Ausgabe 
22.9.1904 Zweites Blatt
 
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liehen Arbeiten v. Budde an den Landwirtschaftsminister folgende Mitteilung gerichtet:Eure Excellenz benachrichtige ich ergebenst, daß. sich die zur Bewältigung des Massenverkehrs der landwirt­schaftlichen Arbeiter, sogenannten Sachsengünger, in diesem Früh­jahr getroffenen 'Maßnahmen nach den Berichten der Eisenbahn- direktionen im allgemeinen bewährt haben. Namentlich hat sich gezeigt, daß auch bei Einschränkung der Zeit, innerhalb der mit Rücksicht auf den Osterverkehr Fahrpreisermäßigungen für solche Transporte ausgeschlossen werden müssen ,der Betriebs ordnungs­mässig .geführt werden konnte. SBon verschiedenen Seiten sind mir aber Wünsche auf eine weitere Verkürzung dieser Frist unter­breitet worden. .Diese erscheinen insofern reicht unbegründet, als auf die für Preisermäßigungen gesperrten Tage nach Ostern un­mittelbar ein Samstag und Sonntag folgen, an denen nach den bestehenden Bestimmungen die Vergünstigung überhaupt nicht betüilligt werden kann. Ick habe die Eisenbahndirektionen daher ermächtigt, im nächsten Jahre versuchsweise schon vom Donners­tag nach Ostern ab Fahrpreisermäßigungen für landwirtschaft­liche Arbeiter wieder zu gewähren. Im Falle sich indes hieraus für die ordnungsmäßige Durchführung des Betriebes Schwierig­keiten ergeben sollten, würde dieses Zugeständnis allerdings wieder zurückgezogen werden."

Kandel und Kcrkeyr. DolkswiNschast.

Russische Finanzlage. Aus dem Originalbriefe eines Kaufmanns, der viel mit Rußland arbeitet resp. dorthin expor­tiert, entnehmen wir folgendes: Tie russischen Staatsfonds be­haupten sich so, als wenn Rußland noch nickst eine einzige Schlappe erlitten hätte. Auch sollte man meinen, es würden demnächst nur noch 100 Rubel-Noten ausgegeben und alles lleine Papier­geld würde vom Staatsschatz gegen Goldrubel umgetauscht. Der offizielle Diskontsatz in Petersburg ist mit ?i/2 Proz. notiert. Dafür kann aber kein Kaufmann einen Wechsel beim Bankier diskontieren, dort kostet es noch mehr, je nach dem bis zu 8 Proz. Es ist in den deutschen Finanzblättern immer viel von den Hunderten von Millionen Rubeln in Gold die Rede gewesen, die jn der Staatsbank und Staatsrentei 'vorhanden sein sollen, die den dtotenumlauf mehr wie deckten. Warum aber, wenn dies nun annähernd der Fall wäre, steht der Papierrubel nur auf 62 Prozent seines Nennwertes?

Hibernia-Kampf Banken-Kampf. Die Aktien der Hiberniagesellschaft haben einen Rückgang von 6 Prozent er­fahren. .Die Berliner Handelsgesellschaft nahm sie auf; die Dres­dener Bank blieb der Feststellung der Kurse fern. Jnbetreff der Bankendifserenz wird es wohl so bald noch zu keiner Einigung kommen. Jedenfalls werden die Banken, die der Hibernia nahe­stehen, noch lange nicht nachgeben. Es heißt auch, daß der Auf- sickstsrat der Hibernia nicht geneigt sei, dem Wunsche der Dres­dener Bank, eine neue Generalversammlung einzuberufen, statt­zugeben. Einstweilen geben die Aktien, wie schon bemerkt, langsam aber deutlich zurück. Von ihrem höchsten Stand seit Aufrollen der Verstaatlichungsfrage sind sie 20 Prozent gefallen. Bei der noch herrschenden Ungewißheit über den Ausgang der Sache er­scheint es begreiflich, daß von dem außenstehenden Material zu den jetzigen rroch wesentlichen über der staatlichen Offerte stehenden Kurien fortgesetzt Beträge, wenn auch nicht größeren Umfanges, an den Markt gelangen. Beachtet wurde übrigens die Kundgebung des Zentralverbandes deutscher Industrieller gegen jede Verstaat­lichung wichtiger heimischer Privatbetriebe.

