des Herrn August Scherl, behauptet, daß dieser das Sparsystem nachträglich verballhornisiert und zu einer ins Ungeheuerliche übertragenen Lotterie, zu einem inS Ungemessene gesteigerten Lotterietauniel umgestaltet habe.
Kiel, 23. Cft. Zu den fortgesetzten Meldungen über die neue Marinevorlage erfahren die »Kieler N. 9V auS authentischer Quelle, daß die nächstjährige Forderung sich zweifellos in den Grenzen bisheriger Flottengesetze halten werde. Für später sollen Forderungen für je drei grotze und kleine Schiffs bauten alljährlich beibehalten werden, bis da3 Bautempo die Forderung eines weiteren Geschwaders mit Zubehör bedingen wird.
Slnslaird.
Haag, 22. Cft. Wie verlautet, wird das Innere des Friedens pa la ste§, zu dessen Erbauung der amerikanische Millionär Carnegie das Kapital gestiftet hat, nach dem Muster des Brüsteler Iustizpalastes auSgestattet werden. Der Bau wird etwa 8 Millonen FrcS. erfordern. Wie eS beißt, werden die Großmächte angegangen werden, eine Million Francs zur Unterhaltung des Palastes zu zeichnen.
Paris, 22. Cft. Gegen den Kommandanten des 111. Infanterieregiments in Toulon wurde wegen eines Zwischenfalles, welcher sich unlängst dort ereignete, eine Untersuchung cingeleitet. Ein Sergeant soll nämlich gelegentlich einer Prüfling geäußert haben: »Wir haben zwar eine Regiments sahne, doch sie befindet sich beim Cbersten, wo sie zum Putzen der Fenster und Treppen benutzt wird*.
— In der gestrigen Kammersitzung, in der die Debatte über die religiöse Frage fortgesetzt wurde, kam es zu stürmischen Auftritten. Ministerpräsident CombeS wurde während seiner Rede, in welcher er erklärte, daß es unmög- lich sei, das Konkordat aufrecht zu erhalten, wiederholt dlirch wbtende Zwischenrufe der Rechten und des Zentriuns unterunterbrochen. Er erklärte, es sei unwürdig, wenn die französischen Bischöfe von der Laune Rolns abhingen. Man sei gegen den Bischof von Laval vorgcgangen, weil er der republikanischen Regiening seine Ergebenheit gezeigt habe, während Papst Leo XIII. Anklagen, welche sich auf verdächtige Beziehungen deS Bischofs zu einer Karmeliterin bezogen hätten, zu den Akten gelegt habe. Ribot sagte, alle früheren Ministerpräsidenten hätten die kirchliche Frage mit Ruhe und Würde behandelt. Bourgeois würde CombeS, der nur ein in die Politik verirrter Theologe sei, verboten haben, so zu sprechen, wie er hier getan habe. Eine Zurechtweisung Combes, seinen Ton zu ändern, weißt Ribot mit den Worten zurück: »Man wird doch hier noch frei reden hülfen*, worauf Combes erwidert: »Frei, ja, aber nicht frech"! Diese Worte entfeffelten einen kolossalen Tumult. Die Deputierten sind aufgesprungen und bedrohen sich. Baudru d'Aflon bewirft CombeS mit einem Paket Papierbogen. Endlich erklärt Brision, daß der Ministerpräsidenl das Wort, das er gesagt, zurück nehme. Rach weiterer Debatte wird schließlich mit 325 gegen 237 Stimmen eine Tagesordnung angenommen, durch welche der Regiening das Vettraucn der Kammer ausgesprochen wird.
