Nr. 121
Erstes Matt.
154» Jahrgang
Donnerstag 26 Mai 1904
Erscheint täglich außer Sonntag«.
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Rotationsdruck u. Verlag der BrühlNchen Univers.-Buch-u.Stem- druckerrt. R. Lang«. Redaktion, Srpedttio« und Druckerei:
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GietzenerAnzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Verantwortlich füt den poitL und allgern. Teil: P. Wittko- für .Stadt und Land* und „Gerichtssaal*: August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Bekanntmachung,
Die Wagengasse wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten vop heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt.
Gießen, den 36. Mai 1904.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Herberg.
Bekanntmachung.
Die Westanlage zwischen Bahnhofstraße und der Bahnunterführung nach der Hammstraße wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt.
Gießen, am 26. Mai 1904.
Großherzoglicbes Volizeiamt Gießen. Herberg.
Aer Krieg zwischen Japan und Rußland.
Von der Liautung-Halbinsel.
Dschifu, 25. Mai. (Reuter.) Aus Takushrrn hier eiitgetroffcne Dschunken berichten, daß die Japaner dort am 21. Mai 6000 Mann gelandet Hütten. Auch in Pitzewo würden täglich kleinere Truppenabteilungen ausgeschifft. Auf den Elliotinseln sei der Sammelpunkt der japanischen Transport- und Kriegsschiffe. Es würden provisorische Kasernements gebaut. Bis zum 22 .Mai werden nur kleine Zusammenstöße an der Westküste von Liau- tung entlang gemeldet.
Mukden, 25. Mai. (Reuter.) Hier laufen ständig Gerüchte um, daß bei Kintschau eine blutige Schlacht zwischen den russischen Truppen und den von Port Adams an der Eisenbahn entlang vorrückenden Japanern geschlagen worden sei. — Im Nord osten von Mukden zeigen sich kleine japanische Aufklärungs-Abteilungen, hielten sich aber in beträchtlichen Entfernungen von der Stadt. Größere feindliche Truppenmengen sind nicht bemerkt worden.
Petersburg, 25. Mai. Ein Telegramm des Generals Kuropatkin an den Kaiser vom 24. Mai lautet: In der Gesamtlage sind um Föngwangtschöng und an der .Küste des Golfes von Liaotung keineVerän der ungen ein getreten. Ueber die Stellung des Feindes wurde folgendes festgestellt: Bei Föngwangtschöng sind gegen 40 000 Mann japanischer Truppen zusammengezogen, bei Piamyn vier Linienregimenter mit 50 Geschützen. Meine Abteilungen japanischer Truppen rücken von Föngwangtschöng nach Ssiu- jan vor. Der Vormarsch vollzieht sich äußerst langsam und unter großen Vorsichtsmaßregeln. Auf dem linken Ufer des Tajangho nahm ein Teil dieser Truppen, nämlich 3000 Mann Linien-Gardeinfanterie und drei Eskadrons Gardekavallerie am 22. Mai staffelförmige Aufstellung zwischen Ssediachoge und Salidsaipndsa auf dem Wege nach Siujan. Gleichzeitig wurde festgestellt, daß der Gegner auch von Föügwangtschöng und Piamyn nach dem Unterlaufe des Tajangho in der Richtung auf Luanmiau vovrückt. Abteilungen seiner Vorhut sind auf das rechte Ufer bes Tajangho übergesetzt. Am 22. Mai besetzte eine dieser Abteilungen, die etwa drei Kompagnien und eine Eskadron stark war, den Liaolinpaß, 14 Werst südlich von Ssiujan, auf dem nach Ta ku sch an führenden Wege, sowie die benachbarten Dörfer Ualyssy und Küane- hapfu. Außerdem besetzte eine aus einem Bataillon Infanterie und einer Eskadron Kavallerie bestehende dlbteil- ung am 22. Mai Pehemiao auf dem rechten Ufer des Ta- janaho auf dem Wege nach Takuschan, zehn Werst von Laidsapudsa.
