Ausgabe 
26.5.1904 Zweites Blatt
 
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Etwaige Anträge müssen in bestimmt formulierter Weise bis spätestens 30. Mai schriftlich eingereicht sein.

tz Lich, 25. Mai. Im Kloster Arnsburg fand, wie alljährlich am dritten Pfingsttage, gestern das Jahresfest des Arnsburger Rettungshauses statt. Die Feier wurde im Buchenwalde an der Wetter abgehalten und war von zirka 3000 Menschen besucht. Die hohe Zahl der Festgäste läßt sich nur durch die neue Bahnverbindung der Strecke Lich Butzbach erklären. Festprediger waren Hofprediger a. D. D. Stöcker-Berlin und Professor Dr. Wurster-Friedberg.

d» Friedberg, 25. Mai. Die Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbauvereins findet am 29. Mai im HotelZu den drei Schwertern" statt. Ihr geht eine Versammlung der Vereinsbaumwärter desselben Vereins voraus.

)( Münster, 24. Mai. Dieser Tage verunglückte bet 6em Hessenbrückerhammer das Gefährt des Lehrers G. von Röthens, indem das Pferd scheute, der Wagen um fiel und sämtliche Insassen herausgeschleudert wurden. Eine Person erlitt solche Verletzungen, daß sie sich in ärztliche Behandlung begeben mußte.

ZBurkhards,25. Mai. Der hiesige, im hohen Alter stehende Kirchendiener Heinrich Heinz VT. kam am 1. Pfingstfeiertage bei seiner beruflichen Tätigkeit in der hiesigen Pfarrkirche zu Fall und brach den Oberschen­kel des einen Beines. Da das andere Bein infolge Krank­heit schon sehr gelitten hat, wird der alte, pflichttreue Beamte, der nahezu 30 Jahre seines Amtes waltet und vor 5 Jahren sein 25jähriges Dienstjubiläum feierte, all­gemein bedauert.

Mainz, 25. Mai. ImRh. Cour." erhebt jemand feine Stimme gegen die vielen Aktuarstitel der hessischen Gerichtsschreiber und erzählt dabei folgendes: Man hat hier letzthin in einer nichtöffentlichen Stadtverordnetensitzung viel gelacht. Da lag ein ganzer Stoß von Gesuchen vor nicht etwa um Erhöhung der Gehälter, sondern um Ver--- leihung von Titeln. Der Polizeirat, der erst zwei Jahre in Mainz seine Tätigkeit entfaltet, wollte nun auf einmal Polizeidirektor" angeredet werden. Die Polizeischreiber verlangten gleich einen ganzen Mund voll: den Titel Polizeibureauamts-Assistent", zwei Bauinspektoren hätten sich gar zu gernBaurat" nennen hören und was dergleichenEitelkeitchen" noch mehr sind. Die Stadt­verordnetenversammlung, die bei der schlechten Finanzlage keine Zulagen an ihre Beamten gewähren konnte, hätte sich also auf dem Titelwege leicht aus der Patsche helfen können, sie tat e§ aber nicht und warf die Gesuche in den Papier­korb, nachdem sie eine Zeitlang an ihnen sich vergnügt hatte.

-0- Aus dem Biebertal, 24. Mai. In altgewohn­ter Weise werden hier in sämtlichen ehemals hessischen Dörfern noch immer am zweiten Pfingsttage die Kinder konfirmiert. Mit Ostern aus der Schule entlassen, müssen sie bis zum Pfingstfest fast alltäglich den Konfir­mandenunterricht besuchen. Allgemein besteht aber auch hier der Wunsch, die Kinder an einem früheren Termin konfirmiert zu sehen, da ja bekanntlich schon zu Beginn des Frühjahrs, also mit Ostern, überall die Lehr-, Tienst- und Arbeitsstellen offen stehen. -Offenbar hält man in diesem Punkte zu sehr amAlthergebrachten" fest.

