den Vorrang bei der Verstärkung haben.
Paris, 27. Febr. Ter leitende Ausschuß des Blocks beschloß nach langer und erregter Beratung von einer besonderen Untersuchung der Flottenverwaltung, die von Lockroy, Chomet und andren Feinden Pelletans stürmisch gefordert wurden, abzusehen und den HanshaltungSaiiS- schuß zu beauftragen anläßlich der Gldforderimgen für die Ausrüstung von Saigon und anderen Flottenstützpunkten, die ihm dernnäcyst zugeben werden, Pelletan über seine Verwaltung eingehend zu vernebmen. Tiefer Beschluß ist nicht als Sieg VelletanS aufzufassen, sondern lägt nur den Wunsch der Führer des Blocks erkennen, dem Kabinett augenblicklich keine Verlegenheit zu bereiten.
Toulon, 28 Febr. Ter Dampfer „Punncm", welcher /)on der französischen Negierung gechartert wurde, trifft am 10. März hier ein und wird 600 Tonnen Munition für Saigon an Bord nehmen, außerdem ein Bataillon Infanterie in Stärke von .600 Mann und ein Bataillon der K'olonialtruppe, im ganzen 1100 Manu. Ende März sollen 1200 Mann folgen, welche zum Schutze der französischen Kolonien in Ost asten bestimmt sind.
Nom, 28. Febr. Tie „Tribuna" begrüßt den Abschluß des Handelsvertrags mit Teutschland mit begeisterten Worten. Ter Vertrag sei der erste, der nach Annahme des 7)ohen Generaltarifs durch den deutschen Reichstag zustande komme. Er gebe so Anlaß zur Hoffnung, daß billige und gerechte .Handelsverträge überall triumphieren würden. Tie beiden Regierungen, unterstützt von den beiden Unterhändlern ersten Randes, seien einig in der Ueberzeugung, daß eine wirtschaftliche Verständig- ung zwischen Italien und Teutschland eine zweifellose Notwendigkeit wäre, die nicht durch allzulange Verband- lungen hingezogen werden dürfte. Ter Hauptpunkt des Vertrages sei, daß ein Zollkrieg vermieden werde, da der alte Vertrag in Kraft bleibe.
P e t e r s b u r a , 28. Febr. Eine heute erschienene Son- oerauSgabe der Gesetzsammlung veröffentlicht einen vom Kaiser bestätigten Beschluß deS Min'sterrats, nach dem der am 26. Februar 1903 bestätigte allgemeine Zolltarif für den europäischen Handel, dessen (Geltung am 31. Te- zember 1903 abgelaufen war, und die zeitweiligen Bestimmungen des Zolltarifs für den europäischen Handel aus ein weiteres Jahr in Kraft bleiben, ebenso die Bestimmungen über Vergünstigungen bei der Benutzung ausländischer Säcke für in das Ausland versandtes, nach den russischen Häfen deS Stillen Ozeans und Finnlands bestimmtes Korn und Mehl.
— AuS zuverlässiger Quelle bei 'ortet, daß einige 40 Familien jüdischer Aerzte u >5 Petersburg, Moskau und Kiew ausgewiesen werden, weil sie durch die Entsendung ihrer Familienväter nach der Mandschurei das Recht verloren haben, außerhalb des Ansiedluugs- rayonS zu wohnen.
N e tv y o r k, 27. Febr. Tas vom d e u t s ch e n K a i s e r g eschenkteTenkmalFriedricb des Großen wird am 20. Oktober in Washington enthüllt. Es wird den besten Platz auf der großen Esplanade der Kriegsschule erhalten. Eine Festlichkeit großartigen Charakters ist beabsichtigt. Präsident Roosevelt und der deutsche Botschafter Baron von Sternburg, werden Ansprachen halten.
— Tie „Sun" meldet aus Washington, das Kriegs- bepartement hat beschlossen, eine Statue Napoleons nahe der Stelle zu errichten, aus der sich die vom Kaiser Wilhelm geschenkte Statue Friedrichs des Großen erheben wird. (?)
