Tflss wrr W WMmzen crftnttvtfn Prvftllor Franke-Derlm und Spkv-8mffmme. Muta1u-2Acn refafrrt? Aber baS STrbtittfnmt tlfber tne 9?<nfthirbnf FugenWchkr bmcbtctnt Stt-oN-Pari^ und Jtrmfnmnn*^ern. Narb tm-rfwriqrT Prüsimg purch die LandeS- Mtw-srn soll die Trinqlickckeit dcrBesettigung der N achter b-nit ein Hanptz^mmstnnd bet nficWn Tagtma sein. Pic- Lvcv und Pier^er-Glndixub referierten über die Heinmrbeit und den Einfluß deS A^tc^ckürtzes auf die Entlrücklninr der Hausindustrie. Tie MiHstande in der Heimarbeit sollen in Spe--iatuntersuchunyen studiert »werden. Die tzseueral- veosmnmlunq Körte die Berichte von Evrsi-Pistr und Feigen- Winter-Basti über die Versicherung an-Uärrdischer Arbeiter. Die Vcrstumulung sprack, sich für dir prinzipielle Anerkennung der i^keichberr chtigung aller in- und ausländischen Arbeiter in den Versichernngsgesedr'N ans. Som- mcrstld-Berlln und Fontairc-Paris berichteten über die Bekämpfung der Gistgefapren in der Industrie imb mack>ten Vor- schlätze für MasulaKmen zur BekLuchfnng, darunter die Anzeige- iWcht, Zuziehung amtlicher Aerzie, Aufklärung der Arbeiter über die grotze Gefahr, Verkürzung bet Arbeitszeit intb (Ein* sttzuny einer Experimentakkommission. Tie für ein Preisaus- ichveiben zur Verhütung der Giftgefabren gestifteten 25000 ML uurrden dankend angenommen. Die Anträge Jay-Pari9 betreffend das Studium der Maximalarbeitszeit und die Einsetzung einer Propagandakvmnnffion wurden angenommen. Die Ern- ixumfung der rräcbsten General Vers.rmmiung wurde dem Bureau überLaistn. Soderini-Rom dankte der Regierung von Basel und dem Präsidium im Namen der Versammlung. Darauf wurde die Sitzung von dem Präsidenten Scherrer geschloffen.
Brünn, 28. Sept. Landtag. In der heutigen Sitzung befanden sich auf den Galerien als Gäste LandtagSabgeordnetcP Hudes mit einer großen Gruppe von Sozialdemokraten. Als der Landeshauptmann die Verhandlung eines Drirrglichkeitsantrages ankündigte, schüe Hpbes von der Galerie Herab: Warm werden Sie daS allgemeine Wahlrecht auf die Tagesordnung setzen? Unter stürmischen Rufen wurden von den Galerien rote Zettel in den Saal geworfen, auf denen für Landtag und Ge- nreinden das allgemeine Wahlrecht verlangt wird. Der Landes- Kanplumnn unterbrach hierauf die Sitzung auf eine Viertelstunde. Als nach Wiederaufnahme der Sitzung die Galerien nicht geräumt wurden und die Störungen sich wiederholten, schloß der Landeshauptmann unter stürmischen Zurufen von der Galerie die Sitzung, um, wie er erklärte, Genxrltmastregeln zu vermeiden.
Z>«r Krieg zwiscken Japim und Juhland.
Port Arthur.
Petersburg, 28. Sept. Der ,Mrschewija Wtzedo- fttofH" wird von ihrem Korrespondenten in Tschüftl irntcr dem gestrigen Datum telegraphiert: Den japanischen oder auf japanischen Angaben beruhenden Mitteilungen über Port Arthur ist keiner lei Glauben beizu nrn ff en. Diese Mitteilungen haben den Zweck im Innern des Landes Eindruck zu machen^, um den Erfolg der neuen inneren Anleihe Japans, auf die nur mit Schwierigkeit Zeichnungen erlangt werden, zu sichern. ZN Mrklichkeit besteht seit den letzten Wochen keine Möglichkeit, authentische Nachrichten aus Port Arthur zu erlangen. Die Festung ist ganz eng eingeschlossen. Die Japaner erwartens daß das russische Geschwader aus Port Arthur auslaufen werde und halten deshalb alle Dschunken und Schiffe rings um Port Arthur an. Die Japaner landen in Dalny beständig neue Verstärkungen, die hauptsächlich aus -kriegerischen Eingeborenen von Formosa gebildet sind. Die einheimische chinesische Bevölkerung leidet viel unter der Wildheit und Grausamkeit dieser Mannschaften.