[ ] Marburg, 20. Mai. Im diesmaligen Sommer- Semester beläuft sich jetzt, nachdem noch eine ganze Anzahl Nachzügler eingetroffen sind, die Gesamtzahl der Studenten einschließlich von 72 Hörern und 8 Hörerinnen auf 15 01, eine bis jetzt noch nicht erreichte Ziffer.

Biedenkopf, 24. Mai. Ein etwa zehnjähriger Knabe stand im Dorfe B. des Kreises Biedenkopf barhäuptig nahe beim Bienenstände, als eben ein Schwarm auszog. Nach einigem Hin- und Herfliegen nahm die Königin ihren Sitz aus dem Kopfe des Knaben, und rasch flogen tau­sende von Bienen hin. Der Vater, der die Sachlage sofort erkannte, rief dem Jungen, der schon öfter beim Schwarmfassen zugesehen hatte, in aller Eile M:Rühr Dich nett, Schorsch! Mach' Maul on Aage zu, ich will den Schworm gleich nässe und einfasse." Ter Knabe gehorchte; der Vater goß Wasser übtzr den von Bienen eingehüllten Kopf des Knaben, bog letzteren etwas nach vorn und strich mit einem Federwisch die ganze Gesellschaft in einen unter­gehaltenen Strohkorb. Der Knabe hatte keinen einzigen Stich erhalten.

Kassel, 24. Mai. Von der Hauptversammlung der Gesellschaft für Volksbäder seien folgende Aus­führungen von Professor Dr. Sommer-Gießen über Verbindung von Volksbädern mit öffentlichen Ruhe­hallen mitgeteilt: Die Volksbäder bilden einerseits einen Teil der körperlichen Gesundheitspflege, anderseits ein wich­tiges Mittel der psychischen Hhffiene. Es handelt sich nicht nur um Hautpflege, sondern besonders beim Schwimmen und den körperlichen Uebungen in und auf dem Wasser um Ausbildung der Willenskraft und geistigen Beherrschung des Körpers. Es empfiehlt sich, die auf Volks-Hygiene ge­richteten Absichten miteinander in Beziehung zu setzen. Seit mehreren Jahren ist Sommer für die Einrichtung von öffentlichen Schlaf- und Ruhehallen eingetreten, die ein wichtiges Mittel zur Prophylaxe der nervösen Störungen werden könnten. Der Zweck besteht darin, als Gegengewicht gegen die Hast des modernen Verkehrslebens Gelegenheit zum Ausruhen auch am Tage für einige Zeit als Bestandteil der öffentlichen Hygiene zu schaffen. Will die psychische Hygiene vorwärts kommen, so muß sie sich an die ältere Schwester, die körperliche Hygiene, eng anschließen. Sommer schlägt daher vor, die Idee der öffentlichen Schlaf- und Ruhehallen probeweise in großen Städten mit den Volksbadeeinrichtungen zu verbinden, was konstruktiv und betriebstechnisch leicht geschehen kann. Faßt man bei den Valksbädern speziell den Schwimmhallen als hygienisches Moment die aktive Bewegung ins Auge, so bildet die Organi­sation des Ausruhens . trotz des scheinbaren Gegensatzes eine physiologische Ergänzung dazu. Die Verbindung von Volksbädern mit öffentlichen Ruhehallen erscheint dadurch inhaltlich gerechtfertigt. Beide Einrichtungen sind Mittel nicht nur der körperlichen, sondern besonders auch der psychischen Hygiene, deren Ausgestaltung sozial dringend notwendig erscheint.

Sh. Frankfurt, 25. Mai. Die Delegierten-Versammlung des Gesamtverbandes der Evangelischen Arbeiter­vereine Deutschlands hielt heute und gestern hier ihre Jahresversammlung ab. Zuerst wurde der Geschäfts­bericht für die Jahre 1902/03 erstattet. Im Laufe des Jahres wurden eine Reihe von Eingaben gemacht: die an den Reichstag, betreffendden Gesetzentwurf für die Arbciter- kammern", ferner eine Petition an den Reichstag zurEr­richtung von Arbeitsnachweisen" und schließlich eine Eingabe wegen derobligatorischen Einführung der Verhältniswahlen".

