erste Hauptversammlung Des Allgemeinen deutschen Lehrertages zusammen. Die Zahl der Teilnehmer betrug über 6000. Als Vertreter des engeren Ausschusses des Allgemeinen deutschen Lehrervereins eröffnete die Sitzung dessen zweiter Vorsitzender, Lehrer D n e t t n e r - Friedrichroda: Wir stehen hier, so führte er aus, auf einem Boden, auf dem Kant, ein Muter und Herder geweilt haben. „Das Licht kommt vom Osten", sagt ein bekanntes Sprichwort, möge sich dies auch an der Versammlung bewahrheiten und mochten unsere Beratungen alle Lehrer des deutschen Reiches anfeuern, mit neuen Kräften weiter zu arbeiten an dem Kleinod, das uns gegeben ist in unserer Jugend und damit an der Zukunft unseres ganzen Volkes."
Als Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Lehrervereins wurden Lehrer Klausnitzer -Berlin zum ersten, der Obmann der Hessischen Lehrerschaft, Oberlehrer Backes- Darmstadt zum zweiten und Oberlehrer R u d l o f f - Königsberg zum dritten Vorsitzenden gewählt. Lehrer Klaus- nitzer übernahm den Vorsitz und teilte mit, das; bei der Ver- sammlurrg mit Ausnahme Elsast-Lothringens alle deutschen Bundesstaaten vertreten seien.
Geh. Oberregierungsrat Dr. Schnaubert als Vertreter der kgl. Regierung in Königsberg führte aus: „Der große Königsberger Schulmann Dinter habe einmal gesagt, der Lehrerstand sei mit einer Karre vergleichbar, deren vier Räder: Lösung, Besoldung, Wahrheit und Freiheit seien. Wenn auch nur ein Rad dieser Karre versagt, so gehe sie nicht (Lebhafter Beifall-. Sie ser aber gegangen (Beifall), wobei er es dahingestellt lassen wolle, ob das eine oder andere Rad etwas besser hätte geschmiert werden können. (Große Heiterkeit und lebhafter Beifall.) Und daß die Karre gehe, müsse die allererste Sorge aller Beteiligten lein, weil sie dem Wohle dec deutschen Jugend diene. Der Redner Ichlceßt: Erziehen Sie die Jugend zu treuen Dienern Ihres himmlischen und irdischen Königs." (Großer Beifall.)
Der Königsberger Universitätsprofessor Geh. Bergrat Prof. Dr. Arndt, begrüßte die Lehrer als die Herren Kollegen, deren Arbeit in ihren Idealen allezeit der der Universitätslehrer durchaus gleichwertig sei. (Lebhafter Beifall.) Nachdem Oberlehrer R u d l o f f - Königsberg mitgeteilt hatte, daß ein ungenannter Königsberger Freund der deutschen Lehrerschaft dem ostpreußischen Pestalozziverein für dessen Witweu- und Waisenkasse 1000 Mark aus Anlaß dec Lehrerversammlung überwiesen habe, sandte die Versammlung ein Huldigungs- telegramm an den Kaiser ab. Danach begrüßte Lehrer- Gutmann- München namens des Bezirkslehrervereins München die Lehrerversammlung. Redner dankt für die Wahl Münchens zum nächstenTagungsortdes Allgemeinen deutschen Letwer- tages.
Hierauf nahm die Versammlung die Vorträge entgegen. An erster Stelle sprach Universitätsprofessoc Dr. Busse-Königsberg über Kant, indem er die Bedeutung Kants süc die Pädagogik bervorhob und die Lehrerschaft zum Festhalten an den Kantschen Lehren ermahnte.
