her gemeldet. Die Tibetaner hatten große Verluste. Englisck-er- seits ein Offizier getötet, zwei Offiziere leicht verwindet, fünf Mann verwundet.
Gyangtse, 29. Juni. Die Tibetaner baten um Waffenstillstand während der Unterhandlungen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 30. Juni 1904.
** Personalien. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs vom 11. Mai ds. Js. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Groß-Bieberau: Georg Schönberger, Adam Heldmann, Philipp Böhm, Georg Ludwig Bohm, Friedrich Wilhelm Klenk, Friedrich Herlemann, Friedrich Spatz, Johannes Mager, Wilhelm Daub, Heinrich Gaubatz, Andreas Poth, Georg Daub, Philipp Schönberger und Wilhelm Göbel. — Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog haben den Hochbauaufseher Philipp Messinger zu Darmstadt zum Baggermeister bei dem Wasierbauamt Mainz ernannt.
** SDer vierte wissenschaftliche Fortbild- ungskursus für V o lks s ch u lieh r er an der hiesigen Universität fand heute seinen Abschluß. Auch in diesem Jahre waren aus der näheren und weiteren Umgebung Gießens etwa 170 Lehrer und Lehrerinnen zusammengekommen, um Anregung und Begeisterung zu suchen für ihren schwierigen umd verantwortungsvollen Beruf. Es handelt sich bei den Vorlesimaskursen — das sei immer wieder betont — weniger um Aneignung ausgedehnten Wissensstoffes, als vielmehr um die Kenntnis der Methoden bei wissenschaftlicher Arbeit und die Verwertung der wissenschaftlichen ErgeDnisse im Interesse der Jugend- und Volksbildung. In gang- hervorragender Weise ist es auch in diesem Jahre den Heiwen Dozenten wieder gelungen, ihre Hörer für Natur, Geistesleben und Kunst zu begeistern. Prof. Dr. Hansen schilderte in beredten Worten die Pflanzenwelt in ihren mannigfachsten Formen von den spärlichen Regionen im Norden bis zur üppigen Mittelmeerflora. Mit meisterhaftem Geschick brachte Prof. Dr. Groos eine übersichtliche Einführung in die Philosophie, indem er die metaphysischen Grundansichten entwickelte. Prof. Dr. Sauer endlich gab einen wundervollen Ueberblick über die Kunstepochen deutscher Architektonik und Malerei. Durch die Vorführung zahlreicher Lichtbilder war es den Anwesenden ermöglicht, die bedeutendsten Bau- und Bildwerke deutscher Kunst bewundeim zu können. — Der Abend vereinigte Professoren und Kursteilnehmer zu einer kleinen Abschiedsfeier im Ccrfä Ebel. Der Vorsitzende des Gießener Lehrervereins, Herr V. Müller, begrüßte die Erschienenen unb ermahnte in begeisterten Worten zur Einigkeit im Weiterstreben, in der Liebe zum Höchsten und den Menschen .und in der Liebe zum Vaterlande, dem sein Hoch galt. Hauptlehrer Storch-Butzbach schilderte in zündender Rede das Bildungsstreben des deutschen Lehrerstandcs und die ihm freundlichst entgegenkommende Bereitwilligkeit der Hochschulen. Sein Hoch auf die Herren Dozenten wurde begeistert ausgenommen. In längerer Ansprache wies Prof. Hansen auf die Beziehungen hin, die zwischen Universität und Volk bestehen sollten. Er b^eichnet es als höchste Aufgabe der Universität, ihre mannigfachen Mldungs- elemente den weitesten Kreisen zugänglich zu machen. So '.schön indes diese Bestrebungen sind, so schwierig ist es ifftr die Hochschullehrer selbst, direkt auf die breiten Massen einzuwirken. Da sind nun gerade die Volksschullehrer berufen, die Ueberrnittelung der Bildungswerte an das Volk zu besorgen. Für diese hohe Mission suchen sich die Lehrer purch Einrichtung der Fortbildungskurse tüchtig zu machen. Falsch aber ist nach des Redners Uebcrzeugung die Wchanpt- nng von Gegnern des Mldungsstrebens der Lehrer, daß Hie Universität durch derartige Kurie Halbbildung großziehe.
