Ausgabe 
26.1.1904 Erstes Blatt
 
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trag des Pfarrers Sic. Tr. Diehl von Hirschhorn über: Sturm und Sonnenschein in Gießen während des dreißig­jährigen Krieges" eine große Anziehungskraft baden. T<*t Redner stellte zunächst bar, wie man mit Recht im Blick auf den 30 jährigen Krieg für Gießen von einer Zeit des Sturmes und der Rot reden könne. Ties bewiesen 11 die großen finanziellen Verl u st e, die die Jahre 1022/24 (Einfall destollen Christian" Verlust der hockcherübmten Universität und des Pädagogs) brachten: 2) die großen religiös en Sorgen, die in der Zeit der Rekatholi- sierungen gerade die Stadt Gießen, ein Hauptzentrum der evangelischen Bewegung in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts treffen mußten: 31 das große Ster­ben, das die Jahre 1635 und 1636 brachte. (An der Pest starben in Gießen 1635 über 1500 Personen, in Grün berg 1200, in Butzbach über 1050!); 4) der Hunger und die Teuerung in 1637/38. Trotzdem sei es verfehlt, wenn man über dem Sturm nicht den vielen Sonnenschein sehe, der in Gestalt des evangelischen Glaubens damals in ganH besonderem Glanze gestrahlt habe. Daß wir in dieser Zeit eine Zeit des Sonnenscheins sehen müßten, erfordere die Betrachtung dessen, was in Gießen in diesen schweren Zeiten doch all geschehen sei. Insbesondere wurde auf den großartigen Aufschwung des kirchlichen Wesens und des Schulwesens hingewiesen, so daß man getrost sagen könne, der evangelische Glaube habe in Gießen im 30jährigen Krieg seine Kraftprobe bestanden. Ter Vor­tragende verstand es in frischer, lebendiger Weise seine Zuhörer zu fesseln. Seine Schilderunb und Tarstellung von Einzelheiten bewies das sorgfältigste Studium und die Ausnützung eines Urkundenmaterials, das bis jetzt in Archiven oder Speichern und in alten Schranken versteckt war. Um den musikalischen Teil des Abends haben sich Fräulein Ida Stammler, Herr Pianist Hahn und der Evang. Kirchengesangverein unter Leitung des Musikdirektors Trautmann, sämtlich in vorzüglicher Weise verdient ge­macht.

* Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen Ziehungstage der 4. Klaffe fiel die Prämie von 75 000 Mk. auf Nr. 48031, die zuletzt mit 1000 Mk. gezogen wurde (nach Offenbach), ferner fiel ein Gewinn von 25 000 Mk. auf Nr. 60707 (nach Worms), ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 69522, ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 9743, ein Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 77456, vier Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 30897 36272 50218 94391, Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 15221 56218 62402 92031, Gewinne von je 250 Mk. auf Nr. 7205 40596 48095 70395 92886 94299. (Ohne Gewahr.)

