Ausgabe 
22.12.1904 Erstes Blatt
 
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* * S. S. H. der Groß der zog begibt sich heute nach IZich und wird während der Feiertage dort verbleiben.

* * D aS Ad re s; bu ch d e r St a d t u n d d es Kr ei s c S Gießen für d»aS Jahr 19O|5 ist in der Brichlfchen ^kriversitätsdrurkerei soeben erschienen. TaS Buch enthalt tiUe Veränderungen, die bis zum 10. Dezember d. A\. im Ädressenbestand ' vorgekonmren sind. Das Aeußere des Buches bat sich gegen das Vorjahr nicht verändert. Zu bot inneren Vorzügen, die das im vorigen Jahre neu ge­schaffene Adreßbuchs enthält, ist dieses Iabr noch hrnzuge- kommen, daß auch ein Fremdenführer und mancherlei ott sehr nützlich werdende Auszüge aus verschiedenen Lokal Polizei-Verordnungen it. dgl. in das Buch ausgenommen worden sind. In solchen Auszügen kann man folgende Verordmmgen :c. nachlesen: Meldeordnung, Gesindeordnung und Ortsstatut vom 30. August 1900, Arbeits- und Wohn- ungsnachtveis, Krankenversicherima, Invalidenversicherung, ortsübliche Taglöhne, Ausübung der offenen Armenpflege, Reinhaltung der Straßen, Orts-F-euerlöschordnung, Reinig­ung der Schornsteine, Maßnahmen bei ansteckenden Krank heüen, Benutzung der öffentlichen Brunnen und der städti­schen Wasserleitung, Gießener Volksbad, Friedhofs- und Degräbnisordnung, Beaufsichtigung der Hunde, Verzeichnis der Gießener Jahrmärkte für 1905, Wochenmarkt-Ordnung, Bäcker und Brothändler, Erhebung des städtischen Oktrois, Tarif für die Tienstmänner, Omnilmsverkehr und Droschken ! fuhrwerk. Der Preis des Mreßbuches betrügt 3 Mark.

* * EinBür gcrv ere in". Man schreibt uns: Die letzte Stadtverordnetenwahl hat neben dein Zu­wachs an tüchtigen Männern, den sic unserem Stadtrat Angeführt hat, noch ein zweites hocherfreuliches Ergebnis gezeitigt. Man braucht kein Staatsmann zu sein, um audi bei dieser Wahl wieder die niederdrückende Beobachtung zu machen, wie wenig die meisten Wähler, darunter auch sonst sehr gebildete Männer, zu einer sachverständigen Be­urteilung der Fragen im stände waren, zu deren Lösung die Stadtverordneten berufen werden. Man fertigte seinen Wahlzettcl vielfach nach unbestimmten persönlichen Ein drücken oder gar nach persönlicher Ab- oder Zunergung zu dem vorgeschlagenen Kandidaten an, ohne viel zu fragen, mit welchen Grundsätzen beim der Gewählte an seine Aus­gabe herantreten werde, ja ob er überhaupt allgemeine Grundsätze für die Behandlung städtischer Angelegenheiten aufzuweisen habe. Hebung des kommunalpoliti­schen Verständnisses der Wählerschaft, das muß sich dem einsichtsvollen Freunde unserer Stadt als unbe dingtes Bedürfnis aufdrängen. In dieser Ueberzeugung haben sich mehrere Herren aus allen Kreisen der Bcvölker ung zusammengefunden, um die Gründung eines Bürgervereins anzubahnen, der sich die Aufgabe setzt, unter ^Ausschluß parteipolitischer Bestrebungen, durch Vor träge und Besprcchungsabende das Verständnis für die Aus­gaben der städtischen Verwaltung zu vertiefen. Es sollen in erster Linie allgemeine und grundsätzliche Themata, da neben nach Bedürfnis auch praktische Einzelfragen behandelt werden. Der neue Bürgerverein will nicht etwa eine Macht werden, die von einzelnen Persönlichkeiten an jich ge­rissen werden tonnte, sondern er will bei entscheidenden Fragen nur derart in Aktion treten, daß er V o r a r b e i t e n schafft. Im übrigen wird er in wichtigen Dingen allge­meine Volksversammlungen einberufen. Ter Plan hat be­reits in weiten Kreisen so lebhaften Anklang gesunden, daß der Verein als gesichert gelten und wohl bald ins Leben treten kann. Kein ernster Bürger sollte sich von diesem Unternehmen ausschließcn, am wenigsten derjenige, dem Beruf, Erfahrung oder Bildung besondere Pflichten gegen seine Mitbürger auferlegen.

