Ausgabe 
22.6.1904 Viertes Blatt
 
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ftattfinbet. Diese geringe Geschwindigkeit bürgt dafür, daß sich die festen Bestandteile ablagern und nicht in die Lahn gelangen. Der Einfluß des Schmutzwassers in die einzelnen Becken wird nitch durch Rechen irgendwie behindert, es wird also nicht so, wie beispielsweise in Marburg das Walser er^'t durch den Rechen durchgeführt. Nach den Erfahr­ungen scheint eine derartige Rechen-Anlage vor dem Einfluß des Wassers in die Becken nicht zweckmäßig, weil durch die Profilverengung eine größere Geschwinndigkeit des Wassers entsteht und die bereits auf der Sohle des Kanals ab­gelagerten Schmutzstoffe sich wieder aufwühlen und sich dem Wasser mitteilen. Dagegen muß an dem Auslauf der Klärbecken ein Rechen angebracht werden, um die Schwimm­stoffe zurückzuhalten und zu verhindern, daß diese Schwimm- stoffe (Papier, Korke usw.) nachher in der Lahn herum­schwimmen. Es ist dies weniger gesundheitsgefährlich, als häßlich, und man muß vor allen Dingen derartige Ein­drücke zu vermeiden suchen. Neben diesen vier Schmutz­wasserbecken liegen zwei Regenwasserklärbecken. Es ist die Einrichtung so getroffen, daß, wenn der Wasserstand in dem Hauptabflußkanal A so steigt, daß die Verdünnung des Schmutzwassers 1:2 beträgt, das überfließende Wasser in besondere Klärbecken gelangt. In diesen Becken kann dann die Geschwindigkeit größer sein, wie in den anderen Becken (sie ist zu 9 i'Rillimeter berechnet und steigt unter Um­ständen bis auf 20 Millimeter), weil in diesen Becken ver­hältnismäßig reines Wasser geklärt werden soll. Diese Becken sind bei normalem Betrieb leer und treten nur dann in Tätigkeit, wenn größere Wassermengen nach den Klärbecken gelangen. Diese Becken, meine Herren, ersetzen hier in Gießen die Notauslässe. J!ch sagte vorhin schon, daß wir sie vermieden haben; wir haben dafür diese Klärbecken an­gelegt, sodaß also tatsächlich in Gießen kein ungeklärtes Wasser in die Lahn kommt. Außer diesen sechs Becken ist noch einmal ein weiteres, höher gelegenes Becken ange- ordnet. Dieses Becken nimmt das Wasser auf, was aus dem Hauvtsammler O kommt, der also die hoch gelegene Gegend der Frankfurterstraße, der Kliniken, entwässert. Diese Vorrichtung ist deshalb getroffen, weil die gesamte Gegend am Seltersberg von dem Hochwasser der Lahn nicht beeinflußt wird. Es ist nicht nötig, das Wasser, was von dort aus kommt, in die Lahn zu pumpen, denn das gesamte Gebiet liegt ja höher, als das in der Alt­stadt, wo bei hohem Lahnwasserstano gepumpt werden muß.

An dem Auslaus ist dann eine Rechenanlage vorge­sehen, und danach gelangt das Wasser in besonderen Ka­nälen nach der Lahn. Wenn das Wasser durch die Klärbecken durchgegangen ist, sp fließt es oben über den oberen Ueberfall über. Das ist das geklärte Wasser. Es fließt durch einen offenen Kanal nach dem Hauptabflußkanal in die Lahn. Neben diesem Ueberfall ist dann eine Schütze angeordnet, durch die man den Ab­lauf nach der Lahn regulieren kann. Diese Schütze geht nicht in die Höhe, wie die gewöhnlichen Schützen, sondern nach unten. Man kann diese Schütze nach unten herunter­lassen und dadurch den Querschnitt des Ueberfalls ver­größern. Dies geschieht hauptsächlich dann, wenn gereinigt wird. Man muß nämlich bei der Reinigung annehmen, daß drei Schichten in diesem Wasser vorhanden sind. Die oberste Schicht des Klärwassers, die ausreichend gereinigt ist, um bireit in bie Sahn geführt werden zu können, bann die zweite Schicht, die nicht so gereinigt ist, um in die Lahn geführt werden zu können, die man dann durch einen zweiten Kanal ab lass en kann. Auch dieser Kanal ist an seinem Einlauf durch eine Schütze abgeschlossen. Wenn nun das obere Wasser, solange es rein ist, abge- 1 [{offen ist, dann wird . bie zweite Schicht dem unteren Äanal zugeführt, wirb von bort nach der Pumpanlage ge- llrracht, die vorn an dem Klärbecken steht, von bort aus gepumpt und zwar wieder an das obere Ende des Klär­beckens. Dieses Wasser wird also dann noch einmal geklärt.

