Ausgabe 
26.5.1904 Erstes Blatt
 
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Williamstown 50 Bergarbeiter durch schlagende Wetter verschüttet. Sieben Leichen wurden bisher geborgen.

Memphis (Tennessee), 25. Mai. Tine große Feuersbrunst zerstörte den ganzen, südlich des Pazoo- flusseS gelegenen Teil von Pojoocity im Staat Mississippi in einer Länge von zwölf und einer Breite von drei Häuser­gevierten. Unter den zerstörten Gebäuden sind das Rathaus, das Gerichtsgebäude, das Postgebäude, alle Banken, ©^<$5^5= Häuser und Zeitungsdruckereien.

Kerichtssaal.

Frankfurt, 19. Mai. Am Abend des 20. März brachen aus einer im Erdgeschoß gelegenen Zelle des Untersuchungs­gefängnisses neun Häftlinge aus, indem sie durch ein kunstvoll verfertigtes Loch in der Mauer dm Hof der Klingerschule erreichten und dann das Freie gewannen. Einer von ihnen kroch bald durch dasselbe Loch wieder ins Gefängnis, die übrigen Ausbrecher wurden im Laufe weniger Tage bis auf einen, namens Nicth, ermittelt und aufs neue hinter Schloß und Riegel gesetzt. Die Seele des ganzen Unternehmens war neben Rieth derSilberdieb" Peter, der seitdem wieder einen, aber vergeblichen Ausbruch versucht hat. Tie Oefsnung in der Wand der Zelle wurde in folgender Weise hergestellt. Man besvritzte den Mörtel mit Wasser und entfernte ihn dann mit einem Schür­eisen. Mit einem von Peter abgebrochenen Pritschenfuß wurden die einzelnen Steine herausgehoben, die man in den Strohsäcken versteckte. Rach dreitägiger Arbeit war ein Loch geschaffen, groß genug, daß man hindurchschlüpfen konnte. Peter batte seine Mit­gefangenen gezwungen, mit hei der Arbeit zu helfen oder Wache zu halten unter der Drohung, er werde jedem den Schädel ein­schlagen, der etwas sagen werde. Die Strafkammer ver­urteilte heute die acht Ausbrecher wegen Meuterei zu der geringsten zulässigen Gefängnisstrafe von je sechs Monaten, die bei einem Teil der sonst bestraften Angeklagten in Zusatzstrafen von drei bis fünf Monaten umgewandclt wurden. Rur Peter erhielt neun Monate. Zwei weitere Gefangene, die in derselben Zelle gelegen hatten, wurden freigesprochen, desgleichen vier andere, die sich der Begünstigung insofern schuldig gemacht haben sollen, als sie einem der Entwichenen Kleidungsstücke gaben. Bei der Strafabmessimg der verurteilten Angeklagten kam in Betracht, daß ihre Verwahrung eine ungenügende war. Wenn das Gefängnis fester gebaut wäre, hätten die Angellagten nicht an die Flucht gedacht. Sie brauchten nnr das Loch zu passieren und sie waren in Freiheit, ohne daß sie erst irgendwelche Gefängnismauer über­steigen mußten.

Metz, 25. Mai. Der 21 jährige Schlosser Camille Blaise aus Montignv, welcher am 30. Januar d. I. seine Groß­tante, die 80jährige Witwe Blaise, in Montignv ermordet und beraubt hatte, ist heute von dem Schwurgericht Metz wegen Mordes in Verbindung mit schwerem Raube zum Tode ver- urteilt worden. Gleichzeitig beschlossen die Geschworenen ein Gnadengesuch an den Kaiser einzureichen, das sich auf die Jugend und die bisherige Straflosigkeit des Verbrechers c^ründe^^

Ilniversttäts-Wachrichten.

Darmstadts 25. Mai. Mit einer SchriftUeber Luft­spiegelungen im Simplontunnel" und einer ProbevorlesungDie astronomisch-geodätischen Vorarbeiten für die transsibirische (Äscn- bahn" hat sich der Assisteirt am geodätischen Institut, Landmesser Dr. Paul Gast an der Technischen Hochschule zu Darmstadt als Privatdozcnt für Geodäsie und astronomische Ortsbestimmung habilitiert.

Marburg, 25. Mai. Der Privatdozent für Chirurgie, Assistent an der chirurgischen Klinik, Dr. med. Rudolf ©egget (früher Privatdozent in München) ist zum leitenden Oberarzt des neuen städtischen Krankenhauses in Geestemünde (Hannover) er­nannt worden.

Oxford, 25. Mai. Tie Universität beschloß, dem Professor an der medizinischen Fakultät in Leipzig, Dr. Flechsig, und dem Professor an der philosophischen Fakultät in Göttingen, Dr. Ehlers, die Würde eines ooetor of science zu verleihen.

Sport.

