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27.4.1904 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

154. Jahrgang

Mittwoch S7.April 1904

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Gießen, 27. April 1904.

* Eine Kolossalbüste deS Großherzogs von Hessen ist im Auftrage deS preuß. Ministers der öffentlichen Arbeiten in Berlin von den Hofbildgießern Martin u. Piltzing in Kupfer getrieben und gestern abend nach Mainz gesandt worden. Das Werk hat die Größe von 2,50 Meter und ist auSgeführt nach einem kleinen Modell von Prof. Schott, das nach der Natur geschaffen ist. Der Großherzog erscheint in lebenswahrer Auffassung. Dargestellt ist er in der Uniform deS 1. Garderegiments. Die Ausführung fand die An­erkennung der maßgebenden Kreise. Das Werk ist für die neue Rh ein brücke bei Mainz bestimmt.

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Tschechisch-Radikale versöhnen WraVetz. Ellenbogen fordert den Präsidenten auf, durch den Ministerpräsidenten b:m Kaiser von Oesterreich nahezulegen, mit Tisza, der über und über blutbefleckt sei, nicht an einem Tische zu sitzen. Der Präsident weist die Fordenmg zurück und schließt die Sitzung.

" Polizeibericht. Wegen mit einem 8 Jahre alten Mädchen begangener unzüchtiger Handlungen wurde gestern ein 66jähriger Mann von hier verhaftet. Gestern wurde eine durchgreifende polizeiliche Revision bezüglich der Anmeldung in der Stadt und Gemarkung beschäftigter ausländischer Arbeiter vorgenommen, wobei festgestcllt wurde, daß eine Anzahl dieser Leute nicht gemeldet waren, ja überhaupt ein ordentliches Unterkommen nicht hatten, indem sie teilweise in sogen. Feldscheuern, ohne vorschriftsmäßiges Lagermaterial, kampieren. Es wer­den diejenigen Gewerbetreibenden (Arbeitgeber), welche Ge­werbsgehilfen, Gesellen, Lehrlinge u. s. f. in ihre Dienste aufnehmen, darauf aufmerksam aemacht, daß sie nach § 8 der Meldeordnung für die Stadt Gießen zur Anmeldung ver­pflichtet sind. Ebenso sind diejenigen, welche andere bei sich in Schlafstellen aufnehmen, verpflichtet, von jeder Auf­nahme binnen 24 Stunden Meldung zu machen.

d. A l s f e l d, 25. April. Hier gastiert seit dem 3. April das unter der Direktion I. v. Bastineller stehende Ensemble des Stadttheaters inHagen i. W mit großartigem Erfolge. Noch nie hat in den letzten 10 Jahren eine Theate^- gesellsckaft mit ihren Aufführungen beim hiesigen Publikum so allgemeinen Anklang gefunden, wie die genannte. Bei den meisten Vorstellungen ist der große Saal des Hotels Deutscher Kaiser" mit der Gallerte bis auf den letzten Platz besetzt. Man siehtchesbalh das Ensemble nur ungern

bier scheiden. Am nächsten Freitag soll nämlich die Mschiedsvorstellung in Szene gehen. Unter allen Theaterbesuchern besteht einmütig! der lebhafte Wunsch, Herrn v Bastin-ller mit seiner Truppe im nächsten Jahre wieder in Alsfelds Mauern begrüßen zu können. Heute ""cht starb hier Nach kurzem Kranksein der in weiten Kreisen bekannte Rentner und ehemalige Färbereibesitzer Emil Lang im 72. Lebensjahre.

R.-B. Darmstadt, 27. April. (Drahtbericht.) Gestern abend hat sich ein 24jähriger Handarbeiter in der Schloßgaffe erhängt. Ein 49jähriger Dienstknecht aus Egelsbach wurde wegen eines Sittlichkeitsdelikts an einem fünf­jährigen Mädchen in Untersuchungshaft gezogen.

