-Hessischer Landtag.
R. B. Darmstadt, 23. Febr.
Dm Ministertisch: Staatsminister Dr. Rothe, Finanzminister Dr. G n a u t h, und die Ministerialräte Braun, Dr. Eisen Huth und Becker.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung um IO1/* Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält Finanzminister Dr. Gn auth das Wort zur Verlesung einer längeren Regierungserklärung auf die am Freitag verlesene Anfrage der Abgg. Reinhardt und Gen. in Betreff der Obligationen der Bahnlinie Butzbach-Lich Die Konzession einer Nebenbahn Butzbach-Lich erfolgte seinerzeit unter Bewilligung des höchstzulässigen Staatszusck'usses von 20000 Mark pro Kilometer, im Ganzen 358000 Mark. Bei der Gründung der Gesellschaft wurde vereinbart, daß das weiter erforderliche Kapital von 585 000 Mark durch Aktien und in gleicher Höhe durch Schuldverschreibungen aufgebracht werden sollte. Später wurde die Summe auf 751 000 Mark erhöht. Diese Schuldverschreibungen sind mit Ausnahme von acht in den Besitz der F-irma Lenz u. Co. in Berlin übergegangen. Bei der vor Erteilung der Konzession vom Finanzministerium vorgenommenen Prüfung des Anschlages war insbesondere die Höhe der Kosten für die Vorbereitungen aufgefallen, und Abg. Joutz hatte als Vorstand der Eisenbahngesellschaft geantwortet, daß in Anbetracht der vielen Schwierigkeiten und des großen Risikos der Gesellschaft die Summe eher als zu niedrig erscheinen könne. Die vom Finanzministerium gemachten weiteren Erhebungen hätten ergeben, daß in den angegebenen Summen auch für Kursverlust ein Betrag von 33000 Marl enthalten und daß, nachdem am 14. April 1902 die Aktiengesellschaft gegründet war, an Herrn Joutz von der Firma Lenz u. Co. am 30. April 1902 dieser Betrag ausgezahlt worden ist. Ter Unternehmer teilte auf Befragen mit, daß die Art der Unterbringung der Papiere durch Herrn Joutz ihn nicht weiter interessieren konnte, ihm seien dieselben einfach zum Kurse von 94 Prozent übergeben worden. Der Finanzminister erklärt zum Schluß, daß die Angelegenheit weiter verfolgt und darnach Entscheidung getroffen werden solle. Keinesfalls aber könne eine Verminderung des Staatszuschusses in Betracht kommen.
Abg. Joutz meldet sich zum Wort und beantragt Besprechung der Angelegenheit. 2lftg. Reinhart wünscht Aussetzung der Besprechung, bis die Regierungsantwort gedruckt vorliege und die Mitglieder besser informiert seien. Die Abgg. Ulrich und Molt hau erklären es als Pflicht des Hauses, dem schwer angegriffenen Kollegen sofort Gelegenheit zur Rechtfertigung zu geben. Das Haus beschließt demgemäß, worauf Abg. Joutz das Wort erhält.
Er sei — so führte Redner nach unseren stenographischen Aufzeichnungen aus, — durch die Interpellation in einer Weise angegriffen worden, die er nicht schön finden könne. Der Vertreter der „Frkf. Ztg." habe in seiner, der Interpellation angefügten Bemerkung gesagt, daß er (Redner) vor Verlesen der Anfrage den Saal verlassen hätte. Das sei unwahr: die verschiedenen Kollegen könnten bezeugen, daß er viel früher aus der Sitzung weg- . gegangen war. Als er im Jahre 1894 auf Wunsch seines /Wahlkreises es übernahm, den Bahnbau der Nebenbahn .Butzbach-Lich, ein Schmerzenskind damaliger Zeit, in die .Wege zu leiten, habe er . sich alle Mühe gegeben, den Ctaatszuschuß zu erringen und das Projekt in die Wirklichkeit umzusetzen. Als dies endlich gelungen, habe er von 1899 ab, als ihm der definitive Auftrag zuteil wurde, es als seine Aufgabe betrachtet und keine Mühe gescheut, einen geeigneten Unternehmer zu finden, denn von dem zugesicherten Zuschuß allein konnte man natürlich nicht bauen. Nach vielen vergeblichen Bemühungen sei ihm das endlich gelungen und zwar in der Firma Lenz u. Co. in