** Der Vortrag des Kaufmännischen Ver­eins gestern abend im Neuen Saalbau war nicht so gut wie sonst besucht; das Eisfest hatte wohl Viele abgehalten. Herr Rudolf Cronau aus Newpork sagte in seinem Vortrag über die Vereinigten Staaten von Nord­amerika und ihre Bewohner zwar nicht viel Neues, aber es ist doch berechtigt und von Interesse, über das Land der unbeschränkten Möglichkeiten" im Zusammen­hänge sich erzählen zu lassen, und aus der merkwürdigen Geschichte und den enormen Fortschritten des Riesenreiches in so kurzer Zeit, besonders in den letzten 50 Jahren, Nutzen zu ziehen. Dieamerikanische Gefahr ist über­trieben worden, und für uns Teutsche gibt es gar keinen Grund, Besorgnisse zu hegen. Nachdem der Redner einen historischen Ueberblick über die Union gegeben hatte, schil­derte er die Zusammensetzung, die Vorzüge und die Tüchtig­keit des Volkes, das sich vorzugsweise aus tatkräftigen, unternehmungslustigen Menschen zusammensetzt, vergaß aber auch nicht, die Mängel und Schattenseiten zu be­leuchten, die besonders im politischen Leben, in den Ringen unb Trusts, hervortreten. Von Interesse war, von dem der Verhältnisse kundigen Redner zu hören, daß, während die Männer ein arbeitsreiches Leben führen und in ihrer geschäftlichen Tätigkeit, sogar im Alter, nimmer ermüden, die Frauen die Träger geistiger Interessen seien, also die Amerikanerin", die, wenn sie nur genannt wird, schon bei vielen der Nnsrigen einen Horror hervorruft. Tie Frauen haben, so führte Herr Cronau aus, mit ihren Männern bei den ersten Niederlassungen mutig alle Ge­fahren und alle Mühsal geteilt, und das hat sie, nicht zu ihrem Nachteil, selbsttätig und selbständig gemacht. Mit den zahlreichen Lichtbildern, mit denen der Vortragende nach einer kleinen Pause seinen Vortrag vervollständigte, wurden uns besonders die landschaftlichen Schönheiten, der großen Flüsse und Gebirgsszenerien, vorgeführt, bann schauten wir die Trapper unb Cowboys, die ersten An­siedlungen, ferner die Städte Newyork und Chicago in ihren Anfängen, den ersten Flußdampfer, die erste Eisen­bahn Amerikas, die Blockhäuser der Farmer und ihre Kämpfe mit den Indianern, und endlich moderne Ansich­ten unb Straßenbilder der großen Städte, wobei die hohen Gebäude Newyorks, dieWolkenkratzer", Hotels und Zeitungspaläste, besonderes Interesse erregten.' Ter Vortrag war unterhaltend und belehrend und den Inter­essen eines kaufmännischen Vereins besonders angemessen.

** Der hessische Verband der Spengler und Installateure hielt am vergangenen Sonntag unter zahlreicher Beteiligung aus dem ganzen Hessenlande seine Hauptversammlung im Frankfurter Hofe hier ab, zum Zwecke der inneren Organisation bezw. zur Gründung von Bezirks­vereinen. Nachdem der Vorsitzende der hiesigen freien Ver­einigung, Gg. Appel, die Begrüßungsansprache gehalten hatte, übernahm als Vorsitzender des Hess. Verbandes Fritz Ewald-Tarmstadt die weitere Leitung der Versammlung unb betonte besonders, wie nötig es wäre, einmütig vor­zugehen gegen die ungesunden Auswüchse der Neuzeit, welche geeignet sind, dem Handwerk den goldenen Boden zu ent­ziehen. Darauf hielt Redakteur F. W. Metzger-Mannheim eine eingehende Ansprache in kernigen Worten über die Bedeutung des Tages. Tann ergriff Genossenschaftsdirektor Otto Paech-Tarmstadt das Wort und referierte über das .Genossenschaftswesen in seiner Bedeutung im Handwerk. Er bewies durch seine vorzügliche Ausführung, wie vorteil­haft auch für den Handwerker, speziell in unserer Branche, es ist, gleich der landwirtschaftlichen Genossenschaft sich zusammenzuschließen und einmütig vorzugehen. Die Zen­tralstelle der Handwerkergenossenschaften in Darmstadt stehe jedem Meister mit ihrem Rate unentgeltlich zur Seite, und Wenn e? nötig wäre, würde sie ihn audj mit Kapital unter* stützen. Gerade diese Stelle soll dazu berufen fein, dem Handwerker seine bejten Bezugsquellen ausfindig zu machen und den Einkauf von Materialien, insbesondere seiner nötigsten Arbeitsmaschinen, in solide Bahnen zu lenken. Alle sind den Worten des Redners mit großem Interesse gefolgt u nd jeder weitblickende Zuhörer wrid sich wohl von dem Wirken der Handwerksgenossenscha-ten die besten Er­folge für die Zukunft versprechen. Sodann hielt Redakteur F. W. Metzger-Mannheim einen weiteren Vortrag über die

