Ausgabe 
31.12.1904 Erstes Blatt
 
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Mädchen wurde schwer verletzt inS Krankenhaus gebracht. | In einer Wirtschaft in Sachsenhausen wurde ein junger Mensch durch die Kriminalpolizei verhaftet, der einem Trödler vier gestohlene Fahrräder zum Verkauf anbot. Er erbot sich ferner, noch zwölf Räder zu liefern, die er bei einem Freunde eingestellt habe. Der Dieb ist der erst vor Kurzem auS dem Gefängnis in Wiesbaden entlassene Arbeiter Willi Kruppeck aus Schlesien, der wegen Hehlerei und Dieb­stahl mehrmals bestraft ist. Die Räder wurden auf das Frankfurter Polizeiprästdium verbracht. Bei der gestrigen lWahl eines Abgeordneten zum Kreistag wurde für den^ Bezirk Grün berg Bürgermeister Zimmer einstimmig wiedergewählt. In Lauter ist ein Handwerksbursche in einer Scheune erfroren. Die Staatsanwaltschaft zu Gießen stellte den Tatbestand und die Personalien fest. liebet dad Vermögen des nach Unterschlagung beträchtlicher Summen von Kuchengeldern und Privatgeldern flüchtig gegangenen katholischen Pfarrers Karl Goldbach ans Hauswurz (Kreis Fulda) ist das Konkursverfahren eröffnet worden. Der flüchtige Pfarrer wird steckbrieflich verfolgt.

Aniversttäts-Yachrichten.

Heidelberg, 30. Dez. Wie man demHeidclb. Tagebl." mitteilt, bat das badische Unterrichts Ministerium ein-

neuen Jahres!

- Personalien. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog paben Allergnädigst geruht, am 28. Dezember den ordentl. Professor der Geschichte und Literatur an der Technischen Hochschule, Dr. Otto Harnack zu Darmstadt, auf sein Nach­suchen, mit Wirkung vom 1. April 1905, aus dem Staats­dienst zu entlasten (Prof. Harnack ist bekanntlich nach Statt-1 gart berufen worden) und den 2. Veterinärarzt bei dem Kreisveterinäramt Mainz Wilhelm Knell zum Kreisveterinär­arzt des KreiSveterinäramteS Bingen, mit dem Wohnsitz in Gau-Algesheim, den veterinärärztlichen Hilfsarbeiter bei der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege des Ministeriums des Innern Dr. Karl Beiling aus Karlsruhe zum 2. Vete- | rinärarzt bei dem Kreisveterinäramt Mainz, mit dem Range! emes KreiSveterinärarztes, beide mit Wirkung vom 16. Januar 1905, zu ernennen. Den, Lehrer Wilhelm Bechtold aus Rieder-Mockstadt wurde die 2. Lchrerstelle seines HcuuatS- borfeS übertragen.

Von der Landes-Universität. Sicheren» Ver­nehmen nach wird der ordentliche Professor der inneren Medizin und Direktor der medizinischen Klinik zu Greifswald Dr. Friedrich Moritz dem an ihn ergangenen Ruse als Nachfolger des Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Riegel Folge leisten und seine Tätigkeit ^nit den» 1. April k. Is. dahier

Buche von beinahe einem Meter Durchmesser zu werfen, im-I panierte ihnen die Leistung derart, daß sie sofort eine Anzahl Maschinen für Java in Auftrag gäbe»» und weitere Aufträge in Aussicht stellten. ES ist erfreulich, daß diese Erfindung eines unserer hessischen Forstwarte auch im AuSlaude Aner- kennung gefunden hat, roo sie zur Abrodung der Urwälder und gitr Urbarmachung des Bodens, insbesondere auch in I unseren Kolonien, weitgehende Verwendung finden dürste.

