Ausgabe 
24.3.1904 Erstes Blatt
 
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sittlichen ' Kass

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Nus Ettingshausen wird uns zu der kürzlichen Notiz, daß ein auf dem dortigen alten Friedhöfe gefundener Schädel nach Gießen gebracht werden solle, mitgetcilt, daß dies unrichtig ist, daß die aufge- sundenen Skelette gesammelt und an einer anderen Stelle des Friedhofs beigesetzt werden. In Ulfa fiel, wie uns geschrieben wird, gestern, Mittwoch, eine mehr als 70 jähr. Frau, die mit einer Näharbeit besck)>ästiHt war, so unglück­lich von der Dank, daß sie sich dabei einen Beinbruch zuzog. In Marburg feierte am gestrigen Mittwoche die höhere Mädchenschule ihr 25 jähr. Bestehen als städtische Anstalt.

vermischtes.

Zeitz, 23. März. Hier erstickten drei Kind - einer Arbeiterfamilie, die allein gelassen worden waren ui» Glut aris dem Ofen in den Kohlenkasten herausgestochet hatten,' infolge der Verqualmung des Zimmers.

Christiania, 23. März. Auf den Lof oten wüt^ fünf Tage lang ein überaus heftiger Sturm, der gro" Verkehrsstörungen verursachte. Zahlreiche Boote sind De." loren öder beschädigt. Mehrere Menschen sind dab, u m g e k o m m e n.

Lüttich, 23. März. Die gestern aufgefundene Bomk° wurde heute zur Explosion gebracht. Man hatte zue:I versucht, die Bombe durch einen Wasserstrahl zu erschütter-, was jedoch mißlang. Hierauf wurde ein Gendarm beau tragt, auf die Bombe zu feuern. Beim dritten Schuß f[. die Bombe mit furchtbarem Getöse in die Luft. Das Blot La Meuse* erhielt einen anonymen Brief, welcher die Unr?> schrift:Die geheimen Anarchisten" trägt und worin miig:= teilt wird, daß noch eine ganze Reihe Dynamik- Attentate beabsichtigt sei. Die Polizei verhaf! zwei Franzosen. Diese sind die Urheber derb Dynamitattentate. Sie heißen Lambin und Gudesin i wohnten in der letzten Zeit in Icmappe bei einem deutsch er Bergarbeiter, der gleichzeitig eine Herberge unterhi i: Letzterer ist nunmehr ebenfalls verhaftet worden. Br: einer in seiner Wohnung vorgenommencn Haussuchung rourb u. a. ein Schreibheft gefunden, welches die Formeln nir Herstellung von Bomben enthielt, ferner Zahlreiche anarchistisch Broschüren und ein Topf mit Firniß, welcher genau biejemg. Farbe hatte, welche die aufgefundenen Bomben aitfnMa. Ter verhaftete Deutsche gestand, daß die beiden Franzose in Kolonialwarenhandlungen chemische Produkte gekauft haben. Tie Bomben wurden außerhalb der Wohnung hergestelli, dann aber zur Aufbewahrung in den Keller gebracht. £ii beiden Anarchisten gaben beim Verhör die ihnen zu: Last gelegten Verbrechen zu, ebenso wurde festgestellt, baf; Lambin den Brief an das BlattLa Mause" geschrieder hat; letzterer war auch s. Zt. an dein Attentat in der Bellvill: Kirche zu Paris beteiligt und gehört einer Pariser Anarchisten, gruppe an. Der eine der verhafteten französischen Anarchist La in bin, gen. Beaumanois, ist im Jahre 1883 in St.Gilte- les Reims iMarne) und der andere, Gudefin ist in Pari; im Jahre 1881 geboren. Lambin hat schon in Frankreic verschiedentliche Vorstrafen wegen Beschädigung öffentfi(fr Denkmäler erlitten und war auch in dem 1903 oeriibtk.i Bombenanschläge in Belleville beteiligt. In derselben Ans,- legenheit fand die Verhaftung eines gewissen Modeste Boule aus Jemappes les Liöge statt. Bautet gewährte beiben Anarchisten Unterkunft. Bei ihm wurden auch die Bombe, angefertigt. Rach Angabe der beiden waren sie nach Lüliut gekommen, um Arbeit zu siichen. Das Attentat wollen st begangen haben, um Rache für die Ausweisung der Anarchien aus Belgien zu nehmen.

Paris, 23. März. In Choisy überrannte Scconde von Greffuhl mit seinem Automobil eine: ckergesellen, welcher auf der Stelle tot war.