Sterbekasse und Hastversichernng des süddeutschen Verban­des, sowie über die Unfallversicherung des Verbandsorgans und schilderte an Hand mancher treffender Beispiele, wie vorteilhaft es ist, auch als Handwerker derartigen Ver­sicherungen anzugehören. Nun ergriffen noch verschiedene Kollegen aus Mainz, Worms, Darmstadt usw. das Wort und zeigten, wie durch einmütiges Vorgehen ihrer Orcks- bereinigimg Großes schon geleistet und Errungenschaften aufzuweisen hätten, woran b's noch vor einigen Jahren kaum jemand gedacht hätte. Von dem Gedanken nach einer allgemeinen Einigung durchdrungen und durch die eingehen­den Vorträge bewährter Männer überzeugt, gründete daher einstimmig die Versammlung die einzelnen Bezirksvere'n'g- ungen für -Oberhessen unb wählte als Vorfitzerwen bes Pro­vinzialverbandes für Ob er Hessen Spenglermüster Faber- Gießen. Zum Schlüsse wurde von mehreren Rednern noch die in unser Gewerbe einschneidenden Fragen, darunter auch besonders die Städte-Konkurrenz, erörtert; mancher machte hierbei seinem bedrängten Herzen Luft und gab Anlaß zu stillem Nachdenken. Nach brei^ünbiger Beratung fanb in demselben Lokal ein gemeinschaftliches Mittagessen statt, woran sich ein gemeinsamer Ausflug nach dem Philo­sophenwald anschloß. Ein großer Teil Der Versammlung war bis spat abends noch zusammen unb feierte den Tag als den Geburtstag des Oberhessischen Bezirksverbands der Spengler und Installateure.

** Kriegerverein. Die Feier von Kaiser? Ge­burtstag, welche der Kriegerverein am 23. d. MtS. im Neuen Saalbau abhielt, war von einem echt patriotischen Geiste durchweht. Dieser kam auch in der Ansprache des Ehrenvorsitzenden, Kameraden Meyer, zum Ausdruck. Sein auf das hohe Geburtstagskind ausgebrachtesHurrah"! fand lebhafte Zustimmung. Das GenrebildEs lebe der Kaiser!", das zur Aufführung gelangte, war der Bedeutung des Tages angemeffen. Damit aber bei allem Ernste der Humor nicht fehlte, dafür sorgteHausknecht Nulpe" und erregte durch seinePutzsucht" lebhafte Heiterkeit. Durch einen Gewehr­reigen und die jedesmal an passender Stelle sich anschließen­den lebenden Bildern wurde in so manch altem Soldaten die Erinnerung an die schöne Militärzeit wieder wachgerufen. Diese Aufführung errang daher auch den vollsten Beifall der überaus zahlreichen Festteilnehmer. Zu dem schönen Ver­lauf der Feier trug der hiesige Bauersche Gesangverein wesentlich bei. Die ausgezeichneten Leistungen dieses Vereins sind ja weit über Gießens Mauern hinaus bekannt. Auch diesem Abend leistete die wackere Sängerschar unter der Leitung des Herrn Polster wieder Gutes. Bei jeder Nummer, die zu Gehör gebracht wurde, wollte der Beifall kein Ende nehmen. Dem lebhaftesten Danke an die Sänger gab auch Kamerad Meyer beredten Ausdruck. Das übliche Tänzchen hielt besonders die tanzlustige Jugend bis zur ftuhen Morgen­stunde zusammen.

* Ein sehr frühzeitiger Frühlingsbote in Ge­stalt eines zappelnden Maikäfers wurde uns heute auf der Redaktion vorgezeigt.