Aus Stadt unü Land.
Gießen, den 29. Februar 1904.
* Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog haben dem Kirchendiener und Balgtreter Georg Christian Braun zu Laubach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Dienste" verliehen.
"VachS MatthäuS-Passion. Wir sind ersucht -vorden, darauf hinzuweisen, daß daS Kirchen-Konzert am nächsten Freitag außerhalb deS NahmenS des Konzert- Verein 8 abgehalten wird, also Karten nur Giltigkeit haben, die speziell für den Freitag gelöst sind. Gleichzeitig werden die Inhaber von Emporbü Hnen-Plätzen (namentlich links) dringend ersucht, nicht später wie 4’/a Uhr ihre Plätze einzunehmen. Der Zugang wird nach dieser Zeit durch Mitglieder deS ChoreS benutzt, wenn nicht sogar unmöglich gemacht. Inhaber von unnummerierten Karten können aus der Emporbühne überhaupt nur in beschränkter Zahl zu- gelassen werden.
"Die hiesige Handelskammer hat jungst die Einstellung der 8. Wagenklasse in die v-Züge Frankfurt— Bebra—Berlin und umgekehrt gebeten und war darin von der Hanauer Handelskammer unterstützt worden. Auf diese Eingabe erwiderte die Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M., daß sie zu ihrem Bedauern nicht in der Lage sei, dem Wunsche der Handelskammer aus Einführung der 3. Wagenklasse bei den D-Zügen 41 und 43 zu entsprechen. Die Züge seien jetzt schon stark besetzt, mit Beistellung der 8. Wagenklasse aber würden sie so belastet werden, daß ihre pünktliche Durchführung in Frage gestellt wäre. Uebrigens ständen den Reisenden zur Neise in der 3. Wagenklasie nach und von Berlin in den Schnellzügen 3 und 4 passende Verbindungen zur Verfügung. Ter VerkehrSauSschuß der HandelS- kanmier Hanau hat jetzt beschlossen, sich mit der Handelskammer Gießen in Verbindung zu setzen, ob event. gemeinsam die Angelegenheit auf dem nächsten Bezirkseifenbahnrat zur Sprache zu bringen fei.
* ' DaS Großh. Regierungsblatt Nr. 6 enthält eine Bekanntmachung, die Bestimmungen über den Besuch der Landes Universität betreffend.
• • GabelSberger Stenographen. Am Samstag abend feierte der Gabelsberger Schüler-Stenographenverein des Realgymnasiums und der Realschule im Iagdschlößchen bei Dutenhofen sein 25 jähriges Bestehen. Anwesend waren u. a. einige Lehrer dieser Schulen. Die Feier begann 4 Uhr mit einigen Musikstücken, denen die Festrede deS Herrn Chr. Pfeiffer folgte. Auch ein Theaterstückchen, „Dr. Allwissend", daS von einigen Mitgliedern hübsch arrangiert worden war, rief lebhaften Beifall hervor. Um 12.20 Uhr führte die Bahn den letzten und größten Teil der Anwesenden nach Hause. Sic konnten sich sagen, daß sie einen außergewöhnlichen und lustigen Abend verlebt hatten.
• * Eine Zierde unserer Landschaft, nämlich die Baumpruppe auf jener Halbinsel in der Lahn, welche zur ehemaligen Burk'schen Mühle gehörte, ist zum Bedauern aller Naturfreunde unserer Cladt vernichtet worden. Der jetzige Besitzer der Mühle hat dieses landschaftliche Idyll
niederschlagen lassen. Aber auch unser stimmungsvoller Heßler verliert von Jahr zu Jahr immer einen Baum nach den andern, ohne daß die Besitzer von Grund und Boden für Neuanpflanzungen Sorge tragen. Der VerschönerungS- verein, welcher- in den nächsten Tagen seine Mitglieder zur Generalversammlung einberuft, mag eS als eine dankbare Aufgabe betrachten, zu beraten, wie er es zu machen hat, um zu verhüten, daß in solcher Weise selten schöne Land- chaftsbilder zerstört werden.
