Ausgabe 
31.12.1904 Zweites Blatt
 
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154» Jahrgang

Samstag 31* Dezember 1904 a.« RatattonSdruck und Verlag der Brühl'fch«

M Unwerstlälsdruckeret. R. Lange. Stegen,

r Redaktror». Expedition u. Druckerei - ©d)ulfh.fe Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. i Anzeiger Gietzm.

Nr. 308 Drittes Blatt.

Erscheint tßgltch mit Ausnahme beS Sonntag-.

DieSiebener Samtltenblüttef* werden dem ,An-e»ael viermal wöchemllch betgelegt Der wS<IPId)l Landwirt*' erjchetru nwnatlld) einmal.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

«Deutsches Reich.

Bersin, 30. Dez-. Kaiser Wilhelm sandte an König Alfons von Spanien ein herzliches Telegramm, in dem er mitteilt, daß er die ihm verliehene Würde eines span. General-Kapitäns annchme.

Dem Preuß.Staatsanz." zufolge wnrd" dem n* teilungschef im Kricgsministerium Gadow bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst der Charakter als Wirkl. Geh. Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehen.

Frau Rosa von Thiele-Winckler, geb. Gräfin oon der Schulenburg zu Schorßow in Mecklenburg-Schwe­rin, früher in Mochowitz tu Oberschlesien, hat das ihr angetragene Amt einer Oberhv sme i steri n bei dem künftigen Kronprrn-zenpaare angenommen.

Tie Aeltesten der Kaufmannschaft Vertins haben am 21. Dezember an den Reichskanzler die Bitte gerichtet, in Erwägung zu ziehen, ob es nicht mög­lich sei, den Interessenten Sicherheit zu geben, daß sie bei geschäftlichen Transaktionen nach wie vor mit dem 1. Ja­nuar 1906 als frühestem Termin für das Inkrafttreten der neuen Handelsverträge rechnen könnten. Hier­auf ist seitens des Reichskanzlers unterm 29. Dezember den Aeltesten der Kaufmannschaft folgende Antwort er­teilt worden:

Nach der Lage der Verhältnisse könnm vorläufig keine genaueren Mitteilungen über den Zeitpunkt ge­macht werden, zu welchem die neuen Handelsverträge in Kraft treten sollen. Ich darf indes bemerken, daß zwischen der Be­kanntgabe der Verträge und ihrer Inkraftsetzung jedenfalls eine hinreichende Frist gelassen werden wird, um den Interessenten zu ermöglichen, sich in ihren geschäftlichen Unternehmungen auf die neuen Verhältnisse einzurichten.

Breslau, 30. Dez. Ter wegen seiner bekannten Duellassäre mit dem Kreisbaumeister Becker unlängst zu zwei Tagen Festung verurteilte Löwenberger L a n d r a t v. L o e f e n ist an die Magdeburger Regierung verseht worden.

Karlsruhe, 30. Dez. Im biestgen Bürgerausschuß hat die Bodenreform einen Erfolg errungen. Eine Vor­lage des Stadtrates, die verlangte, daß einer Firma ein städtischer Platz auf 50 Jahre in Erbpacht ge­geben werde, wurde mit allen gegen 6 Stimmen an­genommen.

Ausland.

Paris, 30. Dez. In der Angelegenheit Syveton ist gestern eine neue Zeugenaussage gemacht worden von der Witwe des verstorbenen Cassagnac. Diese erklärte, daß Syveton schwerlich aus Geldverlegenheit Selbstmord begangen haben könne, da er einige Tage vor der Katastrophe ihr noch geraten habe, das Format ihres Blattes zu vergrößern, wobei er sich mit einer halben Million habe beteiligen wollen. Es wurde alsdann eine weitere Zusammenkunft auf den 10. Dezember verabredet, aber am 8. war Syveton be­reits tot.