* Die Sektion Oberhessen des Deutschen und Oesterreichischen AlpenvereinS erfreut sich dauernd .einer vortrefflichen Entwickelung. Sie zählt z. Zt. 122 Mit­glieder und kann auf eine sehr rege Tätigkeit im zu Ende gehenden Jahre zurücksehen. In unsere weitere und nähere Umgebung wurden 12 Monatsausflüqe ausgeführt, die ihren Mitgliedern vielfach Gelegenheit boten, unsere engere Heimo: .in ihrer Schönheit kennen zu lernen und dabei Körper und Seele zu erfrischen. Sehr zahlreich war der Besuch der Alpen seitens der einzelnen Sektionsmitglieder. Tie dort gesammelten Erfahrungen wurden vielfach zu höchst anregenden Vorträgen verwendet, deren die Sektion im Jahre 1904 zehn zu ver­zeichnen hat. Ihr 8. Stiftungsfest wurde am Sanistag, dem 17. Dezember, festlich begangen. Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden fand eine von etwa 50 Teilnehmern besuchte Festtafel statt. Der F^straum nqgr zu einem wahren Tannenwalde umgestaltet worden und wirkte auf die An­wesenden stimmungmachend. Die späteren Stunden, die ,Bacchus gehörten", wurden gewürzt durch herrlichen Fest­wein und geistige Genüsie aller Art. Die Zupfgeige leistete ganz vortreffliches; die Bretter, die hier die Alpenwelt be­deuteten, boten Burlesken und Schnurren sehr vergnüglicher Art, und so wurde das Fest wiedenun zu einem in allen Teilen sehr gelungenenAlpenfest", wie es die Mitglieder schon mehrfach in der Sektion erlebten. Am Sonntag fand em Ausflug nach dem Frauenberg und Marburg statt, den ebenfalls alle guten Geister unterstützten.

** Bibel und Babel. Pros. Dr. Schwollst, der den letzten Vortrag überBibel und Bab^l" hielt, teilt uns mit, daß der Satz in unserem Referat (Nr. 299 >De- kitzschs Broschüren, die so viel Lärm gemacht hätten, brächten dem Kundigen.wenig neue Forschungsergebnisse, und dies wenig neue sei falsch" nicht von ihm stamme und daß er nichts dergleichen behauvtet habe.

Eine Ausstellung von Klosettanlagen 2C., wie sie vorschriftsmäßig hergestellt sein müssen, hat das Tiefbauamt auf dem Korridor im Bürgermeistereigebäude für Interessenten arrangiert. (Eine derartige Ausstellung macht sich dort besser als in Schaufenstern. D. Red.) Gleichzeitig umfaßt das Arrangement alle für die Hausanschlüsse benötigten Jn- 'slallationsmaterialien nach Vorschrift.

E i n e F a m i l i e t o t a u s g e s u n d e n. J-n M a u l -- Bad) bei Homberg a. d. Ohm wurde heute früh eine gany? Familie tot u'usgefunden, Vater, Mutter und zwei Töchter. Nur ein Sohn lebte noch; ob auch er verletzt lst, ist noch nicht bekannt; ferner ist unbekannt, ob Mord oder Familientragödie vorliegt. Staatsanwaltschaft Gießen tmirbe telegraphisch benachricht'gt.

i-Laubach,21. Dez. Die hiesige Sektion des Vogel- «nd Geflügelzuch'-Vereins hat veranlaßt, daß im Monat Januar Lehrer Kn aupp aus Groß-K>arbeu int Saale Solmser Hoi -men Vortrag über

lucfjt K halten wird. Welch schöi.^.i Aufschwung der hi-.-sige x'erein in kurzer Zeit genommen hat, L -werft die stattliche Zcchl von ca. 60 Mitgliedern.