Tschrfu, 28. Sept. (Reuter.) Nach Mitteilungen ans russischer Quelle sollen dieJapaner bei dem letzten Sturm auf Port Arthur 7000 Mann verloren haben.. Ein Chinese, der Port Arthur vorgestern verlassen Hatz. gibt die russischen Verluste auf 500 bis oOO Mann an. Die Japaner hätten drei von ihnen besetzte Er* gänzungs forts nicht halten können und zog en sich an: Nachjmittage des 26. September von dort zurück, nachdem sie mehrere Tage lang eine heftige Beschießung durch die inneren Forts hatten aushalteir müssen.
Loudon, 28. Sept. Ter BerickNrstatter des „Daily Chro- nicke" dvatztet von der Liaotung-Daldrnfel vom 26. ds., daß die Japaner jetzt übermäßige Anstrengungen machen, um Sert von Port Arthur zu werden. Das' Bombardement sei Tag und Nacht im Gange und werde täglich furchtbarer. Tie Granaten erreichen auch den ixrfcn und fügen den Kriegsschiffen Beschädigungen zu. Tie Trin kwas; erznfuhr ist äb- gefchnitten, bfie Mundvorräte sind nahezu erschöpft. Die Ruffen gehen sparsam mit ihrer Munition um. Die _ japarrffchen Delagerungsgeschütze, loelche auf der östlichen Anhöhe aufgestellt sind, beherrschen einen Teil der Stadt und der Reede. Tie Besatzung leistet heldenmütigen Widerstand und errichtet jede Nacht von neuem Erdwerke.
Petersburg, 28. Sept. Hier erwartet man stündüch die Nachricht von einem neuen Ausbruch der Flotte unter Wirren aus Port Arthur, gleich^eitig mit einer Aus fahrt Skrydlows aus Wladiwostok.
Neue japanische Anleihe.
Tokio, 28. Sept. (Reuter Die neue 5 proz. innere Anleihe soll zu ähnlichen Bedingungen wie die letzte emittiert wewen. Die gegenwärtige Geschäftslage läßt eine starke Beteiligung erwarten. Ter Finanzminister verhandelt morgen mit den hiesrgen, -samstag mit den Bankiers in Osaka und Nagoya.
Ans der Mandschurei.
Petersburg, 28. Sept. Wie Kuropatkin dem Kaiser vom 27. September meldet, halten im -Osten von der Eisenbahn Abteilungen der japauischenBorhutdie brsherrgen Stellungen besetzt. Kleine Abteilungen derselben unternehmen dazwischen Vorstöße, ziehen sich dann aber vor der russischjen Kavallerie zurück Eine Feld wache abteil- nng des Generals Ssamssonow erbeutete eilte Vieh-» Aerde, dabei wurde ein japanischer Kavallerist verwundet. .In der Nacht zum 26. Sept, unternahm ein Kosakenoffiziev ufrt em er Abteilung Nralkosaken einen Neberfall auf das japanische Biwak bei Hu an di un5) rief dort Bestürzung hervor Am 26. September legt?- eine Kosakenpatrouille einer halben j apanischen Schwcv- dron einen Hrnterhalt, diese wurde plötzlich von dem, Feuer der Kosabm empfangen, sie erlitt bedeutende Verluste und zog sich alsbald eiligst zurück wobei sie mehrere Tote Kurückließ. Die Kosaken erbeuteten mehrere japanische Pferde
Petersburg ,28. Sept. Melorlngen aus Mukden besagen, daß die Russen irch vorbereiteu, die Offensive zu ergreifen; sie befestigen überall ihre Stellungen. Tie Bewegungen der Japaner werden fortwährend durch cinen Luftballon beobachtet. Tie Chinesen weigern sich, den Russen Führer- und Spionendienste zu leisten, selbst gegen hohe Bezahlung. Tie Mehrzahl der Frauen und Kinder haben infolge der herrsÄ>enden Kälte Mu6>en verlassen. Der Gesundheitszustand der russischen Truppen ist befriedigend.
