Ausgabe 
22.6.1904 Viertes Blatt
 
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fei, als 15 Zentimeter, dann könne es nicht bleHen, denn dann würden Verstopfungen unausbleiblich sein, roeil dann ein Uebergang von einem weiteren Rohr in ein engeres erfolgen müsse.

bleiben wird, so werben diesmal, aller Voraussicht nach Delbjorgen zum Semestralwechsel überhaupt nicht eintreten. Allerdings wird die Reichsbank erfahrungsgemäß aus der Provinz zum Halbjahres­schluß stark in Anspruch genommen, sodaß die Flüssigkeit am offenen Markt nur zn einem Teil die Inanspruchnahme der Bank beschränken kann. Allein unter diesen Umständen ist ein rascher Rückfluß zn erwarten und es eröffnen sich auch gute Aussichten für die Unter­bringung der Reichsschatzanweisungen, deren Begebung demgemäß um so rascher erfolgen dürfte.

Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Geldmarkt und R e i ch s s ch a tz a n w e i s u n g e n. Am internationalen Geldmarkt herrscht nach wie vor große Flüssigkeit. Diese hat auch auf den deutschen Geldmarkt ihren Einfluß ausgeübt. Dazu kommt, daß das Geld der Seehandlung immer noch am Markt kursiert und vor dem. oder 27. ds. Alts, nicht zurückge­zogen wird. Ta aber auch dann noch ein Teil dem Markt ver-

Schiffs nach richten.

Norddeutscher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos Kirchenplatz.

Bremen, 15.Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-SchnellpostdampferKaiser Wilhelm der Große", Kapitän O. Eüppers vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr nachmittags wohlbehalten in Newport angekommen.

Bremen, 15. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Ter Doppelschrauben-PostdampferFriedrich der Große", Kapitän M. Eichel, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ift gestern 1 Uhr nachmittags wohlbehalten in Nework angekommen.

Aus dem Geschüftsteffeil.

Des Hauses Zier ist Reinlichkeit!

Nicht gefälliger kann in jedem Haushalte dem Einlretenden Wahrnehmung die)es Wortes bestätigt werden, als durch die Sauber' feit, durch Den Glanz aller metallenen Gegenstände. Dieses Los der Ordnungsliebe der Hausfrau oder Köchin beginnt oftmals schon am Türschild und die Räume des Hauses erscheinen traulicher, wenn Alles, was aus Gold oder Silber, Aliemde, Kupfer, Messing oder ähnlichem Metall ist, in herrlichem Glanze erstrahlt.

Doch leider schwindet dieser Glanz oft rasch, ober er wird überhaupt nicht vollkommen erreicht, weil mau wohl ein Putz- mittel, nicht aber besonders

Globus Puyextrakt" von Fritz Schulz jr. Akt. Ges. Leipzig verlangt hat. Er putzt am besten. Rasch und mühelos erzielt man damit einen prächtigen, lange andauernden Glanz. Globus-Puiz- extrakt kratzt nicht, greift die Metalle nicht im Geringsten an und ist laut Gutachten von drei gerichtlich vereideten Chemikern frei von allen schädlichen Bestandtellen. Monatlich mehr als 5 Millionen Dosen, gefüllt mit diesem Putzmitlel, tragen seinen Ruhm hinaus in alle Länder der Erde.

Den ivertoollsten Bestandteil des Globus-Putzextrakt, die echte Kieselkreide, erhält die erzeugende Firma Fritz Schulz jun. Akt. Ges. in Leipzig aus ihren eigenen Bergwerken mit Dampsschläminereien, in welch letzteren der Rohstoff bis zur größten Feinheit verarbeitet wird.

Die Billigkeit des Globus Putzextrakt gestattet seinen Gebrauch auch im kleinsten Haushalte.

Freilich giebt es Nachahmungen. Darum verlange man m allen Drogeti- Kolonial- Eisen- Kurzwaren und ähnlichen Hand­lungen nur Globus-Putzextrakt mit Schutzmarke

Globus mit roten Querstreifen."

Vermischte».