Es folgt bann der zweite und Hauptvortcag des Tages über die allgemeine Volksschule. Referent Lehrer Gutmann-München. Derselbe unterbreitet der Versammlung folgende Leitsätze: „1. Das vornehmste Ziel für eine gedeihliche Weiterentwicklung unseres Volkes ist darin zu erblictcn, daß es der auf blutiger Wahlstatt errungenen äußeren Einheit die innere zugesellt. Eines der Mittel, die zu diesem Ziele führen, ist die allgemeine Volksschule, in welcher die Kinder des gesamten Volkes mindestens vier Jahre lang gemeinsam unterrichtet werden." „2. Tragen Organisation, Lehrplan und Unterrichtsverfahren der allgemeinen Volksschule den Anforderungen der Pädagogik Rechnung, so bietet sie nicht nur die zweckmäßigste Vorbereitung für die Oberstufe der Volksschule, sondern auch für alle übrigen weiterführenden Bildungsanstalten." ,,3.Me Erziehung der Kinder aller Stände leidet in der allgemeinen Volksschule durchaus nicht Not: sic erfährt im Gegenteil mannigfache Förderung, die Schulen nicht zu bieten vermögen, die nur von Kindern bestimmter Bevölkerungsgruppen besucht werden." „4. Die deutsche Lehrerschaft darf in ihrem Kampfe gegen die der allgemeinen Volksschule entgegenstehendn Vorurteile umso weniger erlahmen, als sich dieselbe überall da, wo sie seit längerer Zeit besteht, trefflich bewährt hat."
Der Redner führt aus: Wer behauptet, daß die wohlhabenden Kinder an den ärmlichen Kleidern der armen Schüler und ihren Umgangsformen Anstoß nehmen würden, verkennt die Kindesgemüter., Er wolle die Standesunterschiede nicht leugnen, doch feien diese nicht zu verwechseln mit ihren Auswüchsen, dem Standesdünkel und dem Klassenhaß, die entschieden bekämpft werden müßten. Die allgemeine Volksschule habe aber nicht nur an den Kindern, sondern auch an den Eltern eine soziale Aufgabe zu erfüllen. Man schaffe durch die allgemeine Volksschule das soziale Verantwortlichkeitsgefühl der in die höheren Stände übergehenden Schüler und bringe diesen einen größeren Respekt von den Handarbeitern bei. Die Behauptung, daß die Vorschule die Kinder für die höheren Schulen besser vorbereiten könnte, als die allgemeine • Volksschule, sei hinfällig, denn in Wirklichkeit gehe die Vorschule oft sehr einseitig vor und stelle sich in ihren Anforderungen ost in schroffen Widerspruch zu der Kindesnatur. Ein in der Volksschule nach pst)chologiscy-methodisck)en Grundsätzen 4 Jahre vorgebildetes Kind sei unbcöingt nach dieser Zeit reifer für den Unterricht in dieser Schule, als das in der Vorschule vorgebildete, während auf der anderen Seite nach dieser Zeit die Eltern eines schwach befähigten Kindes es leichter hätten, dieses erst gar nicht nach dem Gymnasium zu bringen, als wenn es durch die Vorschule in bad Gymnasium geschleppt und bort noch eine Weile mitgenommen werde, bis es schließlich doch nicht weiter gehe. Der Umgangston in unseren SchulUassen muß auf das Niveau des gut bürgerlichen geyoven werden, das; sie für Erziehung und Unterricht die günstigsten Bedingungen bieten.