""Humor in der Schule. Hier ereignete sich in der Schule folgendes lustige Stückchen. In Schiller'sTell" 1. Akt 3. Szene stürzt Berta, nachdem der Schieferdecker vom Dach gestürzt ist, herein und fragt:Lebt er?" Darauf fragte der Lehrer einen Schüler:Was hattest Du gefragt, wenn bei Euch in Atzbach so etwas passiert wäre?" Der Schüler antwortete nach langem Besinnen:Ist er schon aufgestanden?"

)( Grün berg, 25. Jan. Von den hiesigen Frauen und Jungfrauen soll dem Ges an g verein zu seinem 60 jäh­rigen Jubiläum, welches mit dem Lahntalsänger - Bundesfest verbunden wird, eine neue Fahne gestiftet werden. Die vereinigten hiesigen Wirte haben auch gegen das mit be­deutender Ermäßigung beschloffene Oktroi wieder eine Ein­gabe zur Ablehnung an das Gr. KreiSamt gerichtet. Seit Samstag abend ist die hiesige Station mit zwei KeroSlampen versehen, welche ein prächtiges Licht über den ganzen Bahn­körper verbreiten.

)( Laubach, 24. Jan. Recht unvorsichtig verfuhr ein hiesiger junger Mann mit einer sog. Scheibenbüchse beim Abschießen von Raben. Eine Kugel nahm ihren Weg in die Wohnung des Forstmeisters Andr4 und drang dort über dem Sofa in die Wand; glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt niemand im Zimmer.

L. Friedberg, 25. Jan. Gestern nacht miß­handelten zwei Rowdis auf dem Bahnhof einen jungen Mann und bedrohten ihn mitTotstechen" undTotschießen". Zur rechten Zeit kamen Polizeibeamte, deren Einschreiten die rohen Burschen den energischsten Widerstand entgegensetzten. Sie ergingen sich dabei in den gröblichsten Beleidigungen der Schutzleute, denen es schließlich doch gelang, sie zur Wache zu transportieren. Der eine der Burschen heißt Nicolai und ist aus Ober-Mörlen, der andere heißt Schneider und ist aus Bad-Nauheim. Das Gießener Stadttheater giebt am Mittwoch den 27. Januar zwei Gastspiele. Nach­mittags gelangtMinna von Varnhelm" und abendsMaria Magdalena" zur Aufführung. DieErste Friedberger Karnevalgesellschaft hielt gestern eine glänzend ver- aufene Damen- und Herrensitzung ab. Am kommenden Sonn- ag findet eine große Fremdensitzung statt.

Mainz, 25. Jan. In der Generalversammlung (Januarversammsimg) de§ Mittelrheinischen Fabri­kantenvereins wurde zunächst die Rechnung für 1903 vorgelegt. Nach dem Bericht haben die Einnahmen im ver- loffenen Jahr 15,838.73 Mk. und die Ausgaben 6282 Mk. betragen. Der Voranschlag weist in Einnahme den Betrag von 16,290.73 Mk. und in AnSgabe den Betrag 8590.73 Mk. auf. Die Neuwahl des Vorstandes wurde oorgenommen. Einschließlich der durch Kooptation zugezogenen Herren setzt er sich für das laufende Jahr auS 20 Herren zusammen, darunter: Kommerzienrat Richard Avenarius-Gau-AlgeSheim, Direktor Hering-Gustavsburg bei Mainz, Kommerzienrat Heyligenstaedt-Gießen, Kommerzienrat Hans Kopp- Frankenthal, Kommerzienrat P. MelcherS - Mainz, Josef Reinach-Mainz, Geh. Kommerzienrat Jnl. Römheld-Mainz, Direktor Ugö-KaiserSlautern, Dr. von Voß-Darmstadt. Zum Vorsitzenden wurde Dr. Beck-Biebrich wiedergewählt. Darauf hielt Professor Gothein-Bonn einen Vortrag über die Kartell- Enquete nach den bisherigen Ergebnissen. Ueber den Streik ln Krimmitschau referierte der stellvertretende Geschäftsführer des Zentraloerbandes deutscher Industrieller, Regierungsrat Dr. Leidig-Berlin.