* • Die Konzerte der ungarischen Zigeunerkapelle im Neuen Saalbau gestern nachmittag und abend waren sehr gut besucht und sanden allgemeinen Beifall. Der Führer deS Orchesters Rakoczi teilt uns mit, daß er in kurzem, vielleicht Ende März oder anfangs April hier wieder ein Konzert veranstalten wird.
* * Von her Jagd. Mit dem 1. März beginnt, wie unS von einem Jager geschrieben w>'rd, die Schonzeit auf männliches Rehwild, ebenso auf Enten, d. h. soweit eS sich nicht um Gewässer handelt, welche auf der einen Seite von hessischem und auf der anderen Seite von preußischem Gebiete begrenzt werden. Hier ist durch besondere Bestimmung die Schußzeit analog dem preußischen G's tze ausgedehnt bis zum 1. April. Tic Enten legen jefct und be- ginnen zu brüten. Bald beginnt der KranickHug und Schnepsenstrich: am 6. März ist Okuli, „da kommen sie"- h. h. manchmal auch nicht, wenn die W tterung nicht danach ist. Das Haar'-aub'eug wirft in d'esem Monate und, wo Schwarzwild sich aufholt, toirb man bild d'e ersten Frischlinge sehen fi'nncn Der Raubvogelmg beg'nut ebenfalls jetzt, und bald wird die Ausübung oer Jagd aus der Krähenhütte lohnend fein.
* * Wie man zu einem seltenen Namen kommen kann, zeigt, so wird uns berichtet, folgende im hohen Vogel berg pi'srrte Geschichte: Ein biederer Bauersmann kommt zum P'arrer, um die „glückliche Geburt eines gesunden Jungen" anzuzeigen und gleichKeitig die Formalien jür die demnächstige Taufe des kleinen Weltbürgers zu erledigen. Als sich der P'arrer nach hem Vornamen, den das Kind erhalten soll, erkundigt, ist er nicht wenig erstaun', •u hören, daß der Kleine „Bileam" genannt werden soll. Es will ihm dies nicht recht in den Kops, aber der Bauer bleibt dabei und erklärt sein merkwürdiges Verlangen dahin, daß der „Onkel in Amerika" den „Petter" haben solle: daß der aber geschrieben habe, er würde den Petter nicht aunehmen, wenn das K'nd nicht V'leam heiße; der Onkel se! aber ein sehr reicher Mann, dem man schon den Willen hin müsse, denn bad f>t von großem Ni tz n für das Petterchen. (Also erhielt am nächsten Sonntage der Kleine wirklich in der Taufe den Namen „Bileam". Da sich der Pfarrer aber für den „bilsi schen" Petter aus Amerika interessiert, läßt er sich nach vollzogener Taufe auch einmal den „Amerikaner Vxief" zeigen. Fast hätte er aber laut aufgelacht, als er dort gescheh ben fand: „Der Kleine muß natürlich als mein Petter W i l l i a m heißen." Sicherlich war nur die Bibelkunoe des Bauern an dieser Verwechslung schuld.
-o- Collar, 28. Febr. Zum Sprechverkehr mit Ehringshausen (Kreis Wetzlar), Kölschhausen und Wertorf ist vom 1. März ab Lollar zugelassen. Die Gebühr für ein Gespräch von 3 Minuten Dauer beträgt 20 Pfg.