Darmstadt, 26. April. Am Montag mittag, so schreiben dieN Hess. V.". schloß der Tod unserer hoch­betagten, vielgeliebten und hochverehrten Mitbürgerin Frau Elise von Hoym-Hehl die müden Augen. Gn Kind unserer Stadt, stog Elise Hehl schon jung in^die Ferne. In Amerika ging sie, einem inneren Drange folgeletstend, zvr Bühne und wurde dort, wo sie erfolgreich in Newyork als erste Liebhaberin am Deutschen Theater tätig war, die Gattin des Theaterdirektors von Hoym. Herr von Hoym war früher königlich sächsischer Offizier, und beide Gatten im Verein toaren von Newyork aus tapfere Pioniere deut­scher Kunst in ihrer neuen Heimat. Ms sie aber an das

** Die Gießener Freiw. Feuerwehr hielt am Montag im Restaurant Wiegandt ihre diesjährige Haupt­versammlung ab. Der erfre Hauptmann Wiegandt begrüßte die anwesenden Kameraden und sprach den Wunsch aus, daß die heutigen Beratungen zum Wohle des Korps dienen möchten, sodann erstattete er den Jahresbericht über die Tätigkeit des Korps im verflossenen Jahre und hob hervor, daß das Korps den Verlust von Zwei Kameraden, A Deutscher und C. Meyer, erlitten hat und forderte die Kameraden auf, ihr Andenken durch Erheben von ihren Sitzen zu ehren. In der Rechnungsablage wurde dem Rechner Entlastung erteilt, ebenso der aufgestellte Voranschlag 1904/05 gutgeheißen. Bei der Ersatzwahl des Vorstandes machte der Hauptmann bekannt, daß der seitherige Rechner, Dr. Heuser, leider das Amt durch andere Verpflichtungen nicht mehr weiter­führen könne und sprach ihm im Namen des Vorstandes für seine langjährige gewissenhafte Rechnungsführung die vollste Anerkennung aus. Auch von anderen Kameraden des Korps erfolgten anerkennende Worte. An seine Stelle wurde Zeugwart Riebel einstimmig gewählt. Dienst­auszeichnungen vom Korps erhielten für 40jährige Dienst­zeit Kamerad Karl Moll, für 10jährige die Kameraden B. Amend, F. Auerswald, Obmann E. Noll, Th. Rauten str auch, W. Bals er und Ph. Klotz. Am Schluß der Versammlung machte der Hauptmann noch bekannt, daß im Laufe des Jahres eine Neuanschaffung von einigen Geräten bevorstände, wodurch dann die von Branddirektor Traber geplante Bildung von Löschzügen in Aussicht stehe. Ferner wurden die Kameraden aufgefordert, zu den bevor- stebenden Uebungen vollzählich und pünktlich zu erscheinen, und ^unt Schluß wurde auf den hohen Protektor, Se. Kal. Hoheit unseren Großherzog einGut Wehr" ausgebracht.

** Nationaler Gesangswettstreit. Nachdem vom Ministerium demNationalen Gesangswettstreit" ge­stattet worden ist, bereits am ersten Pfingstfeiertag Gesa m t chöre mit Orchesterbegleitung aufzuführen, ist ein bolles Einsetzen des Festes schon für diesen Tag gewährleistet. Unsere Stadt wird sich infolgedessen zur Aufnahme noch zahlreicherer Gäste zu rüften haben, als man früher annehmen konnte. So ist z. B. von Kassel statt 100 Sänger säst die doppelte Zahl gemeldet. Der Wohnungsausschuß, dem die Pflicht obliegt, diesen Menschenzufluß in unserer Stadt unterzubringen, ist damit vor eine schwere Aufgabe gestellt. Er hat seine Tätigkeit bereits ausgenommen, wird jedoch mehr wie je mit der Gastfreundschaft der einzelnen Einwohner Gießens zu rechnen haben. Wir machen auf den Aufruf in dieser Nummer aufmerksam. Unsere Stadt ge­nießt den Ruf großer Gastlichkeit und wird ihn hoffentlich auch für diese städtischen Festtage zu wahren wissen.

"Jugendkapelle. Wie wir im Inseratenteil lesen, will Herr Kru se in H e n ch e lh e i m nochmals eine Jugend­kapelle gründen. Aus seiner ehemaligen Tätigkeit geht ein guter Ruf von Frankfurt, Kassel, Friedberg, Gießen ihm voraus, und es dürfte wohl aus dieser Gründung etwas gutes werden.