Unter dieser Wasserschicht kommt dann die eigentliche Schlammschicht. Diese Schicht, die ausgeschieden werden Muß, wird durch große eiserne Kessel unter Absaugen von Lust angesaugt und aus diesen Kesseln dann nach den r ck)larnn: decken gebrecht. D>e Schlanimbecke.i stellen Flächen dar, auf die der Schlamm abgelagert wird, und da der Schlamm einen sehr üblen Geruch verbreiten würde, jso wird der Schlamm kompostiert, zweckmäßig mit Straßen- Üehricht, und darüber wird dann gelöschter Kalk gestreut. Das ist ein Verfahren, was zweckmäßig erscheint, weil die kompostierte Acasse dann im Frühjahr von der Land­wirtschaft gern aufgenommen wird zur Düngung der Felder. Ein vollkommeneres Verfahren haben wir neulich in Kassel gesehen. Dieses Verfahren besteht darin, daß aus dem Schlamm die Fettstoffe, die sehr reichlich barm vor- Ljanbcn sind, ausgeschieden und zu allen möglichen Sachen verarbeitet werden, wie beispielsweise zu Schmierfett. Es sieht auch gar nichts im Wege, aus diesen Schmutzstoffen Margarine zu machen (Heiterkeit). Aber ich gebe zu, daß das allerdings nicht sehr appetitlich ist, umsoweniger, als diese Fabriken einen außerordentlich penetranten Geruch verbreiten. Es werden also diese Fettstoffe ausgeschieden, nutzbar gemacht und aus den noch verbleibenden Rück­ständen eine Art Kuchen gebacken, der als Dungmittel im Frühjahr der Landwirtschaft leichter abgegeben werden kann, wie dies bei den selbst getrockneten Schlammassen der Fall ist. Auf diesem Wege wird also tatsächlich der Schlamm, der aus der Stadt abgeleitet wird, auf eine verhältnismäßig vorteilhafte Weise wieder nutzbar ge­macht, vorteilhaft insofern, als keine besonderen Kosten daraus entstehen. Die Stadt wird allerdings einen direkten (Veldvorteil nicht daraus ziehen können. Immerhin ist dann ein Mittel .gefunden, um den Verkauf des kompostierten Schlammes an die Bauern zu ermöglichen.

Ich habe noch bei der Beschreibung der Kanäle vorhin vergessen zu bemerken, daß der Klingelbach ebenfalls in bie Entwässerung der Stadt Gießen mit ausgenommen worden ist. Sie wissen, daß der Bach seither durch Bau- a imitiere geflossen ist. Dieser Zustand sollte schon feit Jahren beseitigt werden. Es sind auch ftüher schon Ent­würfe aufgestellt, aber zweckmäßig schien es, damit bis zmr Ausführung der Kanalisation zu warten, und den Klingelbach als Teil des Kanalisationssystems mit auf» znmehmen. Er wird in die Bismarckstraße gelegt und dient gleichzeitig zur Aufnahme des Regenwassers int dortigen getrennten System. Das Regenwasser fließt in den Klingel- ö,ech din und wird von ihm nach der Wieseck abgeführt. Die Schmutzwasserkanäle sind getrennt worden, damit bie Musanschlusse nicht durch den Klingelbach durchgeführt noerden mußten, während so auf jeder Seite das Schmutz- lwasser der betr. Häuser leicht ab geführt werden kann. Auf diese Weise sind zwei Fliegen mit einer Klappe ge­schlagen worden, es ist einmal der unschöne Klingelbach c^seiligt und in die Straße gelegt und andererseits dient eui als Teil des Entwässerungssystems.