§ Bad-Nauheim, 28. Febr. Der 66. Kreist urntag des Mittelrheinifchen Kreises der deutschen Turner- schast tagte heute von 10 Uhr vormittags ab in der hiesigen Turnhalle. Tie Turner und Turnvereinsvertreter des Kreises besichtigten unter der Leitung der hiesigen Turner die Quellen, Bade- Häuser und Parkanlagen. Um 10'/« Uhr eröffnete der erste KreiS- ücrtrcler, Landesturninspektor Schmuck- Darmstadt den Kreistag. Bürgermeister Kaiser-Bad-Nauheim begrüßte die Turner namens der Stadt und gab dem Wunsche Ausdruck, bald einmal die Turner gelegentlich eines Turnfestes hier willkommen heißen zu dürfen. Der Kreisvertreter Schmuck machte die interessante Mit- teiluug, daß ihm von einem Lehrer des Odenwaldes das Original eines IahubrieseS, den Jahn 1849 in Frankfurt schrieb, überreicht wurde. Der Brief wurde dem Jahn-Museum übergeben. Dem Kreis gehörten am 1. Januar 1904 21 Gaue mit 805 Vereinen an und rund 80 000 Mitgliedern, wozu nach der gestrigen Ausnahme wieder 4000 kommen. Turnerinnen gehören dem Kreis 29 012 an, 6417 mehr als im Vorjahr. Das Turnen schulpflichtiger Kinde r wird von 67 Vereinen gepflegt; daran beteiligten sich 2400 Knaben und 562 Mädchen. Der KretSvertreter hält diese Kinderriegen für sehr wichtig, bittet jedoch bei ihrer Gründung vorsichtig zu Werke zu gehen. Der größte Gau des Kreises ist der Gau Rheinhessen mit rund 8000 Mitgliedern, der Gau Hessen zählt 6700 in 51 Vereinen. Nach dem Rechenschaftsbericht für 1903, von dem Kreis-GefchästSsührer Gustav Kaminskn-Pfungsladt erstattet, betrugen die Einnahmen der Kreiskasse 8482.04 Mk., die Ausgaben 5959,82 Mk. Also besteht ein Ueberschuß von 655 39 Alk. Die Einnahmen der UnterstützungSkasfe (Rotbermel-Skistung) betrugen 3808,48 Mk., die Ausgaben 200 Mk, Die Einnahmen der Aus- bildungßkasse für Turnwarte und Vorturner betrugen 596,20 Mk., Ausgaben hat sie keine. CS beträgt demnach das Gesamtvermögen deS Kreises 4855,07 Mk.
Tarrn ftabt, 28. Febr. Der hiesige VerkehrS- üerci n, dessen Mitgliederzahl auf 688 gewachsen ist, macht große Anstrengungen, um möglichst viele Sommergäste für die Stadt, die Bergstraße und den Odenwald heranzuziehen. So läßt er jetzt ein große?, mehrere tausend Mark kostendes künstlerisches Plakat anfertigen und auf dem Schloßplatz ein Verkehrsbureau errichten. Jüngst war auch vom Verein ein Preisausschreiben für die besten litterarischen Arbeiten über Darmstadt und Umgebung veranstaltet worden. Von den sehr zahlreichen Eingängen wurden vier Arbeiten preisgekrönt. Den 1. Preis von 50 Mk. erhielten: Redakteur und Schriftsteller Friedrich Hannemann und W. Rolf «mit je 50 Punkten), die beiden folgenden Preise A. W. Beauclair und Gerichtsassessor H. O. Becker.
sd. Darmstadt, 28. Febr. Der 28 Jahre alte Obermälzer HanS Dünkel, welcher schon eine Reihe von Jahren in der Brauerei von Schönberger in Groß-Bieberan zuletzt als Braumeister tätig war und sich allgemeiner Achtung erfreute, hat sich vor einigen Wochen heimlich entfernt und in seiner Heimat Hamburg erschossen. Der Fall ist umso ausfallender, als D. schon einige Jahre mit der Tochter eines benachbarten Mühlenbesitzers ein Verlöbnis hatte und demnächst heiraten wollte, zu welchem Zweck die Wohnung schon gemietet war. — In der hiesigen zahnärztlichen Polyklinik wurden im Monat Januar 1904 140 Schulkinder unentgeltlich behandelt.
