Ausgabe 
27.9.1904 Erstes Blatt
 
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tnifinx teert* Neben zehn schon auf her Stange befindlichen einsnctt mit dem Namen der Gefechte, in denen fie entrollt wor- WntjL bat die Fahne einen silbernen Ring mit der Inschrift ^Loigny-OrleonS", 2. Dezember 1870" erhalten.

Ein französischer General als G a ftgeber deut- Mcr Soldatern. Im Laufe dieses Sommers brachte General Mstor ans Lvon ans seinem l*i Bergzabern in der südlick>en Rhein Pfalz gelegenen GuteVilla Pistvria" einen längeren Urlaub zu. Währenddessen ereignete sich n*ie pfälzisck>e Blätter berichten, folgrntvs Vvckvmrnrris: ^Gelegentlich einer Felddienstübimg des M. Avef.-Regts. <Nis B5eitzenburg postierten sich zwei Flaggen- kignaNsten in der Nab? der Villa Pi stock a und dabei geschah e5, tirfj die beiden M^rrssölme zwei ^freite in den Hof des Ämnesens gelangten. In diesem Moment erschallten von den fütofrn Bergrsbilgeln die ziehenden TöneTas Ganze Halt'

folgte ein Nu he stün bthcn und wahrend dort drüben dre Dffizierc zur Kckttk versammelt waren, wurden die beiden Ge­freiten von dem französischen General anfS frenndsclmstlichlve bewirtet. Gin Sergeant derSechziger". der steter hinzumm, erhielt die Visitenkarte des Generals, übersah aber tm Ucber­maß der Freude über die reichliche BeNnrtung. mit wem er die (F&rc hatte, sich so liebenswürdig zu unterhalten. . . . Erst

«ach dem SignalSammeln" die Glücklichen zum Regiment zurückgekehrt waren, nahmen sie genaue Kenntnis von dem Inhalt der Karte, und waren nickt wenig, erstaunt, zu erleben, dan ein General der benachbarten französischen Armee ihr Wirt war.

Kirche und Schute.

Rom, 26. Sept. TerQsscrvatore Romano" veröffentlicht einSckreiben desVapstes an den Kardinal Respighi. In bcm Schreiben führt der Papst aus, er habe mit unendlichem Kummer vernommen, daß angebliche Freidenker in Rom eine Versammlung abhalten. Ter Widerhall ihrer Reden be­stätige die ibm verdächtigen ?lbsichten, die bereits in der bloßen Ankündigung des Kongresses zutage getreten seien. Tie Intelli­genz, die fich anmaße, sich der 9lbhüngigkeit von Gott zu ent* ziehen, begehe Gotteslästerung: die in der Freidenker- Versammlung liegende werde noch imendlich größer dadurch, daß die Lästerung in Rom, umgeben von äußerem Glanze, begangen sei. Denn auch die Mächte der Hölle ifichts gegen die Kirche vermochten, so trage doch die Vereinigung dieser Mächte in dem internationalen Kongreß der Freidenker den Charakter der Be­schimpfung und der Herausforderung und nehme von Rom den Namen des ruhigen und geachteten Sitzes des Statthallers Christi Wir betrachten, sagt der Papst, in seinem Schreiben, die Beleidigung gegen Gott als eine Be leidigung gegen uns und sind darüber tief bekümmert. In dem Briefe wird dann auf die von Katholiken aus allen Teilen Italiens für den in diesem Augenblicke sehr unglücklichen Papst veran­staltete imposante Kundgebung hingewiesen und an den Kardinal Respighi die Aufforderung gerichtet, in allen Kirchen Roms Sühnegebete anhallen zu lassen. Infolge dieser Aussorder- ung ordnete Kardinal Respigbi die Abhaltung besonderer Gottes­dienste in den Kirchen Roms an.

Posen, 26. Sept. Tas Polenblatt2edy" meldet, von Ostern ab werde das lateinische Alphabet in den Volksschulen der Provinz Posen nicht mehr gelehrt, weil die Kinder der Polen mittels desselben privatim .polnisch lesen und schreiben lernen.

Ausland.

