München, 21. Ium. Die Kammer der Abgeordneten setzte heute die Beratung des Artikels 4 des Lokalbahngesetzes fort, der Tariferhöhung en für Lokalbahnen vorsieht. Von den Rednern aller Parteien wird e§ bedauert, daß Tarifzuschläge für Lokalbahnen nötig sind, und daß die Regierung nur die Wahl lasse, entweder den Zuschlägen zuzustimmen oder auf das ganze Lokalbabngesetz mit allen seinen neuen Lokalbahnen zu verzichten. Minister Frhr. v. Podewils führt aus, daß ohne Tarifzuschläge die Fortführung des Lokalbahnbaues allerdings unmöglich sei.
Karlsruhe, 21. Juni. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer kam das Kultusbudget bezw. eine Interpellation über die Ordensniederlassungen in Baden zur Verhandlung. Hinsichtlich des § 2 des Jcsuiten- gesetzes stehe die badische Regierung auf dem Standpunkte, den der Reichskanzler im Reichstage und im preußischen Landtage dargelegt habe. Die Aufhebung sei eine Maßregel gewesen, geboten durch die politische Situation. Baden sei bei irgendwelchen Gefahren durch Landesgesetz geschützt. Was die Klosterfrage betreffe, so stehe die Regierung bezüglich der Bedingungen, unter denen Klosterniedcrlaffungen zuzulassen seien, mit der Kurie in Verhandlungen, welche sich noch in vorbereitendem Stadium befänden und über die er sich nicht äußern könne. Im übrigen verwies der Ministerpräsident, daß in den letzten drei Landtagen mit großer Majorität der Forderung nach Männerorden zugestimmt worden sei. Er erkenne zwar nicht an, daß ein Kammerbeschluß für die Regierung bindend sei, aber man sollte nicht außer Acht laffen, daß die Anschauung einer Majorität nicht unbeachtet gelaffen werden könne. Die Regierung habe zu erwägen, ob die Verhältniffe für die Niederlassung einiger Klöster sprächen. Er könne nur wiederholen, daß die Regierung sich bemühen werde, die Klosterfrage einer befriedigenden Lösung zuzuführen.
Zum Kolonialfeldzug.
Die portugiesische Regierung soll sich jetzt einer Verständigung mit Deutschland über die beiderseitige Stellung von G'renzwachen am DTal» vango geneigt zeigen. Damit märe ein für die Bewältigung des Aufstandes in Südwestafrika nicht unwesentlicher Fortschritt angebahnt. Es würde den Hereros unmöglich "gemacht, auf portugiesisches Gebiet z-u flüchten, und den Ovambo, deutschen Boden zu betreten, zwecks Unterstützung der Herero. Die Last der Grenzbewachung freilich, darüber kann kein Zweifel sein, würde in der Hauptsache den Deutschen zufallen, weil Portugal zu einer wirksamen militärischen Machtentfaltung gar nicht in der Lage ist. Ovambo wie Herero wissen sehr wohl um di? Ohnmacht her portugiesischen Landeshoheit in Angela, und es ist durchaus wahrscheinlich, daß man in Lissabon, mehr der Not gehorchend, als dem eigenen Trieb, in eine Vereinbarung mit Deutschland willigt. Doch die Frage der Grenzbewachung mag jetzt oder später ihre Erledigung finden, sie schließt auf jeden Fall die Notwendigkeit einer stärkeren militärischen Besatzung des Schutzgebietes in sich. Mit den Herero in der Mitte, den Ovambo im Norden und den Bondelzwarts im Süoen ist die Sicherheit und friedliche Entwickelung Deutsch-Südwestafrikas nur gewährleistet durch dauernde Garnisonierung imd angemessene Verteilung einer imponierenden bewaffneten Macht. Man könnte auf die nach Niederwerfung d"s Aufstandes in Aussicht genommene Entwaffnung der Herero Hinweisen. Doch es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, anzunehmen, den Herero würde jede Möglichkeit, erneut in den Besitz von Waffen zu gelangen, abgeschnitten werden. Es dürfte diesen verschlagenen Gesellen auch in Zukunft nicht schwer fallen, englische Gewehre zu erhalten. Eine verläßliche Kontrolle deutscherseits ist undurchführbar. General v. Trotha Hut jedenfalls gut daran getan, auf längeres Verbleiben in Südwestafrika sich einzurichten. In kolonialen Kreisen glaubt man, daß der General an der Erfüllung des ihm erteilten speziellen Auftrages sich nicht genügen lassen wird, sondern seinerzeit ein auch den Ausbau der Schienenwege enthaltendes Programm (>• 1 ffend die Zukunft Deutsch- Südwestafrikas vorlegen wird.