Mainz, 21. Dez. Gestern abend traf vom Theater­direktor Steinert aus Berlin, wo er int nächsten Jahre in die ßeihmg des Trianon-Theaters eintritt, ein Telegramm an die Bürgermeisterei des Inhalts ein, daßer mit Ablauf dieser Saison die Direktion des Mainzer Stadttheaters niederlege. Die Theaterdeputa­tion beschäftigte sich bereits mit der Kündigung. Sie wurde angenommen und beschlossen, die Direktion auf weitere drei Jahre sofort auszuschreiben. Wegen der Uebernahme des Theaters in städtische Regie will ntan während der drei Jahre Material sammeln und dann der Frage näher treten. Die Dcptltation glaubte, in der kurzen Zeit keinen guten Intendanten gewinnen zu köttnen. Wenn die Deputation glaubt, in der kurzen Zeit einen guten Direktor erhalten zu onnen, muß dies doch auch für Gewinnung eines guten Intendanten tuöglich sein. Die Stadtverordneten haben in ihrer heutigen Sitzung über die Vorschläge zu entscheiden.

Frankfurt, 21. Dez. Ein russischer Zwischen­fall bat sich hier in einer Bar im Zentrum der Stadt ab­gespielt. Von einem Augenzeugen wird der Vorfall derFrs. Ztg.* wie folgt, dargestellt: Ein russischer Fürst kam in Begleitung zweier anderer Herren, von denen der eine ein Sohn eines russischen Botschafters ist, in die Bar und nahmen in einem Nebenzimmer, in dem ein Streich­orchester musizierte, Platz. Der Fürst verlangte, daß mau die russische Nationalhymne spielte. Man erfüllte seinen Wunsch. Damit war er noch nicht zufrieden, sondern er ver- pürte Sehnsucht nach einemTriumphmarsch auf Kischmew"; zugleich machte er verletzende Aenßerungen über die Juden. Einige Herren, die ständige Besucher des Lokals sind, beschwerten sich darauf beim Geschäftsführer und ver­ließen die Bar. Nachdem sich der Geschäftsführer ins Mittel gelegt hatte, wandle sich einer der Begleiter dcS Fürsten an einen anwesenden Offizier, der ganz unbeteiligt an der Sache war und sich um nichts befümmert hatte, und beschuldigte ihn, er habe sich ungünstige Bemerkungen über Rußland er­laubt. Es kam zu einer längeren Auseinandersetzung, die der Fürst schließlich beilegte. Darauf entfernten sich die drei Rußen. Sie kamen aber kurz darauf wieder, um von Neuem Händel zu suchen. Diesmal ging der gleiche Ruße, der vor­her den Offizier angeredet hatte, an einen Tisch heran, an dem drei ihm vollständig fremde Frankfurter Herren mit einer Dame saßen, und forderte einen der Herren auf, mit ihm hinauSzugehen,er habe ihm etwas zu sagen". An die Dame richtete er das gleiche Verlanaen. Selbstverständlich tat man ihm nicht den Gefallen. Als bef Ruße die Dame abermals ansprach, stand ein hiesiger Weinhändler auf und schob den zudringlichen Rußen in die Zimmerecke. Der F ü r ft, der während dieses Vorfalls mit seinem anderen Begleiter zusammensaß und sich wenig um die Sache gekümmert hatte, stand in dem 9(ugenblitf auf und schlug mit seinem Stock auf den Weinhän dler ein. Dieser wehrte sich gegen die Angriffe und warf den Fürsten gegen einen Kleiderständer. Dem Streit wurde schließlich durch das Dazwischentreten der Angestellten ein Ende gemacht. Der Weinhändler, der durch den Stockschlag eine erhebliche Ver­letzung am Auge erlitten halte, holte einen Schutzmann. Der russische Fürst wurde zur Feststellung seines NamcnS auf die Wache genommen.

Kleine Mittelungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Reinhardt'sche Millionen- Erbschäft, auf die sich seit einigen Jahren im Oden- wald und auch anderwärts zahlreicheReinhardt'S" Hoff­nung machten, ist zu Waßer geworden, denn Nachforschungen der Großb. badischen Regierung und deS deutschen Aus­wärtigen Amtes in England haben ergeben, daß eine solche Erbschaft überhaupt nicht existiert. Schade um die 140 Millionen!" Der tollwutverdächtige Hund, welcher in Großrechtenbach die Kinder gebißen hat, ist in Reiskirchen erlegt worden

vermischte».

