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22/09/1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 223 Zweites Blatt.

154. Jahrgang

Donnerstag 22. September 1904

«rlrfjetnt täglich mit Ausnahme de« Sonntags.

DieSiebener ^amiUenbläUer" werden dem ^Anzeigei viermal wöchentlich betgclegL Der «Helstiche Landwirt" erichetni monatlich einmal.

Gkhener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Umversnätsbruckeret. ÖL Lange, Gieß«»

Redaktion,Expedition ».Druckerei: Schulstr. L, Tel. Nr. 61. Telegr^-Adr. r Anzeiger ®lc6ta»

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehrn.

einander.

Irr Aufstand in Acutfch-SüdwestafriLa.

Spärlich kommen jetzt nur Nachrichten vom Oberkom­mando in Südweftafrika zu uns über die Bewegung der Truppen gegen die Herero. Die Truppen sind über ein größeres Gebiet als früher zerstreut, die Bekämpfung des Feindes ist schwieriger und nimmt alle Kräfte in Än- ,peuch. Der Gouverneur Leutwein wollte schon im August nach dem Großnamalande abgehen, um dort Ord­nung und Ruhe herzustellen, dann hieß es, er werde nunj im September seinen Zug nach dem Süden antreten und noch eine Truppen-Abteilung mitnehmen. Bis jetzt ist aber üoch keine Nachricht von seiner Abreise aus Windhuk eingetroffen. Bon militärischer Seite wird dazu erklärt, der Kommandeur habe keine Truppen dazu abgeben können Daraus wäre zunächst ersicht­lich, daß alle Kräfte auf die Unterwerfung der Herero verwendet werden sollen. Dann könne man auch daraus schließen, daß die Zustände im Großnamalande nicht so schlimm sind, daß dort sofort eine größere Krastentfald' urig notwendig werde. Alle Meldmrgen aus ^dem süd­lichen Teile des Schutzgebietes stammen aus einer Zet^. die schon Monate zurüctliegt; sie geben daher kein rich­tiges Bild von den jetzigen Zuständen und Stimmungen dort.

Berlin, 21. Sept. General v. Trotha meldet unter dem 14. September aus Oparakane: Die Meldungen

......... .....» _?=

3>te We.schang des Fürsten Kerkert AisminL - Friedrichs ruh, 21. Sept.

Aje Krönung iu Belgrad.

Belgrad, 21. Sept.

Um 7 Uhr früh hatte das Militär alle Straßen, durch welche der Krönungszug führt, besetzt. Pünktlich 8 Uhr brach der feierliche Zug vom Palaste auf. Voran ritten Herolde, dann ein Zug Leibgarde. Es folgte der König auf einem prachtvollen Schimmel, das Szepter in der Hand, mit einem Purpurmantel angetan, dessen Schleppe sechs Schüler der Kriegsakademie trugen. Zwei Unter» Offiziere führten das Pferd am Zügel. D-er König sah älter ciuv als sonst Seine ernsten Züge zeigten Müdig­keit. Ihm folgte (ine malerische Reitergruppe, au ihrer Spitze lai: montenegrinische Thronfolger. Dem Zuge zur Seite rechts ritt der serbische Thronfolger, Prinz Georg, links Prinz Alexander, dann etliche vierzig Stabsoffiziere. Zn Galawagen folgten die montenegrinische Erbpriuzejsin

Aussage von Gefangenen lockern. Dies ist keineswegs erwiesen. Gleichfalls nach Aussagen von Gefangenen be­finden sich Salatiel und Tjetjo noch in der Gegend von Otjojondjou und Smrmel Maharero sowie Michael waren am 1. (?) September noch bei Otjeneue. Deimling und Wahlen bei Gpukiro-Kallfontein, mit Meister heute Kan-t duwe. Estorff bei Sturmseld, später Okcrrupoko, iVolk- mann bei Owinaua-Naua. Neitzenftein sperrt die Linie Otjimbinde bis Owjondu.su. Ausllärung längs des Epuriko- flusses, ferner auf Klein-Okahandja-Epata-Otjosondjou und nördlich. Fiedler zum Eingreifen von Wüterberg bereit Die Abreilungen müssen unbedingt ihre Verpflegung er­gänzen, deren Nachsnhrung bei dem schnellen Ldzug des Feindes, dem raschen Folgen unserer Truppen und den zu durchschreitenden Durststrecken überaus schwierig ist. Die Signalverbindung durch das flache Terrain ist fast unmöglich, daher sind die Meldungen nach rückwärts er­schwert und nur durch Offizier-Patrouillen zu bewerb jtelligen.