Paris, 28. Sept. Aus dem Lager der russischen Haupt- zrcnRt wird gemeldet, daß starke japanische Kolonnen gegeu Fuschunt schöng undSiutzin auf dem Marsche sind An diesem Punkte werde es wahrscheinlich zu einem Zusammenstoß mit sturopatkins Vortruppen kommen. Von Baniupusa aus vollzieht sich der japaniili^ -ormarsch auf Saumpfaden, an deren Verwendung für militärische Zwecke nie vorher gedacht worden ist. Die Eiwoobner unterstützen die javanischen Genie trappen, welche überaus schnell und sicher alle Marschhindernisse
beseitigen. Im Dauptguartiere Kuropatkins ist man bisher über die Stärke der vorrückenden jopanisckM Truppen sehr nngjöum ,mtcrrichtet.
Meine Meldungen.
Paris, 28. Sept. Nach einer Meldung des „DemhÄ" aus Donlon Iteftefitc die ruffische Regierung bei der Mittelwerst- Gesellschaft 11 Torpedojäger neuesten Typs. Tie Torpedojäger sollen in 15 Monaten fertig werden. Außerdem werde Rußland bmuäxfuft wegen der Bestellung von vier Kreuzern von dem Typ ,,Bajan" verlMcheln.
Ein neues japanisches Wehrgeseh.
Tokio, 28. Sept. (Reuter.) Tas neue Wehrgesetz wird wahrscheinlich derart abgeändert werden, daß die Dienstzeit in der Reserve um 5 Jahre erhöht und der Gesamtmili- tärdicnst auf 17 Jahre 5 Monate festgesetzt wird. Ties würde eine große Vermehrung der Armee bedeuten.
Z>ie Kindesmörderin Minna Körlach vor dem Schwurgericht.
th. Gießen, 28. September.
Gestern vormittag verhandelte, wie schon kurz mitgeteilt wurde, das Schwurgericht gegen die 26 Jahre alte unbestrafte Landwirtstochter Minna Görlach von Eberstadt wegen KindeSmordß. Außer zahlreichen Zeugen sollen als Sachverständige Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Pfannenstiel und Medizirralrat Dr. Haberkorn oernomnien werden.
Die Angeklagte, eine robuste Person, sitzt mit dem Taschentuch vor den Augen auf der Anklagebank und scheint zu weinen; ihre Vernehmrmg, bei welcher sie ein volles Geständnis ihrer Schuld ablegte, geschieht unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, welche bei Beginn der BeweiSaufnahnie wieder hergeftellt wird. Die Zeugenvernehmung in der Sache gab das folgende Bild. Frau Rühl war am 23. April aus den Eberstädter Friedhof gekommen und fand bei der Bearbeitung des Grabes emer im Jahre 1869 verstorbenen Verwandten die Leiche eines neugeborenen Kindes. Die Frau machte dem Bürgermeister von dem Funde Anzeige, welcher erklärte, er glaube nicht, daß das Kind aus dem Dorfe komme; es wäre wohl bester gewesen, man hätte die KindeSleiche nicht gefunden. AIS man in Eberstadt von der Sache etwas erfuhr, wurde behauptet, die Leiche stamme von Zigeunern her, aber auch die Frau des Pfarrers wurde verdächttgt, da§ Kind geboren zu haben. Die Zeugin, und mit ihr übereinstimmend eine Reihe von anderen Zeugen, erklärt, der Minna Görlach habe niemand zugetraut, daß sie die Mutter des tot auf» gefundenen Kindes hätte sein können, weil man ihr vorher nicht daS mindeste davon habe amncrFen können. Die Pfarrers- frau habe den KindeSmord begangen. Die Sache ging so weit, daß der Pfarrer schließlich um polizeilichen Schutz bitten mußte, da er das Schlimmste befürchtete. Ja, die Gehastig- feit der verblendeten Bevölkerung ging so weit, daß man sich weigerte, dem Pfarrer im Ort sein Brot zu backen.