Wie verlautet, Zollen im Laufe der Monate Juli und August 1600 Mann an weiteren Verstärkungen nach Deutsch-Südwestafrika entsandt werden. Die neuen Verstärk- -ungen sollen aus berittener Infanterie, Artillerie und einer Signalabteilung bestehen.
Die neueste Verlustliste ergibt noch den Tod von 10 Mann an Krankheiten, meist Typhus und Herzschwäche, und von zwei Mann, die Verwundungen erlegen sind. Im ganzen bat der Aufstand bis jetzt 275 Opfer gefordert: 00, die von den Aufständischen ermordet wurden, und 185 Militärs. Gefallen oder Verwundungen erlegen sind 17 Offiziere (darunter zwei Hauptleutei und 123 Mann, an Krankheiten während des Feldzuges gestorben: ein Offizier und 14 Mann.
Die Deputation der südwestafrikanischen Ansiedler, die bestimmt darauf gerechnet batte, noch während der Kieler Woche vom Kaiser empfangen zu werden, wird, wie verlautet, erst nach Beendigung der Kieler Regatta in Berlin zur Audienz b"foblen werden.
Der „Derl. Lokalanz" meldet aus Okah an dja: Gouverneur Leutwein traf gestern vormittag hier ein und wurde von Generalleutnant v. Tr o tb a, der ibm mit seinem Stabe entgegengeritten war, berzlichft empfangen.
Deutsches Deich.
Berlin, 21. Juni. Der Kaiser bat dem Staatssekretär des Reichspostamts die Anerkenmmg für die Einrichtungen der Post auf der ©aalbürg beim Gordon-Bennett- Rennen ausgesprochen. Staatssekretär Krätke teilt dies jetzt seinen Beamten durch einen Erlaß mit.
Dortmund, 21. Juni. Bei Gelegenheit des achten westfalischen Landgemcindetags hier empfahl der Regierungspräsident von Arnsberg, Freih. von Coels, den Gemeinden, rechtzeitig ausreichenden Grundbesitz zu erwerben. Es sei nicht richtig, dann erst Grundstücke für die Gemeinde an- zukaufen, wenn das Gebiet bebaut werden solle. Besonders sei ein solches rechtzeitiges Vorgehen im hiesigen Jndustrie- bezirk sehr zu empfehlen, doch auch in rein ländlichen Bezirken schade es durchaus nicht, Grund und Boden seitens der Gemeinden anzukaufen. Die Gemeindeglieder würden sich später sicher dyn Da.ik der Gemeinde erwerben. Wenn eine Gemeinde mit einem Grundbesitz zur rechten Zeit mit eingreife, um die Wohnungsfrage zu lösen, dann treibe sie ge
sunde Bodenpolitik ohne die Klinke der Gesetzgebung in Tätigkeit gesetzt zu haben. — In neuerer Zeit haben die Gemeinden im hiesigen Jndustriebezirk größere Grundstücke zur Anlage von V olksparks erworben oder zur Errichtung von Heilstätten, aber weniger um der ungesunden Bodenspekulation entgegenzutreten.