über die Abzugsrichtung des Feindes gehen aus- Der Abzug nach Südosten ist anscheinend imi Stocken. Der Zusammenhang der Kapitäne soll sich nach

Zur Beisetzung des Fürsten Bismarck trafen ein: Als Vertreter des Kaisers Generaloberst v. Hahnke, als Vertreter des Prinzen Heinrich von Preußen dessen! persönlicher Adjutant, Korvettenkapitän Schmidt v. Schwind, eine Deputation des elften Gardeidragonerregimentes mit dem Kommandeur an der Spitze, der Kommandeur des Wandsbeker Husarenregiments und Deputationen von Krie­gervereinen und studentischen Korps, alle mit prachtvollen Kränzen. Der Reichskanzler Graf Bülow ist in Be­gleitung des Geh. Oberiegierungsrats v. Guenther ein- gettofsen.

. Zu der Beerdigung brachten die Eisenbahnzüge große Menschenmengen aus der Umgebung, die sich auf den Waldhöhen um das Mausoleum niederließen. Mit den trauernden Farnilien-Mitgliedern waren im Schloß ver-' sammelt die Mutter der Fürstin, Gräfin Hoyos, ferner der Bruder der Witwe und Herr von Bismarck-Plathen. Der blumenbeladene Eichensarg wurde auf den Schultern altertümlich kostümierter Bauern getragen.

Die Feierlichkeit im Schlosse begann um 1 Uhr. Pastor Lahusen ging, nachdem die Familienangehörigen und die ofsiziellen Vertreter sich im Trauerzimmer versammelt hatten, mit der Fürstin Bismarck durch die Halle und führte sie an den Sarg des Fürsten, der unter Blumen und Blattgrün fast verborgen war. 9iur Kränze aus dem Familienkreise hatten hier Platz gesunden. Tie letzten schlichten Afternkränze hatten noch etwa zwei Stunden vor der Feier die Kinder bei dem Verstorbenen niedergelegt. Pastor Lahusen hielt die Trauerrede, welcher die Offen­barung St. Johannis, Kap. 14, Vers 13 zugrunde gelegt war:Selig sind die Toten, die im Herrn sterben, von nun an bis in Ewigkeit. Ja der Geist sprich!, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Wlerke folgen ihnen nach" Er wies in der Rede auf das tragischje Geschick hin, daß die beiden Söhne des Altreichskanzlers so früh dahingegangen seien und pries den Fürsten als einen hingehenden Gatten und Vater. Das Leben des Entschla­fenen habe aber wett über den Kreis seines Hauses hin- ausgereicht, es habe dem Vaterlande gehört. Tie reichen Gaben, die ihm Gott verliehen, seinen durchdringenden, Verstand, seinen vielgewandelten Geist und energischen Willen, sowie die außerordentliche Arbeitskraft habe er seinem Vaterlande gewidmet, als der vertrauteste Schüler, Gehilfe und Mitarbeiter seines Vaters.

Nach der Einsegnung der Leiche setzte sich der Trauer- zua in Bewegung. An der Spitze des Leichenzuges schritten die Kapelle des 76. In f an ter ie-Re giments, Trauern weisen spielend, eine Deputation ehemaliger Angehöriger des ersten Garde-Dragoner-Megiments und die Abord­nungen studentischer Korps. Zur Seite des Sarges schritten Forstbeamte. Dem Sarge folgten zunächst Gras Rantzau und der junge Fürst Otto v. Bismarck, sodann General­oberst v. Hahnke, der Reichskanzler Graf v. Bülow, der Staatssekretär deö Auswärtigen Amtes Frhr. v. Richthofen und das übrige Trauergesolge. Als der Zug durch das Schloßtor verichkvand, sah man die Fürstin Bismarck aus dem Balkon des Schlosses, wie sie schmerzlich , bewegt dem Sarge nachsah. Die Feier im Mausoleum war von kurzer Tauer Von dem großen Gefolge hinter der Bahre des Werewiaten fanden außer den Angehörigen der Familie und den offiziellen Vertretern nur wenige in der Kapelle RloN hin her mit Blumen überdeckte Sarg inmitten der am Katafalk niedergelegten Kränze stand. Nachdem Pastor Labusen einiae Worte des Trostes gesprochen, ertönte leises Or aelsprel und darauf ein Ehoral. Hierauf sprach Pastor Labnien ein Sterbegebet, in dem er sagte: Wir möchten Gott bitten, er solle uns Männer schenken, wie der «npinmpnmmpne treue Diener des Vaterlandes und des Kaisers Nachdem die Worte des Geistlichen verklungen waren,' ertönte wieder leises OrgeMel Sie Etauetbet- lammluna sang die letzten Verse des Ehorals: ,-oeftehl du deine Mge". Der Segeii des Geistlichen schloß die

