2«. 110, nm Ldayrneymung einer offenen Affyrenzarztftelle beauftragt.
*♦ Bom Manöver des 18. Armeekorps. Mit dem Richetag vom 21. Sept, ist das diesjährige Herbst- manövcr in sein letztes Stadium, das Korpsmanöver, eingetreten. Am 32. rind 23. Sept, kämpft die 2.5. gegen die 2L Division; am 24. Sept, ist gemeinsamer Angriff gegen den markierten Feind, nascher von dem Regiment 168 in der Nähe von Steinbachs G<rrbenteich ausgestellt wird. Die 25. Division, die in und um Gießen liegt, heißt die rote Armee (mit Helmüberzug), die 21. Division ist die blaue Armee. Die zuerst genannte führt Gcn.-Lt. Freiherr von Gall, die letztere von KLttler. In Gießen trafen gestern, am 21. September, nachmittags 3 Uhr, ztvei schwere Feld- haubttz-Batterien vom Festungs-^Artillerie-Regiment ^Brandenburg" 9cr. 3 auS Mainz per Extrazug ein und bezogen tn Heuchelheim Quartier. Beide Batterien nehmen aus Seiten der 25. Division am Manöver teil. Die Truppenteile der 25. Division rückten heute, Donnerstag, früh zwischen 5 und 6 jUhr aus Gießen und Umgegend über Großen-Buseck, Reiskirchen, Göbelnrod nach Grünberg. Die 2L Division kommt über Bürg-Gemünden auf Mücke marschiert, in dessen Nähe sich das Gefecht entwickelt. Tie Truppen der '25. Division beziehen um Grimberg, Mücke Maffenquartierr mit Verpflegung, die 116 er kommen nach Lehnheim, Flensungen, Atzenhain; Grünberg erhält 1200 Mann. Von beiden Divisionen beziehen je jeclis Bataillone Biwach denen noch Dragoner und Artilllerie zugeteitl sind. Zn Weitershain liegt der Divisionsstab. Der Korpskomman- deur von Eichhorn wird von Laubach aus am Manöver teilnehmen. Der Großhei^og trifft heute früh um 9 Uhr per Bahn von Romrod in Grünberg ein und begibt sich ins Manövergelände. Die Stadt Grünberg null dem Groß Herzog auS diesem Anlaß eine Huldigung am Bahnhof darbringen.
— Oktroi in 5 hessischen Städten. Eine mter- esiante Gegenüberstellung des zur Erhebung kommenden Oktrois in den Städten Darmstadt, Mainz, Offenbach, Worms und Gießen, welche wir untenstehend geben, beweist, daß die Gießener Sätze erheblich hinter denen der hessischen Schwester-
städte zurückbleiben:
Darmstadt Mainz Offenb.
Worms Mk.
Gießen Mk.
Mk.
Mk.
Mk.
1 OchS
19,50
11,—
14,—
15,—
6,86
1 Faselochs
12,—
11,—
10,—
10,—
4,58
1 Faselstter
12,—
11,—
10,—
10,—
2,75
1 Kuh
12,—
7,—
10,—
10,—
4,58
1 Stier
19,50
11,—
10,—
10,—
2,75
1 Rurd
12,—
7,—
10,—rejp.10,—
2,75
1 Kalb
0,50
0,70
5,— 0,85
2,—
0,58
1 Schaf oder
Hammel
1,30
0,50
0,85
1,20
0,58
1 Schwein
3,50
1,75
3,—
3,—
1,72
Fleisch pro Kilo
0,06
0,06
0,06
0,06 resv. 0,05
1 Rehwild
2,—
1,—
1,—
0,10
1,—
0,43
1 Hase
3,30
0,20
0,25
—. —
0,06
Brer pro Hektoliter loko gebraut 0,50
0,571/2
0,50
0,65
O,^
eingeführt
0,80
0,66
0,60
0,65
0,18
Brennmaterial Steinkohlen
100 kg
0,12
0,13
0,12
0,10
0,08
Cs ist nach diesen Zahlen wohl zweifellos, daß die Verbrauchsabgabe in den anderen hessischen Städten pro Kopf der Bevölkerung gerechnet, einen höheren Betrag auSmacht als in Gießen.
