Erstes Blatt.
154. Jahrgang
Montag 84. Oktober 1904
viertel-
Amis- und ZnzeigeblÄi für den Kreis Gießen
Wr. 850
tttlOetiit tügltch
«über Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem besfischen Landwirt V die Gießener Familien« U blätter viermal in der
Woche beigelegt. Notalwnsdruck n. Ber» lag der Brühl'schen lln wers.-Biich-u. Stern« bruderet. 8t Laag«, Redaktion, Ervedtttoo
iäbrlich TU. 2.20; durch Abhole« u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel« jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bie TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZellenpreiS: lokal 12 Pf* auswärts 20 Pfg.
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Hchulstratze T» Hbiefie für Devefchen: Anzeiger Gtetze«. FernsprechantchluyNr 51 «WLMWMWMSWS
Pie heutige Nummer umfaßt 10 Kette«
Aer Krieg zmisrZen Aapan und Zrußland.
Vom Kriegsschauplätze
Petersburg, 23. Ott. Ein Telegramm von General S s a ch a r o w an den Generalstab meldet unter dem 22. Oktober: Heute fanden bei der ersten Mandschureiarmee keine Zusammenstöße mit dem Feinde statt. Einzelne Schüsse wurden im Lause des Tages gewechselt. Unsere Batterien beschossen den von den Japanern besetzten Teil des Torfes Linschinpu, die Station Schahe und das Torf Lamatun. Der Feind beschoß den von uns eingenommenen Teil des Torfes Linschinpu und das Dors Sahepu.
Tokio, 22. Okt. Dem Reuterschen Bureau wird berichtet: Die Russen konzentrieren sich gegen die Armee des Generals Kuroki; eine russische Kavallerieabteilung habe den Taitse-Iluß östlich von Pensihu überschritten.
London, 23. Okt. Der Korrespondent des Reuterschen Bureaus bei der östlichen Armee der Russen meldet aus Shenknig vom 22. Oktober: Beide Heere bleiben im wesentlichen untätig. Die Russen nahmen Tanupudza wieder. Die Japaner haebn die Stellung auf der Hochebene inne, die nach dem Schaho zu abfällt. Fortwährend finden Vorpostengefechte statt; man hört zerstreutes Gewehrfeuer; von Zeit zu Zeit beschießen sich einzelne Batterien. General Mischtschenko hatte im Westen am 20. Oktober ein heftiges Gefecht. Die Russen machen in dieser Richtung Fortschritte. Es verlautet, japanische Geschütze seien genommen worden. Es sind Anzeichen vorhanden von einer baldigen Wiedereröffnung der Fe find? seligkeiten, da die Russen augenscheinlich beabsichtigen, zum Angriff überzugehen. Das Wetter ist kalt. Nach einer annähernden Schätzung belaufen sich die Gesamt Verluste Der Russen in der letzten Schlacht auf 45 0 0 0 Mann, darunter 10 000 Tote. Dem Reuterschen Bureau wird von der Armee des Generals Oku vom 19. Oktober gemeldet: Die Russen bleiben immer noch in der Offensive, ihre Angriffe werden aber mit großen Verlusten zurückgewiesen. Okus Verluste werden bisher auf 5100, von denen die meisten Verwundete sind, geschätzt. Die Gesamtverluste der Russen in den Kämpfen mit Okus Armee hrmmen fast einem Armeekorps gleich.
Tokio, 22. Okt. Die Heere Kuropatkins und OHamas stehen sich noch immer Front gegen Front gegenüber, ohne daß einer von beiden zum Angriff übergeht. Ein Bericht aus dem japanischen Hauptquartier in der Mandschurei, der gestern hier ein ging, meldet, daß dem .Vernehmen nach die Russen eine große Truppenmacht gegen das japanische rechte Heer zusammenzögen. Zwei Bataillone russischer Infanterie ständen bei Kaokwanchai. Es verlautet ferner, daß sich 20 000 Russen bei Kaotailin sammelten. Der Feind beschießt, heißt es in dem Bericht weiter, von Zeit zu Zeit die mittlere und linke Armee zum Teil aus 15-Zentimeter-Mörsern. Der bei Susangtai stehende Feind begann am Nachmittag des 20. Oktober die Station Schahe zu beschießen. Die Japaner erbeuteten in der Nacht vom 20. Oktober bei Changliangpao 120 Gewehre. , „
Petersburg, 23. Okt. Wie der Rufs. Telegr.-Ag. aus Eharbin unter dem 22. Oktober gemeldet wird, smd seit dem 6. Oktober gegen 26 000 verwundete Russen nach Norden gebracht worden.