Berlin. Die Firma wollte jedoch nur dann die Sache übernehmen, wenn er persönlich dafür sorge, daß die 550000 Mark Obligationen untergebracht würden. Er sei dann mit verschiedenen Banken in Verbindung getreten und habe an die Gemeinden überhaupt nicht gedacht. Erst nachdem die Bemühungen bei Bankiers und Privaten ohne Erfolg blieben, stand er vor der Frage, entweder die ganze Sache fallen zu lassen oder zu versuchen, ob die beteiligten Gemeinden bereit sein würden, die Obligationen zum Zinssatz von 4 Prozent zu übernehmen. M. H., ich bin auch noch Geschäftsmann — fuhr Redner fort — und als solcher
habe ich nichts getan, wozu ich nicht berechtigt war. Ich habe die Obligationen schon lange vor der Gründung der Aktiengesellschaft zum Kurse von 94 Prozent übernommen und zum Parikurs übergeben und wenn ich dafür 33 000 Mark Provision erzielte, so war dies eine Entschädigung für meine jahrelange mühsame Tätigkeit und die vielen Kosten, die ich gehabt. Ich habe mir so viele Arbeit und Kosten gemacht und nie einen Pfennig Auslagen vergütet bekommen. Sollte ich da nicht berechtigt sein, mir diese durch den Auftrag wieder oergüten zu lassen? Ich sehe nicht ein, warum ich diesen Auftrag nicht annehmen sollte, und auch die Provision dafür. Ich glaube, daß ich in keiner Weise etwas getan habe, was dem reellen Geschäftsmann nicht erlaubt wäre. Es sind doch in der Kammer auch noch andere Mitglieder, die ihre Tätigkeit den Gesch<äften verschiedener Art widmen. Wer beanstandet denn, daß Präsident Haas für die landwirtschaftliche Agitation tätig ist (Präsident Haas lacht) und auch privatim Geld verdient. Und wer hat etwas darin gesunden, daß Abg. Reinhart als Aufsichtsratsmitglied der Bank für Handel und Industrie hohe Summen verdiente, während viele gerade durch den Portugiesen-Handel ihr ganzes Vermögen verloren? Ich habe in jeder Beziehung korrekt gehandelt und Tausenden von Menschen mit meiner Arbeit genutzt. Die Behauptung des Finanzministers, daß ich das Geld erst nach der Gründung der Bahngesellschaft erhalten hätte, ist unrichtig, ich habe die Verabredung mit dem Unternehmer bereits im Jahre 1901 getroffen. (Redner überreicht dem I-inanzminister ein Schriftstück, woraus hervorgeht, daß er bereits am 28. Februar 1902 einen Teil des Geldes erhalten hat.)
Auf Antrag des Abg. Reinhart wird darauf die Besprechung der Angelegenheit vertagt.
(Schluß folgt im Hauptblatt.)
Der Aufstand in Aeutsch-Südwestafrika.
Von Oberst Seutto ein sind folgende zwei Telegramme eingegangen: Tie gegenwärtige Kr i e g s l a ge ist folgende: Tie Ostabteilung unter Major v. Glasenapv marschiert über Gobabis gegen den Häuptling Tjotjo und sperrt die Grenze. Tie Hauptabteilung sammelt sich bei Okahandja und beschränkt sich bis zum Eintreffen einer Verstärkung auf kleinere Vorstöße gegen den anscheinend bei Otjofngati und Waterberg in abwartender Stellung befindlichen Feind. Tie W e st a b t e i l u n g unter Major v. Estorfs geht auf Outi o vor und entwaffnet den A m a r u r u st a m m. Vom Süden des Schutzgebietes ist eine Kompagnie und eine Gebirgsbatterie int Anmarsch. Zum Schutz des Südens bleiben eine Kompagnie und zwei Geschütze. — Tas zweite Telegramm lautet: ©ine Abteilung unter Oberleutnant Schultze erbeutete am $ Februar in einem Gefecht südlich von Toumanas 300 Stück Großvieh und 400 Stück Kleinvieh. Ter Feind hatte 10 Tote. Diesseits feine Verluste. Am 2. Februar haben die Ovambos des Kapitäns Nechale den Polizeiposten von Amatoni angegriffen, sie wurden aber mit einem Verlust von 60 Toten abgeschlagen. Ter Posten wurde später eingezogen. Tie Ovambos des Kapitäns Kam- bondo waren bisher friedlich, v. Estorfs hat die Verbindung mit Ooutjo hergestellt.