Ein interessantes Bauwerk ist ferner der große Schnee­schacht, der hier au ck tn den letzten Wochen zur Ausführung

gekommen ist und den Sie wohl am Kreuzplatz gesehen haben werden. Die Schneeschächte einer Kanalisation haben die Aufgabe, bei starken Schneefällen den Schnee, der auf der Straße zusammengefahren wird, aufzunehmen. Der Schneeschacht befindet sich in unmittelbarer Verbindung mit dem Kanal. Der Kanal hat eine Abzweigung nach der Seite, und diese Abzweigung ist ausgebaut zu einem besonderen Schacht. Wennn nun bei starken Schneefällen der Schnee in den Schacht hin ein geworfen wird, so tommt er vor allen Dingen aus ber kalten Luft außen in die warme Kanalluft. Er wirb also schon deshalb schmelzen. Aber außerbem wirb bas Kanalwasser durch Abschluß eines Schiebers durch den Schneeschacht selbst hindurch- geleitet Es wird also das warme Kanalwasser in Ver­bindung gebracht mit dem Schnee, also ein weiteres Mittel, um das Schmelzen des Schnees zu beschleunigen. Hier­durch werden die großen FuhrLosten, die sonst notwendig sind, um den Schnee zu entfernen, möglichst verringert. Der Schnee wird in dem Kanal selbst aufgezehrt.

Die einzelnen Schächte, wenn ich noch darauf zurück­kommen sollte, haben Sie ja teils in der Ausführung ge­sehen. Dies ist nicht so wesentlich, um bei der Kürze der Zeit noch näher darauf einzugehen. Dagegen glaube ich, daß es zweckmäßig wäre. Sie noch auf die Kanalquer­schnitte hinzuweisen. Sie sehen hier (hinzeigend) die Quer­schnitte der gemauerten Kanäle; zuerst den großen Kanal, das ist der Hauptablaßkanal nach der Kläranlage, dessen Querschnitt ist ein sogenanntes gedrücktes Eiprofil, das heißt es ist kein vollständiges Eiprofil, sondern es ist etwas niedriger, als das normale Eiprofil sein sollte. Die anderen, kleineren Kanäle haben normale Eiprofile. Es sind dies die gemauerten Kanäle. Außer diesen kommen dann noch Touröhren von 50 Zentimeter Durchmesser ab­wärts bis 20 Zentimeter zur Verwendung. Ferner sind die Regenlanäle zum Teil aus Zementröhren hergestellt und zwar bis zu 90 Zentimeter Durchmesser.

Die Spülung der Kanäle ist ein wesentliches Mittel, um den Kanalbetrieb sorgfältig zu gestalten. Es wird hierzu benutzt das Wasser der Lahn, bann das Wasser des Stadtringgrabens ünb das Wasser der Wieseck. An geeigneten Stellen werden Vorkehrungen getroffen, um dieses Wasser in die Kanäle einzuführen, es dort anzu- ftauen, sodaß ein Druck im Kanal entstelü- Dann werden die sogenannten Spültüren plötzlich geöffnet und das Wasser strömt mit großer Gewalt und großer Geschwindig­keit durch die Kanäle durch, auf diese Weise alle etwa abgelagerten Schmutzstofse mit sich fortreißend. Außerdem kann man aber bie Spülung dadurch Hervorrufen, daß man das Kanalwasser an und für sich ohne besondere Ein­leitung von anderem Wasser staut unb schon dadurch Spül­wirkung erzielt. Ist das alles nicht möglich, so muß das Wasser der Wasserleitung, das vorher anders verwendet werden kann, zu Spülzwecken dienen. Man kann beispiels­weise die Abwässer von Springbrunnen dazu benützen.

Eine besondere Einrichtung ist in der Altstadt dadurch getroffen, daß, weil alle dort befindlichen Kanäle einer besonders eingehenden Spülung beoürfen, auf dem Höhen­rücken der Altstadt ein besonderer Spülkanal angelegt ist, der durch die ganze Altstadt zieht, sein Wasser von dem Stadtringgraben empfängt, hoch liegt und dadurch ermög­licht, daß alle die anderen Kanäle mit dem von ihm mitgeführten Wasser gespült werden.