Düsseldorf, 21.Juni. Heute fand hier die 22. Generalversammlung des rheinischen Vereins zur Förderung des Arbeiter-Wohnungswesens statt. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete ein vom früheren Präsidenten der Generalkommission der Rheinprooinz, Wirkl. Geh. Regierungsrat Küster, ausgearbeiteter Gesetzentwurf, betreffend Umlegung von Grundstücken zur Erschließung von Baugelände und Bildung geeigneter Baustellen in der Rheinprovinz. Der Gesetzentwurf lehnt sich an die für die wirtschaftliche Zusammenlegung von Grundstücken geltenden gesetzlichen Bestimmungen an und sieht als Organ die Umlegungskommission und die Generalkommission der Rheinprooinz als entscheidende Instanz vor. An die Rede des Geheimrats Küster knüpfte sich eine lebhafte Er- örtenmg, in der besonders Oberbürgermeister Adickes- Frankfurt die Einsetzung der Generalkommission als entscheidende Instanz bekämpfte. Das hieße das Ministerium für Landwirtschaft zur entscheidenden Instanz für die Städteerweiterung zu machen. Die Versammlung beschloß, den Entwurf mit den in der Erörterung geäußerten Bedenken dem Staatsministerium mit der Bitte um geeignete Gesetzgebung vorzulegen. Im weiteren Verlauf der Versammlung sprachen der Vorsitzende der rheinischen Feuer-Sozietät, Dr. Brandts, sowie Rechtsanwalt Dr. Hinsberg-Düsseldors über die Notwendigkeit der Gründung einer Bank für zweite Hypotheken.
München, 21. Juni. Der vereinigte erste und zweite Ausschuß der Kammer der Reichsräte lehnte einstimmig das Wahlgesetz ab, ebenso den Antrag Moy, betr. das Wah lrecht der Geistlichen.
Ausland.
London, 21. Juni. Aas Reuterschc Bureau meldet aus Mombosa: Der Kommissar des Ostafrika-Protektorat s,Sir Charles Eliot, legte seine Stelle nieder. Er richtete an Balsour eine Depesche, worin er eine öffentliche Untersuchung über die Umstände verlangt, die zu seinem Rücktritt führten. .Eliot versichert, der Minister des Aeußeren habe ihn angewiesen, Landkonzessionen an bestimmte Privat-Per- sonen zu verweigern, gleichzeitig aber dem Ostafrika-Syndikate ein Landesmonopol zu unverhältnismäßig vorteilhaften Bedingungen zu gewähren. Diese Anweisungen habe er sich auszuführen geweigert,, da er sie für ungerecht und schädlich halte.
Paris, 21. Juni. Die Kommission zur Untersuchung der Karthäuser-Angelegenheit vernahm heute Millerand. Im 'weiteren Verlaufe ereignete sich ein sehr bemerkens- werterZwischensall. Die antiminifterielle Mehrheit äußerte die Absicht, die Kammer sofort mit der Prüfung der Widersprüche zwischen den Aussagen Lagraves und Edgar Combes zu befassen. Ties rief große Erregung hervor. Die Minderheit verließ den Sitzungssaal. Der Zwischenfall war von unglaublichen Szenen begleitet. Ms ein Mitglied der Mehrheit einem der Minderheit das Wort Bandit zurief, entstand ein Handgemenge. Tintenfässer flogen d u r ch "d i e L n f t und Schläge wurden ausgetauscht. Erst nach mühevollen Anstrengungen, welche die Mitglieder machten, die ihre Kaltblütigkeit bewahrt hatten, gelang es, die Streitenden zu trennen.
Lissabon, 21. Juni. Die amerikanische Regierung hat Schritte unternommen, die Insel Flores, welche zu den Azoreninseln gehört, zu erwerben. Sie soll als Landungspunkt eines amerikanischen Kabels sowie zur Errichtung eines Kohlendepots dienen.
Madrid, 21. Juni. Die Polizei verhaftete gestern abend einen Mann, der die Absicht ausgesprochen haben soll, den Ministerpräsidenten M a u r a zu töten.