Feier. *

^nm verstorbenen Fürsten Herbert Bismarck erzählt ein Mitarbeiter desHamb. Korresp.":Das Erbe seines ve' storbenen Vaters hat der Verstorbene mit klugem Sinn aemelirt Er hat sich der Bewirtschaftung des Grundbesitzes seit wahren gewidmet, war Neuerungen zugänglich be- lüelt sich freilich auch bei. nur von Fachleuten zu ent» scb->idenden Fragen das letzte Wort vor; leicht war das Arbeiten unter seiner Führung nicht. Als Hauptarbeit seines Lebens betrachtete Fürst Herbert die Sichtung der väterlichen literarischen Hinterlassenschaft. Ein Freund des Bismarck'scheu Hauses sagte mir: Wier ba glaubt, daß mit der Herausgabe der Veröffentlichungen bei ^Eotta die Erbschaft des Kanzlers erschöpft sei, ist tll starkem Irrtum. Es sind Kisten und Kasten von Griesen, eigenen Briesen des Kanzlers und der Zeit- nenou'ui vorhanden; alles das ist Bismarcksches Fami­liengut, das seiner Vebebung imb Auferstehung für die Oessentlichkeit, vielleicht erst nach einer Generation ent­gegensieht."

Ans Stadt und Sand.

G letz en, September.

.. dem Militär-Wochenblatt. Wolfs,

Unicrarzt beim Snt.-Kcgt. Wilhelm (2. Ärotzh. M.)

Ein Franzose über Deutschland.

Der frühere franösisä)e Marineminister Lockroy hat, seit­dem er aus der Regierung ausgvfchieden ist, vorzugsweise mit Studien über Deutschland sich beschäftigt, und wenn viele gebildete Franzosen von einem unzutreffenden Urteil über dieses Land zurückgekonrmen sind, so ist es wesentlich das Ver­dienst Loäroys. Er trat ohne Voreingenommenheit an seine Studien heran und schilderte wahrhlltsgenräß, was er im Lande desErbfeindes" sah. Dieser Tage hat er nun durch VeröffeM- lichungen imEelair^" seinen Landsleuten Keu.ntnis gegeben von den Beobaästungen, die er in den skandinavischen Königreichen über den deutsä-en Einfluß machte. Er weist auf die, an dieser Stelle bereits früher fesigestellte, Tatsacl-e hin, daß durch die ktcordlandreise Kaiser Wilhelm» die in den skandinavischen Landern ftüher herrichende Vorliebe für französisä-es Wesen, französische Sprache und Ware zugunsten Deutschlands beeinflußt worden sei. Ten Exporteurcn in Frankreich sagt Lockroy damit nichts neues. Tie Ausfuhrzis>ern der Republik im Handel mit Skandinavien finken ständig, und auch die englischen Gewerbeerzeugnisje werden dort mehr und mehr durch deutfcye verdrängt. Erkennt also Lockroy aus diesem Gebiete die U e b e r l e g e n he i t Deutschlands rückhaltlos an, so kann er siw doch dazu nicht verstehen, sobald das militärische Element in Frage kommt. Er hatte Gelegen­heit, in Kiel u nd Danzig die W e r f t - u n d T o ck - A n l a g e u zu besichtigen. Wenn er auch in Sachen der Seewehr. streng ge­nommen nickst Fachmann ist, so hat er als früherer D^armemmister die entsprechenden Anlagen in Toulon, Brest, Cherbourg genug­sam kennen gelernt, um einen Blick für die Ueberlegenheit der deutsck-en Einrichtungen zu gewinnen. Aber das nationale Em­pfinden ist in diesem Falle zu mächtig in ihm und läßt nicht ein den Ruhm Frankreichs beeinträchtigendes Urteil laut werden.

Wie mit der Marine, so verhält es sich auch mit, der deutschen Armee, über die zwar nicyt von Lockroy, aber seitens anderer namhafter Franzosen kritisck-e Aeußerungen erfolgt sind. N-.an fpvtut d-s Parademarsches und der Kavallerieattacken, mitz- bickigi die Gefechtstaktit der Infanterie und urteilt geringschätzig über das artilleristische Material. GleickMohl haben die deullchen Herbstmanöver die vollkommene Leistungsfähigkeit und Schlag­fertigkeit aller Waffengattungen erkennen lassen.