Tie „Nordd. Allg. schreibt: Tie Bestimmungen des deutschen Landesvereins vom Roten Kreuz und der mit ihnen verbündeten Vereine fassen zwar auf dem Gebiete des Kranken- und Unterstützungswesens zunächst nur die Fürsorge für Angehörige der Truppen ins Auge. Es besteht aber unter den maßgebenden Persönlichkeiten die Auffassung, daß diese Bestimmung unter den eigenen Verhältnissen, unter denen die kriegerischen Vorgänge in Südwestafrika sich abspielen, nicht ausschließen, daß die Wohltaten der Organisation des Sloten Kreuezs ganz allgemeinen auch den Zivilpersonen im Schutzgebiete nach Möglichkeit zugewendet werden. Es werden demnach auch solche Ansiedler, die durch die feindlichen Horden au ihrer Gesundheit geschädigt und der notwendigsten Mittel zum Leben beraubt worden sind, mit ihren Angehörigen je nach den Umständen auf Unterstützung und tätliche Fürsorge rechnen können.
Wie die „Nordd. Allg. Ztg." ferner vernimmt, wird demnächst die Einbringung eines Ergänzungsetats zum Etat für 1904 beabsichtigt. Darin wird ein ausreichen
der Betrag zur Entschädigung der int Schutzgebiete von Südwestafrika anläßlich des Eingeborenen-Aufstandes erlittenen Vermögensverluste angefordert.
parlamentarisches.
Berlin, 23. Febr. In der Budget-Kommission des preuß. Abgeordnetenhauses erklärte heute Minister Budde bei Beratung des Eisenbahn-Etats, die Regierung strebe keine Verbilligung, wohl aber eine Vereinfachung des Personen-Tarifs an. Die Notwendigkeit einer solchen Reform werde anerkannt. Es solle eine größere Zahl von Schnellzügen geschaffen werden und zwar solle die 3. Klasse mehr darin vorkommen als früher. Ausgenommen seien die internationalen Schnellzüge. Die Fahrpläne sollen verbessert werden desgleichen die Wagen- Einrichtungen. Eine Einschränkung der 1. Klasse empfehle sich. Die Beibehaltung der 4. Klasse sei nötig und ihre Einrichtung werde verbessert werden.
Aus Stüdt nnö Kand.
Gießen, den 24. Februar 1904.
" Verkehrsverein Gießen, e.V. Auch an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, daß die ordentliche General-Versammlung des Verkehrsvereins heute Mittwoch abend 8y2 Uhr im Caf6 Ebel stattftndet.
Darmstadt, 22. Febr. Nach den neuesten Dispositionen ist die Rückkehr Sr. Kgl. Hoh. des Großherzogs aus Kiel in der nächsten Zeit nicht zu erwarten. Wie die „Darmst. Ztg." erfährt, ist im Ztistande des erkrankten Prinzen in letzter Zeit keine wesentliche Veränderung eingetreten.
Zundwirtschaft.
Es werden hiermit besonders die Landwirte auf die vom 1. April d§. Is. ab täglich, auch Sonntags, erscheinenden Wetterkarten des Gießener Wetterdienstes aufmerksam gemacht. Dieselben werden auf Grund der zwischen 10 und 11 Uhr vormittags einlaufenden Depeschen der deutschen Seewarte entworfen und gelangen schon mit den Mittagszügen zur Versendung, sodaß sie allenthalben in Oberhcssen noch rechtzeitig, also an demselben Tage, meist schon in der Zeit von 12—2 nachmittags, eintreffen. Eine größere Anzahl Bürgermeistereien Oberhessens wird die Karten durch Aushang veröffentlichen Die einzelnen Gemeinden werden gebeten, in wichtigen Fällen, besonders während der Erntezeit, die Karten von den Postanstalten abzuholen, um unnötige Verzögerung in der Zustellung zu vermeiden.
^ie^ener Wetterdienst. Peppler.
Vermischte».
• Berlin, 23. Febr. Ein Opfer des Kurssturzes infolge des russisch-japanischen Krieges ist der Bankier Fritz Meyer geworden. Meyer ist mit einer Schuldenlast von angeblich 2 Millionen Mark geflüchtet. Sein gegenwärtiger Aufenthaltsort soll London sein.
* Bukarest, 23. Febr. Unter dem Verdacht, seine eigene Frau, welche mit 50 000 Francs versichert war, ermordet zu haben, wurde der Arzt Dr. Jacobsohn in Plojeschti verhaftet.____________________________________
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Karlsruhe, 24. Febr. Ministerialdirektor Becker ist bis auf weiteres mit der Führung des Finanzministeriums betraut worden.
