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24.6.1904 Erstes Blatt
 
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Am 21. d. M. fanden Versammlungen des Bundes der Handwerker in Arnswalde und Neuwedell (Wahlkreis des Rcichstagsabg. Bruhn) statt, in denen der Bundesvorsitzende Seiffert aus Liegnitz über die Bundes- bewegung sprach. In der darauf folgenden Diskussion kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen mit der Antisemiten-Partei, die besonders in Neu- wedell durch einen Abgesandten des £>errn Bruhn vertreten war. Letzterer sah sich im Lause der immer heutiger werden­den Diskussion genötigt, den Saal unfreiwillig zu verlassen. Für den Bund der Handwerker wurden in beiden Städten Ortsgruppen gebildet.

Mülhausen i. E., 23. Juni. Das Schlußergebnis des Wahlkampfes ist, daß der G e m e i n d e r a t der bald 100000 Einwohner zählenden oberelsässischen Industriestadt sich aus LOSozialdemokraten, 12 bürgerlichen Demo­kraten und 4 Zentrumskatholiken zusammensetzt.

Ausland.

London, 23. Juni. Das Kabinet Balfour hat be­schloßen, den Effektivbestand des Heeres zu ver­ringern. Es kommt dies dadurch zum Ausdruck, daß das Kriegsbudget um 500 000 Lstrl. herabgesetzt worden ist.

Paris, 23. Juni. Die Untersuchungskommission in der Kart Haus er-Angelegenheit vernahm heute den Depu­tierten von Grenoble, Pichat, der erwähnt, daß der Prior der Karthäuser ihm von dem Besuche einer Persönlichkeit Mit­teilung gemacht habe, die ihn, den Prior, um 3 00 00 0 Francs für eine parlamentarische Gruppe er­suchte, sowie um zwei Millionen nach der zu ge­standenen Genehmigung. Die Persönlichkeit gab vor, im Namen einer parlamentarischen Gruppe zu handeln. Der Prior habe ihm den Namen der Persönlichkeit mit der Ver­pflichtung genannt, ihn nicht bekannt zu geben. Ein Mit­glied der Kommission tadelt in scharfen Worten, daß Pichat nicht die ganze Wahrheit sage. Pichat erklärt alsdann, er werde bei dem Prior darauf bestehen, den Namen der be­treffenden Persönlichkeit nennen zu dürfen.

Der sozialistisch-revolutionäre Verband des Seine-Departements hat den sozialistischen Abg. Deville aus der Partei ausgeschlossen und zwar wegen dessen unabhängigen Verhaltens, welches der Abgeordnete in der letzten Zeit an den Tag legte.

Budapest, 23. Juni. Abgeordnetenhaus. Im Laufe der Budgetdebatte brachte Graf Apponyi seinen oppo- sitionellen Standpunkt zum Ausdruck. Er bekämpfte die Höhe der Militärkredite, sowie die Art der Deckung durch Anleihen. Er kündigte ferner an, daß er eine Er­höhung der Zivilliste ablehnen werde, da der König von Ungarn kaiserlich österreichische Hofhaltung habe. Der Hofstaat müße in Ungarn ungarisch sein.

Konstantinopel, 23. Juni. Telegramme des Vali von Bitlis berichten von einem Kampfe mit einer a r m e n i - schen Bande in der Ebene von Musch, wobei 11 Mitglieder der Bande fielen. Ein russischer Untertan namens Mirza Deghew und seine beiden Diener wurden verhaftet. Bei einem anderen Zusammenstoß mit einer armenischen Bande in der Ebene von Musch wurde die ganze, aus elf Personen bestehende Bande gefangen genommen. In der Ortschaft Tschelbur bei Bitlis wurde eine Fahne, Papier, Waffen und Munition von den Truppen in Beschlag gelegt.

Newyork, 23. Juni. Nach einem aus Port-au-Prince eingegangenen Telegramm verlangt die französische Regierung Genugtuung für einen gestern auf ihren Gesandten verübten Angriff, wobei der Gesandte von einem Palastwächter durch einen Steinwurf verletzt wurde. Die Ausschreitung ist ein Ausfluß der in Haiti herrschenden ftemdenfeindlichen Stimmung, da die Einge­borenen die Ausländer für ihre traurige finanzielle Lage ver­antwortlich machen. Die an der Nationalbank beteiligten Finanzhäuser erhoben Einspruch gegen die lange Gefangen­schaft gewißer deutscher und französischer Bankbeamten, die der Beteiligung an der Ausgabe gefälschter Staatspapiere im Jahre 1903 beschuldigt sind.