Mukden, 25. Mai. Verkehrsminister Fürst Chil
kow ist heute früh hier eingetrofsen und nach einer Begegnung mit Statthalter Alexejew nach dem Süden weitergereist.
Petersburg, 25. Mai. Nach Depeschen aus Mukden überfiel eine russische Abteilung von Osten her die Stadt Andschu, nahm sie ein und ve rsprengte die japanische Besatzung. Nachdem die Stadt in Brand gesteckt war, zogen die Russen in guter Ordnung wieder ab.
London, 25. Mai. Nachrichten aus Mukden besagen, General Rennenkamps Kosaken hätten zwei japanische Transport-Kolonnen weggenommen. Die 1. japanische Armee sei daher ohne Proviantzufuhr.
Port Arthur und Dalny.
Dschifu, 25. Mai. (Reuter.) Eine aus acht Schiffen bestehende japanische Flotte beschoß gestern Port Arthur. Der Angriff dauerte eine Stunde.
T s ch i fu, 25. Mai. Ein heute hier eingetroffener Franzose, der am 22. Mai abgefahren ist und die gestrige Beschießung von Port Arthur mit ansah, berichtet, daß acht große japanische Schiffe eine Stunde lang um den Hafen eingang kreuzten und in Zwischenräumen von zehn Minuten Breitseiten aVfeuerten. In Dalny, als es der französische Reisende verließ, war alles ruhig. Doch sagte er, man erwarte stündlich den Angriff. Die japanischen Militär- und Zivilbeamten seien gerüstet, Dalny zu verlassen. Von Zivilpersonen seien nur noch einige in nicht amtlicher Stellung befindliche zurückgeblieben. Der von den Russen vor einiger Zeit gemachte Versuch, die Docks und Anliege st ellen in Dalny zu zerstören, sei mißlungen. General Stössel hab? auf die Nachricht von dem Untergänge des Panzerschiffes „Hatsufe" angeordnet, den Versuch nicht zu erneuern. Die Japaner stehen, wie es heißt, mit einer Truppenmacht bei Pitsewo und Kin- tschou, auf beiden Seiten der Halbinsel gegen Port Arthur marschierend.
Chicago, 25. Mai. „Daily News" berichten: Zahlreiche chinesische Dschunken, die auf schwimmende Minen aeraten sind, flogen in die Luft.
Korea.
Söul, 24. Mai. (Reuter.) Die Japaner sperrten Jonampho für den Handelsverkehr und gestatteten nur Regierungsschiffen, den Jalu hinaufzufahren, der seit Besetzung des mandschurischen Users für die Schiffahrt geöffnet war. Eine ähnliche Maßregel wurde in Tscbin- nampho ergriffen, bevor die zweite Armee auf der Halbinsel Stau hing gelandet war.
Von Jonampho zurückgekehrte Japaner berichten, dort ständen nur wenig Truppen. Die Bevölkerung sei ruhig, doch begrüße sie die Besetzung durch die Japaner wegen des strengen Verhaltens der Behörde nicht. Die Russen ließen große Mengen brauchbaren Nußholzes zurück; die Garnison in Söul sei nicht stärker als 800 Mann.
Ein Telegramm aus Gensan berichtet, daß die R u s s e n, das vom Gründer der gegenwärtigen koreanischen Dynastie in Hamhenng vor 540 Jahren errichtete Mausoleum zerstörten und die Religuienschränke verbrannten, obgleich diese Denkmäler den Koreanern für heilig gelten.
Die Nachricht, daß in Pjöngsöng Russen mit 20 Geschützen stehen, bestätigt sich; es sind dies wahrscheinlich transbaikalische reitende Batterien, wovon mehrere vor dem Ausbruche des .Krieges dem ersten Armeekorps von Wladiwostok bei gegeben wurden.
Berlin, 25. Mai. Der koreanische Gesandte in Petersburg ist in Berlin eingetroffen und in der japanischen Gesandtschaft abgestiegen. Auf der japanischen Gesandtschaft wird erklärt, man wundere sich, daß der Gesandte so lange mit der Llbbeise von Peters
burg gezögert habe, da doch die Koreaner Japans Verbündete seien.