* Saarbrücken, 19. Juni. Bei einem Uebungs- marsch, den das 70. Infanterieregiment von hier nach St. Avold ausführte, hatte die Truppe infolge der großen Hitze eine große Anzahl Marode, die wahrend der Nacht nach Saarbrücken transportiert wurden. Es geht bas Gerücht, daß einer von ihnen gestorben fei

* Essen a. Ruhr, 20. Juru. Bei Biderrch wurden große Salzlager entdeckt.

* Gera, 21. Juni. Während eines Gewitters mit Hagel­schlag schlug nachmittags der Blitz in die Kirche des Nachbar­ortes Oberndorf. Die Kirche wurde völlig eingeäschert.

* Flensburg, 21. Juni. TerFleusb. Nordd. Ztg." zufolge ist heute vormittag in unmittelbarer Nähe des Tor­pedoschulschiffesBlücher" beim Manöverieren ein mit 14 Mann besetztes Boot gekentert. 12 Mann wurden gerettet, Unteroffizier Mahnte und Matrose Schnoor sind ertrunken. Tie Leiche des Unteroffiziers ist gefunden. Nach der Leiche Schnoors wird gesucht.

Gerne tat zu ihm bescheiden Ich wie zu dem Heros beten, Wenn nicht alle seine Leiden Sich allein um Eros drehten."

Es ist hoch interessant und lehrreich, in dem Kremnktzs'chen Buche nachzulesen, wie Carmen Sylva sich allmählich entwickelte, als Kind bald liebenswürdig und zärtlich, bald gewalttätig und launisch, so daß ihre englische Kinderfrau von ihr sagte, es sei nichts mit ihr zu machen, wenn derblack dog" (schwarze Hund) in sie kärne^ Wir sehen das so schwer zu erziehende Mädchen unter dem Schmerze über das Siechtum ihres jüngeren Bruders Otto allmählich denblad dog" in sein Inneres verschließen, um den Seinen feinen Kummer zu machen, aber doch niemals des Dämons Herr werden. Wir sehen das junge Mädchen alsRekrut der vornehmen Gesellschaft" am Berliner Hofe, ein lieber junger Gast der Königin, nachmaligen Kaiserin Augusta. Auch ihrem späteren Gemahl, damals Prinzen von Hohenzollern, begegnet dort das Patkind der eben verwitweten Königin Elisabeth, und die Prinzessin stolpert sogar mit ihrer Lebhaftigkeit einmal einige Stufen der Treppe im Schloß herab, direkt in seine hilfe­bringenden Arme. Als acht Jahre später durch Vermittlung des Kronprinzen Friedrich von Preußen der Fürst Carol von Ru­mänien in Köln um ihre Hand anhielt, diente dieser Vorfall zur Anknüpfung des Gesprächs zwischen Beiden. Und dies kurze Gespräch brachte den Fürsten zum Entschluß, seine Werbung vor­zubringen. Tie Mutter war von solcher Eile bestürzt, aber Prinzessin Elisabeth gab ohne Bedenken ihr Jawort, hatte sie doch immer gewünscht, einen ernsten, nach großen Zielen streben­den Fürsten kennen zu lernen, und nun wurde das höchste Ideal ihr im eigenen Gemahl verwirklicht.

Was die Fürstin, später Königin Elisabeth auf dem Thron Rumäniens gewirkt hat, wie mit der Ausreifung ihres Geistes und Charakters ihr dichterisches Talent entwickelte, wie sie als überreich spendende Wohltäterin die Künste in Rumänien förderte, wie sie als Helferin in der Regentenarbeit des Gatten durch Werke der Nächstenliebe, durch neue Entwicklung, namentlich der weiblichen Hausindustrie, das Vertrauen und die Liebe des rumänischen Volkes gewann, ist allgemein bekannt und kann im einzelnenen in dem vorerwähnten vortrefflichen Buche von Frau Dr. Kremnitz nachgelefen werden. E. G.

*) Verlag von E. Haberland, Leipzig, Crusiusstraße 46. 322 Seiten Oktav mit 23 Abbildungen. Preis brosch. Mk. 6.50.

Kerichtslaal.

