Um für die Kolonnaden Platz zu schaffen, sind die Gärtnerei und die Gewächshäuser an anderer Stelle zu errichten: sie sollen im Nordosten des Parks ausgeführt werden; dies erfordert einen Kostenaufwand von 73 000 NU.
Die Bereitstellung des jetzigen Salinengeländes zu Bauzwecken bedingt ferner die Verlegung der Saline. Als Bauplatz ist das in staatlichem Besitz besindlichc Gelände östlich der Bahn und südlich vom Goldstein, neben der alten, außer Betrieb liegenden Ziegelei in Aussicht genommen. Die Baukosten stellen sich auf 356 270 Alk.
Mit der steigenden Bäderzahl wächst der Verbrauch der Badewäsche. In dem letzten Jahr wurden 37 726,81 Alk. für die Reinigung dieser Wäsche an Unternehmer bezahlt. Es erscheint dringend geboten, diesen Betrieb in eigene Verwaltung zu übernehmen, selbst wenn in den ersten Jahren etwas größere Unkosten daraus entstehen sollten, und ihn mit den Aufbewahrungsräumen für die Wäsche und einer allen Anforderungen der Gesundheitspflege entsprechenden Desmfektlonsanstalt in einem Gebäude zu vereinigen. Dieses Gebäude soll ebenfalls auf dem Goldstein in unmittelbarer Nähe der Saline errichtet werden; der Kostenanschlag schließt ab mit einem Betrag von 260000 Mark.
Bei dem großen Kraftbedarf für die staatliche Verwaltung ist die Errichtung emes eigenen Elektrizitätswerks geboten. Auf dem Goldstein in der Nähe der Dampfwaschanstalt und der Saline soll eine einheitliche Maschinenanlage beschafft werden. Diese Maschinenanlage muß enthalten em Fernheizwerk, ein neues Elektrizitätswerk, das auch die zum Betrieb der Dampfwaschanstalt erforderliche Kraft liefert, und eine neue Eisfabrik, sowie Wohnungen für einen Maschinisten und einen Heizer. Der hierfür bereitzustellende Kostenbetrag einschließlich der sämtlichen Kanäle und Leitungen nach den verschiedenen Badehäusern ist zu 954400 Alk. berechnet, wozu für die Verlegung der Eisfabrik noch 29000 Mk. kommen.
Von der Bearbeitung einer Moorbadeanstalt und damit zu vereinigender Süßwasserschwimmbäder wurde vorläufig Ab- stand genommen, so erwünscht die erstere Anlage auch für die an Gicht- und Rheumatismus, sowie an Frauenleiden erkrankten Kurgäste wäre. Die Badegebäude werden nicht in Fachwerk, sondern in Steinbau ausgeführt, so daß sie auch während größerer Kälte bei der vorgesehenen Heizung stets gebrauchsfähig bleiben.
Die für die gesamten Bauarbeiten im ganzen 6 496 000 Mk. betragenden Gesamtkosten verteilen sich je nach ihrer Dringlichkeit auf eine längere Reihe von Jahren.
Für das erste Baujahr 19 04 sollen 1 688 600 Mk. aufgewandt werden; für das zweite Baujahr 19 05 1 239 500 Mk., für das dritte Baujahr 1906 1096470 Mark, für das vierte Baujahr 1907 837 000 Alk., für das fünfte Baujahr 1908 493000 Mk., für das sechste Baujahr 19 0 9 146 000 Mk., für das siebente Baujahr 1910 253 500 Mk., für das achte Baujahr 1911 305 500 Mk.
Der Restbetrag von 436 430 Mk. ist für den nördlichen Teil des Badehauses 9 bestimmt und wird s. Zt. zum vollständigen Ausbau des Entwurfes dienen.
Zur Bestreitung dieser Baukosten sollen die notivendigen Beträge nach vorheriger Genehmigung durch die Stände des Groß Herzogtums und zwar für jedes Baujahr getrennt von der Regierung bereit gestellt roerben.