Tokio, 23. Okt. (Amtlich.) Marschall Oyam!a berichtet über das Ergebnis der bis zum 22. Oktober angestellten Nachforschungen über die Verluste der Russen in der Schlacht am Schaho wie folgt: Gefangen wurdm etwa 500 Mann, Leichname von Russen wurden 10 550 gefunden, erbeutet sind etwa 45 Kanonen, 6920 Grcmctter^ o474 Gewehre und eine große Menge Pulver. Die russische Lerchen sind mit militärischen Ehren begraben worden. Dre Ver-
Kleines AernLeton.
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vollständig «ruf dem Bicken der mentlichen Pwphetrsrnus,er le
1 ~ und Ziel. Nicht tue toeftfccne Ver-
geswllt, die heute im offiziellen
— Was wollte Jesus? Diese Frage behandelte Prof. Weinel-Bonn zu Köln. Willig gcck'der Rckner von twrn- herein zu, daß feine <mf dem festen Boden der nAsenschaft-
Forschung ruhenden Darlegungen ben^thodox Gerichteten ' ‘' n würden, das nehme ihnen aber Nichts von ihrem
rr.rrl»fPT- denn die heute verkannte Persönlichkeit Ehristi wieder in den Mittelvunkt unseres Lebens zu stellen, sei seines Vortrags Zweck LLLm ä^““ä ä der Menschen vor seinem Bilde, nicht die Glorrole eines Wunder- wters nicht den Rrchrn eines Weltbeglückers, Nicht eutmat .den Nmnen eines Sitten lehrers. Er kam zu den Menschen stmer Zeit und seiner Heimat, um ihnen in ihrem beschrankten Kreise yett Vj^nften Nöten zu helfen. Laßt euch euer bisheriges Ln l7id W, cnts-wt U« nichtjgen wird etwas
herrliches hereinbrechen, das Rerch Gottes wrrd
ÄSX mt Jesu »oW die er in t»s Pkroatti) religiösen Vorstellunaen seiner Zeit Neidete, und KLtafflbt hat er natürlich ferne -i«ne Prophezerung fc. ÄS Ä nichts von alledem ist einaetrossm bis b n hcntVn Stas. Aber in dieser Botschaft steckt cm unvcr- sacken nickt mehr und nicht weniger als ein An? ' ^cnscs/ln-iitsideal und ein neuer Gottesbegriff. Jesus steht Boden der sittlichen Relim-n deZ alttesta- • I) u t alle Gcsetzlrmrett, alle M^^rsnch^au's^Entschiedenste ab und sieht in dem n^rrfifldKU Herzen daS einzige Heiligtum in der Welt, aber ™ nocö eine Stufe höher l-inaus und bildet diese sittliche sN^/ioion aus zur Erlöstngsreliaion. Er findet die Liebe als ^/u>7n^e Kraf: aHer Sittlichkeit, nicht die Liebe atä Mitleid, wie Nietzsck>e sie verachtet hat, sondern die Liebe als swenkende Lebensfreude. Mrt dieser lebenssreudrgen Liebe tie dem Glauben an Gott als an den Vater enüspringt.
lüfte der Russen werden insgesamt auf 60 000 Mann geschätzt. Die Nachforschung wird fortgesetzt.
Petersburg, 23. Okt. Aus Mukden wird berichtet: Am 20. Okt. . griffen die Japaner bei einer Rekognoszierung drei Kompagnien des russischen 35. Regiments an. Der Kampf war blutig: die Russen richteten ein mörderisches Feuer gegen die Javaner, lvorauf letztere in Unordnung zurückwichen. Tie Russen verfolgten sie und erbeutete n dabei eine Menge Patronen, Werkzeuge und Konserven, sowie ein Geschütz.
Petersburg, 23. Okt. Nach Privattelegrammen aus führt* den überschritten die russisckpen Vorhuttruyven den Schaho, rückten allmählich vor und nahmen die von den Japanern unter dem Truck der russischen Truppen verlassenen Positionen ein. Tie Japaner errichten in aller Eile Befestigungen nach rückwärts und Nachhutpositionen.
Port Arthur.
L o n d on , 23. Okt. Tie Blätter veröffentlichen ein Telegramm aus Tokio vom 22. Okt., demzufolge Port Arthur vom 18. bis 21. Okt. bombardiert worden sein soll und die Tätigkeit der ^Japaner zugenommen habe. Tie Rusten haben ihre Kreuzer in Spitäler umgcwandelt, da sie nicht länger am Kampfe teilnehmen. Spione aus Port Arthur behaupten, einige russische Proviantdepots seien durch Bombardements z e r st ö r t. .Kolossale Minen seien unter die Forts von Liaotischan gelegt, um sie in dem letzten Augenblick in die Lust sprengen zu können.