Wien, 30. Dez. Im Ministerium des Aeußern fand heute unter dem Vorsitz des Grafen Goluchowsky eine Ministerkonferenz in der Angelegenheit der Handelsver­tragsverhandlungen mit Deutschland statt. Die österreich-ungarischen Delegierten reisen am 2. Januar nach Berlin. ,

Petersburg, 30. Dez. Die Gesetzsammlung ver­öffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, durch welchen die deut­schen Schiffe, die zu gewöhnlichen Zeiten einen russischen Hafen anlanfen, von der Beibringung der Sanitätspatente befreit werden.

©eqenüber anderslautenden Meldungen ist festzustellcn, » das Urteil gegen den Mörder Plehwes, Sasonow und seinen Mitschuldigen Sikorski in Kraft bleibt daß aber die erkannten Strafen laut dem Manifelt vom 24. August 1904 auf 14 bezw. 10 Jahre Zwangsarbeit ermäßigt werden können. . o _

Helsingfors, 30. Dez. Die Beratung des Aus- schiißberichtes betr. die Petition um bte Wrederherstel- der gesetzlichen Ordnung wurde nunmehr auch von den übrigen drei Städten beendet. Der Bürgerstand hat sich mit 42 gegen 16 Stimmen für den Bericht oiisge- sprocheii der Bauernstand hat mit 42 gegen 17 Stimmen bie Rückverweisung an den Ausschuß bc chlossen und der Geistlichenstand faßte den Beschluß, sich reserviert zu halten Die beiden letzten Stande haben sich dafür ausge- lmaeben daß die Frage der neuen Regieriingssorm Finlands von de-'P-ti°n getrennt und besonders vorgeschlagen werden m ü ss e.

Aus Südwestasnka

Neue Kämpfe.

N -i.fi n 30 Dez. deutlich. General v. Troth a meldet kJ r hmit 29 Dez - Am 27. Dezember überfiel eine Aus -^ludhu ^omvaanie des Regiments Nr. 1 auf dem ber nctch Gibecm eine Witooiwerft bei

Ts u^-Garis'"Zwölf Witbois fielen. 1000 Stück Kleinvieh wurden erbeutet. ,

Oberst Leulwetn in Hamburg.

OT,. DamwerLueie Wörmann" ist der Gouventeur fH. "üboeftairifa Oberst Leutwein am Freitag tu Ham- öon md bat sich sogleich interviewen lasten. Tar-

b"ra eiiiqetw u u ,. p^rft mit setneu von der üfr .rf "<?nnnc gebräunten energischen Gesichtszügen ntacht i? Cs'inbrncf eines Kranken, aber in Wirklichkeck mochte er nicht^dm Ctnbnia n bie ihnt ein nervo,es.Fußlechen

^r^E.^^^'^n^dieses will er jetzt eine gründliche Kur m Italien bereiten Gegen or i Jobst könne er vorläufig, das

durchmachen Neber ö Auswärtigen Amt Rücksprache ge- W&L eb' er u w (5r betonte aber besonders, baß von

nommen habe,. ^c^lls "nichts geschehen sei, nm, chese Sachen seiner ^cite l^enn^v » Hendrik Witbot meinte

rhn9 Prutweto- '»er Alb- ist nicht mehr Serr feiner Seute seiner Sinuc! Sonst wäre fei.. Abfall gar nicht denkbar!"

Interessant ist, baß. als Leutwein , chm nach den ersten An­siedler-Ermordungen sagen ließ, für jeden weiteren Mord würde einer ber 80 Gefangenen (jetzt in Togo interniert) erschossen werden. Witboi entgegnete: Er (Leutwein) möge diese Ge­fangenen freigeben, denn sie hätten keinen Anteil an seinem (Hendriks'« Werk. Etwas half diese Drohung aber doch. Bald darauf fiel den Witbois ein Deutscher in die Hände, und sie brachten ihn sofort auf von uns. besetztes Terrain und gaben ihm seine Freiheit. Ms Leutwein schriftlich bei Hendrik an­fragte, wie er dazu komme, plötzlichRebell" zu werben, ant- woftete er mit einem Schwulst von Fragen, zwischen bie er wiederholt eingestreut hatte:Nennen Sie mich nicht Rebell." Ter Oberst vermutet, baß zu der plötzlichen Auflehnung der Witboi sehr wesentlich bie übertriebenen und falschen Darstell­ungen jener 19 Witboi beigetragen haben, bie vor dem Kampfe am Waterberg vor uns ausrückten. Sie erzählten, bie Deutschen kämen nicht vorwärts, imb vermochten die Herero von bem Waterberg nicht zu ber treiben.

