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154. Jahrgang Donnerstag 24. März 1904
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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t«r» Gießener Anzeiger rtrben im Wechsel mit lrxfftffl|d)en Landwirt |.i Siebener Familien' liUei viermal in der Loch« beigelegt.
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Verantwortlich für ben poltt unb allgem. Teil: P. Witt ko: für »Stadt und ßanb* und »Gerichtsfaal*: August Goetz; für den Anzeigenteil: tzans Beck.
An Kerrn Köhter-Laugsdorf.
Gießen, 24. März 1904.
'Auf die Angriffe deS Ex-ReichStagSabgeordneten Herrn Uhler ausführlich zu erwidern, ist uns z. Zt. noch nicht restlich, da uns nur das in unserem heutigen zweiten floht enthaltene, leider allzu kurze Referat vorliegt. Lus der Entgegnung des Herrn Dr. Gut fleisch ist zu ent- flirren, daß allein Herr Köhler sich wieder einmal blamiert M so gut er konnte. Man ist ja in dieser Beziehung W Herrn Köhler daS Menschenmögliche längst ge- eobrit. Wenn Herr Köhler sich in der Kammer über .[ilnchte Behandlung" durch den Gieß. Anz. beklagt, jo güt er zunächst damit zu, daß er dem Gießener Anzeiger nicht.geringe Bedeutung beimißt, und wir danlen ihm herzlich vir dieses ungewollte Kompliment. Andererseits aber tut n uns auch schweres Unrecht. Er möge sich gütigst nur da- ton nrinnern, daß er unS vor Jahr und Tag einen längeren IdiCill mit der Bitte um Abdruck übersandte, der s. Z. viel «!h«eS Aufsehen machte, als ihm lieb war, und wir kamen hmidS seiner Bitte mit einer Bereitwilligkeit nach, die in Allein Kreisen überraschte. Jener Artikel enthielt die haar- Mbendsten Auslassungen gegen die geistige Qualität un[ftrr Gießener Prosefforenschaft. Herr Köhler erging sich da ■in t>an rustikalsten Ausdrücken und trieb die unfreiwillige .famf und Drostik so weit, daß wir anfangs starke Bedenken : tniflen, diese kraftgenialische Produktion auf dem LangSdorfer ■Lchinipsklarinett zu veröffentlichen. Wir erachteten eS aber stchließilich doch als unsere Pflicht, der Bewohnerschaft deS .faifiM Gießen diese Jammer-Arie nicht vorzuenthalten, Ibomij ihr ein klares Licht aufgehe von der ganzen heroischen OWi ihres damaligen ReichStagSoertreterS. Obwohl man da- niMlS [selbst in einsichtsvollen Kreisen unsere gute Absicht zum A verkannte, so hat schließlich doch der Juni 1903 den MN unS damals schon erwünschten Erfolg gezeitigt. Herr . We:- hat aber durchaus keinen Grund, über »schlechte Be- ) $nb(nng* durch den Gieß. Anz. zu klagen, sondern vielmehr i MD^ranlaffung, unser Entgegenkommen ihm gegenüber, daS c Hnfluigmut kaum übeitcoffen werden kann, in lauten Tönen zu V;unter.. Jener Köhler'sche Artikel war bekanntlich nicht der i irinyqt unS von ihm zugesandte und von unS veröffentlichte, ) mi bum er uns zu kompromittieren trachtete, um allein sich s etbtr lbloßzustellen.