** Fünfziger Feier. Ter Bericht in vor. Nummer ist bezüglich deS zum Ausschank gekommenen Bieres dahin zu berichtigen, daß den ..Stosst' die Bichler'fche Brauere» lieferte

Darmstadt, 29. Dez. In» RestaurantKaisersaal" fand beute die Generalversammlung deS Land­wirtschaftlichen Provinzialvereins für Starkenburg I statt, der von zirka 200 Interessenten besucht war. Der Prä­sident des Vereins, Geh. Rat Haas, machte davon Mit­teilung, daß der ermordete Ingenieur Döring dem Verein 1 2 000 Mk. zur Förderung der O bst bäum - zücht testamentarisch vermacht habe. Prof. Dr. BackhauS- Berlin referierte überGeregelte Wasserwirtschaft, insbesondere Bewässerung des Ackerlandes in Landwirtschaftsbetrieben", und Dr. Krüger-Darmstadt über ,Mllchgewinnung und Milch- veriverttmg". I

Mainz, 29. Dez. Dieser Tage sollte Aschenbrödel in Szene gehen. DaS Haus harrte der Wunderdinge, und hinter den'Kulissen saß Aschenbrödel schon in feinem grauen, ärmliche»» Kleidchen, schritte»» die stolzen Schwestern einher. Doch der Vorhang wollte sich nicht hebe»» denn die böse Stiefmutter hatte die Influenza und konnte nicht erscheinen. AIS die Not am höchsten war, erinnerte sich der Regisseur, daß zu Shakespeares Zeiten Männer Fra ueur ollen spielten und was in England der Königin Elisabeth möglich war, sollte daS nicht auch in Mainz gehen? Resolut, wie ein echter Mann der Tat, legte er daS Kostüm der Gräfin Monteeontecuculorurn an und rauschte hii»a»lS, peinigte den Gatten, ebenso das brave Aschenbrödel, wie es im Buche steht. Und das Publikum klatschte Beifall, ohne zu ahnen,! daß eS einer gar absonderliche»» Rollenbesetzung beiwohnte.

Kleine Mitte >»»i» o e n aus Hesse»» und den Nachbarstaaten. In Hanau wurde der 36jähr»ge I Iilberschinied Johann Josef Schön auf de»»» Friedhof mit ! zwei Schußwunden im Kopfe aufgefunden und in hoff­nungslosem Zustande in daS Krankenhaus verbracht. ES handelt sich um einen Selbstmordversuch. Schön war über den Tod seiner drei Kinder in Schwermut verfalle»» und hatte wiederholt seine Frau zu bestimmen gesucht, mit ihm in den Tod zu gehen. In Großgeran »nachte» der Fabrik­arbeiter Friedrich Veh»neier einen Mordversuch auf seine Geliebte, indem er ihr sieben Stiche beibrachte. DaS

beginnen.

-r-fi Stenographie. Man schreibt uns: Es sei auch an dieser Stelle auf den am 3. Januar, abends 8* 2 Uhr, »m kaufmännischen Pereinshause, Lehriaal 1, unter Leitung des Ga­belsberger Stenographen-Vereins beginnenden Aniangerkurms in der Gabelsbergerschen Stenographie, zu dem schon jetzt eine größere Anzahl Meldungen vorliegt, bingewiesen. Tas swntnge ?ln- wachsen der Gabelsbergerschen Slenogravhenvereine Gießens und der vorzügliche Besuch der .Kurse beweisen am besten, wie sehr das Interesse von der Kunst des Meisters Gabelsberger zu­nimmt, und wie die Unterrichtsleiter es verstehen. die»es In­teresse zu heben und zu fördern. Am kommenden Montag abend 9 Uhr findet eine Besprechung wegen Neueinteilung der tforb bildungs- und Redeschristkurse ebenfalls im kaufmanniichen V r- einshauie statt, worauf die Mitglieder des Stenographenvereins aufmerksam gemacht werden.

