Ausgabe 
26.11.1904 Erstes Blatt
 
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Gewinnbeteiligung der Arbeiter.

NnS Jena schreibt man: Die optische Werkstätte -on Kar? Zeitz in Jena gewährt ihren Beamten und Ar­beitern. laut Mitteilung der Geschäftsleitung vom Mittwoch, aus die im verflossenen Geschäftsjahre verdienten Löhne und Gehalte eine Gehalts- und Lohnnachzahlung (Divi­dende) von fünf Prozent. Diese Art der Gewinn- beteiligung der Geschäftsangehörigen des ZeitzwerkeS ist durch § 98 de§ Stiftungsstatuts geordnet; die Nachzahlungen betrugen in den Jahren 1896 bis 1902 zwischen 5 und 10 Proz., im Durchschnitt 9 Proz., nur im Jahre 1903 konnte eine Nachzahlung nicht gewährt werden.

Kirche und Schule.

Berlin, 24. Nov. Die Stadtverordneten-Vcrsammlung nahm die Magistrats-Vorlage, betreffend die Einführung der PflichtiortbildungSschule. an.

^Landtagsabg. Iouh

Nimmt eine absprechende Zeitungsnotiz über seine Walst zum Mitglied der Handelskammer in Friedberg zum Anlaß, auf seine Affäre beim Bahn bau BußbachLich zurückzu- kommen. Er schreibt demN. H. Vbl.", die die erwähnte Notiz auch abgedruckt hatten, in einem offenen Brief n. a. folgendes:

Ich hatte bereits fast ein Jahrzehnt an einem Bahn­bau ButzbachLich gearbeitet. Viele Kosten, Arbeit und Aergernis mit diesem Projekt gehabt, ohne auch nur an eine Entschädigung zu denken, wie ich auch die Bürgermeisterei Butzbach unbezahlt 10 Jahre verwaltet habe. Als ich in der Bahnbaufirma Lenz u. Eo. eine Firma gefunden hatte, welche, trotz dem damaligen hohen Gcldstand, geneigt war, die Bahn zu bauen unter der Bedingung der späteren Aus-' zahlung des bereits bewilligten StaatszuschuffeS und daß ich ein Drittel der Baukosten privat ausbringe, wurde mir frei­willig von dieser Firma versprochen, daß ich für Vermittlung dieses Kapitals und für gehabte Kosten und Auslagen auS deren eigenen Tasche sechs Prozent als Provision erhalten solle. Geldgeschäfte zu machen steht in meinem Gewerbepatent, und als LandtagSabgeord- neter mein Geschäft nicht zu vergessen ist nicht nur mein Recht, sondern meine Pflicht. Ich hatte versucht, auf verschiedene Weise daS Kapital zusammenzu­bringen, aber infolge der ungünstigen Geldverhältniffe jener Zeit ohne Erfolg. Ich wandte mich nun an die größte der mteressierten Gemeinden, die Stadt Butzbach. In einer zu­sammenberufenen Etadtvorstandsfitzung erklärte ein Gc- meinderat, anscheinend unter Zustimmung verschiedener, die Stadt möge 100 000 Mk. ä Fond perdu geben, damit muffe aber die Sache für die Stadt erledigt sein. Damit hätte sich nun bei 550 000 Mk. die Sache in anderer Weise erledigen lassen, wenn es mir nicht widerstrebt hätte, meiner Heimatgemeinde ganz unnötig dieses Opfer aufzuhängcn, sondern ich schlug vor, es für die Stadt nochmals mit einem größeren Bankhaus zu versuchen. Es schrieb mir nun am 17. Januar 1902 Ge­meinderat Melchior, daß der Gemcinderat bereit sein werde, nach meinem Vorschlag 1015 Prozent unter pari einen Kursverlust zu tragen und an demselben Tage die Bürger­meisterei. daß die Stadt 10 Prozent Kursverlust tragen wolle (Briefe jedermann zur Einsicht). Ich ging auf diese teuren Vorschläge nicht weiter ein, trotzdem ich dabei persönlich eine recht erheblirbe Summe hätte verdienen können, denn es hätte das bei 15 Prozent, die ja genehmigt worden wären, den Gesamtgcmeinden ein Opfer zugemutet von über 80 000 Ml. Ich wollte dieses Opfer nicht für mich, noch ein Bankhaus gebracht sehen, da dazu doch keine Ursache vorlag, sondern beredete nunmehr erst die Landgemeinden und dann die Stadt Butzbach, bei einem Versprechen von 4 Prozent Zinsen, die Obligation selbst zu übernehmen und es wurden am 1. Okt. 1904 die ersten halbjährigen Zinsen auch bezahlt.