Weitere Petitionen bezogen sich auf denSchutz der Bau­arbeiter", denSchutz der Verbefferungen für Bauhandwerker", sowie für dieEinführung des BefähigungSnachweffeS im Baugewerbe". In besonderen Abteilungen sind der Zentral­stelle derdeutsche Verein für ländliche Wohlfahrt und Heimatspflege", ferner Abteilungen derArmenpflege und Wohltätigkeit" angeschloffen worden. Der westfälische Ver­band hat eine Eingabe an den Reichstag gerichtet gegendie Stillegung der Zechen im Ruhrgebiet". Mit dem Reichs- verband gegen die Sozialdemokratie soll versucht werden, gemeinschaftliche praktische Arbeit zu leisten und die Arbeitervereine sollen Anschluß suchen; die Angelegenheit wird zunächst den Ausschuß beschäftigen. Degem ann-Frankfurt meint, denKuddelmuddel" mit dem Reichsverband gegen die Sozialdemokratie, an dessen Spitze Junker ständen, könne er nicht mitmachen. Kott weist die Angriffe gegen die Junker zurück; sie hätten für den preußi­schen Staat Hervorragendes geleistet, man denke nur an Bismarck. Nach dem Anträge des Ausschusses beschloß die Versammlung den ^Beitritt zu der sozialen Geschäftsstelle für das evangelische Deutschland". Ferner beschloß die Ver­sammlung, die Angehörigen der evangelischen Arbeitervereine aufzufordern, der christlichen Gewerkschaft beizutreten. So­dann sprach Werkmeister B ä r r n - Frankfurt überkom­munale Sozialpolitik". In einer Reihe von Thesen trat der Redner für beffere Gestaltung von ArbeitS- und Lohnverhältniffen der städtischen Arbeiter ein. Er fordert ferner Arbeiterausschüsse und freies Koalitionsrecht unter An­führung mancher Mißstände; ferner Anerkennung von Tarif­vereinbarungen , Errichtung von städtischen Fach-Arbeits­nachweisen, sowie Gewerbegerichte auch für kleinere Gemeinden. Des weiteren wünscht der Redner bezüglich der Wohnungs­frage : Erweiterung des kommunalen Grundbesitzes, Erbauung von Arbeiterwohnungen, Anwendung des Erbbaurechts, Wohnungsinspektionen, Schiedsgericht und Unterstützung von Wohnungsgesellschaftcn und -Genoffenschaften. Beim Sub­missionswesen fordert der Redner Berücksichtigung der ortsangeseffenen Gewerbetreibenden, Förderung der Volks­bildung, Fortbildungsschulen mit Fachunterricht und kon­fessionellem Unterricht, Schulhygiene, soziale Ausschüsse bei den Gemeindeverwaltungen, allgemeines geheimes und direktes Wahlrecht für alle Personen, die mindestens zwei Jahre an­sässig sind, Wegfall aller Sonderrechte unter eventueller Ein­führung des proportionalen Wahlsystems. Zum Schluß wandte sich der Redner gegen das Dreiklassenwahlrechts und fordert die Herabsetzung des Wahlmodus in Frankfurt. Vorrol-Meiderich wünscht eine Reform des Schlaf­gänger- und Kostgängerwesens, das am Marke des Volkes zehre und die Sozialdemokratie fördere. Verschiedene Redner wandten sich gegen die Zola-Romane in öffent­lichen Lesehallen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Es dürste selten dagewesen sein, daß ein Selbstmörder selbst den Tagesblättern seine Tat be­richtete. Tatsächlich ist dies im Odenwald vorgekommen. Der 42jährige ledige Schreiner A. Rothermel hat sich am Mittwoch morgen in seiner Werkstätte erschoffen, während schon am Dienstag die Notiz in den dortigen Blättern zu lesen war, daß sich R. aus Schwermut wegen eines un­heilbaren Leidens erschossen habe. Es ist nun festgestellt worden, daß R. diese Notiz selbst schrieb und am Montag an die Blätter sandte. Die Dienstags-Blätter kommen aber dort oben erst Mittwochs in der Frühe an. R. zeigte nun am Mittwoch große Unruhe. Fortwährend sah er nach dem zu erwartenden Blätterträger. Als endlich Rothermels Blatt ankam, durchstöberte er es hastig und begab sich in die Werk­stätte, wo sofort der tötliche Schuß fiel.

vermischtes.