Wie steht es nun aber um Frankrec chs Flotte un*) Heer? Tie Unterseeboote, auf die angeblich die Ueberlegenheit der Trikolore zur See gegründet ist, können an den gefechtsmäßigen Operationen nickst teilnehmen, weil sich ihre absolute Verwend» barieit noch immer nicht erwiesen hat. Und bei den vor wenigen Tagen beendeten Manüvern der französischen Armee, denen die in charis beglaubigten auslälidischen Mckitärattachees auf besondere Einladung des Kriegsministeriums bevvohnten, sand selbst der mit der Kritik betraute französische General gar mancherlei aus- zusetzcn, besonders an der inbezug auf Frontstellung viel zu breit angelegten Gefechtstaktik der Infanterie. Also auch auf mili- tarisck-em Gebiet kann Teutschland einen Vergleich mit Frank- i reich am Ende aushalten.

Miliza (Jutta) mit der Tochter des Königs Prinzessm Helene, dann die Schwägerin des Königs Frau Nenadowrtsch mit dem Sohn des in der Mandschure: kämpfenden Prinzen ; Arsen, dem kleinen Prinzen Paul, hierauf kamen die ; Diplomaten, Minister und Hoswürdenträger. Den Zug ; beschloß berittene Leibgarde.

Die kirchlichie Zeremonie wurde mit orientalischer Pracht gehalten; sie dauerte drei volle Stunden. Der König setzte sich selbst die Krone auf, nahm dann Szepter und Reichsapfel, und unterfertigte das Krönungsdekret. Im vollen Ornate, mit der Krone auf dem Kopse, verließ König Peter die Kllche und hoch zu Rosse ging es in lang­samem Tempo zurück zum Konak.

Im Konak nahm der König im Thronsaale auf dem Throne, einer künstlerischen, in byzantinischem Stile ge­haltenen Prachtarbeit, Platz, worauf die Desiliereour der Staatswürdeuiräger, der Korporationen und Deputationen aus dem ganzen Lande ansing.

Die Prinzen Alexis und Bogdijar wurden in Privat- audieuz empsangen und ihnen die Insignien des Kara- georg-Ordens verliehen.

Bei dem Empfange der Diplomaten begrüßte den König als erster der italienische Gesandte Guieiolli namens der Missionen; der Türke Fett Pascha im Namen des diplomatischen Korps. Der russische Gesandte Gubastow und bei deutsche Gesandte Baron Heyking über­reichten Handschreiben ihrer Monarchen.

Die Ansprache des Skup tsch in a-Präsid enten an den König betonte die traoillonelle historische Bedeutung der Krönung für Volk und Dynastie in Serbien. Das Serbenvolk hoffe, daß auch die heurige Krönung das Vor­zeichen einer neuen Entwicklung Serbiens sei. Der Kö­nig antwortete, er sei sich der Aufgabe bewußt, die ihm mit der Krone übergeben würde und werde alle seine Kräfte aufbieten, diese Ausgabe zu erfüllen.

Während der ganzen Feierlichkeit wurde, obgleich die Straßen von einer gegen 50 000 Menschen zählenden Menge dicht besetzt waren, nirgends die Ordnung gestört. Kein Unfall ereignete sich Das Publikum geriet bei dem Vorbeireiten des Königs mit der Krone in Verzückung, Oie Schiwojo-Rufe pflanzten sich von Gasse zu Gasse fort, und überdröhnten das Donnern der Kanonen, die mit 101 i Schüssen den feierlichen Akt verkündeten.

Ter König verließ den fremden Gesandten Ordensaus­zeichnungen. Das Amtsblatt veröffentlicht eine Amnestie für wegen Wahlvergehen und wegen Aufreizung der Be­völkerung Verurteilte, sowie für ar le, über welche gerichit- liche und polizeiliche Aireststrasen in einem Höchstmaße von 15 Tagen verhängt sind.

' Berlin, 21. Sept. DieNvrdd. Allg. Ztg." schreibt: Wir wünschen dem Könige zu diesem bedeutungsvollen

' Feste Glück, seiner Negierung die segensreiche Erfüllungi feiner auf Hebung und Festigung der inneren Wohlfahrt des Landes gerichteten Bestrebungen."

Keer und Ktorte.