Petersburg, 22. Okt. Tie Mannschaft einer gestern aus Port Arthur in Tschsfu eingetroffenen Dschunke berichtet, daß die Beschießung seit sechs Tagen starker geworden ist und nun u n un terbro ch en, auch bei Nacht andauert. Inder Sta-dt sind viele Gebäude zerstört. Tie Hauptmacht der Belagerungsarmee ist bei Likiatun im Norden der Festung konzentriert. In Tsebifu leben 2000 Japaner, die sich am dortigen Hafen ohne jegliches Hindernis bewegen, als ob es ein javanischer Hafen wäre. Ununterbrochen halten Schiffe von Tschifu und Weihaiwei die Verbindung mit der japanischen Blokadestotte vor Port Arthur.
London, 22. Okt. Eine Depesche aus Tsckist besagt, die Verschärfung des Bombardements auf Port Arthur werbe die Stadt und die Schiffe vielleicht in Trümmer legen, aber die Forts schwerlich genügend beschädigen, um den nächsten Sturm. erfolgreich zu gestalten. Mangel an Munition und Proviant seien der Garnison viel gefährlicher.
Ein russisches Prisengericht.
Petersburg, 23. Okt. Heute fand unter dem Vorsitze des Admirals Avelan im Beisein von vier Admiralen, von Professor Martens und Vertretern der Justiz als höchste Instanz des Prisengeritchs die Verhandlung wegen der Beschlagnahme desenglifcben D a m p se r s , ,A l l a n t o n" durch das Wladiwostok-Geschwader statt. Es wurde folgender Spruch abgegeben: Ter Dampfer „Mcmton" und dessen Ladung unterliegen nicht der Konfiskation und sind dem Besitzer zurückzugeben. Zur Beschlagnahme lag genügende Ursache vor; bei derselben wurden alle notwendigen Bedingungen beobachtet. Ter Beschluß des Prisengerichts in Wladiwostok ist in den entsprechenden Punkten abzuändern.
Das baltische Geschwader.
Cherbourg, 23. Okt. Tas rustische Transportschiff „Ko- rea" und die Torpedoboote „Blestiafchty", ,Bravy" und „Vezu- pretschny", die zur Stillen Meerflotte gehören, sind hier ern- getroffen; sie werden nach der Erneuerung der Vorräte an Kohlen und Wasser wieder in See gehen.
Dover, 23. Okt. Das russische Baltische Geschwader passierte uvt 1 Uhr nachmittags Dover.
Kiel, 23. Okt. Ter in den hiesigen Hafen eingelaufene Dampfer „Ruf" ist ein russisches Transportschiff, das infolge Wassermangels am Kessel eine kleine Havarie erlitten haben soll. Heute geht das^ Schiff durch den Nordvstseekanal und stößt rn der Nordsee zur russischen Flotte, die es nach Ostasien begleitet.
Ein Zwischenfall bei Hüll.
London, 23. Okt. Ein Telegramm aus Hüll meldet: Tie russische Ostseesiotte rannte zwei Fischerboote aus Hüll an und brachte sie zum Sinken. Achtzehn Fischer sind ertrunken. Es verlautet, das russische Geschwader habe auf die Fischersiotte gefeuert. Ein englischer Kapitän wurde getötet.
Paris, 24. Okt. Tie Nachricht, daß das russische Kviegsgefchwader auf der Höhe von Hüll eine englische Fischerflottille bombardierte, macht hier einen ungemein peinlichen Eindruck, wenn man auch annimntt, daß lediglich ein Mißgriff vorliegt, den Rußland schleunigst
hat Jesus einen Grundgedanken gesunden, der in seiner Urkrästig- keit die Welt umzugestalten und zu erlösen vermag.