— Werfen nach Eisenbahnzügen. DaS Groß- herzogl. Ministerium des Innern hat die untersterstellten Polizeibehörden auf das in letzter Zeit häufig vorkommende Wersen nach Personenzügen ausmerksam gemacht und ihnen empsohlen, die unterstellten Polizeiorgane anzuweisen, ihr Augenmerk auf besonders geeignete Stellen (Uebergänge :c.) zu richten. Die Königl. Eisenbahndirektion ist zu einer Belohnung bei erjolgreicher Ermittlung der Täter gern bereit.
** Von der Kanalisation. Die spätere Großherzog, iiche Hofküche in der Burg am Kanzleiberg ist provisorisch für den schon in Wirksamkeit befindlichen Betrieb der Kanalisation in Benutzung genommen worden. Ter große gewölbte Keller dient vorübergehend zur Unterbringung von Sielgerätschaften rc. und erweist sich hierzu sehr praktisch. Seit einigen Tagen sieht man die Sielmannschasten und die Straßenkehrer in ihrer neuen ganz praktischen und kleidsamen Uniform einhergehen. Wir erfahren noch, daß an unsere neue Entwässerung mehrere Gebäude bereits angeschloffen sind, der Anschluß von anderen genehmigt ist, und daß, soweit es die Verhältnisse zulassen, z.^B. bei weiteren Neubauten, Entwässerungen durch das Siel auf Wunsch schon jetzt gestattet werden.
Schuhmacherei in der guten alten Zeit. Zufällig lesen wir heute eine alte Nummer des „Gießener Anzeigungsblattes“ vom 10. Febr. 1827, welche unseren heuigen .Anzeiger* urgroßmütterlich belehrt, daß schon da- ^chuhhandel seine gemeinsamen Interessen gekannt hat. Die Schuhmachermeister erließen nämlich am 8. Februar 1827 folgende Bekanntmachung:
gs dem verehrlichen Publikum nicht scheinen möge, als seye das VeperNgen waperdrchter Schuhen und Sueseln nur L rO0llC5. b,e deshalb anzuwendenden JhnitPn mc^! lEder wisse; so verletzten die Unter-
L b,emerten' bQB dies fein Geheimnis sondern .Än?ff ?ad)e j.e9 und, daß von ihnen nicht Sohlleder waßerdichl, sondern auch die Sohle w bereitet werben könne, daß sie noch einmal so lange dauern, als ^ne gewöhnliche wo die besondere Wittel nicht angewendet werden. H^Euler?^?'KMü 1827‘ 2te Schumachermeisler, W. llemp.
•• Der diesjährige Rhein- und Mainaau- ^^^brverbandstag findet, wie der geschästssührende Uhrmacher-Verem m Mainz mitteilt, am 25. September im Saale der .Alemannia" m Frankfurt a. M. statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Wahl des Bureaus; 2. Gründung einer Genossenschaft (Referent H. Hinrichs-Frankfurt a.' M.); 3. Statutenberatung (Referent O. Schmidt-Gießen)' 4. Vorstandswahl; 5. Anträge.
** Unterrichtskurse für Kunstarbeit. Das Lehr- mstttut von Hendruhs veranstaltet hier für kurze Zeit Unter» nchtskurse m japanischen Arbeiten aus Federn. Diese Arbeiten f.nd sehr haltbar und reizend und dürsten eine große Zukunft haben, sodaß es zu empfehlen sein dürfte, die Gelegen- Heu zur Erlernung der Arbeit zu benutzen, zumal das Honorar
autzcrordenttlch gering ist. Damen wie Kinder lernen auS Federn 85 verschiedene, wunderbar naturgetreue Blumen, Fächer, Wanddekorationen, Lampenschirme usw. machen. Das Unterrichtslokal befindet sich im Eafö Ebel.
E. Lang-Göns, 18. Sept. Pfingsten 1905 findet hier ein Ge s an g s we ttstre i t start.
n. Ulfa, 20. Sept. In der hiesigen Gemeinde, die hilisichtlich der Obstbaumzucht im ganzen Kreis als Muster obenansteht, wurden bei der heute stattgehabten Gemeinde- Ob st Versteigerung 2500 Mk. für Aepsel, Birnen und Zwetschen gelöst.