** Der hessische gemeinnützige Verein zur Vermittelung von Land- und Kuraufenthalten! in Darmstadt ist zur Zeit mit den Vorarbeiten behufs Neu­drucks des Verzeichnisses der Sommerwohnunge»» im Oden­wald, Vogelsberg und benachbarten Gebieten beschäftigt. Wir machen Interessenten hierauf besonders aufmerksam. Wer also im kommenden Jahre Erholungssuchende. Kinder ohne Begleitung und Ferienkolonien ausnehmen will, wende sich an den Geschäftsführer dieses Vereins, Rechnungs- und Kaffe- führer Harth in Darmstadt, Wilhelminenstraße 34, der über alles WiffenSwerte Auskunft gibt. Ta die Ausgabe deS grünen Heftes für 1905 bereits anfangs März n. IS. statt- finben soll, so ist umgehende Meldung erforderlich.

"Die Baun»winde. Wie in Fachkreisen bekannt, wird neuerdings von der Firma Heyligenstaedt u. Co. in Gießen nach den Ideen des Forstwarts Büttner in Langd und auf Grund vielfacher, von diesem ausgeführter! Versuche eine sogenannte Baumwinde, ein Apparat zum ge­fahrlosen Fällen von schweren Bäumen, hergestellt, »velche in Holge ihrer Leistungsfähigkeit und bequemen Bedienung in Fachkreisen großen Anklang gesunden hat. Dieselbe ist nicht nur in vielen hessischen Cberförftereien in zahlreichen Exem­plaren eingeführt, sondern hat auch bereits über d»e hessische Grenze hinaus bei den Pflanzern in Java Anerkennung und Würdigung gefunden. Kürzlich waren nämlich 2 Pflanzer auS Java hier, um Probeleistungen mit dem Apparate Dorv.mehmen und als es einem der Herren gelungen war, bei verhältnismäßig geringer Kraftanwendung eine schwere

AvsM svs den Aisv-rsamlsreilstkru der Stabt Gießrv.

Aufgebote.

Dezember. 27. Soll») Loeb, Kaufmann dahier, mit Bertha Katzenstein in Rotenburg.

Eheschließungen.

Dezember. 24. Friedrich Hermann Oehm, Ober-Telearaphen- assistent in Frankfurt a. M., mit Auguste Josephine Schmidt da­hier 27. Heinrich Otto Oertel, Reifender dahier, mit KaroUne Simon hierfelbst. 28. Heinrich Ernst Lucius, Oberlehrer dahier, mit Luise Meyer Hierselbst.

Geborene.

Dezember. 7. Dem Kaufmann Heinrich Heyne eine Tochter, Sophie Elisabeth. 16. Dem Kaufmann Wilhelm Bach eme Tochter, Agnes. 17. Tem Schneider Konrad Bob eine Tochter. Bertha Barbara Else. 22. Dem Bureaugehilfen Friedrich Luh ein Sohn, Gilbert Heinrich Werner Wilhelm. 22. Dem Kaufmann Friedrich Ecearius ein Sohn, Kurt Mar. 23. Dem Schlößer Martm Fischer eine Tochter. 23. Dem Wagenwärter Werner Krug cm Sohn, Georg Konrad Friedrich Werner. 25. Dem Schmied Johannes Schmandt eine Tochter, Erna Marie. 25. Dem Stabsarzt Dr. Alfons Friedrichs ein Sohu, Walter. 27. Dem Bahnarbeiter Otto Wlttkopp ein Sohn, Rudolf Walter. 28. Dem Kaufmann Paul Seeger eme Tochter. 30. Dem Schmied Karl Hofmann ein Sohn, Karl.

Gestorbene.

