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26/10/1904 Erstes Blatt
 
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amtlicher Duelle Ne Nachricht erhalten haben, daß tatsächlich ein japanischer Angriff auf die russische Ostseeflotte in der Nordsee nicht ausgeschlossen sei.

Madrid, 25. Oft. (Havns.) Tie Regierung bat angeordnet, ddst im Hafen von Vigo für die Zeit tes Passierens des ntffi* schm Gescftwoters die Bestimmungen l>etr. die Beobackttung strenger Neutralität zur Anwendung kommen. In Vigo heisst öS, die Hälfte des Geschwader- werde nach Vigo, die andere nach Billa Gareia kommen. Tast man die Russen in Vigo sich ver- proviantnnrn läßt, wird ebensowenig für eine Verletzung der Neutralität angesehen, als andere Staaten solche darin fabelt, hast sie zuliest en, dast Dampfer ihrer Nationalität den Russen Kob len mkührren.

Volilischt Tagesschau.

Heer und Flotte.

tt Berlin, 25. Oft.

Angesichts der konnnrnden Militär - utt d Marine- Forderungen wird von verschiedenen Seiten darauf Angewiesen, daß das Landheer für Deutschland immer die wesentliche und ausschlaggebende Wehr bleiben müsse. Konservative wie liberale Blätter stellen sich auf diesen Standpunkt. Es bedarf wohl keines Wortes, um die Un­möglichkeit darKutun, das; Deutschland seine Marine LU einem der Armee an Umfang gle i ch e n d e n Machtfaktor aus gestaltet. Schott aus finanziellen Gründen. Aber darüber kann kein Zweifel sein, daß es itt der Absicht der Regierung liegt, die Flotte sozusagen nach internationalem Maststab auszubauen, im Verhältnis zu dem entsprechenden Vorgehen anderer Länder. Auf Grund zuverlässiger Jnformatiotten kamt beipiclswcisse versichert werden, daß eine beträchtliche Vermehrung der Schiffe auf der ostasiatischen Station geplant ist. Dem vom dortigen Geschwader nach Deutschland zu- i-rlckkebrenden Kontreadmiral von Holtzendorsf dürfte die Aufgabe zur Beibringung und Bearbeitung des die Ver­unehrung begründendetr Materials zufallen. Eine genaue Kontrolle der Stärkeverhältnisse der fremden Geschwader ist zwar dein Fernstehenden nicht möglich. Soviel aber weiß man, daß England die meisten, Deutschland die wenigsten Schiffe im fernen Osten hat. Oesterreich-Ungarn und Italien sind hierbei nicht in Betracht gezogen, weit sie da draußen keine nennenswerten politischen Interessen haben. Anderer­seits halten sowohl Frankreich wie die Vereinigten Staatett ,Qn großen Schiffen doppel: soviel in Ostasien stationiert, wie Deutschland. Ferner dürfte man kaum fehlgehen in der Annahme, daß eine Verstärkung des Kreuzer­schutzes der Kolonien in Afrika und Australien int Plane der Regierung liegt. Es mag dahingestellt sein, ob das Unheil über D eu t sch - d w e st a fr i ka mit solcher Wucht hereingebrochen wäre, wenn einige Kreuzer sn der Nahe gewesen wären. Jedenfalls verursacht die Jnbiensthaltung von Kriegsschiffen über See weniger Kosten als eine Expeditionstruppe, die zur Kolonialtruppe wird, und insofern wird ein Ausbau der Maritte in dem Umfange .erstrebt, daß sie zum schütze der deutschen Kolonien aus- reicht.

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Deutsches Reich.

Berlin, 25. Okt. Der Kaiser hatte sich heute zum estück bei dem Reichskanzler angesagt. Unter den eladenen waren der Chef des Militärkabinetts Gras Hülsen-Häseler, der Gesandte v. Below-Schlatati, Wirkt. Ge­heimer Oberregierungsrat v. Löbell, Professor Schiemann, Generalintendant v. Hülsen und die Flügeladjutanten Graf Echmettow und Graf Soden und Oberleutnant v. Schwartz- toppen.

