Ausgabe 
26.5.1904 Erstes Blatt
 
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Es ist insbesondere geeignet, die Stellungnachme der Fung- liberalen zu den großen bewegenden Fragen kennen zu lernen, frei von jedem Fraktionsstandpunkt. Da die ver­schiedenen Abhandlungen auch eine willkommene Grund­lage für Vorträge in politischen Bersanrmlungen bilden werden, ist zu erwarten, daß das Wtzrk einen großen Ab- nehnrerkreis finden wird.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Mai. Ter Kaiser läßt nicht nur für seine Gäste einen größeren, sondern auch für die nach Kiel kommenden in- und ausländischen Vertreter der Presse einen kleineren, beguemen Salondampfer während der Woche chartern. Ter Besuch des Königs Eduard von Eng­land wird voraussichtlich zahlreiche Korrespondenten nach Kiel bringen. Die Charterung übernimmt das Rcichs- marineamt.

Der Vorstand des Deutschen Kolonial-Bundes hat an den Reichskanzler eine Eingabe betreffend staatliche Beaufsichtigung und Regelung der Missionstätigkeit in den deutschen Kolonien gerichtet.

In' ibete'. heutigen zweiten Arbeitssitzung des inter­nationalen Kongresses für gewerblichen Rechts­schutz wurde die Angelegenheit des Madrider Abkommens vom 14. April 1891 ebtr. internationale Eintragung von Fabrik- und Handelsmarken, beraten. Ter Kongreß nahm nach umfangreicher Erörterung einen von Maillard-Paris modifizierten Antrag Peinsard-Bern an. in dem der Wunsch ausgesprochen wird? die Regierungen der Verbandsstaaten und die Landesausschüsse möchten sich bemühen, unter den Verbandsstaaten der Pariser Konvention neue Beitritte zum Madrider Abkommen zu erwirken, speziell in den Ländern mit Vorprüfung die Mittel zu untersuchen, um die An­schlüsse der Länder herbeizuführen. Ferner erneuert der Kongreß den bereits 1902 in Turin ausgesprochenen Wunsch nach offizieller Propaganda der Behörden für Bekannt­werden der internationalen Markeneintragung mit Rück­sicht auf die günstigen Ergebnisse, die diese Propaganda ge­zeitigt hat.

Seel o w, 25. Mai. (Am tli ch e s Wa hle r g e b n i s.) Bei der am 20. Mai im Wahlkreise Frankfurt (Oders- Lebus stattgehabten Reich sta g s sti ch w a b l wurden 27 267 giltige Stimmen abgegeben. Rechtsanwalt Basser- mann-Mannheim (natl.) erhielt 14385, Schriftsteller B raun (Soz.) 11882 Stimmen.

Leipzig, 25. Mai. Heute wurden fünf große Ver­sammlungen der Kassenmitglieder der Ortskranken­kasse cckgehalten. Es wurde beschlossen, die Familien- behandlung nicht wieder einzufi'lhren, sondern die Gründung eines Sanitätsvereins vorzubereiten

Ausland.

Paris, 25. Mai. In einer Unterredung mit einem Figaro-Vertreter widerlegte der frühere spanische Mi­nisterpräsident Silbe la die Behauptung einiger deuisch- feindlichen spanischen Blätter, wonach De u t i ch l a n d einem französisch-spanischen Einvernehmen wegen Marokkos entgegengearbeitet hätte. Silvela ver­sichert, Deutschland habe im Gegenteil in Madrid immer zu einer Verständigung mit Frankreich geraten. IN der gestrigen Kammersitzung ries, als der Nationalist Millevoye Deutschland Veschuldigte, durch seine Rüstungen Europa zermalmende Militärlasten aufge- bürdet zu haben, ein Zuhörer auf der Tribüne in oen Saal hinab:Darum muß feder Franzose zu den Waffen greifen", wodurch augenblickliche- Verwirrung entstand: der Störer wurde hinausgeschaffi und die Ruhe war wieder hergestellt.