2.uf die gegen unseren leitenden Redakteur im einzelnen < .ymchtzcken groben Invektiven und direkten Unwahrheiten, die t utl o:m unserem Darmstädter Vertreter vorerst leider nur in k un|tm telephonischem Gespräch angedeutet worden sind, zu e tmibctm, verlohnt sich kaum der Mühe. Ebenso wenig wie d liiibirigen Herren Kammermitglieder, die den Speach deS Herm k l!!s!er über sich ergehen laffen mußten, dürfte unsere Leser- fi tt'l ich für die persönlichen Verhältniffe deS Redakteurs des G Bfrg. Anz. und deffen Frau — selbst diese zog Herr Köhler n nrr. betn Gegenteil von zartestem Takt in die Debatte — i. ir;:f iicren. Hätte Herr Köhler heute noch den Vorzug, als d itwftfyer Reichstagsabgeordneter freie Fahrt auf allen deutschen O[nem zu genießen, er eilte womöglich schleunigst an die TM'.el und an den Main, nur um in allen Kirchenbüchern d m r.iachzustöbern, ob Redakteur Wittko und Frau die ä lxbtche Taufe erhalten haben oder nicht. Denn auch von > Mi ;wchwichtigen politischen Angelegenheit unterhielt Herr KWc gestern seine Kollegen. Herr Köhler möge sich getrost di sparen, Redakteur Wittko und seine Frau sind wirkst Hchiifllich getauft, auch vorschriftsmäßig geimpft und in bt h'i-tnnb der heiligen Ehe nach allen Regeln der christlichen Ä! Irrt getreten. Der Vater von Redakteur Wittko ist preußi- id dichter, deffen Vater war protestantischer Pfarrer 2C. re. MM-Hit unser früherer teurer Mitarbeiter Herr K IHliirc, der Redner dieser ungehaltenen gehaltenen und sti '.:a- gi?haltenen ungehaltenen Rede, noch mehr zu wissen?
ii: Schimpfereien des Abgeordneten Köhler auf den ,,( K ' weroen übrigens verstärrdlich, wenn man der Sach« m -. rciuf den Grund geht. Der „G. 21." hat dem liberalen "H ':c d)neten Heyligenstaedt mit zum Siege verhalfen und da ■ÄltiÄN aus dem Gründe, weil unser früherer Herr Reichs- ta ig. eordneter der Pflicht des ErsckMnens im Reichs- ta P?.■ kanntlich äußerst selten sich unterzogen hat.
■iif) dem heute vorliegenden Kammerreferate wirst 5'e.ML:jhler dem „G. A." nicht nur „schlechte Behandlung" feisinm istgenen werten Persönlichkeit, sondern auch des selig enrit'asenen hessischen Bauernbundes vor. Auch hierin iu ü: n uns Unrecht. Er erinnert sich vielleicht noch daß wim^ch eine ganze Anzahl Artikel aus bauernbündlerischen KriÄm,, sofern sie sachlich waren, veröffentlicht haben. Sach- litil^ berechtigte Interessen jeden Standes innerhalb iir./fe Verbreitungskreises werden wir auch in Zukunft wc".l.stu. Herr Köhler dagegen liebt das Unsachliche, und sei A ü4§lassungen, wo immer sie auch an die Oeffentlich- kei Ä tierten, scheinen zumeist rein persönlichen Interessen zu: i^Mingen, wie ja seine Anreinpelangen des „G. A." im " i nr-nbe nichts anderes sind, als Auswüchse verletzter Eit.^W.1 Me er bald um unsere Gunst buhlte, bald uns bes ch:Mte, so hat er es auch mit dem Bund der Landwirte get m -?ri, dessen Redner er und seine Gefolgschaft, wie wir in "AV: reuefttm Nummer der Naumann'schen „Hilfe" lesen, feortb:- als „Bauernfänger"' und „Lügenbeutel" bezeichnete uul^^^eren Arme er jetzt gesunken ist. Sein Leiborgan,die edl "-2 istolkswacht", (bfie den Bund der Landwirte früher best'st iz; anüefste und ihn als „Herde Offiziere ohne Sol- dastLi bezeichnete, wird txmnächst Organ des Bundes der
Landwirte. Da der Sitz dieses Blattes jetzt nach Friedberg verlegt werden soN, ist dem Herrn Köhler die große Verbreitung des „G. A." in Oberhessen ein Dorn im Auge und darum läßt der so sehr interessierte Herr es sich ange- legen fein, die Übrige Presse nach Möglick)ireit und Gelegenheit herabzusetzen. Er geht darin so weit, daß er sogar der Negierung den geschöftSunklugicn Vorschlag macht, ein amtliches Zentralanzeigenblatt #u gründen. Auch die Idee, allen hessischen Blättern die amtlichen Anzeigen zu überweisen, würde, was jedem Einsichtsvollen ohne weiteres klar ist, eine durchaus unnötige Mehrbelastung der Behörden an Arbeit und der Gemeinden an Ausgaben bedeuten.