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, 24. Juni 1904.

Das Jahresfest der Landes-Universität wird am 1. Juli, vormittags 11 x/4 Uhr, stattftnden mit folgendem Programm: 1. Einzug der Gäste auf der Wart­burg (Tannhäuser) von Wagner. 2.Dl frohlocket in dem Herrn" ausJubilate" von Händel. 3. Festrede des Rektors. 4.Ehre sei Gott dem Vater" ausJubilate" von Händel. 5. Marsch auS Herakles von Händel.

** Fe il e r. Als gestern abend um etwa 7 Uhr die Sturmglocke läutete, strömte eine große Menschenmenge nach der verlängerten Ederstraße, wo im Lumpenmagazin von Hermann Heß Feuer ausgebrochcn war. Der kleinere Anbau des Magazins, der mit Lumpen gefüllt war, brannte voll­ständig nieder. Die Feuerwehr unter der Leitung des Brand­direktors Traber verhinderte das Uebergreifen des Feuers auf das Hauptgebäude. Die Lumpen glühten natürlich noch lange fort. Die Kriminalpolizei stellte bald fest, daß Kinder, die an einem unverschlossenen Fenster des Gebäudes ein kleines Feuer angezündet hatten, die Urheber des Brandes waren.

** Das gestrige Abonnements-Konzert der Militärkapelle war trotz der kühlen Witterung außerordentlich gut besucht.

Sturz vom Wagen. Gestern nachmittag ging das Pferd eines auswärtigen Bäckermeisters mit Wagen in der Grünbergerstraße durch, wobei der Führer vom Wagen stürzte und sich dabei am Kopfe schwer verletzte.

e. Klein-Linden, 24. Juni. Der hiesige Krieger­verein unternimmt nächsten Sonntag einen Ausflug nach dem Niederwald.

§ Lich, 23. Juni. Ein Ri escnkin ema tograp h wird Sonntag hier eintreffen und die neuesten Sensationsstücke, u. a. aus dem ruffisch-japanischen Kriege, Straßen-Eisenbahn- szenen u. s. f. vorführen. Das Unternehmen hat in größeren Städten viel Beifall gefunden.

§ Alsfeld, 23. Juni. Da? Bahnprojekt Alsfeld- Ulrichstein wird z. Z. im Auftrag der Firma Lenz u. Co. Berlin abgesieckt. Die Strecke ist geplant über Liederbach, 'Strebendorf, Breitenbach, Storndorf, Windhausen, Köddingen,

Helpershain, Engelrod, Rebgeshain nach Ulrichstein. Mit dem Bau eines Schlachthauses ist begonnen worden. In Klein-Felda erschoß sich gestern der Landwirt Geiß mit seinem Jagdgewehr.

R. B. Darmstadt, 23. Juni. In der heute abend stattgehabten Mitgliederversammlung des hessischen ge­meinnützigen Vereins zur Vermittlung von Land- und Kuraufenthalten wurde die Geschäftsübersicht für das erste Vereinsjahr bekannt gemacht. Hierbei wurde konstatiert, daß, während voriges Jahr nur 87 Anfragen cinliefen, dieses Jahr bereits über 700 Anfragen eingelaufcn sind. Von diesen letzteren wohnen 338 Anfrager in Hessen, 371 außerhalb Hessens, 264 sind Beamte und Militär, 189 Fabrikanten, Kaufleute und Gewerbetreibende, Private und ohne Berufs­angabe. Die Mitgliederzahl betrug in 1903 272 mit einem Jahresbeitrag mit zusammen 426 Mk. Zur Zeit beträgt die Mitgliederzahl 402. Aus dem Rechenschaftsbericht ist der Schlußsatz noch besonders hervorzuheben: Zum Schluffe ge­denkt der Vorstand noch des großen Entgegenkommens der Preße sowie der Förderung seitens der Behörden, namentlich auch der Eisenbahndirektion Mainz und Frankfurt und der Oberpostdirektion Darmstadt und Frankfurt. Man dürfe wohl sagen, daß die Erfahrung des ersten Vereinsjahrs gezeig hat, daß die neue Vereinsgründung, an die man nur zögernd herangetreten war, einem wirklichen Bedürfniße entsprach. Hoffen wir, daß es dem Verein gelingen wird, an der großen Aufgabe mitzuwirken, einen gesunden Ausgleich zwischen Stadt und Land herbeizuführen und dem schönen Vereinsgebiet immer zahlreichere Freunde und Besucher besonders in Nord­deutschland zu gewinnen. Dem Einheimischen kann ein Sommeraufenthalt in den heimischen Bergen erst das rechte Verständnis für deren Vorzüge Anregung zur Erhaltung und Pflege der landschaftlichen Schönheit, der Eigenart der Be­wohner und ihrer Bauweise, der Pflanzen- und Tierwelt ver­schaffen. So richtet sich die Vercinstätigkcit im weiteren Sinne auf den Heimatschutz. Der Verein will den Gebirgen ihre Bewohner und den Bewohnern ihren Wohlstand erhalten und ihnen in einer Zeit, in denen gar manche ihrer seit­herigen Erwerbsquellen zu versiegen drohen, neue erschließen.