Ehristia nia, 26. Sept. Der Landwirtschafts­minister Matthiesen, der vor einigen Tagen den Direktor der Landwirtschaftlichen Hochschule Hirsch veranlaßte seinen Abschied zu nehmen wegen des Gerüchtes, daß dieser einen nicht völlig sitt­lichen Lebenswandel geführt habe, reichte heute sein Entlassungsgesuch ein, da die Art und Weise, in der diese Sache in der öffentlichen Diskussion behandelt wird, seiner Meinung nach die Lösung der ihm auferlegten wichtigen Aufgaben erschweren und das schon hervorgerufene Aerger- nis mehren werde.

Kopenhagen, 26. Sept. Auf Aufforderung von Georg Brandes sandte der hiesige Studentenverein an die Studenten von Helsingfors eine von angesehenen Gelehrten und Schriftstellern unterschriebene Adresse mit scharfem Protest gegen die russische Gewaltherrschaft in Fi n land.

Mailand, 26. Sept. Wie hiesigen Zeitungen aus Domodossola berichtet wird, ist im Innern des Simplon- tunnels ein anarchistischer Anschlag versucht worden. Der Lokomotivführer eines dicht gefüllten Arbeiterzuges be­merkte glücklicherweise rechtzeitig, daß auf dem Geleise starke Eisenstangen lagen, die offenbar in verbrecherischer Absicht dorthin gebracht worden waren. Vier anarchistische Arbeiter sind nach Entdeckung deZ Anschlages in die Schweiz ge- fiohen.

Basel, 26. Sept. Die dritte Generalversammlung der internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz wurde heute eröffnet. Ministerialdirektor Caspar vom Reichsamt des Innern in Berlin, erhofft für die Fortführung der Sozialreform Förderung durch die Ver­einigung. Nach Erledigung der Jahresberichte erstattete der ehemalige sozialistische französische Millerand-Paris den Kommissionsbericht über die Frage der Arbeit mit Phosphor und Blei und über die Frauen-Nachtarbeit. Darauf folgen Referate über die Bleifrage, über verschiedene andere Gifte in gewerblichen Betrieben und über die Nachtarbeit jugend­licher Arbeiter. Generalsekretär Bauer teilte mit, daß jemand, der nicht genannt sein wolle, 25 000 Mark zu einem Preisausschreiben für das besteMittel gegen die Blei ge fahr in verschiedenen Betrieben gestiftet hat. Die Vereinigung nahm sodann Referate über den italienisch-franzö- fischen Arbeitsoertrag entgegen und drückte ihre hohe Befrie- drgung über dieselben aus. Der Papst ließ der Versammlung seine warme Teilnahme ausdrücken.

Wien, 26. Sept. Wie in hiesigen offiziösen Kreisen verlautet, fand anläßlich des 2 5. Jahrestages des deutsch-österreichischen Bündnisses zwischen Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Josef, sowie zwischen Grafen Goluchowskr und Grasen Bülow ein Depeschen­wechsel statt, in welchem der Bedeutung des Bundesjubi- laums in warmen Worten Ausdruck verliehen wird.

Salzburg, 26. Sept. Heute begannen hier die Ver­handlungen des Parteitages der deutsch - öster­reichischen Sozialdemokraten. Die Sozialdemokraten Deutschlands sind durch Vollmar vertreten. Als erster Ver­handlungsgegenstand wurde die Verteuerung der Lebens­mittel in Erörterung gezogen, dagegen wurde ein Antrag, auch den Generalstreik in die Verhandlungen einzubeziehen, abgelehnt. Diese Frage soll bei dem Gesamtparteitage sämt­licher österreichischer Sozialdemokraten zur Sprache gebracht werden.

Der Krieg zwllüien Japan und Auhlanü

Vor Mulden

tft etwas Neues von sonderlicher Bedeutung nicht vasstert. £2üe General SHacharow an den Genepalstab unter dem 25.

September meldet, näherten sich, Macheackteilimgen 'des Geg­ners in den letzten Dcvgen bdnt Kuu tulLupajß, doch gelang es ihnen nichh, den Paß einzunchinen^ da die ruffischie Vorhrttabteilung Widerstand leistete. Auf der Südfront ver­hält sich der Gegner vorläufig passiv. Täglich finden Vor­postengefechte nunh Scharmützel statt.

