Nr. 282
Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulst*. K, Lei. Nr. 6L Letegr.-Adr. i An-etger G letzen»
Zweites Blatt. 154. Jahrgang Mittwoch 30. November 1904
Wdjetnl «glich mü Ausnahme bei Sonntags. T A^ RoiattonSdruck und Verlag der Vrühllch«
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Der Krieg.
Ans der Mandschurei
Tokio, 29. Nov. Das kaiserliche Hauptquartier veröffentlicht folgende zusammen fassende Mitteilungen über die letzten Vorgänge in der Mandschurei: Am 27. November abends unternahm der Feind eine schwache Beschießung von Santaokuntsu und versuchte von 6y2 Uhr an einen Nachtangriff, der um 8i/2 Uhr zurückgeschlagen wurde. Während dieses Angriffs beschossen bei Weichialoutsu stehende feindliche Mörser' Santaokuntsu und Kanchiawotsu, sowie die Umgebung dieser Plätze, haben jedoch keinen Schaden angerichtet. Won Sonnenuntergang an beschossen die feindlichen Mörser und Feldgeschütze, die westlich von der Bahnlinie aufgestellt waren, unaufhörlich die Umgebung von Kuchiatsu. Gleichzeitig besetzte die feindliche Infanterie ein Dorf nordwestlich von Non- kuantsu und feuerte in der Richtung auf das nördlich von Kuchiatsu gelegene Dorf Siakochinfu. Am Abend um 81/2 Uhr hörte das Feuer nach und nach auf. Abends um halb 11 Uhr eröffnete feindliche Infanterie, die westlich der Eisenbahn am rechten Sch>ahoufer stand, ein unregelmäßiges Feuer, das um halb 12 Uhr nachließ. Es fanden mehrere Patrouillen-Scharinützel statt. Sonst ist die Lage unverändert.
Petersburg, 29. Nov. General Ssacharow meldet dem Generalstab unterm 29. Nov.: Gestern nachmittag begann der Feind, der unsere Stellung bei Tsischet- sch en angriff, sich langsam zupückzuziehen. Unsere Vorhut verfolgte ihn. Sie wurde aus dem Dorf, das vier Werst vor der Position liegt, beschossen. Unsere Artillerie zwang den Feind, das Dorf zu räumen. In der Nacht zum 29. November liefen icine Meldungen über Kämpfe ein.
Petersburg, 29. Nov. Generaladjutant Kurost a t t i n meldet dem Kaiser unterm 28. Nov.: Der am 28. Nov. wieder aufgenommene Kampf bei Tsischet- schen endigte gegen 11 Uhr mittags. Unsere Truppen sind eben dabei, in der Nähe unserer Stellungen im Zentrum und aus dem rechten Flügel die Gefallenen zu beerdigen. Bis 12 Uhr mittags wurden 2 30 japanische Leichen gefunden, die alle zum siebenten Reserveregiment und zur neunten Reserve-Brigade gehörten. Wiele Gewehre, Schanzzeug und andere Ausrüstungsgegenstände wurden erbeutet. lieber andere Kämpfe liefen am 28. Nov. keine Meldungen ein.
Petersburg, 29. Nov. Der „Nuss. Tel.-Ag." wird aus Huanshan vom 29. ds. gemeldet: Die Japaner griffen gestern bei Tagesanbruch die Wteilung des Generals Rennenkampf an, wurden aber unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Die Umgehung der rechten Flanke der Russen durch drei Kompagnien der Japaner wurde von einer russischen Batterie vereitelt. Tie Russen sammelten und beerdigten «3 0 0 gefallene Japaner und erbeuteten viele Waffen.
Die Lage vor Port Arthur ist nach neuester japanischer Darstellung folgende: Was die Forts von Sungschuschan und ostwärts davon betrifft, haben wir auf den Kontreeskarpen und in deren Nähe die Kämme der Glacis stark befestigt, doch ist der Zeitpunkt des Angriffs noch nicht gekommen. Wir zerstören jetzt die Grabenkästen. Auf dem 203 Meter-Hügel gelang es uns, durch mehrere Angriffe die feindlichen Schutzgräben des Gipfels zu erobern. Wir halten jetzt diese Stellung besetzt und sind bemüht, das ganze Fort zu nehmen. „ . , .