Nun hätte mir für diese ehrliche Behandlung der Ge­meindeinteressen eher ein Orden, als ein Undank gehört, denn was mir die Firma Lenz u. Co. versprochen, sollte ja nicht einmal eine Gratifikation sein, sondern eine Entschädigung für gehabte Auslagen und geschäftliche Handlungen, die jeder Geschäftsmann vergütet, der, wie hier die Firma Lenz u. Co. an dem Bahnbau ein Geschäft machen will."

Aus Stadt und Sand.

Gießen, 26. November 1904.

* Hessische Vereinigung für Volkskunde. Montag, den 28. November abends 81/* Uhr findet, wie auch aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, im unteren Saale des Cafe Ebel der zweite Mitgliederabend statt. Ter Vortrag deS Prof. Dr. Bet he überMythus, Sage und Märchen" verspricht hochinteressant zu werden, da Pros. Dr. Bethe als Autorität auf diesem Gebiete gilt.

** Oberhessischer Geschichtsverein. Wie wir hören, wird auch der zweite Vortrag, den der Verein in diesem Winter halten läßt, Gießener Verhältnisse behandeln. Herr Geh. Hoftat Pros. Dr. Sieb eck wird nämlich am 22. Dezember über die Aeltere Geschichte der Uni­versität sprechen und zwar vornehmlich über kulturell wich­tige und interessante Erscheinungen, die in der Frühzeit der Ludoviciana zu Tage traten.

** Den Tag derVermählung Sr. Kgl. Hoheit b eS Gr oßher zogs mit I. D. der Prinzessin Eleonore glaubt ein Berliner Blatt bereits nennen zu können. Es sei, so behauptet. es, der 15. Dezember. Wie wir indes aus Lich aus bester Quelle erfahren, sind Bestimmungen darüber noch nicht getroffen worden, auch über den Rahmen der Ho ch^eits fei erlich ketten liegen noch keinerlei Entschließ­ungen vor.

** Weihnachtssendungen. Tie Reichspoftoerwaltung richtet auch in diesem Jahre an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtssondungen bald zu beginnen, damü die Paket­massen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zu­sammendrangen, wodurch die Pünktlichkeit in der Beförderung leidet. Bei dem außerordentlichen Anschwellen des Verkehrs ist es nicht tunlich, die gewöhnlich::: Bc fördern ngssristen einzuhallen und namentlich aus weitere Entfernungen eine Gewähr für recht- artige Zustellung vor dem Weihnachtsfette zu üb»rn-hmen, wmn die Pakete erst am 22. Dezember oder noch später eingeliefert werden Die Pakete sind dauerhaft zu verpacken. Türnr Papp- faüen, schwach? Schachteln, Zigarrenkisten usw. sind nicht zu be- nutzm 7i Anschrift der Pakete muß d"''tlich, vollständig und fottbr-r f^rr -rann die Aufschrift nicht deutlicher Weise aus \:r.i i'r.f t v.-'r wtt tonr.-n, so empfiehlt sich die Verwendung tv5 -statte- rvei!,m Papiers, welches dcr ganzen Fläche nach