Budapest, 25. Mai. Im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten der österreichischen Delegation trat Finanz­minister Boehm-Bawerk für die durch eine Anleihe auf- zunehmenden Militärkredite von 400 Millionen Kronen, von «bereit Notwendigkeit und Dringlichkeit die Finanzverwaltung überzeugt sei, ein. Es handle sich in der Hauptsache um die Anticipierung sonst im Extraordi- narium geforderter Posten, ein wirklich neuer Posten sei nur die Marineforderung im Betrage von 44 Millionen. Der Minister wies nach, daß der von der Heeresverwaltung vorgeschlagene W>eg im Interesse nicht nur der Verwaltung, sondern auch der Steuerzahler liege. Das .Heeresbudget werde dadurch nicht eingemauert, wie behauptet sei, viel­mehr werde voraussichtlich für amortifable Zwecke, denen die durch die Kreditoperationen zu realisierenden Anschaff­ungen dienen, für 25 Jahre vorgesorgt sein. Eine etwaige Einführung einer zweijährigen Präsenzzeit, die noch nicht spruchreif sei, werde voraussichtlich eine einmalige Ausgabe von 50 Millionen erfordern. Der Minister erklärte, er beabsichtige nicht, kurzfristige Titres zu kreieren, sondern fasse die Emission eines marktgängigen Ratentvpus ins Auge. Für den Vollzug der Tilgung werde durch planmäßig bestehende Beträge im Budget gesorgt. Selbstverständlich werde die geplante Anleihe von 400 Millionen nicht plötz­lich auf den Markt geworfen, sondern die verschiedenen Emissionen werden in sorgsamer Eschellonierung auf den Markt gebracht werden.

Petersburg, 25. Mai. Der Minister des Innern hat neuerdings ein geheimes Zirkular an alle Gouverneure erlassen, in welchem der Polizei vorgeschrieben wird, daß sie keine Juden mehr aus weisen darf, selbst wenn deren Anwesenheit in Städten und Dörfern entdeckt wird, in denen ihnen sollst der Aufenthalt untersagt ist.

Sofia, 25. Mai. Die bulgarische H^fenpolizei in Varna verhaftete 2 aus Sofia kommende Mazedonier und Griechen, welche auf einem Schiffe in einem Butterfasse eine große Höllenmaschine über Griechenland nach Maze­donien schmuggeln wollten. Die Verhafteten gestanden, daß die Maschine für einen Mordanschlag bestimmt war.

Konstantinopel, 25. Mai. Durch ein Jrade be§ Sultans ist eine abermaligeReduktion der Beam­ten-Gehälter um 15 Proz. mit Rückwirkung vom 1. März d. I. an verfiigt worden.

N e w y o r k, 25. Mai. Die Regierung verfügte, daß die Einwanderer mindestens 10 Dollars haben müssen, auch wenn sie ein Bahnbillet'haben und Ver­wandte sie erwarten.

ALS Ataöt und Land.

Gießen, den 2b. Mai 1904.

* Empfänge. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen am 25. Mai u. a. den Professor Dr. Todt, den Lehrer Co nie von Lauterbach, den Pfarrer Weißgerber, den Oberlehrer Hohenstein, den Oberlehrer Buxmann von Butzbach und den Prof. Kölsch von Büdingen.

** Personalien. Se. K. H. der Groß Herzog haben den von dem Stadtvorstand zu Alsfeld auf die zweite

evangelische Pfarrstelle zu Alsfeld, Dekanat Alsfeld, prä­sentierten Pfarrverwalter Dr. Eduard Becker für diese Stelle bestätigt und den Oberlehrer Georg Baldauf in Friedberg zum Lehrer an dem dortigen Schullehrerseminar ernannt.

* Hohe militärische Gäste werden Ende dieser Woche in unserer Garnison erwartet. Zu der am Samstag vormittag stattfindenden Bataillons-Besichtigung werden eintreffen: Der kommandierende General des 18. Ar­meekorps, Exzellenz v. Eichhorn, der Divifionskommandeur Generalleutnant Freiherr v. G a l l und der Brigadekommandeur General-Major Graf v. Kanitz.

** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 116 ent­hält : 1. Gesetz, die Gehalte der Volksschullehrer betreffend; 2. Bekanntmachung, die Amtstitel der Gerichtsschreiber und Hilfsgerichtsschreiber bei den Amtsgerichten, des Gehilfen des Generalstaatsanwalts und der ersten und zweiten Staats­anwaltsgehilfen bei den Landgerichten betreffend.

Boettge-Konzert. Sicherem Vernehmen nach wird die rühmlichst bekannte, 50 Musiker starke Kapelle der Badischen Leib-Grenadiere aus Karlsruhe, unter Leitung des Königl. Musikdirektors Adolf Boettge, Begründer der historischen Nationalkonzerte, Freitag den 10. Juni im Neuen Saalbau eine große Aufführung veranstalten. Wie man es von Boettge nicht anders gewohnt ist, bringt er wieder viel neues mit, und die hohen künstlerischen Leistungen seiner Kapelle sind so sehr bekannt, daß es des Rühmens nicht mehr bedarf.

