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27.9.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 227

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGietzener ZamMenblätter" werden dem ySIn^eiget viermal wöchentlich beigelegt. Der »hejstsch« Laudwtrt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersttätsdruckerei. R. Lange. Gießen.

Redaktton.Expedition ».Druckerei: Schulftr.7.

Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr. i Anzeiger Gteßen,

Zweites 154. Jahrgang Dienstag 27. September 1904

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

löte er fielt nach um das Zeugnis

zu

nach

wie ein Schrei» sodaß

er

o. b.

Eine kurze Haudbew-eaung, dann wandte er sich nach dem Schreibtisch und suchte Papier heraus, schreiben.

Schönheit, die Nase schars geschnitten, um die vollen Lippen em schwermütiges Lächeln; die grauen Augen von fast schwarzen Brauen überwölbt, die an der Nasenwurzel zusammenstießen, die blasse Stirn umgeben von einer üppigen rütlichblonden Haar- hie nur widerwillig durch die einfache Frisur gebändigt

, stand nicht mehr in der ersten Jugend und mochte wohl dreißig ^zahre zahlen. Ohne gerade eine Schönheit zu sein, mußte sie doch auffallen.

Gelvöhiitich ruhig und gelassen,, brach doch zuweilen die verhaltene -Glut einer wildeil Leidenschaft hervor, vor der die Magde und selbst die Knechte des Gutes sich scheu duckten.

Als Groller aufstaud, senkte das Ntädchen die Augen und stand stunun und still da.

Keer und Klotte.

Ein preußischer General lobt die Miliz. Auf dem Gastmahle, das der schweizerische Bundesrat in Winterthur zu Ehren der fremden Offiziere, die an den Herbslmanövern teilnahmen, gab, hielt der deutsche Vertreter, Generalmajor v. Scheffer, eine Rede. Er sagte u. cu in Beantwortung der Begrüßungsrede des Bundesrats Müller: Wir fremden Offiziere sind einer Meinung, daß in der An­lage und Leitung der Uebungen, in der höheren und niederen Führung, sowie bei den Leistungen der Truppen und des einzelnen Mannes in Anbetracht der besonderen Schwierig­keiten der Ausbildung und des Geländes, mit denen hier ge­rechnet werden muß. Hervorragendes erreicht wird, Erfolge, die nur möglich sind kraft der besonderen militärischen Tüch­tigkeit des Schweizeroolkes, seines patriotischen Verständnisses und seiner selbstlosen Hingabe an die Anforderungen des Heeres und des Vaterlandes."

Politische Tagesschau.

Herr von Grumme.

Heute kommt aus Rominten die Meldung, d- der Kaiser das Abschiedsgesuch des Kapitäns ß. S. von Grumme unter Stellung desselben zur Disposition ge­nehmigte.

Kriminal-Roman von O. E l st e x-

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Wie im Traum kehrte er nach seinem geliebten Wendessen heim. -.MC Ernte war gerade im Gange; er wollte sich mit Eifer tu uie Arbeit Stürzen, aber als er den finsteren Blick seines Verwalters bemerkte, die verlegenen Mienen seiner Arbeiter, die ihn nicht mehr wie früher, fröhlich bewillkommneten, sondern Ichweigend^ ihre Arbeit verrichteten unb aufzuatmen schienen, wenn er i>en Rucken gewandt, da zuckte ihn die Verzweiflung und er vergrub sich in sein einsames Zimmer, um nur keines Menschen Angesicht mehr zu sehen.

Aber, hier in dem einsamen Zimmer stürmten die furcht­baren Gedanken mit um so stärkerer Wucht auf ihn ein, und in quälender ^elbstpein hätte er am liebsten zur Waffe gegriffen, um 1-emern elenden Leben ein Ende zu machen.