Aus China.
In China scheint das aus der Zeit der Wirren bekannte Spiel mit „Dekreten" wieder zu beginnen. Der Kaiser in Peking fordert in einem soeben erlassenen Pronunciamento dieser Art zur strikten Neutralität auf. Die Kaiserin-Witwe aber, deren überragender Einfluß schwerlich eine Einbuße erlitten hat, schweigt. Die revolutionären Elemente werden also wissen, was sie von dem Dekret zu halten haben.
Im Golf vonPetschili feuerte am 25. ds. ein japano^ scher Panzer auf einen deutschen Kreuzer, dessen Signale er mißverstand. In der letzten Nacht wurde auf der Höhe des Vorgebirges von Liautischan auf den schwedischen Dampfer „Karin" gefeuert, doch unbekannt, von wem.
Ein AtteMat auf bett Zaren?
Während des Besuches des Zaren in Mementschug, auf seiner Reise durch Südrußland, wurde auf der Eisenbahn kurz vor der Stadt Krementschug entdeckt, daß mehrere Eisenbahnschienen ausgehoben worden waren. Die Entdeckung wurde noch vor Abfahrt des kaiserlichen Zuges dadurch gemacht, daß ein anderer Zug an der Stelle verunglückte.
Aer Aufstand in Aeutsch-SüdwestafrrLa.
Windhuk, 25. Mai. Die Typhuserkrankungen bei der bisherigen Ostabteilung in Otjihänena scheinen jetzt zum Stillstände gekommen zu sein. Major v. Glasenapp ist am 25. Mai von hier nach Okahandja abgereift, wo er vorläufig das Kommando über sämtliche Ettapenlinien übernimmt. Oberst Leutwein verlegt sein Hauptquartier am Samstag nach Okakandja.
Volitische Tagesschau.
Die jungliberale Bewegung
ist auch die Quelle einer Reihe von beachtenswerten literarischen Erzeugnissen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete. „Schwarz-Weiß-Rot", das soeben erschienene, von den DDr. Goldschmit und Siebert in T. F. Lehmanns Verlag in München herausgegebene jungliberale Jahrbuch, ist die hervorragendste Kundgebung dieser Art. Eine Reihe namhafter Politiker und Gelehrter aus jung- und altliberalen Kreisen haben Arbeiten beigesteuert. Wir führen nur an: Reichstagsa.bg. Böttger, Prof. Max Haushofer, Landgerichtsrat Kulemaun, Prof. Paul Oertmann, Prof. W. Tröltsch. Das ganze Gebiet des politischen Liberalismus ist in den Einzekbeiträgen von einem einheitlichen, freiheitlichen, sozialpolitisch fortschrittlichen und vertieften nationalen Gesichtspunkte aus behandelt. Die Probleme, die heute im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion stehen, erfahren eine durchwegs anregende Erörterung. Aus dem reichen Inhalt seien angeführt: die moderne Arbeiterbewegung (Kulemann-Braunschweig), das allgemeine und gleiche Wahlrecht (Martin-Leipzig), das Frauenstimmrecht (Jka Freudenberg-München), Zeugniszwang und Presse (Böttger- Berlin), Reichsfinanzreform und Reichserbschaftssteuer (Tröltsch-Marbnrg), Politische Programme und ihre Wandlungen (Haushofer-München), Deutsche Bildungsideale (Weber-München), Liberalismus und Jugend (Hübsch-Nürnberg), Bausteine zur nationalen Frage (Siebert-München), die liberalen Prinzipien und das Jesuitengesetz (Mix-Stargardt), die deutsche Seemacht,und ihre Gegner (Helbeck-Elberfeld) u. a. m Das Jahrbuch „Schwarz-Weiß-Aö)t" ist ein praktisches politisches Vademeeum für vaterländische Politiker.
Aer Weröand der Kunstfreunde in den Ländern um Rhein.
(Unter dem Protektorat Sr. Königs. Hoh. des Großherzö^s von Hessen.)