R. B. Darmstadt, 25. Juni. Der hessische Dom anialfiskus hat das Gräflich Berckheimschc Sckundo- Genitur-Fideikommiß im Kreise Erbach für den Preis von 900 000 Mk. angekauft. Die Besitzung hat ca. 760 Hektar Flächeninhalt und besteht hauptsächlich aus Waldungen.

Bensheim, 22. Juni. Ein gewißer Berg ans Bür­stadt, der bei der Lorscher Mord- und Diebstahl­geschichte beteiligt sein soll, wurde gestern, von zwei Gen­darmen begleitet, zwecks körperlicher Untersuchung dem hiesigen Kreisarzt, Herrn Medizinalrat Gros, gefeßelt vorgeführt. Im physikalischen Kabinett unseres Gymnasiums nahm Herr Prof. Dr. Hauff die Durchleuchtung des Körpers des Berg mit Röntgenstrahlen vor. Es konnte eine Verwundung der Brust durch Schrotkörner festgestellt werden. Ucbec die Ent­stehung der Wunde schweigt sich Berg aus.

Limburg, 23. Juli. Der Hotelbesitzer zurAlten Post", Bielefeld, erhielt die Nachricht aus München, daß ihm ein Motorrad von drei Pferdekräften mit Magnetentzündung überwiesen worden ist. Ein Sportblatt in München hat nämlich demjenigen ihrer Leser den obigen Preis zugesichert, der bis zum 9. Juni am genauesten die bevorstehende Fahr­zeit des Gordon-Bennett-Siegers, den Sieger selbst und den Fabrikanten des siegenden Wagens erraten würde. Herr Bielefeld berichtete bis zum angegebenen Datum:Th6ry auf Brasier-Wagen in 5 Stunden 50 Minuten 4 Sekunden." Der französische Sieger brauchte am 17. ds. nur 1 Sekunde weniger.

Kassel, 22. Juni. Ein erheblicher Automobil- Unfall ereignete sich in der sogen. Rasen-Allee. Das Auto­mobil, das über Wilhelmshöhe nach Kaßel fahren sollte, schlug beim Nehmen einer scharfen Kurve um und stürzte einen Abhang hinab. Der Chauffeur erlitt starke Hautab­schürfungen, eine Dame erhebliche Beinverletzungen. Zwei beteiligte Herren kamen mit dem bloßen Schrecken davon. Das stark beschädigte Automobil wurde durch requirierte Pferde bis nach Wilhelmshöhe gebracht. Eine Stelle der Rasen-Allee ist durch eine Barriöre für den Fährverkehr ge­sperrt, daher müßen Fuhrwerke seitlich eine stark abfallende Kurve nehmen. Da die Automobilisten diese Notwendigkeit zu spät erkannten, erlitten sic den Unfall.

Kleine Mitten n ngcu o v. s H essen und den Nachbarstaaten. Die 2. Schulstelle in Kirch-Göns wurde bei 13 Bewerbern dem Lehrer Gunterloch aus Mel­bach übertragen. Wie derNeuen Bayer. Landesztg." geschrieben wird, ist Kaplan Hasenstab in Aschaffen­burg aus der katholischen Kirche aus- und zum Protestantismus übergetreten, um in Marburg protestantischeTheologie zu studieren. Er soll bis­her ein heftiger Gegner kirchlicher Reform und ein Vertreter der extremsten Richtung des Katholizismus gewesen sein.