Der katholische Pfarrer Jeske in Jersitz (Ipdfen) hatte zum Sedanfeste geflaggt und war des­halb von dem polnischen BlatteWielkopolanin" angegriffen worden. Ter Pfarrer erklärte darauf in einer an dasselbe Blatt gerichteten Zuschrift, daß er e§ sich als Deutscher nicht nehmen lassen werde, auch fernerhin an Nationalfeiertagen zu flaggen. Das hat nun einen Teil der Verwandten des Pfarrer? Jeske, die sich nicht als Deutsche, sondern als Polen fühlen, gewaltig verdrossen. Sie veröffentlichen eine Erklärung, in der es heißt: »Wir unterzeichneten Mitglieder der Familie Jeske, aufs äußerste über das Tun des Prf. Andreas JeSkc- gerfttz empört, erklären öffentlich, daß wir ihn als Mit- alied unserer Familie auSstoßen. Wir sind als Polen geboren und bleiben es auch mit unseren Familien. Unterschrieben haben:Andreas Jeske-Lowenzin. Adalbert JeSke-Jersitz. Joh. JeSke-Küstrin. Lorenz Jeske-Posen. Katharina Remlein geb. Jeske. Der wackere Pfarrer wird sich deshalb kein graues Haar wachsen lasten. (Nicht unter­schrieben haben u. a. der Polizeiassessor JeSke in Berlin und ter Herr Amadeus Jeske in Steglitz bei Berlin. D. Red.)

Dresden, 25. Okt. Adressen zum Zweck der Rück- berufung der früheren Kronprinzessin von Sachsen sind nach dem Tode des Königs alsbald seitens sächsischer Frauen in Zirkulation gesetzt worden, um Unterschriften zu sammeln. Die Agitation soll von allen Hauptplätzen des Königreichs aus betrieben werden; es soll damit versucht werden, den sächsischen Hof durch Massenunterschriften zu überzeugen, daß die Sympathien für die Kronprinzessin noch nicht erlosch-n sind. Wie hierzu von bestunterrichteter Seite mitqeteilt wird, steht der sächsische H of zurzeit dieser Agitation vollständig ablehnend gegenüber. Gräfin Luise von Mon- tignoso, die geschiedene Gemahlin des jetzigen Königs Friedrich August von Sachsen, befindet sich mit ihrem jüngsten Töch­terchen auf Schloß Wartcgg bei Rohrschach. Hier sind verschiedene Verhaftungen vorgekommen, weil Leute bei den Ausfahrten des jetzigen Königs diesem nachriefen, daß er seine Gemahlin zurückberufen solle.

König Georgs hinterlassenes Vermögen wird auf 120 Millionen Mark geschätzt. Außerdem hinter­ließ der König 52 Rittergüter und Herrschaften.

Mannheim, 25. Okt. Prinz Heinrich von Preußen kam heute nachmittag im Automobil hier an und stieg im Parkhotel ab. Alsbald nach seinem Eintreffen stattete er der Rheinischen Gasmotoren- und Automobil-Fabrik Benz u. Co., einen längeren Besuch ab.

Stuttgart, 25. Okt. In der Kammer der Ab­geordneten wurde bei dem Gesetz über den Wasfengebrattch ber Landjäger dte von der ersten Kammer gewünschte Be­stimmung, daß von der Schußwaffe gegenüber den ent­fliehenden Landstreichern Gebrauch gemacht werden darf, abgelehnt. Damit ist das ganze Gesetz gescheitert. Daraus wurde der Landtag geschlossen, wobei der Ministerpräsident v. Breitling mitteilte, daß der König Ende nächster Woche ixn neuen Landtag in Person zu eröffnen aedenke.

Ausland.

Amsterdam, 25. Okt. DerNieuwe Rotterdamsche Courant* ttteldet aus Batavia: Die Truppen nahmen nach heftigem Widerstande des Feindes VatöbacoS und Atschin. Der Feind hatte 19 6 Tote. Erbeutet wurden vier große und 16 kleine Kanonen. Die Verluste der Regierungstruppen betrugen drei Tote und elf Verwundete.

Paris, 25. Okt. Die Kammer nahm mit 360 gegen 177 Stimmen den Gesetzentwurf an, durch welchen die Stadt Paris zur Aufnahme einer An le i h e von 120 Millionen Francs behufs Gasversorgung der Stadt in städtischer Regie ermächtigt wird.