* Eine interessante Kaiser-Anekdote wird den „Ttzukschen Sttmmen" aus ihrem Leserkreise bericUet: An einem Gpmnasium im Westen Berlins liegt der deutsche Unterricht der Prima in den Händen eines Oberlehrers, der von jeher eine gewisse Vorliebe für burleske Aufsatzthemata bekundete. So erteilte er im Frühjahr dieses Jahres den Auftrag, die Frage: „Jnwiswett läßt sich aus der Beinstellung der Hohen- zollern in der Siegesallee auf den Charakter der dargesteNten Persönlichkeiten schließen?" in Aufsatzform zu behandeln. Tie Primaner mühten sich im Schweiße ihres Angesichts ab, der absonderlichen Aufgabe mehr oder weniger gorÄst zu werden. Damit war die Angelegenheit zunächst erledigt. Durch Zufall gelangte sie aber zur Kenntnis des Kaisers. Es war auf der Nott>landfahrt, als das scharfe Ohr des Monarchen an der Tafel das Gespräch zweier in seiner Nähe sitzender Herren der Begleitung mit anhörte, die durch den Vater eines der gesagten Primaner von jenem Aufsatzthema erfahren hatten, und nun ihre Verwunderung dari'tber austauscksten. „Was erzählen Sie da, X.?" fragte der Kaiser den einen der beiden Dettiligttn. Herr v. T. konnte nun natürlich nicht anders, als den Vorfall in aller Ausführlichkeit darzulegen. Ter Kaiser machte ein sehr ernstes! Gesicht und drtickt auf den elektrischen Knopf au seiner Seite. Ordonnanz erscheint: Telegramm an den Kultusminister, das sofortige Uebersentumg der Aufsatzheste an Bord der Jacht „Hohenzvllern" beftehlt. Tr. Sttldt bekam ob solcher Störung seiner Sommerruhe einen argen Schreck, setzte sich aber schleunigst mit dem Ghmnasialdirektor ins Benehmen. Ter erfiärte jedoch der entsetzten Exzellenz, daß zurzeit Hundst-agsserien und die Primaner in alle Micke zerstreut seien; es sei also schlechterdings unmöglich, die Hefte zu beschlfffen. Ter Minister befiehlt trotzdem, das Menschenmögliche zu versuchen, um dem üiiferlichen Befehl nachzukommen. Der arg geängsttgte Direktor telegraphiert also nach allen Himmelsrichtungen, soweit er die Yldressen der mit ihren Eltern im Seebad oder im Gebirge befindlichen Schüler
wieder gut machen wird. Wie verlautet, geriet noch ein französisches Boot in dm Bereich der russischen Kanonen. Es soll mit Mühe neck, Cherbourg entkommen fein.
Lianjang und die größten Schlachten seit hnndert Jahren.
Der Pariser „Matin" gibt folgende interessante Statistik übet die größten Schlachten in den letzten hundert Jahren, die Zahl der Sieger und Besiegten, sowie die Verlustziffern, die von beiden ©eiten zugegeben wurden:
Schlachten
Stärke Sieger
Besiegte
Verluste Sieger Besiegte
Austerlitz
70 000
84 000
12 000
26 000
Jena
40 000
70 000
4 000
27 000
Moskau
120 000
125 000
23 000
51 000
Leipzig
300 000
171 000
47 000
60 000
Waterloo
116 000
78 000
22 000
29 000
Solserino
124 000
163 000
15 000
22 000
Sadowa
141 000
150 000
9 009
24 000
(ttravelotte
270 000
126 000
85 000
27 000
Sedan
190 000
124 000
80 000
38 000
Lianjang
145 000
140 000
80 000
80 000
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Okt. Der gestrige Geburtstag der Kaiserin sah im Neuen Palais eine große Anzahl von Fürstlichkeiten versammelt. Vormittags nahm die Kaiserin die Glückwünsche der königlichen Familie, der fürstlichen Gäste und des Hofes entgegen. Die Kapellen des Regiments der Garde du Korps und des Garde-Jägerbataillons brachten eine Morgenmusik dar, die mit dem Niederländischen Dankgebet begann. Mittags fand eine Familientafel statt, an der die Großherzogin von Baden und Prinzessin Feodora von Schleswig-Holstein teilnahmen.
— Gestern abend fand im Theatersaale des Neuen Palais eine Fe st Vorstellung statt, bei welcher Oskar Blumenthals ^Wenn wir altern" und Mozarts Schauspieldirektor" aufgeführt wurden. Der Bühne gegenüber in der ersten Loge hatte das Kaiserpaar Platz genommen. Hinter derr Majestäten saßen der Kronprinz mit Braut und die anderen Fürstlichkeiten. An die Festvorstellung schloß sich ein Souper in der Jaspisgalerie.
— Der ,Reichsanz." schrieb gestern abend:
Der Bundesrat versammelte sich heute zu einer Plenarsitzung. Vorher hielten der Ausschuß für Handel und Verkehr und der für Rechnungswesen, sowie die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr, für das Justizwesen, für das Seewesen und für das Landheer und die Festungen Sitzungen ab.
