tvelches Glück, 7-rcncrcid) Wiedersehen und ihm dienen zu können. Die Haltung des deutschen Kaisers ist bezeichnend, Frank- iveich muß alle guten I-ranzosen üTjne Unterschied der Partei um die französische "ahne sammeln." Teroulöde reiste heute obend nach Paris ab.
Tanger, 31. Eft. «Haves.) Ter französische Gesandte hat Fez am 26. Oktober verlassen. Auf Befehl des Sultans gaben ihm Sid Mohammed cl Torres und Sid Denon Ghenncrm bis auf einige Entfernung von der Stadt das Geleit Tiefe höfliche, sonst ungebräuchliche Kundgebung bewein, dost der Sultan mit den fremden Missionen ausgezeichnete Beziehungen m unterb-'ltw wünscht.
Aus Stadt mrd Am-.
Gießen, 1. November 1905.
” Die Vereinigung für gerichtliche Psycho- kogic und Psychiatrie im Großherzogin ni Hessen hält ihre dritte Sitzung am SamStag, den 4. November, 12 Uhr mittags, in der Großh. Landesirrenanstalt Goddelau (Philippshospital) ab. Auf der Ta g c s o r d n u n g stehen u. a.: Geschäftliche Mitteilungen, Besichtigung der Anstalt, sowie ein Vortrag „Die Schwachsinnigen in Gesetzgebung und Praxis". Berichterstatter Direktor Mayer. Im Anschluß an diesen Vortrag wird Oberarzt Dr. Ostwald einige Kranke (Schwachsinnige) vorstellen. Korreferent ist ein noch zu bestimmender Jurist. Um 5 Uhr findet ein gemeinsames Mittagessen in der Anstalt (trockenes Gedeck 2 Mk.) statt.
"Die für 19 0 7 geplante hessische Landesausstellung für freie und angewandte Kunst hat sich das Ziel gesetzt, ein vollständiges Bild der hessischen Leistungen unserer Zeit auf dem Gebiete der Kunst zu geben. Das Gebiet der angewandten Kunst soll die Kunstindustrie und das Kiinsthandwcrk umfassen, insoweit sie von im Lande ansässigen Betrieben auSgeübt werden. Unter diesen kommen hauptsächlich in Betracht Schnitzereiwerkstätten, Werkstätten für kunstgeiverbliche Metallarbeiter, Gold- und Silberschmiede, Juweliere, Kunstglaser und -Töpfer, Lcderwerkstätten, Kunstwebereien, Kunstschrcinereicn, Kunst-Schmiede und -Schlosier, Betriebe, die Teppiche, künstlerische Tapeten, Wandbespannstoffe, Linoleum und bergt Herstellen, u. a. m. Um ein Bild zu gewinnen, in welchem Umfange auf Beteiligung bei der Ausstellung gerechnet werden darf, beabsichtigt die AuS- stelllingsleitung, alle Interessenten nächstens nach Darmstadt zu einer Besprechung einzuladen. Die Großh. Kreis- äncker werden die hierfür erforderlichen Unterlagen insofern schaffen, als sie durch Umfrage bei allen etwa in Betracht kommenden Körperschaften und Betrieben feststcllen werden, wer zur Teilnahme an der Besprechung aufzufordern sein dürfte. Das Ergebnis der Umfragen wird der Ministerial- abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe zur weiteren amtlichen Behandlung vorgelegt.
" Tierschutz. Infolge des früh ciugetretenen Frostes sind zahlreiche Zugvögel auch hier in Oberhessen an ihrer Reise nach dem warmen Süden gehindert und nun durch Hunger und Kälte gezwungen, sich in der Nähe menschlicher Wohnungen aufzuhalten. Schweizerische und deutsche Tierfreunde sind darum auf den originellen Gedanken gekommen, diese Tiere zu sammeln und wohlverpackt mit der Eisenbahn nach Italien zu schicken, wo man sie dann fliegen läßt. Da sie 511m größten Teil den Transport gut überstanden haben, so verdient dieses Werk die Unterstützung aller derer, die fürs Wohl und Wehe der Vogelwelt sowie für ihre Nützlichkeit Interesse und Verständnis haben. Der Kunstgärtner Jakob Velten zu Speyer hat eine Aritt ah ine fiel le für eingefangene Schwalben errichtet
I uno schickt sie dann mit dem D-Zug nach Italien. (Nachdruck erwünscht.)
