Ausgabe 
30.11.1904 Zweites Blatt
 
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viaffnotwi«- DÜVV ueninnu* 'ÖUpVCTTUVS rv lZ - stadtsu ft" von B rnme*nth at und Kad elbnr g wurde gestern abend einem zwar nicht ungewöhnlich zahlreichen, aber zum Teil sehr animiertenPublikum vorgesührt. Ziesten ist größer als L^ldwigSlvalde, und es war ein großes Gaudium, den Berliner Lokcrlpatrioten bcn Horror- vor dem Tnlck all der Dis-L-vis und Gewolmheitsfrcudenmenschen nachzn^ fühlen, die so ein kleines Nest bevölkern. Derbe Komik und eine mit vollen Barken blasende Behaglichkeit müssen die Fremdenführer durch Ludwigswalde sein, mußten den Ber- fasscru des Lchwanks grelle, kreischende Fwrben auftragen helfen. Ten Tarstellern liegt es ob, das zu unterstützen, die ^Großstadtluft und die Lüfte und Trifte des ummauerten Städtchens in möglichst stürmische Bewegrmg zu bringen. Tann rvirkts. Die Figur des Tr. Crusius sreiUch scheint zu besonderem Nachdcnlcu und psychologischen Studien beim erster! Blick herauszuforderu. Mer der Schauspieler rnust an diese Ausgabe urit großer Vorsicht herantreten, sonst wirkt sie irn Nahmen des Schwanks langweilig. Herr Lippert war mit Recht bemüht, alles schläfrige in dieser Nolle zu verrneiden. Ter Fabrikant Schröter ist mit kräsi tigeren Strichen als eine gemütliche Lustspielfigur vorge- ze'ichnet, und Herr de Giorgi bewahrte ihr ihre Frische und atmete gesunden Humor. Frl. Rus blieb ihrer Rolle auch nichts schuldig -und war in der Licbesumannung aller­liebst. Herr Sauldorfs wußte dein Humor seines Rechts­anwalts Lenz nicht genügend zu seinen! Recht zu verhelfen: er stand dieser Rolle augenscheinlich sehr kühl gegenüber. Auch Frl. Gartner als Frau des Rechtsanwalts stand nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe: sie müßte die Sprache etwas weniger salopp zu behandeln sißch» bemühen. Herr .Andreus in der Hauptrolle de§ Fritz Flemming war sehr munter und lebensprühend, und die Witze, die von dieser Figur ausgehen, kamen voll zur Altung. Bernhard Gempe, der immer vom Mißerfolg begleitete Freier, wurde von Herrn Eckhardt mit gutem .Verständnis dargestellt. Tie übrigen Personen, Zierden von Ludwigswalde, standen auf sicheren Füßen, und das Zusammenspiel unter der Regie des Herrn Eonradi hielt das Interesse des Publikums bis zum Schlüsse fest. Man hätte sich für den Schwank noch rnehr crtvärmen können, wenn die Temperatur im Theater nicht ausnahmsweise einmal recht kühl gewesen wäre.

* Aus dem Bureau des Stadttheaters. .Am nächsten Freitag geht als Volksvorstellung Halbes Strom* in Szene. Das spannende und tiesergreifende Werk hatte bei seiner ersten diesjährigen Ausführung nm Totensonntag außergewöhnlich großen Beifall gefunden. Die Hauptrollen liegen in den Händen der Damen Treuer und Fischer, sowie der Herren Steingötter, Sandorff, Lüttjohann und Lippert. Da die Aufführung desStrom* zugleich die letzte de§ hochinteressanten Werkes überhaupt ist, so dürfte auf einen lebhaften Besuch zu rechnen sein.

(!) Leihgestern, 28. Nov. Nach der gestrigen Leichen­feier für unseren verstorbenen Bürgermeister folgte heute noch eine den Verstorbenen wie auch die Gemeinde ehrende Nachfeier. Heute morgen würben die nächsten Angehörigen des Verstorbenen, das Ortsgericht, der Gemeindevorstand und Dekan Strack zu einer kurzen Nachfeier am Grabe de§ Ent» schlasenen auf 11 Uhr eingeladen. Zur bestimmten Zeit er­schien Kreisamtmann Dr. Kranzbühler und legte im Namen des KreiSamts dem treuen Beamten, der allzeit einer der ersten in der Erledigung der Amtsgeschäste gewesen sei, einen Kranz am Grabe nieder.