In der Debatte nahm zuerst Lehrer Ries-Frankfurt a. M. das Wort, um seine Gegnerschaft eingehend ,u begründen. Es gibt, so führte er aus, .in der ganzen Weit keine Schule, die ein wirkliches sachliches Interesse Daran hätte, ihre unteren und Mittelstufen mit Schülern zu füllen, von denen sie im voraus weiß, daß sie dec Bildungsstufe in den ersten Klassen doch nicht zustrebe. Diese Schule arbeite vielmehr am sichersten und erfolgreichsten, wenn sie bis zum letzten Schuljahr einen möglichst konstanten Schulbesuch behält. Es gibt ferner keine Schule, die ohne sich zu schaden, erklären dars. Diejenigen Schüler, die sich durch große Intelligenz auszeichnen, müssen in andere höhere Schulen yineingegeben werden, denn jede Schule muß von sich das Vertrauen haben, daß sie selbst das Tüchtigste leistet. Es ist schließlich eine große Täuschung, daß die regierenden, die nachgebenden Kreise in Staat und Gemeinde ein größeres Interesse für die Volksschule betätigen würden, wenn ihre Kinder diese einige Jahre besuchen müssen. (Oho-Rufe.> Denen ist es einerlei, was aus der Bildung der anderen Kinder wird, wenn die ihrigen ihre Zeit in der Volksschule absolviert haben. .Wir haben große Städte und Länder, die die ungebrochene allgemeine Volksschule haben und ttotzdem bestehen dort die traurigften Zustände in dieser Beziehung. (Rufe: wo?) Ich empfehle Ihnen eine Studienreise nach Oesterreich (Heiterkeit). Das sicherste Argument aber, das gegen dieses Ideal spricht, ist das, daß die Trennung der Schüler zu einem Zeitpuntt erfolgen soll, zu dem die Kinder der Armen besonders schwer diese Trennung empfinden müssen, nämlich erst nach Ablauf der ersten vier Schuljahre. Ter Redner beruft sich in dieser Beziehung auf einen Aussatz des Lehrers Weber-München, der dieses Argument ttotz seiner sonstigen Anhängerschaft an ein allgemeines Volksschulsystem darin als ein schweres Bedenken aufführe und schließt: „In einer Frage kämpft der Lehrerstand in völliger geistiger Vereinsamung. Er hat in 30 Jahren nichts damit erreicht (Oho!), demgegenüber trat ich für auf eigenen Füßen stehende, in gerader, ungebrodjener Lime sich entwickelnde Volksschule mit neuen Kräften und dem wissenschaftlich gebildeten Lehrer ein. Kreuzigen Sie mich, wenn Sie nicht anders können." (Heiterkeit, Zischen, sdstvacher Beifall.) _
Oehnsche - Hamburg empfiehlt anstelle der Gutmann-These folgende Resolution anzunehmen: ,L)as gesamte öfsentliche Schul- wesen ist als allgemeine Volksschule so zu gestatten, baß jedem Kinde, unabhängig von den Bermögensverhältnissen seiner Eltern gewährt werde, sich die Bildung anzueignen, die seinen Fähigkeiten und Neigungen entspricht." (Beifall.)
Professor Dr. Lenz-Danzig erklärte als Gymnasiallehrer unter lebhaftem Beifall feine volle Zustimmung zu den Ausführungen des Referenten und bat um Unterstützung des deutschen Vereins für Schulreform, der die durchaus maßvollen Forderungen des Referenten feit Jahren zu verwirklichen beftrebt sei.
Dr. Hubert-Leipzig bat, den ersten Teil der Thesen wie folgt abzuändern: 1. Das Gefühl nationaler Zusammengehörigkeit, gegründet auf das Bewußtsein gleicher Rechte und gemeinsamer Pflichten aller Glieder des Volkes muß in sämtlichen Ge- sÄlschaftsschichten soviel als möglich gestärkt werden: als ein in dieser Richtung bedeutsam wirkendes Mittel beweist sich die allgemeine Volksschule." „2. Ein nach psychologisch-pädagogischen Anforderungen organisierter vierjähriger unentgeltlicher Elementarkursus muß als gemeinsamer Untergrund für alle weiterführenden Bildungsanstatten anerkannt werden."
Puenger -Altona beantragte ebenfalls eine Abänderung der These, die sich im großen und ganzen mit der von Hamburg eingebrachten deckt.
Großh. Kreisschulinspektor Scherer-Büdingen betont, daß Lehrer Ries als einziger Gegner der allgemeinen Volksschule den Kernpunkt seiner gegenteiligen Ansicht, die ^Notwendigkeit der Vorschule, nicht begründet habe.
Lehrer B e n d i x - Frankfurt a. M. teilt mit, daß die Majorität der Frankfurter Lehrerschaft nicht hinter Ries stehe. (Lebhafter Beifall.)
Oberlehrer L e g l e r-Reichenberg in Böhmen wendete sich dagegen, daß Ries Oesterreich als abschreckendes Beispiel angeführt habe, und behauptet demgegenüber, daß die allgemeine Volksschule in Oesterreich unendlichen Segen gestiftet habe. Vor allem habe sie das Gefühl der Zusammengehörigkeit gestärkt und den Gemeinsinn gehoben. (Beifall.)