Hamburg, 21. Sept. Anläßlich der ^Dcrlllhnns vo« neuen Fahnen an das zroeite hanseatisch^nsanterrettgnnenl Nr. 76 ridttete der Ka ise r an den Regimentsk»mmandtur-I Dassel, ein Schreiben, in dem er unter anderem dem Wunsch und der Hoffnung Ausdruck gibt, baß tue J

verjüngten Fahnen gegebenen ^alles Ebenso SU A - liegen wissen würden, wie es ihre Väter auf öianncicu vinr gekränkten Schlachtfeldern getan haben

Politische Tagesschau.

Frhr. v. Zedlitz als Berater der Regierung.

R. Berlin, 20. Sept.

Ter freikonservative Politiker und eifrige Tagesschriftsteller Frhr. v. Zedliß fühlt den Beruf in sich, aw Berater der Regier­ung aufzutreten. Er hat immer wundervolle taktische Rezepte in der Tasche, um Schwierigkeiten zu beseitigen, die sich dieser und jener wichtigen Vorlage entgegenstellen. Frhr. v. Zedlitz vertraut aber fernem fein ersonnenen Feldzugsplan, der doch, wie alle solche Pläne, geheim bleiben müßte bis zur Verwendung im gegebenen Zeitpunkte, keineswegs nur etlicheit Männem an, sondern er fetzt vermittelst der Presse gleich der ganzen Oesfent- licpkeit auseinander, wie die Sackze zu machen i|L Da hat bann natürlich die Gegenpartei Muße genug, sich auf bie ihr zugedachten geistvollenUeberrasckMngen" einzurichten. Znm Glück folgt die Regierung Herrn v. Zedlitz' so auffälligen Winken nicht, die Zahl der Nllßerfolge würde sonst Legion fern. Heute zerbrickK sich Frhr. v. Zedlitz den Kopf des Grafen Bülow, wie die Gewährung von Reichstagsdiäten mit einem Ausgleich zu verürüpfen fei. Allen Ernstes glaubt Herr v. Zedlitz daran, daß die verbün­deten ylegiernngen eute günstige Gelegenheit hätten, für die Tiäten vom Reichstag Abänderungen des Wahlrechts zu er­langen,bei aller A u f r e cht er ha l t u n g der Grund­lagen" des Wahlrechts. Frhr. v. Zedlitz schließt seinen Artikel imTag" mit den stlbstbewußten Worten:Ob die Re­gierung in dem besprochenen Sinne vorgehen wird, iveiß ich nicht; das aber weiß ich, daß es ein arger politischer Fehler wäre, wenn sie es nicht täte". Trotzdem wird wohl die Rre- gierung es auf sich nehmen, in den Augen des Beraters. als unweise zu gelten. Das liegt doch auf der Hand, daß der Reichs­tag in feiner großen Mehrheit es unbedingt avlehnt, Tage­gelder zu erkau fen mit der Preisgabe von Volks­rechten. Tas wäre das Unpopulärtze, was ein Parlament tun könnte! Aber ouch die Regierung würde sich so unbeliebt wie nur möglich machen beim Rcick)stag und sich jedes Entgegen­kommen verscherzen, wollte sie derartige Bedingungen stellen. Tie Tiätengewähriillg ist als eine Notwendigkeit aiieriaimt im Inter­esse der Erzielung eines besseren SleiaBtagäbesuches uiü> einer prompteren Erledigung der parlamentari!sa)en Geschäfte. Tas Wötictmbige braucht eine Volksvertretung nicht durch Gegen­leistung zu bezahlen. *

Ein echter Rationalliberaler.

In Konstanz hat in diesen Tagen im jungliberalen Verein der E r st e S t a a t s a n w a l t I u n g h a n n S über bie politischen Aufgaben der nationalliberalen Partei gesprochen und u. a. geäußert:

In der: Zeiten des Kartells sei die Partei wohl national, aber nicht mehr recht liberal gewesen; heute müsse sie An­schluß nach lintö suchen; sie müsse ihren liberalen Cha­rakter mehr betonen und sich sozialpolitisch mehr betätigen. Eine liberale Partei müsse vor allem baß Zentrum bekämpfen. Er benenne nicht bie Gefahr der Soziaideuwttatie, aber die Sozialdemokratie könne mau nicht bekämpfen, indem man das üeiUviuu unterstützt. Nötig fei auch eine stra.sere Organisation der Partei; lasse diese auch ihren Mitgliedern größere Freiheit als das Zentrum und tie ^ozialdeuwiratie, so muffen doch bie Grundprinzipien und dazu gehöre die S i rn u 11 a n s ch u l e für jeden verbindlich (ein. Wer in M u 11 u i f r a g c n nicht entschieden den Fortschritt vertritt, wer nicht liberal und nicht sozial beute, gehöre nicht in bie liberale Partei."

Sehr wahr l