Leutwein äußerte ferner:Man hat mir Milbe vorgewor­fen und ich kann bas auch gar nicht so feig finden. Tie .Politik ist ein Rechnen mit Möglichkeiten und ich habe die Politik des Möglichen getrieben. Wenn ick 10 000 Mann zu meiner Ver­fügung gehabt hätte, so hätte ich auch anders auftreten können, als mit einer Truppe von 400 Mann. Ich war fest überzeugt, baß es auf mildem Wege gelingen würbe, mit den Eingeborenen in Frieden zu leben." Leutwein gab weiter an, daß es in ganz Afrika dermaßen gäre, daß ein Zen- tral-Aufstand befürchtet wird und alle Deutschen zusammen halten müssen.

Bemerkenswert ist auch, daß Leutwckn jetzt noch daran feft- halt, daß der Herero-Aufstand eine nicht vorauszu- ichende Ueberraschun.g gewesen ist.Ter Aufstand sei so plötzlich gekommen, daß nicht einmal die Ansiedler, die mitten unter den Hereros lebten, ihn geahnt hätten. Weshalb solle er, Leutwein, damals gerade mit den Bondelzwarts beschäftigt, besser orientiert gewesen sein?"

In dieser Hinsicht bleibt eben noch manches auf zu klären. Hier steht einstweilen Behauptung gegen B'hauptnng. Von mehreren Seiten ist gesagt u-nd geschrieben worden, daß es an biretien Warnungen an den Gouverneur aus Anfiedlerkreisen nicht ge­fehlt habe, daß aber diesen Warnungen keine Bedeutung bei­gemessen worden sei. Nun treten allerdings erfahrungsgemäß nach jeder Katastrophe Personen auf, die vermöge einer Selbst­täuschung erklären, sie hätten das Unglücklängst vorausgefagt". Also derartige Anklagen wollen mit einiger Vorsicht aufgenommen sein. Auf der anderen (Seite steht allerdings fest, daß.Sach­verständige von anerkannter Urteilskraft, namhafte Afrikaner, dasSystem Leutwein", die Eingeborenen mit zuviel Nachsicht zu behandeln, und den Uebergriffen der Händler nicht energisch genug zu begegnen, bereits seit geraumer Zeit als ge- jahrbringenb bezeickmet haben. Indessen wird man abzuwarten haben, ob und wieviel der Gouverneur bei der Anwendung »dieses Systems etwa von Wünschen oder .Direktiven beeinflußt wurde, die von Berlin aus an ihn gelangt sind. Noch heute aber scheint Leutwein auf dem Standpunkt derVersöhnungs­politik" zu stehen. Wenigstens geht das aus. der folgenden Bemerkung hervor:Tie Hauptsache sei, nicht siegen, sondern Frieden machen. Gesiegt Hütten wir genug". Mit dieser Auffassung dürfte sich der Oberst wohl in Widerspruch setzen mit den Ansichten, die über bie Dauer und Ausdehnung ber Expedition an maßgebender Stelle in Berlin herrschen.