erster Linie handelt es sich boch um Anregung zum Nachdenken über wissenschaftliche Probleme. Was nun die !so oft betonte Vorbildung anlangt, fo ist man sich in Hoch- ffchnlkreisen einig, daß es eine ganze Reihe wissenschaft- 'licher Disziplinen gibt, für deren Studium die Lehrer beute fm vollstem Maße vorgebildet sind. Und wenn die Hochschule in erster Linie die Absicht hat, bei den Studierenden den Willen zum Lernen zu wecken, so glaubt sie gerade den Volksschullehrern ihre Pforten öffnen zu müssen; denn bei ihnen ist der Wille zur Vervollkommnung ihrer Bildung in hohem Grade vorhanden. Zum Schluß spricht der Redner den Wunsch'aus, daß die Fortbildungskurse zu. einer dauernden Einrichtung werben und sich immer mehr ver- voMommnen möchten. Sein Hoch galt der deutschen Volksschule und ihren Lehrern. — In höchst humorvoller Weise toastete Herr Loch a u - Gleiberg auf die anwesenden Damen. Zur Verschönerung der Feier trug insbesondere der Gießener Lehrersängerchor durch Darbietung einiger Volkslieder bei. 'Großen Beifall fanden auch zwei Duette, die durch die 'Herren Val. Müller und Zimmermann zum Vortrag gelangten.
** Die landwirtschaftliche Genossenschaftsschule. Die fortgesetzt steigende Ausbreitung des landwirtschaftlichen Genostenschaftswesens und die hiermit im Zusammenhänge stehende Zunahme der berufsmäßigen Verbandsund Genostenschastsbeamten hat die systematische genossenschaftliche Fachbildung dieser Beamten und Anwärter auf derartige Stellungen zu einer dringlichen Aufgabe gemacht. Die Erlangung der zu ihrem Berufe erforderlichen umfangreichen genossenschaftlichen Fachbildung konnten sich diese Beamten seither nur im Wege der praktischen Erfahrung verschaffen, da die bestehenden Lehranstalten das ländliche GenostenschastSwesen entweder gar nicht oder nur in unzulänglicher Weise berücksichtigen. Diese Tatsachen haben den Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genosten- schaften bestimmt, eine landwirtschaftliche Genostenschaftsschule ins Leben zu rufen. Diese Schule wird ihre Tätigkeit mit der Veranstaltung von Unterrichtskursen für gcnostenschaftliche Berufsbeamte und Anwärter auf derartige Stellungen beginnen und alsbald weitere ähnliche Veranstaltungen zur Durchführung bringen. Der erste, etwa fünfwöchentlichc Unterrichts- kursus dieser Art wird Ende September — Oktober 1904 in Darmstadt stattfinden. Wie die „Gcnostenschaftsvreste" mitteilt, ist für den Kursus ein umfangreicher Lehrplan in allen Zweigen des ländlichen Genostenschaftswesens vorgesehen. Mit den Unterrichtsstunden werden ergänzend praktische Hebungen, abendliche Besprechungen, sowie die Einführung in den Geschäftsbetrieb mustergiltiger Organisationen sich verknüpfen. Für alle Einzelheiten verweisen wir die Interessenten auf die Bekanntmachungen in Nr. 11 und 12 der „Deutschen landwirtschaftlichen Genosteuschaftspreste". Bemerkt sei, daß
die Teilnahme am Kursus kostenlos ist und etwaige Anmeldungen an die Adreste des Reichsoerbandes in Darmstadt zu richten sind.