.** Wegzug des Großh. Regierungsrats Dr. Heinrichs. Airs Anlaß der Versetzung des Regierungs­rats Dr. Heinrichs nach Mainz fand gestern nachmittag ein Abschiedskommers im Neuen Saalbau statt, der Zeugnis davon ablegte, welch großer Beliebtheit der scheidende Beamte sowohl in dienstlicher Eigenschaft wie auch bei allen, die ihm persönlich näher getreten sind, sich hier erfreut. Besonders auch aus Landkreisen, mit denen er dienstlich in Berührung kam, von Bürgermeistern und Landwirten, war der Kommers zahlreich besucht. Die Beamten des Kreis­amtes erschienen vollzählig, und als Vertreter der Stadt die Stadtverordneten Helftich und Kirch. Provinzialdirektor Dr. Bre^dert eröffnete den Kommers um Vs5 Uhr mit einer Begrüßung der Erschienenen und des von hier Schei­denden, dem er warme Worte widmete, indem er feinen Weggang bedauerte, ihn aber zu seinem Avancement nach dem goldenen Mainz beglückwünschte. Er schloß seine An­sprache mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Darauf erhob sich Geh. Hofrat Prof. Dr. Dürfen, um in längerer Rede und teilweise humoristischer W ise der Verdienste dos Regierungsrats Dr. Heinrichs zu gedenken, die dieser sich als Sänger und Mitglied des akademischen Gesangvereins und des Konzertvereins erworben hat. Bürgermeister Leun aus Großen-Linden sprach für die Bürgermeister dos Kreises, und Regierungsrat Dr. Wagner widmete Re­gierungsrat Dr. Heinrichs namens der Kollegen und Mit­arbeiter herzliche Worte des Abschieds, auch der Gemahlin des Gefeierten in schönen Worten gedenkend. Kreisschul­inspektor Kleinschmidt gedachte noch der Kinder und der Familie Dr. Heinrichs! Der Scheidende antwortete auf all diese ehrenden Ansprachen mit warmen Dankesworten, ver­sichernd, daß er Kreis und Stadt stets die beste Erinnerung bewahren werde. Der Kommers verlief im ganzen sehr hübsch und erwies auch, welche Sympathien der Gefeierte in allen Kreisen der Bevölkerung unserer Stadt genießt.

Nr. 98

rifteint ««glich außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Lietzener Familien. Glätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck il Ver­lag der B r ü h l'ichen Unwers.-Buch-u. Stein- bruderet. R. Lang«. Redaktion, EroedUloa und Druckerei:

Schulpratze 7.

Adresse für Depeschen: «uzetger Gieße».

HernsprcchantchlußNr 51.