Es ist anzunehmen, daß Leutwein schon in den nächsten Tagen eine Audienz beim Kaiser und eine Unterredung mit dem Reichskanzler haben wird. Eine persönliche Dar­legung Leutwejus dürfte möglicherweise im Reichstag erfolgen. Ter größte Teil des dem Gouvernement zur Verfügung stehen­den Materials ist allerdings in demWeißbuch", das dem Reichs­tag zugegangen, bereits enthalten. Immerhin wirb es von Wert für die Oeffentlichkeit fein, Oberst Leutwein selbst über seine Erfahrungen sprechen zu hören. Leutwein erhält dadurch zugleich die beste Gelegenheit, sich in vollem Umfange gegen die erhobenen Angriffe zu üerteibigen. Das Eine sollte jedenfalls nicht ver­gessen werden, daß der Gouverneur auch Verdienste besitzt, die Tank und Anerkennung beanspruchen können.

Mit dem PostdampferLueie Wörmann" traf ferner auch ein aus Teutsch-Südwestasrika znrückkehrender Transport verwun­deter und erkrankter Krieger, bestehend aus 10 Offi­zieren, 10 Unteroffizieren und Mannschaften ein. Tie Ankom­menden wurden von der Hamburger Kolonne des Roten Kreuzes begrüßt.

Wo sind die Herero?

Anschließend an eine Meldung des Generals v. Trotha, daß sich die Hauptmacht der Herero nebst Weibern, Kindern und Vieh in einem Gebiet befände, das an der Grenze von Betschuanaland läge, daß die Vetschuanen sich jedoch weigerten, sie aufzunehmen, schreibt S. Passarge in derT. Kol.-Ztg.": Mit dieser Nachricht wird eine Vermutung, die ick bereits vor einiger Zeit aussprach, bestätigt. Es gibt nur ein Gebiet, auf das diese Meldung paßt, das Kaukaufeld. Bereits im Jahre 1898 hatten sich Teile der Ovambandjeru dort niedergelofsen. Es enthält zahlreiche Wasserplätze und vorzügliche Weide. Wie eine Insel liegt das Kaukaufeld in dem zur Trockenzeit wasserlosen Sand­feld der Kalahari. Trei dauernd benutzbare Wege führen haupt­sächlich dorthin. Kalkfontein ist der Schlüssel des Kaukaufeld.es. Wer es besitzt, beherrscht auch den Zugang zu diesem, Gebiet. Wahrend der Regenzeit besteht eine Verbindung vom südlichen Kaukaufeld nach dem Tauch e-Ngami, zuweilen auch, d. h. nach sehr starken Regen, zum Chansefeld. Auf diesen Wegen ist also ein Entweichen der Herero möglich, und zwar während der Mo­nate Januar bis April. Es liegt auf der Hand, daß wir nicht eher eine völlige Unterwerfung der Herero erreichen werden, bis ihr letzter Halt, das Kaukaufeld, ge­fallen ist. Tann erst werden wir von so erheblichen Mengen erbeuteten Viehs hören, wie. jetzt im Kampfe mit Witboi in unsere Hände geraten sind (15 000 Stück).

Heber einen etwa notwendig werdenden Ovambo-Feldzug wird derWeltkorr." von einemmit den Verhältnissen in Südwestafrika vertrauten" Gewährsmann geschrieben: Es hat sich bitter gerächt, daß es nicht gelungen ist, den Hereros die Verbindung nach dem Ovambolande abzuschneiden. Dadurch ist Hunderten von Aufständischen geglückt, sich mitsamt ihrer guten Bewaffnung in das Ovambogebiet zu flüchten. Schon dadurch ist der Ovamboseldzug unvermeidlich geworden, denn die jetzt von den OvamVos gastlich aufgenommenen Hereros werden unaus­gesetzt ihre Gastfreunde zum Kriege gegen die verhaßten Weißen aufreizen. Es ist von Bedeutung, das Prävenire.zu spielen, wo wir ja jetzt eine Truppenmacht in Südwestafrika haben, wie wir sie dauernd dort nicht aufredji erhalten wollen und können. Bräche der 5krieg nach Ab^ug unserer Truppen und nach Jahr und Tag aus, so wäre das erste, daß unsere Minenindustrie, die in den dem Ovambolande benachbarten Gebieten getrieben wird, ebenso vor Eintreffen von Verstärkungen aus der Heimat zer­stört werden würde, wie im letzten Jahre die Farmen im Herero- laude und im Süden der Kolonie vernichtet worden sind. Zu alledem kommt noch, daß wir Revanche an den Ovambos zu