Das Ministerium der Finanzen richtet zum Schluffe an die Stände des Großherzogtums, zunächst an die zweite Kammer das Ansinnen:
1. die Zustimmung zu dem vorbezeichneten Plane zur Ausgestaltung der staatlichen Anlagen von Bad-Nauheim zu erteilen,
2. zu genehmigen, daß als 1. und 2. Nate für das Etatsjahr 1904 noch 1688 600 Mk. — und für das Etatsjahr 1905 1 293 500 Mk. — im Wege des Staatskredits unter den gleichen Bedingungen, wie sie im Artikel 3 des Finanzgesetzes vom Jahr 1904 angegeben sind, flüssig gemacht werden, um mit den Bauten beginnen zu können, und
3. zuzustlmmen, daß die ans dem Verkauf des zu den Staatsdomänen gehörigen Salinengeländes zu erzielenden Einnahmen dem Erneuerungsfond für Bad- Nauheim zufließen, mit der Bestimmung, daß sie zur Verminderung der Kapitalaufnahme oder zur Tilgung des Anlehens dienen sollen.
Da die Bereitstellung neuer Badezellen und die Ausführung der Maschinenanlage alsbald notwendig sind, heißt es endüch wörtlich, bitten wir um eine dringliche Behandlung des vorliegenden Ansuchens.
Zer Krieg ziv!jcheu Japan und Außlauv.
Rückzug der Russen.
Ein Telegramm des Generals Kuropatkin an den Kaiser oom 28. d. M. meldet: Am 26. Juni gingen die japanischen Truppen gegen unsere Truppen der östlichen Front, welche sich vor dem Fenschulin-, Modulin- unu dem Dalin-Pan befanden, zum A n g r i s f vor. unsere Kavallerie- und Jnsauterie- abtemingen zogen sich unter dem ^lndrang der Japaner zurück und stellten dabei seit, daß der Vormarsch gegen reden von oen drei erwähnten Püffen nut überlegenen Streitlrästen erfolgt war. Gegen den Dalm-Pav rückte, wie feitgestellt worden ist, außer den anderen truppen no(i) eine Gardediviiwn vor. Ferner umgingen die Japaner mit bedeutenden Streitlrästen unsere Truppen, die den Fenschulln- und Mod^lin-Pak besetzt hielten, von b.ideu Flügeln aus. Heute morgen wurde gegen unsere Truppen, die sich vom Femchulin-Passe zurückgezogen hatten, von geringen japanischen Abteilungen em Angriff ausgesührt, der ohne Mühe zurüage- schlagen wurde. Nachdem die Japaner am Abend des 26. Juni un>ere gruppen aus Wansiapudsa zum Dalin - Paß hin zur uchge drangt batten, fuhren sie heute morgen fort, gegen unfere Stellung auf dem Dalin - Paß vorzurucken. Uniere Borpoitenabteilungen hielten einige Zell einer gegen sie vor- gehenden Znsanteriebrigade mit drei Batterien, die von der Front vorrückten, Stand, .wurden von den anderen Truppen bedroht und zogen sich ^zurück. Durch Rekognoszierungen wurde fest- geitelit, dai; ein I.eil der Truppen der japanischeil Südarmee in nordöplicher Richtung vorgeht, üm sich mit der Armee Kur okis zu vereinigen. Nach einer um die Mittagszeit emgegi.ngenen Meldung hat iui) unsere Kavallerie bei Sseniutfchen in ein heftiges Gefecht eingelassen. Nach allen in den letzten Tagen erhaltenen Nachrichten lamt man die Streitkräfte der Japaner, welche gegen die Mandschurei-Armee borrücleit, 8 oder 9 Divisionen In,unterie und cmige Brigaden der meservetruppen schätzen, die jetzt von den Japaneni cbaifalU in die erste Linie vorgeschoben sind.