In der Richtung auf den Daling-Paß ist die mili­tärische Situattvn no<l> ungeklärt, trotz der zeitweisen Be­setzung deS Platzes durch die Japaner. Glaubwürdige Meldungen besagen, daß die Japaner a u ß e r o r d e n t -- lich au Krankheiten leiden. Daher verzögert sich ihr Vorrücken. Es ist vielleicht nach den letzten Kämpfen um Mulden ein mehrmonatlicher Waffenstillstand in dew Kriegs­operationen zu erwarten.

General Gripenberg.

Petersburg, 26. Sept. Tie Ernennung des Generals Gripenberg zum Ober f ommanbiererben der -weite u A r m e c wird in hiesigen haben Militärkreisen als eine vorzügliche Wahl betrarirtet. Finnländer von Geburt, gilt er als einer der tüchtigsten Truppenführer. Er zeichnete sich im Tückenkriege unter Gurko besonders aus unb erhielt für einen Sieg bei Arabe Konak das S>eorgenkreuz. Später kommandierte er das Moskauer Leibgarderegiment und war eine zeitlang Kommandeur einer Schützeubrigade. Er steht im Wer von 62 Jahren und ist äußerst rüstig. Stabsche f Gripenbergs wird General Rußky. Zu der neuen Armee werden aller Wahrscheinlichkeit nach das 4. imd 8. Armeekorps, außerdem ^ber sämtliche Schützen- brigaben gehören, sie wird somit eine Stärke von nicht weniger als fünf Armeekorps haben, unb bie Gle* samtziffe r beider Armeen wirb eine halbe Mil­lion Soldat en betragen. (?)

Port Arthur.

Petersburg, 26. Sept. Nach Verstockung ihrer Belager­ungs-Artillerie durch 12 zöllige Geschütze beschossen die Ja­paner Port Arthur vier Tage ununterbrochen. Sie schritten hierauf am Freitag zum allgemeinen ©turnt, der an allen Punkten mit große n Verlusten für die Japaner zurückgeschlagen iunrb-c.

Tokio, 26. Sept. Hier ist man bereits mit den Vorbe­reitungen für die Feier des Falles Port Arthurs beftbäftigt. In der Bevölkerung macht sich die Ansicht immer mehr geltend, daß der Fall noch in dieser Woche erfolgen wird. Es bestätigt sich, daß die Japaner 6 Forts genommen haben. Tie Beschießung Port Arthur» bauert fort.

London, 26. Sept. Ein Tientsiner Telegramm besagt, die japanischem Kaiwnenlwote, die vor Niutsckiwang lagen, seien von dort nach Süden abgegangen, um an dem Kampf gegen Port Arthur teilzunehmen.

Friedensfchalmeien.

Rotterdam, 26. Sept. In einem Interview mit dem Mitarbeiter desNiuwe Rotterdamsche Courant" erffarte der russische finanzielle 9(gent Rutkowski in London, falls Iap an bei etwaigen Friedensverhandlungen eine Kriegsentschä­digung forderte, seien solche Verhandlungen als aussichts­los zu betrachten. Rußland würde jedoch keinesfalls die Jnitia- ttve dazu ergreifen. Rutkowski ist als finanzielle Autorität anzusehen, weil er, nachdem er Rußland in Washington vertreten hatte, von Wllte zum finanziellen Agenten in London ernannt wurde und sich als solcher vorzüglich bewahrte.

London, 26. Sept. Reuters Bureau meldet aus Washing^ ton: Tos Präsidenten Roosevelts Absichten inbezug auf die Einberufung einer zweiten Haager Konferenz gingen zunächst dahin, durch bas Staatsdepartement vorläufig Erheb­ungen veranstalten zu lassen, die ungefähr 6 Wochen in Anspruch nehmen würden, um die Wünsche der Machte hinsichtlich besl Zell- punkteS und Ortes für bte Konferenz festzustellen. Sobald Ant­worten, die die Ausführung des von Roosevelt beabsichtigten Schrittes sicherstellen, eingegangen waren, würde Roosevelt die förmlichen Einladungen zu der Konferenz ergeben lassen. Don maßgebender Stelle wird mit geteilt, daß Roosevelt nicht bis zum Schlüsse des russisch-japanischen Krieges warten, sondern die Konferenz frühzeitig im Jahre 1905 einberufen will.

