— Post-Paketadressen. Wie unS von amtlicher Seite mitgeteilt wird, verwenden manche Geschäftsleute in, Post-Paketverkehr Begleitadressen, die noch die Grütze der früheren amtlichen Formulare haben, obwohl seit Einführung der neuen kleineren Forinulare zu Post-Paketadressen bereits über 2 Jahre verflossen sind. Da die Postanstalten angewiesen sind, darauf zu halten, datz auch die von der Privatindustrie hergestellten Begleitadreffen in der Größe mit den amtlichen übereinstimmen, ist den Interessenten zu empfehlen, hieraus bei der Neu-Beschaffung von Begleitadreffen Rücksicht zu nehmen.
**4prozentige Gießener Evangcl. Kirchenge meinde-Obligation en können noch bis zum DienStag, den 1. November, zur Abstempelung in 3 i/i Prozent ige bei der Bank für Handel und Industrie, Depositenkasse Gießen, ewgereicht werden. Wir wollen nicht verfehlen, solche Besitzer, welche noch nicht unterrichtet sind, hiermit darauf aufmerksam zu machen.
* • Promenadenkonzert findet morgen 12 Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre zur Oper „DaS eherne Pferd" von Auber, 2. Balje 'bleue von Margis, 3. Jnwrtellenkranz auf Lortzings Grab! Fantasie von Rosenkranz, 4. Armee-Marsch Nr. 10 Prinz August 1806.
• • Laube'S „KarlSschüler" gingen gestern im Stadt- Lheater in Szene. Die Darstellung des bekannten, nur durch das Auftreten des Dichterfürsten Schiller über den gewöhnlichen Rahmen hervorragenden Schauspiels war als recht gelungen zu bezeichnen. Regie und Darsteller waren bemüht, eine möglichst abgeschlossene Leistung zu geben. Herr Linzcn schuf eine lobenswerte Figur des gefürchteten Herzogs, wobei ihn seine Stimmmittel wirksam unterstützten. Anerkennung verdient ferner Herr Lüttjohann als „Schiller", der mit edlem Feuer seine Rolle durchführte und dcssen^Maskc besonders in den beiden letzten Akten wohlgclungcn war. Eine vorttesfliche Leistung gab vor allem auch-Herr Andreas als „Spiegelberg". Charakteristische Figuren von derber Komik schufen Herr de Georgi und Herr Conradi als „General Rieger" und Sergeant Bleistift"; auch Fräulein Dülfer al§ „Laura" verdient lobende Erwähnung, wenn auch die Darstellung noch manches zu wünschen übrig läßt. Der Besuch der Vorstellung war verhältnismäßig gut, namentlich auf den besseren Plätzen. -r.
* * Die Gemälde-Ausstellung am Brand ist /iunmehr nach langer Pause wieder geöffnet und hat nahezu 100 Gemälde auszuweisen. Die Besucher der Ausstellung werden sich freuen, wieder einer Reihe von Bildern der hier schon wohlbekannten Münchener Richard Scholz und Richard Kaiser zu begegnen. Scholz führt uns ein großes Gemälde „Junge Wanderer" und Kaiser, der bekanntlich der Münchener Secession angehört, wieder 6 Landschaften „Motive vom Boden- und Chiemsee" vor. (Von den Gemälden, welche Kaiser im Mai d. Js. hier ausgestellt hatte, sind bekanntlich 5 Gemälde käuflich in hiesigen Privatbefitz übergegangen). Die Ausstellung haben noch mit sehr beachtenswerten Bildern beschickt: K. Gehrhardt, A. Rieper, M. Lüty, A. Rau und E. Schuch-München, H. Deiters und W. Hambüchen- Düsseldors, W. Krause-Dresden, F. Goepfert-Weimar, L. Leyenne-Charlottenburg, O. Ubbelohte-Goßfelden, H. Giebel, Elise Tauber und Auguste Pfeffer-Marburg, sowie unsere einheimische Künstlerin Marie Fclchner. Ferner sei noch erwähnt, daß der Vorstand des Kunstoereins für die Studierenden der hiesigen Universität, Halbjahres-Abonnements, für ein Semester gütig, eingeführt hat. Diese Karten sind in der Ausstellung erhältlich, wo auch das weitere zu erfahren ist.