Der Landwirt Heinrich Beuder gesteht zu, mit der Angeklagten seit dem Jahre 1900 oder 1901 intimen Verkehr gepflogen zu haben; er erklärt, er hätte die Minna Görlach geheiratet, wenn sie ihm offen gesagt hätte, wie c5 mit ihr tehe. Sie habe aber ihren Zustand auch vor ihm verheini- licht und nicht mit einem Worte etwas erwähnt. AuS diesem Umstand folgert er, daß die Angeklagte auch noch mit an- deren Männern verkehrt habe, wenn er eS auch nicht beweisen könne. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Schmidt, richtet an die Angeklagte die Frage, wieso sie dazu komme, zu behaupten, sie hatte dem Heinrich Bender mitgeteilt, wie eS mit ihr stehe, worauf die G. nach einigen Ausreden zu- gesteht, daß sie glaubte, eS dem Bender gesagt zu haben und daß dieser ihr geraten habe, zum Arzt zu gehen. Aber auch diese Angabe bestreitet Bender. Landgerichtsrat Sandmann, welcher die Sache Görlach als Untersuchungsrichter bearbeitet hat, schildert den Geschworenen den Gang der Vorunter- uchung. Die Görlach habe anfänglich hartnäckig geleugnet,, überhaupt einem Kinde das Leben gegeben zu haben. Später machte sie auf den Hinweis des Gutachtens der Sachver- ‘tanbigen Professor Dr. Psannensticl und Dr. Haberkorn Angaben, daß sie in Bad-Nauheim von einem Nüssen ver- gewalttgt worden sei; sie blieb aber dabei, nicht geboren zu haben. Wieder einige Zeit fpater ließ sie sich bei der Staatsanwaltschaft melden und gestand zu, einem Kinde da§ Leben gegeben zu haben, bestritt aber, daß das auf dem Friedhof zu Eberstadt geftmbenc Kind mit ihrem Kinde identisch sei. Der Zeuge Sandmann berichtet, wie er eines Tages außerhalb dienstlich beschäftigt gewesen sei und man ihm telephoniert habe, die Görlach habe ihr Verbrechen dem Staatsanwalt gegenüber glatt zugegeben. Sie hat dann ihni gegenüber auch angegeben, daß sie in der Nacht vom 15. auf den 16. März d§. Js. ein Kind lebend geboren habe und daß sie es zuerst neben sich inS Bett gelegt hätte. Morgens in der Frühe, etwa um 5 Uhr, habe sie gehört, wie die Mutter im Hause hantiert habe, und da habe sie aus Scham vor den Eltern und den Leuten nn Ort plötzlich den Entschluß gefaßt, ihr Kind zu töten. Sie habe es mit beiden Händen gefaßt und es mit dem Kops auf den Bettrand aufgeschlagen. Das Kind sei von den Schlägen gleich tot gewesen. Die Angeklagte will dann die kleine Leiche, in Tapeten verpackt, tagsüber in ihrer Kammer versteckt gehalten und in der Nacht aus dem Friedhof, auf dem Grabe, wo man e§ nachher fand, verscharrt haben. Die Angeklagte hat beni Untersuchungsrichter erklärt, sie habe ihren Zustand auch den Ettern gegenüber verheimlicht.
