Ausgabe 
25.1.1904 Zweites Blatt
 
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Vilbel, 24. Ian. Hier wurde eine Frau Bind det» aftet, eine noch ,unge Frau, die sich seit mehreren Jahren

von 18.

scheint über dem Dom ein dauernder Unstern zu schweben. Berens um die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts trat der erste Konservator der Kunstdenkmäler, v. Quast, mit aller Kraft für die damals schon als dringlich bezeichnete Rettung des Bauwerks ein. Und was war nach jahrzehnte» langer Vorarbeit das Ergebnis dieser Bewegung? Einige kümmerliche, künstlerisch unzureichende Arbeiten, die als neue Flicken auf altem Gewände häßlich hervorstechen und zur Erhaltung des Ganzen nichts beilcagen. Seit etwa vier Jahren hat der alle Dom durch einen herabgeschütteten Stein­hagel eine neue Bewegung zu seiner Wiederherstellung ein­geleitet. Aber noch sehen wir trotz mancherlei Vorarbeiten und wohlwollendster Erwägungen fein Ergebnis. Ob dem unschätzbaren Kunstdenkinal Rettung winkt, ob Untergang? Jedenfalls muß das letzte Stündlein seines jetzigen Zustandes bald schlagen, sei es im einen, sei es im andern Sinne.

ALS ^lüöl und Land.

Gießen, 25. Januar 1904j

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Oberamtsrichter bei dem Anüsgericht Lich, Heinrich Gill er, unter Verleihung des Titels , Regierungsrat" zum Vorstand des Erbschastssteueramts ernannt und den Bezirks- kastier der Bezirkskajse Wöllstein, Wilhelm Müller, in gleicher Diensteigenschaft an die Bezirkskasse Bingen versetzt.

** ,Die Reform der Gemeindesteuern im Groß­herzogtum Hessen", herausgegeben von dem Vorstände des Bodenreform Vereins in Darmstadt, betitelt sich ein so­eben im Verlage von Eduard Roether in Darmstadt er» chieneneS Schriftchen, eine zeitgemäße Arbeit, da Hessen vor einer gesetzlichen Neuordnung seines Gemeindesteuerweseus steht und deshalb dieser Gegenstand voraussichtlich die öffentliche Meinung demnächst eingehender beschäftigen dürfte. Die vor­liegende Schrift befaßt sich nicht wie man aus der Be­zeichnung des Herausgebers vermuten könnte ausschließlich mit der Bodenrente und ihrer Besteuerung, sie geht vielmehr auf das Gemeindesteuerwesen im ganzen ein und bringt neben einer eingehenden Kritik des derzeit bestehenden Steuersystems umfassende und ausführlich begründete Vorschläge für die Gestaltung der künftigen Gemeindesteuern. Ein ausgiebiges Zahlenmaterial dient zur Unterstützung und Beleuchtung der theoretischen Ausführungen. Da unseres Wiffens weitere Litteratur auf dem Gebiete des hessischen Gemeindesteuerwesens nicht vorhanden ist, so ist das vorliegende Schrfftchen allen Personen und Vereinen, die sich mit diesem Problem beschäf­tigen wollen, zu empfehjeu; es bietet auch denen, die auf einem gegnerischen Standpunkt stehen, ein erschöpfendes Material zur Beurteilung dieser Frage, wie auch zur Prüfung chrer eigenen Anschauung.

- Beinaheertrunken. Beim Schlittschuhlaufen auf der Lahn wäre dieser Tage ein Knabe verunglückt, wenn nicht, wie uns ein Augenzeuge mitteilt, ein Taglöhner mit eigener Lebensgefahr denEmgebrochenen gerettet hätte. Es dürfte sich wohl empfehlen, bei Strafe das Be­treten der Eisdecke des Fluffes zu verbieten.