Petersburg, 24. Febr. Die deutschen Offiziere, Oberstleutnant Lauen st ein und Major v. Tettow, die sich nach dem Kriegsschauplätze begeben, sind hier ein- getroffen.
Gießener TIseuterverrin.
Der Strom.
Drama in drei Auszügen von Max Halbe. (Buchausgabe: Berlin, Georg Bondi.)
Hefter Wien und Moskau, Berlin und Frankfurt, der zahlreichen Zwischenstationen nicht zu gedenken, ist Halbes „Strom" endlich auch zu uns auf seinem Laufe gelangt.
Wieder führt uns Halbe in feine westpreußische Heimat, in das Land seiner Jugend. Auch diesmal spielt, wie in seiner Jugend-Dichtung, Jugendliebe eine hervorragende Rolle, aber sie liegt um so viele Jahre zurück, als der Dichter seit seinem Frühwerk älter geworden ist. Ter Strom ist die Weichsel, dort, wo sie nicht mehr weit zum Meere hat. Winter waltet, wir befinden uns auch auf der Bühne im Februar. „Tas wilde Biest", wie die Leute dort zu Lande reden, ist zugefroren.
After schon springt die Eisdecke, das Wasser rauscht, das Wasser schwillt und bedroht das Gebild der Menschenhand, der Frühling naht mit Brausen, und durch Sturmes- wehen ringt sich die Erde los vom Winter und ergibt sich dem Lenz.
Dieses Symbol unserer alten Nibelungensage beherrscht Halbes neueste Dichtung. Ja wenn man sucht, findet man hier auch die Hauptgestalten unserer Urvätersage wieder. Ter Herrenmensch Peter, der starre Winter, der mit eisiger Kälte regiert und niemanden schont, dessen Kinder umkommen, dessen Brüder ihres Besitzes von ihm beraubt werden und dessen Weib sich ihm zur Zeugung neuen blühenden Lebens frostig versagt, hat die Züge des grimmen Hagen; Renate, die Erde, ist, wenn man so will, eine neue pcmzernmgürtete, in Dornröschenschlaf versunkene Brunhild; seine Kinder sind die wieder der Erde überantworteten Nibelungen-Zwerge, das vernichtete Wachstum der Pflanzen; der rüclkehrende Bruder ist der sonnige Sigfrid, der Brunhild erlöst: die Sonne bringt alles an den Tag, sie erwärmt die Erde, die aus ihrer Erstarrung erwacht zu neuem schönen Leben in Licht und Liebe.
Noch finden sich weitere, untergeordnete Symbole. Renate ist gleich dem Tamme gegen den Strom, die blindwütige Naturkrast; die erstarrten und gewaltsam gefesselten Leidenschaften werden von ihr gebändigt. Peter, der Teichhauptmann, will den Tamm sich erhalten, Hein
rich, der Strombaumeister, ihm neue Richtung geben, der jüngste Bruder, eine Art brausender Vorfrühling von kurzer Lebensdauer ohne selbständige Herrschaft, will ihn bald stützen, bald vernichten. Dann wieder sind die Menschen die Eisschollen, die erstarrt dahinleben, die, um mit Ibsen zu reden, nach langem Scheinleben spät vom Tode xum Leben erwachen, wenn der große Eisgang kommt, in oem die von wilden Leidenschaften Getriebenen untergehen im ewigen Meere des Vergessens.
Und noch ein Symbol lagert in dem Stücke, ein großes soziales Symbol. Tie alte Gewohnheit (Frau Toorn) hat ihrem Erstgeborenen, der traditionellen Macht, den Rat gegeben zu herrschen, den jüngeren Brüdern die Erbschaft vorzuenthalten, Geist und Recht zu unterjochen, damit die altererbten Güter der Menschheit nicht zerfallen. Aber der Geist (Heinrich-Sigfrid) ist hinausgedrungen nach dem Lande des Fortschritts, von dort kehrt er zurück als Wissenschaft und Technik. Er wird den vernachlässigten Damm verlegen und den Strom (die Elemente) nach seinem Willen lenken. Wohl sträubt sich die durch die Tradition sanktionierte Macht, öfter die Menschheit wendet sich dem Geiste zu, die Wissenschaft klärt den jüngeren Bruder, das enterbte Recht, auf und es vollzieht sich ein folgenschweres Strafgericht. Tas verletzte Nechtsgesübl will in revolutionärem Toben alles ohne Besinnung zerstören — in wütendem Ringen werden Reaktion und Revolution vom Strome der Zeit verschlungen — es bleibt der Menschheit der allsiegende Geist, der sich mit ihr vermählen und die Ernte reifen sehen wird. . . .