Dezember. 24. Johanna Horn, 6 Monate alt, Tochter des L'autcrcrS August Horn dahier. 25. Fischer (noch ohne Vornamen), 2 Tage alt, Tochter des Schlossers Martin Fischer dahier. 28. Katharine Bruchhaufer, 63 Jahre alt, Ehefrau des Bureau- oorstehers Heinrich Bruchhäufer dahier. 29. Albertine Jmahe Brandes, 32 Jahre alt, ohne Beruf dahier.

etgeit die zNasstHwnbl Md für da« bemotTatifäej 8<i hl recht zu vrranstMen. . ~

Lededour meinte, dieser Zusatz wredcrholo nt fernem erftxn Teile lediglich die Resolution, mache aber durch bic öaufung von Kraftausdrücken den Eindruck ,,b h st er» i cb e n C c k r e i- f chexV Er liebe demgegenüber au, dem Standpunkt Luthers. Tritt fest auf. tu's Maul aus, hör' lmld auf!" Der lebte Teil des Zusatzes sei nur verständlich, wenn man wisse, daß statt ..M affendcmonstratimi en" ursprünglichS traf; e »ide mo u st ra­tioneu" taub. Cffimtxn- ist dem Verfasser, der wohl glaubte uns an Radikalismus weit zu übertreffen, inzwischen die Kühnheit wieder abhanden aekoimnen: deslxllb sucht er den b>edanken zu versckleien». '?0>n- zucken Sie (zu Belustentt dock» mckst zurück, alS toären Sie ein Feigling! Ich habe nichts gegei» iLtrasten- demonstrationen, wenn sie a»is der Situation herauswachsen Uber wir können uns nicht darauf iit Resoluttonen festlegen. Die für bic Parteigenossen im ganzen Lande maßgebend sein sollen. Die Tiskuffion über Punkt vier findet morgen statt.

Ansatz ans brn ßirrfirnbüdifrn brr Stabt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Lnkasge mein de 17. Tez.: Wilhelm Karl Heil, Kauf­mann zu Gießen, und Franziska Heil, Tochter des verstorbenen Braumeisters Wilhelm Heil in Newyork, Amerika. 28. Tez^: Heinrich Ernst Lucius, Oberlehrer zu Gießen, und Margarete Luise Meher, Tochter des verstorbenen Hmiptmanns Konrad.Fried­rich Otto Meyer zu Brandenburg. Johanne s g e m e i n de '. 22. Dez.: Friedrich Wilhelm Söhnel, Kaufmann zu Gießen, ein Witwer, und Johanna Tina Lina Schliephake, geb. Harms. Militärgemeinde: 17. Dez.: Hermann Schulze, Hilfshovo»« zu Gießen, und Katharina Sckmeider, Tollster des Bahnarbeiters Johannes Schneider zu Gießen. 23. Dez.: Johann Ko»irad He r- mann, Sergeant zu Gießen, und Margarete Herpel, Tochter de" verstorbenen Steinhaners Jakob Herpel zu Cappel.

Getaufte.