Frankfurt, 25. Jan. In einem HauS der Klinge--'

straße ist SamStag abend zwischen 7 und 10 Uhr em Dieb- stahl verübt worden, dessen Opfer das Artisten - Ehepaar Carangeot-Moraw ist. Der Verlust, den das Ehepaar er­leidet, ist sehr erheblich. Dem Dieb fielen, wie ein Bericht­erstatter meldet, 3000 Mk. Bargeld und für etwa 6000 Mk. Juwelen in die Hände. Eine eiserne Kassette wurde ge­sprengt auf dem Boden liegend aufgefunden. Alis ihr ver­mißte man 15 000 Mk. Wertpapiere, die man aber später völlig zerknittert in einer Ecke der Stube noch vorfand. In letzter Nacht wurde im Hause Reineckstraße 3 in der Wirtschaft des Herrn Hennemann ebenfalls ein schwerer Ein­bruch verübt. Drei Einbrecher hatten mit Hilfe eines Brech­eisens und eines Dietrichs die Tur erbrochen und Zigarren und Spirituosen im Hausflur zur Mitnahme aufgestapelt, als sie überrascht wurden. Es gelang, zwei von den Einbrechern sestzunehmen, während der Dritte durch die Flucht über die Dächer entkam. Er ist später ebenfalls verhaftet worden.

Vermifdttc»,

* Berlin, 25. Jan. Die gestrige Panik im Deutschen Theater infolge des Einstürzens der Korridor­becke war doch etwas größer. Ein großer Teil des Publikums hat das Theater fluchtartig verlassen und die Panik hat etwas länger gedauert als nur wenige Minuten. Der herabgestürzte Teil der Decke war, wie es hecht, durch bauliche Veränderiingen im Sommer gelockert worden. Inzwischen wird der Schaden repariert und alles untersilcht und die Vorstellungen erleiden, wie bereits ge­meldet, keine Unterbrechung.

* Hamburg, 25. Jan. Ein Beamter der Senats­kanzlei namens Wittenburg ist unter der Beschiildigung, 1 2 000 Mk., die dem Hiobsstift gehörten, unterschlagen zu haben, in Haft genommen worden.

"Dresden, 25. Jan. Der Gegner des im Duell erschossenen Leutnants Schubert war Hauptmann Falk v. Schrocter vom 107. Infanterie-Regiment.

Pirna, 25. Jan. Ausunterrichteter Quelle" er­fährt dieChemn. Allg. Ztg.", daß die Pirnaer Duell - affäre eine Wendung nimmt, die von sachverständigen Aerzten alsbald vermutet wurde. Auffällig ist diesen auf dem Gebiete der Nervenkrankheiten erfahrenen Herren sofort zweierlei gewesen: Einmal, daß die in Betracht kommenden Vorgänge in die Zeit nicht lange nach der Verheiratung fallen, also in eine Zeit, die bei Menschen mit normalem Verstände und Empfinden wohl am wenigsten zu diesen Ver­irrungen disponiert. Sodann sollen alle Vorgänge um diese Zeit zurückliegen. Ist dieses richtig, so erheben sich gerechte Zweifel an dem gesunden Verstände der Frau und es ist zu verstehen, daß sie auf Ansuchen des betrübten Vaters in der Irrenanstalt Coswig interniert worden ist.

* Zittau, 25. Jan. Aus dem Kassenschrank des Rathauses wurden 3000 Mk. gestohlen. Als Dieb wurde ein Hilfsschreiber verhaftet.