(L-) Wegen Betruges ist am 24. November v. A. vom Landgericht Gießen der Agent Abraham I. zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte den Verkauf eines Gasthauses in Lollar vermittelt und dem Käufer ver­schwiegen, daß er bei dem Verkauf interessiert fei, dadurch ihr aber zur Bewilligung einer Provision veranlaßt, während er eine solche bereits vom V rkäufer erhalten hatte. Tie Re­vision des Angeklagten, welcher behauptete, ein ehrlicher Makler könne sehr wohl im Interesse beider Kontrahenten tätig )ein, wurde vom Reichsgericht verworfen.

Szegedin, 21. Juni. Vor dem Schwurgericht begann bet Prozeß gegen die Brüder Mladen und Georg Sibul, welche am 5. Januar den Abgeordneten Er emitz in Nagykikinda auf offener Straße ermordeten. Die Angeklagten erklärten Eremitz betrog ihren Vater um sein Vermögen.

Newyork, 21. Juni. 98 Leichen vom Vergnügungs­dampferGeneral Slocurn" wurden gestern geborgen, sodaß jetzt '<30 Leichen geborgen sind; vermißt werden noch 300.

* Brände. Bei einem in Krumaph in Mähren aus­gebrochenen Brande kamen eine Frau und ihre 5 Kinder in den Flammen um. In Fiume (Istrien) wütete ein Riesenbrand, welcher bedeutenden Schaden anrichtete. Ein großes Lagerhaus, vollgefüllt mit Getreide und Kolonialwaren sowie ein Material-Magazin der atlantischen Gesellschaft wurde vollständig eingeäschert. Zwei Dampfer, welche bet dem Magazin verankert waren, fingen Feuer, konnten aber gerettet werden.

* Der Zigeuner Haupt mann Peter mann aus Neu-Weißensee bei Berlin, der in der Altmark einen flotten Pferdehandel betreibt, hat nach derVoss. Ztg." das etwa 50 Hektar große Rittergut Windberge gekauft. Gr will sich dort ständig niederlassen und eine große Pferde- zncht betreiben. Petermann kommt aber nicht allein nach Windberge, sondern mit ihm ziehen etwa 90 Stammes- genoffen mit ihren Kindern auf das Gut ein. Etwa 50 Zigeunerkinder sind in Windberge schon zur Schule ange­meldet, eine große Kckrawane, etwa 50 Wagen, traf bereits auf dem Gute ein, andere Wagen mit den neuen Guts­bewohnern folgen nach.

* Ein ver waister Ehemann zeigt in Nr. 177 derHagenauer Ztg." das Abhandenkommen seiner besseren Hälfte in folgender Form an:Noch nicht dagewesen! Frau entlausen mit 250 Mk. (50 Mk. wurden wieder zurück- gejehidt). Abzuliefern gegen 10 Mk. Belohnung. Vieymarkt- platz 19." Wir müssen gestehen, so bemerkt dazu die Siraßb. Post", daß es leider öfter vorkommt, daß eine Frau einem Manne entläuft und mit mehr als 250 Mk. Das ist allerdings nicht schön, aber es Leigt auch nityt gerade von großer Wertschätzung, für die Ablieferung der Frau nur 10 Mk. zahlen zu wollen. Unter Umständen zahlt man für die Wiederbringung eines entlaufenen Hundes 10 Mk. und noch dazu die Futterkasten, die der Ehemann in diesem Fall ganz vergessen hat. Oder sollte er am Ende gar aus die Frau verzichten und nur die 200 Mk. wieder haben wollen? Das wäre begreiflich, wenn auch nicht besonders edel. Aus jeden Fall aber wünschen wir der Annonce einen guten Erfolg.