L u k a s g e m e i »i d e : 18. Tez.: Tem Schneider Karl Heiiv rich Roth ein Sohu. Karl Georg, geboren den 25. Noin 25. Tez.: Tem Werkmeister Wilhelm Schmidt ein Sohn. Ernst Ludwig, ged. ; 27. Nov. Tem Kutscher Karl Pflüger eine Tollster, Karola, geb 2 Tez. Tem Ladeineister Ludwig Molph ein ^>ohn, Heinrich Willi, geb 29. Nov. Tem Sattler Franz Seidl ein Sohn, Wilhelm Franz Joses Anton, geb. 22. Sept Dem Vahnarbetter Johannes Hofmann ein Sohu, Wilhelm Karl, geb r^.00- 26 Tez.: Tem Kaufmann Wilhelm Eidmami eine Tollster, Mina Frieda Emma Otatrui), geb. 28. Nov. Dem Hotelbesitzer Hein­rich Berndt eine Tochter, Olga Luise, geb. 23. Nov. Tem Schreiner Ludwig Erb eine Tochter, Elisabeth Marie Emilie, geb. 21. Nov. Tem Schaffner Balthasar Tapper eine Tollster, Luise Johanna Helene Mathilde, geb. 14. Oft. Dem Kaufmann Ludwig Nickel eme Tochter, Emmy Ernestine, geb. 5. Tez. 27. Tez^ Dem Wagen- I Wärter Karl Schneider ein Sohn, Karl, geb. 15. Nov. -9. ^ez.. T-em Hotelier Zacharias Haubach ein Sohn, Hans Ludwig Karl, geb 21. Okt. Johanne s gemeinde: 18. T«ez.: -^em Taglölmer Wilhelm Leib eine Tochter, Katharina, geb 3. Ort. Tem Kaufmann Georg Ritzel eine Tollstin:, Mathilde Sophie Elisa­beth, geb. 18. Nov. Dem Universitätsprofessor Max £ebred)t Strack ein Sohn, Paul Richard Lebrecht, geb. 2. Ott. 25. Dez.: Tem Schmied Heinrich Herbert ein Zwillingspaar, Otto und Jo­hanna, geb. 7. Okt. Tem Musillehrer Mbert Kasten ein ^ohn, Heinrich Reinhard Emil Hans, geb. 11. Nov. Dem Johann Arnold ein Sohn, Heinrich, geb. 13. Sept. 26 ^ez.. Tem Taglöhner Heinrich Schmidt eine Tollster, Emilie Katlsarma Maria, geb 23. Ang. Tem Hausdiener Johann .Konrad Hecrrotv ein Sohn, Friedrich Johann, geb. 12. Nov. Dem Tapezier Karl Walter ein Sohn, Willi, geb. 1. Ott. Mi litär gemeinde: 18. Dez.: Dein Feldwebel Heinrich Horst eme Tollster, En»s, geb 6 Nov 25. Tez.: Tem Sergeant Wilhelm Jakov Lost ein'Sohn, Friedrich Wilhelm, geb. 21. Ang. Tem*Zahlmeister- Aspirant Johailnes Milller eine Tochter, Anna Lina, geb. 11. Nov. 29. Tez.: Tem Sergeant Willy Springwald eine Tollster, Karol« Anna Marie, geb. 23. Nov.

Beerdigte.

I o h a »i »i e s g e m e i n d e: 21. Dez.: Greta Hein, geb. Asch, Witwe des Hotelbesitzers Karl Hein, 11 Jahre alt, starb den 18. Tez.

»Man verlange I ausdrücklich die Originalmarke Dr. Hommels Haematogen und lasse sich Nachahmungen nicht autreden.

Dermifcbtc».

* Eine MeSaliance und ihre Folgen. I»» Er-1 aänzung der kürzlich von unS veröffentlichten Mitteilungen über die Heirat deS Grafe»» Luitpold v. WolffSkeel mit der früheren Ballettänzerin an der Münchener Hofoper und jetzigen Berliner Schauspielerin Olly wird auS Augs­burg noch folgendes gemeldet: Die Heirat hatte im Januar dieses Jahres in England stattgefunden, und zwar ohne Zu­stimmung deS Vaters deS Grasen L»»itpold und ohne Ein­holung deS Konsenses des Offizierkorps des erste»» schiveren Reiterregiments. Graf L»»itpold WolffSkeel nahn» deshalb be-1 re»ts am 15. Januar einen einjährige»» Urlaub, der nunmehr, i nachdem der Graf gegen die n»ilitärischen Vorschriften^ bei Eingehung einer Ehe gefehlt hat, in schlichten Abschied über- gehen dürfte. Gras Luitpold v. WolffSkeel ist auch tatsächlich behuss Dienstleistung in die japanische Armee über­getreten. Ta Gras Luitpold v. WolffSkeel in japanischen Diensten steht und zur Zeit der Belagerungsarmee vor Port Arthur angehört, während die Gräfi»» in Berlin in ihrem Benise tätig ist, kann von einem ehelichen Zusammenleben »»icht gesprochen werden; es ist a»ich, wie »»»an derA»»gS- burg. Abendztg." von wohlinformierter Seite mitteilt, seitens der Gräfin bereits der erste Schritt zur Trennung der Ehe- gemeinschaft unternommen worden.