Kin Aerörecher-Aoman.

d. Mainz, 24. Jmri.

Vor der ersten Strafkammer hat sich heute der Teil­haber der Einbrecher-FirmaHärmens u. Schröder", der zuletzt Genannte zu verantworten. Die Verbrecher hatten in einer Reihe deutscher Städte Hunderte von Einbrüchen verübt. Wie ein spannender Kriminal-Roman erscheint das seitherige Leben dieser raffinierten Verbrecher nach den Gerichtsakten. Am 16. September 1901, nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr wurde die im 3. Stock des Hauses Fischtorplatz IG hier gelegene Wohnung von Hofrat Börckel während der Mwesenheit ber Bewohner gewaltsam geöffnet, der im Schreibzimmer befindliche Kaunitz erbrochen und ein darin aufbewahrter Blechkasten seines ganzen Inhalts Kouponbogen und Bankscheine im Wert von 341 300 Mark beraubt. .Auch wertvolle Goldmünzen, Schmuck- achen, Medaillen und Miniaturorden wurden aus den durch- vühlten Schubladen im Kaunitz entwendet. Bon den Tätern ehlte anfänglich jede Spur. Ta erhielt im November 1901 die hiesige Polizei ein anonymes Schreiben aus einem belgischen Ort, worin die genaue Adresse eines in Brüssel wohnhaften Deutschen namens Härmens als einer bei dem Einbrüche bei Hofrat Börckel Beteiligten mitgeteilt wurde. Ein Poli-eibeamter reiste darauf mit dem nächsten Zug nach Brüssel, wo er die richterliche Erlaubnis zu einer Wohnungsdurchsuchung bei Här­mens erwirkte. Dieser, der mit seiner Maitresse Büßmann zu­sammen wohnte, galt in Brüssel als unbescholten. Tie Durch- iichung der Wohnung .Härmens fand durch belgische Beamte in Gegenwart des Mainzer Polizeibeamten statt, sie schien resnltatlos zu. verlaufen, als der Mainzer Polizeibcamte in'einem alten Porte­monnaie einen einzigen der bei Hofrat Börckel gestohlenen Kou- pvns fonb. Kaum war dies fvstgestellt, als Horn«ns ins hintere

