Ausgabe 
27.9.1904 Zweites Blatt
 
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BevLLrimg eine auvervrbentlich verstm ebene. Was tue loiaien VerrouttuLM>c Vörden betrifft, so fmm uidst geleugnet werden, daß ta*efa*tax dicjcnigcn in Heineren Gemeinden int allgemeinen Äntidt sind, bce WohnnngsverhAtnisse in rosigem Lichte zu bc» Der Grund für diese allzu oRimiftische Llussassung rst nidnid) sehr leicht erklärt: Tie Organe der kleineren Gemeinden -* ' *- *-*- ---------rben häufig gar feinen

lechälmifte. Es wurde

srSd^imdcre die Bürgermeister bab flirr Seinen richtigen Einblick in die Ber^ a. S. in mehreren FÄleu, wo sich die Bürgermeister selbst an der WahnnngSbLsichtigung beteiligten, von den Herren erklärt, dau sie sich die LerchÄtnisse doch nicht so ungünstig vorgestellt hatten, tr*ir ftr auaelroifen wurden.

In den 11 Monaten seiner Dienstzeit im Jahre 1903 hat der Gcrtthtcrftottcr in zahlreichen hessischen Ortschaften eine Ttäfiniß der WohnungsverhÄtnisse vorgenommen. In einigen FLleu nahmen an den Besichtigungen teil Beamte des Kreisamtes oder ein staatlicher Geiunühettsbeautter, zumeist wurden iedoch ixe Ortsbürgermeister jur Teilnahme an den Besichtigungen ver- anlafet Es ist innncr envünsckst, wenn die Bürgermeister oder Gemeinderat ^Mitglieder sich an den Ruud gang en des ^andes- wohrumgsinspektors beteiligen. Sie gewinnen dadurch selbft ein Utisfl über die Wohuungsverhältnisse ihrer Gemeinde, sie werden tmfgcßärt über die Gesichtspunkte, nach welchen die Untersuch- iiiig der etnzclnen Wochinngen vorzunehmen und deren Qualität ö beurteilen ist. . , r^ . _ rr

Hiosichtlich der Wohndichtigkeit gehört das Gro^Herzog­tum zu deuienigau deutschen Lundesstaareu, die eine den Reichs- rmrchschnill wefenttich übersteigende Tichtigkeit der Bevölkerung aufweisen. Was die Behausmigsziffer (Turchschnit^kopszahl ui einem Wohngebäude» anbelangt, die in Lefsen betragt, )o seist füU daß letzteres damit unter dem Leichödurchschnirt bleibt Es ist dies an ffch ein gutes Zeichen insofern, als daraus zur Evidenz hervovgeht, baß in Lessen das kle ine Laus ganz wesentlich überwiegt Tas Mietsfasernenwesen ist, ab- aLrchen von wenigen Fällen in den größten Städten des Landes, üferfrwfr nicht vertreten. Es ist ein hervorstechender Zug un hMschoi VolLcharafter: Tie Liebe zmu Eigenheim, zur heimat­lichen Scholle.

Äus der Behausungsziffer auf die Qualität der Wohnungs- Derhältniffe einen Schluß zu ziehen, ist indessen unzuläffig, ebenso­wenig bietet sie eine Grundlage für die Beurteilung, ob im aU* ymPTr- n eine Ueberfullung der Wohnungen vorliegt oder nicht Sun eS handelt sich bei dieser Behausungsziffer nur um eine TuMchnitts^chl die > B. unter Berücksic^igung der in Lessen ungemein zahlreichen Einfamilienhäuser und Villen gefunden wird, sodaß eben trotz der oerhÄtnismäßig niedrigen Ziffer die Emzeluntersuchllug der Wohnungen Uebersüllung oder sonstige Mißstände ergeben kann. . ,

lieber die Lohe der Mietpreise gibt bezüglich einiger Städte zunächst folgende Tabelle Auskunft:

Wohnungen von 1 bis 3 Räumen einschl. Küche pro Jahr.

hm Kreis-Baubeamten Fühlimg genommen. Mit einigen der erjtaxn wurden gemeinschaftlich Wohnungsbestästigungen auSac* führt, falbrcnb mit den Baubeamten mehrfach wegen praklychcr Grulldrißeinteilung und netter äußerer Ausgestaltung der Hauser mit Weümvhnungcn verhandelt lunrbc.