Tie Russen Ixtammen also harte Schläge und die Lage wird für sie fchlimmer. Darum ist die Meldung eines russischen Zeit-
ungskorrespondenten aus Taschetscheao mit Vorsicht aufzunehmen, der sich über
Grausamkeiten der Japaner
beklagt. Es sei bedauerlich, auf die Art und Weise Hinweisen zu müssen, wie sich die Japaner den Verwundeten gegenüber auf dem Schlachtselde benahmen. „Tr. Stankewllsch von der Abteilung des Generals Mischtschenkow machte eine Anzahl photographischer Aufnahmen von Soldaten, die den Grausamkeiten der Japaner zum Opfer gefallen sind. Diese Photographien sollen als Beweisstücke dem, Haager Schiedsgerichtshof unterbreitet werden. Diese Opfer machen einen entsetzlichen Eindruck. Manchen war die Zunge ausger.ssen, anderen die Hände abgehauen. Zahlreiche Körperjtellen zeigten Bajonettstiche. Ein Offizier, der leoend aufgefunden wurde, erzählt, daß ein Japaner, der ihn verwundet auf dem Boden liegend fand, trotzdem dreimal auf ihn schoß. Glückliu?erweffe war reine Verwundung tödlich. Die hierüber empört.n Lfs.z^ere nahmeil ein Tret.kolk auf. General Romanow teilte dem Roten ätreuz andere Fälle von Grausamkeiten mit. Insbesondere schossen die Japaner auf Krankenwagen und Aerztepersonal. Mehrere tuaiiferiträger und Laza- rettgehilsen wurden getötet. Tr. Rollow wurde verwundet, während er mit gefangenen Soldaten beschäftigt war.
In Petersburg
herrscht lebhafte Beunriihiguirg wegen des Ausgangs der Seeschlacht bei Port Arthur angesichts der weben ein- getroffenen ausländischen Nachrichten von schweren Verlusten der russischen Flotte, während hiesige amtliuje Berichte den Ausgang der Schlacht noch nicht kennen wollen. Es scheint, daß die maßgebenden Kreide auch hier die volle Wahrheit kennen, dem Publikum aber noch vorenthalten wollen. Das erzeugt nur noch schlimmere Gerüchte. In M ar in e kr e i s e n heißt es, daß am 23. Juni der „Peresnijet" gesunken, „Sewastopol" und „Aurora" kampfunfähig geworden seien, also gerade die wenigen größeren Schiffe in Port Arthur, die bisher noch intakt waren.
Jlw uni)
Gießen, den 29. Juni 1904.
** Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Eisenbahn-Stationsvermalter Johann Semmler zu Schlitz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm ooii dem Kaiser verliehenen Kronenordens 4. Klasse erteilt.
** Personalien. Der Oberlehrer Büttner in Mainz wird am 6. August d. Js. ailßer Dienst treten, nachdem S. K. H. der Großherzog sein diesbezügl. Gesuch allergnüdigst berücksichtigt hat.
** Das Züchtigungsrecht der Volksschullehrer. Das Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, hat unter dem 19. April l. I. eine Verfügung über die in der Volksschule zulässigen Disziplinarmlltel erlassen. Diese Verfügung bedeutet, wie uns von zuständiger Selle getrieben wird, einen wesentlichen Fortsckfrllt und hat in ganz Deutschland Beachtung gefunden. Zweifellos wird sich ihr Einfluß auf die Schulgesetzgebung anderer Staaten des Reiches bald bemerklich machen. Insbesondere wird sie hoffentlich auf die Anschauungen des preußischen Kultusministeriums umstimmend wirken. In Hessen lieben sicy die bisher gellenden Bestimmungen nicht länger halten. Bei den allergeringsten Bestrasungen unartiger Kinder wurden von unverständigen Eltern Staatsanwalt und Ver- wallungsgerichtshos in Bewegung gesetzt. Welcher Unfug in dieser Beziehung getrieben worden ist, geht daraus hervor, daß in der Mehrzahl der Fälle Freisprechung erfolgte. Für die unnötig vor Gericht gestellten Lehrer aber halte die unberechtigte Klage eine Fülle von Gemütsaufregungen und Aerger zur Folge. Künftig wird der Lehrer auch verlogenen, trotzigen Schülerinnen, die schlimmer sind als die bösartigsten Knaben, nicht mehr völlig maästlos gegenüberstehen. In