Dcrmifdjtcs

Zimmer eilte, das Fenster aufriß und vom ersten Stock hinab m den Hof sprang. Tort fanden ihn die nacheilenden Polizisten mit gebrochenem Fuß auf dem Pflaster liegen und schafften ihn ctnv= weilen ins Spital. Nack diesem Zwischenfall wurde die Turc!»- suchung der Wohnung des Härmens fortgesetzt, und es fand sich nun in einer dunklen Schrankecke ein Handkoffer, vollgestopft mit Wertpapieren, die teils von dem Mainzer Einbruch und teils, wie sich später ergab, von anderen großen Diebstählen her­rührten. Während die Beamten noch in der Wohnung beschäftigt waren, brachte der Zufall eine zweite Ueberraschung: ein Dc- peschenbote trat ein und übergab ein Telegramm cn Härmens, das , ihn ausforderte. augenblicklich nach Rotterdam zu entfliehen, da ihm Gefahr drohe. Als Absender des Telegramms vermutete die jetzt in die Enge getriebene Büßmann einenFreund" ihres Mannes" namens Schröder, dessen Photographie auf einem Bilde mit seiner Geliebten Neubert, in der Wohnung sich eben­falls vorfand. Tu Neubert war die anonyme Briefschreiberin an die Mainzer Polizei; sie soll aus Haß gegen Härmens diesen verraten haben. Ob das Paar sich in Rotterdam aufhielt, war ungewiß und seine Verhaftung dort nicht zu erreichen, dagegen gelang es, einen anderen Komplizen des Härmens in Brüssel­er nannte sich Klug zu ermitteln und in dem Augenblick festzunehmen, als er ein ähnliches Warnungstelegramm wie Härmens erhielt. Tie Büßmann und der Klug wurden nach Mainz ausgeliefert, später aber, weil sich ihre Mitschuld nicht nachweisen ließ, wieder freigegeben. Härmens kam am 10. tober 1902 vor die Mainzer Strafkammer. Außer dem hiesigen Einbruch wurde er überführt, mit Schröder im Mai 1898 bei einer Witwe in Hamburg Schmuckfachen und bare 2440 Mark, im November 1898 bei einem Buchbinder in Braunschweig Wert­papiere ca. 6060 Mark, int Dezember bei einen Rentner in Magdeburg Wertpapiere in Höhe von ca. 37 700 Mark, im März 1901 bei dem Oberlandmesser Klose in Kassel 3900 Mark, und am 8. April bei dem Eisenbahneire ftor Urban in Kassel 20 420 Mark, am 1. April bei einem Kassenbeamten in Braunschweig 21000 Mark und am 23. Juni 1901 bei dem Mathematiker Balzer in Köln 25 200 Mark gestohlen zu haben, alles zum größten Teil Wertpapiere. Tie Bc'tte hatten die Einbrecher' ge= wöhnlick auf Rennplätzen und in Badeorten mit Frauenzimmern verjubelt oder versvielt. Ihr elegantes Auftreten und ihre Spraäi- fenntniffe verschafften ihnen Eingang in die besseren Kreise. Härmens erhielt die höchstzuläffige Strafe von 15 Jahren Zuchthaus, die er zurzeit in Marienschloß absitzt. Tort Hot er aus eigenem Antrieb nachträglich n o ck> weit über 100 andere, mit Schröder gemeinsam ausgeführte Diebstahl' angegeben. Gewöhnlich führte Schröder die Einbrüche aus und Härmens standSchmiere"; das Ergebnis wurde dann geteilt Wo aber Schröder sich aufhielt, vermochte auch Härmens nicht anzugeben, er meinte, daß es ohne Verrat nie gelingen würde, seiner habhaft zu werden, und in der Tat schien es so, trotz massen haft in die ganze Welt geschickter Steckbriefe. Dagegen kamen von Zeit , zu Zeit bald aus Paris, bald aus München, Berlin oder Düsseldorf Anzeigen, daß dort Kupons eingelöst wurden, die von dem Mainzer Einbruch herrührten. Ta Kupons auf den Träger lauten und daher nicht gesperrt werden können nur in Oesterreich ii't ihre Amortisierung zulässig hielt es schwer, den jedesmaligen Vorzeigcr festzustellen. So wurde in München ermittelt, daß dort ein Mann von den gestohlenen Kupons versilberte, der sich fälschlich für einen dort wohnhaften Ingenieur ausgab.. Trotzdem ließ die Mainzer Staatsanwaltsclmst kein Mittel unversucht und veröffentlichte z. V. in mehreren großen Blättern ein Verzeichnis der in Betracht kommenden Papiere, mit dem Ersuchen, etwaige verdächtige Vorzeiger fest­nehmen zu lassen. Wo mochte" Schröder sich aufhalten? War er im Ausland verborgen und befand sich jeine Maitresse Neubert (die aus Berlin stammt), die ebenfalls unauffindbar war, bei ihm, oder hatte er sie, als die anonyme Brieffchreiberin, aus Furckt vor abermaligem Verrat beseitigt? Tenn die Neubert hatte aus Haß .gegen Härmens ober aus Eifersucht den Freund ihres Geliebten der Mainzer Polizei verraten. Da ereilte den Schröder im September vorigen Jahres aus einerGeschäfts­reise" in Bielefeld fein Verhängnis. Dort hörte an einem Sonn­tag nachmittag ein Schlossermeister, der halbentlleidet auf seinem Bett lag, im anstoßenden Zimmer ein verdächtiges Geräusch; er sprang auf und sah gerade noch, wie ein fremder Mann auf dem Vorplatz an ihm vorübereilte. Ohne sich erst vollständig au- zulleiden, lief ihm der Schlossernreister auf die Straße nach es war gegen 5 Uhr und halb Bielefeld unterwegs erwischte den Flüchtling und übergab ihn einem entgegenkommen­den Schmiedemeis er zur aefl. Ablieferung inNummero Sicher". Tann erst begab sich per Sansculotte zur Vervollständigung seiner Toilette wieder nach Hause. Auf die Polizei gebracht, gab der Einbrecher falsche Personalien an und spang plötzlich durchs Fenster ins Ireic. Nun ging die Jagd aufs Neue los, bis der Flüchtling, ber sich in einer Wirtschaft feftgerannt hätte, wieder eingefangen werden konnte. Als ihm jetzt bas Bild des Schröder aus .dem Verbrecheralbum vorgehalten wurde, gab er endlich zu, dieser zu sein. Darauf erfolgte feine Ucberfiihr- ung nach Mainz, m-, er bis heute in Untersuchungshaft zubrachte. Hier gab er endlich zu. den Einbruch 'bei Hoftat Börckel mit Härmens verübt zu haben, zog au?r später sein Geständnis zurück und ließ nur, den Bielefelder Eirrbruchsversuch gelten. Tie Neubert. deren Aufenthalt trotz ;; dderholten Ausschreibens im In- und Ausland nicht zu ermitteln ist, will er gleich nach Lar- Mens Verhaftung, als er nach Paris gereift fei, .verlassen haben. Jedenfalls hat er die Neubert wegen des Ver­rats an Härmens beseitigt, lieber den jetzigen Auf­bewahrungsort des ihm ^gefallenen Teiles der gestohlenen Wert Papiere verweigert er hartnäckig jede Auskunft. Eine durch Vermittelung .der deutschen Konsulate in Paris und Brüssel er­gangene Umfrage bei dortigen Bankhäusern ergab jedoch ver­schiedene Anhaltspunkte.