T« Abschsttt 2 hui MI von den WvbnungSverhält- LLssen der unbemittelten Volksklasscu und dem SchLnfstellenwesen im G-rvßh.erzvgtu m. Tie Bcur- der Wohnnngsverhältiiisse in Stadt und Land ist IN der

-

1 Raum

2 Raume

3 Räume

Gemeinde

in altewin neuen

in alten

in neuen

in alten

in neuen

Stadt-

Stadt-

Stadt-

Stadt-

Stadt-

Stadt-

teilen

teilen

teilen

teilen

teilen

teilen

Mk.

Mk.

Mk.

Mk.

Mk.

Mk.

Darmstadt

60

96

132

168

180

240

Maürz

120

130

180

200

250-300

320-360

Offenbach

70

90

140

180

240

320

Worms

100-120,

140-160

160-180

190-200

250-300

320-380

Ließen

62

94

104

153

156

242

Dingen

120

120

180

180

- 240

240

78

120

132

144

160

220

Alzey

3040

6080

90120,

90120

120-200

In anderen Gemeinden wurden u. a. noch folgende Mittsfäße für gute Wohnungen ermittelt (Tachwohnnngen sind unberück­sichtigt geblielüm):

Ennoohner: Stube u. Küche: Stube, Kammer u. Küche Wiefeck 2632 110 M.

Lollar 1578 U0 M. 160 M.

Gr. Bufeck 1704 100120 M.

Tie Mieren müssen hiernach im allgemeinen als ziemlich hoch bezeichnet ©erben. Nacy einer bekannten und übrigens wohl auch zutreffenden Regel soll ein Familienvater nicht mehr als den 5. Teil seines Einkommens für Miete ausgeben. In kleinen Städten oder auf dem Lande liegen die Verhältnisse zum Teil etwas günstiger, well dort die Wohnungen billiger find, als in den großen und größeren Städten. Immerhin bleibt zu beachten, daß in jenen Gemeinden das Ein kommen der Leute in der Regel niedriger ist als in den Städten.

Aus Stadt und Kund.

Gießen, 27. September.

Ein neuer Vorschlag zur Tarifierung der Automobile ist von Großh. Ministerium den unterstellten Behörden unterbreitet worden. Der Stempeltarif sieht für Besteuerung der Automobile einen Betrag von 550 Mk. vor. Nach dem Vorschlag soll die Abgabe betragen:

für Motor-Zweiräder 5 Mk., , , Dreiräder 10 w

t Motorwagen mit 1 Zylinder 15 Mk., w r 2 w 25 ,

, , . 3 , 35 ,

r , 4 , 50 ,

, Motor-Lastwagen 15 ,

w Motorwagen zu dauerndem gewerblichen Be­triebe und zur entgeltlichen Beförderung von Personen 25 Mk.

M Theologische Ferienkurse. Wie in anderen Teilen der evangelischen Kirche Deutschlands, sollen künftig auch für die Landeskirche des Grobherzogtums Heften und die Konststorialbezirke Staffel, Frankfurt a. M., Wiesbaden gemeinsame theologischeFerienkurse veranstaltet werden. Nach längeren Vorbereitungen sind iu einer Versammlung in Frankfurt die Satzungen dafür festgestellt und ein Verwaltungs­ausschuß gebildet worden. Den Vorsitz führt Oberkonsistorial- rat Dr. Ehlers, die Geschäfte Pfarrer Förster, beide in ^Frankfurt. Aus Hessen gehören dem Verwaltungsausschuß an: Oberlehrer Lic. Herrmann -Darmstadt, Pfarrer Veite- Darmstadt, Dekan Sturmfels-Seligenstadt, I). Schlosser- Gießen , Pfarrer Schrimpf-Butzbach. Die akademischen Dozenten der Universitäten Gießen und Marburg, der Pre­digerseminare zu Friedberg, Herborn rmd Hos-Geismar haben sich bereit erklärt, die Vorträge zu halten. Sie bilden dazu einen akademischen Ausschuß, der nach den Vorschlägen des Verwaltungsausschusses die Themata und die Vortragenden bestimmt. Der erste Kursus findet vom 24. bis 26. Oktober zu Frankfurt a. M. statt. Dabei wird Prof. D. Drews- Gießen die .Geschichte des evang. Pfarcstandcs", Prof. D. Holtzmann-GießenGott und die Welt un Urchristentum", Pro«. D. ÄcheliS-Marburg .Der Tekalog als katecheüsches