* * Hessische Vereinigung für Volkskunde. Wir wollen auch an dieser Stelle darauf aufmerksam iuachen, daß die Hessische Vereinigung für Volkskunde nächsten Montag ihre diesjährigen Mitgliederabende eröffnen wird. Dec angekündigte Vortrag über „Tod; Sitten, Gebräuche und Anschauungen im Lumdatal" verspricht äußerst interessant zu werden, da Lehrer Lentz eine Fülle zum großen Teil ganz neuen Materials gesammelt hat.
* * Zur Stadtverordnetenwahl. Entsprechend den Ausführungen im „Gießener Anzeiger" vom 25. d. M. tagte gestern im Gasthaus zum Löwen die von der ersten Wahlversammlung eingesetzte Kommission gemeinsam mit den eingeladenen Vertretern der politischen und der namhaftesten wirtschaftlichen Vereinigungen. In einer sehr sachlichen und fruchtbaren Besprechsing wurde auf Grund einer vorläufigen Kandidatenliste eine Verständigung angebahnt. Die Zusammensetzung der Versammlung berechtigt zu der Hoffnung, daß der Wählerschaft in Kürze ein der Gesamt-Bevölkerung genehmer Wahlzettel vorgelegt werden kann.
* * Sanitätskolonne. Es wird uns mitgeteilt, daß für die Canitätskolonne ein Wiederholungs- und Erneuerungskursus am 6. November d. I. beginnt. Die Sanitätskolonne in im Laufe dieses Sommers wiederholt in Tätigkeit getreten. Ihre Zuziehung bei allen größeren Festlichkeiten und ihr wirkungvolles Eingreifen insbesondere gelegentlich des Jugend- festes beweist, daß ihre Gründung einem vorhandenen Bedürfnis entsprach^ Wir wünschen, daß sich Männer aus allen Kreisen unserer Stadt an dieser so gemeinnützigen Einrichtung beteiligen werden, zumal es für jedermann nur nützlich sein kann, einen sachentspccchenden Unterricht in der ersten Hilfeleistung bei Unglückssällen zu erhalten. Solche Kenntnisse sind überall zu verwerten, nicht zum wenigsten in der eigenen Familie. Tie Ausbildung der Kolonne hat wieder Herr Stabsarzt Tr. Ehrlich übernommen. Das nähere wird in den nächsten Tagen durch Inserate bekannt gemacht.
* * Kriegerverein Gießen. In der Oktoberversammlung sprach Gerichtsassessor und Leutnant d. L. Keller über das Thema: Wie mache ich mein Testament. Ausgehend von den ältesten Formen behandelte er die verschiedenen Entwicklungsstufen, die das Rechtsinstitut im römischen und gemeinen Recht durchgemacht hat. Tie ausführlichste Darlegung fanden die Vorschriften des B. G.-B., wobei auch einzelne Bestimmungen über eheliches Güterrecht in zweckmäßigster Meise eingeflochten mürben. Der Redner verstand eS, tn klarer allgemeinverständlicher Weise den Stoff zu behandeln und das Interesse seiner Zuhörer zu fesseln. Die Versammlung mar gut besticht. Auch unser BezirkSkommandeur, Oberstleutnant v. Mosch, hatte sich eingefunden. Tie Versammlung beschloß für nächsten Sommer einen Ausflug nach
dem Kyffhäuser, und eS wurde alsbald eine Reisekasse ge- grilndet, um den Vereinsmitgliedern die Teilnahme zu erleichtern.