Kurz vor Schluß der Redaktion ging uns folgendes Tele­gramm zu:

Mainz , 24. Juni. (Orig.-Telegr. desGieß. Auz/st Schröder erhielt 15 Jahre Zuchthaus.

* Hamburg, 23. Juni. In dem Schnellzuge Bremen- Hamburg wurde dem Theaterdirektor Catinau aus Newyork eine Brieftasche mit Wertpapieren und Bank­noten im Gesamtwerte von 127 000 Mk. gestohlen.

Madrid, 23. Juni. Ein Eisenbahnzug mit allen verfügbaren Kräften ist von Teruel an den Ort des G i f c n * bahnznsammenfroYes abgegangen. Tie Opser, 30 an der Zahl, sind fast sämtlich Gendarmen.

* Saragossa, 23. Juni. Zwischen Calamocha und Luco entgleiste ein Schnellzug, ber bann in Brand geriet. Viele Personen sollen bas Leben eingebüßt haben unv viele verwundet feilt Einzelheiten fehlen. <

* Baku, 23. Junt. Der hiesige Kaufmann und Mil­lionär Adamow wurde herrte durch drei unbekannte Individuen über fallen und durch Dolchstiche und Revolver' chüsse getötet. Ein Polizist und ein Wächter, Die zur Hilfe eilten, wurden verwundet. . m .

* Reicher Kindersegen. Aus .Kruschwitz rn Po>eu schreibt man demDzien. Kuj.": Eine seltene Ueberraschung bereitete der Storch einem jungen Ehepaar in Baranoim indem er demselben als ersten Familienzuwachs I e M o Jungen auf einmal bescherte. Jeder von ihnen wieg. 11/22 Pfund. Die junge Mutter und die Spro'flmge bi rüden sich den Umständen nach wohl. Ms die Nachbarinnen von diesem seltenen Fall erfahren hatten, kamen sie t Scharen herbei, um Glück zu wünschen. Es wurde fog«n unverweilt der Kaiser t e l e gr a p h i sck^ von dieiem un­gewöhnlichen Ereignis benachrichtigt."

* Ehescheidung in hohen Kreisen. Aus par-s wird geschrieben: Infolge vonMeinungsverichtknnmi.> wollen sich der Herzog und die Herzogin von Valencav hbet

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Berlin, 23. mt Wronl-r vlcndie Nachdem techtsanwi gehalten hat, wird d ' Straßburg i lichteten, hatte Reä als prinzipieller G e gerichtsrat Bal tödlichen Waffen g e lands an die S habe unwahre Beha habe sich Baland Bn qeäußert, er halte es diskutieren. Ei Reserveoffizier >vend als persönliche Jöele engen aufgefaßt. u Aeuftrungen kein habe. Ter Staatsm ung. Ter Verteidig, aus: Richter und Vorbildung und da gegenseitige 1 walt ergeben. 8 ,5) o 1 s f o m m e n t das Verhalten des ( ringen für nicht be Beschwerde über A daß Weiß ihn gefo: beüanb zur Kenntnis Weiß lautete auf br ausgeslchrt, die Aeus ten verschieden gedk erklärte, et halte e in einen TisM mit ung lasse sich dal ungen des Anwalt würdig gelten. eine Kränkung erbl

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