Lauterbach, 25. Mai. Schon seit einigen Wochen wird von der hiesigen Flcischerinnung eine rührige Tätigkeit entwickelt und große Vorbereitungen getroffen, um den zum Bezirkstag am 29. Mai zu erwartenden Gästen einen der Stadt Lauterbach würdigen Empfang zu bereiten. Der deutsche Fleischerverband setzt sich aus 22 Bezirksvereinen zusammen, die mit den dem Verbände angehörigen Einzel­meistern zusammen die stattliche Mitgliederzahl von rund 35 300 Fleischermeistern aufweisen. Kein zweites Handwerk ist derartig organisiert. Im Verbandsstatut ist für jedes Jahr ein Verbandstag, der in diesem Jahre vom 10.15. Juli in Nordhausen stattfindet, festgesetzt. Diesem Verbandstage gehen die Bezirkstage voraus; auf dem Bezirkstage werden die aus den jeweiligen Tagesordnungen für am wichtigsten befundenen Punkte so formuliert, daß sie dem Verbandstag als Antrag zugestellt werden können. Werden sie auch dort für wichtig genug befunden, so gehen sie in Form von Eingaben und Petitionen an die zuständige Stelle der Reichsregierung. Da nun der XII. Bezirksverein die Provinz Hcssen-Naffau und die Regierungsbezirke Coblenz und Trier, sowie das Großherzogtum Hessen umfaßt, der eine der ersten Stellen im Verbände einnimmt, so ist wohl zu hoffen, daß der Bezirks­tag in Lauterbach für jeden deutschen Fleischermeister von großer Wichtigkeit sein wird. Der Obermeister der Frankfurter Innung, Karl Marx, der auch den Bezirkstag in Lauterbach besuchen wird, ist zur Zeit erster Verbandsvorsitzender. Ober­meister Falk von Mainz ist erster Vorsitzender der hessischen Handwerkskammer, auch Obermeister Lautz von Darmstadt gehört der Handwerkskammer als Mitglied an. Außerdem gehören Obermeister Schwarz von Fulda und Obermeister Schnell von Caffel als Mitglieder den zuständigen Hand­werkskammern an. Sämtliche genannten Fleischermeister sind wohl mit Recht nicht nur als Leiter und Führer des Bezirks­vereins sondern auch als mit zu den ersten und leitenden Männern des ganzen großen deutschen Fleischerverbandes zu rechnen. Gerade die Meister aus der Nähe, die weder einer Innung noch auch dem Verbände angehören, dürften es als ihre unabweisbare Pflicht betrachten, den Bezirkstag in Lauter­bach zu besuchen.

sd. Darmsta dt, 26. Mai. (Eigener Draht­bericht.) Se. Kgl. Hoh. der Großherzog machte gestern abend im Ausstellungsrestaurant der Künstler­kolonie seinen ersten offiziellen Besuch und nahm dort mit dem nach langer Krankheit wieder hergestellten Prinzen Franz Josef von Battenberg, dem Geheimen Kabinetsrat Römheld, Kammerherrn Frhrn. von Leonhardi, zusammen acht Per­sonen, das Souper. Der vierte Ausschuß der Zweiten Kammer wird heute nachmittag unter dem Vorsitz des Abg. Weidner zusammentreten.

e. Darmstadt, 25. Mai. Die Vorbereitungen für das am 3. und 4. Juni im Garten des Alten Palais zum Besten des Russischen Roten Kreuzes stattfindende Gartenfest sind in vollem Gange und versprechen einen glänzenden Verlauf dieser Wohltätigkeitsveranstaltung. Außer den bereits ge­nannten Buden und Büffetts, der Tombola, den Blumen- unb Champagnerständen, für welche die Gaben bereits reich­lich fließen, werden noch besondere Anziehungskraft ausüben: ein Ueberbpettl, für das hervorragende Mitglieder unserer Hofbühne und bekannte Dilettanten ihre Mitwickung fest zu­gesagt haben, ein Hof- und Gartenphotograph, ein Silhouetten- schneider re. re. Außer Konzerten sämtlicher hiesiger Militär­kapellen werden eine echte italienische Sängerfamilie und ein beliebtes Tiroler Quartett für musikalische Unterhaltung sorgen. Besonders reich ausgestattet wird auch der Post­kartenstand erscheinen, über den nähere DMitteilungen noch er­folgen sollen; die Oberpostdirektion hat für den zu erwarten­den großen Kartenverkehr einen Dienst-Postbrieflasten in liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellt. Um möglichst weiten Kreisen die Teilnahme an dem intereffanten Feste zu ermöglichen, sind die Eintrittspreise sehr billig normiert worden; einmaliger Eintritt wird 1 Mk., eine Karte für 4 Personen oder eine Person zu viermaligem Eintritt be­rechtigend 2,50, Studentenkarten 50 Pfg. kosten.