Petersburg, 29. Nov. Der Korrespondent der „Birschwija Wjedomosti" in Mukden telegraphiert am 29. November: Ein Kosaken-Offizier, der aus Port Arthur, wohin er vom Generalstab der Armee in Mukden gesandt worden war, wieder in Mukden eingetroffen ist, sagte ihm, er stieß in Port Arthur überall auf einen vortrefflich e n Ge i st. Alle seien dort der Ueberzeugung, daß Port Arthur nicht genommen werde. General Stössel sagte ihm persönlich: „Ich bin überzeugt, daß Port Arthur nicht genommen wird. Wir werden auf Entsatz war'ten." „ a , . t .
Rom, 29. Nov. „Italia Militare" zufolge haben die Japaner mittels Dynamit den nördlichen Teil des tyons Erlungschan in die Luft gesprengt. Hrerb^ wurden 1 Russen getötet u.nd 20 Geschütze außer (^fecht gesetzt. 300 japanische Geschütze konzentrieren angenbhmicg ü)r tfeua iuf das Fort, dessen Fall stündlich erwartet wird.
Friedensverhandlnrrgen?
London, 29. Nov. Gerüchtweise verlautet, im Auswärtigen Amte erkläre man, daß, obgleich augenbllckluh eine Vermittelung zur Beilegung des ostasiatischen Krieges unangebracht sei, doch zwischen F^ukrerch und England Verhandlungen gepflogen werden, dahmgeherw, eine günstige Gelegenheit für eine Intervention abzuwarcen. Vorläufig handle es sich darum, dem Zaren die Absichten' desMikado mit zu teil en ; dieser werde nach dem Falle von Port Arthur eine Proklamation erlassen, worin er mitteilt, daß die Japaner auf jeden Besitz der Mandschurei verzichten. Sobald diese Prorla- matton erschienen sei, würden England und die Vereinigten Staaten sich mit derselben einverstanden erklären, unter der Bedingung, daß die russische Regierung jede Annexion der Mandschurei aufgibt. Nachdem dies geschehen, wurde die Basis für direkte Unterhandlungen auf diplomatischem Wege geschaffen sein.
Die Untersuchung des Hüller Vorfalles.
Baris 29. Nov. In denn heute abgehaltenen Minister- rate machte der Minister des Auswärtigen, Telcassö, von dem Wunsche Englands und Rußlands Mitteilung daß ein französischer Admiral als Mitglied des Schiedsgerichts zur Entscheidung M»? den Vorfall in der Nordsee ernannt werde Von der Reg'rung ist Admiral Fournier für diesen Posten bestimmt Mr die Verhandlungen des Schiedsgerichts wrrd das Palais hU Ministeriums des Aeußeren zur Verftigung gestellt werden. M Varis 20 Nov. Die Regierung der Vereinigten Staaten den Vizeadmiral Chadwick, Ofef der südatlantischen Motte zum Vertreter in der Hüller Kommission, uotf'xm 9CbmiraI Dcwe v abaelehnt hatte.
Nüssen unterwegs.
AuS dem französischen Hafen B r e ft kommt folgende Meldung vom 29. b. Mts.: Dos russische Torpedoboot „Pronzi- te l n y" ging heute nachmittag in das hiesige Arsenal. Das Schiff hatte^ im Aermelkanal einen heftigen Sturm zu bestehen, wobei der Schiffsrumpf an mehreren Stellen durchlöchert und das Steuer^ schwer beschädigt wurde. Die Havarien sind derartig, daß sie eine Gefahr für die Be- s a tz u n g bilden, sodaß die Reparatur im hiesigen Arsenal völkerrechtlich zulässig ist.
Das Leben in Mukden.
Von befreundeter Seite wird uns ein Bries, der a u s M u k d e n am 28. Oktober abgegangen ist, zur Verfügung gestellt. Ein höherer russischer Offizier, der den Feldzug im Stabe des 10. Armeekorps unter dem General Siutschewskii mitmacht, hat ihn geschrieben, tiefer das Leben und Treiben in der alten Hauptstadt der Mimdschu entnehmen tvir ihm nachstehende fesselnde Schilderung:
Noch vor einem Mon^t herrschte in Mukfen die Stimmung eines halb in Ausbruch besindlickxm Feldlagers. Auf den Straßen und in den Läden drängten sich Soldaten. Mehr als die Hälfte der Geschäfte der Riesenstadt war aber geschlossen und jeder Handel wurde zaghaft und eilig abgeschlossen. Tie Schaufenster, wenn man diesen europäischen Ausdruck gebrauchen darf, waren geräumt, wertvolle Sachen in Kellern vergraben oder ganz fort- geschasft, das bessere Publikum über alle Berge: statt der Equi- pagen sah man auf den Straßen nur noch zweirädrige Baueim- gefährte und russische Trainkarren. Tie Chinesen glaubten ittcfe, daß der japanische Elan an unseren Feldbeftstigunaeu abpralleu werde und sahen uns im Geiste schon auf dem Rückzug nach Tjelin. Auch die Schätze des chinesischen Kaiserpalastes imirben nach Norden geflüchtet.