Aie 6. Derbandsversammlung der Arbeitsver- mittlungsstellen des Main- und Ziheingebicts wurde, wie wir in der letzten Nummer bereits mitteilten, am Samstag Dorrn. 11 U!)r nn Stadtverordnetensitzungssaale in Gießen ^obgehalten. Die Einladung hierzu waren vom Arbeitsnachweis Gießen ausgegangen. Auf Vorschlag des Beigeordneten Cur schm an n, der im Namen des derzeitigen Vorortes die Tagung eröffnete, wurde Ober- bürgermeister Mecum $um Vorsitzenden der Versammlung gewählt. Nach dessen einleitenden Worten folgten zunächst die Berichte der dem Verband angehörenden Arb eits - nachweis st eilen in Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kreuznach, Mainz, Mannheim, Offenbach, Wiesbaden, Worms und der Naturalverpfleg- ungsstationen in Friedberg, Butzbach und Groß- Karben. Aus diesen Berichten war im allgemeinen zu entnehmen, daß die Entwickelung der genannten Anstalten durchweg eine aünstige ist, wenn auch im besonderen fest- gestellt wurde, oaß der Aufschwung in den letzten Jahren in einem etwas langsameren Tempo vor sich gegangen sei, als man beim Beginn der Arbeitsnachweis-Bewegung vor etwa 8—9 Jahren annahm. Es wurde dabei auch — und zwar mit verschiedenem Ergebnis — die Frage erörtert, ob die Statistik der Arbeitsnachweisstellen, besonders in den großen Städten, einen zuverlässigen Gradmesser für den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung oder Niedergang darstellten. Der Vertreter der Arbeitvermittelungs- 1 teile in Frankfurt, der auf sozialpolitischem Gebiete bekannte Stadtrat Dr. Flesch, war der Meinung, daß bei der verhältnismäßig geringen Inanspruchnahme der Arbeitsnachweise es zurzeit noch nicht möglich sei, aus der Inanspruchnahme der lokalen Arbeitsnachweise eine Ueber- sicht über den allgemeinen Arbeitsmarkt zu geben. Demgegenüber betonte Beigeordneter Dr. Wevers-Worms, daß der Arbeitsnachweis auch in seiner jetzigen bescheidenen Ausdehnung eine Beobachtungsstation für den allgemeinen Arbeitsmarkt bilde. Er stellte durch zahlenmäßige Vergleiche fest,, daß das Verhältnis zwischen Arbeitsangebot stets und sicher durch die allgemeine wirtschaftliche Lage besttmmt werde.
Der nächste Punkt der Tagesordnung: „Wanderarbeitsstätten und Arbeitsnachweis für wan- dernde Arbeitslose" wurde eingeleitet durch ein Referat des Vorsitzenden der Kreuznacher Arbeitsvermittel- ungsstelle, Steuerinspektor Lotz, der von der Auffassung ausging, daß Arbeits- und Wohnungsnot, weil im engsten Zusammenhang miteinander stehend, auch gemeinsam zu bekämpfen seien. Man müsse zunächst allgemein bestrebt sein, die wandernden Arbeitslosen etwa nach den bekannten v. Bodelschwinghschen Vorschlägen seßhaft zu machen durch Errichtung von Arbeiterbesiedelungsstätten in der Nähe der größeren Städte und Arbeits Zentren. Erst dann, wenn es gelungen sei, den Wandernden ansässig zu machen, solle man ihm dauernde Arbeit zuweisen, nötigenfalls durch Errichtung von Arbeitsstellen seitens des Staates, der Kommunen oder gemeinnützigen Gesellschaften.
In der sich anschließenden Diskussion wurde die Frage lebhaft erörtert, in welcher Weise die zahlreichen Arbeitslosen zu behandeln seien, weiche die Naturalverpflegungsstationen in Anspruch nehmen, denen auch Arbeit nachgewiesen werde, ohne daß sie von jenen angenommen würde, und die weitere Frage, in welcher Weise die ungenügende Arbeitsvermittelung auf die Naturalverpsleg- unasstationen i'n engere Verbindung mit den öfsentllchen Ahdens nach weisen zu bringen |et. An der Aussprache hier
über beteiligten sich u. a. Stadtrat Dr. Flesch-Frankfurt, Pfarrer Dr. Schlosser und Provinzialdirektor Dr. Vreidert- Gießen, Bürgermeister Dr. Schmidt-Mainz, Beigeordneter Andriano-Kreuznach. Ein für alle gangbarer Weg ließ sich allerdings nicht finden, doch hat zweifellos der Austausch der Erfahrungen dazu beigetragen, daß über htr# oder lang völlige Klärung der schwebenden Fragen zu erhoffen ist.
