Ausgabe 
29.10.1904 Zweites Blatt
 
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Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.A,

TeU Nr, 6L Telegr.-Adr. i Anzeiger Gieße»,

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.

Die«letzener tfamilienblätter werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Landwirt" erscheint monatlich einmal.

* RotattonSdruck und Verlag der Brühl'scheu /v Untversitätsdruckerei. R. Lange, Gieße»,

Mr. 255 Zweites Blatts 154. Jahrgang Samstag LS. Oktober LNO4

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Sichen.

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Appell an die Linke. Wenn die Regierung heute stürzt, so wird die ganze Mehrheit zerfallen und ein unheilvolles Chaos eiltstehen.

Kriegsminister Andre erklärt, er habe keine Kenntnis von diesen Briesen und verlangt nähere Mitteilungen über dieselben. (Lebhafte Bewegung.)

iBilleneuve setzt seine Rede fort und führt die Namen

geborene Gräfin von Seinühcim, Exzellenz, auf ihr Nachsuchen, in Ailerkennung ihrer fünfzigjährigen treu gdciftctcii Dienste, mit Wirkung vom 1. November 1904 an von den Funktionen einer Oberhofmelsterin ju entbinden «cruljU

Tie weitere Debatte zeitigt vier Tagesordnungen. Die Regierung nimmt die Tagesordnung Maujan a n, welche lautet:Die Kammer tadelt die in der Debatte en>tt- hüllten Tatsachen, falls sie wahr find, und kst ü b e r z e u g t, daß die Regierung sie korrigiieren wird." Jin Hause wächst die Erregung immer mehr, weil erzählt wird, daß hinter den Kulissen eine Mehrheit gegen die Regierung geschmiedet ist. der Tat besteigt D o u m e r von die Tribüne und erklärt sich gegen die Tagesordnung Mau-

Fusan, 28. Okt. (Reuter.) Die Japaner nahmen gestern den einzigen Hügel südlich vom Sch aho den die Russen noch besetzt hielten, und erbeuteten« Zwei Maschinengeschütze. Die Japaner hatten 20 Vote und 80 .Berlnundete, die Russen 30 Tote.

Ein erfolgreicher Angriff auf Port Arthur.

Ans MM Ullö LMS.

Gießen, den 29. Oktober 1904.

** Personalien. S. Lt. H. der Großhcrzog Haden Schlüsseldame Anna Westerweller von Anthoni,

20__________36

Man schreitet zur Abstimmung über die Priorität für die Tagesordnung Maujan. Tie Priorität tvird mit 282 gegen 278 Stimmen angenommen, die Regierung hat also nur vier Stimmen Mehrheit. Der erste Satz der Tagesordnung Maujan wird darauf mit Handansheben einstimmig angenommen, lieber dell zweiten Satz, welcher das Vertrauen in den Kriegömillister ausdrücki erfolgt namentliche Abstimnlnng, die eine Auszählung uötiQ macht. Xer Satz wird mit 278 gegen 274 Stimmen angenommen Schließlich wird die. gesamte Tagesordllnng Maujml mit

Lazarettmit 100 Betten einzurichten und das nötige Per- lonal dazu zu stellen. Wenn hort keine geeigneten Räumlich­en vorhanden wären, erbietet sich das deutsche Rote Kreuz emige -öaraaen zu erbauen. Es ist ferner bereit, einen Sanitäts- zug von 25 Wagen aus seine Kosten zu erhalten, sowie scUieß- uch verwundeten russisck)en Offizieren im Bedarfsfälle Vergünstig- ungen auf den deutschen Eisenbahnen zu erwirken.

. . ^nne Materialwaren Handlung in Kiel erhielt vor emrger Bett einen bedeutenden Auftrag zur Lieferung von Le- £ «c? i11 Wc ?n nac^ Nagasaki. Ta die Lebensmittel unzweifel-- Ycht jur Oie japanische Armee bestimmt waren, so hat die m BeobackKung der deutschen Neutralität die Ausführung das Auftrages abgelehnt.

Irr Krieg zwischen Japan und Rußland.

Aus der Mandschurei.