Bürgermeister Görlach beschreibt, in welcher Lage er die Kindesleiche s. Zt. angetroffen habe; sie könnte etwa V, 8"& unter der Oberfläche des Grabes verscharrt geweseii sein. Ihm sei es als Bürgermeister selbstverständlich unangenehm gewesen, daß man in seiner Gevieinde die Leiche fand, und daher erklärten sich auch seine Acußerimgen der Zeugin Rühl gegenüber. Betreffs der Angeklagten, so gibt der Bürgermeister an, war man im Orte allgemein der Meinung, daß diese unmöglich die Mutter des toten Kindes hätte sein können, weil man ihr nicht das geringste von einem veränderten Zustande angemerft hatte. Auf Befragen des Staatsanwalts Reuß erklärt der Zeuge, daß in Eberstadt eine förmliche Erregung geherrscht habe, als die Görlach verhaftet worden mar, und daß nian selbst dann noch daL Mädchen für unschuldig hielt, als man erfuhr, daß die Sachverständigen übereinstimmend erklärt hätten, die Minna Görlach habe zweifellos einem Kinde das Leben gegeben.
Von weiteren Erklärungen der Sachverständigen interessiert, daß Medizinalrat Dr. Haberkorn erklärte, daß der
Lcichenbeflmd ergeben habe, daß baS in Rebe stehende Kind gelebt habe.
Den Geschworenen wirb bie Schulbsraqe wegen Kindes morbeS ttnb auf Antrag der Verteibigung bie Frage nach milbernben Umftänben vorgelegt.
Staatsanwalt Neuß erklärt, es komme allerdings in großen Städten recht oft vor, daß Verbrechen wie das, welches heute zur Aburteilung stehe, ungesühnt blieben, weil es überaus schwierig ist, die Täter zu ermitteln. Auch in der Provinz Oberhessen seien in den letzten Jahren mehrere derartige Verbrechen zur Kenntnis der Staatsanwaltschaft gekommen, ohne baß eS möglich war, bie Täter zu ermitteln. Wie eine höhere Fügung müsse man es baher ansehen, baß alSbalb nach ber Tat der Zufall es fugte, baß man an bem betreffenben Grab, welches schon lange regelmäßig nicht mehr zurecht gemacht war, mit ber Hacke arbeitete unb hierbei die KindeSleiche entdeckte. Wäre dies nicht geschehen, hätte man die Leiche etwa erst Monate später gefunden, so wäre wahrscheinlich der Angeklagten geglückt, was sie beabsichtigt hatte; ihre Tat wäre nie entdeckt und sie als die Schuldige nie zur Verantwortung gezogen worden. Der Ankläger sucht dar zu tun, daß die Görlach nicht, wie sie behauptet, erst nach der Geburt ihres Kindes den Entschluß gefaßt hat, eS auS dem Wege zu räumen. Der Staatsanwalt beantragt, die Schuldfrage zu bejahen. Obwohl die Angeklagte die Tötung ihres KindeS nicht begangen hat aus Not, denn sie ist gut situierter Leute Kind und der Vater des Kindes hätte sie geheiratet, obwohl die AuSsi'ihrung der Tat eine Gemütsroheit sonder gleichen barstellt, bitte er boch, ber Angeklagten, bie noch jung unb unbestraft ist, mildernde Umstände zu- zubilligen, damit sie vor dem Zuchthause bewahrt bleibe.
Der Verteidiger Rechtsanwalt Klarenaar bittet gleich« falls, mildernde Umstande anzuerkennen.
Der- Wahrspruch der Geschworenen lautete dementsprechend, worauf Staatsanwalt Reuß beantragt, bie Angeklagte zu 3 Jahren 6 Monaten Gefängnis zv verurteilen unb 5 Monate ber Untersuchungshaft als verbüßt zu erachten. Der Verteibiger bittet, auf eine geringere Strafe zu erkennen. Das Urteil lautet dem Antrag des StaatSnttwaltS gemäß.
Aus Stadt Md Land.
Gießen, 29. September.