Lehrstück- behandeln. Sämtliche Vorträge finden im refor­mierten Gemeindehaus, Bleichstr. 40, statt. Für Diskussion wird hinreichende Zeit sein. Der Preis der Teilnehmerkarte beträgt 3 Mk. Auskunft, auch über Quartier, erteilt Pfarrer Förster, Trutz 27. Möchte diese Veranstaltung, wie sie den Wünschen weiter Kreise unserer evang. Theologenschaft ent­spricht, auch in ihrer Ausführung von lebhafter Teilnahme getragen werden. S.

"Nach dem Manöver. Die durch das Manöver entstandenen Flurschäden sind dieses Jahr bedeutend ge­ringer alö in ftüheren Jahren, was seinen Grund in dem trockenen Wetter hat. Die Abschätzungskommissionen sind be­reits überall in Tätigkeit.

§ Stockheim, 24. Sept. Heute beendigte Pros. Dr. Weinel, welcher einen Ruf als außerordentlicher Pro- feftor an die Universität Jena erhalten hat, seine Vorträge über die .Hauptschwierigketten beim Unterricht der Geschichten des alten Testaments". Der Besuch war stets außerordentlich Zahlreich und auch Geistliche u. a. nahmen daran teil. Im nächsten Jahre will Herr Weinet seine Vortrüge fortsetzen. .

Homburg v. d. H., 26. Sept. Der badische Minister- Präsident v. Brauer ist heute hier eingetroffen. Er stattete alsbald dem Grafen Bülow einen längeren Besuchs ab. Abends folgte Brauer einer Einladung des Grasen Bülow zu Tisch.

Kleine Mitteilunaen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Am Montag wurde in Kesselstadt die nach dem Entwürfe des Oberbaurats Jaftoy-Stuttgart neuerbaute evangelische Friedenskirche eingeweiht. Zu den Baukosten hatte z. Zt. Landgraf Alexander Friedrich von Heften ein Gnadengeschenk von 25 000 Mk. bewilligt.

3>ie Keneralversammlung des Lavdesgerverbepereins.

n.

W. Nidda, 26. Sept.

Der gestrige Tag begann mit einem trüben Gesicht es rieselte leidster Regen nieder, und manchem ward es bang tun die schönen Dekorationen der Stadt; aber rasch hellt eS sich auf, und so ward uns das schönste Festwetter beschert. So brachten denn schon früh die Züge von allen Richtungen zahlreiche Gäste; ebenso tarnen ächlrciche zu Wagen, Rad nnd auf Schusters Rappen, zumeist dem Hand­werkerstand Angehörige und solche, treld» sich ihm widmen wollen.^ Und es ging dann im Ausstellungsgebäude wie in einem Bienenhauje den ganzen Tag ein und aus.

Um 9 Uhr fand eine Sitzung des Ausschusses des Landosgewerbevereins im kleinen Saale des Ganrbrinns statt, zu der nur die betreffenden AuöschuHmitglleder Zu­tritt hatten.