Petersburg, 28. Okt. DerMrschewija WjedoMostt" wird aus Mukden telegraphiert: Gestern feuerte die japanische Artillerie den ganzen Tag. Ein ernster Kanrpf wurde erwartet, blieb jedoch aus. Die pauer beobachten hie Russen von vorgeschobenen Stell- ungen aus. Die russischen Abteilungen stehen karnpfbereit.

Petersburg, 28. Okt. GeneralSsach arow meldet dem Generalstab unter dem heutigen Datum : Am 26. Okt. unternahm unsere Kavallerie eine Erkundung mit bedeu- Anderen Kräften in der Richtung auf das Dorf Chekentai. Eine Abteilung nöttgte den Gegner, sich, beim Dorfe

!Z>cr frenzöstsche Kriegsminister in der Klemme

Tie französische Deputiertenkammer war am Freitag dicht besetzt. R o u s s e t (Nationalist) interpellierte über die Verhältnisse an den Kriegsschulen von St. Cyr und St. Maixeut und beschuldigte den Kriegsminister, daß er die pflichtvergessenen Offiziere zum Nachteil der patriotisch gesinnten Offiziere bevorzuge. Er spricht insbesondere von dem früheren Kommandanten von St. Maixeut, der Angebereien unter den Schülern organisierte, in der Schule eine gegen das Heer gerichtete Zusammenkunft gestattete und der dann zum militärischen Kommandanten des Palais Biourbon er­nannt wurde. Redner schließt mit einem Protest gegen das System der gegen Offiziere gerichteten Angebereien.

Kriegsminister Andrö ernndert, daß die angeführten Tatsachen unrichtig oder verkehrt wiedergegeben seien; er stellt dieselben unter dem Beifall der Linken richtig und weist die Anschuldigung zurück, daß er der Beförderung von Offizieren wegen ihrer religiösen Ansichten hinderlich gewesen sei. Ter Kriegsminister schließt, iiißem er betont, !daß die einzigen Prinzipien, welche er in der Armee zu verbreiten sucht, seien: Unterwerfung (unter das Gesetz, Achtung vor der Republik und Gehorsam gegen die Re­gierung.

Villeneuvc (National.) führt aus, die Zerrüttung des Heeres müsse General Andrö und den Freim aurer­logen zugeschrieben werden. Diese stellten Zeugnisse aus, von denen die Beförderung der Offiziere abhänge. Hierfür wurde eine Abteilung im Kriegsministerium eingerichtet. Ter Redner verliest Briese vom Hauptmann Mottin, der mit diesem Dienst beauftragt war.

294 iQiegett 263 Stimmen angenommen und die Kammer, vertagt sich auf Donnerstag.

Tie Situation des Kriegsministers war so gefährdet^, daß sich während der letzten Auszählung im Hause bie, Vertrauensmänner der Mehrheitsparteien vereinigten, um für den Fall einer Niederlage des Generals eine anderer Tagesordnung vorzubereiten, welche Combes und den; übrigen Ministern gestattet hätte, im Amt zu verbleiben In den Kouloirs der Kammer rechnete man nach der Sltz^ ung mit der Möglichkeit einer freiwilligen De­mission des Kriegsmini st ers, doch ist noch ntchtL Bestimmtes darüber bekannt geworden. Wahrscheinlich Wirtz Combes jede Krisis vermeiden.

Shanghai, 28 Okt. (Reuter.) In einem Privat-Ider Offiziere an, welche der Loge Grandorient Berichte schreiben aus Port Arthur vom 21. Oktober an einen euro-!über Offiziere lieferten, päischen Kaufmann heißt es:Stössel telegraphierte an " - ~

den Kaiser und den Hof:Ich sage Ihnen allen nun adieu aus immer. Port Arthur wird mein Grab" Der Brief beschreibt sodann die Zustande als die schlimmsten.

To kio, 28. Okt. (Reuter.) Nach hier eingegangenen, amtlich allerdings n 0 ch n r ch t be stü t i g t en Meldungen eröffneten die Japaner am Morgen des 26 Oktober einen affßemeinen Angriff auf die Rikwanforts

^ort Arthur uno brachten die russischen Bvtterien zum jan. Ter Sozialist Jaurös aber richtet einen zündenden Schwelgen. Eine Granate sprengte ein russisches^'-------- - ------ - dULnüLn

Magazin i,u die Luft; gleichzeitig griffen die Japaner die Forts aus deni Erlung und Sungtschu an, brachten die russischen Batterien zum Schweigen, erstürmten und b e - setzten die Forts vor dem Erlung und Sung- tschu. In der Nacht zum 27. Oktober stand Alt-Port- Arthur in Flammen. Mn 27. Oktober traf eine Granate das russische SchlachtschiffSewa­stopol". Ein anderer russischer Dampfer wurde von zlvei Granaten getroffen und sank.