Der folgende Verhandlungsgegenstand: „Dars der Arbeitsnachweis unter bestimmten Voraussetzungen seine Vermittelungstätigkeit einschrttnken oder einstellen?" war ganz bejanders für diejenigen von Interesse, denen die eigentliche Arbeitsvermittelung obliegt. Die^ Satzungen der meisten Mbeitsnachweise besttmmen, daß die sämtlichen (^snche in )cr Reihenfolge des Eingangs zu erledigen sind, eine Be- timmung, deren Dnrchsührung in der Praxis ans die größten Schwierigkeiten stößt und die ost geung überhanpt nicht innegehalten werden kann Dem Reserat des Bürgermeisters Dr. Schmidt-Mainz lag ein Fall ans der Praxis zugrnnde, in welchem gegen diese erwähnte Bestimmung verstoßen worden war, und der deshalb beim Arbeitsamt Mainz zur Entscheidung tam. Im Laufe der Erörterung ergab sich, daß man üebreinstimmeud der Meinung war, der leitende Grundsatz für {Die Tätigkeit der öffentlichen Arbeitsvermittelungsstellen dürfe nicht eine rein mechanische Vermittclnng von Angebot nnd Nachfrage streng nach der Reihenfolge des Eingangs der einzelnen Gesuche fein, son- >crn cs habe bei der Erledigung der letzteren eine sorg- ältige Individualisierung einzutreten, natürlich ohne Vcr- etzung der Neutralität und der Parität der Arbeitsnachweise.
Schließlich wurde Kreuznach zum Vorort für das laufende bezw. nächste Verbandsjahr gewählt. Tort wird auch die. nächste Verbandsversammlung abgehalten.
Eine Besichtigung des Volksbades und ein gemeinsames Mittagsmahl im Hotel „Großhcrzog von Hessen" bildeten )en Schluß der diesjährigen Tagung.
Aus Stadl und Fand.
Gießen, 24. Oktober 1904.
Meßbuch iicr AM und des KM Siritii.
Am Dienstag wird die Brühl'sche Druckerei durch die Träger de8 Gieß. Anz. die Zettel zur Personenstands Aufnahme ur Teil Gießen deS KreiS-AdreßbucheS 1905 verteilen lasten. Im Interesse der Zuverlässigkeit bitten wir, die Zettel selbst orgfältig auSzufnüen. Vom gleichen Tage an haben wir in unserer Geschäftsstelle ein Adreßbuch aufgelegt, in welchem gewünschte Aenderungen betr, Firmen- nnd Branchen Register rc. gewahrt werden können. TaS Sinsammelu der Zettel wird von Donnerstag ab erfolgen.
— Auf her Durchreise passierten gestern abend 9y4 Uhr I. I. K. K. H. H. der Groß Herzog und Prinz Heinrich von Preußen nebst Gemahlin mit Begleitung in 2 Automobils unsere Stadt durch die Cst- anlage, Licherstraße nach Lich. Die hohen Herrschaften werden )ekanntlich zum Besllche deS Fürsten von SolmS-HohensolmS- Lich einige Zeit dort verweilen.
