten betreffend die an unseren Schissen angerichteten Schäden liegen mir noch nicht vor. Mer, soweit ich feststellen konnte, ist keines davon ernstlich beschädigt, alle sind noch in Tätigkeit. Noch sind nicht alle Berluste festgestellt. Die Verluste der ersten Division werden aus etwas über 400 Mann geschätzt. Prinz Yorihito ist bei bestem Wohlsein.
Der amtliche Bericht ülxn: die
russischen Verluste, soweit dieselben bisher ermittelt sind, lautet: Folgende sechs Schlachtschiffe sind gesunken: Knjaes Ssuworow, Imperator SUermtbcr III., Borodino, Ofljaba, Ss'ssor Mcliki, Nawarin. — Folternde Streng g^s'-nken: Admiral Nachimow, Dmitri Donskoi. Wl<rdimir Monomach, Swjetlana. — Küswnpan-er: Admiral Uschakow gesunken, eb-nso zwei Spezialschisfe: Kamtschatka und Jlitisch, ferner dr-i Torpedobootszierstörer. — Zwei Schlachtschiffe, nämlich: Drei und Imperator Nikolai I., zwei Küsten- panz^r, nämlich: General Admiral Aprarin und Admiral Ssen- Mwin, sowie der Torp'd'-b'"''Sr.-'rstS7.t»i. B'edowv a--nommen. Mithin verlor Rntzland 22 Schiffe, mit einem Gesamtinhalt von 153 411 Tonnen.
Togos siebenter Bericht ist am Morgen des 31. Mai in Tokio eingegangcn. Ec bestätigt im wesentlichen die früheren Berichte. Von den Schiffen „Ssissoi Welikij", „Admiral Nachimow" und „Wladimir Monomach" wurden ungefähr 915 Mann geborgen. Von „Aurora" und „AlmaZ" glaubt man, daß sie durch den Torpedoangriff in der Nacht vom 27. Mai gesunken sind. (Vgl. oben.) Was „Schemtschug" betrifft, so ist ihr Verbleib ungewiß.
Tie japanischen Verluste.
Nach den Berichten über die Beschädigungen unserer Flotte, so fährt Togo fort, während des Nachtangriffes vom 27. Mai sind die Torpedoboote Nr. 3 4, 35 und 6 9 gesunken, die meisten Leute der Besatzung aber von anderen Booten ausgenommen worden. Sonst ist kein Schiff irgend einer Art verloren gegangen. Die Beschädigungen der größeren Schiffe einschließlich der Torpedobootszerstörer sind leicht, keines von ihnen war kampfunfähig. Unser Gesamtverlnst wird jetzt auf 800 Mann geschuht. Da fast die gesamte japanische und russische Flotte an der Schlacht beteiligt war, war der Kantpfplatz sehr ausgedehnt, da außer- dem das Wetter neblig war, konnte man nicht weiter als fünf Meilen sehen. Es war daher unmöglich, selbst am Tage, alle mir unterstehenden Divisionen im Auge zu behalten. Da ferner die Schlacht zwei Tage und Nächte dauerte, unsere verschiedenen Abteilungen den Feind, der sich nach verschiedenen Richtungen zerstreute, angegriffen, und einige von ihnen noch in der Erledigung von an den Kampf sich anschließenden Aufgaben begriffen sind, wird es mehrere Tage dauern, bis ein ausführlicher Bericht erstattet werden kann.
Der achte Bericht besagt im wesentlichen folgendes: Es scheint, daß der Bouinui den Admiral R o s ch d j e st - -venski und seinen Stab nebst 200 Mann von Osljabja am Nachmittag des 27. Mai vor dem Sinken des Flaagschiffes an Bord genommen hatte, daß aber, als der Torpedobootszerstörer nicht recht vorwärts kam, Roschdjestwenski und sein Stab aus den Biedrvoy übergingen: als der Bouinui nordwärts fuhr, stieß er am Morgen des 28. Mai auf den Dmitri Donskoi: nachdem die an Bord des Bouinui befindlichen Russen auf den Dmitri Donskoi gebracht waren, sank bAT Torpedobootszerstörer. Osljabja erhielt am Samstag nach der Angabe geretteter Russen gleich zu Beginn d"r Scb.acht ein^n Schuß in dm Turm, durch den der Admiral Fölkersahm getötet wurde. Das Schiff sank dann von weiteren Schüssen getroffen, um 3 Uhr nachmittags. Die Ueberlebenden von dem Dmitri Donskoi erzählen, sie hätten, als der Kampf Samstag mittag am heißesten war, zwei russische Torpedobootszerstörer sinken sehen: somit sind, falls dies richtig ist, fünf russische TorpedobootsKerftörer gesunken.