Ker Aufstand in Aeulsch-SüdwestafriKa.

Zur Lage wird von kolonialer Seite gefchriebe»r

Tie Meldung des Generals v. Trotha, tafc bie Herero er* mattet und wider st andsunfähig find, hat von eüteor Alpdruck befreit. Bereits am 28. September berichtete eine De­pesche, daß ihr Widerstand gebrod>en fei. Tie Großen ließen nicht nur ihr Vieh im Stiche, sondern auch ihre Wecher unb Kinder und suchten nur fick) selbst zu retten. Tie daran ge­knüpfte Hoffnung, daß der Aufstand vor seinem unmittelbaren Ende stände, envies sich aber insofern als trügerisch, als die flüchti­gen Banden, in die sich die Masse der Herero aufgelöst batte, immer wieder der Verfolgung entschlüpften. Torans entstand bk! erklärliche Befürchtung, daß sich die Verfolgung in dsm unwegsamen Lande noch so lange hinziehen könnte, wie der Krieg schon jefrt gedauert hat. Tie neueste Meldung hebt diese Besorgnis. DaS Ende ist in nächster Zeit zu erwarten. (Wir fitzen- auf dieserWartburg" nun lckwn recht lange und haben uns nach­gerade so dttn eingewöhnt, daß wir meinen, es noch länger, als hierenuartet" wird, aushalten zu müssen. D Red. d.Gieß. Anz.") Ein deutliches Zeichen für diese Aussicht war schon die Reise des Kommandeurs nach Windhuk und die Uebergabe des Oberbefehls im Norden an einen Stabsoffizier. Ueber die Stärke der Herero nach ihren großen Verlusten sind wir heute noch ebenso völlig int Unklaren, wie im Anfänge. Tem (£ n t » weichen der Häuptlinge nach Osten wird durch bte' Verlegung einer weiteren Kompagnie nach Go-, babis vorgebeugt. Unsere Aufmerksamkeit muß sich ntmf nach dem Süden hin richten. Tie H o t t e n t o t t e n stehen zunächst an Stärke hinter den Herero weit zurück. Einzelne Stämme' haben sich dem Aufstande noch nicht angeschlossen und schönen sckMankend, zu sein. Unzweifelhaft wird die Unterwerfung der Verero auf diese beruhigeitd einwirlen. Toch darf man nicht vn> gessen, daß die Bodenverhältnisse in den betrefffenbe» Landstrickmt von Großnamaland für eine Kriegführung mit euro­päischen Truppen no ch schwierig er sind, als in Tamararland. Vor allem fehü das Wasser fast ganz z. B. im Karasgebirge, bte Karaskoma ist berüchtigt. Eine sehr schwierige und auf­reibende Aufgabe steht den Truppen dort bevor, und wir müsset uns mit Geduld wappnen. Wie aus mehreren über Kapstadt zu uns gelangten Tepeschen zu ersehen ist, haben die Beamten uud dre Truppenführer im Süden erkannt, daß die Bewachung der Grenze zur vollen Unterdrückung des Aufstande- von höchster Oe- beutung ist. Bei dem jetzigen Stande der Tinge ist es erklärlichi daß eine Heranziehung von Buren in größerer Zahl als Hilfs­truppe gar nicht in Betracht kommt.

TieTische. Taaesztg." meldet, daß für den mühsamen Klein­krieg, der uns noch unzweifelhaft dort lange beschäftigen wird, Buren brauchbarer als europäische Soldaten find, weil sie darin seit undenkltchen Zeiten geschult sind, während unseren Truppen eme solche Kriegführung ganz fremd ist.

Unser gestriges Telegramm, das von ausfichtsvollen Ver­handlungen sprach, ist noch unbestätigt, und wird es wobt bleiben.