Gegen 11 Uhr begann die Hauptversammlung im großen Saale des Gambrinus, welcher vollständig be­setzt war. Außer den bevetts gestern Genannten waren erschienen u a.: Ministerialrat Braun von Darmstadt, Kreisrat Böckmaitn aus Büdingen, Kreisamtmann Kranz­bühler ans Gießen, Mitglied der Gewerbekcunmer Mainz Falk, Handelskanrmersekrctär Eugelbach und Rechsner der Kasse der Gvoßh. Zentralstelle Stadtverordneter Götz, beide von Darmstadt. Regierungsrat Roack eröffnet den Reigen, der Ansprachen, indem er die Vertreter der Regierung und Gäste willkommen hieß. Ministerialrat Braun brachte von der Regierung, Landtagsabgeordneter Erk namens des Ge­werbe Vereins, Bürgermeister Roth-Nidda namens der Stadt und Herr Fall als Mitglied der Handelskammer Main- Wünsche für gedeihliche Arbeit am heutigen Tage zum Ausdruck. Nach geschäftlichen MittLilungen des Vorsitzen­den über die Tätigkeit deS Gewerbevereins für Hessen wurde der Ort für die nächste Hauptversammlung bestimmt; es hatten sich gemeldet Darmstadt und Großgerau. Der zuletzt genannte £rt wurde auf Vorschlag des Ausschtuffes ein­stimmig gewähll, und ein Vertreter des Ortes sagte herz­lichen Tank dafür. Ebenso traf ein danksagendes Telegranttn aus Großgerau noch am Nachmittag ein. Nachdem noch Herr Rockel-Darmswdt die Genossenschaftslassen zur Be­schaffung von Maschinen u. a. empfohlen hatte, erhielt Haupt­lehrer Höhn von Nidda das Wort zu seinem Vortrage: 2)ie Stadt Nidda und die gewerblichen Ver­hältnisse daselbst Nach einer geschichtlichen Ein­leitung über das erste Vorkommen des Namens Nidda und seiner Entwicklung in früheren Jahrhunderten be­leuchtete der Vortragende Handwerk und Getverbe der Stadt. Früher gab es hauptsächlich Strumpfweber, Weber, Ger­ber; Ackerbau wurde mit betrieben; später erhöhten Hilfs- maschinen die Leistungsfähigkett der Gewerbetreibenden. Seit 1896 hat Nidda die Wasserleitung, die Frage elektri­scher Beleuchtungs- und Kraftanlagen steht in Beratung. Ganz verschwunden sind die Häfner, deren vor 50 Jahren noch existierten; StrumpfwÄiereien (mit Maschinen) gibt es noch 2; die Gerber sind von 30 auf 4 zurückgegangen; die übrigen Gewettbe haben sich vermehrt, je nad)! dem Bedürfnis der Bevölkerung; es'bestehen 3 Brauereien und eine Möbelfabrik; neu in letzter Zett sind eingerichtet wor­den eine Maschinenschlosserei und eine Fettsi^erei. Zur Erleichterung aller gewerblichen Bestrebungen dienen eine Sparkasse und ein Vorschuß- und Kreditverein. Bei der Förderung der Handlvcrker- und Gewerbeschulen ist zu er» warten, daß die Zukunft des Handwerkerstandes unserer Stadt eine gutesvächeißende sein wird.

Hierauf erhielt Realgymnasiallehrer Kahl-Darmstadt das Wort zu feinem Vortrag: ^Die Frage des Be^ fähigungsnachweises im Handwerk." Er hat mehrere Leitsätze ausgesteltt, aus denen, wett zu umfang­reich folgendes herausgehoben wird. Der iVortragende, Gegner des Nachweises, läßt die historische Ein­leitung wegen der Kür^e der Zett weg. Der Nach^veis ist stets verschieden beurtettt lvorden; wegen der großen Miß­stände und Mißerfolge, die seine Durchführung brachte, ließen die Negierungen scinerzett wieder davon absehen. Unsere Reichsregieruug ist entgegen den Beschlüssen des Reichstags ebenfalls eine Gegnerin des Nachweises; jede Agttaiion zu Gunsten desselben erschwert daher den Zu­sammenschluß alter' Handwerker zur Erreichkung wichtiger Ziele. Den Nachweis aber zu fordern, ist unzettgemüß, da erst die W,ttlüug des aus gleiche Ziele gerichteten Hand­werkergesetzes abgewartet werden muß und die freiwilligen Gesellen- und Meisherprüsangen ben obligatorischen Nachf- weis k.nnötig uiach,en. Oesterreich hat seit 1883 schlimme Erfahrungen in der Sache gemacht. Pfuscherei wird deshalb nicht durchs den Nachweis verhütet, wett die Verschiedenheit der Bedürfnisse der l>ionfumenk-en, die Verschiedenheit der' Bedürfnisse in Stadt uno Land verschiedene Qualität er­fordern; wett Pfuscherei aus schlechter Geschästsnwral be­ruht; weil techiNisäi? Kenntnisse, selbst gute Prüfungen noch keine Gewähr für praktische Leistungen bieten, wett in Oester­