Roschdestwenski und die anderen Gefangenen.
Admiral R o s ch d j e st w e n s k i ist im Marinehospital von Sasebo angenommen. (Sasebo ist bekanntlich die japanische Station für russische Gefangene.)
Tie Londoner japanische Gesandtschaft veröffentlicht fol
gende Tepesche aus Tokio: An Bord des russischen Torpedobootszerstörers Bidowy wurde kein anderer Admiral außer RoschdjestwenSki gefangen genommen. Tie Meldung, daß gleichzeitig noch ein Admiral gefangen genommen wurde, beruht aus einem Schreibfehler. — Der Mikado hat Togo ermächtigt, daß er dem Admiral Nebogatow gestatte, dem Kaiser von Rußland einen Bericht über die Seeschlacht und eine Liste über die getöteten, verwundeten und in Gefangenschaft geratenen Russen zu übermitteln. Ferner ermächtigte er Togo, die Offiziere der Schiffe Imperator Nikolai I., Orel, General-Admiral Apraxin und Admiral Ssenjamin, die sich ergeben haben, auf Ehrenwort zu e n t l a s s e n.
Die Gattin Roschdjestwenskis hat von ihrem Gemahl ein Telegramm erhalten, worin dieser mitteilt, daß er an drei Stellen v erwun d et sei.
Ein Telegramm aus Tokio besagt, Roschdjest- wenski habe einen Schädelbruch erlitten, der eine Operation nötig mache. Sein Zustand sei ernst, aber nicht lebensgefährlich.
Auf der Liste der Verwundeten und Vermißten steht bei den Japanern der Admiral Misu als Verletzter, bei den Russen außer den gefangenen Roschdjest- wenski und Nebogatow und dem getöteten Fölkersahm der Admiral En//uist, der auch ertrunken sein soll.
Nach Wladiwostok entkommen.
Tie bisherigen Berichte meldeten von dem Entkommen des Kreuzers Almas nach Wladiwostok. Heute nun meldet die Petersb. Telegr.-Agent., auch der Kreuzer Jsumrud sei in Wladiwostok angenommen; ferner der Torpedobootszerstörer Bravy mit vier Offizieren und 197 Matrosen von der Besatzung des Linienschiffes Osiljabja.
Ein russischer Schlachtbericht.
Russische Blätter bringen einen Schlachtbericht des Kreuzers Almas aus Wladiwostok (wodurch erwiesen zu sein scheint, daß der Almas und der Jsumrud die einzigen zwei gertteten russischen Schiffe sind). Wir entnehmen ihm folgendes:
Der hartnäckige, unbarmherzige Krampf begann nachmittags 1 Uhr und dauerte bis tief in die Nacht; er bot folgendes Bild: Die Hilfskreuzer Ruß und Ural versanken: die Besatzungen wurdm von anderen Schüfen ausgenommen. Nikolai I. Tente*.te Vollständig, so daß der Stiel nach oben ragt. Der Orel, dessen Schornsteine und Masten weg- aeschossen wurden, steht In Flammen. Die Aurora wird mehrfach getroffen und büßt ebenfalls zwei Masten ein. Zwei Schiffe vom Typ des Borodino legen sich auf die Seite, vermögen sich aber zu halten. Augenzeugen behaupte, daß drei japanische L-chjffe untergegangen sind, eines mit drei Schornsteinen ein anderes vom Typ Nissin und das dritte von unbekanntem Typ. Vor Sonnenuntergaug war der erste japanische Torpedo- angriff abgeschlagen. Es scheint, daß die Japaner ihrenSieg übertreiben. Der Dampfer Jnoire war Zeuge des Kampfes. Admiral Nebogatow geriet in Gefangenschaft, weil der Nikolai I. kenterte. Admiral Roschdjestwenski gab in der Schlacht am Samstag schon gegen abend das Signal „Schießen einstellen! Der Feind zieht sich zurück". Die Torpedoangriffe begannen in der Nacht. Die See ging hoch, wesbafb die beschädigten Schiffe nntergingen. Der Kommandant des Almas sah ein japanisches Kanonenboot kentern und einen japanischen Kreuzer versinken.
Englische Schlachlberichie.
