Ausgabe 
27.9.1904 Zweites Blatt
 
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Menstavt, Londorf, Lollar, Llch, SchM, Nab-Ncmhetnc, Reichelsheim v W., Gedern, Schotten, Butzbach, Gambach, Vilbel, GrünberZ, Herbstein, Grebe^nstarn, Hungen, Lauter­bach (von letzterem ist; auch die Mrbsch^be vertreten). Leer sind die für Laubach und Groß-Felda geblieben. Manche Sonntagsschulen haben Zeichnungen aus^gestellt, deren An- 'ertigung bis 1901 Kurüäreicht. Die ^Arbeiten der Gewerbe- chuleu sind (OjUe neueren und neuesten Datums. Es ist chwer, hier ein Urteil zu geben, wer in den Leistungen obenan steht; es ist auch nicht notig; denn überall tritt uns Fleiß und Talent entgegen. Dex Gesamteindruck, den die Ausstellung macht, läßt sich in folgendem zusammen- faffeu: Man freut sich über die Fähigkeiten, die hier zu tage treten in unserem Gewerbestand, über den Fleiß und Eifer, der Lernenden, über das Wissen und Körrneü der Lehrenden. Man meE aber auch den Segen einer für des Volkes, be­sonders für des Hc^werkerstzandes Wohl besorgten Re­gierung und darf stolz sein, daß in einem verhältnismäßig kleinen Staate wie unser Hessen so großartiges geleistzet wird. Man kann aber auch trotz aller traurigen Zeiten für das Handwerk,' trotz alter Konkurrenz den Gedanken, nicht fahren lassen: das Handwerk, das so gepflegt wird, nmß goldenen Boden haben, kann nicht untergehen, so wenig das Gute in der Welt überhaupt auf oie Dauer unterliegen kann. Die grüßte Mannigfaltigkeit in der Ausstellung Zeigt Nidda, welches auch schöne Modellier- und Schnitzarbeiten ausgestellt hat Großartige Leistungen zeigt Gießen, be- soirders in Malerarbeiten und Fachzeichnen. Friedberg, Alsfeld und Büdingen stehen in Feinheit der Ausführung ihrer mannigfachen Arbeiten den Vorgängern nicht nach. Besonderes Interesse erregen die Erzeugnisse der Lauter­bacher Weberschule. Nicht bloß die schönen Decken und Tep­piche mrt kunstvollen Mustern, auch die Musterbücher mit den Entwürfen zu den ^Arbeiten sind musterhaft angelegt. Auch bei den übrigen Schulen sind Hefte beigefügt, in denen die Schüler ihre Berechnungen niedergelegt haben. Möchte die bis zum 2. Oktober tägliche geöffneteAusstellung rechjt fleißig besucht werden; es verlohnt sich wahrlich der Mühe, erfreut das Herz und regt an zu gleichem Streben. Noch, sei ein an einem Hause befind lichter Spruch erwähnt, der vielfach zur Heiterkeit Veranlassung gegeben hat. An der Giebelseite seiner Häuser hat ein Maurermeister den Spruch: Fideles Volk, die Herrn vom Bau, das ißt und trinkt und :nacht Radau." An der Breitseite des Hauses über seiner Haustüre unter dem Mittelseuster seines Mietsmanues, eines Rechtsanwalts, dessen Namensschild an dem eisernen Treppengeländer vor der Haustür angebracht ist, befindet sich die Inschrift:Gott segne das ehrbare Handwerk!" Selbst beim Festessen wurde das ehrbare Handwerk der Rechtsanwaltschaft' jmit Scherzen beleuchtet. 'Auch ein Spruch an einem Wirtshaus ist bemerkenswert:Man spricht von vielem Trinken, doch nicht vom großen Durst." Nun am Durst hat es in diesen Tagen nicht gefehlt, aber auch nicht fin Stoff, ihn zu löschen Unsere Wirte haben für ihre guten Leistungen auch gute Einnahmen zu verzeichnen gehabt. Der schönste Lohn aller gehabten Mühe und Arbeit ist der, do/z unsere Gaste befriedigt gegangen sind und daß mancher, nachdem er zum ersten Male üi Nidda gewesen, seinen Besuch wiederholen wird.

vermischtes.

" Prinz Philipp von Koburg veröffentlicht durch seinen Rechtsanwalt Dr. Bachrach eine Erklärung, daß er bis zu den letzten Tagen zu seiner Schwägerin Gräfin üonyay in den besten Beziehungen gestanden habe und der Gräfin auch stets unbenommen geblieben sei, mit chrer Schwester und deren Aerzten zu verkehren. Im Gegensätze zu anderen Angehörigen machte sie von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch. Als daher Prinz Philipp das Telegramm der Gräfin in Ungarn erhielt, konnte er dessen Echtheit nicht glauben, hielt es vielmehr für eine Mystifikation und depeschierte sofort in diesem Sinue an die Gräfin. Nunmehr von der Echtheit überzeugt, behält sich der Prinz seine Stellung­nahme vor. Bachrach erklärt, daß durch das Telegramm der Gräfin Lonyay die Verhandlungen mit der Prinzessin Luise erschwert worden seien. Wie der Pariser ,Temps" aus der Umgebung der Prinzessin Luise mitteilt, geht deren Roman dem Abschluß entgegen. Prinz Philipp habe sich auf Er­mahnung des Kaisers Franz Joseph im Prinzip zur Ge­währung einer Lebens re nte an die Prinzessin bereit erklärt. Diese bearbeite gegenwärtig mit dem Wiener Schrift­steller Oskar Friemann ihre Memoiren. Prinzessin Luise empfing gestern in Paris den Advokaten Stimmer, welcher ihr Mitteilung über die Verhandlungen mit dem Vertreter des Prinzen Philipp machte. Man nimmt an, daß die An­gelegenheit in einigen Tagen ihrer Lösung entgegengehen wird. Stimmer will heute abend mit der Antwort der Prin­zessin nach Wien zurückkehren.