Rom, 21. Juni. (Kammer.) Bei Beratung des H e eres- bud g e t s führte der Ministerpräsident aus, seit Verabschiedung der Gesetze von 1901, welche die Heeresausgaben festsetzten, trat nicht nur keine Tatsache ein, die eine Erweiterung der Landesverteidigung notwendig mache, man habe sogar im Gegenteil Bündnisse und Freundschaftsverhältnisse enger geknüpft. Nicht mit Rücksicht auf die Wahlen habe daher die Regierung keine neuen Aufwendungen für Militär gefordert, sondern weil sie keine Notwendigkeit dazu habe.
Bern, 21. Juni. Der Nationalrat bewilligte einstimmig und ohne Diskussion 890000 Franken für eine Minenanlage behuss militärischer Sicherung des Simplontun- n e ls.
Konstantinopel, 21. Juni. Nach Konsularberichten aus Armenien geht dort alles d r u n t e r u n d d r ü b e r. Die letzten Meldungen sprechen von 40 e i n g e ä scher te n Dörfern. Die Kurden morden alles, was ihnen vor die Klinge kommt. Die Truppenbefehlshaber entschuldigen die Vorgänge bei den Konsuln damit, daß sie nicht genügend Mannschaften hätten. Der französische und englische Botschafter protestieren gegen die Untätigkeit der Behörden bei der Pforte.
Chicago, 21. Juni. In dem hiesigen Kolosseum wurde heute der republikanische Nationalkonvent eröffnet. Der stellvertretende Vorsitzende, der bisherige Kriegsminister Root, führte aus, die gegenwärtige Regierung habe die öffentliche Schuld verringert, einen wirksamen Fortschritt in der Regelung des Trustwesens erzielt, das Geschästsleben gefördert, die Landwirtschaft vorwärts gebracht, die Flotte ausgebaut, das Heer reorganisiert, den Philippinen eine Zivilverwaltung gegeben, in Kuba eine Republik errichtet, welche mit den Vereinigten Staaten durch die Bande der Dankbarkett und durch das Interesse der gemeinsamen Verteidigung verbunden sei, einen offenen Weg quer durch den Isthmus erschlossen, die Monroedokttin gestärkt, den Alaska-Grenzstreit beendet, die Integrität Chinas beschützt, dem Handel weitere Türen geöffnet, das Schiedsgerichtsprinzip zur Geltung gebracht und den Frieden unter den Nationen gefördert. Indessen habe die Regierung die Streitkräfte vermehrt, die Flotte auf einen hohen Grad der Schlagfertigkeit gebracht und Heer und Marine in der Küstenverteidigung wie in den strategischen Aufgaben überhaupt geübt. Es müsse noch eine Regelung des T r u st w e s e n s erfolgen; ferner könnte jetzt der Zolltarif eine Revision erfahren, toelcbe von den Freunden des Schutzzollsystems durchzuführen wäre. Ms Europa fürchtete, daß der o st a s i a t i s ch e Krieg sich ausbreiten, und den Zusammenbruch Chinas und einen allgemeinen Kampf herbeiführen könnte, da sei es Amerika gewesen, an welches der begabte, weitblickende deutsche Kaiser sich wandte, daß es die Führung übernehme, um eine Vereinbarung über die Begrenzung des Gebietes der Feindseligkeiten und die Bewahrung der administrattven Wesenheit Chinas außerhalb der Mandschurei zustande zu bringen, und dies sei auch erreicht worden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 22. Juni 1904.
** Die Stadtauflage unserer heutigen Nummer bringt in einer besonderen Beilage — 4. Blatt — einen stenographischen Bericht von dem kürzlich hier von Oberbaurat Schmick gehattenen außerordentlich beachtenswerten Vortrage
über die Kanalisation der Stadt Gießen. Auswärtige Leser unseres Blattes können, soweit die Auflage e§ zuläßt, den Vortrag von unserer Geschäftsstelle beziehen.
L. U. Der außerordentliche Professor an unserer Landes- Universität Dr. Joseph Wellstein hat einen Ruf als außerordentlicher Professor an die Universität Straßburg erhalten und angenommen.