§ Rüddin gShausen, 28. Nov. Der hiesige Stein- Hauer Ludwig Faulstich schlachtete heute zweiSchweine von 6 80 Pfund Schlachtgewicht. Hier dürfte das Sprichwort am Platze sein: »Gut geschlachtet spürt man da§ ganze Jahr".

y. Mittelgründa u, 28. Nov. Der wegen Verdachts 6er Beteiligung an dem Heldenberger Morde steckbrief­lich verfolgte Arbeiter Meininger wurde heute verhaftet und dem AmtSgerichtsgesängniS Büdingen zugeführt.

Darmstadt, 28. Nov. Auf Veranlassung der Staats­anwaltschaft wurde der Schlächtergeselle Fritz Rupp auS Berlin verhaftet, der beschuldigt ist, im Mai d§. IS. auf ibcr Landstraße den Baumeister Döring erschossen und beraubt zu haben. R. ist eine in Verbrecherkreisen unter dem NamenBerliner* bekannte Persönlichkeit, welche schon längere Zeit gesucht wurde. Er hatte ein Liebesver­hältnis mit einer Kellnerin, die er zwang, ihre Stelle auf­zugeben und mit ihm die Hauptstadt zu verlassen.

R. B. Darmstadt, 30. Nov. (Eigener Draht - Ibericht.) Heute nachmittag um 1.58 Uhr traf S. K. H. der Großherzog im Bahnhof Gießen ein, um 1.59 Uhr wieder !veiterzufahren.

Offenbach, 29. Nov. Groß feuer mürbe gestern abend kurz nach 11 Uhr vom Hafen her gemeldet. Im oberen Teil des Hafens war ein dort zur Ueberwinterung liegendes großes Bootshaus, der Bootverleihanstalt von Bruno MoSler in Frankfurt a. M. gehörig, auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise in Brand geraten; die Flammen, die besonders an den vielen im Innern befindlichen Booten reiche Nahrung fanden, hatten sich so schnell verbreitet, daß die Feuerwehr sich darauf beschränken mußte, die in der Nähe liegenden Schiffe, Bootshäuser, Badeanstalten usw. zu retten, wa§ denn auch in zweistündiger angestrengter Arbeit gelang. Auch die zu dem brennenden Vootshause gehörende Landungspritsche tonnte noch in Sicherheit gebracht werden. DaS Brandobjekt selbst wurde mit allen! Inhalt völlig zer­stört. Die Hitze war furchtbar; unter ihr hat auch die süd­liche Hasenmauer, an der das brennende Bootshaus be­festigt war, stark gelitten, da die mächtigen Quadern vielfach zersprungen und abgesplittert sind. Die Feuerwehr konnte um 2 Uhr den Brandplatz verlassen, doch blieb eine Wache bis zum Morgen zurück. Man nimmt an, daß Brand­stiftung vorliegt. (Ofsb. Ztg.)

Frankfurt a. M., 29. Nov. Die Delegierten- sersammlung beS westdeutschen Verbanbes natio- nalsozialer und liberalerVereine beschloß mit allen gegen eine Stimme den Beitritt zum Wahlverein der Liberalen (Sitz Berlin). Damit hat nun auch bic letzte größere Gruppe ber Nationalsozialen (Frankfurt a. M., Darmstabt, Friedberg, Gießen, Marburg, Kassel) die Fusion mit der freisinnigen Vereinigung voll­zogen. Die Delegiertenversammlung beauftragte außerbem

Vorstanb, in Frankfurt a. M., sofort Schritt stellung eines politischen Berussarbeiters einzu­leiten und nahm eine Resolution an, in bei die praktische Zusammenarbest der verschiedenen liberalen Gruppen Sttd- deutschlandS freudig begrüßt wird.

Frankfurt, 29. Nov. Die Stadtverordnet en - Stichwahlen sind vorüber. Die demokratisch-fort­schrittliche Mehrheit bleibt bestehen: das ist das Er­gebnis der Hauptwahl und der Stichwahlen. 25 Mandate waren zu erneuern, 14 demokratisch-fortschrittliche und elf natioualliberale. Gewählt sind 14 Demokraten und Fort­schrittler, 7 Mittelständler, 2 Nationalliberale und 2 Anti­semiten.