Aus seinem Brüten ivurde er durch ein Klopfen an der ^ur aujgeschreckt. Mit heiserer Stimme rief er Herein! Tie ^me uiwtc sich langsam und weit und eine schlanke Frauen- tii einem dunklen einfachen Kleide trat in das Zimmer.

Ah, Fräulein Wüllbrandt?! Was wollen Sie?" fragte er, den erstaunten Blick auf das ernste blasse Gesicht des Mädchens haftend.

Verzechen Sie, Herr Groller... ich möchte mit Ihnen spreihen. . .

Tas Fräulein erhob wie abwehrend die Hand und ihr Ge­sicht ward noch bleicher.

-eai Auge blieb wie festgebannt an ihrer erhobenen Hand hasten, an der dec rote ^tein eines Ringes glühte, wie ein Blutstropfen.

Raja-, wie erschreckt, ließ das Mädchen die Hand sinken und legte sie aus den Rücken.

Luis haben Sie mir zu sagen?" fuhr er rauh heraus.

,,^o , tagte er,da ist Ihr Zeugnis. Ich denke. Sie werden zufrieden sein. Auch ich war die drei Jahre, seitdem Sie bet mir Wirtschafterin mären, durchaus mit Ihnen

Fraulein Wullbrandt setzte sich jedoch nicht. Hoch blieb sie stehen, jeder Bewegung Grollers mit dem Blick ihrer scharfen Augen folgend.

Sie war eine eigenartige Erscheinung. Schlank und doch kräftig gebaut; chr Gesicht war von einer herben, düsteren

Herr Groller!" . . .

Es klang wie ein Aufschluchzen erstaunt, erschreckt fast sie anblickte.

Fortsetzung jolgt.)

Llbschied geben?"

Wozu? Meine Hand ist ja doch nicht mehr rein Ihrer Meinung..."

Rem, Herr Groller ... ich weiß noch nicht. . . ."

_Na, mir kann es ja aum einerlei sein. Ich nx'rbe schon ohne e>ic auslommen. Weil- aurli nicht, ob ich hier blcide. Adieu . . hier ^Jyr Zeugnis für Fräulein Bertha Wullbrandt. . .

Sie nahm das Papier.

Ich danke Ihnen, Herr Groller. .

,^Bitte. Adieu."

^,Herr Groller. . . wollen Sic mir nickt die Hand zum

bestehende Mißstände zu beseitigen.

Maßregeln zu treffen, die dem ferneren Einreißen von Mißständen vorbeugen, bezw. die geeignet sind, normale Zustande zu schaffen und aufrecht zu erhalten.

Mittel und Wege ausfindig zu machen bezw. zu versuchen^ die es allmählich auch denjenigen Bevölkerungsllassen er­möglichen, eine ihren Bedürfnissen entsprechende Wohnung zu benutzen, die angesicbts ihrer Verdienstverhaltnisse oder ihres Kinderreicktums nicht in der Lage find, sich jetzt eine solche zu beschaffen.

_ Tie erste Aufgabe des Berichterstatters mußte sein, die Kenntnisse der Beltimmungen der in Betracht kommenden beiden Geietze (Wohuungsfürsorgegesetz vom 7. August 1902 und Wohn- ungsauffichtsgesetz vom 1. Juli 1893) in möglichst weiten Kreisen zu verbreiten und gleichzeitig zur Mitarbeit bei der Ausführung des Gesetzes anzuregen. Auw traf es sich glücklich, daß in Hessen chon eine Anzahl gemeinnütziger Bauvereine bestand, von denen meh^re geradezu vorbildlicv wirken und daß insbesondere auch >er Vorstand der Jnvalidenversicknerungsanstalt Gr. Hessen bereits eit mehreren Jahren sich die wirksame Förderung des Äein- wohnungswesens hat angelegen sein lassen.