nehmen haben. Zwar ist es falsch, wenn ihnen die Ermord­ung der Händlersfamilie Paasch in die Schuhe ge* schoben wird, denn diese Familie ist nicht von Ovambos, sondern: von Owakuanearis ermordet worden, die politisch nicht %u. den. Ovambos zählen, aber wir haben den Ueberfall der Station Ambutoni durch den Häuptling Nechale noch zu sühnen. Ich tier* hehle mir nicht, daß der Ovambokrieg durchaus kein militärischer Spaziergang sein wird. Ein eben nach Europa zurückgekehrler Forschungsreisender, der auch das Ovamboland durchreist batr sagte mir, daß ber Volksreichtum der Ovambostamme alle feint' Erwartungen weit übertroffen hätte. Tie Ovambos könnend erheblich mehr Krieger ins Feld stellen, als die He« rero , wozu ja noch die Verstärkung durch 'die oben erwähnten. Hunderte von Hereros kommt. Sie haben reichlich Gelegenheiti gehabt, sich Munition und Gewehre einzuhandeln, ab tieferen davon,^ daß sie vor krrrzem den Portugiesen erhebliche Mengen vow Waffen abgenommen haben. Sie sind allerdings nicht so gut be­ritten und nicht so krie.gsgeübt wie die Herero und die Hotten» totten, aber sie sind ein äußerst kräftiger Menschenschlag, und haft sie gut schießen werden, glaube ich auch, denn sie haben trott Natur, was zum Schießen gehört: ein icharses Auge, eine feste Hand und stählerne Nervett. Eine weitere Erschwerung be& Feldzuges bilden die klimatischen Verhältnisse. Ter Krieg­muß sehr rasch geführt werden, denn wenn er in den fünf Monatew April bis August nicht beendet ist, so würde das Fieber die Reihew unserer Truppen dezimieren. Mit Rücksicht auf die klimatischm und sonstigen Verhältnisse Südwestafrikas hatte die deutsche Ko- lonialverwaltung schon vor dem Ausbruche der letzten Unruheni die Bildung einer Eingeborenen-Kompagnie verlangt, damit aber kein Glück gehabt. Ob es möglich sein wird, Eingeborenen-Truppat aus Teutsch-Ostaftika für den Ovamboseldzug mit zu verwenden, will mir fraglich erscheinen, denn der Schwarze klebt an der Scholle und an seinen Lebensgewohnheiten, und zwingen, kann man die Leute nicht. Die Schnelligkeit des Krieges wird mit der Raschheit der Proviantzufuhr in Verbindung stehen. Es gilt deshalb, möglichst rasch die Bahnlinie bis Tfume fortzuführen, ich glaube freilich kaum, daß dies bis vor Ende 1905 möglich fein wird. Mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der Proviant- nachfuhr hat sich auch, wie ich höre, die KolonialverwaltunÄ früher dem Eifer, mit dem militärische Führer in Südwest auf einen Ovamboseldzug hindrängten, entgegenHestemmt, jetzt fteilich kann der Feldzug aus den angeführten Gründen nicht mehr hinausgefchoben werden. Der einzige Vorteil für unsere Truppen besteht darin, daß das Land nicht annähernd die Terrain^ schwierigkeiten bietet, wie das Hereroland oder das Namaland^ Das Land ist flach, und so können die Truppen schnell vorwärts kommen. Auch wird dadurch den Maschinengewehren die Möglich­keit einer guten und ausgiebigen Verwendung geboten. Die Ein­geborenen werden die Verteidigung nach ihrer alten Gewohn­heit durch Pallisadenbauten zu führen suchen, die aber den modernen Waffen keinen Widerstand leisten können. Wenn sie sehen, daß es um ihre Sache schlecht steht, werden sie auf portugiesisches Gebiet überzutreten versuchen. Da auch die Portwi giesen ein Hühnchen mit den Ovambos zu pflücken haben, so wäre an und für sich ein Zusammenwirken mit den portu-, giesifchen Kolonialtruppen nicht unmöglich, aber aus mancherlei Gründen möchte ich zweifeln, daß es dazu kommen wird.