* Guter Rat Professor Schmidtlein (zum neuernannten Dozenten): Nun, lieber Striesower, ist Ihr Kolleg schon flnsng besucht^ Professor Striesower: Seiber noch gar nickst,, bis setzt hat sich immer nock feiner blicken lasten. Proseffor Schmidtlein: Wisten Sie »vas, schaffen Sie sich 'n Telephon an. Professor Striesower: Telephon, wieso? Prosesfor Schmidt­lein: Na, da haben Sie wenigstens Mnen Hörer

* Würdevoll A.: Ick habe öie lange nicht gesehen: wie geht es Ihnen? - B.: Danke gut; Sie wissen doch daß ich jetzt zu den Vätern dieser etabt gehöre? 7- A.: Sind Sie in den Stadtrat gewählt worden? B.: Nem, das nicht, aber »vir haben ein kleines Mädll)-.m bekommen!

* Kleine Tageschronik. Im Postbureau zu Minsk lRußlarrd) erplodierte I>cute ein mit Pulver gefülltes Palet Der Wachdienst und ein Beamter wurde»» illstver »xrletzt. __ In Duisburg entstand während der Aufführung im Stadt­theater infolge Kurzschluß a u f d e r B ü h n e F e u e r das einen Teil der Dekorationen vemillstete. Im Publikum entstand eine Panik Das F-eue» wurde rasch gelöscht. In B arme»» Imt sich auS Lebensüberdruß ein 87jähr. Gre»s entleibt. Er I hatte sich mit einem Rasiemiesser am rechte»» Oberarm eine I tiefe Schnittwunde bei gebracht.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 31. Dezember 1904.

** Sylvester wieder ist eine Jahreswelle dahin gerauscht in den endlosen -Ozean der Zeiten. Wie ist doch die Zeit so flüchtig, und wie unauflialtsan» treibt jeher von uns seinem Ziele zu! Freud und Leid hat uns allen das alte Jahr in Fülle beschieden: rauh und undarm- herzia hat der Schnitter Tod seine Sense geschwungen daß mancher unter uns um teuere Verstorbene schmerzlich klagen muß; aber auch versöhnend hat frisll)es Leben seinen» Einzug gehalten, daß jun<w Eltern still beglückt und hoff mmgsfroh um das träumerisch blickende, ahnimgslose fcinb stehen. In buntem Wechsel lösen sich aber werden und Vergeben, Glück und Unglück, Schmerzen und Freudeii. Warum das alles, warmn dieses Aufjubeln in höchster Lust und dieses Zujcunmenbrechen in tiefster Pein, warum dre Sorge und die Arbeit, waruin dieses Kalerdoskop mensch­licher Sckncksale? Do ist der ruhende Pol in dieser Er- fdbeinunqcn Flucht, daß er uns Trost und Erhcbuiw spende, indem er uns wissen und fühlen lasse, nicht un»iou)t ge­lebt und gearbeitet zu haben? Nun, er liegt in unserer | eigenen Brust der Gedanke ist es, daß aus diesem Schaffen und Dirken, ans diesem Dulden, Tragen und Kämpfen, aus dieser gewaltigen Anspannung menschlicher Kräfte und Leidenschaften immer siegreicher die Ideen der Wahrheit uni) der Erkenntnis, der Liebe und der Sckwnhett hervordringen und der Mtur zum Segen ge­reichen. Diesen Ideen hat in seinem letzten Ziel auch daS Leben voll Mühe und Arbeit des hinsckeidenden Jahren gegolten. Mcht umsonst ist die ausgestreute Saat ge- tiefen es ist auch im Jahre 1904 gearbeitet worden für den menschlichen Fortschritt, den materielle»» und den geistigen. Und burum kann auch der Rückblick nur das sinkende Jahr beftiedigen, trotz diesem u»id jenem, und das Leid, das es gebracht hat, vergeht und wird vergeben. Die feierliche Stunde der Jahreswende naht die danipfen- den Punschgläser zur Hand, ein stiller Trunk den Toten, und in ftoher Hofft»ung ein volles Glas dem Glück des