fest aufgeklebt werden muß. Bei Fleischsendungen und sonstigen" Gegenständen in LeinwiMd Verpackung, die Feuchtigkeit, Fett, Blut usw. absetzen, darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung geklebt werden. Am zweckmäßigsten sind gedruckte Aufschriften auf weißem Papier. Dagegen dürfen Formulare zu Postpaketadressen für Paket- aufschriften nicht veinoandt werden. Ter Name des Bestimmungs­ortes muß stets recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Paketauffchrift muß sämtliche Angaben der.Bcgleitabresse enthalten, zutreffendenfalls also den Frankovermerk, den Nach- nalnnebetrag nebst Namen und Wohnung des Msenders, den Ver­merk der Eilbestellung usw., damit im Falle des Verlustes der Postpaketadresse das Paket doch dem Empfänger ausgehändigt werben kann. Aus Paketen nach größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Paketen nach Berlin auch der Buchstabe des Postbezirks (C., W., SO. nsw.) anzugeben. Zur Beschleunigung des Betriebes trägt es wesentlich bei, wenn die Pakete fr anfiert aufgeliefert werden. Tie Vereinigung mehrerer Pakete zu einer Begleitadresse ist für die Zeit vom 10. bis 25. Dezember im inneren deutschen Verkehr (Reichs-Postgebiet, Bayern und Württem­berg) nickst gestattet. Auch 'für den Auslandsverkehr empfiehlt es sich int Interesse des Publikums, während dieser Zeit zu jedem Paket besondere Begleitpapiere auszufertigen.

** Die Rechnung der städtischen Armenkasse verzeichnet, wa8 wir zur Vervollständigung unseres gestrigen Berichts noch bemerken wollen, an Ausgabe au§ Stiftungen für Pflege und Erziehung armer Kinder 2045,14 Mk. Der Ausgabeposten in der Rechnung der Plock'schen Stiftung be­trägt 5218,78, nicht 52218,78 Mk.

** Zum Held en berg er Raubmord. Von der hiesigen Staatsanwaltschaft wird ein Extrablatt zumSüdd. Polizei-Telegr." verbreitet, worin der Metzgergeselle Oskar Hudde aus Schalke (Westfalen) zweimal abgebildet ist. Er hat folgende Einbnlchsdiebstähle verübt: Am 11. Oktober ds. IS. in dem katholischen Pfarrhause zu Heppenheim a. d. B. 2. In der Nacht vom 25. auf 26. Oktober d§. Js. in dein katholischen Pfarrhause zu Herdorf (Bahnlinie GießenDeutzKöln). ,,Gegen den flüchtigen Hudde", so heißt cS in dem Blatt, ist wegen der vorbezeichneten Verbrechen durch den Großh. Untersuchungsrichter in Darmstadt Haftbefehl und Steckbrief erlaffen worden. Hudde ist weiter der Täterschaft in Bezug auf den in der Nacht vom 11. aus den 12. November d. Js. in Heldenbergen verübten Raubmord dringend verdächtig. Es wird um eifrige Fahndung auf Hudde, Verhaftung, Durchsuchung und Dratnachricht ersucht." Die Personalbeschreibung giebt folgendes an: Oskar Hudde, geb. 21. Juli 1878 in Schalke (Westfalen), Mchgergeselle, ca. 1,67 Meter groß, kräftige Statur, rundes Gesicht mit Sommersprossen, insbesondere einen größeren Flecken an einem Auge, dunkelblondes üppiges Haar, Scheitel, etwas neben der Mitte, Anflug von Schnurrbart, spricht rasch, hält aber von Zeit zu Zeit ein, so, als ob ihm der Atem auSginge, dabei geht die Stimme in die Höhe und klingt bedeckt. Möglicherweise Tätowierungen auf dem Arm (ein Herz). Kleidung: trug Mitte Oktober unter dem Rock gestrickte dunkle Jacke, später dunklen Anzug von elegantem Schnitt, modernen Stehumlegkragen, Kragenschoner, ziemlich langen Mantel mit schrägen Taschen, dunkelbraunen weichen Filzhut mit ziemlich hoher Krempe. Hudde nannte sich eine Zeit lang Alfred Anton Berg, Rasierer, auS Ungarn, hielt sich längere oder kürzere Zeit in Homburg v. d. Höhe, Alzey, Bad-Nauheim, Mannheim, Ludwigshafen, Neustadt an der Haardt und Köln auf; scheint viel gereist, auch in der Schweiz bekannt zu sein. Er lieft eifrig Zeitungen.