* * Die Rezitation zum Besten des Theater- Neubaus am kommenden Mittwoch beginnt auf Wunsch des Fräulein Triesch um 6 Uhr (siehe Anzeigenteil), nicht um 7 Uhr, wie anfänglich bestimmt war. Es wird üb­rigens das Gerücht verbreitet, es seien fast alle Plätze schon vergeben. Da« fft durchaus falsch, es sind vielmehr noch in großer Zahl Plätze vorhanden. Daß sie aber am Mittwoch abend alle, bis auf den letzten, besetzt sein müssen, betrachten wir als selbstverständliche Psticht der Dankbartett gegen Frl. Triesch, dir ihre Kunst dafür einsetzt, um den so not­wendigen Bau eines neuen Theater« in Gießen zu fördern.

Der gestrige Maskenball des Fechtverbandes GießenLahr im Lass Leib hatte sich eines nngewöhnlich zahlreichen Besuches zu erfreuen. Zu Beginn waren Galerie und Logen dicht mit Zuschauern besetzt und im Saale selbst wogte ein Meer kostümierter Paare, die ängstlich bemüht waren, auf jede Weise chr Inkognito bis zum letzten Augen- blick zu bewahren. Ein hübscher, gut eingeübter Reigen, der sich einem magisch beleuchteten Märchenbüde anschloß, zwang die Besucher zu lebhaftem Beifall. Im übrigen machte der Tanz den größten Teil des Abends aus. Alles amüsierte sich vor wie nach der Demaskierung gleich gut und so nahm man einen recht angenehmen Eindruck von diesem Abend mit

Vermischtes.

* Montreal, 23. Jan. Der Erforscher Hubbard dem amerikanischen Sportblatt yDuting" starb am Oktober in der Wildnis Labradors infolge von Ent-

mit der Kartenschlägerei und Wahrsagerei befaßte und Zuspruch aus allen Kreisen hatte. Auch in Frankfurt hatte die Frau zahlreiche Kunden, denen sie aus den Karten die Zukunft vorhersagte. Der Grund zu ihrer Verhaftung war die nahezu völlige Ausräuberung einer Vil­bel er Familie, Mutier und Tochter, die seit Jahren zu der Bind kamen; der Tochter hatte sieeinen reichen Baron" prophezeit, der sie heiraten werde, und sie hatte den Leuten nach und nach nicht nur etwa 2000 Mark bar, sondern auch eine Menge Hausrat und Kleider abge- chwindelt. Dieser Tage sollte das Mädchen in Frankfurt den Baron treffen, und als sie sich getäuscht sah, ging sie endlich zur Polizei. Eine ganze Wagenladung von Haus­rat rc. wurde bei der Bind beschlagnahmt und diese selbst estgenoniinen. Das Geld hatten sich die Betrogenen meist usammengeborgt und die Angepumpten haben zum Schaden nun noch den Spott.

Darmstadt, 23. Jan. S. Königl. Hoh. der Groß- )erzog haben die gemeldete Reise nach London zum Besuche Ihrer Großherzogl. Hoheit Prinzessin Ludwig von Battenberg heute mittag 2 Uhr 25 Mm. angetreten;' em Sonderzug brachte den hohen Landesherrn nach Bingen, wo die Weiterfahrt mit dem fahrplanmäßigen v-Zuge 3 Uhr 9 Min. stattsindet. In Begleitung befindet sich Flügeladjutant Rsttmeister Kraemer.

Wiesbaden, 24. Jan. Der Bund deutscher Frauenoereine hat zwei Petitionen betreffend die Er­öffnung der landwirtschaftlichen Schulen fürFrauen owie die Anlegung von Schulgärten an die landwirtschaft­lichen und Kultusministerien der Bundesstaaten Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, die letztere Petition auch an die Kultusministerien von Baden und Hessen abgesandt.