Weber- München protestierte dagegen, daß sein von -Ries zitierter Artikel eine Gegnerschaft für die allgemeine Volksschule darstelle.
Polz-Weimac brachte dann noch eine Resolution ein, in der verlangt wird, daß den Vorschulen die zu große Unterstützung seitens der Behörden entzogen wird.
Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten Gutmann- München, in welchem dieser anstelle seiner ersten beiden Thesen Die von Schubert-Leipzig eingebrachte Abänderungs-These in Vorschlag brachte, wurde diese in Der Abstimmung einstimmig zusammen mit seinen Thesen 3 und 4 angenommen, ebenso die Resolution Polz. Alle übrigen Anträge wurden abgelehnt. Damit schloß die erste Hauptversammlung.
*
Königsberg i. Pr., 25. Mai.
Die Versammlung nahm heute nach einem Vortrage des Oberlehrers K. M u t h e f i u S - Weimar über „Universität und Volksschullehrerbildung" nachstehende von Langer- inann-Barmen ausgestellte T h e ) e n an: 1. Die Universität als Zentralstätte wissenschaftlicher Arbeit ist die geeignet st e, durch feine andere Einrichtung zu ersetzende StättefürVolks- schullehrerbildung. 2. Für die Zukunft erstreben wir daher Hochschulbildung für alle Lehrer. 3. Für die Jetztzeit dagegen fordern wir, daß jedem Volksschullehrer auf Grund des Abgangszeugnisses vom Seminar die B e r e ch t i g u n g zum Universitätsstudium erteilt werde.
In der Diskussion forderte Kreisschulinspektor Scherer- Büdingen kleine Schrttte, um das große Ziel zu erreichen, da sich dies auch bei anderen Forderungen der deutschen Lehrerschaft bewährt habe. Er hält es für unfruchtbar, wenn die Lehrer unter den heutigen Bedingungen die Universität besuchen, da sich daraus doch nichts Ersprießliches für die Volksschule ergeben würde.
In Der Nachmittagssitzung sprach Rektor Juds-Kolberg über Schulaufsichtsfrage. Es wurden folgende von ihm aufgeftellten Thesen angenommen: 1. Im Interesse der Schule ist eine fachmännische Schulaufsicht einzuführen. 2. Die Volksschulen sind unmittelbar den Kreisschulinspektoren zu unterstellen: die Lokalschulaufsicht ist zu beseitigen. 3. Die Kreis- schulinspektion im Nebenamte ist aufzuheben. Zu ständigen Kreisschulinspektoren sind Schulmänner, die sich im V o l k s s ch u l d i e n st bewährt haben, zu berufen. Der Redner berief fich auf zahlreiche Stimmen von Theologen, die nach ihrer Erklärung den Tag segnen würden, an dem die geistliche Schulaufticht falle, und die Zahl der Geistlichen nehme noch immer zu. Einer von ihnen habe die geistliche Schulaufsicht sogar als das Werk des Teufels.bezeichnet. (Heiterkeit.)
In Der Debatte erhielt auch dec General-Superintendent der Provinz Ostpreußen Dr. Braun das Wort: Er fiihrte u. a. aus: Ich gebe gern zu, daß nicht alle Geistlichen völlig zubereitet sind für das schwierige Nebenamt der Schulaufsicht. ,Rufe: Na, also!) aber daß sie in ihrer überwiegenden Mehrheit genügend pädagogisch vorgebüdet finD, um auch ihrerseits einmal ihren liehen Lehrern Die Sache vorzumachen, ist doch außer Zweifel (Oho-Rufe und Lachen). Es ist ferner keine Frage, daß Die jungen Lehrer Anregung und Ueberwachung nötig haben, die ihnen meines Erachtens nur der Geistliche bieten kann (Lachem. Nach- Dem jedoch hier Die Erklärung abgegeben und mit allgemeinem Beifall aufgenommen worden ist, daß Sie Den Religionsunterricht nicht aus Der Schule heraus haben wollen, habe ich die Ueberzeugung, daß Ihr Herz gesund ist und da wird die Entwicklung der Dinge schon ihren rechten Weg gehen. (Schwacher Beifall, lebhaftes Zischen.)