•• Theaterverein. Frau Irene Triesch, die am 1. November eine 14täqige Gastspielreise antritt, wird am Mittwoch, dem 9. Novbr. zu unS kommen und in zwei Stücken von Schnitzler austreten, zuerst als Christine in der „Liebelei* und daraus als Schriftstellerin in der Einakter- Novität »Litteratur.* Diesem hochinteressanten Abend geht als erste TheatervereinsvorstelllMg am Freitag dem 4. Nov. die TraumuluS-Kommödie von Holz uud Jerschke voraus, in der die Titelrolle von Arthur Bauer auS Frankfurt a. M. gespielt wird. Nach dem großen Erfolge, den dieser vorzüq- iche Darsteller in Frankfurt hat, wird man der hiesigen Anführung mit großem Interesse entgegensehen. TaS Stück ist nach seiner in Berlin vor drei Wochen erfolgten Erstausführung von so vielen Bühnen angekaust worden, daß Buch- und Rollenmaterial vergriffen war und ein sofortiger Neudruck stattfinden mußte. Ausgesührt ist daS Stück aber erst von drei großen Bühnen, weil zwischen den Verfassern und dem Verlag ein Streit auSgebrochen war, der erst in den letzten Tagen durch gerichtliches Urteil geschlichtet wurde. Auch daS Darmstädter Hoftheaier hat den TraumultiS erworben. — Die dritte TheatervereinSvorstellung wird unS wahrscheinlich mit Keyserling's sinnigem Schauspiel »Ein FrühlingSopfer" und mit einer hervorragenden Vertreterin der Rolle der Orti, mit dem Frl. Centa BrS aus Hamburg bekannt machen. — Die AbonnementSbillets können von jetzt an bei Herrn Challier abgeholt werden, der auch noch Anmeldungen neuer Mitglieder entgegennimmt.
**Die Gemäldeausstellung am Brand wird, wie wir erfahren, am kommenden Sonntag bestimmt den Besuchern wieder geöffnet sein.
**Der Gesangverein Heiterkeit feierte gestern abend im Gass Leib sein 26. Sttftungsfest intt einer hübschen Mendunterhaltung, dw trotz des schönen Wetters gut besttcht war. Das muftkalische Progrennw war sehr reicM^trg, und besonders Konzertmeister fönife tat steh mit seinen meisterhaften Vlolinvortrügen sehr hervor. Der zweite Teil des Programnrs bot eine heitere Theater-Mfstihrung, „Die Patientin", wobei Damen und Herren des Vereins recht gute schauspielerische Begabung zeigten. Den Schluß der Feier bildete ein Tanz.
*• Zum ersten Winterkonzert unserer Regimentskapelle hatte sich gestern im Neuen Saalbau trotz des schönen Wetters ein außerordentlich zahlreiches Publikum eingesunden. Das mit Geschmack gewählte Programm sand in seiner künstlerischen Wiedergabe recht freundliche Aufnahme. Namentlich gelang es einer neu erworbenen Kraft, Herrn Gieß, als Solist sich die besondere Gunst der Zuhörer zu erwerben. Als Violinsolist leistete er wirklich Bedeutendes; aber auch sein Pistonsolo zeigte große Fertigkei. Die Kapelle hat sich mit ihrem ersten Konzert wieder recht gut eingeslihrt.
•* Erhöhung der Eisenbahnfahrkartenpreise. Mit dem 1. Januae 1905 wird, wie verschiedene Blätter mitteilen, der Preis der Rückfahrkarten dritter Klasse in allen den kurzen Verbindungen des Staatsbahnbezirks bis einschließlich 2VZ Kilometer, der bisher 15 Pfg. betrug, auf 20 Pfg. erhöht.
C. Verhaftung. Der vor einiger Zeit nach Unterschlagung von Kundengeldern zum Nachteil eines hiesigen Fabrikanten flüchtig gewordene Reisende ist am 22. l. Mts. in Offenburg verhaftet worben.