Mailand, 23. März. Zu Montube canaia (Proo. Pavia) hat infolge starker Regengüße in den letzten lagen ein ausgedehnter Erd rutsch stattgefunden, der einige und tausende von Weinstöcken verschüttete. Ein Vertust von Menschenleben ist nicht zu beklagen.

St. Gallen, 23. März. Heute ist in bet Cit- schweiz plötzlich ein Witterungsumschlag erfolgt, inbeir wieder starker Schneefall eingetreten ist.

* Wien, 23. März. Der Regierungsrat Stöger wurde heute abend auf der Straße von der Gattin des Wiener Universitätsprofessors Beer, der aus A-m flüchtete, tätlich durch Peitschenhiebe infulthrt. Beer stand in dem Verdachte sittlicher Verirrungen und wurd! seines Postens enthoben. Die Frau behauptete, Stöger sei der Urheber der Anklagen.

"Wie ostpreußische Landarbeiter wohnen schildert ein Memeler Blatt:Recht jammervolle Zustöndi herrschen im Winter in vielen Jnstwohnungen aus ben Lande. Der Mensch, der nicht gewöhnt ist, mit Schweinen. Schafen, Hühnern zusammen zu wohnen, würdeh ihnen tatsächlich umkommen. Man tritt in eine H Wohnung ein; man macht die Tür auf; eine unermeßlich Hitze, gemischt mit einem Parfüm, strömt einem entgeh daß, wer schwache Nerven besitzt,auf den Rückens ' Rechts sieht man eine Sau mit sagen wir 10 jnrrfri links 2 bis 3 Schafe, ebenfalls mit einer Anzahl 3un9tr' Ist der Winter streng, so ist die Wohnung noch mn em Familie vermehrt, uämlich durch 4 bis 5 Hühner. Don - Stubendecke träufelt infolge der Hitze des kleinen elsem Ofens ständig Nässe hernieder. Die Wände und Türen B so naß und von dem anhaftenden Staub so schmutzig, ' man sie nicht mit der Hand zu öffnen wagt. VeMln wird die Atmosphäre noch durch die links ober red)9 einer Stubenecke stehende Tonne mit aufgesammelten retten für das Vieh, die draußen im Freien einfrieren

Nebenbahn Londorf Lollar erweisen sich als un­wahr; der Sommerfahrplan wird statt der gefürchteten Zug­verminderung sogar eine Zngvermehrung und weitere Ver- befferungen bringen. Nach authentischen Mitteilungen bleibt der im Herbst neu eingelegte Zug, welcher 6 Uhr 50 Min. vormittags in Londorf abgeht, auch im Sommer unverändert bestehen. Diese Verbindung entspricht vielen Wünschen. Ter erste Frühzug fährt vom 1. Mai an 15 Minuten später in Londorf ab; seine Ankunft in Gießen erfolgt 5 Uhr 43 Min. vormittags. Abends geht der setzt nur Werktags verkehrende Zug auch am Sonntag; im übrigen werden auf der Station Gießen durch die Spätzüge der Nebenbahn neue wichtige Anschlüße erlangt.

Butzbach, 23. März. Die Eröffnung der Butz- bach-Licher Bahn ist nach der ,93. Zig." auf Montag den 28. d. Mts. verschoben.

§ Ruppertenrod, 23. März. Wieder ein Veterane aus den Kriegsjahren 1866 und 1870/71 wurde gestern zu Grabe getragen, der Königliche Amtswegaufseher i. P. K. Meyerer von hier. Der Verstorbene stand in seinen späteren Jahren in preußischen Diensten zu Barop. Dort ist er auch nach längerem Krankenlager gestorben. Meyerer hat den hiesigen Kriegerverein gegründet und war der erste Präsident des neugegründeten Vereins.

§§ Ober-Ohmen, 23. März. Die Verteuerung des Branntweines, die dieser Tage wiederum einge­treten ist, hat die hiesigen Freunde des kleinen Gläschen be­wogen zu streiken. Sie meiden die Gastwirtschaften und haben erklärt, sie nicht eher wieder zu besuchen, bis der SchnapS wieder billiger werde. Hoffentlich wird dieser Streik lang oder immer anhaltenden.

-ch Aus dem Vogelsberg, 23. März. Mit dem 1. April d. I. wird bei unserer Gendarmerie eine Neuer­ung eingeführt, die für den Polizeidienst gewiß ein Fortschritt bedeutet; es sind dies Kontrolluhren. Sie werden an den betreffenden Bürgermeistereien angebracht und dienen dem Nachtdienste der patroullierenden Gendarmen. Diese brauchen dann nachts nicht mehr den Bürgermeister aus den Federn zu klopfen zur Erlangung seiner Unterschrift. Ein Druck auf die Kontrolluhr genügt, einen Strich auf einem in der Uhr befindlichen Blatte hervorzurufen. Die Anzahl der Striche ist mithin die Kontrolle für die nächtlichen Besuche der Gendarmen.