Lang er mann-Barmen: Die Kärche den Theologen, die Schule den Pädagogen, darauf muß sich unser ganzes Bestreben richten unD ich wende mich an das Herz der Geistlichen, die es gut meinen mit ihrem eigenen Stande und frage sie: „Würden Sie es dulden, wenn aus einem anderen Stande Ihnen eine Inspektion bestellt wird. (Heiterkeit und Beifall.)
Spott.
Radsport. Me „W andere r", Gießener Radfahr-Ge- sellschaft, werden in diesem Jahre auf dem Sportplatz an der Hardt wieder große Radwettfahrten veranstalten. Wie wir erfahren, steht in Aussicht, daß am 19. Juni nach Beendigung des Gordon-Bennett-RennenS die erste radsportliche Veranstaltung in Gießen in dieser Saison stattfindet, zu welchem auch Wettfakwten mit Mlttorfahrzeugen ausgeschrieben werben. Bekannt'ich war die Rennbahn an der Hardt im vergangenen Jahre an einen Privatunternehmer verpachtet.
Arbeiterbewegung.
Berlin, 25. Mai. Die Aufhebung des Bäcker- ftreiks wird in einer morgen abzuhaltenden Gehilfenversammlung beschlossen werden. — Der Aus st and der Straßenbahn-Arbeiter Dauert fort Ten heutigen Mittwoch hatte Die Direktion als Den äußersten Zeitpunkt bezeichnet, an welchem die Arbeit wieder aufgenommen werden sollte. Nur ein kleiner Teil Der AusstänDigen ist aber in Die Werkstatt surüdgeteljrt.
Newyork, 25. Mai. Der Korrespondent des „Newyork Herald" in Philadelphia schätzt, daß 75 000 M ann vom 15. April bis 6. Juni bei allen Bahnen bei Verein. Staaten entlassen wurden bezw. enllassen werden. Die Pennsylvania- Eisenbahn unterbrach Den Durchgangsverkehr auf Der Linie nach Portage, Die vor zwei Jahren mit einem Kostenaufwande von fünf Millionen Dollars erbaut war, um Den Damals bei Pitts- burg ungewöhnlich stark werdenden Verkehr zu erleichtern. Die Führer der Verlader gnben Die Parole aus, daß Der A u s st and auf alle Plätze, wo Eisenbahn- und Dampferdienst der New- York-Newhaven-Connecttkut-Eisenbahn besteht, ausgedehnt werde.
Gerichts saal.
Stockholm, 24. Mai. Der verantwortliche Redakteur des Blattes „Veckensnyheter", Bjoeckegren, wurde wegen Beleidigung des russischen Kaisers und russischer höherer Beamte zu Drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Daudet und Verkehr. Volkswirtschaft.
Born Geldmarkt. Die Geldgeber treten neuestens wiederum etwas aus ihrer Zurückhaltung heraus; es ist dies haupt
sächlich darauf zurückzuführen, daß sie eine größere Jnanspruch^ nähme des Geldmarktes durch die Begebung der Rerchsschatzau- Weisungen erwarteten; dies ist bis jetzt nicht eingetreten. Werte? waren die Geldgeber in Zweifel, ob verzinsliche ober unverzinsliche Schatzanweisungen Zur Begebung gelangen würden. Man neigt nun in zunächst interessierten Kreisen Der Ansicht zu, daß unverzinsliche Schatzanweisungen ausgegeben werden, die an erster Stelle die Reichsbank übernimmt, sodaß der Geldmartt nicht sofort davon in Anspruch genommen wird. Dec neueste Reichsbankausweis zeigt, daß die Kräftigung des Reichsbankstatus in der dritten Maiwoche ansehnliche Fortschritte gemacht hat, obwohl sich, wie schon wiederholt erwähnt, auf Dem Geldmarkt die Sätze relativ hoch gehalten haben und nod) Hatteil.