Frankfurt a. M., 21. Sept. Als Nachfolger des Geh. Rats Prof. Dr. Weigert ist Dr. Eugen Albrecht, Prosektor am städtischen Krankenhause rechts der Isar in München, von der Administration der Senckenbergischen Stiftung zum Direktor des pathologisch-anatomischen Instituts berufen worden und hat den Rus angenommen.
57. Kauplversammluug des Kustav-Avolf Hereins.
Heidelberg, 21. Sept.
Gestern abend fanden die EröfsnKngsgottesdienste statt. Zn der Peterskirche predigte Professor Dr. Drews- Gießen über den Weihnachitstext Philipper 2, 4—6. „Weihnachtsfest und Gustav Adolf-Fest sind mit einartber verwandt als Feste der gebenden Liebe, als Ehristfeste bei denen Christus im Mittelpunkt stehen soll." Im Anschluß daran übergab in Vertretung des erkrankten Stadt- dekans Dr. Hönig, Stadtpfarrer Schwarz an das Mitglied des Zentralvorsiandes, Pastor Dr. Hölscher-Leipzig, eine Anzahl heiliger Geräte zur Verteilung an bedürftige Diaspora-Gemeinden. Später fand eine von Superintendent Karnrann-Schwitz (Westrpreutzen) geleitete öffentliche Volksversammlung statt. Stadtpfarrer Schnritthenner begrüßte die Versammlung. Der Präsident des Zentralvorstandes, Geh. Kirchenrat Dr. Pank, erwiderte mit dem Ausdruck herzlicher Freude d atü6er, daß der Verein wiederum in Hewelberg tagen könne und mit dem Wunsche, daß diese Tagung für den einladenden Verein, ebenso wie für den Gesamtverein von reichem Segen begleitet sein möge, das Morgenrot einer neuen Zukunft des Protestantismus und reicher Lebenskräften im deutschien Volke. Pfarrer Hoppe aus Steele an der Ruhr, früher Reiseprediger der Rio Gradeser Synode, berichtete über die große deutsch-evangelische Diaspora in der Provinz Rio Grande do Sul. Mkar Kinzenbach erzählte von den Fortschritten der evangelischen Bewegung in Ostböhmen; Pastor Schaffner-Paris schilderte in französischer Sprache die kirchlichen .Verhältnisse der französischen Protestanten in Varis. Lehrer Tanzer-Ulrcichsberg gab ein anschauliches Bild der en angel. Holzknechtschule. Außerdem zeichnete der Leiter der Versammlung packende Bilder aus der polnischen Diaspora Westpreußens.
Heute früh sammelten sich die Teilnehmer des Feslzuges vor der Peterskirche, um sich nach der Heiliggeistkirche zu begeben. Nach Eintritt des Festzuges in die Kirche erschien der Vertreter des Großherzogs von Baden, der Erb groß Herzog. Oberkirchenrat D. Witz-Oberlin aus Wien forderte im Anschluß an Ebräer 13, 8 den Gustav-Adols-Verein auf, eingedenk der Vergangenheit, angesichts der Gegenwart und im Hinblick auf die Zukunft seine hehre Aufgabe zu erfüllen und JesuS Christus durch Wort und Werk zu bezeugen, laut und lebendig, klar und kräftig.
Gleichzeitig hatte in der Providenzkirche Pastor D. Ha genau - Berlin einen Festgottesdienst abgehalten. Das Wort 2. Korinther 12, 9 lag seiner Predigt zu Grunde: ^Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.*
Die Verhandlungen der ersten öffentlichen Hauptversammlungen wurden mit dem Gesang des LiedeS: „£) heil'ger Geist, kehr' bei uns ein* eröffnet. Der Erdgroßh erzog, begleitet von dem Prinzen von Weimar und dem Oberbürgermeister Dr. Wilckens, nahm an der Versammlung teil. Darauf ergriff der Erbgroßherzog das Wort zu einer Begrüßungsansprache. Er hieß die Versammlung im Namen und in Vertretung des Großherzogs in den badischen Landen herzlich willkommen. Daraus verlas der Erbgroßherzog ein langes Schreiben deZ Großherzogs an die Hauptversammlung. Der Großherzog sprach in den wärmsten und herzlichsten Ausdrücken seine Sympathie für die Bestrebungen des Vereins aus und versicherte, daß er wie bisher so auch weiterhin an der Arbeit des Vereins sich beteiligen und für bedürftige Gemeinden des In- und Auslandes auch seinerseits Hilfe gewähren wolle. An dieses Schreiben schloß der Erbgroßherzog seinerseits den Ausdruck der Freude, daß es ihm seinerseits vergönnt sei, der Versammlung beizuwohnen.