gehende Erhebungen und Berichterstattung durch bte Universa tätsdiszipttnavbehörde in her .,Schwabenaffäre" angcorbnct.

Statistik der deutschen Universitäten. Fm Imlsenden Winter sind au bei» sämtlichen Universitäten Deutsll^. Iaiib5 zusammen 39 716 Studenten immatrikuliert gegen «39 581 im Sommer und 37 881 im vorigen Winter : vor zehn Zähren, im Winter 1894/95, waren es 28158, seitdem also eine Steiger­ung um mehr als 11000! Davon waren im einzelnen! immatrikuliert: in Berlin 7774 (gegen 5031 im Winter vor 10 Jahren), in Bonn 2568 (gegen 1518), in Breslau 1807 (gegen 1293), in Göttinnen 1574 (gegen 804), in Greifswald 705 (gegen 750), in Halle 1881 (gegen 1539), in Kiel 745 (gegen 504), in Königsberg 932 (gegen 709), in Marbiirg 1276 (gegen 800), in Münster 1256 (gegen 411, hier ist seitdem eine neue luristische Fakultät begründet worden), in Erlangen 942 (gegen 1131), »n München 4766 (gegen 3475), in Würzburg 1295 (gegen 1347», in Freiburg 1501 (gegen 1136), in Heidelberg 1371 (gegen 1028), in Tübingen 1407 (gegen 1165). in Gießen 1069 (gegen 528 !!), in Jena 953 (gegen 635), in Leipzig 3880 (gegen 2985), in Rostock 556 (gegen 420) und in Straßburg 1395 (gegen 949, I liier mürbe seitdem eine neue tatholisch-theologstche Fakultät »ns Leden gerufen). Von der Gesamtzahl studieren gegenwärtig 11 777 (gegen 7432 vor 10 Jahren) Jurisprudenz, 8322 (gegen damals 3083) Philologie und Geschichte, 5906 (gegen 7768) Medizin, 5688 (gegen 2525) Matl>e»nattk und Naturwinenschatten, 2136 (gegen 3084) evangelische und 1678 (gegen 1404) katho- lische Rheologie, 1387 (gegen 1214) Pharmazie, 1055 (gegen 883) Landwirtschaft, 1024 (gegen 413) Staats- oder Forstwissen- schaft, 596 (gegen 282) Zahnheilkunde und endlich 149 (gegen 70) in Gießen Tierheilkunde. Bei dieser Fachstatistik iinö allerdings die Zahlen für die Philologen und für die Mathe­matiker etwas zweifelhaft: es ist an den preußischen Universi­täten eine neue Statistik ein geführt worden, die nur als eine I Verschlimmerung bezeichnet werden kann, und zwar durch eine Sammelrubriksonstige Studienfächer der philosophiichen Fakul­tät"' mir haben diese Zahlen, mit denen man sonst nillsts an- fangen kann, einfach den Philologen beige-ählt, wodurch al)o diese Zahl etwas zu hoch gegriffen sein wird. Im allgemeinen tntt die Entwicklung der verschiedenen Fächer deutlich hervor, ins­besondere die starke Abnahme der Zahlen bei den Medi­zinern und bei den evangelischen Theologen, an­dererseits die starke Zunahme bei den I u ri st e n, bet den Philologen und Historikern wie bei den M a 11) c m a 11 - fern und Naturwissenschaftlern.