Einkostspieliges Vergnügen sind die Automobil- Wettfahrten, wie sie jetzt wieder um den G o r d o n - Pokal veranstaltet werden. Der Direktor einer der ersten fran- wsischen Motorwagenfabriken hat kürzlich erklärt, er hoffe, daß die jetzige Wettfahrt die letzte sein wird. Abgesehen von den Ausgaben müßten sie fünfzig oder sechzig ihrer besten Leute fort­schicken, die für die Wagen unterwegs zu sorgen hätten. Die Un­glücksfälle während der^ Fahrt Paris-Madrid hätten außerdem bewirkt, daß die Wettfahrt der Industrie mehr Schaden als Nutzen brachte, da Leute, die taufen wollten, durch die anscheinende Gefährlichkeit des Sports abgeschreckt wurden. Die Industrie brauchte solche Schaustellungen nicht mehr. Die Kosten der Probefahrten, die zur Auswahl der französischen Wettbewerber um den Gordon-Bennett-Cup in dem Ardennenbezirk stattfinden, stellen sich nach der Schätzung eines Sachverständigen wie folgt: Dreißig Rennwagen, die besonders siir die Wettfahrt gebaut,

für andere Zwecke ganz unbrauchbar und deshalb nachher ganz unverkäuflich sind, je 40 000 Mark, zusammen 1200 000 Mark; Aufwendungen für Bewachung der Wege 120 000 Mark, Ausgaben und Versicherung gegen Unfälle, 8000 Mark für jede der zehn Firmen, 80 000 Mark Allein die ftanzösischen Firmen hätten danach für ihre Probefahrten nicht weniger als 1 400 000 Mark aufzubringen.

Arbeiterbewegung.

Genua, 25. Mai. Die Hafenarbeiter demonstrierten gegen die Getreidesilos. Sie begingen arge Ausschreitungen. Ein allgemeiner Ausstand wird befürchtet.

Meteorologische Beobachtungen

___der Station Gießen.

Mai 1904.

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

1 szavffqmW

Wetter

25.

2 55

747,3

21,5

9,3

10,3

49

S.

1

Sonnenschein

25.

92S

746,3

16,6

73

SE.

1

Heller Himmel

26.

725

747,1

15,5

11,1

85

E.

1

Bed. Himmel

Höchste Temperatur am 24. bis 25. Mai -4- 22,30 C.

Niedrigste 24. 25. = + 8,3 °C.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 27. Mai 1904: Meist schwachwindig, meist heiter, wärmer und schwul.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Religionsgesellschaft.

Hottesdienll.

Sabbathfeier am 2 8. Mai 1904.

S^reitag abend: 8.00 Uhr.

amstag vormittags: 8.00 Uhr.

Nachmittags 4 Uhr.

Sabbathausgang 9.15 Uhr.

Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr, abends 8.00 Uhr.

FamilienUüchrichttn.

Geboren. Dem Pfarrer Schmidt in Grünberg am 24. Mai ein Sohn.

Krieskalten der Redaktion.

(Anouhme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

H. St. Der Mietzins ist nach § 551 des B. G.-B. am Ende der Mietzeit zu entrichten, also in Ihrem Falle am Abend des 31. Mai. Haben Sie nicht eine Wohnung, sondern ein Grundstück gemietet, so können Sie am 1. Juni zahlen. Am Abend des 31. Mai müssen Sie die Wohnung geräumt haben.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Markte.

Limburg a. d. 2., 25. Mai. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pro Malter. Roter Weizen 14.32 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 10.00 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 6.26 Mk, Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 00.0 Mk.

Ncneltk Meldungen.

Origiualdrahtwcldultgen des Gießener Anzeigers.

London, 26. Mai. Aus Tschifu wird gemeldet: Nach dort eingetroffenen Berichten haben die Russen ihre Geschütze und Truppen wieder aus den Forts von Niutschwang fort­genommen. Aus Charbin wird telegraphiert, daß nach Berichten von Missionaren im Norden von Schantung eine Bewegung ausgebrochen sei, die an jene vor dem Boxer- Auf stand erinnere.

L. London, 25. Mar. Gefährliche Dinge hat der hiesige Bakteriologe Dr. Hurlbut ans der Fahrt von St. Panl nach Chicago verloren, nämlich mehrere Flaschen mit indischen Pestbazillen. Ein Teil der Bazillen war zwar schon präserviert, andere dagegen befanden sich noch in lebendem Zustande. Dr. Hurlbut hat die Bazillen auf einer dreijährigen Forsch­ungsreise in den indischen Küstenbezirken gesammelt.