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** Ans dem Militärwochenblatt. Weimer, Oberstlt. und Inspizient der Waffen bei den Truppen, zum Obersten befördert. v. Win terber ger, Oberstlt. und Bat.-Kommandeur im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Stabe des Jnf.-Regts. Fürst Leopold von Anhalt-Dessau (1. Magdeburg.) Nr. 26 ver­setzt. v. Randow, Major und Bat.-Kommandeur tm 1. Großh. Hess. Jnf.(Leibgarde-^Regt. Nr. 115, unter Ver­setzung zum Stabe des 7. Thüring. Jnf.-RegtS. Nr. 96, zum Oberstlt. be fördert. Frhr. v. Langer- rnann und Erlencamp, Major, aggreg. dem 1. Großh. Hess- Jnf.-(Leibgarde-Megt. Nr. 115, in diesem Regiment, v. Wunsch, aggreg. dem Gren.-Regt. König, Friedrich Wil­helm IV. (1. Pomm.) Nr. 2, unter Versetzung in das Jnf.- Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, z u B a t-- Kommandeuren ernannt. Kundt, Hauptm., aggreg. dem 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt- (Prinz Karl) Nr. 118, zum Komp.-Chef in diesem Regiment ernannt. Schwendy, Lt. im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, kommandiert zur Dienstleistung beim großen Generalstabe, Wickert (Wilhelm), Lt. im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, zu Dberlts. befördert. Frhr. v. Buddenbrock, Major beim Stabe des 2. Großh. Hess. Drag.-Regts. (Leib-Drag.) Nr. 24, unter Versetzung zum Ulanen-Regt. Kaiser Alexan- der HI. von Rußland (Mestpreuß.) Nr. 1 mit der Führung dieses Regt, beauftragt. v. Geldern-Crispendorf, Major, aggreg. dem 2. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Leib- Dragoner) Nr. 24, zum Stabe des Regts. übergetreten. v. Negenborn, Rittm. in demselben Regt., zum Es­kadronchef ernannt. Deinhard, Oberstlt. und Kom­mandeur des 2. Großh. He!s. Feldart.-Regts. Nr. 61, zum Obersten befördert. Gutberlet, .Hauptm. im 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Prinz Karl) Nr. 118, Schmidt, Hauptm im 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, zur Dienstleistung beim Dekleidungsamt des 11. bezw. 16. Armeekorps kom­mandiert. Die Fähnriche: Habicht, Fell, Sch ars- scheer, Lüters im 4. Großh. Jnf.-Regt. Nr. 118, Baur im 2. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 61, zu Lts. befi Wiese, Lt. tm 1. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Garde- Dragoner) Nr. 23, zum Oberlt. befördert. Geisel, Oberstlt. beim Stabe des Metzer Jnf.-Regts. Nr. 98, mit der Erlaubnis zum Tragen her Uniform des Jnf.-Leib-Regts. Großherzogin (3 Großh. Hess.) Nr. 117, Bölsing, Oberstlt z. D., Kommandeur d. Landw.-Bez. Siegburg, mit Erlaubnis zum Tragen der Uniform desselben Regts, der Abschied bewilligt. Dr. Strack (Friedberg), Äss.-Arzt der Res., zum Oberarzt befördert.

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Ausland.

London, 26. April. (Unterhaus.) Rasch fragt an, ab dem deutschen Kaiser gestattet wurde, die Galerien und Forts der Verteidrgungswerke von Gibral­tar zu besichtigen, die gewöhnlichen englischen Be­suchern zu sehen nicht erlaubt sei. Ferner, welche Galerien der Kaiser gesehen habe. Staatssekretär Arnold Forster erwidert, den königlichen Armeeverordnungen gemäß sei dem kommandierenden General die Verantwortlichkeit für die Wahrung des Geheimnisses der Verteidigungswerke an­her traut. Es seien keine Mitteilungen über die in der Anfrage erwähnten Punkte dem Kriegsministerium zuge­gangen. Man habe nicht beabsichtigt, die Diskretion des ß>enerals White in Frage zu stellen. Im Laufe der Sitzung erklärt der Staatssekretär für die Kolonien, Litt­leton, auf eine Anfrage, derGoldertragTransvaa l s betrage im März 308 242 Unzen im Wert von 1309 329 Lst. gegen einen Ertrag im Februar von 289 502 Unzen im Stert von 1229 726 Lst. Die Zahl der eingeborenen Ar­beiter betrage im März 72 340 gegen 69 666 im Februar.

Rotterdam, 26. April. Ein Telegramm aus Ba­tavia berichtet, daß am 4. d. M die Kolonne Daalen die befestigte Stellung der Eingeborenen in Badak im Sturme genommen hat. Bei dem Gefecht hatten die E i n - geborenen 122Tote,60 wurden gefangen genommen. Tie Verluste auf. feiten der H olländer beziffern sich auf 5 Tote und 22 Verwundete.

Paris, 26. 2lpril. Aus Mentone wird berichtet, daß der Gesundheitszustand des Expräsidenten Krüger sich plötzlich sehr verschlimmert habe.

Havre, 26. April. Die Offiziere der Handels­marine entschlossen sich, in den Ausstand zu treten. Lsfiziere der Kriegsmarine versehen den Dienst an Bord der Postdampfer.