Von einer Neuorganisation einer Vereinigung zur Förderung wirklicher Heimatkunst in den Rheinländern und den nächsten Nachbargebieten ist jetzt die Rede. Es handelt sich um eine Äußerung des sehr erfreulichen Bestrebens, der Zentralisierung des künstlerischen Lebens der Gebiete der Malerei und Plastik in zwei oder drei Großstädten noch mehr entgegenzuarbeiten, als das in den letzten Jahren ohnehin schon geschehen ist. Die Künstler, die in ihrer Heimat die besten Wurzeln ihrer Kraft haben, die zunächst berufen sind, die Schönheiten dieser Heimat zu ergründen und in ihrem Werk zu rühmen, sollen Gelegenheit erhalten, in materiell sicher fundierten Ausstellungen ihre Arbeiten zur Schau zu stellen und zu verkaufen. Sie sollen dadurch mehr wie früher an die heimische Scholle gefesselt und von der Uebersiedelung in die Großstädte mit ihrem unwürdigen geschäftlichen Konkurrenzkämpfe auf künstlerischem Gebiete abgehalten werden. Tie bisher in Darmstadt, Düsseldorf, Karlsruhe, Stuttgart errungenen Erfolge im Kleinen haben das Gesunde und Aussichtsreiche dieser Bestrebungen dargetan, aber es fehlte noch an einer ausreichenden materiellen Basis, um wirklich, große Unternehmimgen zu sichern. Dem abzuhelfen, ist in Düsseldorf der Verband gegründet worden, und dabei ist netzen den künstlerischen Plänen auch an die außerordentlichen wirtschaftlichen Vorteile gedacht, die die einzelnen Verbandsgebiete durch die beabsichtigten Unternehmungen haben werden. Ein wesentlicher Faktor ist von vornherein, daß die Vereinigung über beträchtliche Mittel verfügt, und daß diese Mittel ausschließlich zur wirksamen Unterstützung künstlerischer Pläne in den inbetracht kommenden Staaten verwendet werden sollen.
Uns Hessen interessiert der Verband darum besonders, weil unser kunstsinniger Landesfürst als Protektor an die Spitze getreten ist, und am 30. Mai wird in Darmstadt eine Sitzung des Gesamtvorstandes und der Kunstkommissionen stattfinden. Bei der Bedeutung, die die Sache für unser Land gewinnen kann, und da an dem genannten Tage eine stattliche Anzahl der hervor
ragendsten Kiinstler der Rheinlande in der hessischen Residenz zusammenkommen werden, seien einige nähere Angaben gemacht. Es ist folgende Tagesordnung vorgesehen: 1) Ziele und Wege des Verbandes (Referent W. Schäfer-Düsseldorf, Korreferent Prof. W. Steinhausen-Frankfurt a. M.); 2) die Atbeit in den Kunstkommissionen (Referent Prof. W. T r ü b n e r\ Karlsruhe, Korreferent Prof, von Bochmann-Düsseldorf); 3) die Verbandszeitschrift „Tie Rheinlande" (Referent Prof. Dr. Clemen-Bonn, Korreferent W. Schäfer-Düsseldorf); 4) Erwerbungen und Zuwendungen an den Verband (Referenten: die Vorsitzenden der einzelnen Kunstkommissionen). Für den Abend sollen die Herren einer Einladung des Großherzogs Folge leisten. Damit die auswärtigen Teilnehmer auch einen richtigen Eindruck von der rasch emporgehlühten Bedeutung unserer Stadt und ihrer Kunstschätze erhalten, sollen am 31. Mai ein Rundgang und eine Besichtigung der Kunstsammlungen vorgenommen werden.