besonders schwierigen Fällen dürfen auch sie körperlich gejtraft werden. Ebenso ist in solchen Fällen die Züchtigung von Kindern unter acht Jahren statthaft. Immer hat der Lehrer dabei selbstverständlich mit größter Ruhe und Besonnenhell vorzugehen. In Wegfall kommen künftighin folgende Strafen: Zurücksetzung in der Klassenordnung, Anweisung von Strafplätzen, Strafarbeiten. Tie Strafe des Zurückbehaltens und dcacharbellenlassens in der Schule darf nur unter Aufsicht des Lehrers geschehen. In Anwendung dürfen künftig kommen: Verweis durch den Lehrer; Zurückbehalten und Nacharbeitenlassen; Verweis von dem Schulvorstand; körperliche Züchtigung. Die Schulzucht erstreckt sich auch auf das Betragen der Schuljugend auf dem Schulwege, auf den häuslichen Fleiß, Joie überhaupt auf das Verhalten der «L-chüler außerhalb des Unterrichts. Ter Lehrer ist befugt, bei Ungezogenheiten gemeiner Art mit den innerhalb der Schulzucht liegenden Strafmitteln dann einzuschrellen, wenn eine vorherige Anzeige an die Eltern und deren Mitwirkung untunlich erscheint, oder die Wirkung des Zuchtmittels dann nicht erreicht würde. Man darf erwarten, daß sich die Zuversicht der obersten Schulbehörde, die Lehrer würden von ihren Strafbefugnissen einen maßvollen und pädagogisch richtigen Gebrauch machen, als gerechtfertigt erweist. Jedenfalls schuldet ihr die hessische Lehrerschaft warmen Tank für die Abänderung der früher geltenden Bestimmungen.
** Aus dem unlängft erschienenen Jahresbericht der Großh. hessischen Gewerbe-Inspektionen für das Jahr 1903, der uns leider nicht vorliegt, ist, wie man uns aus Darmstadt schreibt, hinsichtlich der Arbeitsnachweise in Oberhessen folgender Bericht der G e w e r b e i n s p e k - t io n zu Gießen von allgemeinem Interesse:
„Ter Arbellsnachweis oer Stadt Gieren hat gegen das Vorjahr eine wesentlich stärkere Inanspruchnahme zu verzeichnen. Diese Zunahme erstreckt sich in gleicher Weise aus die gemeldeten Arbeitsstellen wie auf die Anfragen um Arbeit, und zwar sowohl bei den einheimischen wie auswärtigen, und männlid)€n wie weiblichen Arbeitgebern und Arbeitern. Ersieulicherweise bedienen sich auch die Gewerbetreibenden des Arbeitsnachweises zur Erlangung ihrer Arbeitskräfte jetzt mehr und mehr, während dies früher nicht immer in dem gewünschten Umfang geschah. Im ganzen wurden im Laufe des wahres von Arbeitgebern rund 1500 Arbeitsstellen gemcioet, von Arbeitern wurden fast genau soviel Arbeitsstellen gesucht; vermittelt wurden 551 Arbeitsstellen.
Mit den Arbeitsnachweisverhällliisseii der Provinz hat im lausenden Jahr sich auch die Gesellscyast für soziale Reform, Sektion Oberhessen, besaßt unö durch Um | rag en die Uebeizeugung gewonnen, baß eine Ausdehnung des Arbeitsnachweises auch auf die Landstädte und das flack>e Land einem wirklichen Bedürfnis entspräche. Allerdings würde man mit dem sehr er- schwereiiden Umstand zu rechnen haben, daß bei dem großen Arbellermangel, der auf dem Lande bestehe, die Landgemeinden einer jeden Einrichtung, tue die Landflucht noch mehr zu begünstig. n drohe, sehr mißtrauisch gegenüberstehen. Daher gelte es, diese Gefahr sorgfällig zu vermeiden und vielmehr auf eine Zurückführung der Arbeiter auf das Land Bedacht zu nehmen. Von der Einrichtung einer Zentralstelle für die ganze Provinz erwartet man aber auch dafür eine gute Wirkung."
Tiefe Bewegung in Oberhessen zu Gunsten der Ausdehnung der Arbeitsnachweise auf das flache Land, sowie die Schaffung einer Zentrale kann nur mit Freuden begrüßt werden. Es Ware zu wünschen, daß sich solche Bestrebungen auch in den beiden ankeren Provinzen unseres Großherzogtums gelten!) machen würde. Als Endziel dieser Bestrebungen könnte die Errichtung einer Landeszentrale ins Auge gefaßt werden.