§ Vom oberen Vogelsberg, 23. März. Nach ein paar herrlichen Frühlingstagen ist es plötzlich wieder Winter geworden, denn über Nacht hat sich das Gebirge mit einer ziemlich hohen Schneedecke überzogen.

R. B. T a r m ft a b t, 23. März. Se. königl- Hoheit der Gr o ß h e r z o g hat 11,52 Uhr nachts mit dem Schweizer Schnellzug seine Reise nach dem Süden angetreten. In seiner Begleitung befindet sich Adjutant Rittmeister Krä­mer. Vorher hatte der Großherzog den parlamenta­rischen Abend beim Staatsminister Tr. Rothe be­sucht und war um 11 Uhr noch für kurze Zeit in sein Palais zurückgekehrt.

Mainz, 22. März. Am letzten Sonntag tagte hier unter dem Vorsitze von Opifizius-Frankfurt ein sozial­demokratisches Schiedsgericht, das sich mit einer Beschwerde Siegmund Friedbergs gegen seinen Ausschluß aus der Mainzer sozialdemokratischen Parteiorganisation zu befassen hatte. Ter Sachverhalt ist nach derFrkf Ztg." folgender: Nach dem Tode des Landtagsabgeordneten Haas wurde als Kandidat zum Landtag Redakteur Adelung aufgestellt. Friedberg hatte gegen dessen Kandidatur agi­tiert und als Wahlmann bei der Wahl einen. weißen Stimmzettel abgegeben. Am 19. Dezember wurde in einer Parteiversammlüng Fri'dberg wegen seines parteiwidrigen Verhaltens mit Zweidrii ^Majorität aus der Mainzer so­zialdemokratischen Parteiorganisation ausgeschlossen. Nun hat das Schiedsgericht erklärt, daß das Verhalten Fried­bergs keinen Grund zum Ausschluß aus der Partei bilde, dagegen wurde seine Handlungsweise als ein grober Ver­stoß gegen die Parteidisziplm angesehen und ihm des­halb eine Rüge erteilt.

Frankfurt, 23. März. Im Mansardenstock des Hauses Kronprinzenstraße 52 überraschte gestern eine Frau einen Einbrecher bei derArbeit". Rasch gefaßt gab er ihr einen Stoß, daß sie taumelte und verschwand. Einige Stunden später sah ihn die Frau wieder in der Kronprinzen­straße und benachrichtigte die Polizei, worauf die Verhaftung erfolgte. Anfangs nannte sich der Einbrecher Karl Wegner, später aber gab er zu, daß er der vielfach bestrafte Dach­decker Johann Röll aus Oberaffenbach sei. Er trug einen schweren Dachdeckerhammer, Dietriche und einen langen Dolch bei sich. In seinem Besitz befanden sich verschiedene ge­stohlene Wertgegenstände, die von Einbruchsdiebstählen aus den letzten Tagen herrühren und die von den Eigentümern sofort anerkannt wurden. Auch wurde Röll einem bekannten Pfandleihgeschäft vorgeführt, wo er seine Beute regelmäßig unter verschiedenen Namen versetzte. Im ganzen werden ihm 18 bis 20 Einbrüche zur Last gelegt. An einem Tage ver­übte er allein fünf. Einen Teil davon hat er bereits zuge­geben, so z. B. in der Gutleutstraße, Kronprinzenstraße, Moselstraße, Elbestraße, Rhönstraße.

W e tz l a r, 23. März. Herr Wilh. Will hat sein Restau­rantZur alten Reichsstadt" an Restaurateur Franz K o r n- der von Hier verkauft. Tie Uebernahme erfolgt bereits am 1. April. In das hiesige Gefängnis wurde heute vormittag der Maurer Hemrick Stroh von Wißmar ein- geliefe rt. Es wird ihm zur Last gelegt, am letzten Sonntag abend auf eine 60 Jahre alte Frau einen un-

Oerichtssaal.