** Ein politischer „Verbrecher" aus v 0 r - märzlichen Tagen. Wir Menschen der fw-geittoart möchten kaum glauben, welchen Truck in der Z zwischen 1816 und 1848 alle Regungen polt er Art fanden. Ganz im Unterschiede von steute waren cs damals die akademisch Gebildeten, die man, weil man ihnen nicht über den Weg traute, der Beaufsichtigung der Polizei unterstellte. Namentlich hatte es Metternich seit dem Wartburg- feste von 1817 auf die Studenten abgesehen. Sie wurden argwöhnisch beobachtet, und wer sich erlaubte, an den demagogischen Bestrebungen der damaligen Zeit 2lnteil zu nehmen, der tat gut daran, seine Auswandererkiste zu packen und sich im Staate Missouri und Illinois eine Existenz zu gründen; denn an eine Anstellung in seinem Vaterlande brauchte er nicht mehr zu denken. Tas beweist eine Verhandlung, die im Jahre 1833, also in dem Jahre des Frankfurter Putsches, in der Hess. 2. Kammer geführt wurde. Ter cand. jur. Kart Soldan aus Rüsselsheim hatte in einer Eingabe an die 2. Kammer gebeten, daß er die ihm bisher vom Ministerium des Innern und der Suftb verweigerte Zulassung zum Fakultätsexamen erhalte. Tie Vergehen, die sich Soldan hatte zu schulden kommen lassen, waren nach der Ansicht der Regierung sehr schlimmer Art. Ms sich der junge Mann zum erstenmal zum Examen gemeldet hatte, waren ihm alle seine Verfehlungen vorgehalten worden. Er war 1828 in Gießen wegen Teilnahme an der b u r s ch c n s ch a f t l ich e n Verbindung relegiert, später jedoch vom Großherzog begnadigt worden. Trotzdem, so behauptete die Polizei, hatte er fortwährend noch Umgang mit der bestehenden Studentenpartei gepflogen. Insbesondere hatte er 1831 an einer von dieser Partei veranstalteten solennen Fahrt nach Friedberg, sowie an einer von Studenten und Handwerkern einberufenen Versammlung auf der Heuchelheimer Mühle tcilgenommcn. Endlich war er — und das war das schlimmste — unter denen gewesen, hie dem von Darmstadt weggewiesenen und durch Gießen eskortierten Herrn Fein aus Braunschweig vor dem „Einhorn" ein Vivat ausgebracht itnb ihn bis zum Walltor begleitet hatten. Tiefe Tatsachen, so meinte die Anklage, berechtigten zum Schluß, daß Soldan an den burschenschaftlichen Tendenzen noch Anteil nehme. — Ter 3. Ausschuß der zweiten Ständckammer faßte einstimmig den Beschluß, die Staatsregierung zu ersuchen, den Soldan ztlm Examen zuzulassen, zugleich aber auch gegen Den verantwortlichen Chef des Ministeriums des Innern und der Justiz Beschwerde zu führen, daß er den Bundesbcschluß von 1819 in mehrfach verschärfender Weife gegen die Studenten in Gießen in Anwendung bringe. — Wie es dem gemaßregelten Kandidaten weiterhin gegangen ist und ob seine Petition Erfolg gehabt hat, wissen luir nicht. Wir hoffen, daß er das Examen hat machen dürfen und später, wie es mit manchem jungen Brausekopf in der Folgezeit gegangen ist, unter Verleihung von Titeln und Orden zu einer hohen Staats- stcllung emporgestiegen ist. Vielleicht weiß ein alter Gießener darüber zu berichten. (Nachdruck verboten.)
t. Reiskirchen, 30. Oktober. Heute morgen schnitt sich ein Geselle des Schreinermeisters Dainm hier an einer Kreissäge in der neu mit Motorbetrieb eingerichteten Schreinerei drei Finger feiner rechten Hand vollständig ab. Man brachte den Beklagenswerten sofort nach Gießen in die Klinik.