^Vortrag über Glanzplätten. Der Vortrag, welchen der Fachlehrer Klaksbrunn-Wien auf Veranlastung der Bürgermeisterei in der Turnhalle der Stadtknabenschule hielt, war von etwa 80 Frauen und Mädchen und 120 Schülerinnen, meistens aus den oberen Klasten der Volksschule, besucht, welche mit großem Jntereste den praktischen Vorführungen der Plättkunst zusahen und gespannt den Er- läuterimgen des Herrn Kalksbrunn lauschten. Die unter der Anleitung des Vortragenden von einigen Zuhörerinnen vor- qenommenen Versuche im Glanzplätten nach der neuen Methode zeigten ein überraschendes Resultat. Zwei kleine Mädchen im Alter von 12—13 Jahren hantierten mit dem Bügeleisen und bewiesen, daß nur wenig Kraft dazu gehört, um die von der Herrenwelt so sehr geschätzte schön glänzende Plättwäsche herzusiellen. Der Redner gab in einer leicht faßlichen Art Anleitung über das Zubereiten von Stärke, über die Methode des Einstärkens der Wäsche und über die Art, wie man beim Plätten mit den verschiedenen Wäschestücken verfahren müsse. Ueberaus praktisch und ökonomisch ist auch die empfohlene Art, ältere Wollstoffkleider, Herrenanzüge, Filzhüte rc., die wegen ihres Alters nicht mehr recht brauchbar sind, chemisch zu reinigen, auf einfache Weise mit Waschpulver und Master zu behandeln, um den Schmutz und die Flecken daraus zu entfernen. Da die Methode des Herrn Klaksbrunn eine sehr leicht faßliche ist, auch für solche Frauen und Mädchen, die sich bisher nie mit dem Bügeln von Wäsche beschäftigten, so erscheint es bei der Bedeutung der Sache für den Haushalt wünschenswert, daß dieser Vortrag in nächster Zeit noch einmal wiederholt wird. Volkswirtschaftlich lohnender und wirksamer aber würde es sein, wenn die Schuldeputation Veranlassung nehmen würde, den größeren Mädchen der Volksschule vielleicht zu je 12 in einem Vormittag nach der Methode Klaksbrunn Plättunterricht erteilen zu lasten.
Bad-Nauheim, 29. Juni. Das Wettertalbahn- Komitee hielt am letzten Samstag in Friedberg eine Sitzung ab, bei welcher Vertreter von folgenden Plätzen anwesend waren: Friedberg, Schwalheim, Rödgen, Wisselsheim, Steinfurth, Oppershofen, Rockenberg und Münzenberg. Zu der den Hauptgegenstand bildenden Beteiligung der Stadt Bad-Nauheim gaben die Vertreter von Friedberg die Erklärung ab, wenn die Bahn nach Bad-Nauheim komme, habe die Fortführung nach Friedberg für Friedberg wenig Wert; denn wer weiter nach Friedberg wolle, könne das mit der Main-Weser-Bahn sehr gut erreichen. Damit ist also die Frage gestellt: Soll die Bahn nach Friedberg oder nach Bad-Nauheim einmünden? Soll sie nach Friedberg führen, so bleibt Bad-Nauheim außerhalb; soll Bad-Nauheim das Ziel sein, so tritt Friedberg aus dem Komitee aus und Bad-Nauheim tritt ein. Diese Frage ist natürlich in dem Komitee besprochen worden und man einigte sich dahin, daß die beteiligten Gemeinden aufgefordert werden sollen, durch ihren Gemeinderat zu beschließen, ob die Bahn nach Friedberg oder nach Bad-Nauheim geführt werden soll. Damit hat die Angelegenheit einen erfreulichen Schritt vorwärts gemacht und die Frage ist in die Hände der Bewohner des Wettertales gelegt, aus deren Mitte bereits in der letzten Steinfurther Versammlung eine kraftvolle Kundgebung hervorgegangen ist. Es ist der berechtigte Wunsch der Bevölkerung, so meint der W. Anz., daß durch die neue Wendung keine Verzögerung in dem Bahnbau eintritt. Es ist aber auch der berechttgte Wunsch der Bevölkerung, daß die Bedürfniste jeden Standes berücksichtigt werden, und daß der Verkehr aus derjenigen Richtung, in welcher er sich zum Wohle aller Beteiligten naturgemäß entwickelt hat, nicht zum Schaden der Steuerzahler abgezogen wird. Der gesunde Sinn unserer Bevölkerung sieht klar, daß mit Bad-Nauheim zugleich Friedberg erschlossen ist, daß man aber den Bewohnern von Rödgen, Wisselsheim und den nördlichen Orten nicht zumutcn kann, über Friedberg nach Bad-Nauheim zu reisen und zu verfrachten.