* Das Promenadenkonzert am morgigen Sonn­tag fällt auS. Unsere Regimentsmusik konzertiert morgen nachmittag im Saale des Philosophenwaldes, wohin ein Spaziergang jetzt sehr reizvoll ist.

* * Silberne Hochzeit feiern an: 27. ds. Mts. der Fuhrmann Justus Benner II. hier und seine Frau.

"Das hessische Hinterland. Oberlehrer Flach in Perleberg, Bezirk Potsdam, bearbeitet z. Z. das Kapitel DaS hessische Hinterland (Kreis Biedenkopf)" für das Werk: Hessische Landes- und Volkskunde" von Heßler (Marburg, Elwert). Kleinere Notizen, die Landeskunde des Hinterlandes betreffend, werden von Herrn F. noch gern bis Mitte Januar angenommen.

** Spiritismus und Zauberei. Ter Inhaber des Neuen Saalbaues hat, wie man uns schreibt, den Astti­mystiker und Spiritisten-Entlarver Stuart Lancourt, welcher seinerzeit das berüchtigte Schwindel-Medium Anna Rothe in Chemnitz, ihrer Vaterstadt, öffentlich entlarvte und zur Flucht nach Berlin zwang, wo sie verhaftet wurde, für Dienstag den 29. Nov. und Donnerstag den 1. Dez. zur Abhaltung zweier Wvstellungenr veranlaßt. Herr Lan­court wird, so schreibt man uns, zum ersten Male tatsächlich alle die angeblich übernatürlichen, unbegreiflichen Er­scheinungen und Vorgänge rücksichtslos enthüllen, die noch immer von den Spiritisten und den sogenanntenhöheren" Zauberern in der dreistesten Weise zur Täuschung ber Men­schen in betrügerischer Absicht angcwendet werden. Ist Chemnitz wurde Herr Lancourt seinerzeit seitens ber Bürger mit ber yolbenen Mebaille und Ehrendiplom ausgezeichnet. Letzteres ist im Fenster der Zigarrenhandlung von Lindau u. Winterfeld ausgestellt. Zum Zutritt zu diesen ^Veranstalt- ungen sind schon heute, wie mun uns mitteilt, Vergünstig­ungskarten an die hiesigen Geschäftsinhaber zur Matis- abgabe an die Kundschaft verteilt worden. Wer eine solche Karte im Vorverkauf bei Lindau u. Winterfeld, Zigarren­handlung, Seltersweg, oder an der Abendkasse vor^eigt, erhält Billeis für alle Plätze zu halben Preisen. Kruder haben keinen Zutritt. Im übrigen sei auf das heutige Inserat verwiesen.

Das Bildnis derzukünstigen Großherzogin. Nach einer ausgezeichneten Photographie I. D. der Prinzessin Eleonore, der Braut S. K. H. unseres Großherzogs, hat die Bruhl'sche Uniuerfitöt§brucferei einen Druck Herstellen lassen, der das hübsche Bildnis in allen Teilen sehr sauber und wohlgelungen reproduziert. Auf feinem Illustrations-Papier einzeln hergestellt, ist das Bild zu dem billigen Preise von nur 10 Pfg., soweit der Vorrat reicht, in der Expedition unseres Blattes zu haben.

Wieseck, 26. Nov. Beint Holzfällen verunglückte gestern ber Arbeiter Heinrich Rodenhausen. Er erlitt beim Abwerfen eines Stammes einen schweren Beinbruch.

§ Erbach, 25. Nov. Im benachbarten Dorfe Günter^ fürst spielten gestern abend in einem Hause mehrere Kindes mit Feuer. Erwachsene waren momentan nicht zugegen. Die Kleinen setzten Holzspäne in Brand, wobei die Kleidet eines zweijährigen Kindes Feuer fingen. Da§ Kind wurde furchtbar verbrannt und erlag nach einigen Stunden seinem qualvollen Leiden.