R. V. Darmstadt, 31. Oft. Tie sterbliche Hülle des Wirkt. Geheimrats D. Tr. Goldmann wurde heute nachmittag unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung von Leidtragenden aus allen Ständen zu Grabe getragen. Das Trauer- Hans, in dem die Einsegnung der Leime stattfand, vermochte nicht
I alle zu fassen. Nachdem Pfarrer Walz den Trauerakt volb- zogen, begleitete ein langer Zug von Leidtragenden den Tab» | geichiedenen nach dem Friedhof. Wir bemerkten als Vertreter des Großherzogs Herrn Obersthofmarschall v. WesterweUcr, lernet die Herren Justiz Minister i. P. Dr. Tittmar, Finanz Minister Gnauth. Geh. Stac'Srot Krug von Nidda, Geheimrat Braun, Generalmajor und Stadtkommandant v. Lyncker, weiter Ober- komistorialvräsidcnt D. Buchner, Prälat D. Walz. Obcrkonsist». rialrat Flöring, Geh. Kab'nettsrat Römheld. Geh. Regierungsrat Haas u. v. a. Pfarrer Walz hielt am Grabe eine kurze Andacht, und dann rief Prälat D. Walz dem ehemaligen langjährigen Präsiderrteu des Oberlonsistoriums h erzlichc, ergreifend: Worte des Abschieds und Tankes nach, znm Schluß einen frack» vollen Kranz niederlegend. Von Sr. königl. ^ohut dem Groß. Herzog war ein großer Lorbeerlranz mit Schleife in den Landesfarben gesandt worden. Sonst wurden, da Blumcns.'-enden dankend verbeten waren, nur noch von einigen Kirchenvorständen und Wohltätigkeitsvereinen, denen der Verewigte nahe stand, Kränze niedergelegt, — In Gegenwart der SScrtn’tcr der Staats-, Militär- und Gemeindebehörden, sowie des Großh. Oberkonsistoriums und zahlreicher Gnneindmiitglieber fand heute mittag auf der herrlich gelegenen Anhöhe vor der Heerdwegstraße die Grundstein. Legung zu der neuen Pauluskirche statt, welche die Jlird-.cn« gemeinde Bessungen zu errichten beschlossen hat. Nach ’bem Ge- meindegesana „Ein feste Burg ist unser Gott" hielt der Geistliche der Gemeinde, Pfarrer Rückert, eine ergreifende Fest, ansvrache, welcher die Worte des Apostels Paulus an die Evhesei 2. Kap. 19—22 V. zu Grunde gelegt waren. Das neue Gotteshaus soll ein steinernes Sinnbild des großen Apostels sein und Licht und Segen, Glauben und Evangelium verbreiten helfen. Nach einem Chorgesang des evang. Kirchengesangvercini Bessungen verlas der Geistliche die für den Grundstein bestimmten Urkunden und dann erfolgte nach Gebet die Schließung des Grundsteins, auf welchen die üblichen Hammerschläge vom Ober- konsistoriaspräsidenten^O. Buchner Prälat D. Walz, Oberbürgermeister Morneweg, Stadtkommandant Generalmaior v. Lyncker, dem Erbauer Prof. Putzer u. a. abgegeben wurden. Wechsel- gesang zwischen Kirchenchor und Gemeinde, sowie daS allgemeine Lied: „Nun danket alle 6k)ff" schlossen die schöne Feier.
^ünbeC urh Berk-' r. Doläsrvinscklrfl.
Paris, 31. Oktober. (B ö r s e n - B e r i ch t.) Atü Nach, richten aus Rußland verkehrte die Börse in sehr fester Tendenz. Allerdings fanden nur bei Beginn größere Umsätze statt. Infolge der Verschiebung der r u s s i s cl) e n A n l e i h e und der nur unerheblichen Engagements zeigte der Geldmarkt eine große Flüssigkeit. Ter Satz für Schiebungszwecke stellte sich im Parkett auf IV, pCt, für Goldshares auf 3’/* bis 4 pCt. — Morgen bleibt die Börse geschlossen.______________________________________________________________
Briefkasten der Redaktion. lAnonymc Anfragen bleiben unberücksichtigt».