tb. G i e ß e n, 23. März. (Straikammer.) Die Markus und Moses G. von G ro ßka r b en haben m den y 1898/99 tbr Einkommen zur Besteuerung gegeben und sich bei der veranlagten Steuer den y fl Jahre 1900 haben sie freiwillig deklariert, weil nam stellung die ihnen bisher abgeforderte Steuer zu Hom /nn!.; Steuerbehörde verlangte darauf, um die Sache prumi von den Brüdern ihre Handelsbücher und besonders vergeblich ein. Sie veranlagte die Angeklagten tmbar i ß. Jahre jeben mit einem Einkommen von 20 oou jj tc würbe von den Veranlagten Einspruch erhoben; es , &-' Vorlage der Bilanzen der drei letzten Jahre, . mr- Durchschnitt des zu versteuernden Einkommens mrz ^(tf5 dabei kam man dahinter, daß die Angeklagten bena . d - U. a. hatten die Angeklagten ihr Einkommen viel ?n _ cur gegeben, der eine der Brüder hatte ein Einkommen ihm allein betriebenen Spezereihandel sogar fortgel N ~innir Angabe des zu üerftenenibeit Vermögens batte ,ma ö unter afier Schulden in die Mtaroton emq Ich UN noch einmal einen W.q non 40 000 'Jit.

Moses G. entschuldigte sich damit, daß sem M'tangeuag die Bücher geführt, die Bilanzen ausgestellt un o klärungen für sie beide abgegeben habe. Er hat all näh^

sein Einkommen und Vermögen gemachten Ang , zu prüfen, wie er zugibt, unterzeichnet, --lar -^bnii^

doppelten Abzug der Schuld von 40 000 Mk. vo Steu<:1 irrtümlich in der Steuererklärung vorgenommen, aua;

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. März 1904.

L U. Der praktische Arzt Medizinalrat Dr ^Friedrich Salzer in Worms begeht morgen die Wiederkehr des Tages, an dem er vor 50 Jahren zum : Tt. med. an der Landes-Universität promoviert wurde. Zu i diesem Tage hat ihm die medizinische Fakultät das er* 1 neuerte Toktordiplom mit einem Glückwunschschreiben übersandt.

** Prof. Dr. Pfannen stiel, der Tirektor der | Frauenklinik, hat, wie wir hören, einen Ruf nach Erlangen ' erhalten.

Die Erneuerung deS Doktordiploms für Ge­heimrat v. Neidhardt, die wir gestern meldeten, erfolgte mit folgendem Hinweis auf seine Verdienste um daS engere und weitere Vaterland:

qui per decem lastra sincera fide et mira Constantia rei publicae magna cum gloria servivit, qui per tria decennia legati munere functus Hassorum et Bo- russorumnecessitudinem operaindefessa anxit confirmavit- que, qui concilii foederatorum ab initio fere socius auctoritate et potentia pollens non solum de Hassia sed etiam de Universa Germania ländern meruit sempiternam

** Tie Abschlußprüfung für Einjährig- Freiwillige fand am Tienstag an der hiesigen Real- sckule statt. Ter Prüfung unterzogen sich folgende Kan- dioaten mit Erfolg: Berlin, Bernhardt, Tominik, Erb, Feiling, Fiebig, Frank, Franz, Geißler, Grünstein, Hansult, Hofmann, Jung L, Jung II., Katz, Klinge, Neumann, Oppen- tieimer, Peppler, Pfaff, Sckäfer, Scklaudraff, Wallenfels.

Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe sielen vier Ge­winne von je 5000 Mk. auf Nr. 5176 6394 61905 71864, Gewinne von je 8000 Mk auf Nr. 3765 4531 29384 40268 50989 61500 87710 90792 97779. (Ohne Gewähr.)