Generalleutnant v. Trotha meldet aus Windhuk vom 28 Oft- Leutwein besetzte mit 60 Gewehren Nomtsas und Malt höhe. Für Gibeon, wo 90 Gewehre find, besteht keine- Gefahr.

Chailaios auf dem rechten Ufer des Hunho, gegenüber dem Torfe Cheaentai, in Schlachtordnung aufzustetten. Die feind- -liche Abteilung bestand aus ungefähr 1600 Mann Infanterie mit vier Geschützen und zwei Schwadronen. Eine Sottrie unterstützt durch baß Feuer einer zweiten, ritt eine Attacke gegen die feindliche Infanterie, die! in das Dorf Chaidakosa flüchtete. Auf unserer Sette drei Mann tot, zlvei verwundet. An demselben Tage unter­nahm auf unserem rechten Flügel eine Freiw illigen ab Leit­ung eine Erkundung. Nach 1 Mündiger Beschießung durch Mörser und Schnellfeuerbatterien gingen unsere Abteil­ungen gegen 11 Uhr abends gegen das Torf Tschan- laupu und ein namenloses Dorf, das westlich von jenem ttegt, vor. Aus letzterem verdrängten unsere Fireif­willigen den Fe ind und besetzten es. 20 Offiziere sind verwundet. Am japanischen Lager, westlich vom Schnie- halinpaß, stieg ein Luftballon empor, der nach einigen von unseren Freiwilliaen abgegebenen Salven sich wieder zur Erde niederließ.. Am 27. Oktober beschossen von 7 Uhr früh bis zum Eintritt der Dämmerung zwei feindliche Batterien den Hügel mit dem Götzen tempel, der zwei Werst südlich vom Dorfe Janssintun liegt und uns zu BeobachtungUvecken diente. Gegen 4 Uhr nach­mittags machten die Japaner einen Angriff gegen den Berg. Unsere Truppen wehrten sich heftig und zo §en sich auf die Hauptstellung zurück, nachdem sie vorübergehend zwei dcGvischenliegende Stellungen besetzt hatten. Darauf eröffnete unsere Artillerie von der Haupt- [ stellung aus das Feuer gegen den Berg und zwang die I Japaner, ihn zu räumen. ;

Kleine Meldungen.

Ta" deutsche Role st i e u» hat 6er russischen Regierung da- Ann:bltten gemadji, aus eigenen Mitteln üi Irkutsk -in

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Okt. Der Kaiser wird am 7. Dezember in Schwedt a. d. O. anwesend sein, um an dem Galafest des 2. Dragoner-Regiments Nr. 2 teilzunehrnen, welches zu Ehren des Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten von Braun­schweig, anläßlich seines 22jährigen Jubiläums als Chef dieses Regiments stattstndet.

Der Kaiser begab sich heute mittag nach Döberitz, um an der Parforeejagd teilzunehmen, der auch die Kaiserin, der Kronprinz und dessen Braut, Prinzessin Cecilie von Mecklenburg, beiwohnen.

Gegenüber einer Notiz des »Lipp. Tagebl.", wonach dem Lippischen Hofe von Dresden aus keine Meldung über das Hinscheiden des Königs Georg gemacht worden sei, wird der ,Deutsch. Tagesztg." auL Dresden mit* geteilt, daß von den am sächsischen Hofe üblichen Gepflogen­heiten auch in diesem Falle in keiner Weise abgewichen worden sei.

Essen, 28. Okt. Der Verband christlicher Berg­arbeiter wurde beim Handelsminister wegen der durch den anhaltenden Wagenmangel für die Belegschaft des Ruhr- bezirks geschaffenen Kalamität telegraphisch vorstellig.

Dortmund, 28. Okt. (Amtlich.) Bei der im Wahl­bezirk V, Arnsberg, stattgehabten Landtags-Ersatz- wähl entfielen von 2625 abgegebenen Stimmen 2366 auf den Fabrikanten Hermann Franken - Gelsenkirchen - Schalke (natlib.), Bürgermeister Dr. Haarmann-Wttten (natlib.) er* hlelt 153 Stimmen. Franken ist fomit gewählt.

M ä n chen, 28. Okt. Die Korrespondenz Hoffmann meldet oonr Königsee: Der Prinzregent leidet feit einigen Tagen an Neuralgie im rechten Bein und hat deshalb die Rückkehr nach München auf den 2. November ocr choben.

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