Nun sind wir in den letzten Wochen um zwanzig Werst nach Süden vorgerückt und halten, statt am Hunho, am Schabo unsere Positionen. Oku, der „eiserne Soldat", hat uns nickt übermocht. Und sofort haben die Chinesen ihre Schlüsse daraus gezogen: die allgemeine Liquidation wird rückgängig gemocht. Als ich gestern hier ankam, erkannte ich Mulden kaum wieder. Alles ist von neuem so, wie cs vor unserem Rückzug nach Liaujang gewesen sein muß. In den Auslagen hängen mächtige Tigerfelle, Wildkatzen-, Zobel- und Blaufuckspelze, prächtige seidene Kleider. Jacken und Kaftans: man sieht kunstgewerbliche Sacken aus Marmor, Onyx, Jaspis und Bronze: auf den Ladenstufcn stehen Körbe voll Birnen, Weintrauben. Kastanien und Erdnüssen. Ta- zwischen bewegen sick fliegende Händler mit ihren Traglasten und rufen in tiefen Kehllauten, halb chinesisch, halb russisch. Zigaretten oder sonstige schöne Tinae zum Kaufe aus; Schubkärcner schreien und schiefen sich durch die Mmge, eine Herde Rindvieh wird getrieben, ein Berg von Kohlköpfen oder von Kauliang mitten Auf der Straße aufgehäust. Ein chinesischer Mandarin reitet auf einem mit unzähligen Schellen bimmelnden Esel, so gut es in diesem Tohuwabohu geht, in,die Innenstadt, hinterdrein auf einem großen Maultier mit kupfernem Behang eine reiche Chinesin in einer Art Sänfte, aus der sie zuweilen das bemalte Gesicht, die Pfeife im Mundwinkel, ferausstreckt. Vor dem Palast des mandschurischen Statthalters des Tsjan-Tsjun, stehen WäMer, in prächtigen, orangefarbigen Gewändern drängt sich die chinesische Beamtenschaft. Ein Bild von bestrickendem Reiz, trotz allen Verfalls und Schmutzes, dieses gemeinsamen Hintergrundes, von dem sich alles in China abhebt.
Auf den Straßen sieht man zuweilen die possierlichsten Gruppen, wenn ein russischer Soldat und ein chinesischer Händler sich verständigen wollen. Tie Chinesen sind sehr sprachfertig und eignen sich schnell e in paar fremde Brocken an, da sie aber das r nicht aussprechen können, sondern statt dessen sich immer mit einem l behelfen müssen, gibt es fortgesetzt komische Mißverständnisse. Statt eines Samowars sollte so mein Bursche eine Buddhastatuette bekommen, bis ein Dolmetscher ihn zum rechten Laden führte. Gut Ist es, daß wenigstens die Sprache des baren Geldes Überall verstanden wird. Ter Rubelkurs ist gestiegen, und die unverschämten Preise sinken seit unserem Abmarsch nach Süden. Vor der russisch-chinesistfen Bank ist eine ganze Wagenburg zusammengefahren nnd alle geschäftlichen Operationen sind in vollem Gange. Tas Hauptquartier ist von Mukfep nach Chnanschan übergesiedelt, aber die Hauptetappenstation, die Proviantämter und die großen Lazarette sind liier geblieben. Tiefe sind in den mächtigen Kasernen der Schutztruppe.untergebracht. Tie Schwestern arbeiten dort, angetan mit Männerjacken schwedischer Art; Krankenträger gehen fortgesetzt mit ihren Bahren von den Lazaretten zur Bahn, wo die transportfähigen Verwundeten in die Sanitätszüge verladen und nach Eharbin und Irkutsk gebracht werden. Im übrigen ist das ftüher so lebhafte Treiben auf dem Bahnhof erloschen. Ter von Norden kommende Ersatz von Offizieren und Mannschaften fährt glatt durch, bis zur Hauptstellung der Armee am Schaho.