** Personalien. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Lollar, Friedrich Weinrich, August Titze und Ludwig Rohrbach; ferner den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Lampertheim, Franz Adam Hüter I., Martin Fischer, Adam Sud- Heimer und Johannes Krämer.
* * Das Personalverzeichnis der Landes- Universität im Sommerhalbjahr 1904 ist uns heute im Druck zugegangen.
** Akademischer Gesangverein Gießen. Man schreibt uns: Als der akademische Gesangverein im Jahre 1899 auf sein 80 jähriges Bestehen zurückblicken konnte, da feierte er sein Stiftungsfest im Februar mit einem wohlgelungenen Konzert, an das sich eine stark besuchte Zusammenkunft aller Mitglieder und Freunde des Vereins anschloß. Seit jenem Tage ist der Verein stetig weiter fortgeschritten, sowohl was die Zahl seiner Mitglieder anlangt, als auch was die Werke anlangt, die er unter der vorttefslichen Leitung seines Dirigenten, des Großh. Universitätsmusildirektors G. T r a u t m a n n zur Aufführung brachte. In diesen vergangenen fünf Jahren sind u. a. folgende Werke mit großer Hingebung eingeübt worden: Schumann's Paradies und die Peri, Haydn's Schöpfung, Mendelssohns Elias, Schumanns Faustszenen, Händcl's Messias, Wolfrums Weihnacbts- mhsterium, Beethovens Missa solemnis, Brahms' Deutsches Requiem, Beethoven's 9. Sinfonie und endlich nach Berlioz Kindheit Christi usw., die I. S. Bach'sche Matthäuspaffion. Welche Unsumme an Zeit und an Fleiß sind nicht die Mitglieder des Vereins bereit gewesen zu opfern, um so viele der schwierigsten Werke aufzuführen! Und auch welche Opfer an Geld mußten gebracht werden, um die Aufführungskosten zu decken; denn zumeist blieb ein größeres oder kleineres Defizit und nur in seltenen Fällen wurde ein U eberschuß erzielt. Nur der Jdealis- mus, mit dem die Musik wie kaum eine andere Kunst die Menschen zu erfüllen vermag, läßt solche Mühen und Opfer an Zeit und Geld freudig daranwenden. Tas gilt in unserer Zeit doppelt, wo, alle Welt mehr als je für alle möglichen Bestrebungen in Anspruch genommen zu werden pflegt, in einer Zeit auch, wo des Berufes Pflichten schwerer denn je auf jedem lasten, der es überhaupt ernst mit feinem Leben nimmt. So ist es auch eine ernste beharrliche Arbeit, keine eitle Spielerei, gus der solche Aufführungen reifen, wie sie der akademische Gesangverein geboten hat und weiter zu bieten hofft! Mit diesem Bewußtsein darf der Verein auf die letzten fünf Jahre ganz besonders zurückblicken, wenn er sich nun anschickt, sein 85. Stiftungsfest wiederum mit einem Konzert zu feiern, und wir hoffen, daß der Verein an seinem Ehrenabend seine musikalischen Gaben einem musilliebendcn und zahlreich erschienenen Zuhörerkreis darbieten darf. Es wird vielleicht das letzte Konzert sein, das der Verein selbständig als alleiniger Konzertgeber veranstaltet, da eine Vereinigung geplant ist, in deren Rahmen später der Verein, berufen sein wird, die regelmäßigen Choraufführungen durch seine Mitwirkung zu ermöglichen. Wie alles andere, so sind auch die Konzertunkosten, sollen die Aufführungen auf der erreichten Höhe bleiben und fortschrcitcn, erheblich gewachsen: soll das gesteckte Ziel erreicht werden, so ist der Zusammenschluß aller maßgebenden Faktoren nötig: Einheit schafft Macht! Möge das geplante Werk gedeihen! Tas geplante Konzert wird am 6. Juli im Neuen Saalbau «Steins Garten» unter Mitwirkung hervorragender Solisten stattfinden. Eine gesellige Vereinigung wird sich anschließen. Das Programm usw. wird demnächst noch bekannt gegeben.