Zur Verbreitung der Kenntnis der Gesetze wandte sich der Landeswohnungsinspektor an die Presse und er fand hier das denkbar größte Entgegenkommen. Tie von ihm der Presse aller politischen Richtungen übersandten Artikel und Notizen haben stets Aufnahme gefunden. Zur Mitarbeit wurden ferner herangezogen' der hessische Pfarreroerein, die Arbeitervereine, die Gewerbe^ Aufsichtsbeamten, die Zentralstelle für die Gewerbe, die lokalen Verwaltungsbehörden, insbesondere die Bürgermeistereien. Mit den Kreisämtern Mainz, Gießen, Heppenheim fanden eingehende VerlMndlungeu wegen Aufnahme der Wohnungsfürsorge in ver- fchaedenen Gemeinden und wegen Unterstützung bestehender oder in der Gründung begriffener Bauvereine statt. Soweit sich hierzu bisher Gelegenheit bot, wurde aucb mit den Kreisärzten und mit

Z>er Iayresöericht Ves Großyerzoglich Kessijchm aLund-swohnungslnjpeklors

für das Jahr 1903 ist uns nachträglich zugegangen. Er umfaßt 8 Abschnitte. Im 1. AbschnittAllgemeines" wird folgendes mitgeteilt:

Ter Landeswohnungs inspe ktor hat dieses Amt am 1. Februar 1903 übernommen. Tie Grundsätze, welche für seine Tätigkeit maßgebend gewesen sind, sind folgende:

Tas Wohnnngsfürsorgegesetz vom 7. August 1902 soll nach dem Willen des Gesetzgebers bestimmte Hatidhaben zur Tnrch- führung einer Wohnungsreform bieten. Es sind dies die Wohn- ungsinspettion und die Wohnungsfürsorge. Beide Handhaben bilden ein organisches Gefüge, sie gehören zusammen und jedenfalls ist eine befriedigende Wohnungsinspettion undenkbar, wenn auf der anderen Seite nicht auch die Herstellung guter und billiger Klein­wohnungen in genügender Anzahl betrieben werden kann

Bei der Tätigkeit des Berichterstatters waren diese beiden Handhaben in den Vordergrund zu stellen. Es mußte aber auch darauf Bedacht genommen werden, daß es noch eine ganze Reihe anderer Fragen gibt, die bei der Erstrebung guter Wohnungsver­hältnisse eine große Rolle spielen, z. B. die Bodenfrage in allen ihren Einzelerscheinungen, die Frage guter Bauordnungen und zweckmäßiger Bebauungspläne, die Geldbeschaffung, die Förderung einer den Interessen der minderbemittellen Votksklassen ent­sprechenden soliden Privatbautätigkeit. Tiefe Fragen dursten wenn nicht Einseitigkeit und damit hier und da ein zweckwidriges Vorgehen Watz greisen sollten in der Tätigkeit des Landes- wohnungsinspektors nicht unberücksichtigt bleiben, sie sind viel­mehr stets in den Kreis der Betrachtungen gezogen worden, natürlich ohne daß dabei in die Zuständigkeitssphäre anderer Behörden eingegriffen worden wäre.

Tie auf Erlangung guter Wohnungsverhältnffse gerichteten Maßnahmen haben sich auf Erreichung namentlich dreier Ziele, zu'richten, nämlich:

Die Tatsache, daß der langjährige Flügeladjutant des Kaisers in die Direktion der H amburg-Mnerika-Paketfahr t- M.-G. eingetreten ist, hat in der Presse bereits eine lebhafte Erörterung gefunden. Es fehll nickst an Stimmen, die mit guten Gründen dem Vorgänge eine symptomatische Bedeut­ung beimessen; daneben melden sich aber auch Blätter zum Mort, die den Berufswechsel v. Grummes mit Gründen rein persönlicher Natzur verständlich machen möchten; und schließlich finden sich auch, 'einige Organe der öffentlichen Meinung, die aus dem benrertenStoerten Falle die Hoff­nung auf Erfüllung laug gehegter Wünsche ableiten.