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Von dem parlamentarischen Abend in Darmstadt bei Se. Erzellenz dem Staatsminister Dr. Rothe geht unS aus Darmstadt noch folgende Notiz zu:
„ES wurde folgender von dem Adg. Leun-Gr.- Linden verfaßter Entwurf eines Gesetzes bet r. die Errichtung einer Staatsdruckerei bekannt gegeben:
§ 1. Tie Redaktion erhält ihren Sitz in Darmstadt mit Filialen in Langsdorf und Offenbach.
§ 2. Alle Staat?- und Gemeindebehörden sind verpflichtet, daS Zentralblatt der Staatsdruckerei in jeder Weise zu unterstützen und ,hre Bekanntmachungen demselben zuzuwenden.
§ 8. Alb Chef der Staatsredaktion wird der LangSdorfer, und als Redakteur Herr E. Ulrich gegen ein paar taufend Märkelchen Gehalt angestellt.
§ 4. DaS Blatt wird zrir Hälkte auf rotem, zur Hälfte auf blauem Papier gedruckt und den Parteischattier'ungen entsprechend den beiden Redakte»iren gebührend Rechnung getragen.
§ 5. Für ultramontane Bekanntmachungen wird schwarzes Papier mit roter Schrift und entsprechend den Farbenschillerungen in der nationalliberalen Partei für deren Veröffentlichungen mit den sieben Farben deS Regerlbogens gestreiftes Papier verwendet.
§ 6. Die beiden Redakteure erhalten rote Streifen, Kniehosen, Dreimaster, weiße seidene Strümpfe mit roten Bändeln und Lackschuhe, Redakteur Ulrich als besondere Auszeichnung einen abgelegten C h e v a u l e g e r s ä b e 1, Modell 1815, verliehen; Redakteur Köhler Sporen an den Ellenbogen.
§ 7. Das Gesetz tritt mit dem ersten Tag des hochagrarisch-sozialdemokratischen Zukunft -st aateS in Wirksamkeit.
Gegeben Darmstadt, I. A p r i l 1904/
Per Krieg zwischcn Japan und Zruhsand.
Mehrere heutige Berliner Morgenblätter bringen die ntxh unbestätigte Meldung, wonach am 18. März außerhalb Port Arthurs eine Seeschlacht ftattgefunben habe. Gin großes russisches Schlachtschiff sei von den Japanern in den Grund gebohrt worden. ES liegt noch keine anttliche Bestätigung der Meldung vor.
Tie Regierung teilte den Senatoren vertraulich mit, daß seit Beginn des Krieges bis jetzt genau 1OOOOO Mann russischer Truppen mit der Bahn nach der Mandschurei befördert worden sind. Im russischen Eisenbabuministerium ist man eifrig mit den Vorbereitungen für die Mandschureibahn beschäftigt. Es dürfte indes kaum möglich sein, vor Mai Panzerzüge fertigzustellen.
Tie Zahl der bisher in Tschemnlpo und den benachbarten Ausschi ff ungßvunkten gelandeten Japaner wird auf 52COO Mann angegeben; weitere Streitkräfte flehen in den Heimathäfen zur Abfahrt bereit. Tie Armecpferde sind in schlechtem Zustande; viele gehen zu Grunde. In Korea macht sich Mangel an um lau send em Geld bemerkbar. Tie von der javanischen Regierung versuchte Ausgabe kleinerer Kreditscheine ist erfolglos geblieben.
Tie Japaner versuchen, nach Berichten aus Söul, die Koreaner bis auf 5000 Mann zu entwaffnen, eine Aufgabe, die ohne das Selbstgefühl der Koreaner zu verletzen, nicht leicht, aber notwendig ist. Eine gut bewaffnete Bande von 300 Koreanern griff bei Ham- henng ein japanisches Detachement ans Gensan an, oas zwei von ihnen tötete, 20 verwundete und 36, darunter die Rädelsführer, gefangen nahm. Letztere erklärten, sie feien von den Russen aufgestachelt worden. 3000 militärische Bahnarbeiter sind, nach einer Tepesche der „Times", an der Linie Söul-Widschu beschäftigt. Hundert Meilen Schienen mit allem Nötigen liegen in Japan zur Verschiffung bereit.