Berlin, 25. Mai. Nach einem Mordversuch an seiner Geliebten hat heute der 23 Jahre alte Friseur­gehilfe Mendo Selbstmord begangen. Er schoß nach einer durchschwärmten Nacht mehrmals auf seine Geliebte, eine 18 jährige Chansonnette, und verletzte diese unerheblich. Der Grund der Tat war verschmähte Liebe.Der finanzielle Zusammenbruch des Notars und Rechtsanwalts Georg Merlecker ist durch die Affäre des verschwundenen Lebemannes Alfred Nöhll herbeigeführt worden. Die Ver­pflichtungen, die der Anwalt für Röhll übernommen hat, betragen 430 000 Mk. Da er sich außer stände sah, Zahlung zu leisten, so entfernte er sich ins Ausland, um dort den Ausgang des Konkurses, der über sein Vermögen verhängt werden wird, abzuwarten.

* Kiel, 25. Mai. Durch Zusammen st mit dem Brunsbütteler Schleusenwerck hcft die Kaiseryacht Hohen- zollern leichte Steuerb ordhavarie erlitten. Die Hohenzollern ist ins Dock gegangen; die Ausbefferungsarbeiten werden beschleunigt, dann beginnt die Ausrüstung für die Anbordnahme des Kaisers.

* Danzig, 25. Mai. Die beiden Töchter des kaiser­lichen Maschinfften Jetzlaff bei Breesen, einem Nachbarorte von Danzig, stürzten sich in die See; während die jüngere, 14 jährige, ertrank, wurde die ältere, die 20 Jahre zählte, gerettet. Die beiden Mädchen hatten sich durch einen Strick aneinandergebunden, lieber die Motive zur Tat konnten bisher keine bestimmten Feststellungen gemacht werden.

* Nancy, 24. Mai. In einer hier gastierenden Me­nagerie stürzte sich gestern ein Tiger auf einen Tier­bändiger und zerfleischte denselben. Sein Zustand ist hoff­nungslos.

* Lille, 25. Mai. In Escandin explodierte beim Krähenschießen eine Kiste mit Munition, wobei 15 Teil­nehmer mehr oder minder schwer verletzt wurden. Durch eine Feuersbrunst wurde eine Kartonagefabrik vollständig eingeäschert. Der Schaden beträgt 100000 Francs.

* Padua, 25. Mai. Bei dem vorgestrigen Zyklon in der Provinz Padua wurden 3 Personen getötet und 15 schwer verletzt.

* Wien, 25. Mai. Der vor acht Tagen hier eingetroffene 46 jährige Professor an der Universität Göttingen, Rudolf Meißner, ist seit gestern früh verschwunden. Meißner sollte gestern mit der Tochter des Göttinger Arztes Dr. Fischer in der hiesigen Wohnung der Großmutter der Braut seine Hochzeit feiern. Er entfernte sich wenige Stunden vor der Hochzeit und ist seither verschollen. Möglicher­weise liegt Selbstmord vor. Da er bei der Entfernung aus

der Wohnung Geld und Wertsachen zurückgelaffen hat und in den letzten Tagen auch trübsinnig schien, ist Selbstm ord wahrscheinlich.

Budapest, 25. Mai. In der Universitäts- quästur wurden größere Defraudationen konstatiert. Bisher fehlen mehrere tausend Kronen. Der Beamte Krics wurde in Hast genommen.

* Bukarest, 24. Mai. Heute früh 6 Uhr wurde hier ein ziemlich heftiges, mehrere Sekunden dauerndes Erdbeben verspürt.

* Newyork, 24. Mai. Der DampferCorwin", der zwischen Seatle und Nome (Alaska) verkehrt, ist anscheinend verloren, da Trümmer von ihm bei Vancouver angetrieben sind. Das Schiff hatte insgesamt 130 Personen an Bord, war aber anscheinend nicht seetüchtig.