* Die Leidensgeschichte einer Königstochter. Die Literatur über die Liebesgeschichte der unglücklichen Prin­zessin Luise von Koburg, die bekanntlich von ihrem Ge­mahl, dem Prinzen Philipp von Sachsen-Koburg und Gotha in der Irrenanstalt Koswig bei Dresden interniert ist, und des ehemaligen östreichischen Ulanenoberleutnants Grafen Geza Mat- tachich-Keglevich ist neuerdings durch eine Broschüre bereichert worden, die eine Ergänzung der von Mattachich selbst verfaßten Memoiren darstellt. Der Autor der Broschüre, der sich hinter dem PseudonymRichard Dahl" verbirgt, hat dort eingesetzt, wo Mattachich es versäumt hat, den Schleier des Geheimnisses von jener Angelegenheit zu ziehen, die ihn in den Kerker brachte, bei der Wechselfälschung. Dahl, der von der Unschuld Mattachichs soweit diese bei der Fälschung des Giros der ehemaligen Kronprinzessin-Witwe Stephanie in Frage kommt durchdrungen ist, führt einen Kampf gegen die östreichischen Be­hörden, die in der Angelegenheit interveniert haben, und ins­besondere gegen den Vertreter des Prinzen von Koburg, den Wiener Hof- und Gcrichtsadvokaten Dr. Bachrach, den er als den Urheber des angeblich an Mattachich verübten Justizmordes bezeichnet. Der die Unterschrift der Kronprinzessin-Witwe Ste­phanie wirklich gefälscht hat? Dahl sagt:Es war der ehe­malige, wegen diverser Lumpereien inzwischen in München ver­storbene Sekretär des Fürsten Ferdinand von Bulgarien, Pfan­ne n ft i e l". Die Wucherer, welche die mit Einwilligung des Prinzen Philipp von Koburg von der Prinzessin ausgestellten Wechsel diskontieren sollten, verlangten das Giro der Kronprinzen m. Da die Prinzessin wußte, daß ihre Schwester zu dieser Unterschrift nicht zu haben sein werde, ließ sie die Unterschrift durch Pfannenstiel, der hierfür mit einigen Tausend Gulden abgelohnt wurde, fälschen. . Mattachich hatte angeblich mit den Wchseln nichts weiter zu tun, als sie im Auftrage der Prinzessin dem mit den Wucherern in Verkehr getretenen Advo­katen Dr. Barber, der sein Rechtsfreund war, zu übersenden.

* Der Hein ft e Mann der Welt will sich verheiraten und hat diesen Wunsch durch die Zeitungen bekannt gemacht. Er bietet der Dame, die er mit seiner Hand beglücken will,ein chönes, glückliches Heinl, einen musterhaften Gatten, viel Geld und im übrigen jegliche Freiheit". Der kleinste Mann der Wett ist ein Amerikaner. Er ist berühmt unter dem Namen .Major Charles Gantz" und wohnt in Fairsield (Iowa). Er wiegt 30 Pfund und ist 18 Zoll hoch. Er ist 39 Jahre alt und dürste daher schwerlich noch weiter wachsen. Sein Vater ift ein wohlhabender Grund­besitzer, und der Sohn hatte den Ehrgeiz, sich ausstellen zu lassen, aber die Eltern widersetzten sich mit Entschiedenheit diesem Wunsche ihres Sprößlings. Der Vater ist ein stattlicher Mann von 6 Fuß Höhe und auch die Mutter wiegt über 150 Pfund. Der Herr Major hat Geld genug, um Weib und Kind unterhalten zu können, und er ersucht alle Damen, die auf ihn reflektieren, ihm ihre Photographien mit Namensunlerschrift und Adresse einzusenden. Der Herr Major teilt ferner mit, daß er ein Tamenfreund ist gleich jedem großgewachsenen Manne, daß er das Herz emes Riesen be- itzt, und daß er bereits zwei Mal m Liebe entbrannt war, daher dieses Gefühl ihm wohlbekannt sei.

Kinder

Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.15. Jahr

Karmen Sylva.

Am 29. D^ember des vergangenen Jahres feierte die Königin Elisabeth von Rumänien ihren 60. Geburtstag. Dem Ernste, der Tatkraft, der hohen Intelligenz und militärischen Tapferkeit seines Königs Karl dankt Rumänien die geachtete Stellung, die es heute unter den Mächten Europas einnimmt. Seiner Königin, der Dichterin Carmen Sylva, dankt das rumänische Volk eine Erhebung zu feineren Sitten, zur Pflege der Künste und Wissen­schaften, eine poetische Verklärung, die ganz wesentlich dazu beigetragen hat, das große Lebenswerk feines ersten Königs zu ergänzen, den Lorbeeren, die Rumäniens Armee auf den blutigen Schlachtfeldern von Plewna errang, die Friedenspalme anzu­reihen, welche das Ehrenzeichen idealer Kunst ausmacht. Die Dichterin Carmen Sylva dankt die vielfachen Huldigungen, die ihr von den edelsten Geistern aller Kulturvölker Europas dar­gebracht wurden, wahrlich nicht dem Königsdiadem, das ihr Haupt schmückt und sie über Millionen anderer Sterblichen hin­aushebt. Wäre Carmen Sylva auch einer bescheidenen bürger­lichen Familie entsprossen, sie hätte sich unter den Sängern ihrer Zett in gleicher Weise als vollwertige Künstlerin von Gottes Gnaden durchgesetzt und zur Geltung gebracht. Und doch lebt, jubelt, klagt und * singt eine fürstliche Seele in ihren Dicht­ungen, doch ist ihre po.tisuw Natur nur aus dem Prmze^chen zu erfassen und su erklären, als das sie unter dem Gloaengeläute der zwölften Mittagsstunde in Wied als das erste Kind des Fürsten Hermann und der Fürstin Marie zu Wied am 29. De­zember 1843 geboren wurde.