Mainz, 25. Nov. Der MainzerKarnevalSverein teilt dem Magistrat mit, daß er mit Rücksicht aus seine un­günstige Finanzlage im nächsten Jahre keinenNosen- montagSzug veranstalten könne.

Frankfurt, 25. Nov. Zti dem Verschwinden einet Dienstmagd, Sofie Mogler aus Böckingen, teilt der Polizei­bericht mit, daß das Mädchen zuweilen geistig nicht normal ist. Es wird ein Mord, Selbstmord, oder Unglücks­fall vermutet. Das Mädchen ist von großer, starker Figur, hat blaugraue Augen, dunkelblonde Haare und trug ein dunkelblaues Kleid mit weißseidenem Einsatz, blauen Hut mit blauer Feder, veilchenblauen Unterrock, graue Unterhosen, weißes Hemd, gez. S. M., schwarze wollene Strümpfe und Lederschnürstiefel.

Hanau, 25. Nov. Unter dem Verdacht, jener Unbe­kannte gewesen zu sein, der anr Morgen nach dem Morde in Heldenbergen nahe bei Heldenbergen im sog. Hinter- Alüllersgraben seine Stiefel wusch, wird jetzt von der Polizei auch ein Arbeiter namens Meininger ans Mfttelgründen bei Gelnhausen gesucht. Bei den durch die Gendarmerie in Meiningers Wohnung veranstalteten Nachforschungen soll auch ein Paar Stiefel gefunben worden fein, an dem man deutlich sehen konnte, daß Straßen- und Ackerschmutz vor kurzem da­von abgewaschen worden war. Es ist festgestellt, daß Mei­ninger am 11. November in Heldenbergen gewesen ist, um Arbeit zu suchen. Sein jetziger Aufenthalt ist unbekannt.

Kleine Mittcilurtgen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Stadt Marburg beabsichtigt ein großes Gemälde von Marbura anfertigen zu lasten, das dem kronprinzlichen Paare als Hochzeitsgeschenk über­reicht werden soll. Der Zoologe und Geograph Dr. med. et phil. hon. causa Wilhelm Kobelt zu Schwanheim erhielt den Titel als Proseffor. Kobelt, der 1840 zu Als­feld geboren ist, redigiert dasNachrichtenblatt der deutschen malakozoologischen Gesellschaft." In Michelstadt wurde eine gemeinnützige Baugenossenschaft gegründet. In Frankfurt a. M. verschied der Kommandeur der 21. Feld­artilleriebrigade Generalmajor Schneider im Alter von 56 Jahren.

vermischte».

* Sonderbar! Im Kreisblatt des preuß. Kreises Koesfeld lvird nu§ der Kreistagssitzung aus Maus be­richtet: !

Ter Antrag des Amtmannes und des Pfarrers vonr Ottensteilr um Gewährung einer Kreisunterstützung an zwölf durch Brandunglück geschädigte Fa­milien wurde mangels verfügbarer Mittel abgelehnt^ Ter Kreisausschuß wurde jedoch beauftragt, den Antrag bei dem Provinzialausschuß und bei der königlichen Re^ gienmg zu befürworten.

Außer der Tagesordnung teilte der Landrat den Er­laß des Oberpräsidenten der Provinz Westfalen betr. die Beteiligung des Kreises an einem Prunkgeschenk bei der bevorstehenden Hochzeit des Kronprinzen' mit, worauf der Kreistag den Kreisausschuß ermächtigt, nach Maßgabe des ergangenen Erlasses Bewilligung ein treten zu lassen.

* Algier, 25. Nov. Der bekannte Antisemiten- führer Max Rögis heiratet in den nächsten Tagert eine junge Jüdin Namenis Sarah Jais.