Die baltische Flotte unb Deutschlands Neutralität.

Tie ,Zöln. Ztg." schreibt: Zu der Meldung desEcho de Paris", nach welcher die Kieler Firma Tiederichsen dem Ober» befehlshaber der baltischen Flotte geschrieben habe, die Flotte könne selbst im Kriegshasen von Kiel die während der Fahrt von Kronstadt nach Kiel verbrauchten Kohlen und nötigenfalls noch mdjr erhallen, ist zu bemerfen, daß der Firma Tiederichsen in solchen Trugen selbstverständlich gar kein Bestimmungsrecht zusteht. Eine etwaige Kohlenversorgung kriegführender >Lchisse in deutschen Häfen unterliegt der Besttmmuug der deutschen Be-' Hörden. Tiefe haben wir erinnern nur an die Vorgänge in Tsingtau stets alles in peinlichster Weise getan, um nicht gegen die NeutralitätSgesetze zu verstoßen. Was allerdings anßer- balb der Häsen auf hoher See zugeht, entzieht sich wohl der Kontrolle wie dem Eingreifen des Staates. Im übrigen ist es durchaus riuwahrscheinlick, baß die baltische Flotte, wenn sie zur Ausreise kommt, in die Gegend von Kiel gelangen wirb. Es- ist der russischen Regierung bekannt, daß die russische Kriegsflotte den Rordo stseek ana I mit Rücksicht aus die Neutralität TeutsManbs nicht d u r ch f a hr e n kann, unb es liegt somit fein Grund vor, wesl>alb fie die Kieler Bucht be­rühren fvllle. Ter kürzeste und somit für den Kohlenverbrauch sparsamste Weg ist durch) den großen Belt, unb man kann e# wohl als sicher betrachten, daß die Russen diesen einschlageu. Wie dem auch sei, kein Schreiben einer Privatreederei wird da­ran etwas ändern, daß Teutschland den Pflichten der Neutralität, rrachkommt.

Der Hoheuzolleruprinz in Tokio.

London, 26. Sevt. Ueber den Gmbfang des Prinzen Karl Anton von Hohenzollern meldet derStandard" vom 26. Sept, aus Tokio: Ter Prinz wird einige Zeit als Gast d e s K a i s e r s im Palast verweilen, bevor er sich zur Feldarmee begibt. Tie führende Presse Tokios betont bei Gelegenhell dieses Be­suches die Freundschaft zwischen Japan und Deutsch­land. Besonders enthnfiastiscv äußert sich das BlattKokumin", das bisher mißtrauisch gegen Teutschland war. Tie Mehrzahl der Matter beschränkt sich darauf, die Ankunft des Prinzen in achtungsvollem Ton zu melden. Prinz Karl Anton stattete gestern dem Mikado einen Besuch ab und frülsstückte mit ihm. Ter Kaiser wirb den Besuch heute erwidern._____________________

Ans Stadt Md Zand.

Gießen, den 27. September 1904.

Die Stadtverordneten wählen werden Mitte November stattfinden; der nähere Termin ist noch nicht be­stimmt. Die Neuwahlen sind diesmal sehr bedeutungsvoll und werden mit viel Sorgfalt und der Anteilnahme der ganzen Stadtbevöllerung vorbereitet werden müssen, sind doch nicht weniger als 16 Mitglieder des Stadtoorstandes zu wählen. Für 10 Stadtverordnete finden nach der Städte­ordnung Neuwahlen statt, nämlich für die Herren: Faber, Dr. Gutfleisch, Haubach, Heichelheim, Jughardt, ttirtf), Krumm, Loos, Petri und Wallenfels. Außer­dem sind Neuwahlen vorzunehtnen für Kommerzienrat Hey- ligenstaedt, welcher an Stelle des verstorbenen Rendanten Grüneberg zum Beigeordneten gewählt worden ist, ferner für die durch Tod ausgeschiedenen Stadtv.: Flett, Pros. Dr. Fuhr, Hann« und Pirr, und schließlich für den nach Berlin verzogenen Geheimrat Prof. Dr. Gaffky. Es heißt also für die Bürger sich beizeiten schlüssig darüber zu werden, wen sie des Eintritts in das Stadtverordnetenkollegium für würdig erachten. Schon die 6 Wahlen für die ausgeschiedenen Mllglieder des Stadtvorsttmdes dürsten heiße Kämpfe ent­

fesseln. Hoffentlich werden von allen Wählern nur um­sichtige, selbstlose und unpackeiische Männer zur Wahl em­pfohlen !

** Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe wurden folgende Gewinne gezogen: 200 000 Mk. auf Nr. 44274 (nach Darm­stadt), 20 000 Mk. auf Nr. 46613 59007, 10 000 Mk. auf Nr. 6080 55402, Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 32154 46810 61114 74945, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 1834 6522 10047 11011 15786 16442 24940 30510 31931 33231 36737 37434 43413 60639 66742 73048 74525 75228 96633. (Ohne Gewähr.)

** Jubiläum ber Gerichtsvollzieher des Groß Herzogtums Hessen, die atm 1. Oktober 1879 angesteM wurden und am 1. Oktober b. I. noch im Dienst als solche sind, feiern an diesem Tage ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Bekanntlich wurde infolge der EiN'- führung der neuen Reichs-Jusrizgesetze, hier insbesondere des deutschen Gerichtsverfassungsgesehes (§ 115), als Zu- stellungs- und Volkstreckrlngsbeamter der deutsche Gerichts­vollzieher geschaffen, anlehnend an das Vorbild des fran­zösischen flr.itb hannoverischen Prozesses, und die betreffen­den Beamten in den Provinzen Oberheffen und Starken­burg an obigem Tage neu angestellt. Es sind 18 JNbilare, darunter E Geißler-Gießen, I. Hentzenrbder-- dingen, K. L. Betzberger-Nidda.

w. Nid d a, 25. Sept. Bei der Obstv ersteigerun g der Gemeinde wurden hohe Preise für Tafelobst erzielt, während Moftobst gegen das Vorjahr im Preise sehr zurück- blieb. Es wurden etwas über 1000 ML erlöst. Die Kar­toffeln gelten per Doppelzentner 5 bis 6 ML- die Quali­tät ist ausgezeichnet.

d. Ruppertsburg, 26. Sept. ®on ein stürzenden Erbmassen wurde heute ein ÜSjähriger Maurer von Gonters­kirchen schwer verletzt. Er wollte mit mchreren Kol­legen die Ausmauerung eines Psuhlloches beginnen, als kurz nach dem Betreten eine große Masse durch Regen auf geweichter Erde nachstürzte und den jungen llÄrnn be­grub, während sich die anderen retten konntenl Mittels Tragbahre verbrachte man den Unglücklichen nach Laubach; fein Zustand ist hoffnungslos, da rurmentlich die Schädel- decke start verletzt ist.

R. B. Darm stabt, 26. Sept. Der zweite (Gesetz- gebungS-)AuSschuß dec Kammer der Abgeordneten hatte heute vormittag eine lange Berattmg über den Gesetzentwurf, betr. die Schlachtviehversicherung. Die Frage hat bekanntlich schon früher die Kammer in eingehender Weise beschäftigt. Der jetzt vockiegende, wesentlich nach den Wünschen der Kammer mngearbellete Gesetzentwurf scheint aber, der Haltung des Ausschusses nach zu urteilen, ebensowenig die Zustimmung der Kammermehrhell zu gewinnen. In der heute' unter dem Vorsitz deS Abg. Reh an Stelle des behinderten Vorsitzenden, Abg. v. Brentano, stattgehabten Sitzung wurde besonders an dem kompliziecken Modus der Schadensberech­nung Anstoß genommen und betont, daß die letztere viel einfacher in der Ack der jetzigen Brandschadenberechnung voll­zogen werden könnte. Zu definllwen Beschlüssen darüber kam e§ heute noch nicht. Es wlld morgen vormittag zunächst zwischen dem Ausschußreferenten und einem Regierungs­vertreter eine anderweitige Fassung der bezüglichen Be­stimmungen und alsdann am Nachmittag eine Beratung des Ausschusses mit den RegierungSvertretern stattfinden. DaSl allgemeine Verlangen, das sich, rote überall in größeren! Städten, auch in Darmstadt nach Errichtung eines öffent^ lich en Schwimmbades bemerkbar macht, dürfte hier m| nicht allzu ferner Zeit erfüllt werden. Wie verlautet, steht die Stadtverwaltung in Unterhandlungen mit den Rechts­nachfolgern des früheren Hutfabrikbesitzers Diehm, um dessen mitten in der Stadt gelegene Grundstücke, Lussenstraße 36 u. a. zu erwerben und auf dem darttgen großen Bauterrain eine städtische Schwimm-Badeanstalt zu errichten. DaS Diehm- sche Amvesen ist eins der umfangreichsten in der ganzen Stadt, eS wohnen nicht weniger als 48 Partieen darin, meist minder bemittelte, kinderreiche Familien, die zusammen weit über 200 Köpfe zählen.