Wien, 25. Okt. Die Feier des Geburtstages des Bürgeruieistzrs Dr. Lueger begann mit einer Auffahrt der Gratulanten vor dem Rathause; etwa 1500 Wagen nahmen an derselben teil. Nach dem offiziellen Gratulationsakte im Festsaale des Rathauses begab sich der Ztig itach der Votiv­kirche zum FestgotteSdieitst. Um halb 1 Uhr nahm die Festversaunulung ihren Anfang. Regierungskreise hielten sich fern.

Die erste Lesung des deutschen Handels-Ver­trages in der Zollkonferenz ergab Hunderte von Diffe- renzpunkten. Tie Meldung, daß die Bestimnumgen über Gerste und Vieh a u 8geschieden werden sollen, ist un­richtig, da die Einheitlichkeit der Verhandlungen gewahrt werden soll. Die österreichischen Delegierten dürften in zehn Tagen in Berlin zur Fortsetzung der Verhandlungen ein- treffen.

In Lemberg ist der Obmann des PolenkludS, Ritter von Jaworski, 80 Jahre alt, gestorben. Sein Tod ist ein empfindlicher Verlust für die Negierung, da sie gerade jetzt vom Polenklub unter Jaworskis Führung eine Unter­stütz trug zur Herstellung der Aktionsfähigkeit deS Reichsrats erwartet. Jaworski besaß auch das besondere Vertrauen de? Kaisers. Sein Ansehen verdankte er aber hauptsächlich seiner Fähigkeit, stets Einmütigkeit und Disziplin im Polenklub auf­recht zu erhalten.

Konstantinopel, 25. Okt. Marschall Hassan Pascha, welchem die Ueberwachung des gefangenen Sultans Murad oblag, ist plötzlich gestorben. Hassan war ur- sprünglich von Beruf Bäckergeselle und trat dann als Ge­meiner in die Armee, in der er die höchsten Würden und Auszeichnungen erreichte. Abdul Hamid setzte in ihn da? unbedingteste Vertrauen.

Aus Stadt »inö Land.

Gießen, 26. Oktober 1904.

** AuS dem Bureau des Stadtthcaters. Ten Theaterinterestenten wird hiermit zur Kenntnis gebracht, daß zur Ergänzung deS Personals noch einige Fachkräfte engagiert wurden, so Frl. Magda del Nora und Helene Colley. Die neuen Mitglieder werden in Bälde in größeren Aufgaben eingeführt werden

** Schul straf en. Ztt der im gestrigen Blatt ent­haltenen Notiz wird uns noch mitgeteilt, duß die Anwendung der körperlichen Züchtigung in der Fortbildungsschule von Anfang an atiSgeschlosten war. Neu ist folgende Vorschrift: Von jedem in der Fortbildttngsschule erteilten Arreste ist den Eltern oder deren Stellvertretern unter Angabe des Grundes ttnd der Dauer der Strafe, sowie der für die Verbüßung fest­gesetzten Zeit rechtzeitig Mitteilung zu machen. Zwischen Verhängung und Verbüßung der Strafe sollen mindestens zwei Tage liegen.

$r. Büdingen, 24. Okt. Die Aepfelwein - vroduktion im Kreise geht ihrem Ende entgegen. Der Stoff verspricht vorzüglich ztl werden, hoffentlich auch billig bei den in diesem Jahre so niedrigen Kelterobstpreisen. Die Privattöchterschule hier soll in eine höhere städtische Bürgerschule umgewandelt werden.

r. Mainz, 25. Okt. Die Frage der Eingemein­dung verschiedener Vororte von Mainz steht wieder einmal auf der Tagesordnung. Am weitesten sind die Vor­arbeiten wegen der rechtsrheinischen Gemeinde Gins heim gediehen, deren .Vertreter in den letzten Tagen wiederholt Besprechungen mit Mitgliedern der hiesigen Bürgermeisterei hatten. Auch in dem gegenüberliegenden Kastel, dessen Festungswerke jetzt zu?m größten Teil verschwunden sind, tritt die Eingemeindung zu Mainz wieder näher.

w. Kastel, 25. Ein hier bediensteter Metzger hatte in den letzten Tagen seinem Meister diverse Würste ent­wendet, die er oberhalb des Schloßbaues versteckt hatte. Ms er aber am Abend die Würste holen wollte, um sie zu verwerten, glitt er aus, fiel auf ein Oberlicht und durch die zerbrochenen Scheiben in die Wurstküche. Bei dem Sturze erlitt der Bursche so schwere Verletzungen, daß er nach Mainz in das Hospital gebracht werden mußte.