a. Bad-Nauheim, 28. Juni. Zum Verkauf des „KaiserHof" ist noch zu berichten, daß der Hotelbesitzer Haberland aus Wiesbaden das Hotel für 1630000 Mk. gekauft hat und die Uebernahme des ganzen Geschäfts am 1. September 1904 erfolgt. Haberland soll 7 00 0 00 Mk. Anzahlung geleistet haben.
+ Fried berg, 29. Juni. Nm 2., 3. und 4. Juli eiert der hiesige GabelsbergerStenographen-Verein ein Stiftungsfest wobei, für die fünf besten Stenogramme ünf schöne Preise ausgesetzt sind und zwar ein Ehrenpreis vom Land- und Reichstagsabgeordnetcn Grafen Oriola von Büdesheim, ein Ehrenpreis von Friedberger Damen, ein Preis von Damen des Vereins, ein Preis von Freunden des Vereins und ein Preis vom Verein selbst. Das Fest ver- pricht sehr schön zu werden.
m. Ni ederflorstadt b. Friedberg, 29. Juni. Heute wurde der praktische ArztDr. M. von hier wegen Sittlichkeitsvergehens, begangen an einem 14 jährigen Mädchen bei Ausübung seiner Praxis, verhaftet. Der Sachverhalt ist folgender: Der fragt. Arzt behandelte schon längere Zeit das 14 jährige Töchterchen eines Landwirts von hier an einem Fußleiden. Als er in voriger Woche wieder nach dem Mädchen sehen wollte, waren sämtliche Angehörigen des Mädchens auf dem Felde, bei welcher Gelegenheit M. die Tat beging. Dr. M. ist 42 Jahre alt und hat eine Frau und zwei kleine Kinder. Der Arzt, aus der Gegend von Kastel, war ftüher Astistents-Arzt in einer Münchener Klinik und schon längere Zeit als Arzt hier tätig, wo er bis jetzt ehr geachtet war.
m. Nieder-Wöllstadt, 29. Juni. Heute stürzte der Arbeiter Schultheis von hier, welcher beim Oekonomen Kost Kirschen pflückte, vvm Baum, und zwar so unglücklich, daß er das Genik brach und sofort tot war.
Hungen, 29. Juni. Gegen die Kolonialpolitik ist in der Landesversammlung des Bundes der Landwirte für Hesten manch scharfes Wort gefallen. Der Vorsitzende des 25imbe3, Dr. Rüsicke, erklärte, es sei nicht zu leugnen, daß wir uns heute in Deutschland in einem allgemeinen großen Taumel befinden. Wir tanzen durchs Leben, wir feiern s Leben, und wir reden
uns durchs Leben. Das st Ursache dafür, daß man
auf politischem Gebiet alles so oberflächlich anffaßt. Nach ihm legte General-Major v. K l ö d e n -Wiesbaden dar, wie sehr angezeigt es wäre, das industrielle Absatzgebiet in der Heimat zu stärken, statt den Herero nachzulaufen, deren ganzer Hausbedarf noch nicht einmal einer Badehose qleichkomme. Wenn uns zugerufen werde: „Unsere Zukunft liegt aus dem Wasser", so sei er der Ansicht: „Unsere Zukunft wird zu Wasser, wenn wir das Land nicht halten".