C. I. Bei der Fahnenweihe der Gciil'schen Feuerwehr ha> für den Cchlächtervereiu Brüderschaft desien Vorsitzender, Karl H ö n m an», ein- Fahnenschleife überreicht. Kaufmann Berdur sprach im Namen des Vereins ehemaliger Jäger und Schützen und nicht für dic Feuerwehr zu Heuchelheim, wie Sie^mnehmeu^^^
„Kupferberg Gold" (Mainz) zeichnet sich durch seine hervor- ragenden Eigenschaften, vorzüg« iichen Geschmack, leichte Art und große Bekömmlichkeit aus, und mutz deshalb unter den ver« schiedenenSectmarkenals unübertroffen angesehen werden.
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Gr kupferberc _ GOLD ,
kommt, die Natur leiten, die allen gebietet; das aber war ein sträflicher Fehler, und die den Sinnen untertane Menschlichkeit fügte sich dem hohen Recht der Liebe.
Doch man kommt über die arge Klippe der widersinnigen Dir.: mverdung Tesiröes, - ie den Glücklichen elend und den .Elenden glücklich macht, nicht hinaus. — Jst's nichts als jähes Mitleid mit den durch den plump erfundenen Kaminbrand gar so urplötzlich zwickenden Schmerzen Philipps, ist's dessen suggestive Liebeskraft, daß sie ihm zur Spelunke folgt, wie dem Flötenspieler von Hameln die Natten folgten, — man weiß es nicht. Und kaum weniger verständlich ist oer jähe Eharakterwaudel des Grasen, der int ersten Akt äußersten Zartsinn,die selbstlose.Weichheit des..königlichenKaufmanns" Shakespeares, im letzten rasende Rolandshärte zeigt.
Tie in Einzelheiten ko schöne Dichtung ist doch, wenn matt sich auf die Warte des die Weltliteratur Betrachtenden stellt, eite lStückwerk und kein günstiges Zeichen für die Höhe der dramatischen Dichtkunst unserer Tage. Die Dichtung gibt uns feinen Wechsel auf eine aussichtsreiche, befruchtende Zukunft, sie eröffnet keine neuen Bahnen; int Gegenteil. Gedanken- und Stoffnot trieb den lyrischen Dichter auf die altalthergebrachten Geleise dramatischer Knust, auf denen er sich nicht mit sonderlichem Geschick bewegt, ja sogar mit manchem Ungeschick in der Technik und im Gestalten von lebcusstarken Ch-arakteren. Seine zum Sterben geborenen Menschen r tteln an den Toren ihrer Seelen, ohne daß einer zum anderen kann. Gewiß spürt man allenthalben des Dichters poetische Kräfte, die aber bemüht sind, sich brunftig auszulassen an einem Stoffe, der fern ist allem objektiven Leben, das doch die unerschöpfliche Quelle des Dramatikers ist. Groß ist sein Vermögen des rein dichterischen Ausbaues, aber ebenso groß ist feine ganz undramatische Redseligkeit; groß ist seine Virtuosität des Sagens, aber nicht sehr viel weniger groß sein Mangel an SagenSwertem. So ist denn der „Graf von Eharolais" mehr eine an klingende Versarien erinnernde reiche Sprechoper gleich Maeterlincks „Monna Vamta", als eine große dramatische Symphonie gleich den Werken des genialen Wiener Meisters Grillparzer, dessen Geist nur von fönt über ihr schwebt; ein starkes Buch, jedoch ein schwaches Drama, eine schönheitsreiche Erfüllung, aber ganz und gar keine Hoffnung.