Die Lüftung der stonäk erfolgt im wesentlichen durch bie Kanalschächte in den Straßen. Es sinb da guß­eiserne Deckel mit Lüftungsschlitzen angeordnet, aus denen der Kanaldunst jederzeit austreten kann. Außerdem aber erfolgt bie Lüftung burch bie Hausinstallationen, unb damit komme ich zu dem letzten Punkt meiner Ausführ­ungen, der Sie ja alle ganz besonders interessiert.

Die Mfallröhren in den Häusern werden nämlich über Dach geführt und unten an die Kanäle angeschlossen. Sie bilden dadurch gewissermaßen einen Schornstein, in wel­chem die Kanalluft nach oben steigt unb bort über bie Dächer in bie Luft entweicht. In gleicher Weise bienen die Regenabfallröhren ber Kauallüftung. Auch biefe sollen in den meisten Fällen bireft mit bem Kanal öerbunben werben, sodaß auch hier bie Känalluft burch bas Rohr wie durch einen Schornstein austreten kann und oben über bem Dach entweicht. Diese Lüftung ist bann nicht möglich, wenn über bem Regenkanbel bewohnbare Räume (Mansarden) liegen. In diesem Falle müßte die Kanalluft in die Mansarde gelangen, was aus gesund­heitlichen Gründen nicht zulässig wäre.

Die Hausinstallationen selbst, m. H.!, sind ein un­geheuer wichtiger Teil der ganzen Entwässerungsanlage. Wenn Sie die schönsten Kanäle in die Straßen legen, und die Hausinstallationen werden aus Gründen falscher Spar­samkeit mangelhaft ausgeführt, so nützt die ganze Kanali­sation in gesundheitlicher Beziehung gar nichts. Die Haus­installationen sind doch die Teile der Entwässerung, die die eigentlichen Schmutzwässer in erster Linie in sich auf­nehmen. Zuerst kommen alle die Schmutzstofse mit der Hausinftallation und ihren Einrichtungen in Berührung, und durch di- Hausinstallation werden sie erst in die Kanäle eingeleitet. Wenn also eine Hausinstallation undicht ist und infolge ihrer Undichtigkeit Schmutz austreten kann oder aber wenn die Mussen ber Abfallröhren undicht sind und dadurch die Kanalgase nicht über dem Dach austreten, sondern in der Wohnung selbst und dort diesen unange­nehmen süßlichen Geruch verbreiten, bann sind derartige Zustände in gesundheitlicher Beziehung in höchstem Grade bedenllich. Deshalb ist es von besonderer Wichtigkeit, auf die Hausinstallationen ganz besonderen Wert zu legen, so schmerzlich dies auch für bie Hausbesitzer ist.

Hier in Gießen ist in dieser Beziehung ein Ortsstatut fertig gestellt unb liegt, soviel ich weiß, bem Kreisamt vor. In diesem Statur ist nichts verlangt, was nicht un­bedingt notwendig wäre. Es sind keine zu großen An­forderungen an die Hausbesitzer gestellt, sondern es ist nur das alleruotwendigste ausgenommen. Das wesentliche bei ber Hausinstallation ist nun, daß bie Schmutzstofse, bie Fäkalien, in guten geeigneten Apparaten ausgenommen weiden, bie gegen das Kanalrohr durch einen Wasser- Verschluß abgeschlossen sind. Dieser Wasserverschluß ist notig, um das Austreten ber Kanalgase aus den Aus­güssen und aus den Aborten zu verhindern. Die Fall- röi/ren selbst, sowohl für die Schmutzwäfter aus den Küchen, wie für bie 'Abgänge aus den Abtritten müssen aus Guß­eisen hergestellt werben, ba nur bas Gußeisen unb von diesem auch wieber nur besonbere Röhren sich wirklich gut dichten lassen. Die Dichtungen müssen gewissenhaft aus­geführt werden, und zwar dadurch, daß die Mussen erst mit einem Teerstrick ausgestemmt und dann mit Blei ver­gossen werden. Dann ist wesentlich, daß bie Röhren, die nachher nach der Straße gelangen, soweit sie unter bem Keller liegen, auch aus Gußeisen, nicht aus Steinzeug be­stehen. Das Steinzeugrohr kann erst ansangen außerhalb

des Hauses, wo eine Schädigung des Hauses selbst durcy ausströmen de Gase nicht mehr in dieser Weise zu be- sürchten ist.