In der japanischen Kammer erklärte Ministerpräsident Graf Katsurv, die Einberufung deS Parlaments in diesem Augenblick fei in der Geschichte des Landes ohne Beispiel. Er halte es für eine große Ehre, mit den Tepu- tierten die Pflicht zu teilen, die edle Politik des .Kaisers aufrechtzuerhalten, die dahin gehe, dauernden Frieden im fernen Osten herzustellen und die Stellung des Reiches dadurch w stärken, daß man die freundschaftlichen Beziehungen $u den großen Mächten festige und legitime Rechte wahre. Graf Katsura rechtfertigte sodann das Vorgehen Japans gegen Rußland. Ter Minister deS Aeustern, Baron Komnra, legte der Kammer den voNständigcn Wortlaut der diplomatischen Korrespondenz mit Rußland vor.
Tas japanische Parlamentsmitglied Akiyama, der Herausgeber eines die Regierung heftig bekämpfenden Blattes in Tokio, ist wegen Verrateri schenBerkehrs mit Rußland angeklagt. Tie Angelegenheit wurde einer Kommission deS Abgeordnetenhauses zur Untersuchung übergeben.
Enlilischc Tartarcn-Nachrichtcn.
Ter „Tailn < y c ,; erhält von fein, in Korrespondenten in Shanghai au. .lei interessante Einzelheiten über die Situation in Port Artbur und N i u t s ch w a n g , von denen folgendes hier wieoergegeben sein mag: „Tie
Nachrichten aus Port Arthur vom 17. b. M. befaßen, daß ein umfangreiches Svstem von Stacbeldrahtzäunen, ähnlick) dem ini südafrikanischen.Krieg, zur Anwendung' gekommenen, konstruiert worden ist. T yn a mit-Min en^ sind gleichfaNs gelegt worden, und die Geschütze der kampfunfähigen Kriegsschiffe sind hinter neuen Erdwällen montiert. Polarische Kälte herrscht in der Stadt, und die Bevölkerung ist demoralisiert. Mehrere Offiziere haben unter dem Eindruck der Niederlagen Selbstmord begangen (?). lieber 50 Soldaten sind in den zwei letzten Wochen wegen Desertion ersch ossenworden (?). Tie Gesamtverluste in Port Arthur sollen bis jetzt 265 be-t tragen. Eine Ladung Schlachtvieh ist gelandet worden, zwei- weitere werden erwartet. Man macht sich hier auf, eine lange Belagerung gefaßt. Aus Niutschwang wird berichtet, daß die Stadt von dem 15. und 16. ostsibirischen Infanterie-Regiment, den Primoski-Tragonem und zwei Feld- batterien besetzt worden ist. Tie chinesischen Zollbehörden schaffen die Konsuln unt> deren Familien auf einem Kanonenboot nach Peking. Tas russische Kanonenboot „Si^ voutsck/0 sowie die britischen und amerikanischen Kriegsschiffe find gegenwärtig eingefroren, haben aber Befehl erhalten, den Hafen zu verlafsen, sobald die Witterung dies gestattet. Tie Russen haben bis jetzt keine großen Borbereitilngen zur Verteidigung von Niutschwang getroffen, da sie beabsichtigen, im Falle eines Angriffes der Japaner sich zurückzuziehen und die Stadt hinter sich zu verbrennen. Im Rücken der Stadt sind jedoch einige temporale Befestigungen errichtet worden. Man nimmt an, daß der erste Landungsversuch der Japaner westlich des Liao- Flusses erfolgen wird. Tie Russen haben alle Lebensrnittel mit Beschlag belegt, und infolgedessen herrschen wahre Hungersnotpreise. Von Tientsin aus werden regelmäßig Ladungen von Mehl unb Getreide an die Russen in Muts chwang gesandt. Tie erste energische Verteidiaung der Nüssen gegen einen japanischen Einfall wird bei Liao-yang erfolgen, wo täglich Verstärkungen eintreffen.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. März. Der Neifeplan des Kaisers sieht den Besuch der Häfen von Palermo, Marsala, Catania, Syrakus, Messina, Tarent, Sorrent, Terracina, sowie der Ligurischen Küste vor.