§ Schotten, 29. Juni. Nächsten Sonntag den 3. Juli sindet der Hauptausflug des N. H.-K. auf den Hoherods- kopf statt. Das Fest beginnt um 12 Uhr; es ist zugleich eine Ausstellung von Erzeugnissen der Volkskunst im Vogelsberg und Umgegend damit verknüpft.
Darmstadt, 29. Juni. Der bis jetzt in Untersuchungshaft gewesene Sohn des ehemaligen Bankiers Schade ist gestern gegen eine Kaution von 10 000 Mk. aus der Haft entlassen worden.
Worms, 25. Juni. Die Handelskammer hat einen weiteren Ausbau des jetzigen Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb für notwendig erklärt, insbesondere, daß an die Spitze des Gesetzes eine allgemeine Definition des unlauteren Wettbewerbs gesetzt werde, damit auch die bei der jetzigen, sehr kasuistisch gehaltenen Vorschriften nicht zu fastenden Fälle vom Richter behandelt werden könnten.
fc. Frankfurt a. M., 29. Juni. Gegen einen hiesigen Bauunternehmer wurde Anzeige erstattet wegen Sittlichkeitsverbrechen ä, la Sternberg. — Der Magistrat beantragt bei der Stadtverordneten-Versamm- lung die Bewilligung von 130 000 Mk. zum Ankauf der Kunstsammlung des verstorbenen Bankier v. Metzler. Die gleiche Summe ist vom Kunstgewerbe- verein einerseits und von Privaten andererseits zum Ankauf der Sammlung bewilligt, bezw. aufgebracht worden, so daß sie insgesamt 390 000 Mk. kosten wird.
Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Mainz stürzte am 29. d. M. in einem Neubau an der Rheinallee der 22jährige Taglöhner Wald vom dritten Stock durch den Schacht eines Aufzugs in den Keller und war sofort tot. — Im Auftrag der Heff. Handwerkskammer finden eben im Groß Herzogtum darüber Erhebungen statt, ob und welche Nachteile die Gewerbetreibenden durch Gewerbebetriebe des Reichs, des Staates, der Gemeinden u. s. w. erleiden. — Wegen des Automobilunfalles bei H olzhausen hinter Langenschwalbach, infolgedessen der fürstl. schaumburgische Kammerherr v. Specht ums Leben kam, während der Chaffeur und der Prinz Moritz von Schaumburg unverletzt blieben, hat die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung einqeleitet. Der Chaffeur bleibt bis zur Erledigung in Langenschwalbach. Der Prinz ist nach Bonn zurückgekehrt. Ob der Chaffeur oder der Prinz den Wagen gelenkt hat, darüber gehen die Angaben, wie es scheint, auseinander.
*Göttingen,29 Juni. Bei Bursfelde ist ein einspänniges Fuhrwerk in di e Weser gegangen. Der Kutscher ist mit seinem Pferde ertrunken.
* München, 29. Juni. Bei der Verhandlung einer Zivilklage gegen den Arzt Dr. Iwan Braunstein, der sich bekanntlich wegen Verdacbts des Gattenmordes in Untersuchungshaft befindet, wurde sowohl vom klägerischen wie vom be- klagtischen Anwalt festgestellt, das; die Untersuchung gegen Dr. stein einen für den Angeklagten sehr günstigen Verlauf nimmt Bei der gegenwärtigen Sachlage sei wohl die Cinstellung des Verfahrens zu erwarten.
* Nürnberg, 29. Ium. Tas Automobil des Baumeisters Nikol geriet zwischen zwei Wagen der elektrischen Straßenbahn. Das Automobil wurde zertrümmert. Nikol konnte abspringen, seine Frau wurde schwer verletzt.