Ueber bie Lüftung habe ich bereits gesprochen und bemerkt, daß die sämtlichen Fallröhren über Dach geführt werden müssen. Einerseits ist bas ein Vortell für die Ka­nalisation, andererseits aber auch für die Hausinstallation, weil die warmen Kanalgase bis unter bie Wasserverschlüsse emporsteigen und im Winter bas Einfrieren der Wasser­verschlüsse verhinbern. Sämtliche Eingüsse müssen selbst­verständlich, da sie mit Wasserverschlüssen versehen sind, auch eine Wasserzuführung haben. Es muß also üoer jedem Ausflußbecken ein Hahn sein, aus dem das Wasser in den Kanal geleitet werden kann, wodurch) die Wasserverschlüsse zur richtigen Zeit immer wieder gefüllt werden. Ebenso müssen bei den Abtritten besondere Spülkasten angelegt werden. Es ist nicht angängig, bie Wasserleitung in un­mittelbare Verbindung mit den Abtrittsbecken zu bringen, also z. B. durch die sogen. Kiappenklosetls und wie sie alle heißen. Die W-asserleitung muß vollständig getrennt von dem eigentlichen Kanalrohr in einen Spülbehälter ausmünden, weil sonst die Gefahr besteht, daß unter Umständen ein Rücksaugen des Schinutzwassers in die Waiserleitung er­folgen könnte und damit Erkrankungen sehr leicht hervor­gerufen würden.

Dann dürfen die Rohren bei ihrem Ue&ergang von dem HauS nach dem Kanal nicht in engere Rohren über­gehen, sondern in weitere Rohren. Das sind die wesent­lichsten Punkte, die bei den Hausinstallationen befolgt werden müssen.

9hut ist die Frage. Mr haben doch schon Installa­tionen seither gehabt; ist es nun unbedingt notwendig, daß wir alle unsere Hausinstallationen herausreißen und neue anlegen, die für die Kanäle geeignet sind? Im all­gemeinen ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil, es soll unbedingt bei bem Anschluß der jetzt vorhandenen Haus­ans chlüsse an das Kanalnetz das größtmöglichste Entgegen­kommen den 5zauAbesitzern gezeigt werden; denn nur da­durch ist es möglich, die Kanalisation allgemein und rasch zur Einführung zu bringen. Undichte Rohre dürfen selbst­verständlich nicht vorhanden sein; deshalb wird jede ein­zelne Leitung vorher geprüft werden, ob sie dicht ist. Es dürfen außerdem keine Röhren eines größeren Quer­schnittes in einen engeren Querschnitt in ber Richtung des Abflusses übergehen. Dann dürfen auch Tonabfall­röhren im allgemeinen in Zukunft nicht mehr zur Ver­wendung kommen. Aber im übrigen kann man, was bie Verwendung der einzelnen Röhren anbetrifft, bei Um­gestaltung der vorhandenen Anlagen möglichst entgegen­kommend sein. Etwas anderes ist es natürlich) bei Neu­bauten. Da müssen die Vorschriften, wie sie erlassen sind, voll zur Älnwendung kommen unb es darf Nachsicht nicht geübt werden.

Aber, m. H.!, wenn auf diese Weise im Anschluß an die Neukanalisation auch die Hausanschlüsse in dieser zweck­mäßigen und im Interesse der Gesundheit liegenden Weise ausgeführt werden, dann können Sie annehmen, daß die zweifellos großen Kosten, welche die Kanalisation einer Stadt auferlegt, zum Heil ber Stadt ausschlagen, unb daß bie Stadt Gießen, der geistige und der Handelsmittel­punkt von Oberhessen, auch durch die Neuanlage der Ka­nalisation eine weitere Forderung in ihrem gedeihlichen Fortschreiten erfährt. (Lebhafter Beifall.)