Auf der einen Seide wird behauptet, Herr v. Grumme sei beinahe ein Jahrzehnt Flügeladjutant gewesen. Kein Offizier bleibe dauernd int sMcher Stellung, er sehne sich Zum Front- oder Borddienst zurück. Dieses Argument wird man gewiß für berechtigt eröären können. Das auffallende ist aber doch gerade^, daß Herrn v. Grumme schließlich^ die RülUehr zum Borddreust nicht glückte oder überhaupt' nich^ für erstrebenswert galt," sondern daß er den Waffenrock mit bem bürgerlichen Kleid vertauschte und in Herrn Ballins Regiment eintrat. Diesen Widerspruch will man mit dem Hinweis darauf aus derSSielt schaffen, daß Herr v. Grumme in der Umgebung des Kaisers die Bekauntsch.ast mit de-n Großschisfahrtsgesellschjaften gewonnen und bei der Hilfs­aktion für Aalesund habe mittvirken können; das habe chm den UebergMrg in eine leitende Stellung der Hamburg- Amerika-Linie erleichtert.

Andere lassen diese persönlichen Verhältnisse unbe­achtet und begrüßen den Eintritt v.' Grummes in die Ham- burgMmerika-Linie, weil damit ein Vertreter des ihnen so sympahijchen Geldadels in eine wichtige und ein­flußreiche Stellung eingerückt ist Sie meinen, wenn jetzt ein ehemaliger Flügeladjutant in die Direktion der größten deutschen Rhederei ein trete, dann werde hoffentlich auch die Zett nicht fern sein, da aus der neuen Aristokratie der Handels- und Judusttiebarone die neuen preußischjen Kammerherren, Zeremonien meister und Oberhostneister ent­nommen werden. In der Tat ist v. Grurnme< der typische >Ber- treter des neuen Geldadels. Ms er, der unbemittelte Geracr Gymnasialdire ttorssohn, dessen Mutter freilich eine Gene­rals tockster war, vor etwa vier -Jahren in der Gräfin Dong las einen Sproß des mit Mttlionen reich gesegneten Geschlechts per bekannten Kalisal^ergwerk-Magnaten zur Frau erkor, erhiell er den Adel. Daß dieser Geldadel unter dem Zepter Ballms eine angemessene Betätigung finden kann, wird nicht beftritten werden.

Die aufmerksamste Beachtung aber verdienen diejenigen, die dem Berufswechsel v. Grammes eine symptomatische Bedeutung meinen beimessen zu müssen. Es Hingt leider Nicht unwahrscheinlich, daß in dem Uebertritt des ehemaligen Flügeladjutanten die in den maßgebenden Kreisen gehegte und betätigte Gorllebe für den Exporthandel und die Groß- schiffahrt ihren Widerschein findet. Leider mehren sich die Anzeichen, daß der Reiz des Geldes die altpreu- stische Liebe zur Einfachheit untergräbt und daß die Betätigung im Großhandel, in der Großindusttie und der Großsckstfsahrt umnchssm für ehrenvoller gilt als das Schaffen in Berufen, die geringere Geldsumtnen sehen und mtt beschjeideneren Einkünften zufrieden sein muffen. Natürlich tun die großkapitalistischen Gesellschaf­ten auch ihrersetts alles, um die Träger hochtönender Tttel in ihre Dienste zu ziehen und sich damtt ein glänzendes und zugkrästtges ^Aushangeschfid zu erwerben. Nietncmo wird diese Entwickelung mit Freuden begrüßen. Einmal werden die so Gewonnenen beruflich nicht eben immer die tüch­tigsten sein und wenn anderersetts die betreffenden Betriebe später von Staat oder Reich lohnende Aufttäge erhalten, dann wird nur zu leicht der Verdacht aufkommen können, nickst die Güte chrer Leistirngen, sondern der Einfluß ihres neu eingefteHten hohen Beamten habe die Aufträge ver­ursacht. Es wird daher allgemein gewünschst wettreu, daß ehemalige hohe Offizsüre und Beamte möglichst wenig mtt großen Privatunternehmungen üi enge Berührung kommen.