Dillenburg, 24. Jan. Hier wurde in feierlicher Weise die am Kurhause angebrachte Gedenktafel für den verstorbenen Stifter des Kurhauses, Lederfabrckanten Friedrich Schramm, enthüllt. Nach den Weiheworten des Bürgermeisters Gierlich fiel die Hülle der schön gelungenen Tafel, welche durch das Stadtwappen bekrönt wird. Ein gemütliches Beisammensein im Kurhause schloß die Feier, bei welcher unter Leitung des Herrn C. Dönges der Männer­gesangvereinLiederkranz" besten langjähriges Mitglied Friedrich Schramm gewesen war, einige paffende und wohl- gelungene Ehöre vortrug.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. Beig. Dr. Glässing in Darmstadt hat sich definitiv entschlostcn, in seiner Stelle dort zu verbleiben. Nach dem einstimmigen, durch die Stadtverordneten-Versammlung erklärten Ehren- und Vertrauensbeweise hat Dr. Glässing nach Eisenach mitgeteilt, daß er für die durch den dortigen Wahl­ausschuß beschloffene engste Wahl zum Ersten Bürgermeister der Stadt Eisenach nicht mehr in Frage komme. Aus dem gleichen Grunde kommen die Besprechungen über die neue Stelle in der Bürgermeisterei Mainz nicht mehr in Betracht. Der Prozeßagent und Konkursverwalter Kauß aus Biedenkopf, der in seiner Eigenschaft als Konkursverwalter einen namhaften Geldbetrag unterschlagen hatte und flüchtig gegangen war, wurde in Zürich festgenommen.

behrungen. Die Leiche wird auf Hundeschlitten nach Quebec gebracht.

Innsbruck, 23. Jan. In Vols bei Innsbruck wurde ein heftiges Erdbeben verspürt. Im Innern des Weißenbachtales und am südösllichen Abhänge der Zillertaler Alpen gingen mächttge Lawinen nieder. Zwei Bauern konnten sich nur mit großer Mühe retten.

Esseg, 24. Jan. Der Ehrenrat hat das Vorgehen des Artillerie-Leutnants Roda gebilligt, der die Forderung eines serbischen Hauptmanns mit der Begründung ablehnte, daß serbische Offiziere nach dem Königsmorde nicht satisfaktionsfähig seien.

Budapest, 24. Jan. In Schikaly-Zseh stürzte die 400 Jahre alte evangelische Kirche ein. Menschen wurden nicht verletzt.

Petersburg, 23. Jan. Aus Dobrjanka im Gouver- nement Tschernikow wird gemeldet, daß nachts vermummte Männer in das dortige Bankgebäude emdrangen, drei Wächter ermordeten, den Geldschrank erbrachen und 56000 Rubel in Papier, Gold und Silber raubten. Die Raubmörder sind noch nicht ergriffen.

* New-York, 23. Jan. Der SchoonerAugusta" strandete im Nebel an der Küste von Long Island. 18 Personen sind ertrunken. ----- In Chicago brach in dem zwanzig stückigen GeschäftsgebäudeMasonic Temple", das tagsüber 5000 Personen beherbergt, ein Brand aus. In wilder Flucht suchte man das Freie. Es wurden alle gerettet. Manche erlitten leichte Verletzungen.

' Eine Bluttat. Ein Leser desGieß. Anz." meldet un§ aus Erlangen: Der ledige Bierbrauer Georg Riegel aus Diepersdorf erstach seine 23jährige Geliebte, die Dienstmagd Eva Niersberger von Kornhöfstädt. Riegel unter­hielt mit der Niersberger schon seit längerer Zett ein Liebes­verhältnis, das nichl ohne Folgen blieb. Dieser Umstand soll den Burschen dazu veranlaßt haben, seine Geliebte aus

nach Hause.