Kleine Mi11eiluuaen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der hessische Landwirtschaftsrat hat be­schlossen, die für 1905 abzuhaltende landwirtschaftliche La n d esau sstel ung im September in Mainz abzuhalten. Bei der Wahl zur Handelskammer in Mainz wurden gewählt Dr. Franz Bamberger, Emil Humann, Konun.-Rat P. Melchers, Geh. Konun.-Rat Stephan, C. Michel, S. Richart und Earl Schmahl. Bei ber HanbelSkannner- Ergänzungswahl in Wor m 6 würben die bisherigen Mit- olieder Komm.-Rat Baruch, Dörr, von der Heydt, Komm.- Rat Langenbach, Oertge und Alfred Walter wiedergewählt. Für den wegen Krankheit auZscheidendcn Julins Goldschmidt wurde Herr Hüttenbach neugewählt.

vermischtes.

Berlin, 29. Nov. Unter Vorsitz deS Oberbürgermeisters Kirschner fand heute eine Sitzung der städtischen Verkehrs­deputation statt, in der Stadtbaurat Kaufe, den schon grund­sätzlich vom Kaiser genehmigten Plan der Unter» tunnellung der Straße Unter den Linden vorlegte. Der Plan sieht eine Verkleinerung des OpernplatzeS vor und nimmt Rücksicht auf einen Neubau des Opernhauses. Irgend­welche Privatinteressen werden durch den Plan nicht berührt. Der Tunnel soll zweigleisig werden und nur eine geringe Tiefe erhalten. Die Verkehrsdeputation genehmigte den Plan.

Erfurt, 29. Nov. M. PeterscimS Blumen» gärtnereien in Erfurt erreichten in dem letztverflossenen Rechnungsjahre in der Anzucht und dem Versandt eine Gesamtzifser von nahezu 15 Millionen Pflanzen und Zwiebel­gewächsen.

* Kiel, 29. Nov. Der Kaiser wandelte die drei­monatige Gefängnisstrafe beS wegen falscher bienst- licher Meldung verurteilten Kapitänleutnants'Vreit- Haupt in dreimonatige Festungshaft um. Die Dienstentlassung bleibt bestehen.

* Graf Pückler ist, wie un5 gestern telegraphisch ge­meldet wurde, wieder nach Berlin zurückgekehrt. Er behauptet, er habe sich in einer Münchener Nervenheilanstalt auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen. In Spandau hat er eine Rede gehalten, die im Druck erschienen ist. Er schildert darin seine Erlebnisse in den letzten Tagen, wie folgt:Vor einigen Tagen wollten mich die Kerle in Berlin in die Eharitö sperren, ich habe mich daher auf eine Weile dünn gemacht und bin verduftet auS ber Stadt; und das war vielleicht ganz gut. Auf Anraten meiner Familie ging ich auf einige Tage in eine Nervenheilanstalt bei München, um mich dort untersuchen zu lassen und um den Beweis zu erbringen, daß ich noch ganz vernünftig sei. Ein pol!tischer Führer darf vor nichts zurückschrecken, meine Herren, ich habe ja schon gebrummt im Gefängnis und auf der Festung, wa­rum soll ich nicht einige Tage mal im Tollhause sitzen? ES war ja auch ganz gemütlich in der alten verfluchten Bude; ich war natürlich der einzige Vernünftige unter den ganzen verrückten Aesern und der dortige Arzt konnte auch absolut keine Spuren von Wahnsinn bei mir entdecken, so sehr sich der Kerl auch Mühe gab, irgend ein Symptom der Verrücktheit zu konstatieren; ich habe daher die alte Bude nach einigen Tagen verlassen und bin wieder nach Berlin zurückgesahren, um den Kampf gegen die Feinde deS Vaterlandes sortzusetzen mit erneuter Kraft und Energie/

"Schnee. AuS Spaniens Hauptstadt fommt die Meldung, daß die Verbindungen mit ber Provinz infolge starken Schneefalles unterbrochen sind. Zwei Familien, Dr. Koller und Ullmann, sind nut drei Kindern seit dem 23. November in Heiligenblut (Kärnthen, bekanntlich einem der in Tirol gelegenen Alpendörfer, 1250 Meter über dem Meere, am Fuße de§ Groß-GlocknerS) vollständig ein­geschneit. Wegen Lawinengefahr ist bisher jeder Versuch einer Rettung gescheitert.