* Naturmenschliches, Allzu naturmenschliches. Warum sich Meta Nagel von ihremgustaf", dem Natur­menschen Gustav Nagel, getrennt hat, darüber machte sie der Redaktion desAltmärker" einige Mitteilungen. In erster Reihe habe sie es nicht vergessen können, daß Nagel ihr neugeborenes Kind mit kaltem Wasser abhärten wollte, und sie fürchte, wenn sie zu ihm zurückkehre, daß er es mit einem zweiten Kinde ebenso machen würde. Sie be­klagte sich auch bitter übergustafs spielereien". Er habe sich ein Billard angeschafft, eine Patentkaffe, ein Klavier ge­kauft und in ähnlicher Weise das von beiden verdiente Geld im Monat fünfzehnhundert Mark und mehr vergeudet. Frau Meta hielt ihren Mann für nicht ganz zurechnungs­fähig und befürchtete, daß er auf dem Wege zum Wahnsinn sei. Auch das Naturmenschenleben gefiel ihr nicht länger; auch das häusliche Leben ließ in letzter Zeit viel zu wünschen übrig. Die Naturmensch-Gattin behauptete, daß ihrgustav" sie eingeschlossen, sie ihn aber mit der Ofenschaufel ge- schlagen habe.

* Zu der Weinheimer Vergiftungsaffäre er­fährt man: Der Verstorbene ist der stud. Sonntag, 1. Chargierter des KorpSRhenania", Braunschweig. Das Mädchen folgte mit verschiedenen anderen Kindern dem Zuge der Studenten nach der Fuchsschen Mühle. Dort soll sich dann der Student mit dem Mädchen zu schaffen gemacht haben. Am Mittwoch voriger Woche erfolgte die angebliche Verfehlung und am Freitag begab sich die Staatsanwaltschaft zur Feststellung des Tatbestandes nach Weinheim. Tatsächlich scheint die Staatsanwaltschaft den Angaben des Mädchens keinen vollen Glauben beigemessen zu haben, denn e§ wurden die notwendigen Schritte zur Freilassung des Inhaftierten eingeleitet. Es war aber zu spät in der Nacht am Frei­tag auf Samstag vergiftete sich der Verhaftete mit Cyankali, das er stets bei sich führte, eine Gepflogenheit, die das Vorkommnis in einem noch seltsameren Lichte er­scheinen läßt. Vor Begehung des Selbstmordes schrieb der Student noch Abschiedsbriefe an seine Eltern und Geschwister und seine Braut. Die eingeleitete eingehende Untersuchung dürfte über den mysteriösen Fall noch volle Klarheit bringen.

* Prinzessin Chim ay macht wieder von sich reden. Wie man schreibt, ist der Zigeuner Riga jetzt wieder zu seinem alten Berufe zurückgekehrt und spiell allabendlich in einem Caf6 in Paris, spielt seine wehmütigen ungarischen Lieder, die ihm einst eine Prinzessin erobert haben. Wie er glaubte, auf ewig, denn, die Prinzessin hatte ihm ewige Treue geschworen, und daß ie nicht auf übliche Weise Mann und Frau geworden sind, ge- chah nur deshalb, weil die Ehefrau Rigas, die jetzt noch in Ingarn wohnt, in die Scheidung nicht willigte. Aber deshalb lebten sie gut, glücklich, immer wie ein Liebespaar, bis ... ein neapolitanischer Athlet kam, schön, stark, alle Frauen- berzen auf einmal erobernd. Ja, er war stärkker m der Liebe als Rigo, und die schöne Prinzessin fand ihn als Liebhaber so aus­gezeichnet, daß Riga bald den Laufpaß erhielt, und seine Prin­zessin nun wieder dieFrau" des Athleten wurde. Dies geschah vor etlichen Wochen in Neapel, und Rigo, der Tiefbetrübte, hat sofort Italien verlassen, im Herzen voll von Haß gegen das schöne Land, wo die Zitronen blühen. Er ging wieder nach Paris, wo nach seiner Ansicht ein Zigeuner wie er noch 'immer sein Glück machen kann. Vielleicht findet sich wieder eine Prin­zessin, die ihr Leid mit ihm vergessen will.