r Mainz, 25. Mai. Zu Anfang des nächsten Monats findet hier eine Zusammenkunft von Vertretern zahlreicher deutscher Städte statt, welche sich wiederum mit der Frage befaffen wird, wie den Schwierigkeiten zu begegnen ist, die durch die neue Zollgesetzgebung, welche eine Aufhebung des städtischen Oktrois bedingt, hervor­gerufen worden sind. Es werden bei dieser Zusammenkunft Vertreter von drei Städten als Referenten auftreten. Das Zigeuner Unwesen macht sich gegenwärtig in der hiesigen Gegend wieder sehr unangenehm fühlbar. Kaum ist eine Bande abgeschoben, so zeigt sich schon wieder ein neuer Zug. Am zweiten Pfingsttag belagerte eine Bande von über hun­dert Köpfen das nahe Dorf Finthen und nahmen, als sie fortgewiesen wurden, gegen die Gendarmerie und Polizei eine sehr drohende Stellung ein, so daß von außerhalb noch

Gendarmerie requiriert werden mußte. Die Bande zog schließ­lich hierher ab, wurde ober auf telegraphische Nachricht hin alsbald weitertransportiert.

-b. Hirschhorn, 25. Mai. Hier fand heute die Weihe des seitherigen Schulsaales zum Gemeinde s aal statt, eingeleitet durch eine markige Ansprache und Weihrede des Ortsgeistlichen. Bei dem darauf folgenden Festgottes­dienst brachte der Superintendent, Oberkonsistorialrat D. Flöring die Wünsche der Kirchenbehörde dar. Danach sand eine kurze interne Feier zu Ehren des das 50jähr. Jubiläum der Gemeinde als eigenes Jubiläum mitfeiernden Kirchen­rates Kalbhenn von Burg-Gräsenrvde im G'meindesaale statt. Als Vertreter S. Kgl. Hoheit des Großherzogs und des Oberkonsistoriums brachte Präsident T Buchner dem Jubilar die Ernennung zumGeheimen Kirchenrat" und die herzlichsten Wünsche. Diesen schloß sich an der Ver­treter der Gießener theologischen Fakultät Pros. D. Drews und eröffnete dem Jubilar, daß ihn die theologische Fakul­tät zum Doktor honoris causa ernannt habe. Pros. Trüm - pert von Darmstadt überbrachte eine Adresse des Gustav- Adolf-Vereins und Pfarrer Lic. Tr. Diehl, der Ortsgeistliche, als Geschenk der Gemeinde Hirschhorn ein herrliches Luther­bild. Nach ihm übermittelte namens des Kirchenvorstandes der Gemeinde Burg-Gräsenrode Lehrer -Vetter die herz­lichsten Wünsche und Bürgermeister Mosckierosch von dort eröffnete dem Jubilar, daß er zum E h r e n b ü r g e r der Ge­meinde ernannt worden sei. Ferner brachte als Vertreter des Gießener Wingolf, dessen Ehrenphilister der Jubilar ist, Stnd. jur. Steiner die besten Wünsche der Verbindung dar und im Namen der weiteren Familie des Jubilars Sanitätsrat Dr. Harbordt aus Frankfurt a. M., ein Schwager des Jubilars. Men dankte der Gefeierte in bewegten und herzlichen Worten. Nm 1 Uhr sand ein Festessen statt. Nach kurzer Pause schloß sich die Nachmittagsversammlung an, wobei der Ortsgeistliche zunächst die zahlreichen telegraphisch und schriftlich übermittelten Grüße von auswärts verlas. Hierauf folgte eine ganze Reihe von Ansprachen, die zum teil einen sehr metallenen Klang hatten, indem namhafte Geldgeschenke überbracht wurden für den Fonds, der die Anstellung einer Ge m e i n d e s ch w e st e r ermöglichen soll. Als Vertreter des badischen Gustav-Adols-Vereins sprach Dekan Fischer von Neckar-Elz. Dazwischen tönten die vollendet vorgetragenen Lieder des Kirchengesangvereins und die mächtigen Weisen des Ober-Mockstädter Posaunen- Ehores. Allen, die das Fest so verherrlicht hatten, dankte Pfarrer Lic. Dr. Diehl in warmen Worten. Um 6 Uhr schloß die schöne Versammlung, und mit einem packenden Marsche des Posaunenchores wanderte man zum Bahnhofe, um einem großen Teile der Festgäste das Geleite zu geben.