-t- Groß-Zimmern, 27. Okt. Hier hat sich eine Anzahl gemeinnützig gesinnter Männer, darunter der Bürgermeister, der Vorsitzende deS Ortsgewerbevereins, mehrere Fabrikanten und Geschäftsinhaber zusammengetan, um eine Baugenossenschaft zu gründen. In einer am 26. d. M. stattgehabten Sitzung, der auch der Landeswohnungsinspektor beiwohnte, wurde daß Statut beraten und die Wahl von Aufsichtsrat und Vorstand vollzogen.
[] Marburg, 28. Okt. Unter der Bezeichnung „Forensisch-medizinische Vereinigung" hat sich hier eine Gesellschaft gebildet, bereit Zweck die Besprechung solcher wissenschaftlicher und praktischer Fragen ist, welche den Grenzgebieten zwischen Jurisprudenz, Medizin und Philosophie' angehören. Vorsitzender ist Landgerichtspräsident v. Heusinger, Stellvertreter Direktor der LandeSheilanstalt, Professor Dr. Tuczek.
[] Homberg a. d. Ohm, 28. Okt. Die langersehnte direkte und durchgehende Personen- und Gepäckabfertigung im Verkehr mit der Ohmtal-Bahn Kirchhain- Schiveinsberg ist jetzt genehmigt worden. Man erhofft durch diese Maßnahme eine Erhöhung der Rentabilität der Ohmtalbahn, die bekanntlich teils vom Großherzogtiun Hessen, teils vom preußischen Kreise Kirchhain gebaut wurde.
• Wilhelm, vergiß doch die Aepfel nicht! Tiese Worte rief am Donnerstag Prinz Heinrich von Preußen seinem Bruder, dem deutschen Kaiser zu, als dieser bei der Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals in Werder a. H. das Zelt verließ. In dem Zelt hatten nämlich die Werderschen Obstzüchter verschiedene Körbe mit besonders prächtigen Aepfcln und Birnen als Spende für die Damen des Hofes aufgestellt. Prinz Heinrich nahm selber einen Korb davon mit, Prinzessin Heinrich den zweiten und einen dritten die kleine Prinzessin Viktoria Luise. Als dieser ein Lakai den Korb abnehmen wollte, verbat sie sich dies mit den Worten: „Nein, ich trage ihn selber zur Drama."
* Ein Geschenk Kaiser Wilhelms an englische Jägerinnen. Als der Kaiser vor zwei Jahren als Jagd- gast seines Oheims, König Eduards "VIL, sich auf dessen Landsitz in Sandringham aufhielt, nahmen am Waidwerk auch drei Tarnen Anteil, die alle drei schon Großmütter sind: Die verwittwele Gräfin von Dudley, die Gemahlin des Mi- nisters des Auswärtigen Marqueß of Lcmsdowne, Schwester des Hezogs von Abercorn, und die Gattin des Marqueß of Ormonde, die aus dem Hanse der Herzöge von Westminster stammt. Alle drei Damen, deren Alter — wir wollen so höflich sein, eS hier nicht genau zu verraten — zwischen 60 und 45 Jahren schwankt, widmeten sich dem Vergnügen deS Iagdsports so lebhaft und frisch, daß der Kaiser seine helle Freude an ihnen hatte. Er versprach damals, ihnen Stoff zu Jagdkleidern zu schenken, wie dieser ausschließlich für ihn hergestellt wird. Er hatte sein kaiserliches Wort inzwischen gehalten und auf den diesjährigen Herbstjagden der britischen Aristrokratie sind die au§ so erlesenem Material hergestellten Kostüme der drei munteren Großmütter der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit und Beivunderung. So berichten wenigstens glaubwürdige Augenzeugen.