Von dieser wunderbar begnadeten Frau, die doch auch auf den sonnigen Höhen ihres Daseins dem Leid und Schmerze ihren Tribut reichlich hat zollen müssen, ift seit Jahrzehnten schon vieles zu ihrer Würdigung gesagt und geschrieben worden. Aber noch nie ist in so anregender Weise, frei von liebe­dienerischer Schmeichelei, die Seele »Carmen Sylvas, diese ihr ganz eigenartige Durchdringung der überaus selbstbewußten Fürstin, der starken Jch-Natur und der allen Regungen der Güte, der Menschenliebe, der Begeisterung sich freudig hingehen­den Dichterin geschildert worden, wie in der kürzlich erschienenen Biographie Carmen Sylvas von Bitte Kremnitz,*) der langjähri­gen Vertrauten und Mitarbeiterin der Königin, mit der sie unter dem Pseudonym Tito und Idem eine Reihe guter und wohlaufgenommener Erzählungen veröffentlichte. Wer üi den Dichtungen der Königin zuweilen starken gedanklichen Aeußer- ungen begegnete, die sich scharf von der Sentimentalität der gekrönten guten Fee abhoben, wer manchmal in den duftigen Rosen, die sie streute, spitze, stechende Tarnen fand, der mußte sich fragen: Woher plötzlich dieser trotzige Kampfesmut in der Frau, die von allen guten Engeln und Geistern durchs Leben getragen wurde? Und gerade diese Frage findet in dem Buche von Mite Kremnitz ihre volle und trefflichere Antwort, sie zeigt uns die zwei Seelen in der Brust der Dichterin, die sich von­einander trennen wollen und in ihrem Zusammenklang erst uns das Wesen der Frau verständlich und dadurch doppelt interessant machen. Tieunversiegbare innere Lustigkeit", mit der Carmen Sylvas früh verstorbener Vater das Wesen seiner Tochter Elisabeth sehr richtig kennzeichnete, und das Bedürfnis, das Sehnen nach Leid, Kampf und Schrecken, das sich aus ihrer Dichterseele losringt und von dem eigenen Ich sagt:

Das gewaltigste Wort, das je Aus Menschenmunde gekommen, Aus welchen Fernen von Weh Hat's durch Nächte geglommen, Aus welchen Tiefen von Dual Ist das Wort schon gedrungen? Von welchem blutenden Pfahl Ward's los wohl gerungen?"

* Danzig, 20. Juni. In Heubude wurde die zehn­jährige Tochter des Zimmermanns Nötzel von einem Manne in den Wald gelockt, der sie dort überfiel. Der Täter wurd^c fpäter ergriffen. Das Mädchen ist schwer verletzt.

* London, 21. Juni Nach einer Lloydmeldung aus Futschau ist der chinesische Dampfe r,,Haeshin" total ver­loren. 4Näheres ift noch nid# bekannt. Man befürchtet schweren Verlust an Menschenleben.

Paris, 21. Juni. In dem Jrrenhause in Bicetre brach gestern abend an fünf Stellen Feuer aus. Die Kranken im Flügel der Gemeingefährlichen konnten nur mit größter Anstrengung gerettet werden. Ter Sachschaden ist ziemlich be­trächtlich. Tas Feuer soll von einem Geisteskranken angelegt wor­den sein, der bereits vor Jahren einen Mordversuch gegen einen Anstaltsarzt verübt hat.