* Unfälle, Selbstmorde rc. Ein schwerer Unfall ereignete sich in Lankwitz bei Berlin auf dem Neubau der dortigen Kirche. Kurz nach 2 Uhr brach im Innern der Kirche ein Gerüst zusammen, wobei drei Arbeiter schwer und einer leicht verletzt wurden. Auf dem Stahlwerk Hösch bei Dortmund wurden am Hochofen vier Arbeiter schwer verbrannt. Ihr Zustand ist hoffnungslos. Auf dem englischen Dampfer Windsor" welcher im Hasen von Lissabon vor Anker liegt, fand im Kohlenraum eine Explosion statt. Fünf Personen wurden schwer verletzt. Ein Infanterie-Korporal in Vienne (Frankreich) gab auf seinen Hauptmann, welcher ihn bestraft hatte, einen Gewehrschuß ab; der Schuß fehlte den Haupt­mann, tötete aber drei Soldaten und verwundete einen vierten schwer. Ter Korporal beging darauf Selbstmord. Ter Schlosser­geselle Krüg er in Berlin, der am Samstag seinen als Meister mit ihm in einer Feilenhauerei arbeitenden Bruder aus Miß­gunst erschossen hat, erschoß sich in Französisch-Buchholz. In Mont Lucon fand ein Stiergefecht statt, welchem 10 000 Per­sonen beiwohnten. Beim vierten dotier verletzte sich ein Stier- seäster mit dem Tegen am Halse, als er über die Brüstung springen wollte, schwer. Tie Tätigkeit des Vesuv nimmt noch immer zu. Tie obere Station der Zahnradbahn ist zerstört. Ein Felsblock von 18 Tonnen Gewicht wurde in die Lust ge­sprengt. In 13 Stunden wurden 1844 Explosionen verzeichnet.

* Brände. In Soissons (Frankreich) zerstörte eine Feuersbrunst die elektrische K^raftstation. Ter Schaden beträgt 600 000 Francs. Am 25. d. M. zerstörte eine Feuersbrunst das Militär-Fourage-Tepot in Lissabon. Acht Gäräude sowie große Reisvorräte wurden ein Raub der Flammen. In der 'f- wndranntweinbrennerei Köncke zu Nienburg entstand durch

ExplpstoN- eines Dampfkessels Großfeuer, wodurch das gaare Fabrikgebäude nrederbrannte. Der 18jährige Sohn des Besitz« S10 JJ1 rxTZ?1?6. um. Seine Leiche wurde bereits gefundmH Ern Angestellter^rst schwer verletzt

Landwirtschaft.

Berlin, 26. Sept. DerReichsanz." bringt folgerte Saatenstandsnachrrchten im Deutschen Reiche: Kar­toffeln 3,4, gegen September 1903 2,6, Klee 3,7 (1903 2,4), Luzerne 3,4 (1903 2,6j, Wiesen 3,5 (1903 2,6). Die in den Vormonaten beklagte Dürre hielt in vielen Gegenden noch bis zur ^eptembermrtte an. Durch Regenfälle in anderen Gegen­den erfuhren dre Feldfrüchte wohl eine augenblickliche Belebung, aber keine liefere Anfeuchtungen. Durch die verhältnismäßig trockene Witterung wurde das Einbringen der Getreideernte sehr gefördert. Wenig Fortschritte machte bisher die Herbst­bestellung. lieber den Stand dec Kartoffeln sprechen sich die Be­richte allgemein wenig günstig aus. Tie Futterkräuter er­gaben meist geringen, vielfach überhaupt keinen zweiten Schnitt mehr.

Herrchtsjaal.

Dresden, 26. Sept. Wegen Säbelduells hatten fick heute die hiesigen Aerzte Julius Paul Wolf und Hermann Meyer vor dem Landgericpt zu verantworten. Wolf wurde zu 4 Monaten Festung, Meyer zu 3 Tagen verurteilt. Tas Duell fand unter den schwersten Bedingungen statt.

Kandel und WerKeyr. KolLswirtschast.

Märkte.

Gießen, 27. Sept. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkl kosteten: Sutter pr. Pfd. 1.151.20 All., Hühnereier 1 St. 78 Pfg^ 2 Stck. 1500 Sfg., Gänfeeier 00-00 Pfg., Enteneier 70 Pfg^ Käse pr. Stck. 68 Pf., Kasematte 2 Stck. 56 Pfg. Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,800,90 Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,601,20 Alk., Enten pr. Stück 1,802,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 0070 Pfg., Ochfenfleifch pr. Pfund 0080 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6268 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6072 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6876 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5074 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,007,50 Mk., Weißkraut per Stück 1020 Pfg., per Zentner 0.000.00 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 8,0010,00 Aik., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 5 bis 8 Alk., in Körben 0000 Pfg. Nüsse 100 St. 3000 Pfg. Zwischen per Zentner 2.803.50 Alk. Marktzest 82 Uhr.

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