„Daily Mail" wird aus Tokio gemeldet: Von den japanischen Schlachtschiffen ist die „Asaki" am häufigsten getroffen worden: sie erlitt die schwersten Verluste, verließ aber die G.fechtsliuie nicht. Bald nach Beginn des Kampfes wurde der Steuerapparat des Transportschiffes Kamtschatka beschädigt, der Kapitän getötet und zwei Offiziere verwundet. Tas Schiff fuhr hilflos in der Runde umher, bis eine Granate die Maschine zum Stillstand brachte. 25 Mann von der Kamtschatka retteten sich in Booten, die übrigen kamen um. Ter Kapitän des russischen Kreuzers Admiral Nachimow berichtet, anderthalb Stunden nach dem Beginn der Schlacht verspürte man aus dem Schiffe eine Erschütterung, die offenbar von einer Mine oder einem Torpedo herrührte. Das Schiff sank schnell. Tie Mehrzahl der 600 Mann starken Besatzung versank mit dem Schiff.
Der Korrespondent des „Daily Telegraph" bei der japanischen Flotte sendet aus Tokio nachfolgenden Bericht über die Schlacht:
Die Russen liefen Samstag 5 Uhr morgens in die Koreastraße ein. Die vereinigte japanische Flotte verließ bald darauf ihre Basis: ein Teil wurde detachiert, um die Russen an die Insel Jki heranzudrängen, aber die Russen liefen an der Insel Jki mit aller Kraft vorbei. Der nördlich von der Insel befindliche Teil, der japanischen Flotte verlegte ihnen den Weg und die Schlacht begann. Togos Schiffe manövrierten mit vollkommener Präzision: sie beschossen die feindlichen Schiffe von vorn und beiden Seiten. Eine Zeitlang wechselten die Kämpfenden Sch-uß auf Schuß, aber schon nach wenigen Stunden war Roschdjestwenski wirklich geschlagen; es singen an, sich Unsicherheiten in der Taktik seiner Flotte zu zeigen, die bald in die äußerste Verwirrung überging. Die Japaner erkannten, daß der kritische Moment gekommen sei, und verdoppelten ihre AnstrenOungen. Um 2.10 Uhr hatte das Feuer feinen Höhepunkt erreicht. Während der ganzen Zeit dampfte die russische Flotte langsam nordwärts, aber die Japaner manövrierten dementsprechend^ indem sie relativ ihre ursprünglichen Stellungen beibehielten. Tie Japaner hielten die Schiffe östlich, ewßlich imd nördlich von den russischen Schiffen: diese befanden sich so gewissermaßen in einer Sackgasse, woraus es kein Entrinnen gab. Zwischen 3 und 5'Ubr nailmittags gingen ein Kr uzer vom Nachimow-Typ und die Kamtschatka unter, nachdem ilrre oberen Teile in Splitter zerschossen waren. Darauf brach bei den Russen die äußerste Unordnung aus: einige Schiffe stihren nach Westen, einige nach Osten. Von dem Augenblick an war es klar, daß Rösch- djestwenski v ollständig geschlagen war. Die Japaner schlossen sich dichter an die Russen, wobei ibr Feuer verderbenbringender wurde. Die Russen, in äußerster Verwirrung, bildeten nicht länger eine einheitliche Flotte, sondern lösten sich in eine
Anzahl einzelner Teile auf, die allmählich an die Küste heran- gedrängt wurden. Togo riskierte nichts und verlor nichts. Der Wind ließ nach, die See ging ruhig. Die russischen Schiffe drangen immer noch nordwärts vor, während die Ja* Pauer ihnen den Weg zu verlegen suchten. Nunmehr begann das Wert der Nach^. Nach Einbrechen der Dunkelheit gingen die Torvedoboote und Torp"dobooiz'ncstörer wie ein großer $5eu<< schreckenschwarm vor und stürzten sich auf den Feind. Ihr Vorrücken wurde durch heftiges Feuer der japanischen Kriegsschiffe gedeckt, während unzählige Scheinwerfer ihr Licht nm- herirren ließen. Dem Feind wurde keine Ruhe gegönnt, nicht einen Augenblick ließ das Feuer nach. Bald nach 2 Uhr nachts wurden die Torpedoboote von neuem losgelassen. Der Nachtkamp endete mit dem Untergang des Mexander III., des Ossljabja, des Navarin. des Orel (?), des Ural und dreier Kanonenboot». Mit Tagesaubruck-, Sonntag, kamen die japanischen Schiffe noch dichter an die Russen heran. Den ganzm Tag aber wütete die Schlacht in unverminderter Heftigkeit; die Russen waren jedoch in einer Stellung, die keinen wirksamm Widerstand ermöglichte.'
Die Nachricht von Untergang des „Gromoboi" eine Lüge?