Wetzlar, 24. Jan. Da« Schicksal des Wetzlarer Domes, von dem wir schon ftüher eingehend berichtet haben, muß jeden Kunstfreund mtt banger Sorge erfüllen. Bon der Westfront, von deren gefahrdrohender Nähe rohe Holzschranken den Verkehr fernhalten, prasseln von Zett zu Zett die ver­witternden Brocken des Sandsteinzierwerks herab, mehrfach auch muffen größere Werkstücke, die herabzufallen drohen, besettigt werden. Ganz unvermutet erfolgte vor einigen Monaten ein bedeutenderer Absturz vom Heidenturm, dem ältesten, aus der romanischen Zett stammenden Teile des Domes, der das daoorswhende starke eiserne Gitter in Trümmer schlug. Zur Rettung des Heidenturmes ist mm zwar der Dompauvcrein emgeketen, weiter aber reichen seine Rüttel nicht. Und dabei bilden fast alle Außenteile des DomcS ein Bild trostlosen Verfalles und eine ständige Bedrohung der Vorübergehenden. Es

Aalesund ab, um dort gleichfalls am Iiettungswerke be­hilflich zu sein.

Aus dem DampferPbönicia" werden 2500 Kojen an Bord eingerichtet, Kohlen gebunkert, Proviant, Betten, Zelte usw. geladen. Ter Dampfer wird als Hotel- sichiff für 4l0u Personen eingerichtet. 40 Krankenpfleger und Pflegerinnen sind an Bord.

Der DampferWeimar", der sogleich nach Ein­treffen der t von der Feuersbrunst in Aalesund

vom Norddeutschen Lloyd in Bremen in Betrieb gestellt wurde, uni der von der Katastrophe heimgefuchten irinwohnerfchaft Hilfe zu bringen, ging auch am Sonntag nachmtttag nach Aalesund in See. In fieberhafter Ette waren wahrend der lebten Nacht mehrere hundert Arbeiter auf dem Darup,er und in den Provianträumen des Lloyd beschäftigt, um das Schiff so schnell wie möglich fertig zu teilen. Ter Dampfer ist mit großen Mengen frischem und nderem Proviant zur Verpflegung von mehreren tausend Personen, mit Betten, Kleidungsstüaen uns nauienLid) auch mtt allen ersoroerrichen Medikam.nten uno 23. roanuftoficn usw. ausgerüstet. Außerdem befindet fich ein größeres Sanitatstorps aus Aerzten, Krankenwärtern, Schwestern und Stewardessinnen an Bord. Die Entfernung von Bremer­haven nach Aalesund beträgt etwa 600 Seemeilen, sodaß der Dampfer am Dienstag vormittag an seinem Bestimmungs­ort ein treffen dürfte.

Bier in Stockholm ansässige Norweger stellten dem Staatsminister Hagerup je 5000 Kronen zur Abhilfe der dringendsten Not in Aales und zu. Ter König und die Kö­nigin von Schweden-Norwegen haben je 6cOJ stronen, der . Kronprinz und die Kronprinzessin je 1000, die Prinzen Gustav Karl und Eugen zusammen 1000 Kronen gespendet. Auf Aufforderung der Königin nahm Oberhofmeisterin Loevenskiold die Bttdnng eines Damenkomitees in Angriff, das Betträge für die Notleidenden einsammeln soll. Ferner ist in Chrisliania ein Hilfskomitee zusammengetreten, das direkt einen Dumps er mit Lebensrnitteln und Geld nach Aalefund fdjidtc. Die norwegischen Eisenbahnen übernahmen i)ie Beförderung von Unterstützungen nach Aalesund fracht- rei