W o r m s, 25. Okt. Gr a f H o e n s b r o e ch sprach heute abend in einer Versammlung des Evangelischen Bundes 'vor etwa 1300 Personen im städtischen Festspiel­haus unter starkem'Beisalt überReligiöses und politisches Papsttum". Der Redner -empfahl als Abwehrmittel gegen den Uttramontanismus die Einigkeit alter Gegner und betonte besonders, daß die in den Sozialdemokraten ver­tretene Arbeiterbewegung eine Kulturbewegung, und darum nicht als rotes Gespenst zu fürchten sei. Weit schlimmer sei der Uttramontanismus. Abg. Frhr. v. Hehl war anwesend, verließ aber bei Beginn der unwesentlichen Diskussion den Saal.

Kleine Mitte'langen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Offenbach hat gegenwärtig über 61 300 Einwohner. Die am meisten bevölkerte Straße dieser Stadt ist die Biebererstraße mit etwa 2400 Bewohnern.

DcrmiicbUi*

Wien, 25. Okt. Das Oberhofmarschattamt entsprach der Forderung der Prinzessin Luise von Ko bürg und bestellte die Psychiater Magnan und Garnier als Sach­verständige zur letzten Prüfung des Geisteszustandes der Prinzessin. Die Untersuchung wird in Paris vorgenommen und das Tribunal deS Seinedepartements ist zur Durchführung der nötigen Schritte ermächtigt worden. König Leopold erhöhte die Jahresapanage der Prinzessin von 30 000 auf 5 0 000 FrcS. Die Kosten des Verfahrens bei der Untersuchung des Geisteszustandes der Prinzessin werden aus der Kuratelmasse bestritten.

* Zu der Ehetragödie in einer OsfizierS- familie in Bologna, über die wir Mitteilung gemacht haben, bringt das italienische Blatt «Tempo" die sensationelle

Mitteilung, der Mörder deS Offiziers bursch en sei ein hoher Offizier gewesen, der sich in Abwesenheit deS Hauptmanns mit dessen Gattin im Schlafzimmer befand. Der Bursche überraschte daS Liebespaar, worauf der Offizier, «m einen Skandal zu vermeiden, den Burschen niederschoß. Der Offizier wurde indessen noch nicht verhaftet.