Petersburg, 31. Mai. (Petersb. Telegr.-Ag.) 23e* züglich der Gerüchte über den Untergang deS Kreuzers! Gromoboi erklärt der Admiralstab, daß sich der Kreuzer irr Wladiwostok befindet und am Kampfe nicht teilgenom- men hat. (Aus dieser offiziösen Petersburger Meldung ist keineswegs der unbedingte Schluß zu ziehen, daß man in der russischen Hauptstadt genauen Bescheid weiß über die Vorgänge rm äußersten Osten. Der Kreuzer kann trotz der gegenteiligen Petersburger Annahme sehr wohl den Wladiwostoker Hafen verlassen und durch einen unseligen Zufall einer japanischen Mine z,um Opfer gefallen sein D. Red.)
Woher kommen Japans gewaltige Erfolge?
Jü Tokio wi.d, Reuter zufolge, zuversichtlich angenommen, daß in der Schlacht in der Tsuschimastraße zu nt ersten Male und in wirksamer Weise Unterseeboote amerikanisch-holländischer Erfindung angewendet wurden. Theoretisch wäre am Samstag die See für Unterseeboote zu stürmisch gewesen, Sonntag nachts aber war ruhiges, klares Wetter und das Land auf vierzig Meilen von dev Tsuschimastraße sichtbar.
In Pariser Marinekreisen hält man an der Ansicht fest, daß an der fürchterlichen Katasirophe in der Koreas straße nicht allein die Unfähigkeit der Führer, sondern Verrat eine wichtige Rolle gespielt hat. Ins. besondere sei das Verhalten Nebogatows mehr als verdächtig. Daß zwei große moderne Küstenpattzer und ein modernes Schlachtschiff die weiße Flagge hißten, sei eine Erscheinung, bei der es nicht mit richtigen Dingen zuge^ gangen sein könne.
Einem römischen Telegramme aus Tokio zufolge soll Nebogatow erklärt haben, er habe sich desha^ ergaben, weil er entrüstet über das Vorgehen Roschdjestwenskis gewesen sei, welcher entgegen all. gemeiner Ansicht die Meerenge von Korea passieren wollte.
In Petersburg wird behauptet, angeblich auf Grund eingetroffener, aber nicht veröffentlichter Berichte, daß eine Hauptursache des. Untergangs der russischen Panzerflotte in den Maschinisten zu suchen sei, die ihre Posten auf Verabredung verlassen hätten.
Kein Friedensschlutz.
Au den Friedensgerüchten erfährt unser Berliner Korrespondent von absolut unterrichteter Seite, daß vorläusig keine Aussicht auf nahen Friedensschluß besteht. Der Zar will den Krieg fortsetzen, jede Vermittlung wird zu^ rückgewiesen werden. Seine letzten vagen Hoffnungen gelten nunmehr einem unmöglichen Erfolge des Heeres untci Linewitsch.
Namentlich die deutschen Börsenplätze, weniger 5et Londoner und am allerwenigsten der Pariser, gaben sich indes den von Petersburg kommenden Gerüchten über einen bevorstehenden Friedensschluß hin und setzten daher die Kurse in die Höhe. Witte soll dem Zaren unverhohlen und gründlich seine Meinung gesagt haben — darauf beschloß, wie eg heißt (I), der Kaiser, der Krieg wird fortgesetzt und Witte wird kaltgestellt. Den europäischen Brächten aber fällt es jetzt ebensowenig als vor Wochen und Monaten ein, in die Angelegenheit irgendwie einzugreifen.
Der in Zarskoje Selo unter dem Vorsitz des Zaren abgehaltene Kriegßrat soll nach einer anderen Dteldung beschlossen haben, den Krieg bts aufs äußerste fort zu setz en. Nach dem Kriegsrate empfing der Kaiser den Minister Witte, der veranlaßt wurde, sofort die Volksvertretung ein 31t berufen. Das vierte Ge- chwader erhielt den Befehl, nicht au 8z u laufen. Admiral Birilew wurde sofort zurückberufen. (Mit der Einberufung der Volksvertretung will man wohl das aufs äußerste erregte Volk beschwichtigen.)
Der Truppentransport nach der Mandschurei soll ein* gestellt worden sein. j
Die in London verbreiteten Gerüchte, daß der Zar einen! Sel bstm ord versuch unternommen habe, wurden sofort auf der russischen Botschaft als böswillige Erfindung bezeichnet.
Nußlandr Preffe.
Die furchtbare Niederlage wird von der gesamten russischen Presse als ein neues schweres Unglück kommentiert, aus dem c8 nur einen Ausweg gebe, die sofortige Einberufung der Volksvertretung, welche dahin entscheiden siflfie,; daß für diesen finnlofen Krieg genug Opfer gebracht finbj Nur der kriegerische „Swjet" macht eine Ausnahme, er schreibt: Zu Wasser sind wir besiegt, wir werden zu