* Ein Grubenunglück in Pennsylvanien. In Cheswick (Pennsylvanien) fand in einem Bergwerk der Herrick Cool Company eine Explosion schlagender Wetter statt, die 180 Bergleuten den Rückzug ab schnitt. Tie Explosion hatte eine solche Gewalt, baß ein Maulesel burch die Schachtmündung von bet Sohle des Schachtes 200 Fuß- hoch geschleubert und alle Venti­lationsvorrichtungen ruiniert toitrben. Tas Retli ngswerk kann erst beginnen, wenn wieber Luft in ben Schacht ge­pumpt worben ist. Die Arbeiten an ber Schachtmünbung werben burch aussttömenbe Flammen sehr erschwert. Tas burch bie Explosion hervorgerusene Geräusche war meilen­weit hörbar. Wegen der Gewalt derselben befürchtet man, daß nur wenige Bergleute leben.

"Abenteuer im Schlafwa gen. Ein internatio­naler Eisenbahndieb ist wieder in Deutschland aufgetaucht. Wie der Berliner Kriminalpolizei mitgeteilt wurde,arbeitete* er mit Erfolg im Schlafwagen auf der Strecke zwischen Ber­lin und Bremen. In einem Abteil des Wagens stahl er während der nächtlichen Fahrt einem Rechtsanwalt die Akten­tasche, in der er wahrscheinlich außer den Akten auch noch andere für ihn wertvollere Sachen vermutete, in einem anderen einer Dame die Reisetasche mit Brillanten. In einem dritten Abteil mißlang ber Versuch. Zweimal erschien der Spitzbube, aber jedesmal mußte er sich zurückziehen, weil der Reffende erwachte. Als er auch 5um dritten Male noch wiederkam, stellte ihm der Reisende, der nicht an einen beabsichtigten Diebstahl, sondern nur an einen nächtlichen Scherz dachte, eine Tracht Prügel in Aussicht. Der enttäuschte Dieb brummte nun etwas in englischer Sprache und ließ den Mann in Ruhe. Als die Äebstähle entdeckt wurden, war der Spitz­bube schon verschwunden; er war auf einer Zwischenstation ausgefttegen. Es handelt sich um einen jungen Burschen, feinem Äeußeren nach einen Engländer, einen kleinen, schmäch­tigen Menschen mit einem hellblonden, kurzen, noch oben ge­wirbelten Schnurrbart.

" Wie man an den Mann kommt. In Ecanssines, südlich von Brussel, waren sehr wenige Heiraten vorgekommen, und die Mädchen, die nicht gern ledig bleiben wollten, steckten die Köpfe zusammen, um zu beraten, was da geschehen könnte. Man kam einstimmig zu der Ansicht, daß der beste Weg, an die Herzen der Dorftünglinge zu appellieren,durch den Magen gehe". Die Mädchen veranstalteten deshalb ein Esten, zu dem alle unverheirateten Leute des Dorfes eingeladen wurden. Die Männer erschienen auch in großer Stärke. Nach dem Esten wurde getanzt. Jetzt begann das Cour­machen, und das Ende ist, daß vierzehn von den Mädchen, die das Frühstück veranstalteten, am Pfingstmontag Hochzeit haben werden. Die anderen Mädchen aber, deren Bemüh­ungen, einen Mann zu kapern, erfolglos waren, sind durch­aus nicht entmutigt Sie denken an ein Zweckes Essen.

Heeflichkeit.

Abg. Dr. v. Jadzewski betonte den liebenswürdigen Charakter der Polen. Sie flrüßten jeden Postillon, der den Reichsadler führe.

Hoch auf gelbes Kutscherthron Sitzt sich froh Pan Postillion; Pollack, was ihn fahren steht, Freindlich seine Mitze zieht.

Pollack, libbenswirdig Mann. Grreßt, was er nur grießen kann, Ruft:Pstakrew" unb grinst dazu So, nu rede, Kraetke, du!

(Kladderadatsch.)