Weiterhin berichtet das Wolff'sche Bureau: Der BundeZrat hat die Vornahme einer Viehzählung am 1. Dezember beschloffen." Daß man sich auch mit Lippe befaßt habe, wird mit keiner Lippe angedeutet; obwohl noch im gestrigen Abendblatt die ^Kreuzztg," gesagt hatte: ^Der BundeSrat wird sich heute mit der Lippischen Angelegenheit beschäftigen." Wenn man sich damit beschäftigt hat, so sind offenbar noch keine Veschluffe gefaßt worden. Nach Auffasiung der „Hamb. Nachr." wird übrigens der Bundesrat keine Entscheidung fällen, sondern die Erbfolgefrage einem schon bestehenden Gericht oder einem ad hoc zusammengestellten Schiedsgericht überweisen. Ebenso wird Preußen und werden die anderen Bundesstaaten von der Stellung eines besonderen AnttageS absehen.
— „August Scherl und Dr. Cornelius Loewk, Lotterie und Sparkasse. Aktenmäßige Auseinandersetzung und Klarstellung über das sogenannte Sch erlösche Sparsystem, seine Geschichte und Aussicht. Von Dr. jnr. Cornelius Loewe." Das ist der Titel einer soeben erschienenen Schrift, in der der Verfaffer behauptet, nicht Scherl, sondern er selbst sei der Urheber des „Sparsystems" und der Schriften „Das Ministerium Eulenburg und das Scherl'sche Sparlystem^ und „Die Ausschreitungen der Spielsucht", Schrfften, unter die Scherl seinen Namen gesetzt habe. Loewe, früher Mitarbeiter überhcmpt in Erfahrung bringen kann. Ter Erfolg ist aleichwohl höchst gering. Trotzdem, an 90 Mark für Porto verbraucht waren, hatte man rm ganzen mit — drei Auffatzhefle herbeiznsckaffen vermocht. Tiefe wanderten mm mit Extrapost an Bord der „Hohenzvllern". Tvrt hatte inzwischen Herr v. T. ob feiner Unvorsichtigkeit schwere Gewissensbisse empftmden; und er richtete beim Eintreffen der Hefte, alÄ sich eine passende Gelegenheit dazu bot, an den Kaiser die Bitte, doch mit dem Telingnente« gnädig zu verfahren. Er, v. X., hätte doch gar nicht die Absicht gehabt, die Angelegenheit zur Kenntnis des Kaisers zu brinaen, mtb er sei nun sehr bedrückt, durch tue Aussicht, daß durch seine Schuld dem betreffenden Gymnasium so schwere UnmmehmlichFetten erwüchsen. „Seren Sie unbesorgt, lieber X., den Leuten soll nichts geschehen", lautete die Antwort des Monarchen. Damr machte sich der Kaiser an die Lettüre der Auffätze selbst. Seine Züge wurden freunblidxr, und sie hellten sich vollends auf, als er am Schluffe des dritten Aufsatzes den Primaner seine Gedanken in folgende Worte zusannnenfasfen sah: „Kgentttch aber sollte man meinen, daß der Charafter her Hohenzollern in der Siegesallee besser aus ihren Gesichtszügen, aU <ms ihrcn Beinstellungen zu erkennen gewesen wäre!" „Das ist bte beste Verurteilung dieses AuffatzthnuaS. W.", — so lautete bte kaiserliche» Randbemerkung, welche sich^ der Besitzer bed Heftes als kostbarste Erinnerung an seine L>chulznt aufbewahren mag. Ter Pr-ofeffor aber, brr so großes Unheil an« gerichtet hatte, soll beilfroh geioesen fein, so.fllimWub davonzukommen, und ein Gelübde abgelegt Habern in Zukunft bet ber Wahl der Aufsatzthemata etnxls größere ^rgfalt anMveni^n.
— E i n H e l d e n t e n o r von imgewöhnlrck^r fttmmhfFier Begabung soll in Hernr R. Oeser entdeckt twrden sem, der bisher alS jugendlicher Held und Liebhaber bedeutenden Bühnen tn Berlin, Hamburg, Riga ufiv. mmebörte. Intendant Jensm nerrfntiiete sofort den jungen Sänger der in Berlin von Alffcri (bem Lebrer unsere 'n.risö n > enors Strätz und deS Buffo Albert Rciß) auenTebitoct wird, ab 1905 auf drei Jahre ans Frank-- für ter Stadt-Theater.