Geh. Kirchenrat D. Pank-Leipzig sprach sodann aus, was das evangelische Volk im letzten Jahre empfunden und beklagt hat. Er kam auf die Aufhebung des bekannten § 2 des Jesuitengesetzes zu sprechen. Diese Aufhebung sei von überwältigender symbolischer Bedeutung, ein Scheinwerfer über Deutschland von elektrischer Helle und überdies von magnetischer Kraft für § 1: .halb zieht es ihn, halb sinkt er hin*. An dieser Tatsache könne eine Hauptversammlung des Gustav- Adolf-Vereins nicht schweigend vorübergehen, sie müsse diese Tatsache zum Ausdruck bringen. Die katholische Kirche kann es nicht lassen, in der Kirche evangelischer Konfession eine Giftwurzel im Weinberge Gottes zu sehen. Auf jedweden ^Rekord* auf dieser Bahn muß die evangelische Christenheit verzichten.
Der Vorsitzende teilte mit, daß am vorigen Tage bereits telegraphische Begrüßungen abgesandt seien.
Der Kaiser hatte persönlich an den Vorsitzenden geantwortet:
Part, Ostpreußen.
Sehr erfreut durch den freundlichen Gruß der zur Hauptversammlung dort vereinten evangelischen Atämier spreche ich allen Beteiligten meinen wärmsten Dank aus. Ich habe die treue Arbeit der Gustav Adolf-Vereine, durch welche unsere evangelische Kirche und deren Glieder eine so wesentliche Forderung erfahren, stets mit besonderer Befriedigung und lebhaftem Interesse begleitet und wünsche auch den Beratungen der diesjährigen Hauptversammlung Gottes Segen und reichen Erfolg. Wilhelm I. U.
Oberkonsistorialrat D. von Keiber-München bringt die Grüße des deutschen Evangelischen Kirchen-Ausschusses, der zum ersten Male vor eine evangelische Verjaitimlung tritt. Im Nanien der theologischen Fakultät sprach der Dekan der theologischen Fakultät, Geh. Kirchenrat D. Lernme - Heidelberg.
Der Schriftführer des ZentralvorstandeS, Superintendent
L>. Hartung-tLeipzig, weist auf einige bedeutsame Puntre auS dem Jahresberichte hin. Die Ausgaben für Unterstützungen betrugen 1903 im Ganzen 1 629 697.47 Mk. gegen 1 591 589.53 Mk. im Jahre 1902. Davon wurden verwandt: l.in derDiaspora des Deutschen Reiches 818 768.12 Mk., 9. in Oesterreich-Ungarn 618 721.35 Mk., 3. in anderen Ländern 158 340.44 Mk., 4. für persönliche Unterstützungen 33 867.56 Mk. (zusammen 1 629 697.47 Mk.) An Legaten gingen bei dem Zentral-Vorstand im Jahre 1903 ein: 33 191.98 Mk., während die Vereine zusammen 248 022.29 Mk. an Vermächtnissen erhielten.
Der landwirtschaftliche Bureaubeamte.
Vorüber sind die Zeiten der Trcifeldernnrtschast, welche unseren Borfalircn ein lohneiider Erwerb war; Brache und Weide sind verschwunden nud haben einer intensiven Bewirtschaftung und einer rationellen Fruchtfolge Platz gemacht. Maschinen, künstliche Düngemittel, Kraftfutter, Anlagen zur Verarbeitung der gewonnenen Rohprodukte ufw. sind heute durchweg im Gebrauch, um dem steten Niedergang der Rentabilität Einhalt zu tun. Je mehr sich der Landwirt diesen Hilfsmitteln zuwendet, desto mehr wird er ins Geschäfts leben gezogen. Tie Säweibarbeit, die sich früher bei ihm in den primitivsten Formen bewegte und nur in gelegentlichen Notizen stand, ist jetzt ein Arbeitsgebiet für sich geworden und auf den mittleren und großen Gütern ist feit ungefähr zwei Jahrzehnten ein neuer Berus entstanden, eine neue landnnrtsck-aftliü>e Beamtenkategorie ist in Tätigkeit getreten: der landwirtsäMstliche Bureaubeamte.