Auf dem Lande sieht man die Chinesen in langen schwarzen Linien ihren zerstörten Törfern zustreben. Sie schneiden vom Kauliang, was noch zu retten ist, reparieren die Kazigs (die flachen Heizkörper, Ofenbänke) in den Häusern, kleben neues Papier über fee Fensterböhlen, spannen ihre Eselchen mit verbundenen Augen in die Göpel auf dem Hofe, lesen Erbsen aus und bereiten sich in jeder Art vor auf den Winter. Nach den Männern kommen die Frauen, die alten mit einem von Natur zimtfarbigen runzeligen Gesicht, die jungen, wie überall in China, stark geschminkt. Auch fee Bilder kommen wieder, aufgerollt, an die Wände. Man ist erstaunt, wie obszön die meisten der Darstellungen sind — und das bei einfachen Bauen:, während in Europa nur die Lebemänner der Großstadt dergleichen in ihren Schubfächern haben.
Auch mein Quartierwirt ist wieder heimgekehrt. Seine Kinder treiben Handel mit den Soldaten, verkaufen ihnen Zucker und Tabak. Ich roch 'schon den üblen Genlch seines Mittagsmahles. Er brachte mir zwei Birnen und fünf Eier in seinen fettigen Fingern und sagte grinsend: „Madame ist wieder da!" Auf dem Hofe stand sogar ein junges Chinesenmädchen, angepinselt natürlich und mit Papierblmnen im Haar. Nur eine felbe Werst weiter hinaus aber Platzen fee japanischen Shrapnels in der Luft. . . .
Deutsches Reich.
Berlin, 29. Nov. Man meldet attS Slawentzitz: Der Kaiser ist heute nachmittag von Neudeck hier eingetroffen und wurde vom Fürsten Hohenlohe-Oehnngen empfangen. In Begleitung des Kaisers befindet sich der Gesandte v. Schön (von dem wir kürzlich berichteten, daß er ein geborener Wormser ist. D. Red.)
— Der neue deutsch-serbische Handelsvertrag wurde heute hier durch den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherrn v. Nichthofen, und durch den hiesigen secblschen Gesandten Militschewitsch unterzeichnet.
— Dem Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses, Freiherrn v. Manteuffel, wurde aus Anlaß feines 80. Geburtstages der Titel Exzellenz verliehen. Minister Frei-
Herr v. Hammerstein überbrachte persönlich das ErnennungS- diplom.
Altona, 29. Nov. Im Ain'trage dcS französischen Ministers des Auswärtigen sprach der französische Generalkonsul in Hamburg dem evangelischen Militär-Obcrvfarrer Zierach vom 9. Armeekorps in einem Schreiben den Dank der französischen Negierung aus für die von ihm privatim bewirkte Wiederherstellung der Denkmäler und für die Pflege der Gräber der 1870/71 in Altona und Hamburg gestorbenen französischen Soldaten.
Eisenach, 29. Nov. Zur Beratung der Bedenken und Wunsche des jungen Herzogs von Koburg-Gotha zum D o m ä n e n - dl b ko m m e n ist heute hier eine Konferenz znsammeugetreten. Außer dem bisherigen Staatsministcr Hentig sind noch vier andere Mitglieder anwesend.
Kattowitz, 29. Nov. Während der gestrigen Kaiserjagd in Neudeck wurde der Kaiser von seinem Gastgeber in die Nähe der russischen Grenze geleitet, wo der russische Kammerkapitän von Nehbinder aus Wymyslow mit 18 berittenen Grenzsoldaten den Kaiser und das Iagd- gefolge mit einem dreimaligen Hurrah begrüßte. Der Kaiser war über die Ovation sichtlich erfreut und ließ allen Mannschaften ein neues silbernes Zweimark stück durch den Adjutanten überreichen. Kapitän Rchbmder dankte dem Kaiser, der sich mit ihm länger unterhielt
Kirche und vEute.
Straßburg, 29. Nov. Durch Entscheidung des Be- zirksprästdenten in Metz ist der Bürgermeister von Fameck angewiesen worden, dem Anträge auf konfessionelle Trennung des Friedhofes keine Folge zu geben. In der Begründung wird ausgeführt, daß in Fameck lediglich der katholische Kultus ausgeübt werde, daß es sonach an der Voraussetzung fehle, unter welcher Art. 15 de? Prairial- Dckrets die konfessionelle Trennung vorsehe. Aus anderen Gründen könnte eine konfessionelle Trennung nur zugelassen werden, wenn diese im Jntereffe des konfessionellen Friedens läge und die Beteiligten damit einverstanden seien. Dies sei aber nicht der Fall, da im Vorverfahren ausdrücklich Einspruch erhoben worden sei.