* Einen heiteren Nachdrucks-Reinfall berichtet der „Regensburger Anzeiger" in seiner Nr. voni 19. Oktober. Das Blatt bezichtigt den „Bayerischen Volksboten", ihm, dem „R. 91.", „nicht nur Provinznachrichten, Telegramme, telephonische Mitteilungen und Dienstesnachrichten ohne Quellenangabe nachzudrucken, sondern diese Nachdrucke auch noch mit Korrespondenzzeichen zu versehen", und um ihn einmal aufs Eis zu führen, brachte der „R. A." unter Telefonnachrichten die folgende erfundene Mitteilung: „Heidelberg, 18. Oktober. Bei dem Abbruch des weitbekannten alten Gasthauses „Zum Hirschen" wurde eine Menge wertvoller historischer Funde gemacht. Unter anderem hat man datz Original der goldenen Bulle Kaiser Karl IV., in einer silbernen Kapsel verschlossen, wohl erhalten, sowie ein feines Damaszener Schwert des Generals von Rodenstein und mehrere wertvolle Münzen aufgefunden. Dlan hofft, noch weitere bedeillende Funde zu machen. Der berühmte Archäologe Professor Dr. Lese ha die Echtheit der Funde bereits festgestellt." Den handgreiflichen Unsinn in dieser Mitteilung, auch den in dem Namen des gelehrten Professors verborgenen Esel hat der „B. V." nicht gemerkt, sondern die Mitteilung schnell und korrekt neben anderen Telefonnachrichten ohne Quellenangabe unter seinen eigenen Telegrammen abgedruckt.
' Ein Seiten stück zur Prinzessinsteuer in Mecklenburg gibt es in Bayern. Dort existiert nach dem „Würzb. Journ." ein Wochenbettgelb für Königinnen. Die beiben letzten Könige, Ludwig II unb Otto, waren nich verheiratet, der Landtag blieb also davon verschont, Kindbett- geld aus Staatsmitteln etwa in derselben Höhe zu bewilligen, wie die SDkcflcnburger Prinzessinsteiler. Unter den drei ersten Bayernkönigen figurierten solche Posten in der Staatsrechnung.
• Keine Enttäuschungen mehr in derEhe. Eine amerikanische Zeitung hat endlich das Mittel gefunben, um unglückliche Ehen aus ber Welt zu schaffen. Es plädiert nämlich für die Einrichtung eines Ehegerichtshofes. Männer unb Frauen, bic beabsichtigen, eine Ehe einzugehen, sollen sich in ein dort ausgelegtes Register eintragen und eine schriftliche, an Eidesstatt geltende Beschreibung ihrer Persönlichkeit abgeben. So muß eine Frau z. B. beschwören, daß ihr golden glänzendes Haar nicht gefärbt ist, daß die zwei Reihen Perlenzähne ihr von der Natur zu ihrem persönlichen ausschließlichen Gebrauch verliehen worden sind, daß ihre Figur durch keinerlei künstliche Nachhülfe verschönert worden ist. Sollte sich nachträglich Herausstellen, daß er oder sie falsche Eingaben gemacht haben, so ist dies für den Gerichtshof Grund genug, um die Ehe für null und nichtig zu erklären.
* Kleine Tages chronik. Im südlichen Teil von B r o k l y n (im Staate Newyock) brach Feuer aus unb zerstörte die Lagerhäuser der Bush Terminal Company, sowie die Dampfer „Nebraskan", „American" unb „Arizonan" von der Amerika- Hawaii Tampsschissahrigesellschall und ferner den Dampfer „Citla bi Palermo" lieber das Schicksal der Besatzungen ist nichts bekannt. - In 95 an b ud) bei Stahlkammer (Schlesien) wurde eine 70jährige 91 rb' terfrauuon »in em ft arten Rothirsch ange-
allen, aufgespießt und so zugerichtet, daß sie bald Darmt- t a r b. Von den zu Hilfe eilenden Bauern wurde einer am Ober- cbentel und an der Brust von dem wütenben Tiere schwer oer* em. — Infolge Einsturzes des Leopoldschachtes des Goldbergwerks Nägydanya bei Szatmar in Ungarn wurden 4 2 Bergleute verschüttet. Acht Leichen sind geborgen, 34 Bergleute lebensgefährlich verletzt. — In der Umgegend von H e r s f e l d grassieren Masern und Scharlach. In Heenes liegen von 97 örtjul- Einbern 74 an den Masern darnieder. In Kathus sind 31 'saiul- finber an Scharlach erkrankt.