Dem geschäftsführenden Vorstand gehören u. a. an: Regierungspräsident a. D. Tr. zur Nedden-Koblenz, Prof. Dr. Clemen, Provinzialkonservator der Rheinprovinz Bonn, Museumsdirektor Dr. Kögel-Düsseldorf, Prof. Tr. Liesegang-Wiesbaden, Geheimrat Römheld-Darmstadt. Mitglieder der Kunstkommissionen sind u. a.: für Karlsruhe: Ministerialrat Dr. Böhm, Prof. Hans Thoma, Prof. Gustav Schönleber Prof. Ludwig Dill, Prof. Franz Hein; für Stuttgart: Pros. Graf Leopold von Kalckreuth, Prof. Robert Haug, Prof. Carlos Grethe, Prof. Bernhard P a n k o k; für Darmstadt: Prof. Habich, Prof. Olbrich, Maler Adolf Beyer, Maler I. V. Cissarz; füt Frankfurt: Dr. Paul Rüdiger, Prof. Ferd. Brütt, Prof. W. T r ü b n e r, Prof. W. Steinhaufen, Prof. W. K o - warzik; für Düsseldorf: Prof. Peter Behrens, Prof, von B o ch m a n n, Prof. Claus Meyer.
*
— Der Kaiser und die Kunst. Dem Bernsteinschen Montagsblatt wird unter der Ueberschrist „Der Kaiser und die Kunst" aus Berliner Künstlerkreisen geschrieben: Vor einigen Tagen besuchte das Kaiserpaar die große Berliner Kunstausstellung. Es ist interessant, zu beobachten, wie eine Besichtigung der dort so spärlich vertretenen wirklichen Kunstwerke vor sich geht. Der Kaiser sieht nämlich nur das, was ihm die Herren vom
Ausstellungskomitee zu zeigen für notwendig halten. Von diesen in antiken Kunstanschauungen festwurzelnden Akademie-Professoren empfängt der Monarch seine künstlerischen Anregungen. Es folgt nun eine Auszählung dessen, was der Kaiser gesehen hat und was er nach Ansicht des Verfassers hätte sehen sollen. Dann heißt es weiter: Das Interesse des Kaisers erstreckt sich zunächst auf das rein Stoffliche. Wenn das Bild dann noch möglichst konventionell und akademisch korrekt gemalt ist, dann findet es sicher seinen Beifall. Ein Stimmungsreiz ist bei diesör Art von Besichtigung natürlich ausgeschlossen. (Wir möchten gegenüber dieser Meldung nicht unerwähnt lassen, daß sie aus s o z i a l- demokratischeu Kreisen stammt. Sollte sie zutreffend sein, dann könnte man sein Bedauern nicht unterdrücken darüber, daß durch Männer, die es offenbar selber nicht besser verstehen, unferm Kaiser die Gelegenheit genommen wird, zur Entwickelung lichten und intimen Kunstgefühls. D. Red. des „Gieß. Anz.")
• — Lenbach und der Kaiser. In dem Lenbach-Artikel, den Franz Wolter in der „Kunst" (Verlag von Bruckmann in München) dem verstorbenen Meister widmet, weiß er manche Einzelheit mitzuteilen, die bisher weiteren Kreisen nicht bekannt geworden ist. So zitiert er folgende Aeußerungen Lenbachs: „Denken Sie sich, ich sollte den Fürsten 3c. malen: der kommt ins Atelier in einem weißgrauen Reisekostüm, einfach scheußlich. Nein, das konnte ich nicht." . . . „Auch den Kaiser hätte ich malen sollen, mit der Krone auf dem Haupte und im Hermelin; dreimal habe ick die Anfrage deswegen bekommen, ich habe aber abgelehnt — ich weiß, das war grob."
— Das Lübecker St a d 11 h e a t e r, dessen bauliche Verhältnisse in der Bürgerschaft der alten Hansastadt schon häufig Gegenstand eingehender Erörterungen bildeten, soll a.m.Ende der nächsten Spielzeit, April 1905, seiner Feuergefährlichkeit wegen abgerissen und durch einen an der gleichen Stelle zu errichtenden Neubau erseht werden. Die Musik und Theaterverhältnisse Lübecks sind augenblicklich im Aufschwung begriffen; zu ihrer weiteren Förderung errichtet man zurzeit eine „Stadthalle", die — 2000 bis 2500 Personen fassend — für Konzert- und Theater- Aufführungen dienen soll und zu diesem Zweck mit einer allen modernen Anforderungen entsprechenden Bühne versehen wird.