* Major v. Kotze irrsinnig. Wie diePreuß. Korresp." erfährt, ist Major Dietrich v. Kotze, ein Neffe des Zeremonienmeisters v. Kotze, in eine Irrenanstalt überführt worden. Major v. Kotze war in der bekannten Affäre seines Vetters stark engagiert und hat unter anderem auch die beiden Pistolen-Tuelle mit Freiherrn von Schrader aus- gefochten.

Studentenschlägerei in Petersburg. Maxim Gorki, der Dichter desNachtasyls", war, wie aus Peters­burg telegraphicrt- wird, der Mittelpunkt einer großen Schlägerei mit politischem Anstrich, die sich bei b^m ersten Winterball des Tcchnologiswcll Instituts ab- pielte, dem größtenteils Studenten fortschrittlicher Tcuden^. beiwohnten. Gorki drang mit etwa 30 Gefährten, sämtlich in Bauernbbl'.sen gekleidet, in den Ballsaal, wo die Sckar aufrührerische Lieder sang und sich unter die Tau^itben mischte. Diese schicken ^ur Polizei, die ihnen jedoch ant- mnrtPte, sie könne nur eitlarei,en. es sich um Straßen- auitritte van de le. Daraus schritten d^e Ballgäste zur Selbst^- hrlfe. Sie ließen die Musck aufhören, die Damen zogen sich zurück unb bv tanzenden Herren gingen zum Angriff gegen die Eindringlstige vor und warfen sie hinaus.

Ein Weihnachtskuchen von 2 6 00 Giern. Ein Backer in Richmond stellt auf seinem Grundstück einen Weih­nachtskuchen aus, der 3500 Pfund wiegt. Zu der Herstellung de6 Kuchens wurden folgende Zutaten gebraucht: 225 Pfund Butter, 225 Pfund Zucker, 340 Pfund Mehl, 100 Pfund Mandeln, 720 Pfund Konnten, 160 Pfand Zitronat, 230 Pfund Zuckerguß und 2600 Gier. Der Kuchen soll pfund­weise verkauft werden.

" Kleine T igcschronik. Tie einer Budapester Aktien­gesellschaft gehörige Spodiumsabrik in Lrlhovieza (Ungarn) ilt abgebrannt Sieben Personen wurden verletzt; eine ist gestorben. De.tajls seb^n pack»

Kunst unö Wissenschaft

Newyork, 21. Dez. Der Kapitän ftenfen vom Dampfer Silikon, der aus den arktischen Gewässern zurückgekehrt ist, berichtet, er habe in Arsouh an der Ostkuste einen Stamm non Riesen getroffen, welche aus dem Innern kamen. Ter Kleinste von ihnen sei 2.23 Meter groß gewesen, und h-cr Größte habe f n ft 3 Mete r gemessen.

NnivH ftlä rWteul

Marburg, 21. Dez. Tcnt Verfasser des bekannten nach 'hm b n"nuten Wörterbuch , Epml'as> direkter Geheimrat Prof. Tr. Tunen in .l.i <e'.b, n urde anläßlich fest, 50 jährigen Pro- wotionsjnlnläumS von der hiesigen Universität sein Toktor- diplom erneuert.

Hröeitervewegung.

Bochum, 21. Dez. Zuverlässigen Meldungen ans dem Koh. lenreviere zufolge Haden zwischen den Vertrauensleuten bet verschiedensten Zechenreviere Beratungen über die Forde rn n g en derBergleute stattgefunden, die in folgenden hauptsächlichsten Anträgen 'formuliert luitrbeit: 1. Achtstun den schicki-t, einschließ­lich der Anfahrt. 2. Minimallöbne für Schlepper 3.50 Mk, für deiner 5 Mk., Aufgeld für Uederschichten von mindestens 50 Proz.; 3. zur Unterstützung der Berginspektion sollen Ardeiterkontrolleure von Arbeitern alljährlich in geheimer Llbstimmung gewählt werden. In den in der nächsten Woche stattfindenden zahlreichen Ver- ammlungen sollen diese Forderungen zum Beschluß erhoben werden, und alsdann mit allem Nachdruck zur Durchführung ge- laugen. __________