Mag nur ein Teil dieser in Halbes neuester Dichtung aussindbaren Symbolik gewollt fe:n — jedenfalls verdienen her Gruft und das künstleris-^e Geschick hohe Anerkennung, womit der Dichter, und nicht nur erst hier, sondern auch in seiner fast allenthalben mißverstandenen „Walpurgisnacht", in seiner „Mutter Erde" usw., bemüht ist, das Milieustück zum hohen Trama zu wandeln. Es ist ein Werk aus einem Guß, erschütternd in feiner schlichten Einfachheit, durchaus einheitlich fest gefügt, von g mz sicherem Ausbau, dabei von echtester Boden Händigkeit der handelnden Personen. Und doch haben diese Gestalten alle auch einen Zug von Größe, es sind keine ganz grob-realen Konterfeis, sie find real in jenem Iw Heren Ginne, in dem schließlich auch uo.. ft. Schill rfc e T tl <r enmensch ist. Dieser Peter, Iftcr F in fiere, Winterlich.', ch im Grunde ein tüchtiger, unter I feiner Schuld schwer leidender Mensch, den wir sogar bemit
leiden können, denn er suckt feinen Raub des ganzen Erbes als notwendig an, weil das väterliche Gut keine Teilung vertrug. Er besitzt sogar etwas Gigantisches. Aber ihm fehlt der Mut des offenen Bekenntnisses zur rechten Stunde denen gegenüber, die darauf das nächste Anrecht haben, und damit rückt der ideal-brutale Hüter väterlichen Erbes zum niedrig-brutalen Vergewalttger und Uebervvrteiler, zum gemeinen Verbrecher herab. Dazu werfen auch wir ihn, wie es sein Weib tut, das bis zu diesem Augenblick an seiner Seite Kreuzträgerin sein wollte und das den Nächstbetei- ligten das gemeinsam verschlossene Geheimnis verraten mußte, um ihm zum Heldentum des Sühnens den Weg zu bahnen. Renate ist des Tichters Frauenideal, die Licht- gestalt des Tramas. Die 90jährige Greisin, die nur im 1. Akte erscheint, ist die eigentliche Erzeugerin der düsteren Stimmung ?c. ic.
Zweifellos hat die Dichtung trotz aller ihrer Vorzüge, trotzdem fein Zug aus dem Rahmen des Bildes fällt, trotz ihrer einheitlichen, konsequenten Weichselstimmung, ihre Schwächen. Man merkt es wohl, daß das Drama im Grunde echtester dichterischer Inspiration entsprungen ist, aber beim Ausarbeiten am Schreibtische ward manches erquält. Hätte Halbe, dessen lvrisch-episches Talent stets viel stärker erscheint als sein dramatisches, zu einer Ballade diesen wundewollen Vorwurf gefügt, er hätte vielleicht sein Meisterstück geschossen. Tas Schlimmste, was uns der Dichter zu glauben zumutet, ist, daß ein Knabe mit einem Spaten an einem Weichseldamm, an dem fast bis zur äußersten Höhe tosende Eisschollen fier drängen, größeres Unheil anrichten könnte. Tas hätte einem Sohne des Weichsellandes nun und nimmer passieren dürfen. After auch die ganze ursprünglich feine und intime Kunst Halftes erscheint hier schließlich doch vergröbert durch die allzu aufdringliche Einführung des Stromes als ft er eigentlichen Seele, der eigentlichen Unheilstifterin des Stückes, von der alle Personen sklavisch ab häng en. Als außerordentlich routinierter Techniker des Tramas hat Halbe in dieser Stimmungs- und Milieudichtung eine Höhe erreicht, die in ihrer Art nicht viel Ihresgleichen hat. Es scheint aber auch seine Höhe zu sein, und man hat die Empfindung, daß die Prägung von Ewigkeitswerten, die man einst von ihm erwartete, ihm versagt bleiben wird. Dazu fehlt ihm, wie Hauptmann und allen Gleich strebend en unserer Zeit, die geistige Höhe.
(Schluß folgt im Hauplblatt.)