während der man anfangs versuchte, etwas zu retten. Vieles wurde auf die Straße gebracht, aber die Schneiiig- leit des Feuers war so rapid, daß man alles liegen lassen mußte, um nur das Leben zu retten. Wie der Ma- I giftrat von Aalesund mitteilt, befinden sich zehn- bis ' elftausend Menschen halbnackt aui Den Feldern ' vor der Stadt. Die Kinder sind vorläufig in einer Kirche i einquartiert. Ein Teil der Erwachsenen ist zunächst bei der Landbevölkerung unlergcbracht. Einen liebe.5 ia über 1 die Situation kann man sich bisher nicht bilden. Der Ma- > gistrat tettt mit, daß die Panik und Verwirrung so , groß waren, daß an eine Leitung überhaupt nicht zu » denken war. Ausschreitungen tarnen nicht vor. Ter B.irger- i meister konnte vom Amtsarchiv mir das Notwendigste 1 retten. Wahrend des Brandes flüchteten die T.llg.aphen- t beamten von Ort zu Ort, unaufhörlich vom Feuer gejagt Von den kleineren Fahrzeugen im Hasen weiß man mit Sicherheit, daß zwei kleinere Dampfer verbrannt find. Ferner mußte man 2 3 Fischersahrzeuge Der- \ senken, um sie zu retten. Alle öffentlichen Ge- i bäude sind niedergebrannt, ebenso die betten i Kliniken, Dagegen nicht das Lazarett. Während des Brandes wurden die Kranlen auf Wagen fortgeschafft Ein Pa- i tient starb unterwegs. Die Kirche, in deren un- l mittelbarer Nähe das Feuer entstand, war eines der ersten ' G<Lände, das in Flammen ausging. Auch die Brücke, die beide Stadtteile verbindet, ist verbrannt Die Bevölkerung leidet unter der Kälte und dem furchtbaren Sturm. < Das Kohlenlager steht nock) in Flammen. Von Christiansund i lief ein großer Dampfer aus, der 1000 Obdachlose auf- : nehmen wollte, er mußte aber zurückkehren, da er in Aale- J sund nicht an legen konnte, wett der ganze Hafen in Flammen stand, lia die See sehr erregt ist, müssen Proviant, Kleider ' und Berbandslofse über Land transportiert werden. Die : vorhandenen Lebensmittel sind sehr gering.

In der letzten Nacht war der Sturm noch heftig. Er - schwächte sich erft morgens etwas ab. Eine Hilfsexpedition i ist über den Battenfjorden glücklich angelangt. Der Weg über die Aelle mußte tetts zu Wagen, teils zu Schlitten i zurückgelegt werden. Die Landbevölterung zeigte sich über­aus hilfsbereit.

Eine große Menschenmenge brachte die letzten 24 Stunden auf offenem Fel de , in Regen und Sturm ohne Nahrung zu. 23iele fanden Aufnahme in nahegelegenen Bauernhöfen, andere auf Schiffen. Dampfer und andere Schiffe beginnen jetzt, die Leute in großer Zahl von Aalesund fortzuführen. Ferner trafen Dampfer mit Nahrungsmitteln und Kleidern ein. Die Leichenkapelle des neuen Friedbofes, der eine Viertelmeile von Aalesund entfernt ist, wird als Krankenhaus benutzt. Die Gewölbe der Kreditbank stürzten ein.

Etwa um 12 Uhr nachts gab die Feuerwehr nach 24stündiger ununterbrochener Tätigkeit den vergeblichen Kampf gegen das Feuer und den Sturm auf. Am Samstag früh 8 Uhr war telephonische Verbindung mtt Molde hergestellt und um Hilfe nachgesucht. Die Lage ist noch wenig übersichtlich. Sowett neuerdings bekannt wird, sind Menschen nicht umgekommen. Die Mit- teüung von der großherzigen Tettnahme des deutschen Kaisers rief hier große Freude hervor.

Wie schon gemeldet, sind alle öffentlichen Ge­bäude dem Brande xiun Opfer gefallen, so zwei Kirchen, das Rathaus, ein Missionshaus, das Gebäude der Tempe­renzlervereinigung, das Jünglingsvereinshaus, alle Banken, das Amtmannshaus, die Bürg er meist erei, das Polizei-Ge­bäude, das Gefängnis, beide Apotheken, das Zollamt, die große Volksschule und das Feuerwehr geb äude. Nicht zer­stört sind das Zollwachthaus, die Expedttionspackhäuser und em Teil der von Arbeitern und Fischern bewohnten Häuser. Auf der Insel Buh amen stehen noch zehn Privat- hüuser, vier Fabriken und einige Packhäuser.