— Die „Verl. Korr." schreibt: Ter Staatssekretär des Innern ersuchte hie Bund esregierungen, durch die Ge- werbeaufsichts beamten eingüenbe Erhebungen über die Gesundheitsgefahren, insbesondere über die Bleivergiftungs- unb Staubgefahr austeilen zu lassen, denen die Arbeiter der keramischen Industrie unb bet Emaillierwerke ausgesetzt sind.
— Die drei liberalen Fraktionen des preuß. Abgeordnetenhauses brachten heute einen Abänderungsantrag Hobrecht, Fischbeck, Brömel zu dem Antrag ein, ben die Freikonfervativen (Arendt und Genossen) ant 27. Februar bezüglich der Teilung übermäßig großer Wahlbezirke usw. eingebracht haben. Die „Nationalztg." sagt: Die drei liberalen Fraktionen verzichten in Anbetracht der Mehrheitsverhältnisse des Abgeordnetenhauses darauf, jetzt einen selbständigen, vorläufig völlig aussichtslosen, ihren Anschauungen entsprechenden Wahlreformantrag ein^ubringen. Sie beschranken sich darauf, dupch ihren Abänderungsvorschlag zum Antrag Arendt bad zurzeit überhaupt Erreichbare anzustteben.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Gegenüber unserer Feststellung, daß es sich bei ben Wahlkouverts für Preußen einfach um eine ordnungsmäßige Ergänzung der bei den vorjährigen Reichstagswahlen verbrauchten Bestände handelt, zieht sich der „Vorwärts" auf die Behauptung eines württembergischen Blattes zurück, wonach für die fragliche Bestellung „besondere Diskretion" zur Pflicht gemacht sein soll. Diese Tatsache sei von der „Norddeutschen" vertuscht und verleugnet. Wir haben die angebliche Tatsackfe einfad)i deshalb nicht erwähnt, weil es der preußischen Regierung gar nicht in den Sinn gekommen ist, für die Lieferung der Wahlkouverts besonoere Diskretion zur Pflicht z,u inachen. Zu einer geheimen Behandlung der Angelegenheit war bei der ganzen Sachlage für die Regierring ja auch gar kein Grund vorhanden.
Ausland.
Stockholm, 23. März. Die Behörden leiteten ein Verfahren gegen die Zeitung „Ungons Nyheter^' ein wegen eines Arttkels „Die Gefühle des Volkes". Ter Arttkcl enthält Beleidigungen gegen den russischen Kai- s er und mehrere hochgestellte russische Persönlichkeiten. Tie betreffenbe Viummer ist auf Seidenpapier gedruckt, um sie besser in Finland einschmuggeln zu können.
Paris, 23. März. Von unterrichteter Seite wird mit- geteilt, daß die englisch-französischen Verhandlungen betreffend Regelung der zwischen beiden Staaten schwebenden Fragen nunmehr dem Abschluß entgegengehen. Heber den Inhalt verlautet folgendes: Tie Neufundland und Wkstafrika betreffenden Fragen sind im Prinzip, wie in den Einzelheiten erledigt. In Neufundland gibt Frankreich alle territorialen Rechte ab. Auch die French Shores erhält eine Geldentschädigung für die daselbst befindlichen Hummerfischerei- Niederlassungen. Heberdies gesteht England die Grenzregulierung im ©ototo gebiet zu, wodurch Frankreich eine leichtere Verbindung zwischen zweier seiner Besitzungen in Westafrika erhält. Was Egypten und Marokko anlangt, so wird die Fassung der hierauf bezüglichen Abmachungen noch einiger Verhandlungen bedürfen, um etwaige spätere Schwierigkeiten hintanzuhalten. Frankreich verlangt als Ersatz für die Verzichtleistung auf gewisse Rechte in Egypten, daß England