Herichtslaal.
(th.) Gi eßen, 28. Olt. Tie Frage, ob es eine „Feuer- oder Branottankheit" gibt, unter besten Zwang etwa Menschen han- beln, welche sich der mit Vorsatz ausgesührtcn Brandstiftung schuldig machen, wurde Henle vor der S t r a f k a m m e r vom Sachverständigen, Atedizinalrat Tr. Haberkorn, entschieden verneint. Anlaß zu dieser Frage gab eine Anklage, welche sich gegen den 24 Jahre alten Bäckergesellen Karl Koch wegen fahrlässiger Brandstiftung und gegen die in Wien geborene 15 jähr. Tienstmagd S. H. wegen mehrfacher vorsatzliä>cr Brandstiftung und Jnbraiidjetzmig eines von Rlenschen belvohnten Hauses richtete. Beide Angeklagte waren in B a d - N a u f) e i ni beim Bäckermeister Gustav Aletter beschäftigt. Am 8. Juni d. I. erklärte Koch einem Meister, daß der von ihm zu bedienende Konditorofen leinen Zug mehr habe unb einer Reinigung bedürfe, worauf ihm der Auftrag wurde, die Reinigung vorzunehmen. Ter Angeklagte ging dabei sehr gründlich zu Werke, und nachdem er den Ofen gesäubert hatte, steckte er den Kamin ordentlich voll Stroh und zündete ihn an, obgleich diese Arbeit vom Kaminfeger vorzunehmen ist. hierdurch entstand am First des Daches ein kleines Schadenfeuer, welches voni Angeklagten alsbald bemerkt und gemeinsam mit dem zu Hilfe gerufenen Meister gelöscht wurde. Seit diesem Brande hat es im Aletter'sck>en Anwesen fast täglich gebrannt, ooch konnten alle diese Feuer alsbald nach ihrem Entstehen ohne 'onderlichen Schaden anzurichten, gelöscht werden. Sonderbarerweise war es in den meisten Fällen stets die H., welck-e zuerst den Brandgeruch im Hause wahrnahm und die auch wacker half, die Flammen zu löschen, indem sie Wasser herbeischleppte. Am 1. Juli machte die Angeklagte H. eine Hausbewohnerin wieder einmal auf Brandgeruch aufmerksam, ohne daß diese davon etwas merkte. Später fand man aber auf dem Gange einen angeb rannten Wattebausch unb einige angebrannte Streichhölzer auf der Erde vor. Ebenfalls am 1. Juli nachmittags teilte die Angeklagte mehreren Hausgenosfen mit, daß sie einen grauen Mann habe die Treppe hinausgehen sehen, der ihr verdäck-tig vorgekommen sei. In Gesellsckjaft von zwei Zeugen begab man sich in den eme Treppe hoch gelegenen Saal des Hauses, um sich vergeblich nach dem Unbekannten umzusehen. Tie beiden jungen Mädchen begaben sich darauf, die Angeklagte allein im Saal zurücklassend, wieder an ihre Arbeit in den Parterrestock des Hauses. Später verließ auch die H. den Saal unb erzählte einer ihr begegnenben Hausbewohnerin, diese möge aufpafsen, es werde wohl wieder brennen; es sei ein fremder Mann im Hause, dieser werde wohl wieder Feuer anlegen. Gleich darauf brannte im Saal eine Tischdecke lichterloh. Am gleiden Tage brach auch im Schweinestall des Aletter ein Feuer aus, welches aber einen größeren Umfang annahm unb nur mit Hilfe der Feuerwehr gelöscht werden konnte. Auch dieser Brand wurde von der Angetlagten von dem grauen Mann angelegt, den sie kurz vorher gesehen haben will, den Hausbewohnern gegenüber hmgestellt. Ter Dienstherr aber hatte Verdacht, daß die H. die Brände sämtlich angelegt habe, worin er noch bestärkt dadurch wurde, daß er sie kurz vor Ausbruch des Feuers im Schtveinestall von dort her hatte kommen sehen. Tie Angeklagte bestritt in der Verhandlung die