r. Mainz, 26. Sepp Der fünfte Dag für beutsch-e> Denkmalspflege hat heute vormittag hier seinen Aw- fang genotwmen. Es sind etwa, zweihundert Delegiert« unb Vertreter anwesend. Seitens der hessischen Regierung sind Ministerialrat Freiherr v. BLegeleben und Provinzial- direktor Freiherr v. (lagern als Vertreter erschienen. Weiter sind von amtlichen Personen anwesettd: RegLermrgsrat Dr. Heinrichs, Kreisamtmann Krug von Nidda, Kreisrat Dr. Steeg von Oppenheim und seitens der Stadt Mainz Baurat Kuhn. Den Vorsitz führte der Geheime Ju-stizrat Professor Dr. Börsch-Bonn, der als Vorsitzender des geschäflSführeu's den ^Ausschusses die erschienenen Gäste begrllßte. Namens der hessischen Regierung erfolgte die Begrüßung durch Frei- Herrn v. Biegeleben und namens der Stadt durch Baurat M)n. Begrüßungsansprachen hielten ferner noch der Ver­treter des Schweizerischen Architekten- und ZngenierrrvereinZ und ein Vertreter der österreichischen Regierung, ein Pro­fessor aus Wien. Der Vorsitzende dcnckte allen Rednerp und gedachte des verstorbenen Vegrü-nders' der ^Vereine für Denkmalspflege, des Professors Wallot-Berlin, zu. dessen^ Andenken sich die Versammelten von ihren Sitzen erhebem In die Tagesordnung eintretend, folgte zunächst der Jahres­bericht, dem sich Vorträge des Geh. Hofrat Professor Oechel- häuser-Karlsruhe und Dombanmeister Arntz über die Vor-, bildung der Denckmalspflege anreihten.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Lengfeld erschoß sich der ver­heiratete Lehrer Grünewald, als er wegen Sittlichkeits­vergehens verhaftet werden sollte. Vor der Strafkammer in Marburg wurde der Bäckerlehrling und Sohn des Gendarmen a. D. Cöste r zu Löhlbach, Pächter der dorttgen Feldjagd, der am Abend des 29. Juli auf dem Anstand einen fünfjährigen Knaben, den er für einen Rehbock gehalten, er­schossen hat, wegen fahrlässiger Tötung zu vier Monate Ge­fängnis verurteilt. In Mainz tagt z. Zt. der sechste Verbandstag des allgemeinen Verbandes deutscher Mneral- roasserfabrikanlen, der mit einer reichbeschickten Fachausstellung verbunden ist._________________________'

Schwurgericht.

th. Gießen, 27. Sept.

Gestern vormittag wurde das Sckiwurgerickt der Provinz Ober- Hessen durch Landgerichtsrat Sckimidt als Vorsitzend.'n eröffnet. Nack Bildung der Geschworenenbank wurde in die Verhandlung gegen den 30 Jalyre alten, verheirateten, iv-cgen Körperverletzung zweimal vorbestraften Särmied Johannes Koch V. von Rüddrngs- Hausen wogen Totschlags cingctrctOL T<te Anklage vertrat