" Ein wütender ©roß für ft. Ein in einem Dresdener Hotel abgestiegener russischer Großfürst mißhandelte den Portier, welcher ihm auf Verlangen nach Lektüre eineSin!plicissimuS*-Nummer brachte, in welcher ein Spottbild auf die russischen Großfürsten enthalten war, aufs schwerste mit Faustschlägen und Fußtritten, weil er glaubte, daß der Portier ihn verspotten mofltc. Trotzdem der Irrtum richtiggestellt wurde, weigerte sich der Großfürst, dem Portier, der barniebcrlicgt, ein Schmerzensgelb zu geben. Eine Zivilklage dürste die Folge sein.

KleineTageschronik. Ter im Hamburger Hafen unter Pest verdacht in Quarantäne liegende englische Tampfer Blagdon" hat Erlaubnis erhalten, seine Reise sortzusetzen, da die Untersuchung der Schiffsmannschaft nichts Verdachterregendes ergeben hat. In Marseille drangen Einbrecher in die Wohnung eines Zahnarztes, von der sie durch ein in den Fuß­boden gebohrtes Loch in den Laden eines Juweliers gelangten, in welchem sie Juwelen im Werte von 800000 Francs stahl en. Da sich jedoch bei dem Einbruch eine Glocke in dem Laden des Juweliers in Bewegung gesetzt hatte, so gelang es, die Polizei zu verständigen. Tie Einbrecher wurden in der Wohn­ung des Zahnarztes in dem Augenblick festgeMommen, als sie sich auf gleichem Wege, auf dem sie gekommen, wieder entfernen wollten. In der türsischen Ortschaft Jelenics drang eine starke griechische Bande in ein bürgerlickjes Haus ein, wo gerade H o ch - zeit gehalten wurde. 14 Personen wurden getötet, fünf schwer verletzt. Tie Bande ist entkommen. Unterstaatssekretär v. Fischer vom Reickjsschatzamt ist sckiwer erkrankt. Er wurde in seinem Badezimmer durch'Ausströmen von Gas betäubt, sodaß er in Gefahr war, zu ertrinken. Ein ungeheuer frecher Diebstahl wurde in dem Loudo ner Stadtviertel Sherkenwell begangen. Diebe drangen Sonntag nachmittag in den geschlossenen Laden des Ubreufabrikanten Stockall, wo ber Besitzer noch arbeitete. Ohne ihm Zeil zum Alarm zu lassen, stürzten sie sich auf itm, knebelten ihn und entwendeten goldene Uhren im W er te von über 5000 Pfund Sterl. Ter Fabrikant wyrde erst Montag früh von Mgestellteu aus seiner schwierigen Lage befreit. , _____

Kerichtssaal.

(th.) G i e ß e u, 30. Pov. Wegen Beleidig u n g des Pfar­rers in der eigenen Gemeinde verurteilte gestern die Straf­kammer den Wagnermeister K. W. von Dauern heim zu -iner zweimonatigen Gefängnisstrafe. Ter Pfarrer Wolke­