reich trotz dies Nachs.veises nach wie vor gepfuscht wirdl. Eine Beschränkung der Konkurrenz ist mcht zu erhoffen, wett die Hauptkonkurrentin, die Industrie, nicht mit be­troffen wttd. Hebung der Standesehre und Festigung desj Standesbewußtseins kann auch nicht als Erfolg erttmrtet werden, wett auch geprüfte Stände genötigt sind, Ehren­gerichte einzusetzen. Die Abgrenzung der handwerksmäßig gen Betriebe von den fabrikmäßigen und hausindusiriellen^ zumal auf dem Lande, wo manche Handwerke gar nicht vertreten smd, ist ganz unmöglich durchzuführeu Für das Baugewerbe aus Gründen der persönlichen Sichjerheit den Nachiweis zu verlangen, geht nicht an, lvett die Abgrenz­ung der Gewerbekompetenzen zwischen Baumeishem und Handwerkern sehr schwierig ist, der 9iachweis sich aber auf eine ganze Reihe von anderen beim Bau oesch,äftigtcn Hand­werken erstrecken müßte. Der folgerichtig zu fordemrde Nachf- weis für das Handelsgewerbe werde eine ganze Reihe von Existenzen bedrohen. Referent verlangt:Die in § 129 der Gewerbeordnung aufgeführten Rechte sollen nur denen Vorbehalten bleiben, die den Nieistertitel in einer freiwilligen Prüfung erworben haben; bei Vergebung von Staats­arbeiten sollen bei Gleich>wertigvett der Leistungen die ge­prüften Meister für ihre Arbeiten den Vorzug vor den unge­prüften ei'halten." Der Handwerkerstand muß auf eure höhere Stufe sachjlichier und allgemeiner Bttdung gehoben/ der Genossenschastsgedanke weiter verdrettet, Kleinkraftmaschi­nen müssen den Gewerbetreibenden zur Verfügung gestellt werden; der Handwerkerstand muß den Weg der Selbsthttfe und des Zusammenschlusses betreten. Der Redner schließt seinen allseillg mit Zustimmung ausgenommenen klaren Vortrag mit dem Wort: ,^Gluck und Erfolg auf die Dauer hat nur der Tüchtige/'

Hierauf referierte Rechner Götz-Dannstadt über den Gesetzentwurf, die Gemeindeumlagen be­treffend. Aus seinen Leitsätzen heben wir hervor: Die steuerliche Entlastung des Gewerbebetriebs ist gerechtsettigt, weil sonst eine Doppelbesteuerung eintreten werde; doch ist nach dem Grurrdsatz von ,Leistung und Gegenleistung^ baS Betriebskapital nicht der zuverlässigste Maßstab, was an dem Beispiel eine» mit hohem Betriebskapital ausgestatteten Bank­instituts nachgewiesen wurde. Diese nur in Heften vor­handene Grundlage der Steuerveranlagung muß umgearbeitet werden, indem mau Betrag und eigenes Betriebskapital in Verbindung bringt mit dem Steueransatz, wie in Preußen Warenhäuser, Kommissionäre, Agenturen von Gesellschaften, Jmmobllienagenten, welche mit geringem Betriebskapital großen Geioinn erzielen, muffen erheblicher beigezogen werden. Zur Lösung eines Gewerbepatents ä. 50 Psg. soll noch eine Ab­gabe zu Gunsten der Gemeinde gefordert werden. Die Er­höhung der Besteuerung des Kapttalvermögens ist nicht zu empfehlen, weil dadurch reiche Leute wegziehen, die billige Herabsetzung der Kapttalsteuern im Wege des OrtSstatutS würde die Konkurrenz der Gemeinden um Gewinnung von Kapitalrentnern Hervorrufen. Im Allgemeinen soll der Steuergrundjatz dec persönlichen Leistungsfähigkeit mehr be­rücksichtigt werden. Schuldenabzug vom Bcuttovermögen sollte gestattet werden, ivenn Schuldner und Gläubiger in ein und derselben Gemeinde besteuert sind; falls die Grundsteuer in eine Gebäudesteuer und eine solche von Liegenschaften zerlegt wird, wie tellweiser Schuldenabzug am Gebäudewett; bei bestimmten Arten von Betriebsschulden ün Gewerbebetrieb. Endlich werden folgende VerbefterungSvorschläge deS Ent- rvurfS gemacht: 1. Die Gemeinden sollen Grundstücke, welche eine besondere Wettsteigerung erfahren durch BahnhosS- anlagen u. a. zu einem Teile dieser Kosten heranziehen dürfen; 2. von solchen Gründstücksverkänfen eine Steuer er­heben dürfen; 3. einen Antett an der Besitzrvechselabgabe er­halten ; 4. die Steuerautonomie der Stadtgemeinden soll eine Erwetterung erfahren.