Das Bühnenabbild dieses Werkes erfordert in den drei mittleren Akten eine hohe dekorative Kunst. Unsere Regie hatte sich möglichste Mühe gegeben, nach Kräften den Intentionen des Dichters zu entsprechen, der ja ein Freund ist von äußeren Effekten, jedoch den örefchen von der Perspektive des Dramas mehr wie ein Schauender als wie ein Schaffender gegenüdersteht. Natürlich wäre es außerordent- lich schwer gewesen, hätte es allzu vieler Proben bedurft, wenn man 'Gestalten und Gruppen etwa in den Stil der großen Meister des Pinsels jener Zeit hätte hineinwachsen lassen wollen. Nicht nur im Kostüm, sondern auch im seelensregelnden Antlitz war allein Herr Leffler vom Hostbeater in Wiesbaden ein vollendetes wandelndes Porträt des Velasquez. Gar gern sähe ich ihn als Wallenstein, oder auch als Großen Kurfürsten in Kleists „Prinzen von
Homburg". Herr L. hat viel, sehr viel von der großen Kunst Sonnenthals. Ich meinte in mancher Szene ihn, den unerreichten Meister des Wortes, zu hören. Prachtvoll ist sein sonores, schmiegsames, volltönendes, ausgiebiges Organ. Er versteh» es auch, hauszuhalten mit dem subtilen Instrumente seiner Kehle. Wellen von Wohllaut entquollen seinem Munde. Den hat er in der Gewalt wie ein Gesangskünstler, wobei es ihm fteilich mitunter passiert, daß, um den Ton mit feinster Nuaneierung ganz nach dem jeweiligen Gefühl zu modeln, der Mund eine unschöne Form annimmt. Daß er das Aeeelerando mehr bevorzugt als das Ritardando, manchmal ein wenig auf Kosten der lyrischen Schönheit, war angesichts der Länge des Theaterabends auch ein Vorzug. Für den Titelhelden des Heer-Hofmannschen Dramas ist Herr L. insofern nicht ganz der rechte Mann,als er ihm wohl eine Reihe von Jahren voraus ist, zum mindesten in den ersten drei Akten. Der Graf v. Eharolais ist ein phantastischer, junger Schwärmer, der in seine überzarten Stimmungen sich verliert. Die wundervolle Tiefe aber des Lefflerschen Organs zeigt vollendete männliche Reife, sie paßt vorzüglich für die überlegene Reife eines durch Leiden zum heldischen Selbstsiege gelangten Vollmenschen. Aber welche schöne Verinnerlichung gab er der dichterischen Figur, und wie einheitlich stand er — trotz des Dichters, und was z. B. Kirch in Frankfurt ganz und gar mißlang — von der ersten bis zur letzten Szene vor uns als einer, dessen Charakter auf das Wort gestellt ist: Herr ist das Schicksal über allen Dingen, doch hier bin ich's. Und wie fein durchdacht war seine Rede, ja jedes seiner Worte, jeder seiner Laute, wie wundervoll abgeftuft jegliche Empfindung: Resignation lind Staunen, Dankbarkeit und Glück, Entsetzen und Verzweiflung, Haß und Rache! Und bann, wie hoheitsvoll und groß versteht er seine Geste zu leiten — zu groß, zu Ionin'-cl) schier für den bettelarmen jungen Grafen. — Jedenfalls war es uns eine hohe Freude, einen so ausgezeichneten Künstler kennen zu lernen.
Die Frauengestalt des Dramas, Desiröe, war Frl. Donecker. Sie gab der Gestalt den Liebreiz der Jugend und die innige Seele. Sehr schön war ihre Szene mit dem greisen Vater. Da verband sie mit zarter Kindlichkeit deS Herzens die noch in der Knospe ruhende süße Reife deS WeibeS. Die Abwehr der Frau gegen Philipp, da ihre sichere Unbefangenheit zur Flucht sich anschickt, blieb nicht ohne tiefe Wirkung. Und im letzten Akte mar ihr LiebeS- erwachen aus empfindsamer Künstlerseele geschöpft. Aeußer- lichkeiten, wie Atemholen, Weinen und Seufzen, Aechzen und Stöhnen sind bei ihr noch nicht ganz bühnengemäß. Doch Frl. D. hat aligenscheinlich echten Künstlerehrgeiz; da wird ihr die Gewinnung von dergleichen technischen Fertigkeiten nicht schwer werden.