ÄeriÄtslaal.

th. Gießen, 20. Dez. Gestern verhandelte nach längerer Pause in der alten Kaserne wieder einmal ein St a n d g er i cht, das aus dem Major von Schlemmer (Vorsitzender), Hauptmann Hoos und Oberleutnant Volh (Beisitzer) bestand. Tie Anklage vertrat Oberleutnant Stephan. Es handelte sich um vorsätz­liche U r l a ubs ü b e r sch r ei t un g , bereit der Musketier Iuuker beschuldigt war. Ter Angeklagte hatte einen Meud in einem Lokal der Grünbergerstraße zwischen 8 bis 9 Uhr in einer Gesellschaft geweilt, und noch kurz vor 9 Uhr die Wirtschaft ver­lassen. Er erklärte offen, er habe gewußt, daß es bis zum Zapfenstreich nur noch wenig Zut war, als er auf der Straße aulangte. Trotzdem es bis zur Kaserne nur wenige Schritte sind, hat der Angeklagte zu sein'm Wege dahin beinahe 40 Minuten gebracht, obgleich er dabei den kürzesten Weg durch das Lerchen- näldcken benutzt hat. Tas Kaserneuaespräch behauptet, I. habe an jenem dkbend einen schon in der Wirtschaft begonnenen Flirt mit einer Dame ans dem Wege zur Kaserne fortgesetzt, und. sei dadurch um eine halbe Stunde zu spät in die Kaserne einvassiert. Junker ist bereits fünfmal, das letzte Mal mit 14 Tagen strengen Arrest, wegen Urlanbsüberschreitung vorbestraft. Das Stand­gericht erkannte diesmal auf 28 Tage strengen Arrest, nahm aber an, daß der Mann fahrlässig gehandelt habe. Wenn auch der dringende Verdacht vorliegt, daß wissentliches und absicht­liches Zuspätkommen vorliege, so sei dies doch in der Verhand­lung nicht nachgewiesen worden. Ein weiterer Fall, der zur Murteilung kam, betraf einen Musketier vom 88. Inf.-Regt, zu Mainz. Ter Betreffende hat sich vor dem.Eintritt beim Heere eine Bedrohung zu schulden kommen lassen und wurde mit 10 Tagen Gefängnis bestraft.

Mannheim, 21. Dez. Tie Frage, ob uneheliche Kinder eines Adeligen berechtigt sind, das Adels­prädikatvon" zu ptbreit, wenn sie bei der Anerkennungs­urkunde des Vaters mit diesem Prädikate in das Standesamts- regiüer eingetragen worden sind, wurde soeben von der Zivil- abteilnng des hiesigen Landgerichts verneint. Es handelte sich in der Klagesachc nm die drei unehelichen, aber von ihrem Er­zeuger anerkannten und mit dem Llbelsprädikat eingetragenen Kinder ein Mädchen von 15 Jahren, ein Schlosser und ein Postbeamter eines dermaligen Hauptmanns, jetzigen Obersten a D., gegen die der Vater auf Unterlassung der Führung des Adelsprädikates klagte. Tas Gericht gab der Klage statt und u n t e r sa g t c den Kindern die einem 18 jährigen Verhältnis des Hauptmanns mit einer hiesigen Geschäftsleiterin entsprossen! int> bei einer Strafe von 50 Mark fernerhin das Wörtchen von" vor ihren Namen zu setzen. Für jeden weiteren Fall, in dem dies gefchsilst. beträgt die Strafe 100 Mark.

Hisenkalin-A-itung.