Darmstadt, 27. Febr. Ter Artillerie-Unteroffizier Schmidt von der ersten Batterie des Regiments Nr. 25 hat s i ch heute vormittag durch einen 2 ch u ß schwer verletzt und starb bald nach feiner Einlieferung ins Garnisvnlazarett. Furcht vor Bestrafung, die Schn'iai wegen M i s; h a n d l u n g U n t c r g e b e n e r zu erwarten hatte, bildete die Ursache des Selbstmords. — Veranlaßt den Tod deö jüngsten Sohnes des Prinzen
Heinrich von Preußen, wird S. K, H. der Großherzoa seinen Aufenthalt in Kiel noch um einige Zeit ausdehnen. (Frkf. Ztg.)
R. B. Tarmstadt, 28. Febr. Unferm landsmänni- schen Ticbter Gottfried Schwab soll demnächst auf der Mathildenhöhe ein Denkmal errichtet werden, wofür der Großherzog den Platz zur Verfügung gestellt bat. Um eine Gedächtnisfeier des Todestages des Dichters zu begehen, hatte der hiesige Verein für Verbreitung von Volksbildung einen RentationSabend veranstaltet, dessen erster Teil ganz aus Werken Gottfried Schwabs bestand. Hosschaufpieler Kn ispel entwarf zuerst ein kurzes fesselndes Lebensbild Schwabs und besprach und remitierte dann einige Dichtungen.
Mainz, 27. Febr. Wir lesen im ,.M. TgpbL": Gestern abend gelang es in Wiesbaden einem Schutzmann, einen außerordentlich guten Fang zu tun, indem er den berüchtigten Zuchthäusler Ovp-l festnahm, welcher wegen mehrerer Verbrechen, unter anderem wegen eines schweren SittlichkeitSverbrechenS, 15 Jahre Zuchthaus ru verbüßen hatte, der vor einigen Monaten aus dem Gefängnis in Gießen aus gebrochen und entkommen ist. Seit dieser Zeit hat sich Oppel immer versteckt gehalten, und trotzdem ihn Staatsanwalt und Polizei steckbrieflich verfolgten, brachte er e4 fertig, durch Einbrüche in den verschiedensten Orten und Städten sein 2eben zu fristen. Seit einigen Wochen H elt er sich in W'esbaden auf, nächtigte im Freien oder Ju<^c in außerhalb gelegenen Hütten Unterkunft. Durch die Einbrüche kam der Gauner in die Lage, sich andere Kleider zu verschaffen, wodurch er die Zuchthaus kleid er abstreifen und sich bei Tage als freier Mann bewegen konnte. Seine letzten Einbrüche machte er in einigen Weinbergshütten am Nerobe g Dort sand er reichlich Kleider und Stiefeln. Was ihm vaßte, zog er an, die übrigen Kleider und ein paar gute Stiefeln suchte er zu verkaufen. Seine Ueberfuhrung nach dem Gefängnis in Gießen wird in den nächsten Tagen erfolgen.
w. LaunSbach, 28. Febr. Die Launsbacher Jagd, welche bisher an 2 Hagener Jäger, Schneeweiß und Kinkel, für 475 Mack Iahrespacht verpachtet war, brachte bei der jüngsten Verpachtung pro Jahr 750 Mark. Die früheren Pächter legten das beste Gebot ein und erhielten auch den Zuschlag.
K. Wetzlar, 28. Febr. Vor vollständig ausverkauftem Hause konzenierte heute die rühmlich bekannt gewordene 2. Gießener Bn m ba ß - G esel l schaf t, Direkten Dax, zum Besten des Dom bau fand s. Allen Darbietungen wcirde rauschender Beifall zu teil. Znsammenspiel und Solis waren vorzüglich. Dem Konzert wohnten der Landrat und viele Spitzen der Behörden bei. An Billets dürften mindestens 500 Stück verkauft sein. Besonders das ganze 9luf- gebot der Wetzlarer Schönen hatte, wie wir hören, mob'r gemacht. Heute abend spielt die Kapelle in Marburg.