* Kleine T a ge s' chron i k. In Münster i. W. warf sich int betrunkenen Zustande ein dem Trünke ergebener Arbeiter in feiner Wohnung auf ein Bett, in welchem das U/3 Jahre alte Kind schlief. Der Trunkenbold erdrückte das arme Ge­schöpf, sodaß der Tod alsbald ein trat. Der Mann wurde ver­haftet. In Mühlheim a. d. N., wurde ein junges Mäd­chen, welches in einem Handgemenge Frieden stiften wollte, von einem Bergmann in die Brust gestochen. Sein ihm zu Hilfe eilender, Bräutigam wurde von dem nämlichen Täter mit einer Flinte in den Kopf geschossen: beide liegen hoffnungslos im Krankenhaus. In Greesweiler vollbrachte der geistes­kranke T. L. eine grausige Tat. Als er die Wege im Friedhof reinigte, schaufelte er das Grab seines Bruders auf, grub den Sarg aus, eröffnete diesen itnb riß dem verwesenden Leichnam die untere Kinnlade aus. Diese brachte er dann seiner Mutter, indem er sagte, er bringe ihr damit ein Andenken an Seppel, jetzt brauche sie nicht mehr zu heulen. S. hat ein sehr bewegtes Leben hinter sich; er hat erst in der Fremdenlegion, und dann in dem deutschen Heere gedient: in letzterem wurde er wegen Mißhandlung eines Unteroffiziers und Desertion zu zwei Jahren Festung verurteilt. In Gent versetzte ein Tagelöhner einem Mädchen, das sich weigerte, die früheren Beziehungen zu ihm Bieter anfznnehmen, neun Dolchstich? mit solcher Heftigkeit, daß die Klinge zerbrach. Der Mörder wurde verhaftet. Er wäre beinahe von der Menge gelyncht worden. Das Opfer liegt im Sterben. Ebendort gab aus Eifersucht ein Gärtner, drei Re­volverschüsse auf seine Frau ab, welche am Kopfe, wenn auch nicht erheblich, verwundet wurde. Darauf jagte er sich eine Kugel in den Kopf: sein Zustand ist hoffnungslos. Kommer­zienrat Dr. Th. F l e i t m a n n , Vorsitzender des Aufsichtsrats der Vereinigten D-eutschen Nickeliverke Akt.-Ges. in Schwerte a. d. Ruhr, ist gestorben. In Lübeck ist der Kaufmann E. B a e ck, Teilhaber der Bürstenfabrik Liedtke u. Stoltelfoth, wegen des Verdachts umfangreicher Urkundenfälschungen ver­haftet worden. Die Firma versucht einen Mkord herbeizuführen, um den Konkurs zu vermeiden. In dem Geschäft des Hof- iuweliers Michelier zu Kopenhagen wurde vergangene Nacht ein Einbruch verübt. Tie Diebe sprengten ^wei starke Türen, von denen die innerste aus sehr dickem Eisen bestand. Nach bisheriger Feststellung wurden Goldsack>en im Werte von 200000 Kronen gestohlen. Die Diebe ließen ihre Werkzeuge im Geschäft zurück. Nach Ansicht der Polizei ist der Einbruch von gewandten ausländischen Einbrechern verübt worden. In der russischen Stadt Homel hat ein Monstre-Prozeß begonnen, der sich mit den Judenkrawallen beschäftigt. Er dürfte vier Wochen in Anspruch nehmen. 44 Russen und 36 Juden sind angellagt, 1101 Juden sind als Zeugen geladen.

Kcrichtssaak.

fth.) Gießen, 25. Okt. Heute verhandelte das Kriegs» g e r i ch t gegen die beiden O b e r l c n t n a n t s A. und v. d. H^, so­wie gegen den (befreiten der Reserve, früheren Einjährigen Sch., sämtlich vom 168. Jnf.-Regt. in Butzbach, ohne selbst vorher den Anklagebcschlnß zu verlesen, unter strengster Ausschließung der Oeffentlichkcit. Der Gerichtshof verurteilte v. d. H. auf Grund des 8 ll7 des Milit. Strf.-G.-B. zu zwei Tagen Stuben­arrest; A. lvegen Mißhandlung Untergebener zu 14 Tagen Stu­ben-Arrest und Sch. wegen Beleidigung zu 50 Mark Geldstrafe. Bei Begründung des Urteils wurde wegen Gefährdung des Dienstes ebenfalls die Oefsentlichkeit ausgeschlossen, lieber den Fall selbst hört man von den Zeugen, daß Oberleutnant A. in Butzbach den letzten Jahrgang der Einjahrig-Freiwilligen gleich nach ihrem Eintritt beim Regiment auszubilden hatte, und diese dabei sehr unglimpflich behandelt bat. Der Lehramts-Accessist Sch., welchem der Dienst besonders schwer siel, erhielt eines Tages vor den versammelten Kameraden von A. ein paar Ohrfeigen. Der Ge- ohrseigte erstattete Meldung und soll durch den Oberleutnant v. d. H. durch widerrechtliche Mittel veranlaßt worden sein, die Beschwerde zurückzunehmen. Sch hat hierbei Reden geführt, durch welche A. sich beleidigt fühlte. Der Sergeant S. von der Leibkompagnie des 115. Jnf.-Regts. hatte sich wegen^Be- amtenbeleidigung zu verantworten. Er war am 8. Sept., nachtem er dem Brigadesest der Unteroffiziere im Philosophen­wald? beigewohnt hatte, in die Henkelsche Wirtschaft am Walltor eingekehrt. Unterwegs hatte S. ein kleines Renkontre auf der Strafte mit einem Zivilisten gehabt, und dieser verlangte vom Sckmtzmann Lael'gnann die Feststellung des Namens bed Sergean­ten, ter ihm angeblich ins Gesickit geschlagen habe. S. weigerte sich dem Beamten seinen Namen zu nennen und erllärte, er fürchte sich vor zehn Schutzleuten nicht; ter Schutzmann Tenne seinen Dienst nicht. Das Gericht erblickte in dieser Aeußerung eine Beleidigung, berücksiclstigte aber bei Abmessung ter Strafe die bisherige gute Führung des Angeklagten, sowie den Umstand, daß er an dem Wend wohl mehr Bier getrunken hatte, als ihm gut war und erkannte auf eine Geldstrafe von 6 Mark. Ter Unteroffizier ter Landwehr 1. Aufgebots, ter ehemalrge Brief­träger F. von Mainz ist vom Zi^ilgericht wegen Amtsunter- schlagnng zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden, welche er zurztit in ter Zellenstrafanstalt Butzbach verbüßt. Tas Mrlttar- Gericht hatte darüber zu befinden, ob nach Lage des Falles die Degradation des Bestraften auszusprechen sei. F. erklärte, er bäte in der Not sich an fremdem Eigentum vergnffen, er habe als Briefträger mit 900 Mark Gehalt eine Familie von 6 Kindern ernähren sollen, er bat, ilm doch nicht zu degrateeren. Der Ge­richtshof war ieteeb der Ansicht, es gehe nrcht an einem Mann, ter w gen Eigenenmsvergchen mit 6 Monaten Gefananis besttaft sei, als Unteroffizier vor die Front zu stellen, und sprach gegen gegen F. die Mcrkennung der Tressen aus.