Zur B a n k en i u s i o n. In einem Bericht Der „K. Ztg." lesen wir: _ Tie noch selbständig gebliebenen, rein Frankfurter Banken, besonders die Deutsche Vereinsbank und die Deutsche Effekten- und Wechselbailk werden bei dem allgemeinen Zug zur Zentralisation stark umworben, aber bei beiden besteht die Absicht, ihre Selbständigkeit wenigstens vorerst nicht aufzugeben.
Berlin, 24. Mai. Bei dem Festmahl der Berliner Handelskammer für den internationalen Kongreß für gern e r b 1 i ch e n Rechtsschutz hielt der Pariser Handels- kammerpräsident Legrand eine Rede, in der er die Bedeutung der Berliner HanDelskammer hervorhob, deren Libe- r a 1 i s m u s und Unabhängigkeit Frankreich bereits rühmen durfte, als sie die Erweiterung der Handelsverträge forderte, die in einer langen Reihe von Jahren zu dem fabelhaften wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands beigetragen habe. Auch die Pariser Handelskanimer verfocht stets den Grundsatz, daß Handelsverträge nötig seien für die Entwickelung des internationalen Handels und daß sie dazu beigetragen, die Schranken, die den Verkehr zweier Völker mit einander hemmen, zu verkleinern. — Ter Präftbent der Wiener Handelskammer, M a r e s ch, gedachte Der Entwickelung Der Handelskammern und ihrer Aufgaben.
Märkte.
h. Alsfeld, 24. Mai. Vorn prächtigsten Maiwetter begünstigt, sand heute hier dec weithin bekannte Pfingsttnarkt statt. Sckwn in ben Morgenstunden strömten die Bewohner Der UmgegenD sckjarenweise Der Stadt zu; zahlreiche Wagen langten an, und die drei Vormittagszüge brachten Hunderte von Marktbesuchern, sodaß sick, allenthalben bald ein lebhaftes Treiben entwickelte. Besonders der Marktplatz und die anstoßenden Straßen boten mit ihren zahlreichen Verkaufsbuden bereits am Vormittage ein lebhaftes Bild, dessen buntes Gepräge mehr und mehr an malerischer Farbenpracht gewann, als in den ersten Nachmittags- stunden die ftöhlichen Trupps Der stattlichen Schwälmer Mädchen und Burschen in ihrer vielfarbigen Original» tracht sich einfanden. Dec Pfingstmackt bietet nämlich besonders Der „jungen Welt" ein Stelldichein, und Der Pfingsttanz ist gewöhnlicy Der Hauptgrund ihres Marktbesuches. Auck) aus dem nahen Badeorte Salzichlirf waren, angelockt durd) die malerischen Trachten Der ländlichen Macktbesuchec, zahlreiche Kurgäste mit den Nachmittagszügen eingetroffen, so daß dec Heurige Pfingsttnarkt einen Besuch auszuweisen hatte, der größer war als der fast aller seiner Vorgänger im letzten Jahrzehnt.
Auszug aus iitu KicheüWcru to Statt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute. Matthäusgemeinde. Den 14. Mai. Heinrich Herrmann, Kreisstraßenmeister zu Gießen, und Anna Katharine Elisabethe Minna Knauß, Tochter des Hauptlehrers Heinrich Knauß zn Gießen. — 15. Hermann Deuster, Schreiner zu Gießen, und Marie Honig, Tock)ter pes verstorbenen Landwirts Georg Honig zu Appenrod. — Ai a r k u s g e ni e i n b e. Den 14. Mai. Karl Ludwig Käppele, Hilfsheizer au Gießen, und Karoline Therese Schnabel, Tochter des verstorbenen Schaffners i. P. Ludwig Schnabel. — L u k a s g e m e i n b c. Den 11. Mai. Friedrich Karl Gottfried Leopold HanS Biese, Dr. med. Spezialarzt zu Gießen, und Diargot Lina Therese Elisabethe Luise Müller, Tochter des Majors Wilhelm Karl Friedrich Müller zu Hagenau. — 14. Heinrich Friedrich Neu, Buchdruckerei-Faktor zu Offenbach a. M^ und Anna Sophie Kreie, Tochter des Werkführers Wilhelm Kreie zu Gießen. — 15. Adolf Winkler, Mechanikus zu Greßen, und Wilhelmine Zoll, Tochter des Drehers Wilhelm Zöll zu Gießen. — Johannesgemeinde. Den 14. Mai. August Wilhelm Roth, Schreiner zu Gießen, und Katharüle Hartmetz, Tochter des Fabrikarbeiters Friedrich Hartmetz zu Fechenheim. — Karl Keil, Weißbinder zu Gießen, ein Witwer, und Elisabeche Menz, geb. Kühn zu Gießen. — 15. Georg August Heinrich Todt, Kaufmann zu Gießen, unb_ Minna Vogt, Tochter des Bureaudieners Hermann Vogt zu Gießen. — 19. Otto Adolf Eduard August Karl Reinhard Koch, Chemiker, Dr. phil. zu Offeilbach a. M., und Anna Marie Charlotte Meltzer, Tochter des verstorbenen Fabrikanten Hermann August Meltzer zu Riga.