* Kleine Tageschronik. In -Rostow am Tvn hat sich eine schrecklick:e Eisenbahnkataftrophe ereignet, lieber das Eijenbahngeleise waren von Verbrecherhand schwere Eisenblöcke gelegt worden. Ter Nachtschnellzug entgleiste und begrub sämt­liche Passagiere unter seinen Trümmern. Eine große Anzahl Leichen wurden bei den Aufräumungsarbeiten geborgen, viele Hunderte sind schwer verletzt. Die Krankenhäuser der Stabt sind überfüllt. In Mühlburg (Baden) verbrannte ein Kind, das von der Mutter in der Nähe des Ofens zum Schlafen niedergelegt worden war. Als die Mutter von einem Ausgange zurückkehrte, war das Kind bereits tot. In Berlin ist der dirigierende Arzt der chirurgischen Abteilung am Augusta-Viktona- KrankenHause vom Roten Kreuz, Dr. Otto Bode, an den Folgen einer Blutvergiftung, die er sich bei einer Operation am Anfang dieser Woche zugezogen hatte, gestorben.

Alten-Essen warf eine Bergmannsftau in einem Airsalle von Geistesstörung ihr vier Monate altes Kind aus bem 8tr>enen Stock in den Hof und sprang selbst nach. Mutter und Kind sind tot. Londoner Blättern zufolge hat der Milliardär Carnegie das Terrain des verstorbenen Whiteacker Withleaparc für 3 /2 Mül. Mark erworben, um es der Regierung als Geschenk für ein dort zu erbauendes Sanatorium anzubieten.- Dem ,-6ngaro zufolge haben die Steuerbehörden von dem Kontrolleur des Ver­mächtnisses ber Familie Humbert 170 000 Francs verlangt als Entschädigung für die abaeschickten Telegramme bet Verfolgung der Flüchtigen und als Kosten für die Geheimpolizei, die mit der Verfolgung beauftragt worden war. Tas Dochwa sser des Issonzo riß die kolossale im Bau begriffene Eisens bahnbrücke der Karawanken-Bahn vollständig weg. Ter Schaden ist bedeutend. DemLerpz. Tagebl." zufolge wurde der entlassene Geschäftsführer des Leipzig-Konne- w i tz e r Konsumvereins in Liquidation, der frühere Stadt­verordnete Bock, verhaftet. Ter dem Jnf.-Regt. Nr. 117 angehörende Leutnant Salmann hatte nch vor etwa acht Tagen aus seiner Garnison entfernt. Aus Winterthur (Kan­ton Zürich) kommt nun die Meldung, daß sich Salmann in entern dortigen Hotel erschossen hat. Tie Beweggründe find un­bekannt Englische Blätter veröffentlichen Einzelheiten über die S ch n e e ft ü r m e im Norden Englunds. Ter Schnee liegt stellenweise so hock, daß die L e i ch e n n i ch t b e e r d i g t w e r d e n können. Ter Bahn- nub Telegravhcnverkehr ist vielfach unter*

Kunst und Wissenschaft.

Ter1 von uns bereits erwähnte, in London erschienene Roman von Fisher:Das Privatleben Wilhelms II. und seiner Gemahlin. Geheimgeschichte des Ber­liner Hofes" ist auf Anordnung ber Staatsanwaltschaft kon­fisziert worden. Nach den Mitteilungen eines Berliner anti­semitischen Organs beginnt das Buch mit ber Geburt des Kaisers und dem Zeugnis ber damals assistierenden Hebamme, Krau Stahl. Ist es ein seiner Junge?" hatte damals Königin Viktoriai von England an ihren Schwiegersohn, den Kaiser Friedrich, tele­graphiert. Der Kaiser hat viele Jahre später das Telegramm unter den Papieren seines verstorbenen Vaters gefunben. Wir erfahren, daß die höchsten Damen des Hofes den Grafen Herbert und Wilhelm Bismarck (Söhnen des ersten Reichskanzlers) nicht sonderlich wohlgesinnt waren und namentlick) die Entfernung des Weiteren lebhaft wünschten. Weiter wird mitgeteilt, daß, als im März 1892 nach dem Fallenlassen des Volksschulgesetzes Minister v. Zedlitz zurücktrat und auch der R ü ck t r i 11 Caprivis bevor- stand, die englische Königin telegraphierte:Hier verlautet.