Marburg, 25. Okt. Folgender Fall beschäftigte heute die S t r a f f a nt m e r. In ter Nacht vorn 25. auf den 26. Juni kamen vier Studenten, der stud. pharm. Hugo Hacken­berg aus Barmen, ter stud. jur. Einil Fleischer ans Münden, der stud. Köbl aus Pfeddersheim und der stud. jur. Erich Müller aus Elberfeld vom Wehrdaer Weg her und verübten Nacht­skandal. Bei der Elifabethktrchc begegneten ihnen die Polizei­sergeanten Dietrich und Salziger. Tie Studenten, die miteinander rangen, suchten den Polizeisergeanten Dietrich in das Ringen mit* hineinzuziehen. Dieser fragte hierauf den Hackenberg nach seinem Namen, den dieser auch nannte. Da er indessen keine Karte und kein sonsfiges Erkennungszeichen bei sich hatte, womit er sich hätte ausweisen können, sagte Dietrich zu Salziger, er möge den Studenten behufs Feststellung seines Namens mit zur Wache nehmen. In ter Nähe des Hotels Ritter blieb aber Hackenberg stehen und da te ter Aufforderung Salzig er s zu folgen, nicht nachkam, faßte ihn dieser am Arm. Nun drängten sich die an­deren Studenten zwischen Hackenberg und den Beamten, um ihren Kameraden aus tesfan Händen zu befreien. Hackenberg aber gab Salziger einen Scblag mit einem Stock über den Kops und einen Fan st schlag ins Gesicht. Die vier Studenten waren hierauf unter Anklage gestellt Worten, Hackenterg, weil er einem Be­amten in der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes mit Gewalt Widerstand geleistet, ihm einen Stockhieb über den Kopf und einen Faustschlag ins Gesicht gegeben hatte, die andern drei, weil sie einen Gefangenen aus ter Gewalt eines Beamten zu befreien gesucht resp. ersterem bei seiner Selbstbefteiung Hilfe geleistet hatten. Das Schöffengericht, vor tem ter Fall zuerst verhandelt wurde, hatte wie folgt erkannt: Hackenterg wurde nur wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 60 Mark verurteilt, die andern wurden fteigesprochen. Das Gericht war hierbei zu folgender Begründung gekommen: wenn die Beamten nicht in ter Lage gewesen seien, durch Fragen den Namen des' Hacken­berg festzustellen und dieser kein Cricn nun gleich en gehabt habe, so hätten sie den Namen wohl durch Briefe oder auf andere Weise feststellen können. Eine Mitnahme tes Verhafteten wäre erst te-nn nötia aewesen, wenn er sich aeweigert hätte, Briefe oder