* * Von der Biebertalbahn. Bei der Verwaltung der Viebertalbahn hat die Gießener Handelskammer das Anhalten der Züge auf der NodHeimerstraße an der Abzweigung
nach der Hardt ^Brauerei Bichler) angeregt. Hieraus hat die ylllgemeine deutsche Kleinbahngesellschaft in Berlin mitgeteilt, daß sie im nächsten Sommer versuchsweise die Züge nach Bedarf, ähnlich wie am Weg Krofdorf-Kinzenbach, dort halten lassen würde. Als Fahrpreis käme für den neuen Haltepunkt der gleiche Betrag wie zwischen Gießen und Heuchelheim zur Erhebung.
* * Drahtverbindung. Zur Zeit wird eine direkte Telephonoerbindung Berlin—Koblenz über Gießen gelegt. Welche Summen da in der „Luft schweben", hört man daraus, daß die Teilstrecke Lollar—Gießen bis zur Grei^ze Kleinlinden mit 8000 Mk. in Anschlag gebracht ist» Dabei sei bemerkt, daß diese Summe nur für Arbeitslohn- Kupferdraht und Jsolierglocken gilt. Eine andere Strecke Lollar—Vilbel ist auf 112 000 Mk. berechnet. Ta eine Ueberlastung der Telephonstangen an den Chausseen durch die vielen Neuanlagen bevorsteht, ist bereits beschloffen, Hauptleitungen längs der Bahn zu legen.
* * Die Obsternte in der Gemarkung Gießen beträgt: Aepfel 750 Doppelzentner, Birnen 465 Doppelzentner, Pflaumen (Zivetschen) 650 Doppelzentner, Wallnüsse 5 Doppelzentner. In der Gemarkung Schiffenberg: Aepfel 450 Doppelzentner, Birnen 25 Doppelztr., Pflaumen (Zwischen) 50 Doppelzentner, Wallnüsse 4 Doppelzentner.
* * Verband Hessischer Verkehrsvereine. Vor einigen Tagen erfolgte in Darmstadt die Gründung eines Verbai^deS Hessischer Verkehrs-Vereine. Es waren Vertreter amvesend auS den Städten Darmstadt, Mainz, Worms, Rad- Nauheim. doch steht zu erwarten, daß sich noch anschließen: Offenbach, Gießen, Schotten, Butzbach, Friedberg, König i. O. und Bingen, Hauptzweck und Ziel deS Verbandes soll darin bestehen, bei Eingaben van Behörden, Eisenbahn-Direktionen, Ministerien n. dergl. größeren Einfluß auszuüben, als dies bisher von einer Stelle geschehen konnte, und ganz besonders, um im Eisenbahnbeirat Sitz und Stimme zu erlangen, damit auf bestehende Mängel im Verkehrswesen direkt hingewiesen werden kann.
* *Von der Eisenbahn. Zur Zeit finden Vorträge über Hilfe bei Eisenbahnunfällen und über Verwundeten- tranZport für die Angehörigen der hiesigen Station durch einen Bahnassistenten statt. Die Mannschaften bringen den Vorträgen lebhaftes Interesse entgegen.
Zeitung t ragende Kinder. Nach dem neuen Kinderschutzgesetz dürfen schulpflichtige Kinder mit dem AuS- tragen von Zeit^mgen nur beschäftigt werden, wenn sie das zwölfte Jahr zllrückgelegt haben. Es ist dabei einerlei, ob die Kinder ihren Elterm helfen, also eigene Kinder sind oder mcht. Eigene Kinder, die den Eltern bei den von diesen übernommenen Arbeiten als AuStragen von Zeitungen, Milch und Backwaren helfen, sind den fremden Kindern gleichgestellt, sie muffen wie gesagt ein Alter von 12 Jahren haben und die Beschäftigung darf erst eine Stunde nach der Beendigung des Nachmittagsunterrichts ihren Anfang nehmen.
* * Der unfreiwillig-komische Wahlagitator, der in der Wählerversammlung am Freitag abend sich durch besondere Beredsamkeit auSzeichnete und zur Heiterkeit der Versammelten beitrug, war, wie wir vernehmen und mitteilen wollen, kein ^Sozialdemokrat. Ob er einer anderen politischen Schattierung angehört, wiffen wir nicht, ist auch gänzlich belanglos, da in jedem Garten verschiedenartige, auch ungewöhnliche, Pflanzen vorkommen können.