* * Fußball. Vor einigen Tagen gründete sich in Gießen ein zweiter Fußballklub unter dem Namen „Gießener Ballspiel-Klub". Dieser hält ebenfalls seine Uebungsspiele an Sonntagnachmittagen auf dem Trieb ab.
• • Deutsch-evangelische Seemanns mission. Sonntag, den 26. ds. Mts. wird Pfarrer Möller von der deutschen Seemannsmiffion in London den Vormittags-Gottesdienst in der Johanneskirche abhalten. Die deutsch-evangelische Seemannsmiffion bedeutet ein gewaltiges Liebeswort der ganzen deutschen Christenheit, durch das im Ausland, in den für Leib und Seele so gefährlichen Hafenstädten, den einsamen und freundlosen deutschen Seeleuten die Heimat, heimatliche Liebe und Stütze gebracht werden soll. Bei der großen Bedeutung, die der deutsche Handel heute hat, ist e§ klar, wie wichtig es ist, daß auch für die Seeleute gesorgt wird. Und diese Notwendigkeit tritt noch ernster uns entgegen, wenn wir hören, wie einsam und verlassen, verführt und auSgebeutet der deutsche Seemann im Ausland ist. TaS Missionswerk, das diese Aufgabe Deutschlands übernommen hat, die deutsch-evangelische Seemannsmiffion, hat schon große Ausdehnung gewonnen und treffliche Erfolge zu verzeichnen, aber es kann nicht bestehen und seine Aufgabe nicht erfüllen, wenn nicht alle Teile Deutschlands, die ja dach Söhne zum Dienst auf See hinaus ziehen lassen, dazu beitragen und ihr starkes Jntereffe zeigen. Pfarrer Möller wird näheres über die Arbeit berichten. Freundliche Beiträge nehmen die hiesigen Pfarrer gerne entgegen.
Wehrh eim i. T., 21. Juni. Jenatzy schwebte, wie das „Herborner Tagbl." schreibt, am Freitag in großer Gefahr, a n der Hom burg-Ufinger Bahn zu zerschellen. Die hiesigen Stationsbeamten ließen den kurz vorher eingelaufenen Zug abfahren, ohne an den ersten am Start abgelassenen Rennfahrer zu denken. Auf Zurufe hin stieß die Lokomotive zurück, und im nächsten Augenblick fegte Jenatzy wie ein Sturmwind über das Geleis.
R. B. Darmstadt, 21. Juni. Zwei schwere Unglücks fälle haben sich gestern hier ereignet. Ms am Mittag eine ältere Dame in der Rheinstraße einen Wagen der elektrischen Straßenbahn besteigen wollte, wurde sie von einem Wassersuhrwerk erfaßt, zu Boden geworfen und ütierfilmen, wobei sie so schwere Verletzungen erlitt, daß sie sofort ins städtische Krankenhaus geschafft werden mußte. — Der zweite Unfall passierte auf der Straße nach Är- heilgen in der Näbe der E. Merckschen chemischen Fabrik. Dort kam in wahnsinniger Eile ein Auto mobil dahergesaust. Ein Soldat auf dem Zweirad, der ihm entgegen* kam, wollte schnell noch dem rasender: Ungetüm ausweichen und bog zur Seite, er wurde aber dabei an einen Baum gefchleuoert und trug schwere Verletzungen am Kopfe davon. Nachdem dem Unglücklichen in der Merckschen Fabrik die erste Hilfe zuteil geworden war, wurde er in das Militär- lazarett transportiert.
Darmstadt, 21. Juni. Der Bundesvorstand beruft den 14. Bundestag der deutschen Bodenreformer auf den 15. und 16. Oktober zu un§ nach Darmstadt. Tagesordnung: 1. „Die Schwindsucht und die Wohnungsfrage." Referent: Pros. Dr. Max Grüber in München. 2. „Die Wasserkräfte — bie Bergwerke der Zukunft."