** Ernennung. Oberlehrer Professor Block am Realgymnasium in Gießen ist zum Direktor ber Realschule in Wimpfen ernannt worben. Sem Nachfolger wirb ber bisherige Rektor ber höheren Bürgerschule zu Hungen, Völz in g. Kreisschulinspektor MatheS in Alsselb wird nach Oppenheim versetzt unb Lehrer Eck in BenSheim tritt an feine Stelle in Alsfelb.
Gießen er Konzertverein. Im Anschluß an unsere letzte Mitteilung an bieser Stelle werben wir baranf aufmerksam gen,acht, baß alle Konzerte so gelegt werden, daß deren Besuch von auswärts in jeder Richtung bequem möglich ist. 8 Konzerte werden an Sonntagen stattfinden: 30. Oktober 1904, 13. November 1904, 4. Dezember 1904, 8. Januar 1906, 22. Januar 1906, 12. Februar 1906, 26. Februar 1905, 7. Mai 1906. Nur die beiden großen Ehorkonzerte finden an Werktagen statt: Mittwoch, den 14. Dezember 1904 und Mittwoch, den 24. Mai 1906. — In der ordentlichen Generalversammlung vom August hat der Verein beschloßen, von jetzt ab Mitglied er beiträge zu erheben, um dem bisher losen Gefüge eine festere Gestattung zu verleihen. Eine Neubelastung bedeutet diese Maß- nalyue keineswegs, da ber volle MitgliebSbeitrag, bei Entnahme auch nur eines Abonnements, unverkürzt in Anrech- mmg gebracht mttb. Außerbem ist gleichzeitig baS lästig empfunbene Eintrittsgelb in Fortfall gefonmien. Der Diener bes Vereins ist mit der Erhebung der Beitrage bereits beschäftigt. (Siehe Inserat).
** OmnibnSfahrplkne. Infolge der unbedeutenden Veränderungen in den Effenbahnfahrplanen wird auch der Sommersahrplan der Omnibusgesellschaft für die Linien A und B (Stadt) im Winter beibehalten werden, nur die Einte C von und nach dem Schiffcnberger Wald wird eingestellt. — Die Linie D von unb nach Wieseck wird in folgendem Fcchr- plan gefahren werben:
ab Gießen: ab Wieseck:
615 früh, 630 früh,
715 w 730 e
335 nachm., 418 nachnu, 625 , 6" ,
715 730 ,
** Verschwunben? Seit verflossenen Samstag ist ber Unternehmer A. R. von hier verschwunben. Zerrüttete Vermögensverhältnise unb eine gegen ihn anhängige Untersuchung wegen Urkunbenfälschung bürsten ihn zur Flucht veranlaßt haben.
** Verhaftung. Auf Requisition ber Kgl. Staatsanwaltschaft in Hagen würbe gestern ein hier wohnhafter Arbeiter verhaftet und nach Hagen transportiert.
** Mansarbenbiebe. Aus der Mansarde eines Hauses in der Bahnhofstraße wurde gestern ein Anzug unb verschiebene anbere Kle ibungs - unb Wäschestücke gestohlen. Da sofort Anzeige erstattet würbe, gelang e's ber Kriminalpolizei, bie Täter zu ermitteln unb zur Haft zu bringen. Es waren zwei Hanbwerksburschen in noch jugendlichem Alter, beide aus Braunschweig gebürtig. Die gestohlenen Gegenstände hatten sie bereits zu Geld gemacht, allein sie wurden wieder beschafft und dem Eigentümer zurückgegeben. Man kann sich über die Rührigkeit unserer Polizei nur freuen.
** Hessisch-Thüringische Staats! orte rie. Be der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe wurden folgende Gewinne gezogen: lO OOO Mk. auf9k. 11383 (nach Langen), Gewinne von 5000 Mk. aus Nr. 2352 23144 46195 51736 86750 96812, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 9798 10349 13477 20932 21648 27031 27328 34220 41690 43718 44090 45884 56103 62002 84199 85475. (Ohne Gewahr.)
8. Wagenunfall. Einem Wagen brach gestern abend auf der Bahnhofstraße die linke hintere Achse. Zum großen Glück kamen die Insassen mit dem bloßen Schrecken davon.