* Das Opfer eines amerikanischen Duells. Vor einigen Tagen verschwand in Budapest der 23jährige, nach Kecs- kemet zuständige Privatbeamte Andreas Szillai aus Nagy-Maros. In einem zurückgelassenen Briefe erklärt der junge Mann, daß er ein amerikanisches Duell eingegangen ist und die schwarze Kugel gezogen hat, infolgedessen er sich das Leben nehmen müsse. Jetzt wurde eine Leiche aus der Donau gezogen, in welcher der verschwundene Andreas Szillai agnosziert wurde.

* Der Schauspieler als Duellant. Dieser Taye fand bei Paris ein Duell zwischen dem Schauspieler Severm Mars und dem Leutnant Mangin statt. Den Anlaß dazu gab ein Wortwechsel im Nouveautös-Theater. Der Offizier ließ sich zu dem AusspruchGeMlemen disputieren überhaupt nicht mit Komödianten" hinreißen. Der Schauspieler, ein geübter Fechter, entgegnete sofort:Dann werden Sie mit einem fechten." Da der Offizier keine andere Genugtuung bieten wollte, fand das Duell statt. Es dauerte jckwch nicht lange, da Mangin gleich zu Anfang eine tiefe Wunde in den Unterarm erhielt, die ihn kampfunfähig machte.Sie werden nun wohl zugeben, daß Schauspieler ebenso gut fechten, wie Offiziere", sagte Mars nach dem Kampfe.Gewiß, ich gebe zu, daß ich int Irrtum war!" erwiderte Mangin und beide Gegner schieden versöhnt mit einem Händedruck.

* Eine heitere Komödie der Irrungen soll sich ganz kürzlich in einem Kirchspiel Londons zugetragen haben. Der Pfarrer saß eines Morgens und brütete über der Predigt für den kommenden Sonntag, als in großer Aufregung der Küster in sein Studierzimmer stürzte und rief:Herr Pfarrer! Herr 3E. (der junge Kaplan) läßt Sie inständigst bitten, gleich in die Kirche zu kommen. Er hat zwei Paare getraut, die unrichtigen Leute zusammengegeben und weiß nun schlechterdings nicht, was er tun soll."Haben Sie schon das Pfarrregister unterzeichnet?" fragte der Pfarrer, auch bestürzt, aber schon ganz bei der Sache.Nein, noch nicht", erwiderte der Küster.Dann", sagte der Pfarrer,kann die Sache iwch ins reine gebracht und die Leute können aufs nette getraut werden. Sagen Sie Herrn $., ich würde in einigen Minuten in der Kirche fein, um sell>st die Trauung vorzunehmen." Gesagt, getan. Ter Küster eilte in die Kirche zurück, der Pfarrer machte sich bereit, und bald erschien auch er an der Kirchtür, wo er die beiden Paare und noch ein paar andere Leute wartend vorsand. Ehe er aber noch ein Wort sagen konnte, trat einer der beiden Bräutigame, ein Polizeibeamter, zu ihm heran und sprach:Wir haben die Sache miteinander besprochen, Herr Pfarrer, und sind zu dem Entschlüsse gekommen, die Sache so bleiben zu lassen, wie sie nun einmal i ft", und es blieb dabei. Die beiden Paare zogen ruhig und kühl ab in den Ehestand hinein, un­bekümmert darüber, daß jeder mit einem andern verheiratet war, als er es noch eine Stunde vorher erwartet hatte. Ta zweifle noch jemand daran, daß Ehen im Himmel geschlossen werden.

Allgemeiner deutscher <Leyrertag.

(Nachdruck verboten.)

S. u. H. Königsberg, 24. Mai.

Unter ungeheurem Zudrange der zur Allgemeinen deutschen Lehrerversammlung hier eingetroffenen Delegierten trat heute die

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