Paris, 26. Mai. Die hier verbreiteten sich hartnäckig erhaltenden Gerüchte über eine blutige Schlacht beziehen sich auf einen erfolglosen Angriff der Japaner auf die russische Position in Kin tschau. Die Japaner wurden mit großen Verlusten zurück­geworfen. (Eine offizielle Bestätigung dieses' Gerüchtes steht aus.) Nach Berichten aus Port Arthur werden die PanzerschiffeRetwisan" undZesarewitsch" in wenigen Tagen in See zu gehen bereit sein. Einer Herald"-Meldung aus Peking zufolge spendete die Kai­serin-Witwe 100 000 Taels für das Rote Kreuz. Aus Söul wird gemeldet: Der König beglückwünschte die koreani­sche Garnison von Gensan, welcher nach hartnäckigem Ge­fecht bei Hamhung die Vertreibung der Ko­saken gelang. Die erste Waffentat des koreanischen Mili­tärs erregt großen Jubel in der Hauptstadt und im ganzen Lande.

Paris, 26. Mai. DerMatin" meldet aus Peters­burg: Ein Telegramm aus Liaujang berichtet aus chinesischer Quelle, daß am Montag die Japaner in der Nähe von Dalny wiederum ein Kriegsschiff verloren hätten. Dasselbe sank in kürzester Frist.

Bern, 26. Mai. Die Unterbrechung derHandels- Vertrags-Verhandlungcn mit Italien gilt hier als eigentlicher Abbruch. Da der Bundesrat entschlossen ist, keine weitere Frist für die Erneuerung des Handelsvertrages zu gewähren, wird am 17. Dezember der Zollkrieg eintreten. Die schweizerischen Delegierten verlassen heute Rom.

Wien, 26. Mai. Rach Meldungen aus politischen Kreisen soll der Mschluß eines Uebereinkommells zwischen der Türkei, Bulgarien, Serbien und Montenegro bezüglich des Belianund ein Kompromiß dieser Staaten mit Italien bevorstehen. Das Ueberein- kommen werde sich gegen Oesterreich sowie gegen Deutschland richten, dessen Drang nach Osten Einhalt geboten werden soll. Die Türkei verpflichtet sich zur Ein­führung von Reformen in Makedonien und einem mili­tärischen Aufgebot gegen einen eventuellen Vorstoß Oester­reichs oder Deutschlands. Mit Italien sollen besondere Abmachungen bezüglich dllbaniens getroffen werden.

Wien, 26. Mai. Der Raimund-Preis, der drei Jahre lang nicht verteilt wirrdc und sich mit Zinsen auf 2 0 0 0 Kronen beläuft, ist dem Dichter Hawel für sein SchauspielPolitiker" zuerkannt worden.

Budapest, 26. Mai. Beim Bahnbau in Pozsena fand infolge Unvorsichtigkeit eine Dynamit-Explosion statt, wobei das Magazin in die Lust flog. 5 Kinder wurden getötet und 9 Personen schwer verletzt. Die Regierung beabsichtigt, sämtliche Fach-Arbeiter-Ko rp oratio wen aufzulösen und die Führer zu verhaften.

Petersburg, 26. Mai. Der Russkj Nowo meldet aus Liaujang unter dem 24. ds.: Gerüchtweise verlautet, daß ein sehr ernstes Gefecht bei den Stellungen des 0)enerals Fock stattgefunden habe. Einzelheiten fehlen noch.

Telephonischer Kursbericht

Reichsanleihe 3% do. . .

3*/,% Konsole . . .

3% do.....

31/e% Hessen . . .

3*/,% Oberhessen . .

4% Oesterr. Goldrente .

-Anl

41/6% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente .

4°/o Italien. Rente . .

4V2% Portugieser , .

3°/ Portugiesen. . . .

1% C. Türken . . .

Türkenlose.....

4°/o Grieoh. Monopol, 4V,% äussere Argentiner

fr'ranktnrt a. 53., 26

101.90

89.70

101.80

89.75

99.50

100*80

100.20

99.20

102.85

59.80

58.20

128*20

47.50

3O/o Mexikaner 4Vg9/n Chinesen Electric. Scbuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . . Laurahütte ... Bochum .... Harpener . . .

43.00

Tendenz: ruhig.

Mai.

. 26.30

. 87.10

. 105.00

. 103.00 . 201.75 . 185.70 . 136.90 . 250.90 . 152.40 . 136.70

. 13.30 . 191.00 . 241.00 . 190.50 . 198.20

Die Kindergedeihen vorzüglich dabei^jj & leiden

an

st ort n g.

Hervorragend bewährf bei

Diarrhoe

htraTSR etc. e

245

Griinbttgtt UerdkmMerillW-vmni.

Sonntag den 29. Mai, nachmittags 4 Nhr, findet im Englischen Hof" dahier eine

aufoerorbeitflicbe General - Versanrnilnirg

statt. Tages-Ordnung:

Vorlage und Genehmigung des Statuts, welches auf Antrag Kaiserlichen Auffichtsamts für Privatversicherung ausgearbeitet und nach Vorlage von demselben gutgeheißen wurde.

Grünberg, den 17. Mai 1904. 4634

______________________________Der Direktor: G e 0 r g K e i l.

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