* Paris, 21. Juni. In Nantes stürzte bei dem gestrigen Pferderennen ein Unterleutnant mit feinem Pferde und blieb auf der Stelle tot

* Dreux, 18. Juni. Bei Brezolles (Dep. Eure-et-Loire) stürzte gestern das Automobil des Sohnes des Her­zogs von Audisfret-Pasquier, als es mit einer Geschwindig­keit von 90 Kilometer dahinfuhr, infolge Platzens des Pneumatiks um. Audiffret-Pasquier erlitt schwere innere Verletzungen, an denen er heute vormittag gestorben ift, seinen Mechaniker trifft keine Schuld.

* Wien, 19. Juni Gestern fand in der evangelischen Kirche die Trauung des Göttinger Professors Ru­dolf Meißner statt mit Fräulein Fischer aus Göttingen.

* Durban, 21. Juni Unter den nach Johannesburg unter­wegs befindlichen chinesischen Kulis ist die Schlafkrankheit ausgebrochen. .Auf einem Dampfer allem sollen 40 Fälle vor­gekommen sein.

Das verbindende Element dieser Gegensätzlichkeiten ... ... Seele Carmen Sylvas ist eine berbe Keuschheit, die nichts mit gewöhnlicher Prüderie gemein hat, die sich aber in starkem Widerspruch gegen den Aphrodite-Kultus auslehut, auch da, wo sie einen Genius wie Goethe in diesem Kultus befangen sieht Strachwitz und selbst der burschikose Scheffel waren der stolzen Rheintochter mehr als Goethe, und sie bekannte diese Abneigung offen:

«Landwirtschaft.

Der Zuckerrübenanbau Eu ropas nach der Umfrage der Statistischen Vereinigung: Amtliche Angaben 1903: Deutsch­land 415 586 Hektar, Oesterreich 309100 Hektar, Frankreich 234 260 Hektar, Rußland 535 100 Hettar, Belgien 59 150 Hektar Holland 40 345 Hektar, Schweden 27 378 Hektar, Dänemark 14 000 Hektar, zusammen 1634 919 Hektar. Schätzung der Vereinigung 1904: Deutschlaird 411390 Hektar, Oesterreich 321000 Hektar Frankreich 189 090 Hektar, Rußland 487 233 Hettar, Belgien 45 000 Hettar, Holland 35 856 Hektar, Schweden 24 875 Hektar, Dänemark 14 000 Hektar, zusammen 1528 444 Hettar. In Deutschland haben 5 Fabriken den Betrieb eingestellt, eine Fabrik wird mangels Rüben nicht arbeiten. Den obigen Zahlen sind folgende Bemerkungen hinzuzufügen: Deutschland: In Handels- kreisen rechnet man mit dem gleichen Anbau wie im Vorjahr Oesterreich wird allgemein auf 5 Prozent Mehranbau geschätzt. Frankreich: In diesem Jahr ist der Spekulationsanbau größer denn je. Da Spiritus fallende Preise, Zucker steigende Pretse hat, nimmt man an, daß der Zuckerfabrikation noch ein beträcht­licher Teil Rüben zufallen dürste. Belgien: In Handelskreistn rechnet man auf 10 Prozent Minderanbau. Holland: Anbau in gleicher Höhe wie im Vorjahre. Rußland: Umackerungen aus» gewinterter Getreidefelder dürften den Minderanbau geringer werden lassen.

UötiMÜitzt zikderjicht der ToiesMe mLerSIM Hießen.

19. Woche. Vom 1.7. Mai 1904.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 (inki 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 37,8

nach Abzug von 0 Ortsfremden: 22,68 l7oo.

Summe 20 (8) 14 (7) 4 (1) 2

Anm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Lungen

3(1)

3(1)

_

Tuberkulose der Knochen

1

1

Lungenentzündung

4(1)

3(1)

1

Krämpfen

1

1

Lebeusschwäche

1

1

Altersschwäche

3(2)

3(2)

_

Krebs

4(1)

4 (1)

Empyem

Kl)

1 (1)

Unterleibsentzündung

1 (1)

1 (1)

Ileus

1 (1)

1 (1)