Markte.

Limburg a. d. L., 21. Sept. Frucht m arkt. Durch­schnittspreise pro Malter. Roter Weizen, neuer, 14.80 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn, altes, Mk. 0.00, neues 10.53 Mk., Gerste 0.00 Alk., Hafer 7.20 Alk., Erbsen 0.00 Alk., Kartoffeln 0.00 Alk.

Ob st Märkte zu Frankfurt a. ,M. Jn diesem Jahre finden in Frankfurt <t. M. wieder zwei große Obstmärkte statt.

am 26. Septembev .ein solcher für Kelterob st, der zweite am 5. Oktober, auf dem in der Hauptsache Tafelobst zum Ver­kauf gestellt wird. Beide Märkte werden in der Stadthalle, Kloster- gasse 14, abgehalben. Wie in den Vorjahren läßt die Markt­ordnung ausschließlich in Deutschland gezogenes Obst usw. zu und zwar: sortiertes Tafelobst, gepflücktes Wirtschaftsobst, gewöhn­liches Wirtschafts- unfc> Mostobst, gedörrte und eingekochte Obst­früchte, Obstweine, Obstbranntweilne, Obstliköre, Mus, Marme­lade, Gelee usw., ferner gedörrte und eingekochte Gemüse, sowie Verpackungsmaterial. .Ter Verkauf geschieht nach Proben. Tie Proben von sortiertem Tafelobst und gepflücktem Wirtschaftsobst dürfen bis zu 5 Kigr. brutto, diejenigen von gewöhnlichem Wirt- schaflsobst dis 25 Kgr. betragen. Obst- und Gemüse-Produkte sind mit Ausnahme der flüssigen, die in Flaschen zu liefern sind, in Originalpackung auszustellen. Jeder Probe ist ein Begleitschein beizugeben, der folgende Angaben enthält: Name der Sorte, Preis per Kgr. bezw. per 100 Kgr. ab nächster Bahnstation, das zur Verfügung stehende Quantum, den Namen des Verkäufers, die ungefähre Lieferzeit. ,Die Proben^sind am Tage vor Abhaltung des Marktes franko Marktlokal (Stadthalle) zu liefern, oder an das. Obstmarktkomllee, Gneiisenaustr. 15, einzusenden. Alle Ver­käufe auf dem Obstmarkte finden durch vom Marktkomitee un­entgeltlich ausgefertigte Scylußscheine statt. Begleitscheine sind vom Obstmarktkomitee erhältlich, das auch jede weiter gewünschte Auskunft erteilt. Zum Schluß sei rroch darauf aufmerksam ge­macht, daß das Komllee (Zentralstelle für Obstverwertung) auch sonst vor und nach dem Markt den An- und Verkauf von allen Sorten Obst unentgeltlich vermittelt.

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* Stralsund, 20. Sept. Die GaleasNordstern", Schiffer Berg, nach Helsingfors mit Getreide unterwegs, wurde zwischen Darszerort und Moeen von einem un­bekannten Gaffelschooner übersegelt. Der Schiffer Berg ertrank, während die beiden Matrosen ins Meer sprangen und durch eine schwedische Brigg gerettet wurden. Der Gaffel­schooner setzte seine Fahrt unbekümmert um den Unfall fort.

* Kar tsruh e, 21. Sept. Gestern abend erschoß in einem hiesigen Hotel der 19 Jahre alte Sohn des Kapellmeisters Rieß seine Gelie b te, ein junges Mädchen von 'hier. Darauf richtete er den Revolver gegen sich selbst und verletzte sich durchs drei Schüsse schwer. Der Grund zu der Tat ist darin zu suchen, daß die Eltern des jungen Mannes das Verhältnis ihres Sohnes mit dem MöHchen nicht dulden wollten.

* Kriegsbioskopbrlder vor dem Zaren. Aus London wird berichtet: Der Zar hat durch seinen Gesandten den Wünsch ausgedrückt, die auf den Krieg bezüglichen japanischen und russischen Bios kop bild er zu sehen, die von Eharles Urban für das Londoner Alhambra- Theater geliefert werden. Urban hat deshalb alle Vor­bereitungen getroffen, die Films nach Rußland zu be­fördern, wo sie in Peterhof vorgeführt werden sollen.