Getaufte. Matthäusgemeinde. Den 14. Mau Dem Küfer Karl Christian Pstind em Sohn Karl Christian, geboren den 31. Januar. — Ai arkusgemein de. Den 12. Mai. Dem Glaser Heinrich Baum eine Tochter Auguste Margarete, geb. den 3. März. — Dem Bierbrauer Gabriel Jacobi ein Sohn Otto, geb. ben 28. März. — 13. Dem Schlosser Otto Heil eine Tochter Elisabethe Anna, geb. ben 13. April. — L n k a s g e m e i nde. Den 13. Mai. Dem Dreher Friedrich Rökner ein Sohn Fritz, geb. ben 17. April. — 15. Dem Lokomotivheizer Wilhelnl Aiüller ein Sohn Wilhelm, geb. den 7. April.
Beerdigte. Matthäusgemeinde. Den 11. Mai. Peter Mulch, Pfandmeister i. P., verheiratet, 61 Jahre alt, starb den 9. Mai. — Wilhelm Rudolf Pauli, 10 Jahre alt, starb ben 12. Mai. — Lukasgem einde. Den 10. Mai. Otto Rühl, Postschaffner, 38 Jahre alt, starb ben 7. Mai. — 18. Mar Leszinski, Telegraphenmeister, 54 Jahre alt, starb ben 16. ~ Mai. — Johannesgemeinde. Den 19. Mai. Luise Friebel, Witwe des Lohndieners Philipp Friebel, 59 Jahre alt, starb ben 16. Mai.
Eingesandt.
(Für Form und Jnhatt aiu.. umer Dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen, 20. Mai 1904. Sehr geehrter Herr Redakteur!
Wenn in dem Eingesandt in Nr. 116 die Mängel Der von mir eingerichteten Motorschiffahrt getadelt werden, so bin 'ch dem Einsender dafür dankbar. Aller Anfang ist aber schwer. Hatte bas Bieberlieschen anfänglich mit verschiebeneii Entgleisungen zll tun, so ging es Dem jungen „Hcmnchen" bisher nicht besser. Kapitän und Schiff finb aber inzwischen miteinanber bekannt geworben, ebenso kennt der Führer „Hannchens" nun auch das Wasser, ivelches er zu befahren hat, zur (dornige. Es ist von mir treng ungeordnet worben, baß für bie Folge bie planmäßige Ab- ahrt von Gießen auf jeben Fall innegehalten wirb. Was nun bie „verschwiegene Stelle" anlangt, so bedauere ich selbst, baß man mit Dem Fahrzeug nicht weiter lahnaufwärts fahren kann, weil bas oberhalb allzu flache Bett des Flusses dies nicht zuläßt. Zur besseren Orientierung werden aber in den nächsten Tagen am Wege nach bet Abfahrtstelle mehrere Schilber angebracht werden.
Hochachtungsvoll
Jean Borger. ■ - " ~ . ... . . .■
Frisch eingetroften:
Diesjährige Gänse und Enten, Französische und Metzer Poularden;
| ferner:
frischer Ananas, Erdbeeren, ^Pfirsiche und Mirscben.
Car-3 Schwaab, Hofdelikatessenhandlung. Telephon 265. 324 Seltersweg 23.