Ans Ziüdl ur.d Land.
Gießen, 30. November 1904.
** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Ministerialsekretär und Vorstand der Registratur beS Großh. Ministeriums des Innern, RegienmgsraL Rößler zu Darmstadt auf fein Nachstichen unter Anerkennung feiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipp des Großmütigen verliehen. — Dem BezirkSkassier N ahrgang in Lich wurde der Titel Rendant verliehen.
"Auszeichnung. Der Firma C. Staudinger Rachs. (Inh. Wilh. Spoerhase) hier wurden auf der Weltausstellung in St.Louis folgende Auszeichnungen zu erkannt: in der Abteilung für Präzisionsmechanik, Gruppe Wissenschaftl. Instrumente, Goldene Medaille; Gruppe Forst- wissenschaftlicher Unterricht, Goldene Medaille; Gruppe Chemie, „Vereinigte Fabriken für Laboratoriumsbedarf^: Beteiligung am Grand Prix.
** Ein Kauf. Hotelier Gustav Mund, der früherr Besitzer des Hotels Victoria hier kaufte für 400000 Mk. bett seither bein Hoflieferanten Krieger in Bingen gehörigen „Starkenburger Hof" mit ber wegen ihres wunbervollen Ausblicks auf ben Rhein unb ben Nieberwalb bekannten Großherzog Ernst-Lubwig-Terraffe unb wirb baZ Hotel in einigen Tagen schon übernehmen.
** Gemälbeversteigerung. Auf bie im gestrigen Inseratenteil unseres BlaiteS angekünbigte Gemälbcverstetge- rung, bie heute im Seltersweg 79 stattfindet, sei auch an dieser Stelle hingewiesen.
" Sein 25jährigeS Geschäfts!ubilaum begeht morgen ber Kaufmann E. G. Klein Henn, nachdem xr am 8. Juni b. Js. mit seiner Frau, Anna geb. Vogt, bereits seine silberne Hochzeit feiern konnte. Am 1. Dezember 1897 fing er fein Geschäft im Seltersweg 21 an, verlegte es 1883 nach Kreuzplatz 1, von wo er 1889 in sein jetziges eigenes Heim überftebelte.
** Konzert der ein. Indem lvir auf den Anzeigenteil verweisen, sei, so schreibt man uns, nochmals an dieser Stelle aus das Konzert am nächsten Sonntag, den 4. Dez.,^ nachm. 51/4 Nhr hin gewiesen. Fast erübrigt es sich, über das vortrefflich zusammen gestellte Programm ein Wort zu sagen. Es ist fürwaihr ein Mufterprogoamm. H<rben hnt in den ersten drei Abteilnugen eine Reihe der schöitsten Klaviersachcn. Chopins in den vier wichtigsten Gattungen! dieses Tondichters : Nocturne, (Stube, Walzer, Polonaise, dann Schumanns höchstinteresiante svmphouische Etüden, die hier unseres Wissens noch nicht zu Geyör gebracht worben sind, und zwischen diesen Teilen drei iDicnfccrboITc Lieder der größten Liedcrfürsten aller Zeiten und Völker, Hugo, Wolf, Franz Sck)ubert und Johannes Brahtns — aus letzteren sei besonders hin gewiesen: es ist fein letzter Gesang- bevor wir ihn betrauerten —, so bringt die 4. und 5. Llb- teilung dem Wir tuo sen sein Recht, aber mit Stücken, die zum trefflichsten gehören: Rossüns Barbier gehört den Klassikern ebenso an, hric Loewes Hochzeitslied rind die Schubertscherr Stücke, teils in Bearbeitnntz von LiSzt, teils vor: Tausia sind das feinste und köstlichste an diesem Zweige unserer musikalischen Literatur. Mit der Soiree de Vienne mib dem Marche militaire steheri und — Teresa Carreno bürgt 11118 dafür — Hochgenüsse ersten, allerersten^ Ranges bevor, und e§ müßte schon ein gar wrmdcrlicker Kauz sein, der hier unbefriedigt von dannen $ögc! Wer mag sich solche musikalischen Freuden entgehen'lassen?;