Wie man sich in Frankreich Deutschland oorftcllt, dazu liefert der uns vorliegende Umschlag einer Kreuzbandsendung aus Paris eine köstliche Illustration. Absender ist der Verlag des „Journal d'Agriculture Tropicale" in Paris und die Adresse lautet wörtlich:
„Monsieur Universität Giessen
Berlin illemagne.“
Der Pariser, dem seine Stadt ganz Frankreich ist, übertrug augenscheinlich seine Empfindungen auf uns Deutsche. Glücklicherweise aber giebt es bei uns in Deutschland auch noch außer Berlin Einiges.
x Klein-Linden, 28. Juni. Unser Krieg er- verein ocranflalicte ain Sonntag bei schönstein Wetter einen Ausflug nach dem Rhein und dem Niederwalddenkmal. Die Zahl der Teilnehmer betrug 74. Um 4 Uhr 30 Min. wurde die Fahrt von Gießen per Bahn angetreten, und um 8 Uhr 15 Min. traf der Verein in Kastel ein. Nach gemeinsamem Frühstück wurde der Rhein mit seinem Leben und Treiben, die Rheinanlagen und die Stadt Mainz besichtigt und um 10 Uhr das Schiff „Rheinfels" bestiegen. Die Schifffahrt bis Aßmannshausen bildete den Glanzpunkt des Ausflugs. In Aßmannshausen wurde im „Hotel Rheinstein" ein gemeinsames Mittagessen eingenommen. Um halb 3 Uhr, traf man auf dem Niederwald ein. Vor dem Denkmal hielt Konrad Germer eine kernige Ansprache. Dann sang man gemeinsam das Lied: „Es braust em Ruf wie Donnerhall." Um 4 Uhr erfolgte der Abstieg nach Nüdesheim, wo man sich an einer guten Flasche Rüdesheimer stärkte. 5 Uhr 17 Mm. verließen die Ausflügler hoch befriedigt die herrliche Gegend, um nach kurzer Rast in Frankfurt um 11 Uhr 30 Mm. in Gießen einzutreffen.
§ Friedberg, 27. Juni. Zu den beiden Bahnpro- jekten Friedberg-Florstadt-Ransiadt und Friedberg-Rockenberg-Holzheim-Gießen ist jetzt noch ein drittes getreten Friedberg-Bad-Nan Heim-Usingen. Demnächst soll m Ober-Mörlen eine Versammlung einberufen werden, um dem Projekt näher 511 treten. Die Bahn soll dem Usatal folgen und von Nauheim über 9licöer=9)lörlen, Ober-Mörlen- Bodenrod und Ziegenberg nach Usingen führen.
§ Stockheim, 28. Juni. Am Ncbenbahnbau ereignete sich gestern ein Unfall. Ein Kippwagen, etwa 11/i cbin Erde enthaltend, fiel auf einen Arbeiter aus Ober-Mockstadt, wobei der Mann eine starke Nierenquetschung davontrug.
? Grebenhain, 28. Juni. Die in hiesiger Gemarkung am Oberwaldc gelegene S 0 m merw 0 hnung des im vorigen Jahre verstorbenen Besitzers Ernst Dillernuth ist nunmehr in die Hände des Teilpächters der Oberwaldjagd (ehem. Polizeipräsidenten von M., Frankfurt a. M.) übergegangen. In dem großen Garten läßt der nunmehrige Besitzer eine Villa erbauen.
g. Rinderbügen, 29. Juni. Wie verlautet, soll daL Eingehen des Betriebes der hiesigen Braunkohlenzeche bald bevorstchen. Es ist dies im Interesse der ärmeren Bevölkerung unserer Gemeinde, die auf der Zeche immer Arbeit fand, sehr zu bedauern. ‘
ic. Mühlhci m a. M., 28. Juni. In einer hiesigen Wirtschaft kam cs zwischen einem Landwirt und einem Ackerburschen zu einem Streit. Der Landwirt packte den Burschen, warf ihn zu Boden und schlug ihn. Dieser wußte sich nicht zu Helsen, er trat und biß schließlich dem Landwirt die Nase ab. Der Verletzte kam in eine Klinik nach Frankfurt a. Main.