witz crTyieU anfangs des Jahres einen anonhmen Brief, Ser von Beleidigungen gegen ihn strotzte: er sandte den Brief­umschlag zum Bürgermeister mit der Anfrage, ob er die Hand­schrift der Adresse kenne, und dieser erklärte sofort, es sei die Handschrift des Angeklagten. Tor Bürgermeister ließ zum Ver­gleich noch eine von W. geschriebene Reckmung für gelieferte Wagnerarbeiten holen, und der nun vorgenommene Schriftver- gleich befestigte die Ueberzeugung. wer der Schreiber des Briefes ist. Der Angeklagte bestritt heute mit aller Entschiedenheit, selbst der bestimmien Aussage des Schreibsachverständigen, Land­gerichtssekretär Vähler-Franksurt a. M., gegenüber, seine Schuld. Ter Pfarrer erllärte als Zeuge, daß er von einer llntersuchung des Falles abgesehen hätte, wenn der Angeklagte, der sein Ge- meindemitglied fei, eingestanden hätte, und ihn um Verzeihung gebeten hätte. Er könne sich nicht erklären, wie W. dazu komme, ihn so zu kränken. W. sei stets mit feiner Familie ein eifriger Kirchengänger gewesen. Ter Angeklagte habe, aber auf sein, des Pfarrers, eindringliches Zureden die Wahrheit zu sagen, geleugnet. Er, der Pfarrer, habe auf Drängen des Gemeinde-, Kirchen^ und Schulvorstandes und auch der Mitglieder des Krie­gervereins in dieser Sache nicht anders handeln können, als den Täter zur Verantwortung vor Gericht zu ziehen. Eigentümlich sei es, daß in einer vom Kriegerverein an ihn gerichteten Er­gebenheitsadresse, welche von den einzelnen Verejnsmitgliedern unterzeichnet ist, und worin verlangt wird, daß Anzeige wegen des Briefes erhoben werde, auch der Name des Angeklagten von dessen Hand eingezeichnet sei. Ter Zeuge erklärt, daß er mit der Mehrheit seiner Gemeinde in Frieden lebe, daß allerdings in neuerer Zeit einzelne Gemeindemitglieder verdrossen darüber seien, daß man vor der Wahrscheinlichkeit stehe, ein neues Pfarrhaus bauen zu müssen. Der Vater des Angeklagten sei ihm, dem Pfarrer abhold und habe sich im Gemeinde- und Kirchenvorstand gegen ihn ausgesprochen. In der weiteren Beweisaufnahme wird festgestellt, daß in dem anonymen Schriftstück Sätze enthalten sind, welche fast tvörtlich von dem Vater des Angeklagten andern Ge­meindemitgliedern gegenüber ausgesprochen worden sind. Ter Gerichtshof ist aus diesen Gründen der Ueberzeugung, daß nie­mand sonst als der Angeklagte den unter Anklage stehenden Brief geschrieben habe. Zur Geivißheit aber wird diese Tatsache durch das Gutachten des Sachverständigen und durch den Schriftvergleich. Ter Angellagte sei ztoar noch nicht bestraft, dc>ch sei sein Tun überaus gemeingefährlich, und um deswillen besonders schwer zu bestrafen. Strafmildernd habe man berücksichtigt, daß der Sohn vielleicht auf Veranlassung des Vaters den Brief ge­schrieben l)abc, im andern Falle wäre die erkannte Strafe weit höher bemessen worden.

Der Streit um dieEchtheit" eines Kindes. Tie Klage des Prinzen Friedrich von Schönburg- Waldenburg, ber wie gemeldet, nach der Scheidung seiner Ehe mit ber Prinzessin Alice von Bourbon, der Tochter des spani­schen Kronprätendenten Ton Carlos, dieEchtheit" seines während dieser Ehe geborenen, gegentvärtig fünfjährigen Sohnes anfocht, ist, wie aus Dresden gemeldet wird, vom Landgericht kosten­pflichtig a b g cwi e se n worden. Nach derPost" hat die unter­legene Partei die Msicht, die Sache bis in die höchste Instanz durchzuführen.

Ftniverstläts-Aachrichlen.

Ein königlicherA l t e r H e r r". Anläßlich der Feier des Leipziger R e k t o r a t s w e ch f el s war vom Lehrer­kollegium der Universität au den König Friedrich August von Sachsen ein Huldignngstelegramm gesandt worden, in dem um den Besuch des Königs gebeten wurde. Friedrich August hat darauf folgendermaßen geantwortet:

Ich bringe dem Lehrerkollegiun! für seine freundlichen Grüße meinen königlicher! Tank dar. Nicht bloß in meiner jetzigen Stellung zu unserer lieben Alma Mater, sondern auch als alter Herr der Universität erfüllt es mich mit aufrichtiger Genugtuung, für s i e sorgen zu können. Meine Wünsche für ihr ferneres Gedeihen und Blühen fasse ich in den Worten zusammen: vivat, creseat, ftoreat!

Friedrich August/'.

Kunst und Wissenschaft.