Oberbürgermeister M e e u m stattete hierauf dem . Vortragenden für seine lichtvollen unb allgemein ver- stänblichen Ausführungen den Dank ber Versammlung ab unb machte barauf aufmerksam, daß Herr Oberbaurat Schmick sich bereit erklärt habe, etwaige, aus ber Mitte ber Versammlung an ihn gerichtet werdenbe Fragen zu be­antworten.

Oberbaurat Schmick: Es ist eben bie Frage an mich gerichtet worden, wie es mit denjenigen Kellern steht, in bie gegenwärtig bei verschiebenen Lahnwasserstänben Grundwasser einbringt. Es ist bas eine Frage, die in Ver­bindung steht mit den Ausführungen über Grundwasser, die ich vorhin gemacht habe. Ich habe gesagt, daß das Gruiidwasser in den tief gelegenen Teilen der Altstadt bei dem gemeinsamen System nicht in die Kanäle geführt werdeii wird. Andererseits aber sind in den Straßen die Kanäle ausgeführt, und um diese Straßenkanäle herum ist durchlässiges Material eingebracht, auch unter den Ka­nälen ist vielfach Kies eingebracht worden. Das ist des­wegen geschehen, um in den Baugruben später, wenn die Gruben selbst zugefüllt sind, auch außerhalb ber Kanäle unb ben Kanälen entlang bas Grundwasser abzuführen. Durch diese Vorrichtung wird der Grundwasserspiegel über­haupt gesenkt, und in Zukunft wird der Lahnwasserstand nicht mehr den Einfluß auf das Grundwasser ber Alt­stadt haben, wie seither. Anbererseits sind aber einzelne lehr tiefe Keller vorhanben, bie jetzt bei Hochwasser ber Lahn überflutet werden unb bie so tief sind, daß man das gesamte Kanalisationsnetz unmöglich nach diesen ein­zelnen Kellern einrichten konnte. Hätte man dies getan, bann hätten die Kanäle sehr viel tiefer kommen müssen, unb bas hätte außerordentlich größere Kosten verursacht. Andererseits aber auch wäre die Ausmündung in bie Lahn tiefer erfolgt, und es hätte nicht an 106 Tagen durch­schnittlich, sondern an sehr viel, mehr Tagen gepumpt wer­ben müssen. Für einige Keller, die jetzt auch ihr Wasser nicht los werden können, das gesamte Kanalisationsnetz so zu verteuern, ist undenkbar. Es wird also auch in Zukunft einzelne Keller geben, bie bei Hochwasser über­flutet »verden; aber dieses Wasser kann dann bei fallendem Lahnwasser abgeführt werden und zwar in die Kanäle. Die Kellerentwä>ser-ung kann in die Kanäle erfolgen, wenn bie Sohle nicht unter der Kanalsohle liegt. Es werben Rüch'tauilappen eingebracht, sodaß ba» Wasser aus ben Kellern in bie Kanäle rann, aber nicht umgekehrt aus ben Kanälen in bie Keller. Diese Rückstauklappen, die auch im Ortsstatut vorgesehen Jinb, müssen aus Schiebern be­stehen, die aber nicht selbsttätig wirken, sondern Mge- schraubt werden müssen. Dadurch wird verhindert, daß ein Rückstau aus dem Kanal in ben Keller erfolgt. Wenn nun ein Keller so tief liegt, baß auch bas nicht möglich ist, bann muß in dem Keller eine kleine Hebung des Wassers ftattfinben. Das Wasser wirb also aus den Kellern in den Kanal hineingehoben. Das wird aber nur in ganz wenigen Fällen notwendig werden. Im allgemeinen wird durch die Anlage der Kanalisation in den meisten Fällen die Entwässerung der Keller mit herbeigeführt.

Stadtverordneter Lober: Es herrscht hier eine gewisse Unklarheit darüber, ob, wenn Rohren bestehen in einem Durchmesser von 15 Zentimeter, ein weiteres An- chlußrohr gemacht werden kann.

Oberbaurat Schmick beantwortet diese Anfrage dahin, baß ein bestehendes Rohr bleiben kann, voraus­gesetzt, daß es dicht ist. Wenn aber das Hausrvhr weiter