Die Mitteilungen über den Stand deS gewerblichen llnterttchtswesens in Heften, welche den weiteren Gegenstand der Tagesordnung bildeten, sind in Nr. 37 des Gewerbe­blattes ausführlich enthalten; eS ist hier nur zu erwähnen, daß der Referent über die mangelhafte Tätigkeit einiger Schulen Klage führen mußte, die Such an der Ausstellung von Schülerarbeiten sich nicht beteiligten. Es besuchen gegenwärtig 10 363 Schüler die Handwerkerschulen. 500 mehr als früher. Dem Bericht des Herrn Engelbach-Darmstadt: lieber die Sterbekasse für Mitglieder des Landesgewerbevereins ist zu entnehmen, daß der Grundsatz ferner gelten soll, daß ein­tretende ältere Leute einen höheren Satz zahlen sollen als jüngere.

Da e§ mitterweile spät geworden war, eilt man zum Essen in Krafts Saalbau, der in seiner wetten Ausdehnung den 150 Gästen reichlich Platz bot. Die Tafelmusik stellt die Kapelle der 6 er Ulanen von Hanau, welche auch das nach­folgende Konzert auSsührten. Bei Tisch brachte Ministerial­rat Braun ein Hoch dem Kaiser und Großherzog, welch letzterer durch Förderung der Künstlerbestrebungen auch dem Gewerbe seine Sympathie bezeuge und seine Hilfe angedeihen lafte; Regierungsrat Noack toastete aus Nidda, das einen über alles Erwarten herrlichen Empfang geboten habe, Abgeordneter Erk auf die Regierung und die Zentralstelle für die Gewerbe, er führte zugleich an, daß der Gewerbeverein jetzt 30 Jahre zähle, Lehrer Alt-Lich auf Schulrat Meyer und Hauptlehrer Höhn. Schließlich wurde noch ein Hoch gebracht dem Ver- faffer aller poetischen Leistungen beim Empfang und der Dekoration, Oberamtsrichter Römheld-Nidda. Zu schnell schlug die Abschiedsstimde, aber alle hatten den Eindruck, daß die Veranstaltung in jeder Beziehung eine gelungene gewesen. Wie war das aber möglich? Durch das einmütige Zusammengehen aller Stände und durch die Bereitwilligkeit eines Jeden, seine Gaben und Kräfte dem Ganzen zu widmen.

Das Hauptinteresse der zahlreich erschienenen Gäste nmynt die Ausstellung der Z eichen ar beiten in Anspruch Es smd ausgestellt Zeichnungen, welche den Lehrgang von Freihcuid-, geo'rnettischem Fachzeichueii dar-. stellen; ferner darstellende Geometrie, Koustruktionslehre, Statik, Daufvrmenlehre, Weißbinder- und Malerarbeiten. An dieser Ausstellung haben teil die 5 Tagesschulen, Gießen, Friedberg, Tübingen, Nidda, Ms selb. Die übrigen Schulen (nur SonntagszeickMschplen) berühren bloß bie erstgenannten Fächr. Selbstverständlichi ist nur ein geringer Bruchteil aller gelieferten Arbeiten geboten; in 8 Schul­sälen sind sie geurbnet an Wänden und an beiden Setten von quer durch Vie Säle laufenden Bretterausbanten. Außer den 5 Orten mit Gewerbeschulen find vertreten bp.rch Soun- tagszeicheufchsulen Homberg a. o. O-, M)Zchl, Qttenbe^