Wien, 26. April. (Abgeordnetenhaus.) Nach 6cn namentlichen Abstimmungen kommt es zu stürrni- ichenAusbrüchen gegen den Grafen Tisza. Aba. Ellen­bogen bringt auf Beantwortung seiner Interpellation Über den ungarischen Streik und wendet sich heftig gegen den Ministerpräsidenten Tisza, den ereine geborene ^erbrechernatur" nennt, einen Mann,der vor kurzem als Bankdirektor das Zuchthaus mit dem Aermel siicifte". Als der Präsident Ellenbogen zur Ordnung vist, schreit der Sozialdemokrat Eldersch mit Stentorstimme: Tisza ist ein Schurke! Herr Präsident, wollen Sie den schurkischen Betvaren in Schutz nehmend Ellenbogen vird schließlich das Wort entzogen. Der Lärm gegen Tisza frfifjrt mehrere Minuten. Wrabeh fordert bann, daß bci§ Protokoll ber letzten außerordentlichen Sitzung, die Namen dee zehn Tschechisch-Mdikolen enihalte, damit ihre Schmach : sur ewige Zeiten feftgefteftt werde. Chor beginnt daraus hiw mit ber Sirenenpfeife Lärm zu machen, anbere

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Deutsches Deich.

Berlin, 26. April. Man meTbet unter bem 26. b. M. au3 Venedig: Die ,^>ohenzollerw' mit dem Kaiser ping heicke früh 9 Uhr vvn Mamamoceo nach Venedig hinein. Ein reich geschnrürfter Dampfer mit Musik und mit den Mitgliedern der deutschen Kolonie war heraus- gefommen und begleitete dieHohenzollern" hinein, ebenso italienische Torpedoboote. Ihnen schlossen sich auf dem Wege zahllose Dampfer und Boote, die Ruderklubs in alt- venezianischen Prunkbooten, und Hunderte von Gondeln mit kostümierten GondelierS an. Die Brücken, die Fenster ber Paläste unb die User waren dicht von einer jubelnden Menschenmenge besetzt. Als dieHohenzollern" um ldA Uhr an der Boje gegenüber dem Dogenpalaste unter bem Salut ber Geschütze festmachte, wollten die Hurras, Evvi- vas und das Händeklatschen fein Ende nehmen. Der Kaiser stand auf dem Oberdeck unb dankte erfreut und anbauernb. Kostbare Blumenarrangements würben an Bord abgegeben. Der Kaiser hörte heute den Vortrag des Chefs des Mrlitär- kabinettes Grafen Hülsen-Häseler. Um liy2 Uhr begab sich der Kaiser in der Rudergig derHohenzollern" zum Besuch der Gräfin Morosini. Das Wetter ist schön, die Stadt ist reich beflaggt. Von drei Masten vor bem Dome wehen riesige italienische Fahnen. Das Publikum in ben Gondeln nnb an den Ufern begrüßte den Kaiser stürmisch. Der Em­pfang in Venedig bildete einen glänzenden Abschluß ber schönen Reise. Das italienische Volk brachte hier unb da auf ber ganzen Fahrt, in Neapel, in Unteritalien unb auf Sizilien, bem Kaiser seine lebhaften Sympathien in ber liebenswürdigsten Weise bar. Der Kaiser ist von dem Verlaufe seiner Reise Überaus befriedigt. Sein Be­finden und sein Aussehen sind vorzüglich. Gestern besichttgte ber Kaiser bie Sammlung von Bildern und Skizzen, die ber Marinemaler Stöwer währenb der Fahrt gemalt hat. Der Künstler erhielt ben roten Abler- orben vierter Klasse. Zur Abenbtafel auf berHohen­zollern" waren heute geloben: die Gräfin Morosini, bie Komtesse Morosini, die Admirale Cannebaro, Frigerio und Diottt, Sindaeo und Graf Grimani re. DieHohenzollern", Friedrich Karl" undSleipner" hatten reich illuminiert. Eine Musikkapelle auf einem großen, mit tausenden bunt­farbigen Lampen illuminierten Fahrzeug brachte eine Se­renade dar, während hunderte von Gondeln dieHohen­zollern" umfuhren.

Der Reichskanzler Graf Bülow wird sich am 28. dieses Monats zum Vortrag beim Kaiser nach Karls­ruhe begeben.

DerKönigsberger Volksttg." zufolge wurde ber Haftbefehl gegen bie Sozialdemokraten ©rarfl, Nowagratzki unb Treptau gegen Stellung einer Kaution aufgehoben.