** Verschönerungs-Verein. Ter Verschöner­ung sver ein hielt gestern abend seine alljährliche General­versammlung im Cafö Ebel ab. Außer dem Vorstand waren im ganzen bÄauerlicherweise nur drei Mitglieder erschienen. Ter Vorsitzende, Direktor Spamer, erstattete den Jahres­bericht. Die Tätigkeit des Vereins bestand lediglich in der Erhaltung und Verbesserung der bestehenden Anlagen und Wege. Es wurden u. o. 5 Ruhebänke aufgestellt. Der Verein hat am Selterstor (Lesehalle) und in der Schulstraße (Brühl'sche Druckerei! die Weilburger Wetterkarte zum Aus­hang gebracht, und diese Einrichtung soll auch im laufen­den Jahre beibehalten werden. Die Wege auf dem Hangel­stein sind gründlich ausgebessert worden und wird an deren .weiteren Ausbesserungen noch gearbeitet. An der Gabel­ung des Schiffenbergerweges und der alten Steinbacher­straße wird ein Promenadenweg nach der Licherstraße hin- 'ütier angelegt werden. Der Verein hat im abgelaufenen Jahre für den Hohewartturm die Restschuld von 300 Mk. an die Staot abgetragen und den Betrag von 100 Mk. dem Düns- berg-Verein überwiesen. Der Vorsitzende teilte mit, daß der Mitgliederstand im Jahre 1903 von 456 auf 421 ge­sunken sei (das ist für Gießen eine außergewöhnlich geringe Beteiligung) und bat die Mitglieder, auf Zuwachs bedacht zu sein. Mit den Mitgliederbeiträgen von 842 Mk. verfügte oer Verein im abgelaufenen Jahre über einen Betrag von 1860.65 Mk., von welchem außer den schon genannten 400. Mk. weitere 466.37 Mk. für die Vereinszwecke verausgabt wor­den sind, sodaß noch ein Restbetrag von 997.70 Mk. für |ba§ laufende Jahr verfügbar ist. Aus der Mitte der Versamm­lung wurde angeregt, an der Straße nach Rodheim hinter dem Abendstern, am sogenannten grünen Weg, einen Weg­weiser anzubringen, der dem Einheimischen und Fremden den nächsten und bequemsten Weg von der Haltestelle Abend­stern zum Gleiberg anzeigt. Vom Vorsitzenden wurde zu­gesagt, das Erforderliche zu veranlassen. Weiter soll der Anregung Folge gegeben werden, auf der Höhe des Trieb, an der Waldecke und Gabelung der Straßen nach Rödgen und Annerod, eine Ruhebank aufzustellen. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Daß nach der Generalversamm­lung noch eine Vorstandssitzung stattfand, wobei die Vereinsmitglieder sich entfernen mußten, hat sich als nicht empfehlenswert erwiesen. Die Vorstandssitzung kann auch vor der Generalversammlung stattfinden.

** Tie Interpellation über die Haltung .der Regierung in der Frage des Jesuiten­gesetzes ist vom Abg. Noak zurückgezogen worden.

c. Treis a. d. Lda., 23. März. Zu der vor einigen Tagen verbreiteten Meldung, Postdirekior Becker in Unter» barmen sei wegen Fälschung und Unterschlagung verhaftet worden, ist nach einer un§ zugegangenen Mitteilung folgen­der Tatbestand festzustellen. Postdirektor Becker hatte bei der Kaffenrevision einen Fehlbetrag gegen zirka 600 Mk. in feiner Postkaffe, worüber er in Untersuchung gezogen wurde. Nachdem dieser Fehlbetrag alsbald in die Kasse eingeführt war, wurde Becker von der Anklage freigesprochen und auf freien Fich gesetzt. Wegen schweren Nervenleidens ist er bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit beurlaubt.

)( Aus demLumdatal, 23. März. Die kürzlich auf­getauchten Gerüchte über Eingehen eines Zuges auf der

Angriff gemacht zu haben. (W. Anz.)

, ,'el, 23. März. Bei den hiesigen Stadtver­ordnetenstichwahlen siegten nach zweitägigem Wahlkampfe die vier bürgerlichen Kandidaten mit großer Mehrheit über die sozialdemokratischen Kandidaten.

verschiedene Ansprüche fallen läßt, die es in Marokko zu besitzen vorgibt. Betreffend Siam wird mltgeteilt, daß nur zwei Punkte des englisch-französischen Vertrages von 1896 eine genauere Fassung erhalten sollen.

Madrid, 23. März. Im Senat erklärte der Minister des Aeußern in Beantwortung der von dem Republikaner Labra eingebrachten Interpellation, die in Vigo stattgehabte Zusammenkunft des Königs mit dem deutschen Kaiser sei eine reine Höflich- keitsb ezeugung gewesen. Sie sei eine Konsequenz der herzlichen Beziehungen zwischen beiden Län­dern.

Rom, 23. März. Der Papst empfing gestern die Vertreter des Verbandes der katholischen deutschen Arbeitervereine. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm ein allegorisches Kolossal-Gemälde übergeben. Der Papst antwortete auf eine Ansprache mit einem warmen Lob auf die Katholiken Deutschlands und auf dessen katholische Arbeiterschaft.

Wien, 23. März. Der 2tbg. Graf Starhemberg hat seinem Organ in Königgrätz folgendes Telegramm gesandt: Ministerium Körber sozusagen gestürzt. Abg. 93ämreiter machte der Krone den Vorschlag, ein Koali­tionsministerium Mad ejlki zu berufen, in das die Abgg. Bärnreiter und Kramare eintreten würden und das ich auf die Deutschen, Tschechen und Polen stützen könnte. Dieser Plan werde in Hofkreisen ernstlich n Erwägung gezogen.