in Frage kommenden Brandstiftungen begangen zu haben. Sie erzählte das Märchen von dem großen Unbekannten, den sie im Hause gesehen haben will und der nach ihrer Ansicht der Brandstifter ist. Sie will in den Schweinestall, aus dem sie ihr Tienstherr kurz vor dem Aufflammen des Feuers hat kommen sehen, gegangen sein, lveil sie der Ansicht gewesen sei, daß der graue Mann vielleicht in dem Stall sich verborgen gehalten habe. Tic Angeklagte gesteht zu, sie habe, well es im Stalle schon dunkel gewesen sei, ein Streichholz angezündet, um damit zu leuchten und da könne es möglich sein, daß durch das noch glimmende Hölzchen der Brand im Stall entstanden sei. Tie Beweisaufnahme ergab, daß die H. eine reckst mangelhafte Erziehung genossen hat, sie ist unter den denkbar ungünstigsten Verhältnissen ausgewachsen. Tie Mutter der Angeklagten starb 1896, der Vater wurde wegen zweier Sittlichkeitsverbrechcn 1897 in Wien zu längerer Kerkerstrafe verurteilt. Tie damals kaum neunjährige Angeklagte kam dann in Fürsorgeerziehung. Tie Angeklagte wird von den Zeugen als eine verlogene Person geschildert, die aber überaus intelligent und mit der auch bei ihrem schlechten Charakter schwer etwas anzufangen sei. Medizinalrat Tr. Haberkorn erflärt, er habe die Angeklagte während ihrer' langen Untersuchungshaft beobachtet; sie sei geisttg vollkommen normal und zurechnungsfähig, und für ihr Tun nach dem Gesetz verantwortlich. Als Motiv der angeschuldigten Tat sei nur anzunehmen, daß die H. entweder am Feuer oder an der Angst und dem Schrecken der Bewohner ihre Freude hatte. Es sei sehr wohl denkbar, daß der Kaminbrand, welchen der Mitangeklagte verichuldete, bei der H. bic Sucht, Feuer anzulegen, gezeitigt habe. Wolle er diese Sucht der Angeklagten, Brandstistungen zu begehen, als einen krankhaften Zustand bezeichnen^ so müsse er als Gerichtsarzt feststellen, daß ganz bestimmte Symptome gewisser Krankheitsformen bei der Angeklagten vorhanden seren, welche darauf Hinweisen, daß die Täterin schwachsinnig oder Epr- lepttkerin sei, und hiervon könne bei der Angeklagten nicht die Rede fein. Ter Gerichtshof verurteilte die H. zur geringsten zulässigen Strafe von 1 I a h r G e f ä n g n i s unter der Annahme, daß nur ein Fall der versuchten und ein Fall der vollendeten Brandstiftung eines von Menschen bewohnten Gebäudes der Angeklagten zur Last falle. Von der Strafe wurden zwei Monate der erlittenen Untersuchungshaft in Abrechnung gebracht. Ter
Angellagte K. ging straffrei aus, weil er den fahrlässig entfachten Brand, bevor er entdeckt wurde, wieder gelosckst hat. Ter Gerichtshof war auch der Ansicht, daß es sich im vorliegenden Fall ganz gleich bleibt, ob K. das Löschen des Brandes allein vorgenommen, oder sich hierzu seines. Meisters als Hilfe bedient habe.
c£an6rout(($aft.
Eine Ausschußsitzuiig und die Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen findet Tonnerstag deii 10. November d. Js. im Neuen Saallmu in Gießen mittags um 1 Uhr resp. 2 Uhr statt. In der Hauptversammlung wird der Jahresbericht durch den Präsidenten erstattet werden. Professor Tr. Giscvius in Gießen wird voraussichtlich über Saatgutzüchtung, Beschaffung von Saatgut und über Errichtung von Saatgutstellen sprechen.
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