Wald-Michelbach, 27. Juni. Die Mitteilung, datz der hessische Dommialfiskus die ca. 760 Hektar großen Gräfl. Berckheim'schen Güter im Kreise Erbach für 900 000 Mk. käuflich erworben habe, erinnert an das in der Tat verschwundene Dorf Dürr-Ellenbach. Die Grafen von Berckheim in Weinheim haben nämlich mit den Grafen von Erbach die ganzen Güter des ehemaligen Dorfes Dürr-Ellenbach im Besitz. Vor 70 Jahren hatte der Ort noch eine Schule von 11 Kindern, also eine Bevölkerung von 55 bis 60 Personen. Heute wohnt nur noch ein Förster mit einem ganzen Haushalt von drei Personen dort. Sämtliche Bauern Dürr-Ellenbachs haben vor jetzt 60 Jahren Hab und Gill verkauft und sind nach Amerika auSgcroanberi. Die Grafen ließen alle Gebäulichkeiten bis auf eines abreißcn und die Ländereien mit Wald bepflanzen. Aus den vorhandenen Hochwaldungcn aber verkauften die Grafen für die damals im Bau begriffene Main-Neckarbahn so viel Schwellenholz, daß sie mehr cinnahmen, als ganz Dürr-Ellenbach gekostet hatte. Heute repräsentieren die wohlgepflegten Wald- ungen ein respektables Vermögen. Und da, wo vor 70 Jahren noch ein ansehnliches Dörfchen stand, sieht jetzt nur noch in stiller und großer Abgeschlossenheit, etwas über eine Stunde von hier im Gebirg nach Beerfelden zu ein niedliches Gräf- liches Försterhaus.
Marburg, 28. Juni. Die Reklame-Mauer am Steinweg hat heute Nacht eine wesentliche Veränderung er- fahren. Ein Polizist vernahm nämlich auf der Hofstadt, mit sich zwei Studenten davon unterhietten, daß die Reklamemauer beschmiert werden sollte. Er benachrichtigte sofort den Polizeibeamten des Reviers, der sich schleunigst in Zivil- kleider rbarf und bei der Mauer Posto faßte. Bald tarnen auch die Mitglieder einer hiesigen „farbentragenden" Stu- denten-Verbindung mit Farbentöpfen und Pinseln angezoger und begannen die bunten Firrnen-Jnschriften an der Mauer ihren Farben entsprechend zu bepinseln. Als sie in der schönsten Arbeit begriffen waren, trat der Polizist hinzu und notierte die „Anstreicher". Bald danach jedoch tehtten sie mit verstärkten Kräften, zurück und begannen ihre Malerei von Steuern, wobei sie aber alsbald vertrieben wurden. Wie wir hören, hat Harr Deinert, der die Reklamemalereien an der Mauer hergestellt hat, Strafantrag gegen die Studenten gestellt. Bei einer Verurteilung und nachherigen Entschädigungsklage dürste der Scherz die Studenlen ettoas teuer zu stehen kommen, denn die bemalte Fläche umfaßt 90 Quadratmeter, wovon jeder 8 Mark kostet. (H. L.-Ztg.)
Wiesbaden, 28. Juni. Wie der „Rhein. Kur." meldet, trafen heute Abend 6 Uhr, von Baden-Baden kommend, der Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin zu einem Besuche des Königs von Dänemark hier cm.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Rod he im a. d. Bieber feierte der Männerturnverein am 26. und 27. d. Mts. fein Fahnen- weihfest, verbunden mit Schauturnen. Tas Fest war auch von Ausflüglern aus Gießen stark besucht. — In Llnd- h e i m machte der Dienstknecht Heinrich Hirth II. fernem Leben durch Erhängen ein Ende.
ic Ziehung 3. Klasse der 4. H c s s i s ch°Thüriugische« Slaatslotteric findet am 5. u. 6. Juli d. Js. statt. Interessenten mäaen die Lvserucueruvg nicht versäumen. 5599