Ganz Norwegen trifft Vorbereitung, die Not zu Ludern. Die Mttitärverwaltung von Dronthsttn und Bergen sendet Zelte, Betten und Proviant. Ter Finanzminister erüärte im Storthing, die Regierung werde Httfe aus dem Fonds für unvorhergesehene Ausgaben leisten. Tie Drontheimer Stadtverwaltung sendet ein Schiff mit Proviant, Kleidern und Holz. Von privater Seite geht ein Hilfsschiff mit Geld und Kleidern ab. Ancy Lhristansund entsendet Httfs- ftyiffe.

Auch in Hamburg ist infolge einer vom deut­schen Kaiser an den Generaldirektor Ballin telephonisch gerichteten Aufforderung unter Mitwirkung des Roten Kreuzes ein Hilfskomitee zusammengetreten, das über die zur Linderung der Not erforderlichen dringenden Maß- ncchmen sofort zu beraten hat. Es ist beschlossen worden, den großen DampferP h ö u i ä i a" der Hamburg-Amerika- linie nach Aalesund zu entsenden. Der Dawpfer hat am Sonntag Hamburg verlassen. Er ist mit vollständiger Verpflegung für 4000 Mens eben ausreichend, ferner Medi­kamenten, Verbandzeug und Kleidungsstücken aller Art, besonders auch mtt großen Vorräten an Bettzeug, wollenen Tecken usw., sowie Baracken ausgerüstet. Drei Aerzte, eine größere Anzahl von Kranlenpslegern und Kranken­schwestern, sowie einige andere Abgesandte vom Roten Kreuz begleiten den Transport. Von der Hamburg-Ame- rikalinie schlossen sich der Chef des Ausrüstungswesens v. Holtzendorff, ferner die Inspektoren Kapttän Kirchheim und v. Loen dem Transporte an.

Tem deutschen Generalkonsul ist vom deutschen Kaiser ein Telegramm eingegangen, das etwa fol­gendermaßen lautet:Ich bin tief erschüttert durch die Nachrickst von dem Unglück, das Äalesund betroffen hat. Httfe ist organisiert. Generaldirektor Ballin wird morgen einen Tampfer von Hamburg abgehen lassen mtt Kranken­pflegerinnen, Proviant, Kleidern, VerbanDstoffen usw. Ich bitte, ©ie, mich davon zu unterrichten, wessen man am meisten bedarf."

Ferner ist ein Telegramm des deutschen Kaisers eingelauseu, in dem der Kaiser mitteilt, daß der KreuzerPrinz Heinrich' am Sonntag früh nach Aale- snud abgegangen ist und am Nachmittag der Tampfer Phönicia" von Hamburg abging, mtt dem Flü­geladjutanten des Kaisers, Kapitän z. S. von Gramme, an Bord.

Kaiser Wilhelm richtete endlich an den deutschen Konsul in Christiansund ein Telegramm folgenden Jn- halls: DiePhoenicia" ist nachmittags 3 Uhr abgesegelt. Sie bringt alles Notwendige mit zur Lebenserhaltung sür 4000 Menschen, sowie Zelte, Baracken und euren großen Vorrat an Bauholz, ferner Zimmerleute zur Herstellung provisorischer Gebäude. Für Lebensmittel für Frauen und Kinder ist Fürsorge getroffen. Trei Aerzte, zwölf Oranten» Pfleger und zehn Schwestern sind an Bord.

Ter KreuzerPrinz Heitirich" ging von Kiel am Sonntag sritt; mit mehreren Aerzten und ausreichen­dem Arzneimaterial an Bord mit bijcvieumgter Fahrt nach