Frankfurt, 25. Mai. Gestern wurde hier nach altem Brauch derWäldchestag" begangen. Kind und Kegel zog hinaus in den Stadtwald, wo es bei dem prachtvollen Wetter recht lärmend und fröhlich, allerdings auch recht staubig und durstig bis zum späten Abend herging. Von den üblichen Exzessen und Keilereien hörte man diesmal weniger als sonst. Fast scheint es, als wollten sich die Volks­sitten wieder mildern. In der Gordon Bennett- Woche wird unser Opern-Ensemble in Homburg im dortigen Kurhaussaale zweimal gastieren. Man nimmt an, daß der Kaiser den Aufführungen beiwohnen werde. Vor­gesehen sindCarmen" undFledermaus", auch sollen die Verhandlungen wegen des Aufführungsrechts, das sich die Frankfurter Oper für Homburg erst erbitten muß, noch nicht ganz beendet sein. Das hübsche Homburger Theater ist seinerzeit von Blanc erbaut und recht geschmackvoll ausge­stattet worden.

Kassel, 25. Mai. In dem ehemaligen RegierungS- gebäude, in welchem sich jetzt zahlreiche städtische Bureaus befanden, brach Großfeuer aus. Das Gebäude brannte bis zum ersten Stock vollständig aus. Viele Akten wurden ver­nichtet. Großer Schaden entstand in einem Warenlager. Ein Feuerwchrrnarm wurde verletzt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und ben Nachbarstaaten. Ein Pionier des Bataillons in Kastel, der abends mit einem in der Richtung aus Frankfurt kom­menden Zuge vom Pfingsturlaub zurückkehrte, überfuhr die Station. Als er, beim Wiesbadener Tor angekommen, dies bemerkte, sprang er aus dem fahrenden Zuge heraus, wobei er sich schwere Verletzungen zuzog. Wie derWetzl. Anz." hört, ist Güterexpeditionsvorsteber Adolph von Guben nach Friedberg versetzt. In Oher-Hillersheim wurde von der Wörrsiädter Gendarmerie ein noch nicht 14jähriger Junge verhaftet, weil er auf dem Wege von Ober-Hillers- heim nach St. Johann ein 20jähriges Dienstmädchen an­gepackt und zu vergewaltigen gesucht hat. In Frank­furt wurde in der Nacht zum Dienstag ein Mann in da? städtische Krankenhaus gebracht, der auf bestialische Weise ver­stümmelt war. Das Verbrechen wurde an dem Unglücklichen begangen, als der sinnlos Betrunkene sich nicht wehren konnte. Auf der Bahn zwischen Eichenberg und Bebra i:t der Schaffner Brunotte aus Göttingen von dem in voller Fahrt befindlichen Personenzuge abgestürzt. Der Kopf wurde ihm vom Rumpfe getrennt.

vermischtes.

Berlin, 25. Mai. Hier wurde der reisende Kauf­mann Bürger wegen Unterschlagungen von 12000 Mk. verhaftet.

Ludwigslust, 25. Mai. In der Nahe des hiesigen Bahnhofs platzte an der Lokomotive des Schnellzuges HamburgBerlin, in welchem sich auch Prinz Heinrich von Preußen befand, das Ventil, wodurch der Lokomotiv­führer und der Heizer sehr schwer verbrüht wurden. Prinz Heinrich ließ die Verletzten sofort in seinen Salon­wagen schaffen, wo die Aerzte einen Verband anlegten.

* Aachen, 25. Mai. DerAach. Post" zufolge wurde gegen zwei Dienstmädchen von hier seitens der Staats­anwaltschaft Untersuchung wegen eines Vergiftungs­versuches an der Herrschaft einqeleitet.

* Teplitz, 25. Mai. Die hiesige gewerbliche Sparkasse entdeckte nach dem Ableben des Direktors einen Fehlbe­trag von 3 00 000 Kronen. Der Stadtrat unterhandelt wegen der Sanierung.

Kapstadt, 25. Mai. Finanzminister Walton kündigte an, daß zwischen Griguatown und Postmasburg eine Diamantgrube entdeckt wurde, deren Ausbeutung so lange lohnend sein werde, als sie als offene Grube betrieben werde.

Newyork, 25. Mai. Nach einem Telegramm aus Harrisburg (Pennsyloanien) wurden in einer Grube bei