Die Betriebseinnahmen der preußisch- hessischen Eise ndatingemein schäft beliefen sich im November auf 130513000 Mk., das sind mehr gegen denselben Monat des Vorjahres 8 622 000 Mk., ober auf ein Kilometer 3872 Mark (4- 207 . Davon entfielen auf den Personen- und Gepäck­verkehr 29 417 000 Mk. (+ 1 764 000), auf den Güterverkehr 92 534 000 Mk. (4- 5 815 000). Seit dem Beginn des Rechnungs­jahres betrugen die Einnahmen 1 090 417 000 Mk. (4* 53 48-» 000), oder auf ein Kilometer 32 615 Mk. (4- 803). Davon entfielen auf den Personen- und Gepäckverkehr 320 668 000 Mk. (4- 14 957 000), auf den Güterverkehr 706 730 000 Mk. (4 34 432 000).

Märkte.

le. Frankfurt a. M., 22. Dez. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Vreti Markt­preise. Bum Verkaufe standen: 17 Ochsen, 0 aus Oesterreich, 0 Bullen, 00 ans Oesterreich, 25 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oesterreich, 1342 Kälber, 239 Schafe und Hammel. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 6870 Aik., 3. Qual. 5963 Mk.; Bullen 1. Qual. 0000, 2. Qual. 0000; Rühe 1. Qualität 6769 Mk., 2. Qi,al. 64-66 Mk., 3. Qual. 5456 Mk., 4. Qual. 4547 Mk., 5. Qual. 0000 Mk. Kälber 1. Qual. 7580 Pfg., Lebendgewicht 4548 Pfg., 2. Qualität 59-62 Pfg., Lebendgewicht 43 - 45 Pfg., Schlachtgew. 5761 Psg.; Schafe: 1. Qual. 68 70J^fg., 2. <maL 62-00 Pfg. Geschäft bei Hormvieh gut, kein Ueverstand, der Kleinvieh gut, kein Ueverstand.

Limburg a. d. L., 21. Dez. Fruchtmarkt. Durck)^ scbiiittßvreise vro Malter. Roter Weizen 15.00 Mk., weißer Weizen 14.80 Mk., Korn Mk. 10.50, Gerste 10.20 Mk., Hafer 7.20 Mk^ Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

i itfic Nachrichten. Israelitische Neligionsgemeinde. siottcsdienü in der Kyuagage (-üdanlage). Samstag, den 24. Dezember 1904: Vorabend 4.30 Nhr.

Morgens 9.00 Uhr.

Nachmittags 3.30 Uhr.

Schristerkläruug. Sabbathausgang 5.15 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschast.

t<»oltesdker>g.

Sabbathfeier am 24. Dezember 1904. Freitag abend: 4.00 Uhr.

Samstag vormittag: 8.30 Uhr.

Samstag nachmittag: 3.30 Uhr.

Sabbatharisgaiig 5.15 Uhr.

Wochengottesdienst: morgens 7.10, abends 4.00.

Gingesandt.

(Für Form und Inhalt Her -aller dies-r Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 22. Dez.

Der gestrige Feueralarm hat wieher einmal zwei sthon so oft beobachtete Mißstände gebracht. Ich meine einmal die mangelhafte, nicht mehr zeitgemäße, kleinstätztische Einrichtung der Alarmierung, zweitens das vielen unserer Mitbewohner^ ab- gehende Verständnis für die segensreiche und opferwillige Tättg- ksit unserer hiesigen fteiwilligen Feuerwehren. Es ist in den letzten Ialwen wiederholt vorgekommeii, daß des Brandes eines Strohhaufens, eines Bahndammes, oder des Aufloderns eines Bi- wakseuers wegen nicht allein die gesamte Bevölkerung aus ihrer Ruhe geschreckt und in Aufruhr gesetzt, sondern auch wirklich un- nötigeriveise unsere beiden Wehren zum Ausrücken veranlaßt wurden. Das Stürmen und Alarmieren bei so geringfügigen Ver­anlassungen konnte doch 'sicher unterbleiben, wenn zeitgemäße Einrichtungen Platt greifen würden. Warum legt man nicht die schon seit Jahren in Aussicht gestellten öffentlichen Feuer- ni e l d e st e l l e n an, die der Sicherheitsbehördc schnellstens wirk­lich bestimmte Auskunft über Ort und Art des Brandes.geben könnten? Erforderlichen Falles würde daun erst der Türmen ausdrückliche Weisung zum Stürmen erfaßten, außerdem wäre cs dann auch lcickst chuurlebten, daß diese Angaben über das