* Paris, 29. Juni. .In Septuil bei Versailles erschoß der angesehene Notar und Bürgermeister Richard seine Frau und sein 6jähriges Söhnchen im Schlaf und tötete sich dann selbst. Er soll die Tat in einem Wahnsinn.sansall begangen haben. — In der Ortschaft Eptais wurden sieben Brunnenarbeiter verschüttet. Dreißig Mann Pioniertruppen sind aus Versailles an der Unglücksstelle eingetroffen und mit den Rettungsarbeiten beschäftigt. — Wie aus Chcmbery berichtet wird, stürzte bei einer Heining des 13. Alpenjäger-Bataillons ein Munitionswagen infolge Scheuwcrdens der Maultiere in einen $raben. Gin Soldat wurde getötet.
* Preßburg, 29. Juni. Der Oberleutnant Bartholdy von den Jägern wurde wegen schwerer Soldatenmißhandlungen verhaftet und das Verfahren gegen ihn eingeleitet.
* Konstantinopel, 29. Juni. Da bei Maskat und in der Umgegend des persischen Golfs die Cholera ausgebrochen ist, wurde für Provenienzen aus Maskat eine fünftägige Quarantäne angeordnet. Die Quarantäne für Provenienzen aus Port Said und Aden ist aufgehoben.
* Newyork, 29. Juni. Ter verflossene Montag war der heißeste Tag seit 28 Jahren. Viele Personen starben an Hitzschlag. Gegen abend entlud sich ein furcht' bares G e Witter. Der Sturm deckte zahlreiche Häuser ab. Ein Gebäude mit 16 Personen stürzte ein und be- grub die Bewohner. Ein Dampfer mit 40 Personen gi^rg unter. Fünf-Personen ertranken.
* Newyork , 29. Juni. Tas Leichenschaugericht entschied, daß das Unglück des Dampfers „General Sloeum" aufdasschlechteVerhaltenderDirektorender Knicker- bocker-Tampfschiffgesellschaft zurückzuführen sei. Auch der Kapitän des verunglückten Dampfers, van Schaick, und der Kapitän Pease, von der Gesellschaft, seien strafrechtlich verantwortlich. Gegen die Direktoren und die Offiziere, im ganzen 11 Personen, wird Anklage wegen Totschlags erhoben und ihre Verhaftung angeordnct. Doch wurden sie gegen Bürgschaft freigelassen.
* Eine sensationelle Entdeckung wurde in Jack- kreek (Wisconsin) gemacht. In der Umgebung dieser Ortschaft be- indet sich ein Hügel, der aus Quarz und Kiesel besteht. Es genügt, mit einem Pftug über den Hügel zu fahren, um Goldkörner von großem Wert aufzudecken. Eine Tonne dieser Erde soll angeblich Gold für zwei Pfund Sterling enthalten.
* Ern Revolverattentat hat der Graf Karl Milewski auf den Studenten Bruno Barber in 23 i en verübt. Barber erwartete mit seiner Braut Cäcilie Wlodimirska auf dem Nerdbahnhof den aus Kraken ankommenden Grafen, dessen rühere Geliebte diese war, und forderte die Rückaabe kompromittierender Briese. Ans ein Schimpft»»« des Grajen versetzte ihm Barber ewen Faustscklag, worauf der Kr«f einen Nevolvuschuß abfeuerte. Er wollte dann auch auf das Mädchen schießen, wurde aber von Polizisten daran gehindert. Dar schwerverletzte Barber und feine Braut, die einen Nervencboc erlitt, wurden in ein Sanatorium überfuhrt, der Graf wurde verhaftet. Letzterer hat schon vor Jahren ein Revolverattentat auf einen Gouverneur in Rußland.verübt und ist deshalb ausgewiesen worden.