Berlin, 29. Nov. In einer zahlreich besuchten Versamm­lung in der Aula des Wilhelmgpmnasinms wurde nach einem Vortrag des Professors Harnack eine Vereinigung' begründet, die eintreten will für das humanistischeBild- uugsideal und der Mittelpunkt sein will für alle, denen der Fortbestand und die Weiterentwicklung des Gvmua- siums in seiner durch das Griechische bestimmten Eigenart ein allgemeines vaterländisches Interesse bedeutet. . Zum Vor­sitzenden wurde Professor Scholz, Pfarrer an der Marienkirche, ge- wählt. _______

ßisenöahn-Zritung.

Berlin, 29. Nov. Tie Budgetkommifsion des Abgeord» netenhauses nahm einstimmig die vom Eisenbahuminister und voni Finanzminister im wesentlichen gebilligten Anträge Friedberg und Zedlitz an, welche einen kr ä f t i g e r e n .Au s b a n des Staatsbahn netzes fordern, wobei die fiskalischen Ruck^ sichten hinter die verkehrspolitischen zu stellen und auch Privat Unternehmungen zuzulassen seien, wo der Staat -um Ausbau nicht bereit sei. Schließlich sollten die notleidenden Landstria)-e besonders berücksichtigt werden. Die Kommission benet sodann den Antrag Wiemer nm Aufhebung der RücksahrTarten und Herabsetzung des Preises dereinfachen<vayr- farten imf bic Hälfte des bisherigen. ~ic ^nimisfwn nahm schließlich nur den Beschluß an, die Regierung zu ersuchen, eine Reform der Personentarife baldmöglichst m die Wege zu leiten mit dem Zwecke der Vereinfachung uiw ohne wesentliche Einbuße für die Staatskasse. Q ^aufe der Tebatte erklärt Eisenbalmminister v. Budde, er halte die Reform oes Personentarifs für unabweisbar und das jetzige ^arif- G 6 a o ä für u n I) a 116 a r. 'S« Minister lcgt bic nut den Em- richtnnkien des Freigepäcks, der 9i u ckfa h tfarten unb ber Fahrscheinhefte verbundenen U eb e l st a n d e und Wider, wärtigkeiten dar und fügte hinzu i Tie Persenentanf-Retorm dürfe keine Mindereinnahme bringen, schon deshalb, weit der Personen, verkehr weit höhere Anforderungen an die Verwaltung stelle, n» der Güterverkehr.

Landwirtschaft.

Budapest, 29. Nov. Der amtliche Saat en st an ds^ bericht des Ackerbauministeriums vom 26. d^ovember besagt: Im Laufe de'ö November wurde die bis dahin milde und günstige Witterung plötzlich kalt. Im Lande sind die Felder durchschnittlich mit Schnee bedeckt. Tie Frühsaaten sind fast ausnahmslos gut ent­wickelt und sind kräftig, an nianchen Stellen sogar üppig. Wiewohl die Spätsaaten minder kräftig sind, so ist doch auch deren Ent- wickelung fehlerlos^und gesund. ~

Kandcl und Werkelst. Wolkswirtschäft.

Frankfurt a. M., 29. Nov. Bei der Aktiengesellschaft Ludwig Wessel wird ein ähnliches Erträgnis wie im Vor­jahre erwartet; die Schätzung der Dividende geht auf wieder 7 Prozent.

Märkte.

[] Kirchhain, 29. Nov. Auf dem heutigen Rindvieh- markt merkt man, daß die Gießener V i e h >n a r k t s v e r r e w i e d e r a u f g e h o b c n ist, beim ber Auftrieb von Rindvieh belief sich nur etwa ans 500 Stück. DaS vorigemal war es fast die doppelte Zahl. Da schon gestern ein reger Vorverkauf geherrscht hatte, war ber Markt heute bald geräumt. Auch auf dem Swchei ne­in ar kt herrscht bei mittleren Preisen ein flottes Geschalt.

fc. Frankfurt a. M., 30. Nov. «Orig.-Telegr. deLGieß. Anz.") S ch w e i n e m a r k t. Zum Verkauf standen 1403 Schweine. Schweine: 1. Qualität 59-60 Psg., Lebendgewicht 4700 P'g., 2. Qual. 5758 Pfg., Lcbeudgewicht 46-00 Psg.. 3. Qualität 6255 Pfg., Lebendgelvicht 0000 Pfg. Geschäft schleppend, Ucborftmit) nnbedentoud.