Herr W i t t m a n n lieh dem Präsidenten die Weisheit de§ Erfahrenen, dem nichts Menschliches fremd ist. Es liegt ja feiner etwas nüchternen Art nicht sonderlich, klinaende Verse
zu handhaben. Sein Ton hat etwas Schleppendes, Müdes, was ja hier nicht ganz unangebracht war. Im ganzen roar§ eine recht annehmbare Leistung. Die im roten Jtzig enthaltene Mischung von Alltäglichkeit und Dämonie, die eigentlich den geschlossensten Charakter des Stückes bedeutet und seine dankbarste Rolle ist, traf Herr Mendel ganz glücklich, und aus der Episodenfigur be§ Wirtes schuf Herr Reimer eine sehr, vielleicht allzu sehr lebendige originelle Gestalt. Allerdings kann seine lyrisch-balladeske Szene im dritten Akt? noch feiner nuanciert werden. Herr Lüttjohann hatte zwei große Szenen. In der ersten stellte er einen offenherzigen, munteren Burschen statt eines listig auShorchenden, geistig feinen Tändlers, in der zweiten einen zarten, opferfrohen Liebhaber statt eines mit äußerstem Raffinement vorgehenden Verführers hin. Ganz versagte Herr Steinmann als der Romont; er polterte den ganzen Abend über und es kam ihm nicht einen Moment in den Sinn, tiefer aus dem goldenen Herzen dieses treuen Freundes zu schöpfen. Zu loben Und dagegen noch die Herren Goll und Lippert in ihren kleinen Rollen. p. w.
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Eine „O ed i pus" -Tri l 0 qie von Hugo von Hof« mannsthal, die ihrer Vollendung nahe ist, soll noch in der eilten Hallte dieser Spielzeit im Deutschen Theater in Berlin m e^ene gehen. Das Werk besteht aus drei Abteilungen, die an zwei Abenden zur Aufführung gelangen. Der erste dreiaktige Teil betitelt sich „CebipuS und die Sphinr" und ist von Holmannsthal versaßt, -.er zweite einaktige Teil „Oedipus der König" ist die von Hotz mannsthal übersetzte Sophokleische Tragödie. Der dritte gleichfalls einaktige Teil ist wieder von Hosmannsthat und betitelt sich ,Te5 Oedipus Ende*'
~ Sie Stadt Osnabrück beschloß einstimmig und cndgiltig - ale- a,,u' der sofort in Angriff genommen werten ,ol'. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 570000 Mark: hiervon sollen 4aO 000 Mark durch eine Anleihe aufgebracht werden
G- r i ft i a n i a , 31. Okt. Gestern traf hier über Kanal» em Bries von der nach dem magn etischen N 0 r dpo l aus dem Schisse „Gsoea" entsandten Amundsen-Expedition em. .ter Brief ist ohne Datum, aber auf der Rückseite einer beigelegten Photographie steht „Sonnner 1904", sodaß der Dries wahrsasemlich von demselben Zeitpiinkte datiert. Der Brief "Gloea-Öasen. 68 Grad 30 Min. nördlicher Breite, 96 Gr. l0 Mm. westlicher Länge, König Wilhelmsland. Wir kamen yier am J. oebt. 1903 an, wo wir Station machten. Während der gan-n Zett waren wir mit wissensckmstlichen Arbeiten beschäftigt. 'm Bord alles wohl. Wir trafen mit freundlichen Eski- mos verschiedener Stämme zusammen. Tie Post wurde durch Eskimos nach Chesterfield Jnlet in der Hvdsonbal) befördert. ^Jir leben von Renntieren und Lachs. Tie niedrigste Temperatur betrug minus 61,7 Grad. Tie EisverhSltnisse bei unserer Ankunft hier ausgezeichnet, wurden aber <AA- .Sommers schlechter. Wir treffen hoffentlich int perbit 190a m San Franeiseo ein. Sendet deSbilb die Pvst vorthlm zollten wir nicht vorwärts kommen, so seid nicht ängstlich -tie „Gjoea" ist stark und kann die Schsvierigkcüah uoerwmden. Proviant ist g en u g v 0 r ha n d e n."
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