Vielseitig ist bas Gebiet seiner Tätigkeit, nutzbringend, wenn er sein Fach versteht, wenn er die wirtschaftlichen Fehler und die Uriad>en der Mißerfolge feststellt, wenn er durch genaues Kalkulieren Verluste vermeidet; er ist das Manometer des Betriebes und seine Buchführung das .Zifferblatt desselben. Aber nicht allein als Buchhalter und Geschäftsführer ist der landwirt- schafttiche Bureaubeamte — meistens Rechnungsführer genannt — vorhanden. Man bedenke, daß fast jedes Gut, auch wenn es innerhalb eines Torfes liegt, einen selbständigen politischen Bezirk bildet unb demnach wie eine Gemeinde verwaltet werden muß; ferner ist in den meisten Fällen noch die Polizeiverwaltung und Starrdesamt in den Händen der Gutsbesitzer, die sich aber um die Verwaltung selbst wenig kümmern können, es fällt daher die saä)yemäße Erledigung dieser amtlichen Arbeiten, die sehr oft einen großen Umfang annehmen, stets dem Bureaubeamten zu.
Nun sollte man meinen, daß für diese Beamtenkategorie auch eine normale Ausbildung besteht, dies ist jedoch nicht der Fall und hat seinen Grund darin, daß der Beruf noä) verhälmismäßig neu ist. Es gibt zwar eine Anzahl Institute, die zur Aus- bilbung von Rechnungssührern berufen fein wollen, aber es fehlt ihnen meistens an der Gründlichkeit und bilden daher nur ein minderwertiges Beamtenmaterial aus. Gegen diese Institute hat zuerst der ,^Verband beutfdjer Landwirtfchastslehrer" Stellung genommen um) in scharfen Worten die Unzulänglichkeft derselbeir gegeißett, bahnbreä-end für die fadjgeniäfee Ausbildung dieser Beamten ist aber erst der „Verband der landwirtschaftlichen Bureaubeamten Deutschlands" geworden. Es würde au well führen, die Einzelheiten des von ihm vorgeschriebenen Lehrganges darzustellen, aber der genannte/Berband, dessen Geschäftsstelle sich in Berlin, Düppelstr. 44, befindet, und dessen Aemter alle ehrenamtlich venvaltet werden, ist zu jeder gewünschten Auskunft gern bereit.
Es ist zu venoundern, daß sich verhältnismäßig wenig junge Leute diesem Berufe zuwenden, nochzumal die Tätigkeit reich an Abwechslung, der Stand achtbar und angesehen und die Ausbildung int Vergleich zu dem späterewEinkommen nur mit mäßigen kosten verknüpft ist. Außerdem tst'das spätere Fortkommen durä) den erwähnten Verband, da es an tüdjtigen Rechnungsführern immer noch fehlt, in jeder Hinsicht gewährleistet.