Frankfurt, 29. Febr. Zu den schon im heutigen Frühblatt berichteten Einzelheiten über den Mord an dem Pianohändler Lichten st ein verzeichnen wir noch folgende Mitteilung der Frkf. Ztg.: Daß der wertvolle Brillantring am Finger blieb, ist wohl nicht auf ein Uebersehen der Verbrecher zurückzuführen, sondern erklärt sich daralis, daß sich ein Ring vom Finger, und gar von dem Finger einer Leiche, nur sehr schwer abstreifen läßt. Daß der 93er- such, den Ring zu lösen, geinacht worden ist, zeigt die Lage des Reifs, der stark ngch dem Mittelglied vorgedrückt war. Eigentümlich und für die Vorsicht dec Täter charakteristisch ist, daß man auf keinem der mit leichtem ©taub bedeckten Flügel einen Händeabdruck gefunden hat. So viele Tatsachen dafür sprechen, daß mehrere Personen an der Mordtat beteiligt waren, so unentschieden ist es bis jetzt, ob nicht doch einer allein die Tat verübt hat. Es ist nach genauerer Feststellung deS Vorgangs wohl wieder glaublich, daß der Mord — daS hinterlistige Ueberfallen, Erwürgen und Erschlagen — von einem Verbrecher verübt wurde. Die Spuren sind zudem so verwischt, daß die verräterische Rtittäter- schaft mehrerer Personen fast auSgeschlosien erscheinen will. Der Behörde ist eine wichtige Nachricht zugekommen. Seit einigen Tagen soll, so heißt es, ein Klaviertransporteur vermißt werden, der in Diensten eines hiesigen Unternehmens stand, daS sich mit Möbel- und Klaviertransport befaßt. Jener Transporteur soll am vergangenen Montag bei Lichtenstein gewesen fein und ihm gesagt haben, er werde im Laufe der Woche mit einem Offenbacher Wirt wegen Ankauf eines Klaviers wiederkommen. Jener Mann ist seit etlichen Tagen nicht mehr in seine Wohnung gekommen; sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Die Beerdigung Lichtensteins wird am Mittwoch erfolgen.
Kleine Mitteilungen auS Hessen und den Nachbarstaaten. Der langjährige Chefarzt des Rochus- hoSpitalS zu Mainz, Geh. Nledizinalcat Dr. Ho chgefa n dt, feierte am 27. dS. MtS. seinen 90. Geburtstag. Trotz dec Bürde seines hohen Alters erfreut sich der hochverdiente Arzt noch voller Geistesfrische. — AuS Mainz wird geschrieben: Max Dreyer's vielfach verbotener Schwank „Das Tal deS Lebens* fand im hiesigen Stadttheater eine sehr lebhafte Aufnahme. Die Inszenierung durch Direktor Steinert war recht geschickt und acich die Darstellung wurde dem Werke gerecht.
Dcrmifd>M«
* Köln, 28. Febr. In vergangener Nacht gerieten zwei Holländer auf der Straße in Streit, wobei der eine seinen Landsmann durch einen Messerstich in die Halsader tötete. Der Mörder, der der Schwager des Getöteten war, wurde verhaftet.
• Düsseldorf, 28. Febr. Anläßlich der diesjährigen Ausstellung wird hier am 23. und 24. Juni ein allgemeiner Frauen kongreß abgehalten werden.
• Ascheberg, (Wests.) 28. Febr. Der üotgeftem bei einer Bohrung auf Kohlen entstandene ErdgaSbrand dauert unoennindert fort. Aufgeworfene Sandsäcke werden wie Federbälle in die Lust geschleudert. Die Quelle scheint unerschöpflich.
• Berlin, 28. Febr. In seiner Wohnung im Tempelhof hat sich der Hauptmann H. erschossen. Den Selbstmord verübte er durch einen Schuß in den Mund, nachdem er vor einigen Tagen au6 dem Garnisonlazarett entlassen worden war.
* Berlin, 27. Febr. Der Bankier Fritz Meyer wurde heute mittag auf dem Polizeipräsidium zur Vernehm- | ung vorgeführt. Er gab an, Berlin überhaupt nicht v«r-