* Die vergessene Pincette. Vor vierzehn Tagen wurde an der Gattin des Maschinisten Paul Ledeczi im Szegediner Spital eine Operation vollzogen, bei welcher Gelegenheit man in der Bauchhöhle der Operierten eine Pincette fand, welche anläßlich einer vor drei Jahren an der Budapester chirurgischen Klinik vorgenom­menen Operation in der Bauchhöhle vergesse n wurde.

Der Gatte der infolge der letzten Operation verstorbenen Frau hat nun gegen den Universitätsprofessov und weiter der Ersten chirurgischen Klinik in -Budapest s Dellinger bei der Szegediner Staatsi- anwaltschaft die Strafanzeige erstattet. Jll der An- zeige wird die Obduktion des Leichnams verlangt und, glerchzettlg ein an den Szegediner Bürgermeister bezüg­lich dieses Faltes erstatteter Bericht des dortigen Spital- arFtes Dr. Eisenstein, der die Pincette aus dem Körper entfernt hatte, sowie das corpus delicti selbst vorgelegt. Die Szegediner Staatsanwaltschaft hat den Akt, da die inkriminierte Handlung seinerzeit in Budapest bjegangeni wurde, an die Budapester Staatsanwaltschaft abgetreten.

Kunst und Wissenschaft.

GerhartHauptmann hat eine z w e i t e E h e ge­schlossen. Am Sonntag hat in aller Stille zu Agnetendort ferne Hochzeit mit Fräulem Margaret he Marsch all statt­gefunden.

Sport.

Staffettenfahrt Stuttgart-Kiel für Mo» t o r z w e i r ä d e r , zu Ehren des Prinzen Heinrich von Preußen, veraustallet von der Deutschen Motorradfahrer-Vereinigung, e. V., Stuttgart. Staffettenfahrer 24, Max Borgwart, fuhr von von Stuttgart ab Montag vormittags 9 Uhr 16 Minuten; er wurde in Meschede (Westfalen) abgelöst von Staffettenfahrer Walter Fincke, welcher, Dienstag früh 5 Uhr 48 Minuten in Kiel eintraf, sodaß beide Staffettenfahrer, die 773,3 Kilometer lange Strecke in brutto 20 Stunden 32 Minuten zurücklegten. Als erster Herrenfahrer kam Struck-Berlin, welcher Montag vor­mittag punkt 9 Uhr von Stuttgart absuhr, am Dienstag vor­mittag um! 8 Uhr 25 Minuten an. Er hat also in ununterbrochener Fahrt die ganze Strecke in 23 Stunden 25 Minuten zurückgelegt.

Kerichtssaal.

i Aachen, 19. Sept. Der Königliche Schutzmann Karl Schneider hier, sowie dessen Ehefrau, gegen welche von feiten der Polizeidirektion ein Strafverfahren wegen Be­trugs eingeleitet worden war, wurden heute von der Beschul­digung des Betrugs von dem Landgericht hier freigesprachen und die Kosten der Staatskaffe auserlegt.

Kisenvastn-Zcitung.

Tie Einnahmen aus den Betriebsergebnissen bet preußisch-hessischen Eisenbahngemein schast be­liefen sich tm August auf 141 167 000 Alk., das sind mehr gegen den August des Vorjahres 5 722 000 Mk. oder auf ein Kilometer 4232 Alk. (+,128). Davon entfielen auf den Personen- und Gepäck- verkehr 45 033 000 Alk. (+ 449 000), aus den Güterverkehr 87 973 000 Alk. (+ 4 247 000 Mk.). Seit Beginn des Rechnungs­jahres betrugen die Einnahmen 666 409 000 Alk. (+ 2910b 000), oder auf ein Kilometer 20 017 Mk. (+ 403). Tavon entstammen dem Personen- und Gepäckverkehr 214 262 000 Alk. (+ 9441 000), dem Güterverkehr 414 508 000 Mk. (+ 17 971000).

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