SaniiwirtfdjafL
Der Saaten st and in Preußen für Mitte September ist, Wenn 2 Mtt, 3 mittel (durchschnittlich), 4 gering, 5 sehr gering bedeutet: Kartoffeln 3ch; Klee 4; Luzerne 3,9; Wiesen: überhaupt 3,9; Bewässerungswiesen 3,4, anixe re 4,2. Die entsprechenden Ziffern des Vormonats waren: 3.5; 4,1; 4,0; 3,9; d,3; 4,2. Tie feit Mitte August gefallenen Regenmengen haben im allgemeinen die Verschlechterung des Standes der noch auf dem Felde befindlichen Feldfrüchte verhindert, sie sind jedoch nicht ausreichend gewesen, um eine Besserung außer in örUictyer Begrenzung herbeizuführen. Der gedeihlichen Entwickelung sind überdies vielfach falte Nächte und scharfe Winde hinderlich. Es sind sogar Nachtfröste gemeldet worden. Ueber das Vorkommen zahlreicher Mäuse wird vereinzell berichtet, verderblicher schienen die Mäuse in Posen aufzutreten. Zahlreich sind die Klagen über Wurm- und Madenfraß in Kartoffeln. Dem Einbringen der Getreideernte ist das Wetter sehr günstig gewesen. Diese ist im Großen und Ganzen als beendet anzusehen. Dank den: günsttgen nassen Maiwetter hat die Frucht, zumal das Wintergetreide, der langen Trockenheit doch soweit widerstehen können, daß immerhin von einer Mittelernte gesprochen werden könne. Niä)1 dienlich ist die Dürre der H e r b st b e ft e 1 In n g gewesen, roeldjie bisher vielfach nicht vorgerrommen juerben konnte, da der bessere Boden zu bart, der leichtere trocken wie Asche war und somit keine Aussicht gewahrte, daß die Saat aufgehe. .Für die W i n t e r s a a t ist audreicbenber Regen sehnlichst zu wünschen. Ter Stand der Kartoffeln wird sehr verschieden beurteilt. Im allgemeinen haben sie sicy auf schwerem Boden besser gehalten, als auf leichtem. Von allen weiten wird über Durchwachsen (Zweiwack)s) getlagt. .Infolgedessen ist man für die Haltbarkeit der Fruäft besorgt. Der Fruchtansatz ist im allgemeinen nicht schlecht, jedoch läßt die Ausbildung zu wünschen übrig und die Knollen sind nur klein geblieben. Soweit Futterpflanzen einen zweiten Schnitt zuließen, was oftmals nicht lohnte, ist er gut eingebracht worden. Viele Flächen vorjährigen Klees haben bereits umgepslügt rverden müssen. Auch der diesjährige ist ge fährdet, der jungen Saat ist dringend Regen zu wünschen. Mehrfach hat man schon zur Stallfütterung übergehen müssen, vereinzelt sogar zur Veinninderung des Viehstandes.
Karlsruhe, 21. Sept. S a a t en st andsb er i ch t (mit- geteill vom statistischen Landesamt). Tie IKusigen atmoshpärischen ^NiedevfchLäge in der zweiten Hälfte der Berictstswoche haben auf die in der Entwickelung zurückgebliebenen Futtergewächse, ins besondere auf Wiesengräser, einen belebenden Einfluß ausgeübt, sodaß der Ertrag doch leidlich ausfallen dürfte, während in vielen Gegenden günstige Aussichten auf eine gute Herbstbefriedigung nicht eröffnet sind. .Die Frühkartoffeln sind meist klein geblieben. Auch bei Spätkartoffeln, die infolge des warmen Regens in mehreren Berickstsbezirken auszuwachsen beginnen, dürften kaum bessere Ernteergebnisse zu ^erwarten sein. Der Tabak, der mit verhältnismäßig geringem Samen unter Dach gebracht ist, liefert der Menge nach, insbesondere im Schwerfeld, meist ein befriedigendes Ergebnis, während die Qualität den Envartungen nicht immer _ entspricht. Beim Hopfen, dessen Entwickelung schon sehr vielversprechend war, fit in den trockenen Lagen der Brenner ausgetreten. Insoweit die Pflücke unter sorgfältiger Scli-eidung der Qualität vorgenommen wurde unb die Trocknung bei günstiger Witterung sict) rasch vollzog, sinb^gleichwohl günstige Preise erlöst worben, wahrend u ngenügenbe Sortierungen nur geringe Preise erzielten. Tre Herbftaussichten für Wein stellen sich fast allgemein güitfhg. M/ie Reife der Trauben ist schon weit vorgeschritten. tÖei lüAllch geneigten Lagen sind die Trauben durchgehend sehr üß. Mit der Lese der roten und schwarzen Trauben ist vielfach chon^begongen ivorben. s)tad) der üblichen Stufenfolge berechtigt >er ^tanb der Maaten. Mitte September bei Kartoffeln zu 2,7, Mee 3,8, Luzerne 3,4, Wein 3,4, Tabak 2,7, Hopsen 2,6, Rüben 2,3.
Fa hrpr e i s e r m ä ß i gung für landwirtscha s11iche Wände rar beite r. Für die Beförderung landwirtschaftlick)er Wanderarbeiter hat die Staatsbahnverwaltung Fahrpreisernräßig- ung.en gewahrt. Mit Bezug hierauf hat der Minister der Öffent-