Der Krieg.

Port Arthur

Tokio, 30. Dez. (Reuter.) Zur Besetzung de^ Forts Erlun-gschan wird von der Belagerungsa-rwee; vor Port Arthur noch gemeldet, d- nach der Einnahmen des Forts eine kleine Abteilung der Russen zwischewd ber] Linie der Belcrgerungsgesch Ütze und der Bastionskehle Wider­stand leistete und erst gegen drei Uhr morgens vertrieben! wurde. Nach Aussagen von Gefangenen wurde die Mehr­zahl der Verteidiger getötet.

Tokio, 30. Dez. Tie Belagerungsarmee von Port Arthur hat nach heftigem Kampf den Niryo.-Hügel er- o b er L

Togo in Tokio.

Tokio, 30. Dez. Tie Admirale Togo und Kami- mura trafen vormittags mit ihren Stäben hier ein. Die festlich geschmückten Straßen Maren von einer dichtge­drängten Menschenmenge erfüllt. Die Vertreter des Kaisers' und der Kaiserin, die Miniiter, Staatsmänner und tausend« von Schulkindern begrüßten die Admirale am Bahnhoft die sich kaum einen Weg zu dem vom Kaiser gesandteni Wagen bahnen konnten. Die Admirale fuhren unter Ban-^ zairufen zum Marinedepartement, von wo sie sich nach kurzem Aufenthalt zum Vortrag bei dem Kaiser begaben.

Aldebaran.

Stockholm, 30. Dez. In der Angelegenheit des- DampfersLlldebaran", der seinerzeit nach der Aussage dep Besatzung von der russischen Ostseeflotte beschossen wurde> wurde vom Marinedepartement eine Kommission zur Unter­suchung hes Sachverhalts eingesetzt. DemAftonbladet"^ zufolge ersuchte die schwedische Regierung, nachdem dies! Kommission ihr Gutachten abgegeben hatte, die russischiN Negierung, eine U n t e r s u äi u n g der Angelegenheit vor­nehmen zu lassen, die bereits eingeleitet sein soll.

Die neue russische Anleihe.

Petersburg, 29. Dez. Die in den letzten Tagew geführten Verhandlungen betreffend eine neue russische An-- leihe führten nunmehr zu einem definitiven Ab-^ schluß. Die russische Regierung schreitet nunmehr zurt Ausgabe einer 41/2 p r o ze n t i g e n Anleihe im Betrags von 500000000 Mark, gleich 231500000 Rubel, büh auch aus holländische Gulden und Pftlnd Sterling lautet^ Tie Verlosung, Kündigung oder Konvertierung wird seitens) der russischen Regierung auf 12 Jahre ausgeschlossen. Tas, Uebernahmekonsortium unter Führung des Bmlkhauses Mendelssohn & E0. in Berlin besteht aus folgen-' den Bankhäusern und Bankinstituten: Mendelssohn & S. Bleichrödcr, Direktion der Dis kon 10 g e scll- sch ast, Berliner Handelsgesellschaft in Berlin, Lippmamt R 0 s e n t h a l L E 0. in Amsterdam, St. Petersburger Inter­nationale Handelsbank, St. Petersburger Diskontobank^ Russische Bank für auswärtigen Handel, Wolga-Kama-Kom^^ merzbank, Russisch-Chinesischc Bank in St. Petersburg unbC Moskauer Kausmannsbank in Moskau.

Kuroki und der Stammtisch.

Die Mitglieder eine - D ortmunder Stammtisches sandte^ am 24. September nachfolgendes Schreiben an den Ober­befehlshaber der ersten japanischen Armee,General KrL-