XKi sah fie ihn mit einem hnfteren, fast feindseligen Blick an und sagte mit rauher Stimme: ,^Jch bitte um meine Ent­lassung. . . .

Er lachte schrill auf.Tas war's?" sagte er dann mit schneidendem Hohn:Ah, ganz recht. Sie wollen nicht mehr m dem Tienst des Mannes bleiben, der noch immer in Verdacht lteht, seinen Bruder ermordet zu haben!"

Herr Groller. . ."

Eine dunlle Blutwelle schoß über ihr Gesicht und ihr graues Auge blitzte auf.

Sagen Sie es doch nur!" rief er höhnisch

Ich sage das nickst, Herr Groller", entgegnete das Mädchen und schlug die Augen nieder, so daß ihr Gesickst den gelvöhnlichen ruhigen, falt versteckten Ausdruck annahm.Ich sage es nickst und ich glaube, ich habe einen solchen Vorwurf nicht verdient."

Ah, Sie meinen, weil Sie zu meinen Gunsten ausgesagt W>en, daß ich an jenem Unglückstage und in jener Mondnacht den Hof und dies Haus nicht verlassen hätte?"

Ja, Herr Groller das meine ich"

9ta, Sie Haden ja nur die Wahrheit gesagt", stieß er mür- nsch hervor.Wer ich kann Sie nickst halten wann wollen eie gehen?"

Am nächsten Ersten..."

Mir wär's lieber, Sie gingen schon morgen. Wer nickst der uns bleiben will, mag sofort gehen."

Mir ist es auch reckst."

,,So will ich Ihnen Ihr Zeugnis schreiben. Setzen Sie sich

frieden, ^zch kann es nicht anders sagen und und wahrend meiner Abwesenheit haben Sie den Haushalt gut besorgt. Was beabsichtigen Sie jetzt zu beginnen? Haben Sie eine andere Stelle?"

Bürger Sudekum und Konsorten.

Nicht nur Herr Franz Mehring (vgk. unsere gestrige Wochenschau), sondern auch dieLeipz. Volksztg." hat ihren hübschen Ausfall gegen denBürger Südeknm" widerrufen. Sie tut es in folgender Erklärung:

Tie Notiz über Südekurn ist von einem einzelnen Redakteur m den Truck gegeben worden, der die unmotivierte und versteckte Anspielung Südekums auf die Tresdener Vorgänge im Interesse der Zeitung zurückweisen zu sollen glaubte, aber dabei, wie er nach reiflicher Ueberlegung anerkennt, zu weit gegangen ist und die Notiz unter dem Eindruck seines Bedauerns nach Ton und Jnhall zurücknimmt. Tie Gesamttedaktion, die den Truck der Notiz verhindert haben würde, wenn ihr das Manuskript Vorgelegen hätte, schließt sich, insowefl sie der Partei für den Gesamtinhalt der Zeitung verantwortlich i|t, dem Bedauern ihres Kollegen an.

Gleichzeitig finden wir in dem Leipziger Blatt der So­zialdemo Lartie folgende Auslassung:

Tie (sozialdemokratische)Sächs. Arbeiterztg." kommt uns alä Anstandsdame. Wir wollen ihr sehr einfach dienen, iirdem wir ihrer Zimperlichkeit das duftige Blatt unter die Nase halten, ^das sie selbst im Jahre 1897 unserm verstorbenen Ge­nossen S cho e n l a n k auf den Schreibtisch gelegt hat. Ta ist es:

Ein Redakteur fin de fidele. An dm Füßen nagel- beschlagen^ Bauernschuhe, bunt tarierte Hosen, weiße Weste, Frack, die eine Seite blutigrot, die andere eigelb, auf dem Kopse eine phrygische Mütze, die nach hinten in einen Schlafmützenzipfel endet, trägt er über die Schulter an schwarz-weiß-rotem Bande die Trommel, aus die er mit dem Chefredaktionsstabe losschlägt, währenddem er zugleich auf der Nase ein großes Schwert aus Pappe balanziert und mit der freien Hand ans dem Mund buntfarbige Bänder und Strohfeuer zieht so eilt er aus Leibeskräften und kommt nicht vom Flecke, weil er die Spuren des linken Fußes sofort mit dem rechten, die Spuren des rechten Fußes mit dem linken verwischt. Durch­trieben und gerieben, hat er es bis zur Virtuosität gebracht in der Kunst, Schläge zu empfangen; und vetträgt lsie stärksten Pufft, ohne mit einer Wimper zu zucken."

So dieSachs. Att.-Ztg." 1897, und in einem großen Teile der Partelpresse war der Ton, wie wir durch weitere Zftate, die wir gesammelt haben und den einzelnen Patteiblättem zu kosten ju geben bereit sind, ni<t viel besser. Wenn jetzt eine andere Tonart einaeführt werden soll, so kann das niemand sieber fein als derLei^. Volksztg.", aus dem einfachen Grunde, weil gegen uns schon seit Jahren ein allgemeines Kesseltreiben der revisionistischen und einiger pseudoradikaler Parteiblätter be- steht. Aber wir verwahren uns dagegen, daß jetzt gerade diejenigen am lautesten: Haltet den Tieb! schreien, die bisher aufdem Gebiet desguten Tons" die größten Sünder gewesen sind und die die Besserung am allernot­wendigsten haben."

Am tteffendsten hat übrigens den H>errn Dr. Südeknm Maximilian Harden in derZukunft" charakteri­siert, als er sagte, Südeknm wolle mit u n zu läng- lichenMitteln einen neuen Lassalle agieren. Wir wüßten kaum eine Persönlichkeit in der Sozialdemokratie, die weniger sympathisch wäre, als die des Schutzpatrons der Prinzessin Luise von Koburg. Er ist eine typische Per- sonrfikation der Mischung von Petroleum und Pv- made. Aeußerlich ein feiner Mann, geschniegelt und geckenhaft, in der Rede manieriert und gemacht, spielt er die Rolle des Salorrproletariers geradezu ausgezeichnet. Was er im Reichstage und anderwärts gesagt hat, erhob rch fast niemals über das mittlere Maß; aber es follte durch einen gequälten Sarkasmus und durch mühsam zu- ammengesuchte Schslager imponieren. Er ist ein Meister der Pose, wie es kaum einen zweiten gibt; selbst wenn er hrer und da Leidenschaft zur Sch,au trägt, ist diese nur Theaterdonner. Mit Recht ift weidlich darüber ge pottet worden, daß dieser Proletarierführer sich zum An­wälte und Rett er ehebrecherischer Prinzessin­nen aufgeworfen hat. Ob die geschiedene Kronprinzessin von Sachsen ihm für seine Mühewaltung in ihrem Inter­esse brieflich gedankt hat oder nicfjit, ist noch unklar. Er elbst stellt es in Abrede; Maxinulicul Harden schreibt, daß

er früher vor Zeugen sich gerühmt habe, einen Tankesbrief der geschiedenen Prinzessin zu besitzen. Das ist verhältttis- mäßig gleichgilttg. Daß er es aber mtt der Aufgabe eines Proletariersührers für verettrbar gehalten hat, einer Prin­zessin zur Flucht zu verhelfen, die, wenn sie nicht irrsinnig ist, der öffentlichen Verachtung anheimfallen muß, ist denn doch ein psychpkogisches Rätsel, das noch weit seltsamer ist, als die rätselhafte Individualität Schippels. Einiger­maßen erllärlich wird es nur durch die oben nritgeteilte Kennzeichnung Maximilian Hardens.