(X) Lollar, 21. Oft. Die Gemeinderatswahlen haben die Bestätigung deS Großherzogl. KreiSantteS gefunden. — Vorgestern verschied nach kurzer Krankheit Stationsvorsteher Köllner von hier, ein allgemein beliebter Beamter, dessen Ableben von den Bewohnern unsere) Ortes lebhaft bedauert wird.
-t. Allertshausen, 22. Oft. Unserer seit 22 Jahren hier tätiger Lehrer KlooS geht krankheitshalber am 1. November nach Bad-Nauheim. Die Stelle konnte wegen Lehrermangels nicht besetzt werden und Lehrer der Nachbarotte müssen an deffen Stelle treten.
•• Lauterbach, 22. Oft. An der hiesigen höheren Bürgerschule wird vom Montag ab auch für das Winterhalbjahr der 5stündige Vormittagsunterricht einge- sührt, wie seither im Sommerhalbjahr. Die Neuerung geschah auf Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Eltern.
R. B. Darmstadt, 22. Ott. Trotz der melstentellS sehr berechtigten Klagen der reellen Geschäftswelt über oie unzulänglichen Bestimmungen des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb ist doch auch schon bet ber bestehenden Gesetzgebung Gelegenheit gegeben, wemgstens den gröbsten Vergehungen dieser Art erfolgreich entgegenzutreten. Der Kaufmann Lipfi auS Kreuznach hatte tm fperbft 1902 beim Ausverkauf der Konkursmasse seines Schwagers Mayer mitgewirkt und diese von ihm selbst auf ca. 5000 Mk. bewertete Masse erworben. Er hatte aber auS fernem Kreuz- nacher Lager noch etwa vier mal so viel andere Waren im Wert von 19800 Mk. hinzugefügt und das Ganze dem Publikum als Konkursmasse angepriesen, so daß man im Glauben sein mußte, eS handle sich hier gemeinhin um dte billig von ihm erworbenen Waren auS der Mayerschen Kon- kurSmaffe. Auf Anzeige aus Jntereffentenkreisen war gegen Lipki auf Grund deS § 4 des erwähnten Gesetzes Anklage erhoben, der Beklagte aber vom Landgericht zu Mainz frei- gesprochen worden. Die von der Staatsanwaltschaft beim Reichsgericht war von Erfolg, dieses wies die Sache zur onbcrweilen Aburteilung an die hiesige Strafkammer. DaS heute gefällte Urteil lautete auf 6 00 Mk. Geldstrafe, da der Angeklagte nicht nur einen unerlaubten Ergänzungsnachschub von Waren auSgeführt, sondern den vierfach so großen Warennachschub nur zur Täuschung des Publikums als Konkursmasse bezeichnet habe. Lipki ist auch kürzlich in Koblenz wegen eines ganz ähnlichen Vergehens zu 500 Mk. Strafe verurteilt worden.
Mainz, 23. Okt. Heute vormittag wurde hi^r unter dem Vorsitze von Dr. Rautert die Generalversammlung des Goeth ebundes abgehalten. Der Vorsitzende sand es unbegreiflich, daß auf dcm letzten Delegtertentag des Gothebundes der Kampf um die Schule in Preußen nicht diskutiert worden fei. In Hessen hätten wir j.a die Kommunalschulen, führte er u. a. au5, doch jeden Deutschen berühre der Kampf um die Schule in Preußen auf daS tiesfle. Im nächsten Frühjahr (et hier der Delegtertentag und eö werbe speziell der Schulkamp'f als .Hauptfrage auf die Tagesordnrmg gesetzt. Tie Schulsrage bilde zurzeit dio. brennendste aller Fragen. Nachdem bfuB Progravyn pWW


